Am Samstag, 6. April 2013 03:00:13 UTC+2 schrieb T.Kajdi:
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Keine Zwangsvernetzung der saarländischen Praxen
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
die KV Saarland plant zum 01. Januar des Jahres 2014 die Umstellung des bisherigen VPN-Abrechnungsverfahrens KVFlexNet zu KVSafeNet. Diese Entscheidung wurde „klammheimlich“ ohne Diskussion und Kommunikation mit den betroffenen Vertragsärzten von unserer KV beschlossen und kam erst durch freudige
Jubelmeldungen einiger, ein gutes Geschäft witternder Software-Firmen und einen kurzen Artikel in der
Ärztezeitung an die Öffentlichkeit. Unser KV Chef Herr Hauptmann wurde darin im Basta-Stil zitiert:
„Wer mit uns abrechnen will, muss mitmachen!“
Ungeachtet des doch sehr merkwürdigen Umgangs der KV gegenüber ihren Mitgliedern halte ich dieses
Vorgehen für sehr bedenklich. KV SafeNet ist für alle saarländischen Vertragsärzte nicht nur mit hohen
einmaligen Installationskosten verbunden, es kommen auch zusätzliche laufende Kosten für die Anbindung
über einen speziellen Netzprovider und Kosten für Hard- und Softwarepflege auf die saarländischen Praxen
zu. Dabei sind die individuell vor Ort auftretenden technischen Probleme dieser Zwangsvernetzung überhaupt noch nicht berücksichtigt. Wenn Sie eine ungefähre Vorstellung über die auf Sie zukommenden Kosten haben wollen, empfehle ich Ihnen einen Besuch der Internetseiten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Dieser Aufstellung können Sie entnehmen, dass die „schöne neue Welt“ der KV-Vernetzung nicht
umsonst zu haben ist.
Ein viel größeres Problem stellt aber meiner Sicht jedoch der nicht vorhandene Datenschutz dar. Die derzeitigen Veröffentlichungen in der Presse über Datenlecks oder nicht autorisierte Datenzugriffe (s. aktuelle
Berichte über Offshore Konten) zeigen, dass ein Datenschutz nicht zu gewährleisten ist, schon gar nicht in
einem inhomogenem System mit einem „saarländischen Rechnerzoo“ mit mehr als 2.500 individuell konfigurierten Servern. Der Aufbau von KV SafeNet ist nicht ansatzweise geeignet, die Sicherheit unserer Patientendaten zu gewährleisten. Dass dieses Netz ziemlich dilettantische strukturiert ist, lassen einige sehr interessante Artikel erkennen, die Sie unter nachfolgenderfolgender URL finden:
Über die ach so tolle Zwangsvernetzung öffnet die KV Saarland aber nicht nur Tor und Tor zu den Daten der
gesetzlich versicherten Patienten, auch die Daten unserer privatversicherten Patienten (die die KV überhaupt nichts angehen!) stehen bei Anschluss an KVSafeNet geneigten Datensammlern so offen wie ein
Scheunentor!
DR. MED. STEFAN MÖRSDORF
INNERE MEDIZIN – ANGIOLOGIE
HÄMOSTASEOLOGIE - SPORTMEDIZIN
HOMBURG, DEN05.04.13
Talstraße 26
66424 Homburg/Saar
TEL.: (06841)12 70 7
FAX: (06841)1280 5
Dr. Stefan Mörsdorf ⋅ TALSTRAßE 26 ⋅ 66424 HOMBURG SAARSeite 2/2
Ich persönlich kann es keiner Kollegin oder Kollegen empfehlen, seinen Server zur Übertragung von sensiblen Daten oder Kommunikation mit Krankenhäusern wie von der KV gewünscht dauerhaft an das Internet
anzuschließen, da die Haftungsfragen in Bezug auf Datendiebstahl, Datensicherheit, Datenkorruption und
Datenmanipulation über (unbefugte) Dritte überhaupt nicht geklärt sind.
Um es klar zu formulieren:
Haftet denn die KV für sämtliche Folgen von Datendiebstahl, Datenmanipulation oder Datenkorruption,
die durch Ihre Zwangsvernetzung erst möglich wurden?
Eine Zwangsvernetzung aller saarländischen Praxen ist aus meiner Sicht unverantwortlich und stellt bei
kritischer Analyse nur ein Konjunkturprogramm für Software Firmen und Netzprovider auf Kosten der saarländischen Vertragsärzte dar!
Ich persönlich bemühe mich, jede direkte Verbindung meiner Praxis EDV mit dem Internet zu vermeiden.
Zur Übertragung der Abrechnungsdaten via VPN benutze ich einen separaten Linux-Rechner und transportiere die Abrechnungsdatei via USB-Stick vom Server in altbewährter Manier Hand zu Fuß.
Ich habe mich dazu entschlossen, gegen die Zwangsvernetzung der saarländischen Praxen zu protestieren
und möchte Sie bitten, sich mit KV SafeNet zu befassen und sich Ihr eigenes Bild von der Problematik zu
machen. Falls Sie ebenfalls zu dem Ergebnis kommen, dass unter Nutzen und Risikoaspekten eine Zwangsvernetzung unserer Praxen unverantwortlich ist, teilen Sie das bitte Ihrer KV mit.
Es spricht alles dafür und nichts dagegen, die bisherige VPN Lösung KVFlexNet zum Transfer von Daten beizubehalten, um einmal im Quartal eine Abrechnungsdatei sicher an das Rechenzentrum der KV zu übermitteln. Der Arbeitsaufwand der KV ist bei FlexNet jedenfalls nicht höher als bei der von unserer Führung favorisierten SafeNet Lösung.
Außerdem hat KVFlexNet einen aus meiner Sicht einen entscheidenden Vorteil:
Es funktioniert!
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Dr. med. Stefan Mörsdorf
PS: Sie können dieses Schreiben und das beiliegende Protestfax auch gerne an andere Kolleginnen und Kollegen weiterleiten.