Internetüberwachung

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Elmar

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Jun 24, 2007, 5:17:36 PM6/24/07
to Webkompetenz-Forum
Wir werden wohl nicht erfahren, was hinter den Plänen der "E-Mail-
Überwachung" wirklich steckt. Ich glaube nicht, dass der Minister so
unwissend gelassen wird, dass er nicht weiß, dass seine Pläne nicht
das propagierte Ziel erreichen werden. Die technischen Möglichkeiten,
diese spezielle Kommunikation zu umgehen (ganz abgesehen von starker E-
Mail-Verschlüsselung) sind grenzenlos (Andere eigene Applikationen,
die verschlüsselt über andere Ports kommunizieren, Steganographie in
Dateien auf Servern irgendow in verschiedenen Ländern, Benutzung
gehackter Accounts, ...).

Ich glaube nicht, dass die Mehrzahl der Bürger jemals ein Bewusstsein
für die Probleme haben wird. Spreche ich Leute außerhalb des IT-
Bereichs auf die Pläne der Regierung bezüglich der Überwachung an,
sehe ich, dass die Propaganda (Angst verbreiten) wirkt. Noch schlimmer
sind Menschen, die Schäuble danach beurteilen, ob er nicht von seiner
Ehefrau geschieden ist (1 Fall).

Stefan Münz

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Jun 25, 2007, 5:08:07 AM6/25/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo Elmar,

> Wir werden wohl nicht erfahren, was hinter den Plänen der "E-Mail-
> Überwachung" wirklich steckt. Ich glaube nicht, dass der Minister so
> unwissend gelassen wird, dass er nicht weiß, dass seine Pläne nicht
> das propagierte Ziel erreichen werden. Die technischen Möglichkeiten,
> diese spezielle Kommunikation zu umgehen (ganz abgesehen von starker E-
> Mail-Verschlüsselung) sind grenzenlos (Andere eigene Applikationen,
> die verschlüsselt über andere Ports kommunizieren, Steganographie in
> Dateien auf Servern irgendow in verschiedenen Ländern, Benutzung
> gehackter Accounts, ...).

Wenn den überwachungswütigen Politikern bewusst ist, dass ihr Vorhaben
nicht wirklich durchführbar ist, dann hat das lautstarke Ankündigen
wie du richtig feststellst wohl andere Gründe. Doch welche? Kriminelle
und Terroristen werden dadurch wohl kaum eingeschüchtert. Eher wohl
einfach die breite Masse der Bevölkerung.

> Ich glaube nicht, dass die Mehrzahl der Bürger jemals ein Bewusstsein
> für die Probleme haben wird. Spreche ich Leute außerhalb des IT-
> Bereichs auf die Pläne der Regierung bezüglich der Überwachung an,
> sehe ich, dass die Propaganda (Angst verbreiten) wirkt.

Vermutlich ist das tatsächlich der Hauptgrund. Die Leute sollen
vorgegaukelt bekommen "wir tun was gegen den Terror". Aber selbst wenn
dies das Kalkül der Regierung ist, ist es gewagt. Denn wenn nun
beispielsweise tatsächlich Gmail in Germany und andere Freemail-
Services schließen sollten, so würden sich plötzlich so viele Leute
damit beschäftigen, wie man das Problem umgehen kann, dass am Ende die
halbe Republik über die Regierung lacht.

> Noch schlimmer
> sind Menschen, die Schäuble danach beurteilen,
> ob er nicht von seiner Ehefrau geschieden ist (1 Fall).

Na dann doch besser nach den geflügelten Wörtern, die mit ihm in
Zusammenhang gebracht werden, und die es bereits bis in die Wikipedia
geschafft haben:
http://de.wikipedia.org/wiki/Stasi_2.0 (seriöse und ausgewogene
Begriffserläuterung)

viele Grüße
Stefan Münz

King^Lully

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Jun 25, 2007, 5:49:23 AM6/25/07
to Webkompetenz-Forum
> Wenn den überwachungswütigen Politikern bewusst ist, dass ihr Vorhaben
> nicht wirklich durchführbar ist, dann hat das lautstarke Ankündigen
> wie du richtig feststellst wohl andere Gründe. Doch welche? Kriminelle
> und Terroristen werden dadurch wohl kaum eingeschüchtert. Eher wohl
> einfach die breite Masse der Bevölkerung.

Es könnte auch blosse Inkompetenz sein, Überregulierung ist ja ein
deutsches Phänomen, das parteienübergreifend ist. Sogar und gerade
auch die FDP macht da mit.
Zu den skandalösen Überlegungen noch ein kurzer Artikel:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,490320,00.html

> > Ich glaube nicht, dass die Mehrzahl der Bürger jemals ein Bewusstsein
> > für die Probleme haben wird. Spreche ich Leute außerhalb des IT-
> > Bereichs auf die Pläne der Regierung bezüglich der Überwachung an,
> > sehe ich, dass die Propaganda (Angst verbreiten) wirkt.
>
> Vermutlich ist das tatsächlich der Hauptgrund. Die Leute sollen
> vorgegaukelt bekommen "wir tun was gegen den Terror".

Die Medienkompetenz der Bevölkerung lässt zu wünschen übrige,
Vorratsdatenspeicherung, Gefahrenabwehr und Überwachung (das ist ja
erst mal etwas Negatives) werden in einen Topf geworfen und auf der
andere Seite ist der Topf "meine Daten gehören mir" (a.k.a. das "Recht
auf informationelle Selbstbestimmung").
Und da "findet" die Bevölkerung eben mal das eine mal das andere gut
oder schlecht bzw. töfte oder schovel. Und die Rechtspflege bzw. die
gesetzerisch planerischen Juristen scheinen auch nicht die Weiheit mit
Löffeln gefressen zu haben.

> > Noch schlimmer
> > sind Menschen, die Schäuble danach beurteilen,
> > ob er nicht von seiner Ehefrau geschieden ist (1 Fall).
>
> Na dann doch besser nach den geflügelten Wörtern, die mit ihm in
> Zusammenhang gebracht werden, und die es bereits bis in die Wikipedia
> geschafft haben:http://de.wikipedia.org/wiki/Stasi_2.0(seriöse und ausgewogene
> Begriffserläuterung)

Ich folgere aus dem Eingehen mehrerer Ehen (nicht Vielehen ;) wie
bspw. bei einigen Politikern der letzen Regierung eher
Unzuverlässigkeit und Mittel- bis Kurzfristigkeit persönlicher
Planungen, aber ich bin ja auch konservativ. ;)

King^Lully

unread,
Jun 25, 2007, 8:32:22 AM6/25/07
to Webkompetenz-Forum
> Es könnte auch blosse Inkompetenz sein, Überregulierung ist ja ein
> deutsches Phänomen, das parteienübergreifend ist. Sogar und gerade
> auch die FDP macht da mit.
> Zu den skandalösen Überlegungen noch ein kurzer Artikel:http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,490320,00.html

Aha, es war ein Leser-Kommentar zu:
http://webkompetenz.blogspot.com/2007/06/gmail-und-germany.html
(Muss einem ja erst mal gesagt werden, da hätte sich der oben
gelistete Webverweis überflüssig gemacht.)

Einiger Zitate:
- "Der Grund: ein deutscher Minister namens Wolfgang Schäuble, dessen
eindeutig erkennbarer Wunsch ein Überwachungsstaat als Mittel zur
Bekämpfung unerwünschten Elementen ist, ..."
- "Wird man nun etwa zum Schäuble-Sympathisanten, weil man scheinbar
auf seiner Seite gegen die Datenkrake Google kämpft?"
- "Es wird Zeit, dass die wahlberechtigte Bevölkerung erkennt, dass
dieser Innenminister und seine Schargen eine ernsthafte Gefahr für das
Land darstellen."

Eine derbe Polemik gegen die "Datenkrake" und den "Gefährder" IM
Schäuble, von den Ausgangsfakten begründet, in der Interpretation
radikal und gnadenlos.

Schäuble sorgt sich halt um die islamische Gefahr, seine Forderungen
sind in diesem Punkt unbegründet und vielleicht auch nur vorgeschoben,
damit die SPD später sagen kann: "Wir Linken haben das Schlimmste
verhindert." (Während im Hintergrund JM Zypriess fleissig mitmischt.)
Wir haben in D schon einmal Terrorismus gehabt und drei Dutzend
Sportsfreunde haben mit vielleicht 20 Morden eine sehr beachtliche
Wirkung gehabt, was würden erst bspw. 1.000 zu allem entschlossene
islamisch motivierte Terroristen hier anrichten können?

Und die "Datenkrake" Google, war die nicht mal lieb? ;)

Na gut, dann sind die Positionen ja jetzt klar, werde ich noch
weiterhin geduldet, Stefan? ;)

Stefan Münz

unread,
Jun 25, 2007, 9:02:48 AM6/25/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo King^Lully,

> Na gut, dann sind die Positionen ja jetzt klar, werde ich noch
> weiterhin geduldet, Stefan? ;)

Warum nicht - ich habe keine Probleme mit anderen Ansichten, ganz im
Gegenteil, wie soll denn sonst etwas Leben in so ein Forum kommen, und
wie besser könnten Leser zu eigenen Gedanken oder eigenen Postings
angeregt werden?

> Eine derbe Polemik gegen die "Datenkrake" und den "Gefährder" IM
> Schäuble, von den Ausgangsfakten begründet, in der Interpretation
> radikal und gnadenlos.

Ja, man kann ja nicht immerzu und immer nur "ausgewogen" sein ;-)

> Schäuble sorgt sich halt um die islamische Gefahr, seine Forderungen
> sind in diesem Punkt unbegründet und vielleicht auch nur vorgeschoben,
> damit die SPD später sagen kann: "Wir Linken haben das Schlimmste
> verhindert." (Während im Hintergrund JM Zypriess fleissig mitmischt.)
> Wir haben in D schon einmal Terrorismus gehabt und drei Dutzend
> Sportsfreunde haben mit vielleicht 20 Morden eine sehr beachtliche
> Wirkung gehabt, was würden erst bspw. 1.000 zu allem entschlossene
> islamisch motivierte Terroristen hier anrichten können?

Mit spektakulärem und opferreichem Terror würden sie vermutlich sehr
viel an- und ausrichten in Deutschland. Gerade deshalb ist es aber
m.E. wichtig, sich im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, welche
Rechte und Freiheiten man deswegen _nicht_ aufgeben möchte. Genauso,
wie sich die Überwachungsereiferer Gedanken darüber machen, welche
Rechte und Freiheiten man bereits im Vorfeld aufgeben könnte.

Ich bin halt der Ansicht, dass Flächenbekämpfung ungeeignet ist für
kleinste "freie Radikale". In hundert Jahren wird man über die heutige
Praxis, Krebszellen mit kollateralschädlicher Chemotherapie zu
behandeln, genauso den Kopf schütteln wie man es heute über die
frühere Praxis des Aderlasses tut. Terrorismus hat Auswirkungen auf
große Organismen, doch operieren tut er auf mikro-organischer Ebene,
ähnlich wie der Krebs. Die Energie, die aufgebracht wird, um sich mit
großen Internetprovidern anzulegen, wäre besser in einen Ausbau mikro-
organischer Bekämpfungsstrategien wie V-Männer usw. investiert.

> Und die "Datenkrake" Google, war die nicht mal lieb? ;)

Ich bin mir der Kritik daran bewusst und lebe gleichzeitig gut mit
ihr ;-)

viele Grüße
Stefan Münz

King^Lully

unread,
Jun 25, 2007, 9:15:50 AM6/25/07
to Webkompetenz-Forum
> Ich bin halt der Ansicht, dass Flächenbekämpfung ungeeignet ist für
> kleinste "freie Radikale".

Da kann man geteilter Meinung sein, aber den Demokraten Schäuble, der
bekanntermassen ausgewogene intelligente konservative Meinungen pflegt
und jetzt als IM den bösen Buben spielen muss so wie viele seiner
Vorgänger, als Gefährder zu bezeichnen, ist nicht mehr OK.
Der Beweis ist ja auch ziemlich dünn, natürlich ist die im
_Justizministerium_ vorbereitete gesetzliche Regelung falsch, aber
bereits bei der Vorratsdatenhaltung kann man verschiedener Meinung
sein.

Übrigens ist Terrorismus m.E. nur flächendeckend (Rasterfahndung,
verdachtsunabhängige Kontrollen, Medienüberwachung) effizient zu
bekämpfen, also leider gerade durch die zeitweise Aufgabe bestimmter
Rechte bzw. durch die Inkaufnahme von Unbequemlichkeiten.
Selbstverständlich ist das gerade auch ein wichtiges Ziel der
Terroristen, also die Massnahmen zur Bekämpfung derselben in der
Bevölkerung unpopulär zu machen.
Wie sagte schon Lafontaine so treffend: "Die wahren Terroristen sind
Bush und Blair." - aus konservativer Sicht natürlich Werteverrat und
idealerweise strafbar.

GenomInc

unread,
Jun 30, 2007, 8:44:01 AM6/30/07
to Webkompetenz-Forum
On 25 Jun., 15:02, Stefan Münz <stefan.mu...@googlemail.com> wrote:
> Ich bin halt der Ansicht, dass Flächenbekämpfung ungeeignet ist für
> kleinste "freie Radikale". In hundert Jahren wird man über die heutige
> Praxis, Krebszellen mit kollateralschädlicher Chemotherapie zu
> behandeln, genauso den Kopf schütteln wie man es heute über die
> frühere Praxis des Aderlasses tut. Terrorismus hat Auswirkungen auf
> große Organismen, doch operieren tut er auf mikro-organischer Ebene,
> ähnlich wie der Krebs. Die Energie, die aufgebracht wird, um sich mit
> großen Internetprovidern anzulegen, wäre besser in einen Ausbau mikro-
> organischer Bekämpfungsstrategien wie V-Männer usw. investiert.

Genau so sehe ich das auch mit überwachung erreicht man gar nichts das
beispiel London sollte uns doch zeigen das selbst bei einer fast 100%
überwachung es ihnen immer noch gelingt bomben zu legen.

gruss Torsten

Uschi Hering

unread,
Jun 30, 2007, 11:18:29 AM6/30/07
to webkom...@googlegroups.com

Obwohl man speziell an diesem Beispiel wahrnehmen muss, dass durch
die Ueberwachung verhindert wurde, dass die Dinger hochgehen.

Wer weiss, wer die gelegt hat ...

Gruss, Uschi

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