Haben hier welche der eifrigen Newsgroup-Poster Daten zu dem sehr
interessanten Stoff Silberoxalat?
Wie schlagempfindlich ist es?
Warum wird dieser Stoff eigentlich nicht kommerziell
genutzt....vielleicht wegen seiner Lichtempfindlichkeit (wie bei den
Silbersalzen üblich)?
Welche DG besitzt er denn?
Danke schon mal für eure Mühe.....
M-Baetz
Das ist fuer mich etwas neues. Habe Silberacetylid gemacht (sehr empfindlich).
Wo hast Du von Silberoxylat gehoert? Und wie weisst Du das es "sehr
interessant" ist?
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>Haben hier welche der eifrigen Newsgroup-Poster Daten zu dem sehr
>interessanten Stoff Silberoxalat?
Was soll daran interessant sein ? Ist ein Salz der Oxalsäure, die wohl
gelegentlich als Reduktionsmittel oder Komplexbildner eingesetzt wird,
weitere Verwendungen wüßte ich gerade nicht.
Christian
--
I try to write idiot proof code, but they keep making better idiots.
> Das ist fuer mich etwas neues. Habe Silberacetylid gemacht (sehr empfindlich).
> Wo hast Du von Silberoxylat gehoert?
Mein erster Hinweis war aus TLD's "Chemistry of Explosives". Dann im
Römpp (1.Auflage) nachgeschlagen ----> stand drin das es beim Erhitzen
auf 110°C heftig detoniert.
> Und wie weisst Du das es "sehr
> interessant" ist?
Es ist sehr leicht und ganz gefahrlos herzustellen....Kleesalz
(Kaliumoxalat) bekommt man überall, und Silbernitrat auch .....
Gruss
M-Baetz
>Es ist sehr leicht und ganz gefahrlos herzustellen....Kleesalz
>(Kaliumoxalat) bekommt man überall, und Silbernitrat auch .....
Nur eben nicht ganz billig ;-)
> >Es ist sehr leicht und ganz gefahrlos herzustellen....Kleesalz
> >(Kaliumoxalat) bekommt man überall, und Silbernitrat auch .....
>
> Nur eben nicht ganz billig ;-)
Wie man's nimmt.... Kleesalz bei Spinnrad abgestaubt (Dose mit 50g für
50 Pfennige --gleich das Regal leergekauft :-)
Silberreste holt man umsonst beim Juwelier...das Zeug ist sowenig Wert
das es sich kaum rentiert es einzuschmelzen (sagte man mir).
Und das Silbernitrat kann man ja wohl selber mit Leichtigkeit
herstellen.
Gruss
M-Baetz
>
> Mein erster Hinweis war aus TLD's "Chemistry of Explosives". Dann im
> Römpp (1.Auflage) nachgeschlagen ----> stand drin das es beim Erhitzen
> auf 110°C heftig detoniert.
Ich kenne es nur vom Namen her, bzw. als Gattung für empfindliche Salze.
Bei den herkömmlichen Chemikalienhändlern ist es nicht aufgeführt
(Merck, Fluka; im Aldrich und Hansen schau ich noch nach, habe ich nicht
daheim).
Komisch; ich habe den 2-bändigen und den 6-bändigen Römpp (9. Auflage),
aber in keinem habe ich was dazu gefunden. Im Dir bekannten Ullman auch
nicht. Lediglich im Urbanski, Band 3, steht etwas darüber, was ich
wörtlich, um keine Falschauskunft zu geben, abschreibe:
======================================================================================
Seite 194, Punkt 2.10,. Salze der Oxalsäure
Schon Berthelot (1883) hatte beobachtet, daß manche Salze der Oxalsäure
(z.B. Quecksilber- oder Silberoxalat) Sprengstoffeigenschaften haben.
Diese Gruppe von Sprengstoffen findet keine praktische Verwendung, ist
aber vom theoretischen Gesichtspunkt interessant, hauptsächlich deshalb,
da die allgemeine Zerfallsgleichung die Form
A(a) => B(a) + C(g)
hat und dem Zerfall der Azide ähnlich ist.
Silberoxalat Ag2C2O4 war Gegenstand vieler Publikationen. So bestätigten
McDonald und Hinshelwood (1925) die Gleichung von Berthelot, nach der
die einzigen Zerfallsprodukte von Silberoxalat metallisches Silber und
CO2 sind.
Benton und Cunningham (1935) stellten fest, daß man die Geschwindigkeit
des thermischen Zerfalls der Silberoxalats durch vorhergehende
Bestrahlung mit ultravioletten Strahlen vergrößern kann.
Beim thermischen Zerfall des Silberoxalats entstehen Teilchen von
metallischem Silber, was durch die Messung der Leitfähigkeit (McDonald
und Sandison, 1938) und röntgenographisch (Griffith, 1946)
bestätigtwurde.
Tompkins (1948) untersuchte den thermischen Zerfall des Silberoxalats
bei 110 bis 130 Grad Celsius. Der Zerfall dieses Stoffes ist nach
Tompkins ähnlich dem Zerfall des Bariumazids.
Quecksilberoxalat zerfällt, wie es scheint, etwas anders, hauptsächlich
unter Entstehung von Quecksilber(I)-oxalat (Prout und Tompkins, 1947).
======================================================================================
Soweit der Urbanski.
Ich möchte noch darauf hinweisen, daß das Quecksilberoxalat gelegentlich
unerwünschtes Nebenprodukt bei der Herstellung von Knallquecksilber war
und im allgemeinen nur bei zu stürmischer Reaktion auftritt, alo
praktisch niemals bei normalen kleinen Mengen.
Es wird wohl einen Grund geben, warum es keinen praktischen Nährwert
hat.
Gruß
MF.
>Silberreste holt man umsonst beim Juwelier...das Zeug ist sowenig Wert
>das es sich kaum rentiert es einzuschmelzen (sagte man mir).
Mit welcher Begründung ? Man will selbst Schmuck herstellen ?
Christian
--
Die Erinnerung ist eine myseriöse Macht und bildet den Menschen um.
Wer das, was schön war, vergißt, wird böse;
wer das, was schlimm war, vergißt, wird dumm.
E. Kästner
>
> >Silberreste holt man umsonst beim Juwelier...das Zeug ist sowenig Wert
> >das es sich kaum rentiert es einzuschmelzen (sagte man mir).
>
> Mit welcher Begründung ? Man will selbst Schmuck herstellen ?
>
> Christian
Empfehle: Versuche zur galvanischen Versilberung. Man kriegt auch
Blechreste von Silber, die nicht mehr gebraucht werden können. Eher
müßte man Schnipsel sagen.
Silbernitrat ist übrigens sehr nett, um Diebe zu entdecken.
MF.
> > Mit welcher Begründung ? Man will selbst Schmuck herstellen ?
> >
> > Christian
>
> Empfehle: Versuche zur galvanischen Versilberung. Man kriegt auch
> Blechreste von Silber, die nicht mehr gebraucht werden können. Eher
> müßte man Schnipsel sagen.
Genau! Diese Schnippel schleppe ich mittlerweile schon tütchenweise nach
Hause...man sagt einfach man braucht Silber für chemische Experimente
etc. Das genügt meist völlig.
> Silbernitrat ist übrigens sehr nett, um Diebe zu entdecken.
Wie meinst du das? Ist schon spät, vielleicht versteh ich's morgen.
Bis denn,
M-Baetz
> Komisch; ich habe den 2-bändigen und den 6-bändigen Römpp (9. >Auflage),
Hmmm...richtig. Hat mich auch gewundert. In der Erstauflage steht's
noch drinne, in den folgenden nicht mehr.
> aber in keinem habe ich was dazu gefunden.
Nicht mal unter den Oxalaten stand was über das Ag-Salz drin :-(
> Soweit der Urbanski.
Scheint ja recht interessant zu sein das Zeug. Initialsprengstoff.
> Ich möchte noch darauf hinweisen, daß das Quecksilberoxalat >gelegentlich
> unerwünschtes Nebenprodukt bei der Herstellung von Knallquecksilber >war
> und im allgemeinen nur bei zu stürmischer Reaktion auftritt, alo
> praktisch niemals bei normalen kleinen Mengen.
Wahrscheinlich durch die Salpetersäure und den Alkohol verursacht.
Oxalsäure entsteht ja auch beim Kochen von HNO3 und Zucker.
>
> Es wird wohl einen Grund geben, warum es keinen praktischen Nährwert
> hat.
Den möcht' ich echt mal wissen......
Trotzdem danke für deine Mühe!
Gruss
M-Baetz
>> Silbernitrat ist übrigens sehr nett, um Diebe zu entdecken.
>
>Wie meinst du das? Ist schon spät, vielleicht versteh ich's morgen.
Es macht, wenn ich es richtig im Kopof habe, schwarze Finger.
> Es macht, wenn ich es richtig im Kopof habe, schwarze Finger.
Ahhh! Jetzt weiss ich wo die Flecken herkommen... wusst' ich garnicht
dass das Zeug so hartnäckig färbt.
Gruss,
M-Baetz
> Was soll daran interessant sein ? Ist ein Salz der Oxalsäure, die wohl
> gelegentlich als Reduktionsmittel oder Komplexbildner eingesetzt wird,
> weitere Verwendungen wüßte ich gerade nicht.
Das koennte man auf den ersten Blick meinen.
Jedoch wird spaetestens klar, wenn man sich ueberlegt, dass Silberionen
ein recht kraeftiges kinetisch nicht gehemmtes Oxidationsmittel sind
(E0=+0.8 V) und Oxalat-Ionen als Reduktionsmittel bekannt sind (Urtiter
in Manganometrie), dass hier spaetestens beim Erhitzen zumindest eine
Redox-Reaktion a la Ammoniumdichromat moeglich waere.
Beruecksichtigt man dann noch, dass bei Uebergang von 2 Elektronen vom
Oxalat-Ion auf das Silber-Ion -nach Bruch der C-C-Bindung- 2 Molekuele
CO2 vorliegen, welche wie Stickstoff bei Stickstoffwasserstoffsaeure
vorgebildet im Moelkuel vorkommen, ist klar, dass eine rel. grosse
Reaktionsenthalpie und grosse Gasmengen also zumindest eine Verpuffung
oder eine Explosion zu erwarten sind.
Damit rechnet man nicht, da Oxalsaeure und Oxalate im Gegensatz zu HN3
bzw. Aziden normalerweise voellig stabil sind.
In Sicherheitsbuechern findet man uebrigens Warnungen vor der Bildung
von Silberoxalat.
Interessanterweise sind die Tartrate auch explosiv. Damit rechnet man
noch weniger. Das wissen vermutlich selbst die meisten Chemieprofessoren
nicht.
Silberoxalat und Tartrat wurden auf ihre Eignung als Initialsprengstoffe
untersucht, detonieren vermutlich nicht so heftig, dass sie besonders
geeignet waeren.
Details zu den physikalischen und chemischen Eigenschaften muesste ich
mal in Gmelin´s "Handbuch" nachsehen.
Es gibt ein paar neue Publikationen ueber Silberoxalat (nur eine kleine
Auswahl, es gibt noch mehr):
NAUMOV DY, PODBEREZSKAYA NV, VIROVETS AV, et al., CRYSTAL-STRUCTURE
ANALYSIS OF SILVER OXALATE, AG2C2O4, AND AN X-RAY-DIFFRACTION STUDY OF
ITS SINGLE-CRYSTAL AT THE INITIAL-STAGE OF PHOTOLYSIS, J STRUCT CHEM+
35: (6) 890-898 NOV-DEC 1994
NAUMOV DY, VIROVETS AV, PODBEREZSKAYA NV, et al.,
SILVER OXALATE, 2AG(+).C2O42-,
ACTA CRYSTALLOGR C 51: 60-62 Part 1 JAN 15 1995
ROMAN P, GUZMANMIRALLES C, LUQUE A, et al.,
STUDIES ON THE THERMAL-DECOMPOSITION OF DIPOTASSIUM
TRANS-DIAQUABIS(OXALATO-O,O')NICKELATE(II) TETRAHYDRATE,
THERMOCHIM ACTA 257: 67-73 JUN 16 1995
Eriksson L, Rietveld refinement of the crystal structure of
silver-oxalate from neutron powder diffraction data, MATER SCI FORUM
228: 801-806 Part 1&2 1996
Donia AM, Synthesis, identification and thermal analysis of
coprecipitates of silver-(cobalt, nickel, copper and zinc) oxalate,
POLYHEDRON 16: (17) 3013-3031 1997
Naumov DY, Boldyreva EV, Podberezskaya NV, et al.
The role of 'ideal' and 'real' crystal structure in the solid-state
decomposition of silver oxalate: Experimental diffraction studies and
theoretical calculations, SOLID STATE IONICS 101: 1315-1320 Part 2 NOV
1997
Kolesnikov VN, Formation of silver fractal cluster aggregates in thermal
decomposition of silver oxalate, CHEM PHYS REP+ 17: (11) 2145-2148 1999
Und da behaupten hier tatsaechlich ernsthaft Leute, es wuerde mit
solchen Stoffen nicht wissenschaftlich geforscht, da schon alles
erforscht sei...
Sent via Deja.com http://www.deja.com/
Before you buy.
> Es macht, wenn ich es richtig im Kopof habe, schwarze Finger.
Deshalb muss man beim Arbeiten mit Silbersalzen vorsichtig sein.
Sonst hat man spaeter eine Riesen-Schweinerei.
> Mit welcher Begründung ? Man will selbst Schmuck herstellen ?
Fuer elektrochemische Versuche zur Herstellung einer AgCl-Elektrode
als Referenzelektrode zum Beispiel kann man es gebrauchen.
Oder zur Herstellung von Silbernitrat als Reagenz.
>Ahhh! Jetzt weiss ich wo die Flecken herkommen... wusst' ich garnicht
>dass das Zeug so hartnäckig färbt.
Silber bildet mit Schwefel schwarzes Silbersulfid, welches nicht
wasserlöslich ist. Schwefel ist in Proteinen enthalten...
> >Ahhh! Jetzt weiss ich wo die Flecken herkommen... wusst' ich
garnicht
> >dass das Zeug so hartnäckig färbt.
>
> Silber bildet mit Schwefel schwarzes Silbersulfid, welches nicht
> wasserlöslich ist. Schwefel ist in Proteinen enthalten...
Ich denke, diese Flecken bestehen aus elementarem Silber, welches durch
Reduktion durch die organischen Stoffe entsteht. Wie bei dem Oxalat ;-)
.
Es ist jedoch richtig, dass sich Silberflaechen (Bestecke,
Vorderflaechenspiegel) mit einem dunklen Sulfidfilm ueberziehen koennen.
Doch ist diese Reaktion ziemlich langsam.
Hallo Manuel, hallo *!
> Ahhh! Jetzt weiss ich wo die Flecken herkommen... wusst' ich garnicht
> dass das Zeug so hartnäckig färbt.
'Hartnaeckig faerbt' ist gut. Es denaturiert in Ruhe deine Eiweisse im
betroffenen Hautareal. Aber naja, zum Glueck bildet sich Haut ja ratz-fatz
nach, deswegen sieht es nur ne Zeit lang haesslich aus.
> M-Baetz
der Feind sind wir,
-andreas <*>
--
Micro$oft ist nicht die Antwort! Micro$oft ist die Frage!
Die Antwort ist *NEIN*!
> > Es macht, wenn ich es richtig im Kopof habe, schwarze Finger.
>
>
> Ahhh! Jetzt weiss ich wo die Flecken herkommen... wusst' ich garnicht
> dass das Zeug so hartnäckig färbt.
>
So bekommst du z.B. Silber-(nitrat?) als sogenannten "Mondstein" in der
Apotheke. Das Zeug ist zur Verätzung von Warzen gedacht. Stift mit einem
Tropfen Wasser anfeuchten und damit die Warze bestreichen...nach ca. 3
Wochen ist das Ding verschwunden, aber bis sich die Hautschichten erneuert
haben... erstmal schwarze Finger.
Gruß
Lothar
>
> So bekommst du z.B. Silber-(nitrat?) als sogenannten "Mondstein" in der
> Apotheke.
Ja, aber 8 Gramm für 25 DM !
Da stellt man es doch lieber selber her.
Gruss,
M.Baetz
Druidefix schrieb:
> Lothar Mayer schrieb in Nachricht
> >>
> >
> >So bekommst du z.B. Silber-(nitrat?) als sogenannten "Mondstein" in der
> >Apotheke. Das Zeug ist zur Verätzung von Warzen gedacht. >Gruß
> > Lothar
> >
>
> Ist der Trivialname nicht Höllenstein ?!
>
> Glück Auf
Nee, Höllenstein ist Alaun ( Kaliumaluminiumsulfat KAl[SO4]2 x 12 H2O). Kann
man nehmen, um Rasurschnitte zu schließen. Tut aber höllisch weh, deshalb
wahrscheinlich der Name ;-).
Thomas
--
The man with a new idea is a crank - until the idea succeeds.
Mark Twain
Glück Auf
Klaus Mattes schrieb:
> Der Trivialname fuer Silbernitrat ist: HOELLENSTEIN
> (Lit. Hollemann Wiberg, Anorg. Chemie)
>
> Gruss Klaus
Aha. Obwohl: mein Opa hat so einen kleinen Kristall (Stiftform), auf dem
steht:
Enthält Alaun. Und als Produktname: Echt fränkischer Höllenstein.
Naja, bin ich wohl einer Fehlinfo aufgesessen :-).
> Ist der Trivialname nicht Höllenstein ?!
Ja, klar. Aus gutem Grund ;-) .
Interessanterweise können sich sehr explosive Silberverbindungen
unbeabsichtigt auch aus chemischen Versilberungslösungen bilden.
Entstehung von Tartraten scheidet wohl aus, auch wenn KaNa-Tartrat
teilweise als Reduktionsmittel verwendet wird, da meist Glucose als
Reduktionsmittel dient.
Angeblich bilden sich diese Verbindungen bereits aus der reinen
Silberdiamin-Komplex- Lösung bei Lagerung. Dadurch sind schon einige
Unfaelle in Laboratorien passiert.
Es handelt sich bei diesen sog. "fulminating silver" Verbindungen
offenbar um Stickstoffhaltige Silberverbindungen.
Man sollte daher solche Loesungen stets frisch ansetzen.
> > >So bekommst du z.B. Silber-(nitrat?) als sogenannten "Mondstein"
> > Ist der Trivialname nicht Höllenstein ?!
> Nee, Höllenstein ist Alaun ( Kaliumaluminiumsulfat KAl[SO4]2 x 12 H2O).
Der Trivialname fuer Silbernitrat ist: HOELLENSTEIN