27. Kapitel – Entstehung und Zweck der Materie.
9. Februar 1847
[ER 27.1] Bei der Betrachtung des geistigen Teiles der Erde werden wir, um uns gründlich zu instruieren, eine retrograde Bewegung machen und werden nicht aus der Tiefe in die Höhe, sondern aus der Höhe in die Tiefe steigen, was da ganz in der Ordnung ist, weil man nicht von innen nach außen, sondern von außen nach innen sich kehren muß, um zu dem eigentlich Geistigen zu gelangen, das da bei jedem Dinge das Tiefste und das Inwendigste ist.
[ER 27.2] Es ist euch schon zu oftmals gezeigt worden, daß innerhalb des Materiellen sich allezeit Geistiges birgt, und wie die eigentlich schaubare Materie an und für sich im Grunde nichts anderes ist als gefangenes, gefesseltes und fixiertes Geistiges; dennoch aber soll auch hier zur gründlicheren Erkenntnis dessen noch so manches Erläuternde folgen.
[ER 27.3] Ihr könnt was immer für eine Materie betrachten, so werdet ihr es dennoch nicht finden, daß diese nur irgend als vollkommen solid in die Erscheinlichkeit tritt, sondern jede Materie ist teilbar, weil sie aus Teilen besteht, und zwischen diesen Teilen sind noch immer Räumchen, die von den Naturkundigen Poren genannt werden.
[ER 27.4] Über die Teilung der Materie ist bis jetzt noch kein Gelehrter im reinen, und niemand kann es bestimmen, in welche endlich kleinsten Teile die Materie teilbar ist.
Man nehme nur z.B. einen Gran Moschus, lege ihn in einem großen Gemache auf irgend einen Platz: in kurzer Zeit wird das große Gemach in all seinen Räumen mit dem Moschusdufte erfüllt sein, und man darf ein solches Stückchen viele Jahre liegen lassen, und es wird weder an seinem Volumen noch an seinem Gewichte etwas Merkliches verlieren; und doch mußten in jeder Sekunde viele Millionen Teilchen sich von diesem Stückchen flüchtig abgelöst haben, um fortwährend die weiten Räumlichkeiten des Gemaches mit dem Moschusdufte zu erfüllen.
Dergleichen Beispiele könnten noch eine große Menge angeführt werden; allein für unsere Sache genügt dieses einzige, um einzusehen, daß es da mit irgend einer definitiven Bestimmung über die endliche Teilbarkeit der Materie sicher seine geweisten Wege hat.
Wenn aber nun dargetan ist, daß wenigstens für eure Begriffe alle Materie bis in ein nahe unendliches Minimun teilbar ist, so ist es doch anderseits mehr als klar, daß die Materie notwendig aus Teilen zusammengesetzt sein muß.
Wer aber zieht diese Teile zusammen und klebt sie so fest aneinander, daß sie endlich wie eine einfache Masse aussehen, die manchmal mehr, manchmal weniger fest ist? –
Sehet, da ist schon die erste Stufe, auf welcher das Geistige beginnt.
[ER 27.5] Diese endlos kleinen Teile sind ursprünglich nichts als lediglich
eine Ideenkraft aus Mir, dem Schöpfer aller Dinge;
diese Ideenkraft bekommt Form,
und die Form bekommt Leben aus dem Leben des Schöpfers.
[ER 27.6] Der Schöpfer gibt die neubelebte Form frei von Sich,
gibt ihr aus Seinem eigenen Urlichte ein Eigenlicht
und mit diesem Lichte, das lebendig ist, die eigene Intelligenz,
durch die die neubelebte Form sich erkennt und ihrer selbst wie ein selbständiges Wesen bewußt wird.
[ER 27.7] Hat die Form sich also erkannt,
da wird ihr die Ordnung, ein Gesetz alles Seins, gegeben,
mit dieser Ordnung das innerste Feuer der Gottheit, ein Funke der ewigen Liebe;
aus dem geht hervor der Wille.
Nun hat die neubelebte Form
Licht,
Selbsterkenntnis,
Selbstbewußtsein,
die Ordnung
und den Willen
und kann ihren Willen der Ordnung gemäß einrichten
oder auch dieser Ordnung dawiderhandeln.
[ER 27.8] Handelt und bewegt sich so ein neues Geschöpf der Ordnung gemäß, so wird es wie ein Baum erfesten und wird als ein vollkommenes, freies Wesen in dem großen Schöpfungsraume auftreten zum ewigen Fortbestehen, weil all sein Wesen aus Mir, der Ich doch sicher ewig bin und ewig sein werde, geschöpft ist; und darum ist der Mensch ein Geschöpf, weil all sein Wesen aus Mir geschöpft ist, und sein Los kann kein anderes sein als Mein eigenes, weil das seinige aus Mir geschöpft ist, so, als wenn jemand aus dem Brunnen ein Wasser schöpft, das Wasser im Gefäße gleich ist dem Wasser im Brunnen und die gleiche Bestimmung hat als das Grundwasser im Brunnen, aus dem es geschöpft wurde.
[ER 27.9] Wenn aber so ein neues Wesen oder Geschöpf mit seinem freien Willen der gegebenen Ordnung nicht Folge leistet, so geht es natürlich seinem Untergange oder seiner Auflösung entgegen, was ganz natürlich leicht begriffen werden kann.
[ER 27.10] Wenn jemand eine Pflanze in die Erde setzt, gönnt ihr aber keine Feuchtigkeit, kein Sonnenlicht und keine Wärme, – was wird wohl mit der Pflanze? Nehmen wir aber an, die Pflanze hätte freies Bewußtsein und könnte sich nehmen Wasser, Licht und Wärme, sie wollte aber nicht, – was wird aus ihr? Sie wird verdorren und vergehen.
[ER 27.11] Oder jemand wollte sich von einem Maler vollkommen ähnlich abbilden lassen, will aber sein Antlitz dem Maler nie zuwenden, – was wird das am Ende für ein Abbild werden?
[ER 27.12] Mir, dem Schöpfer, aber kann es nicht gleichgültig sein, ob ein Wesen, das nicht bloß von Mir nur wie ein Bild in der Idee gefaßt, sondern auf obbeschriebene Weise aus der Fülle Meiner göttlichen Wesenheit geschöpft wurde, nur eine Zeitlang oder ewig besteht. Das erste müßte offenbar einen Teil aus Mir vernichten können, was unmöglich ist; also es kann, wenn es einmal geschöpft ist, nur für Ewigkeiten geschöpft sein.
[ER 27.13] Aber ein solches Geschöpf kann sich in Meiner Ordnung verkehren, und das ist ebensoviel als gewisserart für Mich aufhören zu sein;
denn der nicht für Mich ist,
der ist wider Mich.
Auf diesem Wege aber würde sich mit der Zeit neben Mir eine entgegengesetzte Kraft und Machtpotenz bilden, die Meinem freien Wirken Störungen entgegensetzen würde, was mit anderen Worten nichts anderes heißen würde als: Ich, die allerhöchste Vollkommenheit, müßte Selbst unvollkommen sein, um eine Unvollkommenheit neben Mir zu dulden.
[ER 27.14] Um diesem allerhöchsten Übel zu steuern,
wird ein Geschöpf,
welches sich nicht in Meine gegebene Ordnung fügen will,
alsogleich gefangengenommen und wird fixiert auf einen Punkt und auf eine Stelle;
und sehet, diese Fixierung ist das, was ihr als Materie kennet, sehet und empfindet.
[ER 27.15] In den endlos vielen Teilchen der Materie liegt die endlose Intelligenz des neugeschaffenen, aber nun gefangengenommenen Wesens zugrunde, welche Intelligenz nimmer zugrunde gehen kann;
aber sie ist gefestet und gegen die Sonne des Geistes gekehrt auf so lange, bis sie zu jener Reife gelangt ist, wie ein Spiegel, der so lange das Licht der Sonne aufnimmt, bis die Sonne ihn verkehret und ihn blind macht für alles andere, als bloß allein nur am Ende noch fähig, das Licht der Sonne aufzunehmen. Dem Außen nach wird der Spiegel freilich immer matter, und seine Materie wird lockerer und poröser; aber diese Materie wird eben dadurch stets fähiger, in all ihren aufgelösten Teilen das Bild der Sonne, wenn auch höchst verjüngt, aufzunehmen, und das ist eigentlich der gute Übergang:
daß ein solches Wesen anfängt,
in all seinen Teilen
die Gottheit aufzunehmen, und nicht nur in einem einzelnen Teile.
Und so ist es nicht genug, daß da jemand sagt: „Herr, Herr!“, sondern er muß den Herrn in alle seine Lebensfibern aufgenommen haben; dann erst ist er reif, wieder dahin zurückzukehren, von wannen er gekommen ist.
[ER 27.16] Aus diesem Grunde muß endlich alle Materie wieder in das Minutissimum aufgelöst werden, damit kein Teilchen da mehr vorkommt, das nicht fähig wäre, das Bild der ewigen Sonne aufzunehmen; und in dieser Aufnahme des ewigen Urbildes ist dann wieder die neue Schöpfung, in der sich die vorher gefangenen, nun aber wieder frei gewordenen endlosen Intelligenzen eines Wesens wieder ergreifen, in die erste Urform zurückgehen und wieder das werden, was sie schon im Urbeginne hätten werden sollen.
[ER 27.17] Aus dieser Vorleitung wird euch sicher klar, daß in der Materie unmöglich etwas anderes als lediglich nur Geistiges sein kann; und wir können nun auf wohlerleuchteten Wegen unsere Wanderungen über und in die geistige Erde machen.
[ER 28.1] Wenden wir uns zuerst in die oberste Luftregion und sehen uns da um, was dahier für geistige Wesen zu Hause sind, und wie sie schalten und walten.
[ER 28.2] In dieser Region sind schon lauter vollkommene Geister, und lauter solche, die ehedem leibliche Menschen auf dem Erdkörper waren.
Diese genießen schon fortwährend Licht; denn auch natürlichermaßen wird es in solcher Höhe nimmer vollkommen finster. Aber in der geistigen Natur ist da schon ein fortwährender, ununterbrochener Tag;
denn diese dritte Region beurkundet schon ein drittes, ganz reines geistiges Stadium,
während die zweite Region noch nicht rein und sehr häufigen Trübungen ausgesetzt ist;
noch mehr aber ist es die erste oder unterste Luftregion, in welcher, gleichsam im ersten Stadium, Gutes und Böses wie Kraut und Rüben untereinander wallet.
[ER 28.3] Wir wissen nun, daß in der dritten Region die reinsten Geister von dieser Erde zu Hause sind. Warum aber? Was machen sie da?
[ER 28.4] Kein Geist, der von dieser äußeren natürlichen Erde auch noch so vollendet in die geistige übergeht, kann sogleich in das eigentliche große Himmelreich emporsteigen, und das darum nicht, weil zu seiner endlichen Vollendung noch immer etwas im Erdkörper zurückbleibt, was er nur nach und nach aufnehmen kann. Erst wann er den letzten Rest dessen, was ihm angehörte, veredelt und vergeistigt in sein Wesen aufgenommen hat, kann er diese Region verlassen und in eine wirkliche erste Stufe des Himmelreiches eingehen.
[ER 28.5] Der Geist zwar an und für sich,
als das Urprinzip des Lebens aus Mir,
braucht freilich wohl nichts aus dem Erdkörper zu seiner Vollendung;
aber seine formelle Wesenheit, die da ist die Seele,
diese muß das wieder in sich vereinen bis auf das letzte Atom, was ihr einst aus der endlosen Fülle Meiner sie formenden Idee gegeben ward.
Dieses Gegebene besteht in den endlos vielen Intelligenzpartikeln,
welche natürlicherweise beim Absterben des Menschen nicht auf einmal flottgemacht werden können.
Da sind Teile seines Leibes und Spezifika, die er Zeit seines Lebens ein- und ausgehaucht hat, auch alle Abfälle seines Leibes, seine Tränen, auch sonstige Auswürfe seines Leibes, sogar seine Kleidung, seine Behausung; kurz alles, was er irgendwann durch seine Kraft hervorgebracht und getan hat, das alles muß mit der Zeit als gewisserart ein geläutertes psychisches Spezifikum von der Psyche aufgenommen werden, damit der Geist dann in sich selbst eine vollendete Beschauung und durch diese Beschauung eine klarste Rückerinnerung an alles das hat, was mit seiner kompletten Wesenheit vor sich gegangen ist, und wie der ganze, lange Weg beschaffen war, auf welchem er wieder zu dieser seiner urersten Vollkommenheit gelangt ist.
[ER 28.6] Diese gewisserart spezielle Rückerinnerung könnte aber der Geist nicht bekommen, wenn in seine psychische Wesenheit nicht alles das aufgenommen würde, was urursprünglich zu seiner Wesenheit gehörte, und was alles er auf diesem langen Kreiswege sich angeeignet hatte. Darum heißt es auch, daß alle Haare auf dem Haupte gezählt sind, und nur derjenige, der nach Meiner Lehre wandelt, der sammelt; wer aber anders handelt, der zerstreuet.
Also muß der Geist noch eine Zeit warten, bis all das Seinige von seiner Wesenheit aufgenommen worden ist.
[ER 28.7] Wie aber erkennt da der Geist das Seinige? –
Das liegt schon in der ewigen Ordnung.
Wie jedes Gras sein Spezifikum aus dem endlosen Spezifikalgemenge genau herausfindet, noch genauer findet der Geist das Seinige.
[ER 28.8] Was tut aber der Geist unterdessen? –
Er handelt nach den Gesetzen der Liebe und herrscht also in dieser Region und bewirkt durch seine Gegenwart und durch sein Liebehandeln, daß diese dritte Luft da ist, und schlichtet und ordnet die Wege fürs erste jenen, die als Neulinge in diese Region emporkommen, und weist ihnen Ort und Handlung an; dann beherrscht er belehrend die schon reineren Geister in der unteren Region; und wenn allda Reibungen und Trübungen vorkommen, so senkt er sich wie alle seinesgleichen als Friedensstifter herab und wirkt da energisch.
[ER 28.9] Wenn aber fremde Geister aus anderen Weltkörpern hier anlangen, da prüft er sie, und wenn er sie als tüchtig befindet, so führt er sie auf den rechten Wegen zur Erde nieder, ist bei den Zeugungen durch seinen Einfluß zugegen, hilft solchen neuen angekommenen Geistern auf den Weg des Fleisches dieser Erde und sorgt dann auch, daß diese Geister genau jene prüfenden Wege im Fleische durchgeführt werden, welche Wege sie anderweltenorts, um Kinder des Herrn zu werden, zu wandeln beschlossen haben.
[ER 28.10] In dieser dritten Region wandeln und wohnen dann so ganz eigentlich die euch wohlbekannten sogenannten Schutzgeister der Menschen. Doch aber sind diese reinen Geister noch nicht ledigliche Alleinherrscher und können es auch noch nicht sein, weil ihnen noch in gar vielem die vollendete Erkenntnis aus obbekanntgegebenen Gründen mangelt; daher sind auch fortwährend vollkommene Engelsgeister über und unter ihnen, welche diesen Geistern allezeit die richtige Anweisung geben, was sie zu tun und zu schlichten haben. Aber für die Geister dieser dritten Region ist eben diese dritte Region ein gar herrliches Paradies, wo sie alles haben, was nur immer ihr Herz in der Liebe zu Gott erfreuen kann.
[ER 28.11] Da gibt es gar herrliche Gegenden, welche sich jedoch nach der Beschaffenheit des Geistes richten; denn da wird schon jeder Geist der Schöpfer seines Fußbodens und der Gegend, in der er zu Hause ist. Diese Gegend ist überaus fruchtreich und reich an allen Dingen. Der Geist genießt da alles in der Fülle, und der Hunger in allem ist ferne von ihm. Und sehet, eben in diesem Genusse nimmt dann der Geist nach und nach alles das auf, was noch von seiner Wesenheit an der Erde kleben geblieben ist; und diese Früchte und die Gegenden werden gewisserart auf eine reflektierende Weise von der Erde aufsteigend in dieser dritten Region psychisch spezifisch gebildet, und der Geist erkennt sie als das Seinige, nimmt sie in seine Erkenntnis auf und kommt dann erst aus dieser seiner Erkenntnis in ein förmliches Schauen dessen, was das Seinige ist, genießt dann auch ebendasselbe und nimmt es völlig in seine Wesenheit auf. Wenn er nun alles dieses aufgenommen hat und er der Erde und sie ihm gewisserart nichts mehr schuldig ist, dann hat er erst seine völlige Solidität erreicht und kann dann zur höheren Vollendung in das Reich der Himmel aufgenommen werden.
[ER 28.12] Es kann aber jedoch auch Geister geben, die noch manches ihnen Gehörige aus euch schon bekannten Gründen in anderen Weltkörpern haben.
Diese steigen dann auch zu den Sphären jener Weltkörper empor, woher sie entweder ihr Hauptspezifikum bezogen, oder wo sie einst schon körperlich gelebt haben, um auch dort das ihnen Gehörige abzuholen, – aber das alles auf dem Wege der Liebe, welche allein das anziehende Prinzip ist. Und das muß alles durch freie Wahl geschehen, in der ein jeder Geist anstrebt, in sich das zu sammeln, was Mein ist, und es Mir dann in seiner großen Liebe zu Mir vollkommen wiederzubringen.