Verzeiht, aber ich muss meinem Ärger hier echt mal Luft machen. Vielleicht
ist hier ja jemand, der die selbe Erfahrung gemacht hat :
Ich besuche zur Zeit die 13. Klasse auf einem Gymnasium in Rheinland-Pfalz.
Gemustert wurde ich im Juli diesen Jahres (T2) und Anfang September habe ich
meine Verweigerung eingereicht. Ich habe mich ehrlich sehr bemüht den Leuten
dort meine Meinung (bin dabei höflich und sachlich geblieben) über den
Wehrdienst zu schildern und warum ich es nicht mit meinem Gewissen
vereinbaren kann den Dienst an der Waffe zu leisten. Nach ca. 6 Wochen, also
heute bekomme ich dann einen Brief und ich denke na klasse, jetzt kannst du
dich endlich für ne Stelle bewerben (was die meisten bei uns schon getan
haben). Nun muss ich aber lesen, dass die von mir angegebenen Gründe nicht
ausreichend/ausführlich genug geschildert worden wären. Das muss man sich
mal vorstellen, ich kann, wenn es euch interessiert meinen Text einmal hier
veröffentlichen, denn meines Erachtens nach ist er sehr wohl ausreichend und
auch begründet. Dieser "Kerl"(oder Frau) dort bei der Verwaltung nimmt sich
das Recht mir zu sagen, was ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Andere
werden aus fadenscheinigen Gründen ausgemustert und bei denen fragt keiner
so genau nach. Und ich armer Kerl muss jetzt etwas zu meiner Verweigerung
hinzufügen, was ich eigentlich garnicht denke, nur um nicht zur Bundeswehr
zu müssen, wo leben wir eigentlich ? Und das schlimmste ist : ich kann mich
ja nichteinmal dagegen wehren, denn wenn ich mich jetzt auf einen
Streit/Rechtstreit mit denen einlasse, dann hab ich am ende wohlmöglich zwar
gewonnen, aber es bringt mir überhaupt nichts und ich müsste schon 3 Monate
am Zivildienst sein, damit ich mich noch für ein Studium einschreiben kann.
Mir bleibt jetzt wohl nichts, als meine Verweigerung nochmal zu überarbeiten
und diesen Wichtigtuern ein paar "anerkannte" Gründe zu liefern, die beiden
Seiten nichts bringen, da sie meist nur hole Frasen sind.
jedem Danke, der das hier liest und mir vielleicht auch antwortet und jedem
mein Beileid, dem es genauso geht !!
MfG
Jörg
Folgende Begründungen haben mich dazu bewegt den Dienst an der Waffe zu
verweigern:
Ich sehe ein, dass die Bundeswehr eine notwendige Institution ist, auf deren
Schutz im Ernstfall wir alle angewiesen sind. Wie dieser Ernstfall nun
allerdings aussehen mag, das kann einem heute keiner sagen. Sicher stehen im
Grundgesetz einige trockene Paragraphen, wann genau der Verteidigungsfall
Eintritt, doch ist dies auch wiederum Definitionssache und so kann ich mir
vorstellen, dass eine kriegstreiberische zukünftige Regierung durchaus einen
Auslandseinsatz zum Verteidigungsfall erklärt. Da ich diese Meinung aber
grundsätzlich nicht Teile und strickt gegen eine Verteidigung im Ausland,
also eigentlich wieder einen Angriff bin, kann ich dies mit meinem Gewissen
nicht in Einklang bringen. Auch Einsätze wie in Afghanistan gehören
mittlerweile zum Aufgabengebiet der Bundeswehr. Da diese Einsätze meiner
Meinung nach nichts zum Lösen der Konflikte beitragen und wie in den meisten
Fällen durch Provokation nur noch mehr Gewalt verursachen, kann ich mir
nicht vorstellen an solchen teilzunehmen. Ich bin nicht grundsätzlich gegen
Gewalt, da ich es für notwendig halte bei Konflikten auch immer ein gewisses
Druckmittel in der Hand zu halten, denn was hält ein Diktator von
"diplomatischer Konfliktlösung"? Spricht man jedoch von Krieg, stellt sich
mir immer die Frage, wie ernst kann es für einen selbst werden. Sicher, die
momentane Situation in Westeuropa könnte friedlicher kaum sein, jedoch weiß
keiner, was die Zukunft bringt. Als Soldat müsste ich dann wohlmöglich
andere Soldaten ermorden, die mir persönlich keinerlei Leid angetan haben
und möglicherweise selbst nicht mit der Meinung ihrer Regierung
übereinstimmen. Auch wenn es in Kriegszeiten schöngeredet wird und man als
Held dasteht, wenn man einen feindlichen Soldaten zur Strecke gebracht hat,
will ich nicht für mein Land zum Mörder werden, der anderen Familien den
Vater oder den Sohn geraubt hat. Auch neue Konzepte wie das des "sauberen
Krieges", welches die USA verfolgen, beunruhigen mich des Öfteren, da sie
den Krieg als chirurgischen Eingriff darstellen, bei dem es fast unmöglich
ist, dass Zivilisten getötet werden. Die Realität sieht jedoch ganz anders
aus, wie man nach dem zweiten Golfkrieg gesehen hat.
Aus den oben genannten Gründen verweigere ich gemäß GG §20 Art. 4 den Dienst
an der Waffe.
Viel Erfolg beim zweiten Versuch
BJörn
>Ich sehe ein, dass die Bundeswehr eine notwendige Institution ist, auf deren
>Schutz im Ernstfall wir alle angewiesen sind. Wie dieser Ernstfall nun
Du bist also gegen den Dienst an der Waffe aber hälst die BW für
notwendig? :)
[blahblah]
>grundsätzlich nicht Teile und strickt gegen eine Verteidigung im Ausland,
>also eigentlich wieder einen Angriff bin, kann ich dies mit meinem Gewissen
>nicht in Einklang bringen. Auch Einsätze wie in Afghanistan gehören
Einen Angriff kannst Du nicht mit Deinem Gewissen vereinbaren, aber
den Dienst in der BW generell schon. Warum solltest Du dann nicht zur
BW gehen? AFAIK fahren nur freiwillige nach Afghanistan, etc.
>nicht vorstellen an solchen teilzunehmen. Ich bin nicht grundsätzlich gegen
>Gewalt, da ich es für notwendig halte bei Konflikten auch immer ein gewisses
>Druckmittel in der Hand zu halten, denn was hält ein Diktator von
Gewalt ist also manchmal ok?
>keiner, was die Zukunft bringt. Als Soldat müsste ich dann wohlmöglich
>andere Soldaten ermorden, die mir persönlich keinerlei Leid angetan haben
>und möglicherweise selbst nicht mit der Meinung ihrer Regierung
>übereinstimmen. Auch wenn es in Kriegszeiten schöngeredet wird und man als
Und das geht mit Deinem Gewissen konform?
>Held dasteht, wenn man einen feindlichen Soldaten zur Strecke gebracht hat,
>will ich nicht für mein Land zum Mörder werden, der anderen Familien den
>Vater oder den Sohn geraubt hat. Auch neue Konzepte wie das des "sauberen
Selbst hier weist Du nicht noch mal auf Dein Gewissen hin?
>Aus den oben genannten Gründen verweigere ich gemäß GG §20 Art. 4 den Dienst
>an der Waffe.
Du kannst nur aus Gewissensgründen verweigern. Ich sehe oben nur, dass
Du das Vorgehen der USA und die Auslandseinsätze verurteilst und nicht
zum "Mörder für Dein Land werden _möchtest_".
Die Fragen spiegeln nicht meine eigene Meinung wieder, aber sollen
Dich darauf hinweisen, was Du vielleicht ändern solltest. Du könntest
Auch ruhig etwas mehr schreiben. Meine Verweigerung war inkl.
Lebenslauf 8 A4 Seiten lang.
-Jens