> Welche originellen regionalen Orts- oder Einwohnerbezeichnungen
> können die Teilnehmer dieses Zirkels beisteuern?
Ich kenne noch "Gage" für das sächsische Großröhrsdorf.
Qno
--
»Der Urknall ist kein ruhestörender Lärm.«
(Artikel 1 Abs. 3 des Galaktischen Grundgesetzes)
http://www.urania-dresden.de/terrasse/ggg.htm
> Welche originellen regionalen Orts- oder Einwohnerbezeichnungen
> können die Teilnehmer dieses Zirkels beisteuern?
Rolschter Brommochsen, Volkschter Wasserglotzer, Blankenburger Eselsfresser.
--
You may all go to hell, and I will go to Texas.
Ne, gibt es auch hier im Hessischen, wenn auch mit Tendenz zum
Aussterben in den jüngeren Generationen. Hier leben Sandhasen,
Schlippscher, Schnotze (letzteres böse beleidigend). Von der Mosel
kenne ich die Cochemer Schmandelecker.
Gruß
T.a.k.
Stierwascher (Stadt-Salzburger).
Zeiseifånger ("Zeisigfänger", Halleiner; oft als "Halleiner Zeisei"
bezeichnet)...
Helmut
--
Nach dera Zei'n kimmt nix mehr
> Welche originellen regionalen Orts- oder Einwohnerbezeichnungen
> können die Teilnehmer dieses Zirkels beisteuern?
"Zürihegel" ist sogar im DWB verzeichnet. Es war offenbar ursprünglich
eine abschätzige Bezeichnung; heute wird das Wort von den Indigenen
durchaus mit Stolz verwendet:
narr, querkopf, schweiz. hegel, baurenhegel grobian STALDER 2, 30;
im Aargau wird der eigenname Heinrich in den spottnamen Heichel,
Zürih-Hegel 'querkopf' umgesetzt. ROCHHOLZ bei FROMM. 6, 458b; es
rührt das mundartliche verbum hegeln, 'hernehmen, mit worten oder
schlägen, auf eine niedrige art foppen' (STALDER a. a. o.), bair.
hegeln zum besten haben, aufziehen, necken (SCHM. 2, 164), schwäb.
hegen plagen (SCHMID 268) an; als die den hegel gefoppet (officiere
einen neuen ehemann), er würde mir (der frau) die hosen lassen
müssen. Simpl. 3, 40 Kurz.
Eine weiterer Hinweis darauf ausserdem, dass der Vorname Heinrich
allhier zu einer bestimmten Zeit sehr häufig gewesen sein muss, vgl.
http://groups.google.com/group/de.etc.sprache.deutsch/msg/b621a1b78a1e249f
Ein "Hegel" ist sonst ein Messer oder Taschenmesser; auch das war den
Grimms bekannt:
hegel, schweiz. auch eine schlechte art zulegemesser, mit hölzernem griff.
- Andi
> "Zürihegel" ist sogar im DWB verzeichnet. Es war offenbar ursprünglich
> eine abschätzige Bezeichnung; heute wird das Wort von den Indigenen
> durchaus mit Stolz verwendet:
>
> narr, querkopf, schweiz. hegel, baurenhegel grobian STALDER 2, 30;
> im Aargau wird der eigenname Heinrich in den spottnamen Heichel,
> Zürih-Hegel 'querkopf' umgesetzt. ROCHHOLZ bei FROMM. 6, 458b; es
> rührt das mundartliche verbum hegeln, 'hernehmen, mit worten oder
> schlägen, auf eine niedrige art foppen' (STALDER a. a. o.), bair.
> hegeln zum besten haben, aufziehen, necken (SCHM. 2, 164), schwäb.
> hegen plagen (SCHMID 268) an; als die den hegel gefoppet (officiere
> einen neuen ehemann), er würde mir (der frau) die hosen lassen
> müssen. Simpl. 3, 40 Kurz.
>
"es rührt das mundartliche verbum hegeln, 'hernehmen, mit worten oder
schlägen, auf eine niedrige art foppen' (STALDER a. a. o.), bair. hegeln
zum besten haben, aufziehen, necken (SCHM. 2, 164)"
Ach, wenn das der Schopenhauer gewußt hätte, das hätt ihn gfreut.
Ciao
Wolfram
--
Horch - ein Schrank geht durch die Nacht, / voll mit nassen Hemden... / den
hab ich mir ausgedacht, / um Euch zu befremden.
F. W. BERNSTEIN
<www.theodor-rieh.de> <www.theodor-rieh.de/heinrich>
<www.mpu-beratung.eu> <www.brueckenbauer.it>
> Welche originellen regionalen Orts- oder Einwohnerbezeichnungen
> können die Teilnehmer dieses Zirkels beisteuern?
Stralsunder Flunder, Sassnitzer Eckenscheißer aus meiner Heimat.
In Südbaden, wo ich schon lange wohne, gibt es die Tradition auch.
Gruß,
Ho
>Matthias Opatz <m...@privacy.net> wrote:
>
>> In der "Thüringer Allgemeinen" fand ich folgendes Gespräch mit der
>> Jenaer Sprachwissenschaftlerin Sylvia Weigelt zu der Erscheinung,
>> Einwohner von anderen Orten mit scherzhaften oder ironischen
>> Bezeichnungen zu versehen, die zuweilen auch als Selbstbezeichnung
>> übernommen werden. - Quelle: <http://tinyurl.com/45cnzj> bzw.
>>
>> Welche originellen regionalen Orts- oder Einwohnerbezeichnungen
>> können die Teilnehmer dieses Zirkels beisteuern?
>>
>Kann es sein, daß das sehr regional begrenzte Sitte ist? Mir kommt das
>ziemlich fremd vor.
Nein, das ist wohl nur nicht zu Dir vorgedrungen, weil Du nicht
so stark lokal verankert warst.
Das ist eine sehr verbreitete Folklore, gewiß noch weit über D
hinaus (nicht nur DACH- das gibt es auch in anderen
Sprachgebieten). Man nennt das "Ortsneckereien". Den Bewohnern
des nächsten Dorfes Übernamen zu geben, ist ein traditioneller
Bestand davon. In Südbaden wird das gerne mal an Fasnacht
thematisiert, die Narrenvereine benennen sich mitunter nach den
"Übernamen".
Ich komm nicht mehr drauf, wie die Grießemer hießen.
Sackduechglunki? (Den Bewohnern von Grießen wurde nachgesagt, sie
ließen die Taschentücher halb aus den Hosentaschen hängen)
> Kann es sein, daß das sehr regional begrenzte Sitte ist? Mir kommt das
> ziemlich fremd vor.
Mir kommt es so vor, als ob das alles Ostdeutsche Orte wären. Ich kann
mich allerdings auch irren. Solch ein Brauch ist mir jedenfalls weder
von meiner alten (Sauerland) noch von meiner neuen Heimat (Rheinhessen)
bekannt.
Dass es zwischen Bewohnern benachbarter Ortschaften nicht immer
friedlich zugeht, dürfte allerdings ein weltweites Phänomen sein.
NA
>
> Welche originellen regionalen Orts- oder Einwohnerbezeichnungen
> können die Teilnehmer dieses Zirkels beisteuern?
>
Meenzer Biddl (Mainzer Büttel)
Heiner (Darmstädter)
Offizierswitwen (Wiesbadenerinnen)
Pämasensä Schlabbefliggä (Pirmasenser Schlappenflicker)
Eimirsingedochned (Landauer)
Ebbelwoibembelschnuude (Frankfurter)
Joachim
>
> Welche originellen regionalen Orts- oder Einwohnerbezeichnungen
> können die Teilnehmer dieses Zirkels beisteuern?
Den "Zürihelgel" hat Andi schon genannt.
Weiter kommen mir noch in den Sinn, die:
Aargauer -> Rüeblifrässer (Karottenfresser)
Luzerner -> Chatzestrecker (Katzenstrecker)
--
Yvonne Steiner
Und die Bebbi aus Basel
Joachim
An die hatte ich auch schon gedacht, aber gilt das nicht nur für die
Fasnachtscliquen?
So wie auch die "Bärnermutzen" einer bestimmten Gruppierung angehören.
--
Yvonne Steiner
> Joachim Pense <sn...@pense-mainz.eu> wrote:
>
>> >
>> Und die Bebbi aus Basel
>
> An die hatte ich auch schon gedacht, aber gilt das nicht nur für die
> Fasnachtscliquen?
>
Das müsste ein Basler final beantworten.
Es gibt zwar eine Fasnachtsclique "Basler Bebbi Basel", aber Gugeln liefert
mir auch sowas:
|«Mir fraien is uff Ihre Bsuech und saage
| uff Wiiderluege am Frytig 14. Augschte 2009
| bim 26. Em Bebbi sy Jazz!»
oder
| Der Bebbi-Sack dürfte teurer werden
| Seit Jahren klafft in der Basler Abfallrechnung ein Loch. Die Regierung
| will dieses voraussichtlich mit höheren Abfallgebühren verkleinern. Und
| das ausgerechnet jetzt, da die KVA-Tarife sinken.
Da seh ich jetzt nicht viel Fasnachtsbezug.
Joachim
> Herkunftsgegend kenne. Mir fallen gerade noch Blaunasen (Stadtilm)
> und Wopper (Goldlauter b. Suhl) ein.
Die Gerschen Fettguschen kennst Du ja schon (kommt von dem Fett
(anderswo eher Schmalz genannt, was man sich gern aufs Brot strich und
so ums Maul nach dem Futtern hatte), aber ich kann noch die Zeulenrodaer
Karpfenpfeifer beisteuern.
--
Bye/7, Carsten http://fallschirmspringen-in-gera.de
...Sexy women are nature's way of saying 'keep it up!'
>Ralf Heinrich Arning schrieb:
>
>> Kann es sein, daß das sehr regional begrenzte Sitte ist? Mir kommt das
>> ziemlich fremd vor.
>
>Mir kommt es so vor, als ob das alles Ostdeutsche Orte wären.
Ja, wenn es ein Artikel aus der Thüringischen Zeitung über
Lokales ist, kann man das fast annehmen.
Es ist aber im Westen genauso verbreitet, meine Arbeitskollegen
damals im Musterzeichneratelier in Lörrach hatten auch für jeden
Ort einen Übernamen.
Ein Notar in Wuppertal erzählte, hier herrsche nicht Klein-Klein
wie anderswo, sondern Bergisch-Pepita: es geben sich schon die
Bewohner unterschiedlicher Straßenzüge Übernamen.
>Ich kann
>mich allerdings auch irren. Solch ein Brauch ist mir jedenfalls weder
>von meiner alten (Sauerland) noch von meiner neuen Heimat (Rheinhessen)
>bekannt.
Du hast wahrscheinlich noch nicht die erforderlichen 200 h am
Alteinheimischenstammtisch der örtlichen Dorfwirtschaft
abgesessen, so daß man Dich noch nicht für würdig erachtete, so
etwas mitbekommen zu dürfen.
>Dass es zwischen Bewohnern benachbarter Ortschaften nicht immer
>friedlich zugeht, dürfte allerdings ein weltweites Phänomen sein.
Sowieso.
> >Ich kenne noch "Gage" für das sächsische Großröhrsdorf.
> Wie spricht man das?
Genau so wie es da steht. Also wie "Frage", nur vorne mit "G". Laut
Wikipedia soll die Herkunft die sächsische Bezeichnung für "Krähe" sein.
> > In der "Thüringer Allgemeinen" fand ich folgendes Gespräch mit der
> > Jenaer Sprachwissenschaftlerin Sylvia Weigelt zu der Erscheinung,
> > Einwohner von anderen Orten mit scherzhaften oder ironischen
> > Bezeichnungen zu versehen, die zuweilen auch als Selbstbezeichnung
> > übernommen werden. - Quelle: <http://tinyurl.com/45cnzj> bzw.
>
> > Welche originellen regionalen Orts- oder Einwohnerbezeichnungen
> > können die Teilnehmer dieses Zirkels beisteuern?
>
> Kann es sein, daß das sehr regional begrenzte Sitte ist? Mir kommt das
> ziemlich fremd vor.
Nö, gibt's auch in Mecklenburg. Die Einwohner der Geburtsstadt meiner
Mutter - Marlow - werden "Bärenfänger" genannt und hören das ganz und
garnicht gerne. Man wollte mir die damit zusammenhängende Geschichte
auch nicht erzählen.
Nähm s' mi näch oewel, ick komm ut Roebel - FR
> >> Kann es sein, daß das sehr regional begrenzte Sitte ist? Mir kommt das
> >> ziemlich fremd vor.
>
> >Mir kommt es so vor, als ob das alles Ostdeutsche Orte wären.
>
> Ja, wenn es ein Artikel aus der Thüringischen Zeitung über
> Lokales ist, kann man das fast annehmen.
Warum so spitz, gute Frau? FR
>Neben den Bezeichnungen für die Bewohner gibt es zuweilen noch solche
>für Orte: *Schiebock* (Bischofswerda; Dialektwort für Schubkarre),
Bei Karl May kommt, wenn ich mich recht erinnere, ein ähnliches Wort
vor und wird dort aber mit "Schibboleth" erklärt.
>Welche originellen regionalen Orts- oder Einwohnerbezeichnungen
>können die Teilnehmer dieses Zirkels beisteuern?
Ich weiß nicht, ob es originell ist, aber das klassische Beispiel sind
wohl die Ulmer Spatzen.
--
Viele Grüße
Gerald Fix
> Aargauer -> Rüeblifrässer (Karottenfresser)
Ich kannte nur Rüebliländer, weil dort alle Arten von Rüben (Karotten,
Zuckerrüben, Steckrüben usw.) angebaut werden. Das Rüebliland im engeren
Sinn ist das (für Schweizer Verhältnisse) breite Tal der Reuss und der
Bünz. Ich bin dort tatsächlich mal mit dem Segelflugzeug in einem
Rübenacker gelandet. Lehmige Angelegenheit, das.
Die Gegend um Reinach, Beinwil, Burg (wo Hermann Burger herkam),
Pfeffikon heisst "Stumpenland", nach den Stumpen -- billige Zigarren --
die dort hergestellt wurden. Von den ehemals zig Fabriken ist siw nur
noch Villiger übriggeblieben.
- Andi
>On Thu, 18 Sep 2008 18:16:41 +0200, Matthias Opatz <m...@privacy.net>
>wrote:
>
>>Neben den Bezeichnungen für die Bewohner gibt es zuweilen noch solche
>>für Orte: *Schiebock* (Bischofswerda; Dialektwort für Schubkarre),
>
>Bei Karl May kommt, wenn ich mich recht erinnere, ein ähnliches Wort
>vor und wird dort aber mit "Schibboleth" erklärt.
Ich habe es gefunden. Der Hobble-Frank erklärt, bestimmte Leute
könnten "Schiebebock" nicht ausprechen und wird belehrt, damit sei
wohl "Schiboleth" gemeint. Da der Frank wohl - großzügig gesehen - aus
der Gegend von Bischofswerda kommt, ist die Ähnlichkeit schon
verbüffend.
> Da der Frank wohl - großzügig gesehen - aus der Gegend von
> Bischofswerda kommt
WIMRE "Klotzsche bei Dresden".
vG
Das ist ja ziemlich nahe bei Bischofswerda und falls die Einwohner von
Bischofswerda irgendeine sprachliche besonderheit aufwiesen, könnte
hier tatsächlich der Schibboleth Vater des Schiebebocks sein.