On 17 Nov., 22:13, Heinz-Mario Frühbeis <
Earlyb...@web.de> wrote:
> >> Das Weltall ist AFAIK 15 Milliarden Lichtjahre groß. Und m. M. n.
> >> müßte es doch dann so was wie einen Weltallmittelpunkt geben.
>
> > Nein.
>
> Auch nicht "einen, der so was ähnliches" ist ... ?
auch nicht einen, der so was ähnliches ist.
> >> Und irgendwie warf sich bei mir die Frage auf:
> >> Wo ist denn eigentlich die Position der Erde im Weltall?
>
> > Genau in der Mitte. ;-) Das Universum dehnt sich von jedem Punkt aus
> > betrachtet gleichmäßig aus.
>
> Das glaube ich nicht.
es ist egal, ob du es glaubst. Die Natur richtet sich nicht danach,
was du glaubst oder nicht glaubst.
> Da sich im Weltall Masse befindet sollte sich sowas,
> wie ein "Abdruck" hinterlassen.
als allererstes solltest du dir klarmachen, dass die Expansion des
Universums kein Auseinanderstreben der Galaxien in einem
unveränderlichen Raum, ausgehend von einem zentralen Punkt in die
Umgebung hinein, ist, sondern eine Expansion des Raumes selbst, mit in
Ruhe befindlichen Galaxien (von lokalen Eigenbewegungen abgesehen)
darin. Grundlage für diese Vorstellung vom Universum ist die
Allgemeine Relativitätstheorie (ART), laut der Raum und Zeit kein
statischer Hintergrundrahmen sind, wie man früher immer annahm,
sondern aktive Teilnehmer am physikalischen Geschehen, insbesondere
deutet die ART das Phänomen der Gravitation als Krümmung der Raumzeit.
Das Modell des expandierenden Universums (das Friedmann-Modell) ergibt
sich aus der Übertragung dieses Prinzips auf die Globalstruktur des
Universums. Dabei kommt dann eben heraus, dass die globale Krümmung
der Raumzeit der Robertson-Walker-Metrik entspricht, in der als freier
Parameter der sog. Skalenfaktor auftritt. Wenn dieser mit der Zeit
zunimmt, bedeutet das eine Expansion des Raumes. Der Urknall ist
demnach auch keine Explosion, bei der die Galaxien - oder
protogalaktische Materie - von einem Explosionspunkt aus in die
Umgebung hinausgeschleudert wurden, sondern der Anbeginn von Raum und
Zeit selbst.
Eine häufig benutzte Analogie für die RW-Metrik ist der Teig mit den
Rosinen, der ja schon genannt wurde. Die Unzulänglichkeit dieser
Analogie wurde auch schon deutlich. Eine andere gerne verwendete
Analogie, die aber nur auf eine spezielle Variante des Friedmann-
Modells zutrifft, ist die Oberfläche eines Ballons, der aufgeblasen
wird. Die Galaxien entsprechen dann Punkten, die auf die Oberfläche
gemalt sind. Auf der Ballonoberfläche gibt es keinerlei Mittelpunkt,
alle Punkt sind gleichwertig. Es gibt zwar den Mittelpunkt des
Ballons, der ist aber nicht Teil der Ballonoberfläche. Wichtig ist
hierbei: die zweidimensionale Ballonoberfläche steht für den
dreidimensionalen Raum des realen Universums. Der dreidimensionale
Raum, in den die Ballonoberfläche eingebettet ist, und in dem es einen
Ballonmittelpunkt gibt, entspräche beim realen Universum einem
vierdimensionalen Hilfsraum, der den uns bekannten dreidimensionalen
Raum einbettet. Hier sieht man auch schon, dass diese Analogie
ebenfalls unzulänglich ist: diesen vierdimensionalen Hilfsraum gibt es
in der ART nicht. Ein Grundpfeiler der ART ist die Riemannsche
Geometrie, derzufolge zum Krümmen eines n-dimensionalen Raumes kein
einbettender Raum mit mehr als n Dimensionen erforderlich ist. Man
könnte sich demnach z.B. auch eine 2-dim. Ballonoberfläche denken ohne
3-dim. Raum, in dem diese einen Ballon beschreibt.
> > Ein nicht ganz adäquater, aber dennoch
> > anschaulicher Vergleich ist der mit dem Rosinen-Kuchen: Der Kuchen geht
> > während des Backens (hoffentlich) gleichmäßig auf und der Abstand
> > zwischen den einzelnen Rosinen vergrößerst sich ständig. Aus Sicht jeder
> > einzelnen Rosine entfernen sich alle anderen Rosinen von ihr, je weiter
> > weg, je schneller. Tatsächlich geht die Ausdehnung des Kuchenteigs nicht
> > von einer einzelnen Rosine aus, sondern geschieht überall gleichzeitig.
> > Genau so geht die Expansion des Universums nicht von einem bestimmten
> > Punkt aus; eine Mitte gibt es nicht.
>
> Es geht mir nicht um Sicht nur_ von der Erde.
> Sondern um die, wie etwa: Ist die Kugel eine Scheibe?
> Aus einer bestimmten Sichtweise heraus; ja. Aus der Realität; nein.
>
> Die eine* Rosine (unsere Erde) ist vlt. ganz am Rand abknabberbar, oder vlt.
> tief im Inneren zum rauspulen.
das ist die Unzulänglichkeit der Teig-Analogie: beim Teig gibt es
Mitte, Inneres und Rand. Beim Universum nicht.
> Jedenfalls kann ich mich dies bezgl. nicht_ mit dem Rosinenkuchen
> anfreunden.
gut so.