Die Amtsstube des Stadtwachenkommandanten befindet sich in Kopp, der
Insel Grangors, auf dem die kleinen Handwerker und einfachen Bürger ihre
Häuser und Werkstätten haben. Schon am hellichten Tage treibt sich
wieder allerlei buntes Volk herum, Gaukler reißen ihre Possen mit den
Schaulustigen, und von überall her hört man Lachen, Musik und Singen.
Auch einige auswärtige Marketender haben ihre Buden auf den Plätzen und
in den Gassen aufgeschlagen - obschon letzteres laut Marktordnung streng
untersagt ist - und preisen mit blumigen Versprechungen ihre Waren,
zumeist allerlei Tand, bunte Haarschnüre und -netze, billiger Schmuck
aus vergoldetem Blech, Armreifen, Bauchkettchen, Schellenreifen, Diademe
mit Steinchen aus buntem Glas. Gürtlerund Täschner bieten ihre Waren
feil, Bier- und Saftverkäufer überbieten sich in vollmundigen
Lobpreisungen ihrer Güter, eine wohlbeleibte Tulamidin bietet gesottene
Wachteln in scharfer Tunke feil.
Bürger unterschiedlichsten Standes drängen sich um die Stände, prüfen
argwöhnisch die feilgebotenen Waren, feilschen hartnäckig um jedes
Kupferstück, daß es dem Herrn Phex eine rechte Freude ist. Manch
verlockend prall gefüllte Geldkatze führt eifrige Langfinger in
Versuchung, manch eitle Bürgersfrau muß nach unbeschwertem Bummel über
die Märkte feststellen, daß ihr kostbares Diadem einen anderen
Besitzer gefunden hat.
Ehrfurchtgebietend erhebt sich der hohe Wachturm der Stadtgarde, von dem
aus der gesamte Hafen überblickt werden kann, über die Dächer der
umstehenden Häuser, kündet von Wachsamkeit und Wehrhaftigkeit
gleichermaßen. In seinem Schatten ruht der Rondratempel, die trutzige
Halle der göttlichen Leuin. Ihr schräg gegenüber liegt euer Ziel: die
Kaserne der Gardisten, Sitz der Stadtwache. Eine uniformierte,
spießbewehrte Wache am Eingang verweist Cassjarella auf ihre Frage
gelangweilt an eine der vielen Türen links und rechts des Flures, auf
das Zimmer eines Obristen der Garde, der mit dem Fall Brekker betraut ist.
Der Obrist Geriol di Lascena, ein müde wirkender Mann in den 60zigern
erwartet die Geweihte mit einem freundlichen Nicken. Kurz erscheint ein
jugendlicher Zug auf seinem Gesicht, der bei dem Thema Brekker aber
wieder verschwindet. "Was wünscht Ihr zu wissen, Euer Gnaden?"
Ingo