20-Punkte-Heilplan gegen Dateninfantilität

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Stefan Münz

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Jun 2, 2007, 10:01:29 AM6/2/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo,

Ralph Segert, den ich seit Jahren als eine stabile Größe im
deutschsprachigen Web schätze (einmal hatten wir auch mal Gelegenheit,
uns persönlich kennenzulernen), prangert in seinem Blog die auch hier
desöfteren schon diskutierte Naivität? vieler User in Bezug auf die
Preisgabe persönlicher Daten im Netz an:

http://segert.net/weblog/heilplan-gegen-dateninfantilitaet/

Der 20-Punkte-Plan ist ziemlich radikal. Neben Forderungen, mit denen
sich einige vielleicht noch identifizieren können (benutze keinen
Webmail-Service, sondern ein ordentliches Mailprogramm), sind
allerdings auch Forderungen dabei, die irgendwie nach reaktionärer
Wurzelsepp-Romantik klingen (kündige alle deine Kreditkarten und kaufe
nur noch gegen Barzahlung bei Tante Emma um die Ecke).

Ich gestehe, dass ich mich bei alledem am ehesten mit dem Kommentar
von "kranich05" identifiziere:
http://segert.net/weblog/heilplan-gegen-dateninfantilitaet/#comment-15311

Vielleicht liegt es bei mir daran, dass ich durch SELFHTML gelernt
habe, dass man auch als "Public Internet Person" normal leben kann und
nicht wegen allem Panik schieben muss. Gerade das offensichtlich
Mögliche (Google bereitet aus deinem Account ein Profil für die
Rasterfahndung auf) tritt am unwahrscheinlichsten ein, so meine
Erfahrung bislang. Viel eher dagegen das, wovor man sicher zu sein
glaubt (plötzlicher Spyware-Befall trotz laufendem, aktuell gehaltenem
Virenscanner usw.).

Wie sieht es bei euch aus, wenn ihr Ralphs 20-Punkte-Heilplan lest?

viele Grüße
Stefan Münz (real name, auch so ein Verstoß)

King^Lully

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Jun 6, 2007, 6:04:17 AM6/6/07
to Webkompetenz-Forum
> Wie sieht es bei euch aus, wenn ihr Ralphs 20-Punkte-Heilplan lest?

Im IT-Bereich springen viele Leute herum, die politisch ungebildet
sind und - trara, niemand, der mich kennt, dürfte überrascht sein -
oft infantile linke Positionen vertreten (sog. "Gutmenschentum").
Der 20 Punkte Plan des Bloggers ist demzufolge auch eher politisch
(und erbärmlich dumm).

Von Interesse und die Lachmuskeln (einiger ;) reizend auch weitere
Blog-Einträge, bspw.:
http://segert.net/weblog/politiker-essen-rockstars-auf/
(Wobei ich bspw. und richtigerweise natürlich (;-) die Musik
Grönemeyers schätze und seine politischen Ansichten verachte. ;)

Stefan Münz

unread,
Jun 7, 2007, 8:38:38 AM6/7/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo King^Lully,

> Im IT-Bereich springen viele Leute herum, die politisch ungebildet
> sind und - trara, niemand, der mich kennt, dürfte überrascht sein -
> oft infantile linke Positionen vertreten (sog. "Gutmenschentum").
> Der 20 Punkte Plan des Bloggers ist demzufolge auch eher politisch
> (und erbärmlich dumm).

Ich habe zwar was die von Ralph postulierte Dateninfantilität betrifft
eine andere Position, was ich ja auch schon kundgetan habe. Doch ich
würde ihm dafür keinesfalls "Linksinfantilität" vorwerfen. Man darf
eine restriktive Haltung gegenüber der Preisgabe persönlicher Daten an
Webanbieter finde ich durchaus erst mal respektieren, ohne sie gleich
in eine bestimmte Schublade zu tun.
Zusammen mit anderen Postings des Blogs mag sich auch das Bild eines
"typischen" linken Moralisten ergeben. Mit schmunzelnder Abwertung
wirst du allerdings die ideologische Front einer "typischen" Position
nur manifestieren. Auf die Dauer ist eine kritische Auseinandersetzung
besser (wenn auch anstrengender). Oder war das jetzt auch wieder ein
moralinsaueres Gutmenschenargument? ;-)

viele Grüße
Stefan Münz

King^Lully

unread,
Jun 7, 2007, 9:25:23 AM6/7/07
to Webkompetenz-Forum
> Ich habe zwar was die von Ralph postulierte Dateninfantilität betrifft
> eine andere Position, was ich ja auch schon kundgetan habe. Doch ich
> würde ihm dafür keinesfalls "Linksinfantilität" vorwerfen.

Grönemeyer ordne ich aber klar dem genannten Lager zu, Heise ist mir
auch suspekt, es tummeln sich auch etliche Blogs (mit IT-Kontext), die
linksnaive Positionen hegen und pflegen, im SELFHTML-Forum gibt es
ebenfalls Beispiele noch und nöcher, es sind meist junge Menschen, die
ihre Schulbildung einbringen.

> Man darf
> eine restriktive Haltung gegenüber der Preisgabe persönlicher Daten an
> Webanbieter finde ich durchaus erst mal respektieren, ohne sie gleich
> in eine bestimmte Schublade zu tun.

Aber warum pflegen da welche diese Maximalpositionen? In Einzelpunkten
hat der Blogger natürlich recht, aber die Dosis macht das Gift.

> Zusammen mit anderen Postings des Blogs mag sich auch das Bild eines
> "typischen" linken Moralisten ergeben. Mit schmunzelnder Abwertung
> wirst du allerdings die ideologische Front einer "typischen" Position
> nur manifestieren. Auf die Dauer ist eine kritische Auseinandersetzung
> besser (wenn auch anstrengender). Oder war das jetzt auch wieder ein
> moralinsaueres Gutmenschenargument? ;-)

Da hast Du wie immer recht, ich stelle eben erst einmal eine kräftige
Gegenposition vor, die zusammen mit den Basisthesen diskutiert werden
soll, wird diese Position angefeindet, ist meist sowieso nichts mehr
argumentativ zu machen.
Ist wirklich nicht so anstrengend. ;)

Swen Wacker

unread,
Jun 11, 2007, 10:44:14 AM6/11/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo,

Stefan Münz schrieb:


> Wie sieht es bei euch aus, wenn ihr Ralphs 20-Punkte-Heilplan lest?

Ich kann die Befürchtung nachvollziehen, weiß aber nicht so recht,
warum denn der Datenschutz allein auf das Internet beschränkt sein
soll und warum der gläserne Kunde Angst bereitet, der gläserne
engagierte Bürger aber nicht.

Ralph zählt eine Reihe von Möglichkeiten auf, wie man seine Daten (im
Internet) verschleiern oder nicht mal entstehen lassen kann. Das
Problem kennen wir nicht nur aus dem "Internet" oder bei netbasierten
Techniken im Allgemeinen. Es ist uns schon seit längerem bekannt, wenn
wir über Institute wie Schufa, die Zeiten der (Daten)Monopole bei
Telefon, Strom etc oder etwa den Volkszählungsboykotts nachdenken.

Die Befürchtung, im _Verbrauch_ gerasterfahndet zu werden, kann nur
noch überwinden, wer kein Konto unterhält, nur bar gezahlt, häufiger
den Einkaufsladen wechselt und möglichst jede Gewohnheit vermeidet
sowie ... Dabei ist die Grenze zwischen akzeptierter Durchleuchtung
und Belästigung sehr unscharf, Reinheit im Verhalten also schwerlich
erreichbar: Wenn der Schlachter meines Vertrauens auf dem Wochenmarkt
weiß, wie ich den Schinken geschnitten haben möchte - kommt er nicht
vielleicht auch mal auf die Idee, mich an den benachbarten
Spargelstand zu verpetzen, damit der mich unaufgefordert mit
Spargelanpreisungen "anspamt"? Oder der Kellner, der weiß, wie ich
meinen Kaffee zubereitet haben möchte ...

Aus meiner praktischen Erfahrung ist die private (also: nicht
staatliche) "Gesinnungsfahndung" durch das öffentliche Archiv, das das
WWW auch ohne google, Web 2.0 etc ist, häufig noch schlimmer als das
Bekanntwerden der Ebay-Einkaufgewohnheiten. Wer vor Jahren im
jugendlichen Überschwang etwas im SELFHTML-Forum veröffentlicht hat
und jetzt damit konfrontiert ist, dass der zukünftige Arbeitgeber oder
die begehrte Frau solche Sachen fröhlich wiederfindet .... der wird m.
E. lernen müssen, dass nicht Verweigerung sondern Meinungs- bzw.
Medienkompetenz gefragt ist. Wir müssen lernen, mit dem Kulturwerkzeug
Internet umzugehen, nicht es zu vermeiden. Denn es kann ja nicht Ziel
sein, sich nicht mehr im Netz zu äußern oder dies nur unter unter der
Tarnkappe einer anonymen Buchstabensuppe. Ralph sagt zu Recht selbst,
dass es nicht darum gehen könne, sich nicht mehr im Netz (politisch)
zu engagieren. Aber wer schon Amazon fürchtet und 20 Hinweise zur
Webabstinenz erhält, wird der nicht alsbald Angst vor dem
durchleuchtenden Staat oder Arbeitgeber haben oder bekommen, der
Meinungsäußerungen seiner Bürger / Mitarbeiter datensammelt? Aus
meiner Sicht sollten da also nicht allein 20 Thesen gegen etwas stehen
sondern viel mehr aktive Thesen für Webkompetenz(!): Leute, denkt
nach, bevor ihr was macht; Aber dann macht es auch! Bezieht
Standpunkt! Mischt mit! Teilt euch mit! Lasst die anonymen
Schreiberlinge mit ihren hingerotzten Wortfetzen und Meinungsstückchen
alt aussehen!

Unser Recht auf informationelle Selbstbestimmung darf man uns nicht
nehmen. Und wir sollten diese Bürgerrecht nicht unachtsam wegwerfen.
Aber das geht nicht, indem man allein dazu aufruft, die Zahnpasta
weitgehend wieder in die Tube zu drücken, sondern indem wir einerseits
die Datensammler und -auswerter beschneiden durch starke
Datenschützer. Und anderseits müssen wir erkenne, dass es da überhaupt
erstmal eine Information gibt, die es lohnt, selbstbestimmt und damit
schützenswert zu sein! Und dafür muss ich nicht (allein) Daten
verweigern oder mich auf den behutsamen Umgang damit verlassen können.
Dafür muss ich mich engagieren und Daten produzieren, die es lohnen,
gesammelt zu werden (Punkt 20 des Plans, sozusagen, aber eben nicht
nur auf das einen Thema bezogen.


Gruß

Swen

Stefan Münz

unread,
Jun 11, 2007, 5:49:42 PM6/11/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo,

kleine Nachlese noch:
http://segert.net/weblog/web-20-unter-generalverdacht/

Ich finde, Ralph setzt sich mit sichtlich zwei Seelen in der Brust mit
den neueren Realitäten auseinander. Ein Grund mehr, ihn nicht gleich
in irgendeine Schublade zu verstauen. Weshalb ich den Beitrag
verlinke, hat aber noch einen anderen Grund. In Ralphs Beitrag bin ich
über einen Link gestolpert, den ich unbedingt weitergeben muss:

http://informiert-wolfgang.de/

Na also, wenn das kein Beweis für das Funktionieren des Mitmach-Web
ist ;-)

viele Grüße
Stefan Münz

Stefan Münz

unread,
Jun 12, 2007, 10:24:19 AM6/12/07
to Webkompetenz-Forum
Antwort auf Swen im Webkompetenz-Forum:

http://groups.google.com/group/webkompetenz/browse_frm/thread/995b52660b419fa7

Hallo Swen,

> Wir müssen lernen, mit dem Kulturwerkzeug
> Internet umzugehen, nicht es zu vermeiden. Denn es kann ja nicht Ziel
> sein, sich nicht mehr im Netz zu äußern oder dies nur unter unter der
> Tarnkappe einer anonymen Buchstabensuppe. Ralph sagt zu Recht selbst,
> dass es nicht darum gehen könne, sich nicht mehr im Netz (politisch)
> zu engagieren.

Sehe ich ähnlich - und so verstehe ich letztlich auch den Begriff
"Webkompetenz": Auseinandersetzung mit den neuen Realitäten und
Möglichkeiten und dabei nicht nur um die nächste Ecke denken oder den
schnellsten Reflexen gehorchen.

Wir befinden uns derzeit mitten in einer Explosion: nämlich in der
Explosion verfügbarer Daten und Informationen. Einerseits finden wir
das toll (ein paar Klicks, und ich kann mich über einen bislang
unbekannten Fach-Terminus informieren oder Sachen bestellen, die ich
in keinem Laden bekomme). Andererseits macht es uns
verständlicherweise Angst (wer weiß eigentlich schon wie viel über
mich? Und welche Konsequenzen könnte das für mich haben?). Toll finden
wir also, an wie viele Informationen wir sehr leicht kommen. Ganz und
gar nicht toll finden wir dagegen, wie viele Informationen über uns
selbst wir preisgeben. Doch das ist nun mal der Saldo. Gerade Web-2.0-
Anwendungen leben davon. Beispiel:
http://www.stayfriends.de/
Nett, darüber alte Schulkameraden wiederzufinden. Funktioniert aber
nur, weil diverse Kameraden so nett waren, sich dort schon
einzutragen. Wenn man so was also toll findet, sollte der eigene
moralische Imperativ eigentlich sogar dafür plädieren, sich selber
einzutragen. Denn wer nimmt, sollte auch geben. Natürlich kann man
fragen: brauchen wir das alles? Doch egal ob wir mit tiefer
Gedankenfurcht in der Stirn fragen oder nicht - es wird verwendet, und
immer mehr Leute machen mit.

Bei alledem muss man selber entscheiden, wo man anonym, pseudonym oder
unter RealName-Identität auftreten will. Bei Services wie dem oben
genannten bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als unter RealName-
Identität aufzutreten. In einem politischen Forum dagegen ist es egal,
ob ein "echter" Name unter dem Postings steht oder ein fiktiver, was
zählt ist das Geschriebene. Allerdings sollte man da auch noch mal
unterscheiden zwischen eher anonymer Teilnahme (wechselnde erfundene
Namen) und pseudonymer Teilnahme (wiederverwendeter fiktiver Name, der
eine Zuordnung verschiedener Postings zum gleichen Urheber und damit
zu einer Persönlichkeit, nicht aber einer bestimmten Person zulässt).
Das alles ist ja das, was man unter Identitätsmanagement versteht.
Siehe http://groups.google.com/group/webkompetenz/browse_frm/thread/267ab5be8e5ca9dc

viele Grüße
Stefan Münz

King^Lully

unread,
Jun 12, 2007, 12:01:12 PM6/12/07
to Webkompetenz-Forum
> http://informiert-wolfgang.de/

Leute, die IM-Bashing betreiben, sind immer recht einfach gestrickt,
bewerten bspw. die Sicherheitsinteressen vgl. mit dem Schutz
persönlicher Daten sehr einseitig.

Denke schon, dass der Ralph in die Schublade "Webworking-Linker" passt.

ne...@rare.de

unread,
Jun 12, 2007, 9:17:18 PM6/12/07
to Webkompetenz-Forum

> Denke schon, dass der Ralph in die Schublade "Webworking-Linker" passt.

Ey klasse, daraus bastel ich mir einen Button. ;)


King^Lully

unread,
Jun 13, 2007, 1:19:24 PM6/13/07
to Webkompetenz-Forum
> > Denke schon, dass der Ralph in die Schublade "Webworking-Linker" passt.
>
> Ey klasse, daraus bastel ich mir einen Button. ;)

Die o.g. Schublade ist wie eine Fliegenfalle, da passen ganz viele
rein. Irgendwie korreliert IT und linkes Meinungsgut, warum? - M.E.
laufen im IT-nahen Bereich viele Spezialisten herum, die sich
irgendwie benachteiligt fühlen.

Stefan Münz

unread,
Jun 13, 2007, 5:45:56 PM6/13/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo King^Lully,

> Die o.g. Schublade ist wie eine Fliegenfalle, da passen ganz viele
> rein. Irgendwie korreliert IT und linkes Meinungsgut, warum? - M.E.
> laufen im IT-nahen Bereich viele Spezialisten herum, die sich
> irgendwie benachteiligt fühlen.

Ist denn linkes Meinungsgut gleichbedeutend mit Sich-benachteiligt-
Fühlen? Und fühlen sich besonders viele IT-ler benachteiligt? Den
Eindruck habe ich ehrlich gesagt nicht. Ales, was geradezu unheimlich
erfolgreich ist, wird nur zu gerne des Bösen verdächtigt, auch
innerhalb des IT-Bereichs - egal ob Microsoft oder Google. Nur Apple
lieben selbst gestandene OpenSource-Freaks - keine Ahnung warum -
vielleicht, weil sie so nett auf technisch besseren Underdog machen
gegenüber Microsoft. Es gibt auch Leute, die können PHP und MySQL
nicht ab, einfach weils erfolgreich ist und funktioniert (was sie
natürlich bestreiten). Aber ich glaube, solche Reflexe sollte man
nicht mit "politisch links angesiedelt" in einen Topf werfen. Und ja,
es gibt natürlich auch Leute im Web, die tatsächlich politisch links
angesiedelt sind und publizieren. Ist ja auch normal - das Web ist
Teil der Welt. Ob es besonders viele sind, vermag ich nicht zu sagen.
Mein subjektiver Eindruck sagt eher nein, da dieses klassische Links-
Sein sowieso fast nur noch unter Übervierzigern zu finden ist. Die
Jüngeren ticken anders und haben andere Schubladen.

viele Grüße
Stefan Münz

King^Lully

unread,
Jun 13, 2007, 8:08:56 PM6/13/07
to Webkompetenz-Forum
Das war natürlich eine Polemik.

> > Die o.g. Schublade ist wie eine Fliegenfalle, da passen ganz viele
> > rein. Irgendwie korreliert IT und linkes Meinungsgut, warum? - M.E.
> > laufen im IT-nahen Bereich viele Spezialisten herum, die sich
> > irgendwie benachteiligt fühlen.
>
> Ist denn linkes Meinungsgut gleichbedeutend mit Sich-benachteiligt-
> Fühlen?

In der Theorie fühlen sich Anhänger extremer politischer Richtung
benachteiligt, siehe Neo-Nazis ("Man will uns D wegnehmen!"), Linke
("soziale Ungerechtigkeit") und Islamisten ("Wir werden diskriminiert,
Islamophobie!").

> Und fühlen sich besonders viele IT-ler benachteiligt? Den
> Eindruck habe ich ehrlich gesagt nicht. Ales, was geradezu unheimlich
> erfolgreich ist, wird nur zu gerne des Bösen verdächtigt, auch
> innerhalb des IT-Bereichs - egal ob Microsoft oder Google.

Und warum gibt es diese Verdächtigungen?

> Mein subjektiver Eindruck sagt eher nein, da dieses klassische Links-
> Sein sowieso fast nur noch unter Übervierzigern zu finden ist. Die
> Jüngeren ticken anders und haben andere Schubladen.

Nach meinen Erfahrungen wird Links-Sein an der Schule geübt, ein paar
Beispiele:
- die Marktwirtschaft ("Win-Win"s anstreben, was ist Mehrwert, warum
ist MWS natürlich, etc.) wird schlecht vermittelt
- die USA werden heruntergemacht (beliebte Themen: Todesstrafe,
"Imperialismus", Bush (Reagan, Bush 1), "Kapitalismus" (den es ja
bekanntlich nicht gibt und nur eine linke Sicht auf die MWS
darstellt))
- Relativismus wird geübt (ich hatte selbst mal das Vergnügen die DDR
und die BRD "reflektiert" und "differenziert" vergelichen zu müssen,
amerik. Christen werden mit Islamisten verglichen, Israel wird zum
Täter stilisiert (u.a. weil Israel militärisch potenter ist, Lehrer
haben ein Herz für Verlierer))

Naja, und dann kommen die Jungs aus der Schule, haben sich vielleicht
schon zu Schulzeiten IT reingehauen (so wie ich auch) und kommen in
diese komische IT-Szene (als Studis oder Fachinformatiker oder
Webworker), die nach meinen Erfahrungen mdst. 50% Linke beherbergt.
Dann schliesst sich der Kreis.

Gerade die Jüngeren sind merkwürdigerweise oft links, später legt sich
das dann oft.

Hat jemand schon mal rechte IT-Fachkräfte gesehen? (Nein, die will ich
nicht herbeibeten. ;)

ne...@rare.de

unread,
Jun 13, 2007, 7:09:56 PM6/13/07
to Webkompetenz-Forum

Zum Teil rennt ihr offene Türen ein, dazu meine direkte Antwort auf
den Kommentar von Kranich:

http://segert.net/weblog/heilplan-gegen-dateninfantilitaet/#comment-15312

Swen Wacker schrieb:


> warum denn der Datenschutz allein auf das Internet beschränkt sein
> soll und warum der gläserne Kunde Angst bereitet, der gläserne
> engagierte Bürger aber nicht.

Das stimmt , da habe ich nicht weit genug gedacht. Doch es geht mir
nicht um ,,Angst" (mein Text ist auch keine Angstmache), es geht um
Belästigung (Telefon, Email), Akquisepränetanz, Benachteiligungen bei
Kreditvergabe und Kontoeröffnung, Spyware, Betrug.

> Die Befürchtung, im _Verbrauch_ gerasterfahndet zu werden, kann nur
> noch überwinden, wer kein Konto unterhält, nur bar gezahlt, häufiger
> den Einkaufsladen wechselt und möglichst jede Gewohnheit vermeidet

Hm, das sehe ich nicht so. Das, was man durch ein, ich sage einmal
sehr aktives und zudem naives Webverhalten (der Kandidat hat 15 von 20
Punkte) an Daten hinterläßt, kommt nicht an die Menge heran, die ich
erzeuge, wenn ich ganz normal im realen Leben wie vor der Zeit des
Internets lebe und konsumiere (vermute ich). Und hallo, so ein Leben
dürfte ich doch trotz Internet immer noch wählen (also ein Leben ohne
Internet oder beschränkt auf Online-Banking und Sportnachrichten ;-),
ohne als ,,reaktionärer Wurzelsepp" mit Vorliebe für Tante Emma
bemitleidet zu werden.

> Aus meiner Sicht sollten da also nicht allein 20 Thesen gegen etwas
> stehen sondern viel mehr aktive Thesen für Webkompetenz(!): Leute,
> denkt nach, bevor ihr was macht; Aber dann macht es auch!

Zustimmung. Was mir deutlich macht, dass Motivationen zum Schreiben zu
hinterfragen sind, wenn der Schuss nicht eventuell nach hinten
losgehen soll. Anstatt die Userbeschimpfung hätte ich die
Useraufklärung als Ausgangspunkt wählen können, was ich auch oft genug
getan habe. Aber das gehört eben auch zur Freiheit des Bloggens,
einfach frisch weg vom Leder ziehen, wem das dann hilft oder anregt,
wem es abschreckt oder anwidert ist eine ganz andere Frage, Feedback
wird es zeigen, oder auch nicht. ;-) Zudem bin bei Texten von
Bloggern mittlerweile vorsichtig, schliesse nicht auf die ganze
Person, vesuche nicht nach dem Lesen einiger Texte vorschnell zu
urteilen.

Was ich jetzt mit Distanz an meinem Text kritisiere, ist diese
Beliebigkeit der Aufzählung (der Wille zur 20 ;-). Wenn ich einem
Unternehmen kostenfrei Content verschenke, dann hat das ein anderes
Gewicht, als wenn ich für Beratung meine persönlichen Daten abgebe und
dafür 2 Wochen später die Rechnung bekomme (IQ-Test z.B., darauf ist
mein Sohn (15) reingefallen, Geld haben sie aber keins bekommen).
Praktischer wäre also allemal ein kleiner Ratgeber für sinnvollen
Datenschutz im Internet und Schutz vor Betrug etc. gewesen.

> Unser Recht auf informationelle Selbstbestimmung darf man uns nicht
> nehmen. Und wir sollten diese Bürgerrecht nicht unachtsam wegwerfen.
> Aber das geht nicht, indem man allein dazu aufruft, die Zahnpasta
> weitgehend wieder in die Tube zu drücken, sondern indem wir einerseits
> die Datensammler und -auswerter beschneiden durch starke
> Datenschützer.

Da sieht es aber duester aus. Datenschützer sind hierzuland eher
öffentliche Mahner ohne politischen Einfluss, auf die würde ich mich
nicht verlassen, dann lieber auf starke Bürger, die wissen, das
Privatsphäre ein demokratisches Gut ist und die genügend Kompentenz
haben, um für entsprechende politische Mehrheiten zu sorgen oder
wenigstens Anfänge zu schaffen, die die Arbeit von FoeBuD verstehen
und fördern, die die Texte von Streitern wie Peter Glaser diskutieren
und verbreiten, sich stärker vernetzen für das Ziel Datenschutz, aber
auch Texte schreiben, die nicht nur die erreichen, die eh Bescheid
wissen, sondern die ,,Unbedarften", ,,Gleichgültigen". Ob das etwas
bringen, an der gegenwärtigen Entwicklung ändern würde, ist eine
andere Frage. Ich bin da eher pessimistisch.

Stefan Muenz schrieb:


> Ich finde, Ralph setzt sich mit sichtlich zwei Seelen in der Brust mit
> den neueren Realitäten auseinander. Ein Grund mehr, ihn nicht gleich
> in irgendeine Schublade zu verstauen.

In Schubladen wird man immer gesteckt, ihr habt ja anscheinend einen
Spezialisten dafuer im Forum ;-). Ich kann nur sagen, das mein Bloggen
auch ein Lernen ist. Und was ich auch schreibe und wie auch immer ich
das formuliere, ich schreibe es nicht für die Ewigkeit. Da ich das
Netz nach jetzt über 11 Jahren immer noch intensiv lebe, bleibt es
nicht aus, dass sich Widersprüche in mir auftun. Wie ich in dem oben
verlinkten Kommentar bereits schrieb, bin ich nicht der
datengepanzerte Musterknabe. Ich hadere auch mit manchem, vergesse
auch manchen Vorsatz, werde aber sicher nicht die 20 Punkte erreichen
(wollen).

Zum Thema ,,neuere Realitäten", das hoert sich in dem Zusammenhang so
an, als ob Du sie bereits kennen würdest (man koennte ja mal über ein
Email-Interview nachdenken, du hast ja den Vergleich zwischen früher
und heute sicher intus ;-)

KingLully schrieb:


> Die o.g. Schublade ist wie eine Fliegenfalle, da passen ganz viele
> rein. Irgendwie korreliert IT und linkes Meinungsgut, warum? - M.E.
> laufen im IT-nahen Bereich viele Spezialisten herum, die sich
> irgendwie benachteiligt fühlen.

Ich fühle mich nicht angeprochen. Weder bin ich Spezialist, noch fühle
ich mich benachteiligt, im Gegenteil, ich bin mir meiner Privilegien
bewusst und deshalb finde ich Moral und politische Empörung auch nicht
verwerflich oder heuchlerisch.

Bisher weiss ich nicht, worauf Du ueberhaupt hinauswillst, ausser
vielleicht Deine Abgeklärtheit und Deinen hohen Erkenntisgrad zur
Schau zu stellen (vielleicht bist Du auch der Teufel in Stefans Brust,
man weiss ja nie). Nun, das fällt mir ein bei Worten wie "einfach
gestrickt", "linksnaive Positionen hegen und pflegen", ,,infantile
linke Positionen" "erbärmlich dumm" und "Gutmenschentum". Auffällig
viele Abwertungen in recht wenig Text und noch weniger Argumenten. Mit
Verlaub, erinnert an die reaktionäre Masche der Abwertung des Gegners
(ich gebrauche bewusst das Wort reaktionär so leichtfertig wie Stefan
bei seinem ,,Wurzelsepp", niemand ist reaktionär, nur weil er ohne
Kreditkarten auskommen und lieber in echten Geschäften (Bücher z.B.)
einkaufen will).

Ansonsten sehe ich mein Linkssein und ,,die Linken" durchaus kritisch,
auch wenn ich mich von manchen Reflexen aus Wut und Empörung nicht
freisprechen kann und schon allzuoft einsehen musste, dass ich doch
hier und dort allzu sehr über einen Kamm scherte oder noch schere.

King^Lully

unread,
Jun 14, 2007, 7:55:32 AM6/14/07
to Webkompetenz-Forum
> > Unser Recht auf informationelle Selbstbestimmung darf man uns nicht
> > nehmen. Und wir sollten diese Bürgerrecht nicht unachtsam wegwerfen.
> > Aber das geht nicht, indem man allein dazu aufruft, die Zahnpasta
> > weitgehend wieder in die Tube zu drücken, sondern indem wir einerseits
> > die Datensammler und -auswerter beschneiden durch starke
> > Datenschützer.
>
> Da sieht es aber duester aus.

Es gibt überhaupt kein Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Und
wenn es eines gäbe, wie sollte das dann genau aussehen? Der Bürger
wird von staatlicher und privater Seite über jede Speicherung und
Änderung seiner Daten informiert?

Wenn es so gewünscht sein sollte von den "Rechtehabern", dann sei
denen gesagt, dass ein Mehr an "informationeller
Selbstbestimmung" (das Wort ärgert mich durch und durch, implitziert
es doch das Recht, selbst über Informationen seine eigene Person
betreffend bestimmen zu können, wo kämen wir denn hin, wenn das
konsequent durchgezogen werden würde?) der Wirtschaft und dem Staat,
gerade auch bei der Gefahrenabwehr und Strafverfolgung, also der
Allgemeinheit, massiv schaden würde. Zumindest wäre der Mist nicht
praktikabel und irgendwelche Teillösungen würden Schäden mit sich
bringen.

Die "informationelle Selbstbestimmung" ist zu Zeiten der
Volkszählungshysterie entwickelt worden und die seinerzeit linke und
dumme Diskussion zum Thema Datenspeicherung hat diesen Auswuchs in
einer Formulierung des Verfassungsgerichts gebracht.

Die bekannte gelegentlich vorkommende ungünstige psude-
gesetzgeberische Macht des o.g. Gerichts bedeutet natürlich immer auch
ein Weniger an Demokratie, glücklicherweise wird das wie oben
postulierte Recht von den Praktikern der Politik augenzwinkernd
"übersehen" und der Vorstoss ist grösstenteils wirklungslos geblieben.

Der eiserne Hans hat sogar gegen das o.g. Recht verstossend die
Konsteneinsicht durch die Faínanzämter ermöglicht, sehr zum Unwillen
der FDP vermutlich, die Steuerhinterziehung immer mehr oder weniger
indirekt unterstützt hat bzw. (besser ;) nichts unternommen hat um
Steuerhinterziehung effizient bekämpfen zu können.

Swen Wacker

unread,
Jun 14, 2007, 10:50:18 AM6/14/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo,

> Swen Wacker schrieb:
> > warum denn der Datenschutz allein auf das Internet beschränkt sein
> > soll und warum der gläserne Kunde Angst bereitet, der gläserne
> > engagierte Bürger aber nicht.
>
> Das stimmt , da habe ich nicht weit genug gedacht. Doch es geht mir
> nicht um ,,Angst" (mein Text ist auch keine Angstmache), es geht um
> Belästigung (Telefon, Email), Akquisepränetanz, Benachteiligungen bei
> Kreditvergabe und Kontoeröffnung, Spyware, Betrug.

Ich erkenne den Grund und die Notwendigkeit für Deinen Blog-Beitrag.
Und ich teile Deine Ansicht, dass wir häufig genug sträflich
leichtsinnig mit (unseren) Daten umgehen. Ich halte das nur nicht für
ein (allein) Internetbasiertes Problem. Belästigung an Telefon, z.B.
aggressive Kaltakquise am Telefon, Auswertung von Kauf- und
Konsumverhalten durch "Kundenkarten", RFID-basiertes Kundentracking,
Bewertung der Bonität oder Kreditwürdigkeit durch die SCHUFA ... Die
meisten Deiner oben genannten Gefahren kennen wir ja leider schon und
leider schon viel zu lang. Das Internet hat uns mit Emails, Spyware
oder wegen der technischen Leichtigkeit der Kundenverfolgung ein paar
neue Werkzeuge bzw. Brandherde beschert, aber eigentlich nichts
grundsätzlich Neues. Klar, allein weil die Gefahr der ungewollten
Gläsernheit durch das Internet und die sich daraus entwickelnden
Techniken anwächst, lohnt es sich allemal, auf die Gefahren
hinzuweisen.
Leider Gottes leiden griffige Aufzählungen wie die Deine unter der
potentiellen Gefahr, dem Boulevard als - losgelöst von Deinem Kontext
- lebenspraktische Verhaltensrichtlinie zu dienen :-)

> > Die Befürchtung, im _Verbrauch_ gerasterfahndet zu werden, kann nur
> > noch überwinden, wer kein Konto unterhält, nur bar gezahlt, häufiger
> > den Einkaufsladen wechselt und möglichst jede Gewohnheit vermeidet
>
> Hm, das sehe ich nicht so. Das, was man durch ein, ich sage einmal
> sehr aktives und zudem naives Webverhalten (der Kandidat hat 15 von 20
> Punkte) an Daten hinterläßt, kommt nicht an die Menge heran, die ich
> erzeuge, wenn ich ganz normal im realen Leben wie vor der Zeit des
> Internets lebe und konsumiere (vermute ich).

Denken wir doch einfach nur an die Zeiten der Rasterfahndung der
siebziger oder achtziger Jahre zurück. Da musste ich nämlich bei der
Formulierung meines eben von Dir zitierten Absatzes ungewollt dran
denken. Eine Anleitung für im Untergrund lebende Terroristen hätte
damals sicher kaum anders ausgesehen (die haben meiner Erinnerung nach
die Miete auch nur in bar bezahlt). Und es würde mich nicht wundern,
wenn Geheimdienste schon jetzt Zugriff auf die Daten irgendwelcher
Warenhauskettenkundenkarten, MilesandMore- oder Bahnbonuskarten oder
"was weiss ich, was es da noch gibt"-Karten haben. Bei jedem
Preisausschreiben läufst Du Gefahr, dass es nur um Adressenfang geht.
Kein Volksfest ohne zur Schau gestellte hochwertige Karosse, die man
vorgeblich gewinnen kann, wenn man nur mal kurze seine Adresse auf ein
Kärtchen schreibt und die immerhin so ehrlich sind, nicht mal mehr
banale Rätselfragen zu stellen. Man kann das nur ertragen, wenn man
bewusst Schreibfehler in die Adresse einbaut und so die Wanderung der
Kundendaten von Händler zu Händler beobachtet.

> Aber das gehört eben auch zur Freiheit des Bloggens,
> einfach frisch weg vom Leder ziehen, wem das dann hilft oder anregt,
> wem es abschreckt oder anwidert ist eine ganz andere Frage, Feedback
> wird es zeigen, oder auch nicht. ;-)

Das ist für mich das Erfrischende an Blogs: Das Recht auf das
schnelle, nicht schon zwanzigmal hin und hergewälzte Wort. Die
Grundvermutung, dass in einem Blog aktuelle, frische, eben noch nicht
zu Ende gedachte Dinge das Licht der Welt erblicken, unterscheidet das
Medium von typischen Printmedien, wo schon wegen der Mühe des
Veröffentlichens ein größerer Anspruch an Endgültigkeit herrscht. So
gesehen: Her mit der nächsten 20-Thesen-Liste :-)

> Da sieht es aber duester aus. Datenschützer sind hierzuland eher
> öffentliche Mahner ohne politischen Einfluss,

Sie haben die Waffe der öffentlichen Anprangerung, die man nicht
unterschätzen darf. Und sie haben sich, jedenfalls in Schleswig-
Holstein, eine Ruf als kompetente Streiter für Bürgerrechte gemacht.
Ich arbeite in einer Behörde, die mit immens großen, "lohnenswerten"
Daten umgeht. Natürlich ärgern wir uns ab und an über pedantische
Nachfragen und aus unserer Sicht manchmal zu kleinlich erscheinende
Bedenken. Wir wissen aber auch, dass man als Fachmann schnell dazu
neigt, die eigene Bequemlichkeit zu sehr zu betonen.


Gruß

Swen

Swen Wacker

unread,
Jun 14, 2007, 11:14:27 AM6/14/07
to Webkompetenz-Forum
Moin Ludger,

> Es gibt überhaupt kein Recht auf informationelle Selbstbestimmung.

Doch, gibt es: http://de.wikipedia.org/wiki/Informationelle_Selbstbestimmung

> "übersehen" und der Vorstoss ist grösstenteils wirklungslos geblieben.

Ich arbeite in einem datenintensiven staatlichen Bereich und ich kann
Dir versichern, dass diese Urteil vieles verändert hat und zu einem
feinfühligerem Umgang mit Daten geführt hat.

> Der eiserne Hans hat sogar gegen das o.g. Recht verstossend die
> Konsteneinsicht durch die Faínanzämter ermöglicht,

Bitte informiere Dich noch einmal in Ruhe und Vorurteilsfrei über den
damaligen Beschluss des BVerG und über die daraus zu ziehenden
Konsequenzen. Etwas verkürzt: Ohe gesetzliche Grundlage keine
Datensspeichung oder -verwertung. Wenn nun der Gesetzgeber (Parlament)
der Verwaltung (Finanzbehörden) erlaubt, bestimmte Daten (Einsicht in
Bankkonten) einzusehen oder auszuwerten, dann kann man das politisch
doof finden oder anders haben wollen. Aber ein Verstoß gegen ein
Grundrecht ist das solange nicht, wie es eines gesetzliche Basis hat -
und die gesetzliche Basis an sich nicht ohne erkennbar
rechtfertigenden Grund Daten durchwühlen will.


Swen

King^Lully

unread,
Jun 14, 2007, 11:58:40 AM6/14/07
to Webkompetenz-Forum
> > Es gibt überhaupt kein Recht auf informationelle Selbstbestimmung.
>
> Doch, gibt es:http://de.wikipedia.org/wiki/Informationelle_Selbstbestimmung

Kenn ich doch, war sogar zu Zeiten der seinerzeitigen Urteile
aufmerksamer Beobachter. Das o.g. Recht ist vom Verfassungsgericht
entwickelt worden, unter zeitgleichem massiven öffentlichen Druck.
Demokratisch ist das Ding nicht legitimiert, nicht einmal sauber
definiert und wäre es Gesetzeslage hätte das weitreichende
Konsequenzen, die keiner will.

> > "übersehen" und der Vorstoss ist grösstenteils wirklungslos geblieben.
>
> Ich arbeite in einem datenintensiven staatlichen Bereich und ich kann
> Dir versichern, dass diese Urteil vieles verändert hat und zu einem
> feinfühligerem Umgang mit Daten geführt hat.

Datenschutzbeauftragte schwirren herum, Firmen müssen welche ernennen,
ich kann Dir aber versichern, dass firmeneigene datenschutzbeauftragte
oft ein ganz anderes Verständnis zur Sache haben als das seinerzeit
gewünschte.

> Aber ein Verstoß gegen ein
> Grundrecht ist das solange nicht, wie es eines gesetzliche Basis hat -
> und die gesetzliche Basis an sich nicht ohne erkennbar
> rechtfertigenden Grund Daten durchwühlen will.

Man könnte auch sagen, dass das "Grundrecht auf informationelle
Selbstbestimmung" nicht umgesetzt wurde sondern stattdessen manchmal
vernünftige manchmal weniger vernünftige Gesetze und Regelungen
implementiert worden sind, die glücklicherweise von Mandatsträgern
beschlossen wurden und nicht von Richtern.

Wilhelm Turtschan

unread,
Jun 23, 2007, 2:25:08 PM6/23/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo Stefan,

> Wie sieht es bei euch aus, wenn ihr Ralphs 20-Punkte-Heilplan lest?

Naja, in den 20 Punkten ist jetzt nicht soviel Neues zu finden, im
Gegenteil, es ist nichts aufgeführt (bis auf einen Punkt), der bei mir
nicht sowieso schon zutreffend ist. Aber trotzdem noch ein paar
Anmerkungen:

zu 1.) Dann müsste er aber auch so konsequent sein und die Benutzung
von Bankkarten für bargeldloses zahlen zu vermeiden. Nur habe ich
ehrlich gesagt keinen Bock, bei größeren Anschaffungen mit z.B. 2000
Euronen im öffentlichen Nahverkehr oder in wuselnden Fussgängerzonen
unterwegs zu sein.

zu 2.) Wenn ich mir einen Lizenzcode aus USA/UK für eine Software
kaufen muss, bleibt Kreditkarte oder PayPal oft nur die einzige
Möglichkeit. Da ich nicht im Besitz einer KK bin, bleibt nur PayPal.
Meine Bankdaten kriegt der Verkäufer sowieso, egal ob KK PP oder
Überweisung.

zu 5.) Kommt darauf an, was man sich von einer Community erwartet und
was einem geboten wird. Durch die Registrierung steigt die
Möglichkeit, dass sich Dummbratzen daran gar nicht beteiligen.

zu 7.) Da gehe ich überhaupt nicht mit. ich finde nichts übler, als
unter dem Deckmantel eines anonymen Blubberers gequirlten Schwachsinn
im Netz zu lesen. Weitere Ausführungen hierzu verkneife ich mir
jetzt. ;-)

Lediglich Punkt 12 und 18 treffen bei mir nicht zu.
Anonymisierungsserver sind mir zu umständlich und meine
Hauptmailadresse ist sowieso schon relativ verbrannt.

Abschliessend: Es ist berechtigt, sich über die ganze
Vorratsdatenhaltung etc. Gedanken zu machen, nur wird in manchen
Diskussionen auch über das Ziel hinaus geschossen. Gesundes Mißtrauen
ist angebracht, aber paranoide Einstellungen sollte man auch
vermeiden.

Stefan Münz

unread,
Jun 25, 2007, 3:09:20 PM6/25/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo Wilhelm,

> zu 5.)

["Meide Web 2.0-Communities, die Deine Adressdaten zum Registrieren
verlangen."]

> Kommt darauf an, was man sich von einer Community erwartet und
> was einem geboten wird. Durch die Registrierung steigt die
> Möglichkeit, dass sich Dummbratzen daran gar nicht beteiligen.

Sehe ich auch so. Ich hatte ja schon andernorts mal StayFriends
erwähnt. Wenn man sich nun mal für alte Schulfreunde interessiert und
mitmachen will, dann gehört nun mal auch die Angabe von Kontaktdaten
wie Telefonnummer dazu. Wenn mans nicht will, kann man es ja lassen.

> zu 7.)

["Bleibe stets anonym in virtuellen Welten, beim Chaten und in
Foren."]

> Da gehe ich überhaupt nicht mit. ich finde nichts übler, als
> unter dem Deckmantel eines anonymen Blubberers gequirlten Schwachsinn
> im Netz zu lesen. Weitere Ausführungen hierzu verkneife ich mir
> jetzt. ;-)

Wobei ich da zwischen "anonym" und "pseudonym" unterscheiden möchte.
Denk an Meg Palffy. Man kannte sie, ihre Postings hatten Personality,
aber es war doch nicht ihr echter Name. Oder wenn du magst, kannst du
ja auch über "King^Lully" sinnieren ;-)

> Lediglich Punkt 12 und 18 treffen bei mir nicht zu.

["Surfe bei Bedarf mit Anonymisierungs-Software wie JAP, auch wenn das
Web dann wesentlich langsamer wird."]
["Schütze Deine Email-Adresse."]

> Anonymisierungsserver sind mir zu umständlich und meine
> Hauptmailadresse ist sowieso schon relativ verbrannt.

Geht mir ebenfalls so. Ich sehe auch nicht recht ein, warum man
Mailadressen geheim halten sollte. Es gibt Spamfilter, und POP3 mit
seinem Herunterladen von allem was da ankommt wird früher oder später
auch aussterben.

> Abschliessend: Es ist berechtigt, sich über die ganze
> Vorratsdatenhaltung etc. Gedanken zu machen, nur wird in manchen
> Diskussionen auch über das Ziel hinaus geschossen. Gesundes Mißtrauen
> ist angebracht, aber paranoide Einstellungen sollte man auch
> vermeiden.

Das diskutieren wir ja jetzt hier:
http://groups.google.com/group/webkompetenz/browse_frm/thread/5199bdc02ac35077
oder vielleicht auch mal wieder bei ner kühlen Maß in der
Menterschwaige?

viele Grüße
Stefan Münz

Wilhelm Turtschan

unread,
Jun 28, 2007, 4:48:51 PM6/28/07
to Webkompetenz-Forum

On 25 Jun., 21:09, Stefan Münz <stefan.mu...@googlemail.com> wrote:

> > Abschliessend: Es ist berechtigt, sich über die ganze
> > Vorratsdatenhaltung etc. Gedanken zu machen, nur wird in manchen
> > Diskussionen auch über das Ziel hinaus geschossen. Gesundes Mißtrauen
> > ist angebracht, aber paranoide Einstellungen sollte man auch
> > vermeiden.

dann mache ich mal einen eigenen F'up2

> Das diskutieren wir ja jetzt hier:http://groups.google.com/group/webkompetenz/browse_frm/thread/5199bdc...


> oder vielleicht auch mal wieder bei ner kühlen Maß in der
> Menterschwaige?

Gerne, jederzeit, ich melde mich mal Anfang nächster Woche.

Grüße
Wilhelm

Kirsten Evers

unread,
Jun 30, 2007, 3:48:28 PM6/30/07
to Webkompetenz-Forum
Moin, Stefan,

> Wobei ich da zwischen "anonym" und "pseudonym" unterscheiden möchte.
> Denk an Meg Palffy. Man kannte sie, ihre Postings hatten Personality,
> aber es war doch nicht ihr echter Name.

für mich ist sie auch in RL Meg. Dies ist ein Beispiel dafür, wie sehr
ein Pseudonym zur Persönlichkeit gehören kann. Umgekehrt nennt sie
mich manchmal Südelbiene ;-) Und auch wenn sie nicht mehr postet, sie
existiert und sie sass gerade gestern zusammen mit Connie und mir mal
wieder gemütlich an einem Tisch in einer netten Hamburger
Lokalität :-)


Viele Grüße,

Kirsten


Stefan Münz

unread,
Jul 1, 2007, 8:39:24 AM7/1/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo Kirsten aka Südelbiene,

> Und auch wenn sie nicht mehr postet, sie
> existiert und sie sass gerade gestern zusammen mit Connie und mir mal
> wieder gemütlich an einem Tisch in einer netten Hamburger
> Lokalität :-)

Was, sie lässt sich nicht mal dazu hinreißen, in diesem netten kleinen
Forum selber zu posten?
Und außerdem wartet die Welt 2.0 auf ein gemeinsames Blog der drei
Hamburger Deerns! ;-)

viele Grüße
Stefan Münz

Kirsten Evers

unread,
Jul 1, 2007, 9:50:44 AM7/1/07
to Webkompetenz-Forum
Moin, Stefan,

> Was, sie lässt sich nicht mal dazu hinreißen, in diesem netten kleinen
> Forum selber zu posten?

es gibt da sicher den einen oder anderen Grund für, den nur sie selbst
kennt ;-)

> Und außerdem wartet die Welt 2.0 auf ein gemeinsames Blog der drei
> Hamburger Deerns! ;-)

Genau, Connie hat da schon was vorbereitet: http://www.bildgier.de/canvass/
:-)

Viele Grüße,

Suedelbien

ps: dein gmx-Account ist noch aktiv?

Connie Müller-Gödecke

unread,
Jul 2, 2007, 1:14:20 AM7/2/07
to webkom...@googlegroups.com



> Und außerdem wartet die Welt 2.0 auf ein gemeinsames Blog der drei
> Hamburger Deerns! ;-)

Genau, Connie hat da schon was vorbereitet: http://www.bildgier.de/canvass/
:-)


ist nur ein Prototyp, nichts was funzt ... 
aber wenn... dann kommen wir ganz gross raus!

eine schöne Woche Euch allen,

Connie 




--
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Connie Müller-Gödecke, Hamburg
http://www.photografitti.de
http://www.zweiterblick.de
http://www.avantart.com
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