Am Sonntag, 20. Mai 2012 21:27:46 UTC+2 schrieb Erika Ciesla:
> Antwort auf eine Nachricht von
txtm...@gmx.de
> > Am Samstag, 19. Mai 2012 19:58:35 UTC+2 schrieb Erika Cieśla:
> >> Antwort auf eine Nachricht von
> >>> "Erika Ciesla"<exa...@dummy.invalid> schrieb im Newsbeitrag
> >>>> Antwort auf eine Nachricht von mucky
>
>
> > Also ich wäre bereit, den Mindestlohn gegen ein bedinungsloses
> > Grundeinkommen zu tauschen. ...
>
> Auch ich habe über das GE nachgedacht und befürworte es grundsätzlich.
> Wenn ich mir aber die gegenwärtige „Menschheit“ so angucke, und
> angesichts dieser die Durchführbarkeit abwäge, dann fällt mir der Kopf
> auf die Füße. Kurz und knapp: das kriegen wir (gegenwärtig) nicht durch.
Kann sein, dass du damit recht hast. Es fehlt hier ganz einfach noch das politische Bewusstsein, was ein Staat ist, und wodurch ein Staat seine Legitimation erhält.
Ein Staat ist nämlich eine Einrichtung, welche durch die Legitmation seiner Bürger getragen wird, weil eben diese Bürger eingesehen haben, dass die Einrichtung Staat ihnen Vorteile bringt.
In dem Moment, in dem die Bürger erkennen, dass der Staat als Einrichtung ihnen keine Vorteile sondern nur noch Nachteile und Lebenserschwernis einbringt, zerfällt die Legitimation des Staates in wohlgefallen. Die logische Folge sind Krawalle und Volksaufstände, denen solche subtilen Reaktionen wie "innere Kündigung" und Wahlverweigerung vorausgehen.
Nun leben wir in der besonderen Situation dass:
a) ...aufgrund der derzeitigen (kapitalistischen) Spielregeln der Reichtum der Reichen zu Lasten der Allgemeinheit Ausmaße annimmt, welche die Lebensbedingungen der Allgemeinheit in zunehmendem Maße erschweren. Die Staatsverschuldung, die auf uns allen lastet und den Handlungsspielraum der Politik immer mehr Einschränkt ist eine der Folgen davon.
und...
b) ... das aufgrund der fortschreitenden mechatronisierten Rationalisierung der Produktion von Gütern und Dienstleistungen immer weniger Menschen eine einkommenslegitimierende Beschäftigung bekommen.
Ohne aktive staatliche Korrekturmaßnahmen (1.Reichensteuer, 2.Bedingungsloses Grundeinkommen) läuft dieses System an die Wand, bedeutet: Massenverelendung der überwiegenden Bevölkerung bei gleichzeitigem exorbitantem Reichtum einer kleinen Minderheit.
Es ist selbstredent klar, dass bei einer Massenverelendung dieser Staat jede Legitmation verliert, es wird als zu Volksaufständen kommen.
Um eben genau dieses zu verhindern und das Leben für die Masse der Bevölkerung erträglich zu halten führen m.E. keine Wege an Reichensteuer und BGE vorbei.
Diese Zusammenhänge müssten in das Bewustsein der Allgemeinheit Eingang finden, dann wäre die Durchsetzung des BGE auch kein Problem mehr...
Aber du hast Recht, auf dem Weg zu einer sozialgerechteren Welt ist ein Mindestlohn schon mal ein Anfang...
> Aber den Mindestlohn, den schaffen wir!
>
> Selst das Mutti ahnt es schon, daß der Mindestlohn unabwendbar ist, das
> von ihr angeregte Mindesteinkommen ist der letzte verzweifelte Versuch,
> diesen abzuwenden. Doch vergebens! Denn im Bundesrat hat sie keine
> Mehrheit und über das Jahr 2013 hinaus hat sie eh nichts zu vermelden,
> oder wird in der Koalition mit der SPD nachgeben müssen.
>
> Falls die Sozen nicht wieder rumschrödern!
Ja. ... wer hat uns verraten? Sozialdemkraten....
http://www.youtube.com/watch?v=8vFL0QWxugI
>
> Das GE ist aber nicht vergessen, das legen wir mal auf Wiedervorlage.
Gute Idee...
>
> > Es wird dann nämlich schlicht und ergreifend so sein, dass die
> > Unternehmer für Dumpinglöhne keine Arbeitskräfte mehr finden, die
> > sich dafür prostituieren.
>
> Ich gestatte mir dies anders zu sehen. Denn wenn das GE realisiert ist,
> dann wird das zusätzliche Einkommen beliebig, ich kann also schadlos für
> einen Groschen die Stunde arbeiten. GE und ML ersetzen sich also nicht,
> sie ergänzen sich, beides ist notwendig.
Hm... sagen wir mal so: Wenn das GE so hoch ist, dass davon ein menschenwürdiges Leben möglich ist, welche Motivation sollte dann noch jemand haben, eine beschissene Arbeit für einen Dumpinglohn zu verrichten?
Ich bin nicht unbedingt gegen den ML, aber sehe diesen durch das GE weitestgehend als überflüssig an.
Wenn hingegen bestimmte Tätigkeiten - so wie heute z.B. Ehrenämter von Menschen freiwillig aus Lust oder aus Idealismus übernommen werden, dann sehe ich darin nicht unbedingt ein Problem, eher vielleicht sogar so etwas wie eine Stärkung der Solidarität innerhalb dieser Gesellschaft. Solange wie kein Zwang - also auch kein wirtschaftlicher Zwang - hinter so einer Arbeit steht, sehe ich den ML als entberlich an.
>
> >> Der Wettlauf auf den geringstmöglichen Lohn endet auf einem
> >> gigantischen Haufen von Produkten, die nicht mehr absetzbar sind,
> >> weil sie sich keiner mehr leisten kann.
> >
> > Richtig. Davon abgesehen ist von gesellschaftlicher Warte aus gesehen
> > die "Amortisation" eines Arbeitsplatzes nicht das Interesse, sondern
> > es ist das Interesse des Unternehmers.
>
> Jaaa, neee, so ganz richtig ist das nicht. Selbstverständlich müssen
> betriebliche Aufwendungen sich amortisieren, sonst leidet der Kaufmann
> einen Verlust.
Der Kaufman ist Unternehmer - der darf das anders sehen.
Wenn aber Klinkbetten oder der Arbeitsplatz eines Arztes, oder die Existenz eines Röntgengerätes sich "amortisieren" muss, dann ist das fatal!
Ebenso ist es fatal, wenn sich Wasserwerke, oder Elektrizitätswerke "amortisieren" sollen...oder im erweitesten Sinne ein Maximum an Gewinn abwerfen sollen, denn dieses führt ganz zwangsläufig zur Ausbeutung der Menschen.
Die Dinge, die zur Daseinsfürsorge gehören, die müssen sich nicht "amortisieren" - die müssen ganz einfach da sein, damit sie im (Not)fall verwendet werden können.
Und es ist mir lieber, dass ein Teil der Notärzte im Bereitschaftdienst nix zu tun hat, als dass ein Teil der Notfallpatienten darunter zu leiden hat, dass zu wenige Notärzte in Reserve bereit stehen.
Die Art und Weise, wie hierzulande die Medizin zu einem Gewerbe umfunktioniert wird finde ich schon geradezu als pervers.
Genau so, wie es pervers ist, dass private Wasserwerke zu Maximierung ihres Profites ständig das Wassergeld erhöhen, denn Wasser ist normalerweise ein kostenfreies Gut, welches im Idealfalle kostenlos von der Natur unbegrenzt zur Verfügung gestellt wird.
Und so führt denn dann auch die aufgrund des Wassergeldes betriebene Sparsamkeit der Verbraucher zu einem Mehr an Kosten, denn das Leitungsnetz wird aufgrund von der Sparsamkeit der Verbraucher nicht mehr ausreichend gespühlt.
So wäre es, alleine zur ausreichenden Spühlung des Leitungsnetzes, wünschenswert, wenn die Leute mehr Wasser verbrauchen würden.
> Das sollte er aber nicht tun, denn er gefährdet dann sein
> Unternehmen. Hat er aber sein Unternehmen ruiniert, so werden die
> Arbeiter freigesetzt und fallen der Solidargemeinschaft zur Last.
Ich habe nix dagegen, dass der Unternehmer das anders sieht. Von der Sichtweise des Unternehmers ist das legitim, aus der Sicht der Gesellschaft u.U. fatal.
Ein privatwirtschaftlicher Arzt mag meinetwegen sein teures Röntgengerät häufig (und wohl auch oft mißbräuchlich) einsetzen, um dafür die Kohle von der Krankenkasse zu kassieren.
Gesellschaftlich gesehen ist es aber Mißbrauch zum Nachteil der Gesellschaft.
Das ist auch der Grund, weshalb m.E. Medizin nicht privatwirtschaftlich organisiert sein sollte.
Selbstverständlich sollte ein Arzt alle nötigen diagnostischen Apparate zur Verfügung haben, aber er sollte weder Eigentümer dieser Apparate sein, noch sollte er diese Apparate einsetzen, um sein Einkommen zu erhöhen, sondern nur aus dem einzig legitimen Grund, nämlich dem Patienten zu helfen.
> Auch
> aus gesellschaftlicher Warte aus gesehen besteht also ein Interesse, daß
> die Betriebe gesund sind und ordentlich geführt werden.
Das kommt auf die Betriebe an... handelt es sich dabei um ein Betrieb der "Luxusgüterproduktion", so muss er durch seine Wirtschaftlichkeit seine Existenzberechtigung am Markt behaupten.
Handelt es sich aber um einen Betrieb der essentieller Teil der Daseinsfürsorge ist, so gehört der m.E. erst gar nicht privatwirtschaflich organisiert, denn privatwirtschaftliche Profitinteressen passen nicht unter einen Hut mit den ideellen Interessen der Gesellschaft nach optimaler Daseinsfürsorge.
Ein Unternehmen kann sich nur einem Götzen verpflichtet fühlen - entweder dem eigenen Profit oder dem Wohlergehen der Gesellschaft - beides gleichzeitig funktioniert m.E. nicht.
>
> > Nun - in einer Welt, deren Funktion größtenteils auf
> > privatwirtschaftliches (unternehmerisches) Engagement angewiesen ist,
> > ist das Bestreben der Unternehmen nach Gewinnen nicht zu
> > dämonisieren, denn es ist quasi der "Motor" privatwirtschaftlichen
> > Engagements.
>
> Hierzu gilt dasselbe wie oben: ohne dies ist ein Betrieb nicht zu führen.
>
> > Das Gegenteil davon ist die universell gelenkte planwirtschaftliche
> > Staatswirtschaft.
>
> Richtig, das war einfach nur Unsinn. Daß Betriebe Gemeineigentum sind,
> ist nicht das Problem, das haben wir ja auch. Unsere Sparkassen sind
> öffentlich-rechtlich, und die Volks- und Raiffeisenbanken sind
> genossenschaftlich organisiert, das geht also! Aber daß sich da eine
> Parteikrake ins Zentrum setzt, und sich einbildet von dort aus alles
> lenken zu können, DAS WAR EIN IRRTUM!
>
> Aber auch volkseigene Betriebe müssen disponieren und kalkulieren, et
> cetera, und auch diese können untergehen, wenn sie anders als mit
> Sachverstand und Verantwortung geführt werden. Und auch hier muß das
> Subsidiaritätsprinzip gelten, will heißen, alles was der Betrieb selbst
> entscheiden kann, das muß er auch selbst entscheiden können.
Ja. Aber die Ziele müssen andere sein.
Während in der Privatwirtschaft der Profit das oberste Ziel ist (was für private Wirtschaft auch völlig ok ist), haben Staatsbetriebe das Ziel, ein möglichst guter Dienstleister der Bevölkerung zu sein.
Dass hier natürlich auch mit gesundem Augenmaß gehandelt wird, und die Aufwändungen in einem zu rechtfertigenden Verhältnis zur Dienstleistung steht, der damit für die Bevölkrung erbracht wird, versteht sich m.E. von selbst.
Und trotzdem ist es ein großer Unterschied, ob ein Unternehmen privat geführt wird, bei dem das oberste Ziel der Profit ist, der damit erwirtschaftet wird, oder ob es sich um einen Staatsbetrieb handelt, dessen oberstes Ziel darin besteht, möglichst nützlich für die Gesellschaft zu sein.
Das sind diametrale Unterschiede, die einfach nicht zusammenpassen.
Schon aus diesem Grunde gehören bestimmte Bereiche der Wirtschaft verstaatlicht.
>
> Das mag vielleicht manch einen überraschen, daß die Geschäfte im
> Sozialismus nicht anders laufen können als im Kapitalismus, oder der
> Laden kracht zusammen. Ich erwarte lediglich, daß die Unternehmungen
> sich weniger aggressiv verhalten und daß die Erträge gerechter verteilt
> werden.
Ich denke, dass man sich einfach darüber Gedanken macht, welche Bereiche der Wirtschaft besser privatwirtschaftlich und welche besser staatlich organisiert sind.
>
> > AlS alleiniger Wirtschaftsentwurf hat sich das wohl nicht so
> > sonderlich bewährt,
>
> Offensichtlich.
>
> > jedoch in Bereichen, die im wesentlichen der existentiellen
> > Daseinsfürsorge dienen und dazu noch einen Monopolcharakter haben
> > (Energie, Wasser, Wohnen, öffentlicher Nahverkehr, Gesundheit
> > (Medizin)) ist m.M.n. staatliches Handeln und staatliches
> > Unternehmertum dem privaten vorzuziehen.
>
> Ja, ohne jeden Zweifel.
>
Jou.
Glückauf.