ich hoffe Ihr könnt mir helfen. Ich möchte gern wissen warum Ethin zuerst
siedet und dann schmilzt. Das Vergleichen von mehren Werten in verschieden
Tafelwerken ergab immer das Ethin zuerst siedet und dann schmilzt Bsp.:
Siedetemp. -84,00°C und Schmelztemp. -80,8°C. Geht das überhaupt und wenn
wie? Danke!
Gruß
Christian
> Ethin zuerst siedet und dann schmilzt.
> Siedetemp. -84,00°C und Schmelztemp. -80,8°C.
Da bist du in der Tat auf ein interessantes Problem gestoßen.
Ich habe auch in verschiedenen Tabellenwerken nachgeschaut; alle geben
die gleiche Merkwürdigkeit an. Die einzige Detailangabe habe ich im
FIESER (1968) gefunden, der für die _Schmelztemperatur_ einen Druck von
891 mm angibt, also etwas erhöhten Druck. Der Wert für Normaldruck
dürfte davon aber IMO nicht sehr wesentlich abweichen.
Im RÖMPP (9.Aufl.) steht bei der Siedetemperatur die Anmerkung
"(Sublimation)". Das ist auch wieder merkwürdig, weil eine solche Angabe
doch eher zur Schmelztemperatur passen würde.
Also: zieht sich da ein Druckfehler vom ältesten Beilstein durch alle
Literatur durch? Oder hat jemand eine bessere Erklärung des Phänomens?
Gruß
--
Uli
"Ulrich Dierkes" <Uli.D...@T-Online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:1eshohy.j6o...@pd9013cdc.dip.t-dialin.net...
in de.sci.chemie wurde etwas ausfuehrlicher darueber diskutiert -
erklaerung ist wohl, dass die fuer die messungen zugrunde liegenden
druecke nicht mit aufgefuehrt wurden und vom normaldruck abweichen
>> Ethin zuerst siedet und dann schmilzt.
>> Siedetemp. -84,00°C und Schmelztemp. -80,8°C.
[..]
> Also: zieht sich da ein Druckfehler vom ältesten Beilstein durch alle
> Literatur durch? Oder hat jemand eine bessere Erklärung des Phänomens?
Das ist kein so seltenes Phaenomen. Da der Kp i.a. staerker druckabhaengig
ist als als der Fp. (Volumenaenderung!) ist es durchaus moeglich, dass ab
einem bestimmten Druck der Fp. hoeher ist als der Kp.. In diesem Fall
beobachtet man einen direkten Uebergang von der festen in die gasfoermige
Phase, eine sog. Sublimation. Dies ist besonders bei niedrigen Druecken
zu beobachten (s. Phasendiagramme) und wird im Labor zur Reinigung von
Substanzen ausgenutzt. Siehe hierzu auch die Stichworte: Tripelpunkt,
Phasenuebergaenge, kritischer Punkt in einem Lehrbuch der Physik oder
physikalischen Chemie.
--
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* J"org Geiger - Institut f"ur Klinische Biochemie und Pathobiochemie *
* Universit"at W"urzburg *
* gei...@klin-biochem.uni-wuerzburg.de *
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versteh ich das richtig: dies gilt bei demselben druck?!
> In diesem Fall
> beobachtet man einen direkten Uebergang von der festen in die
gasfoermige
> Phase, eine sog. Sublimation.
davon ausgehend, dass meine annahme (s.o.) stimmt: wie komme ich dann
auf einen fliesspunkt?! oder sublimiert das zeug und dann anstatt zu
resublimieren (von gasfoermig nach fest (gibt's den begriff
resublimieren?)) kondensiert es (von g nach fluessig)?
> "Joerg Geiger" <no_answ...@gmx.de> schrieb im Newsbeitrag
> news:3ae9...@uni-wuerzburg.de...
>> Das ist kein so seltenes Phaenomen. Da der Kp i.a. staerker
> druckabhaengig
>> ist als als der Fp. (Volumenaenderung!) ist es durchaus moeglich,
> dass ab
>> einem bestimmten Druck der Fp. hoeher ist als der Kp..
> versteh ich das richtig: dies gilt bei demselben druck?!
Ja. Korrekterweise muesste man wohl sagen: unter diesen Bedingungen
gibt es keinen Fp., d.h. die Substanz kann nicht verfluessigt werden.
>> In diesem Fall
>> beobachtet man einen direkten Uebergang von der festen in die
> gasfoermige
>> Phase, eine sog. Sublimation.
> davon ausgehend, dass meine annahme (s.o.) stimmt: wie komme ich dann
> auf einen fliesspunkt?! oder sublimiert das zeug
Genau.
> und dann anstatt zu
> resublimieren (von gasfoermig nach fest (gibt's den begriff
> resublimieren?)) kondensiert es (von g nach fluessig)?
Nein. Es geht direkt in den festen Zustand ueber. Eine fluessige
Phase tritt nicht auf.
Beispiel CO_2:
Da unter NB CO_2 nicht verfluessigt werden kann (kritischer Druck!)
kann es zwar durch Abkuehlung verfestigt werden (Trockeneis) aber
es "schmilzt" bei Temperaturerhoehung nicht sondern geht direkt in
den Gaszustand ueber.
Ergänzend C2H2 : Für einige Stoffe wird z.B. auch eine
Sublimationstemperatur angegeben obwohl sie, bei gleichem Druck, noch
einen etwas höher liegenden Fp haben. Bei der Benzoesäure (wer hatte das
nicht im präparativem Praktikum ?) war es AFAIK so; deutlich unterhalb
des Fp. ist schon eine sehr starke Subl. zu verzeichnen. Darüber sind
dann auch viele gestolpert, *ooch* der Fp. liegt bei 122°C dann trockne
ich bei 115°C - schwups war nach 2 Stunden alles weg.
Bei solchen Verbindungen ist die Sublimationtemperatur als solche nicht
unbedingt als Sublimationspunkt anzusehen, d.h. es ist eher eine
Temperaturbereichsangabe bei der schon eine merkliche Sub. zu
Verzeichnen ist.
Ob das nun beim C2H2 auch so ist, vermag ich allerdings nicht zu sagen,
aber es spricht doch schon einiges dafür.
KÖNNTE also bedeuten, C2H2 weist einen deutlichen Sublimationsgrad auf
UND hat evtl. bei gleichem Druck, etwas höherer T., noch einen Fp. Hier
sind doch mal Leute gefragt welche Zugang zu div. Literatur haben
(Gmelin, Landolt....).
Erstaunlicherweise habe ich für die Temperatur -84°C mal Schmelzpunkt
mal Sublimation angegeben. Finde für ca. -81°C mal Kp mal Tripelpunkt.
Ein Quelle tanzt ganz aus der Reihe und bietet einen Kp von -75°C wäre
aber aufgrund der Sp. und Subp. anderer Werke logischer ( hier läge das
erste mal der Kp deutlich ÜBER dem Sp).
<Suchsuchsuchsuch>
Jetzt habe ich meine ganze Bude auf den Kopf gestellt und siehe da :
Eine Quelle gibt für -83,80°C und 1013hPa den Sublimationspunkt an -
wenigstens einaml mit Druck ! Aber das bringt auch noch nicht vielmehr
Sicherheit !
Ich muss schon sagen Christian Du bist der erste der es Geschafft hat
mir mit einer Frage in den NG's ein unruhiges Wochenende zu verschaffen
<grrrr> ;-)
--
Glück Auf - Bodo Mysliwietz
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http://www.cneweb.de/home/chemietechnik
Ehtin sublimiert bei einer Temperatur von -84 °C.
"Christian Leipart" <ch...@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:9c7201$p0i$07$1...@news.t-online.com...