Ich bin dabei, ein kleines Kindertheaterstück zu erarbeiten, in dem es
darum geht, Kindergarten- und Schulkinder bis ca. 2. Klasse an das Medium
Theater heranzuführen.
Es wird ein kleines Puppenstück sein, in dem der 'Sohn' des Spielers von
einem Kindertheaterbesuch nach Hause kommt und begeitert allen
erzählt, wie er sich -aus Unwissenheit natürlich- danebenbenommen hat. Im
Gespräch mit ihm und den Kindern ist bestrebt,
Grundverhalten, das leider nicht mehr so oft 'theaterlike' ist wieder
aufzuzeigen: Aufmerksamkeit, Konzentriertes Zuhören, Akzeptieren der
'Bühnengrenze' - Grenzen im Allgemeinen anzuerkennen.
In meiner täglichen Arbeit im pädagogischen Puppenspiel (Verkehrserziehung)
und beim Kindertheater stelle ich seit Jahren fest, das die meisten der
Kinder (und der Erzieher/Eltern/Lehrer gar nicht mehr wissen, das zum
Theaterschauen auch gewisse 'Grundregeln' gehören: Zuhören, wissen, wann
Mitarbeit gewünscht ist und wann nicht, nichts Essen und Trinken vor und
während der Vorstellung, auf dem Stuhl und NICHT auf dem Fussboden sitzen,
während der Vorstellung nicht in Saal herumlaufen u.s.w.
Ich möchte deshalb gerne von Theaterschaffenden wissen, was sie für
Erfahrungen und Tips haben, um einen intensiven und trotzdem 'geregelten'
Vorstellungsablauf durchzuführen.
Fakt ist, dass viele Dinge schon von den Erwachsenen falsch gehandhabt
werden. Beispiele, die ich regelmässig erlebe:
Die Eltern/Begleiter packen vor der Vorstellung etwas zu Essen und zu
Trinken aus zur 'Beruhigung' der Kinder. Warum können die Kinder nichts
vorher oder nachher essen???
Den Eltern macht es nichts aus, wenn die Kinder im Zuschauerraum
herumrennen. Gibt es keine Rücksichtnahme auf die Anderen
Zuschauer/Theaterschaffenden?
Die Erwachsenen unterhalten sich miteinander während der Vorstellung, Kinder
quasseln mit - Warum???
Kein erwachsener Zuschauer greift ein, wenn ein Kind während der Vorstellung
herumläuft/zur Bühne läuft um angeblich besser zu sehen - ein Kind läuft los
und viele, viele folgen...
Die Erwachsenen kommen knapp vor der Vorstellung und schicken immer noch die
Kinder nach vorne: "Schau mal, ob Du vorne noch Platz findest." - Falsche
Illusionen der Grossen???
Eltern und Erzieher/innen im Kindergarten wollen die Kinder immer auf den
Fussboden setzen - Warum eigentlich??? ZU bequem, um Stühle oder Bänke
hinzustellen (Kindergarten)??? Mein Argumet dagegen ist immer:"Theater ist
etwas anderes als zuhause vor dem Frnseher herumzuliegen - auf einer
Sitzgelegenheit zu sitzen ist für einen Menschen mit grösserer
Konzentrationsfähigkeit verbunden."
UND DIE GRÖSSTE ALLER FRAGEN: Warum müssen sich Eltern immer in den ersten
vier/fünf Reihen mit Ihren Kindern in die Mitte setzen, das alle anderen
Kinder nix mehr sehen??? Ich erlebe selten ein Einsehen, das diese
Erwachsenen mit Ihren Kindern zur Seite sitzen. "Mein Kind kann noch nicht
alleine sitzen!"
Vielen jüngeren Theaterschaffenden kann meine Ansicht vielleicht ein wenig
altmodisch erscheinen, aber die jahrelange Erfahrung lehrte mich, das
alle -Zuschauer und Schauspieler- mehr vom Kindertheater haben, wenn
'altmodische' regeln eingehalten werden.
Ich würde mich freuen, wenn ich einige Meinungen zu diesem Thema erhalten
würde. Vielleich schreiben Interessierte in dieser Newsgroup UND an meine
persönliche E-Mail Adresse: Ho...@t-online.de
Vielen Dank im Voraus
Rolf U. Högemann
PEGASUS & Co.: http://home.t-online.de/home/hoegi/pegasus.htm
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THEATERGRUPPE "SpielBarES": http://vereine.szon.de/spielbares/
ich möchte gerne näheres zu meinem Anliegen erklären:
Zunächst stimme ich ohne Abstriche damit überein, dass zunächsteinmal ein
Stück für Kinder so beschaffen sein müsste, das es so spannend ist, das ein
(junger) Zuschauer gar nicht dazu kommt, sich aus dem Geschehen
'auszuklinken'.
Das wäre aber ein Idealfall. Leider, das wissen wir alle, sind Stücke nicht
immer so - und was soll man als Schauspieler dann tun? Augen zu und durch
oder kündigen? Ausserdem gibt es immer Kinder, die man leider mit gar nichts
mehr begeistern kann.
Und dann geht es mir auch um die Dinge, die VOR der Vorstellung im
Zuschauerraum passieren, wo man also noch gar nicht weiss wie gut (oder
schlecht) das eigentliche Stück ist.
Hier selbst erlebte Beispiele, nicht nur aus ein und dem selben Theater:
1) Rumrennen und Toben im Zuschauerraum. Nicht nur, das Kinder oft dabei
fallen und dann das Geschrei gross ist es stört doch die restlichen
Zuschauer und auch die Schauspieler in Ihrer Konzentration. Die Frage ist,
warum die Eltern nicht erklären, dass man in einem Theater und nicht auf dem
Sportplatz ist?
Wenn der Bewegungsdrang der Kinder vorher noch so gross ist, könnte man mit
ihnen ja noch draussen vor dem Theater ein bischen herumtoben, oder?
2) Essen & Trinken vor und während der Vorstellung: Wenn nicht gerade das
Theatersück als gastronomisches Event ausgerichtet ist, sollte es doch
machbar sein, mal eine Stunde nichts in den Mund zu nehmen. M.E. ist in
einem Theater noch niemend verhungert oder verdurstet.
3) Bei einer offenen Bühne vor Vorstellungsbeginn springen die Kinder auf
der Bühne herum (mehrfach erlebt!!) und bringen Requisiten durcheinander.
Zum einen fragt man sich, warum da kein erwachsener Begleiter
(Elternteil/Erzieher) eingreift, zum anderen, warum das Verständnis dafür
fehlt, diese offensichtliche Grenze Zuschauerraum-Bühne zu akzeptieren.
4) Sitzen auf dem Boden: Auch sehr oft erlebt´- die Kinder aus den ersten
Zuschauerreihen stehen auf einmal direkt vor der Bühne und versperren allen
anderen die Sicht (bei Marionettentheater), damit steigt die Unruhe bei
allen anderen , die nichts mehr sehen können oder die kleinen Zuschauer sind
so dicht am Bühnenrand, dass man als Schauspieler auf die Hände der Kinder
aufpassen muss. (Übrigens - wo sind dann wieder die Eltern, die ihre Kinder
zurückholen?) Ausserdem ist die Konzentration der Kinder grösser, wenn sie
auf Sitzgelegenheiten sitzen und sich nicht wie zu Hause vorm Fernseher auf
dem Fussboden 'herumlümmeln'.
Ich bin der Meinung, das Theater -für Kinder UND Erwachsene- etwas
Besonderes sein sollte und das dazu auch andere Zuschauweisen gehören als
beim Fernsehschauen oder ins Kino gehen. Und gehört es nicht auch dazu
gewisse Grenzen (Regeln?) den Kindern aufzuweisen, Dinge der allgemeinen
Höflichkeit und Rücksichtnahme auf andere. Ich habe oft den Eindruck, dass
junge Kollegen, wenn Sie überhaupt noch Lust zum Kindertheater haben, einen
Theaterstil bevorzugen, der zwischen Bühne/Schauspieler und Kindern
keinerlei Grenzen und Respekt aufzeigt und das ganze eher an pädagogische
Lernmassnahmen erinnert. Nur - ist dazu das Kindertheater der richtige
Platz? Können das nicht Erzieher und Pädagogen in Kindergärten/Schulen
bessser?
Es fehlt doch vielmehr an Kindertheaterstücken, die nicht hauptsächlich
belehren sondern verzaubern und unterhalten sollen. Und zum Verzaubern
gehört doch auch eine gewisse Theateratmösphäre, die auch durch Leben
gewisser dort zu zeigender Verhaltensregeln geschaffen wird.
Nicht umsonst stellt man fest, dass Kinder gerade in den, von vielen
Kollegen als 'altmodisch' abgetanen Weihnachtsmärchen der Stadttheater oder
der alljährlichen 'Hänsel und Gretel' Oper viel faszieniertere und
verzaubertere Zuschauer sind und oft länger davon erzählen als von einem
modernen, pädagogisch wertvollen Mitspielstück. Und dazu trägt auch die
'altmodische' Theaterstimmung bei zu der jeder erwachsene Zuschauer
automatisch und gerne seinen Teil mit beiträgt - warum gibt er dieses
Verhalten nicht auch an seine Kinder weiter?
Ach so - falls mich alle für eine steinalten Pensionär halten sollten - Ich
bin gerade mal 43!
Viele Grüsse aus Stuttgart von
Rolf