Liebe Kollegin, lieber Kollege,
mit großem Erstaunen habe ich zur Kenntnis genommen, dass während meines Urlaubs am 23.2.13 von der VV der KV der Beschluss gefasst worden ist ab dem 1.7.2013 die Online Abrechnung via „KV safe Net“ zu Pflichtabrechnung zu machen.
Ich möchte Sie hiermit bitten, sich für die Aufhebung bzw. Rückgängigmachung dieses Beschlusseseinzusetzen , was ich zum einen als Bitte an den Vorstand äußere , der den gefassten Beschluss (wie zuvor auch) aussetzen kann -
aber auch gleichzeitig als vierteiligen (anm mittlerweile 5 teilig) Antrag für die nächste KV Sitzung formuliere:
„Hiermit stelle ich den Antrag, die Online Abrechnung
a) mit dem bisher bewährten bereits installierten und für die KV -Mitglieder ohne weitere Kosten verbundenen Online Verfahrendurchzuführen
b) jedem Mitglied die Möglichkeit zu geben selbst zu entscheiden ob es wie bisher auch -online oder nicht online- abrechnen möchte
nachdem ihm
c)die unterschiedlichen Kosten für die jeweiligen Verfahrenbekanntgegeben worden sind.
d) Gleichzeitig stelle ich einen Antrag auf Einstellung der sog. „finanziellen Förderung der (Zwangs- )Onlineabrechnung“
Diesem aus 4 (5) Punkten bestehenden Antrag entnehmen Sie, dass es gar nicht notwendig ist ein neues kostenträchtiges Zwangsverfahren -wie es jetzt beschlossen wurde- einzuführen, da wir bekanntlich bereits über ein von der KV selbst eingerichtetes funktionsfähiges und bereits bezahltes OnlineVerfahren verfügen, das den Anforderungen (an Datenschutz, Zeit- und Organisationsgewinn) der KV selbst völlig genügt und das angeblich von 60% der Kollegen genutzt wird.
Allerdings muss ich sagen, dass persönliche Gespräche mich zu Überzeugung gebracht haben, dass diese 60% auch nur erreicht wurden, weil schon damals ein Großteil der Kollegen daran nur teilnahm um „finanzielle nicht schlechter gestellt “ zu werden. Das war strategisch wie sich rausstellt keine kluge Entscheidung- nur ökonomisch war sie (kurzfristig) richtig. Strategisch diente die damalige Maßnahme offensichtlich dem Zweck allen vorzuführen, dass die „Mehrheit online abrechnet“. Wer sich damals nicht dafür entscheiden konnte, entschied sich dafür, andere zu fördern also nur zu zahlen und nichts zu bekommen. Letztlich werden sich Viele jetzt gefoppt sehen. Viele,die an der sog. Online Abrechnung teilnehmen beklagen den fehlenden angekündigten „Zusatznutzen“ für den Alltag: weder ist die Abrechnung schneller möglich (im Gegenteil eine Hürde mehr ist eingebaut, Fehlerkorrekturen sind mühsam und zeitaufwändig- werden von vielen gar nicht erst durchgeführt, weil sie sich nicht lohnen), es kommt auch kein Geld früher.
Das Argument, man müsse als KV „anderen (z.B. Telekom , dem Gesetzgeber oder irgendwelchen Software Firmen, die bereits Geschäftsmodelle hätten ) „zuvorkommen“ und „selbst die Vorgaben machen“, damit wir „mitbestimmen“- wird genau durch dieses Zwangs -Verfahren aber auch durch die Art der Bekanntmachung ad absurdum geführt.
Denn ich wurde nicht etwa von meiner KV zunächst über die gefassten Beschlüsse informiert sondern durch das Fax einer Softwarefirma, die offensichtlich über beste Connections und kürzeste Informationswege zur KV verfügt und die schon vor Information der gewählten Vertreter der Vertreterversammlung durch das (später rumgeschickte) schriftliche Protokoll jubelnd rumfaxt „Online Abrechnung wird Pflicht“- „Wer mit uns abrechnen will, muss mitmachen“, betont KV Chef Dr. Hauptmann“- „Sichern Sie sich rechtzeitig Ihre KV SafeNetFörderung“. Und schon werden (Anfangs)Kosten von 200 € Anschaffung und 120€/Jahr genannt ,die uns zusätzlich von Firmen abhängig machen (sollen?), die natürlich nur unser „Bestes“ - nämlich unser Geld wollen.
Eine demokratische Selbstverwaltung für Ärzte (auch „Freiberufler“ genannt) sollte meiner Meinung nach nicht auf Zwangsmaßnahmen zurückgreifen, die dann noch unnötige Kosten und Abhängigkeiten von Providerfirmen heraufbeschwören.
Auch die Monopolisierung auf ein System (sog „GUSBOX“) erscheint mir in einer freien Marktwirtschaft fragwürdig und juristisch angreifbar
ebenso wie der Zwang, ohne diese Box nicht mehr anders abrechnen zu können - also an der ärztlichen Versorgung selbst teilnehmen zu können.
Zum Punkt d) ist auch nicht einzusehen, dass eine sog „Förderung“ stattfindet, da in Wirklichkeit wenn es „gerecht“ zugehen soll, die Geförderten die Förderer selbst sind , was ökonomisch Unsinn ist. Und im Falle einer Zwangseinführung- also im Falle, dass niemand sich gegen die Einführung wehren kann, ist es nicht gerecht, die ersten oder nur die Befürworter mit einer Prämie zu belohnen und die anderen, die dagegen sind oder einfach nicht schnell genug sind, nichts erhalten und stattdessen mit einer "Zwangsabgabe" für die anderen bestraft werden.

All das ist sowohl ökonomisch und fragwürdig und auch noch psychologisch und moralisch kontraproduktiv, weil es das Vertrauen in eine Selbstverwaltung [ für einen (angeblich) freien Beruf] wie die KV unnötigerweise unterminiert .
Nochmals daher mein Appell an die Verantwortlichen, diesen Beschluss bitte umgehend zurückzunehmen.
Ich habe vor,eine Umfrage unter Kollegen zu starten und ein Forum einzurichten, das klären soll wie die Basis wirklich zu diesem Thema steht.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Thomas Kajdi
P.S. Mittlerweile haben mich mehrere Telefonate und auch Briefe aufgebrachter Kollegen erreicht.
Hier im Anhang schicke ich Ihnen gleich mal einen Brief eines Kollegen, der mich gebeten hat seinen Brief an meinen Verteiler mitzuschicken was ich hiermit tue. Er wird auch wie alle andere Post nach Erlaubnis im Forum postiert
Dr. med. Ralf Klis
Arzt für Allgemeinmedizin
Naturheilverfahren - Homöopathie
KV Saarland
zH Herrn Brühl
Europaallee 7-9
66113 Saarbeücken
Online Abrechnung
Sehr geehrter Herr Brühl!
Mit großem Befremden habe ich vor 1 Woche von unserem Praxissoftware Anbieter erfahren,
dass die KVS ab 1.1.14 zur Online Abrechnung das teure KV SafeNet vorschreiben wird,
obwohl die bisherige kostenlose Version (Abrechnung per Stick) sehr gut funktioniert hat. Die
Argumente der KV wie - von oben vorgeschrieben, nehmen besser unser eigenes Netz, es gibt
wichtigeres zu diskutieren etc – überzeugen mich herzlich wenig und erinnern an den schon
immer vorhandenen vorauseilenden Gehorsam der Ärzte.
Ganz unmöglich finde ich, dass die betreffenden Informationen von dem Softwarehaus und nicht
von meiner KV kommen. Sie eröffnen mit der geplanten Maßnahmen wieder einen weiteren
Zugriff/weitere finanzielle Abzocke unserer Praxen durch die Computerhäuser.
Wenn diese Angelegenheit in meinen Augen schon völlig am Bedarf vorbei läuft und uns
weitere finanzielle Belastungen aufgebürdet werden sollen, erwarte ich von der KV resp.
Der EDV Abteilung Hilfen für die Kollegen. Damit meine ich eine kleine Aufstellung von den
erforderlichen Routern und den Netzanbietern mit den entsprechenden Preisen. Da über 1000
Ärzte in das System gezwungen werden könnte die KV ganz sicher besserer Preise aushandeln
als wir Einzelkämpfer. Es ist nicht zumutbar auf Webseiten sich mühsam alle Informationen
zusammenzusuchen.
Ich bitte sie höflich, diese Angelegenheit erneut im Vorstand zu besprechen und die Sorgen der
KV Mitglieder ernst zu nehmen und uns nicht von oben herab als Unmündige und Unwissende
zu behandeln.
Mit freundlichen Grüßen
"Lieber Thomas,
ich habe nach unserem Gespräch betreffend das überflüssige KVSafeNet den beigefügten Brief an die KV geschrieben und meine Meinung auch in unserem Arztnetz VK plus verbreitet.
Ich habe einige zustimmende Telefonate bekommen und bei der KV wohl in ein Wespennest gestochen. Kollege Jessinghaus, den ich durchaus als Arzt schätze, hat mir .... verkaufen wollen, die KVS könne für alles nichts. Sie wären einer gesetzlichen Auflage zuvor gekommen (Anm.:S. dazu "Onlineabrechnung gesetzlich nicht vorgeschrieben") und hätten (in vorauseilendem Gehorsam) das eigene Netz gewählt, um ein Fremdnetz zu verhindern.
....... es gab keine Info an die Kollegen, keine Ausschreibung an andere Anbieter, um die Kosten zu minimieren etc. Es gab keinerlei Probleme mit der bisherigen Abrechnung per Stick. Mir ist kein massenhafter Datenklau unserer Abrechnung bekannt geworden.
Im übrigen solle ich still sein, es gäbe wichtigere Themen für die Ärzte.
Es hört sich alles nach schlechtem Gewissen der KV und guter Lobby Arbeit der Compugroup an.
Viele Grüße
Ralf
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