Papstkritik an Kapitalismus und Kritik an Papst, sei zu froehlich
statt Ehrwuerdiger Goetze ?
http://www.katholisches.info/2013/11/27/franziskus-der-papst-der-das-papsttum-abschafft-die-revolution-die-die-kardinaele-wollten/
Franziskus der Papst, der das Papsttum abschafft – Die Revolution, die
die Kardinäle wollten
27. November 2013 11:19 | Mitteilung an die Redaktion
(Vatikan) Die positiven Aspekte und schönen Formulierungen des neuen
Apostolischen Schreibens „Evangelii Gaudium“ von Papst Franziskus
sollen gewürdigt werden. Das tun aber bereits unkritisch die
katholischen „Normalisten“ und deren Seiten im Internet. Die
kirchenfernen Medien (etwa Der Spiegel und der ORF) jubeln wie
gewohnt. Mit gutem Grund, wie der folgende Aufsatz nahelegt. Wir sehen
daher mehr unsere Aufgabe, das zu beleuchten, was andere, aus welchem
Beweggrund auch immer, ignorieren. Wir lassen dazu den katholischen
Kulturkritiker Francesco Colafemmina zu Wort kommen, der sich die Mühe
gemacht hat, das 185-Seiten-Dokument zu lesen. Nach Verwirrung um
Interviews, die auch inhaltlich verwirrten, legte der Papst mit
„Evangelii Gaudium“ sein Regierungsprogramm offiziell und als Teil des
Lehramtes auf den Tisch. Bei der Lektüre komme jedoch keineswegs
„gaudium“ auf. Grund zur Freude gebe es nicht. Papst Franziskus, so
Colafemmina, sei ein Chaospapst und wie es scheint, der erste
Relativist auf dem Papstthron. Seine Aufgabe sei es Tohuwabohu zu
erzeugen. Sein Regierungsprogramm aber sei eine „Revolution“. Sie
wolle die Zerstörung der Kirche, wie sie zweitausend Jahre Bestand
hatte. Franziskus sehe sich lediglich als Papst, um das Papsttum
seiner von Christus gestifteten Autorität zu entkleiden und zu
minimieren. Ein Monarch, der seinen Thron verschenkt. Kein Akt der
Demut, sondern der Zersetzung. Damit sei aber auch klar, was die
Kardinäle wollten, denn die Revolution des Franziskus sei eine
Revolution der Kardinäle, die ihn gewählt haben und eben diese
Revolution gefordert haben und fördern, jedenfalls einer aktiven,
organisierten Gruppe unter ihnen. Die Frage bleibt angesichts eines
sprunghaften Hü und Hott des Papstes, was eigentlich gilt. Der
Blitzeinschlag in die Kuppel des Petersdoms beim Rücktritt von Papst
Benedikt XVI. kommt neun Monate später wieder in lebhafte Erinnerung..
Evangelisierung „außer Kontrolle“ – Roma delenda est
von Francesco Colafemmina
Einige „Perlen“ der Exhortatio von Papst Franziskus zum „evangelischen
Chaos“. Wie Kiko Argüello1 kurz nach seiner Wahl sagte, scheint der
Papst eine Kirche zu wünschen, in der man ein „Tohuwabohu“ macht und
in der es keine zentrale Autorität mehr gibt, die davon „abhält“. In
der man an die Bischofskonferenzen auch Entscheidungen zur
Glaubenslehre delegiert mit einem Papst, der zum Garanten des
Ökumenismus reduziert ist, zu einem weisen Greis, der Ratschläge gibt.
Vielleicht funktioniert sein System sogar.
Doch mit dieser Aktion des Papstes ist eine große Unbekannte
verbunden, sie zerstört das Erscheinungsbild des Papsttums, jene
hauchdünne von Christus gestiftete Beziehung zwischen dem Papst und
seiner Kirche, wie wir sie kennen. Denn eines ist sicher, daß die
„Welt“ diese „neue“, ganz andere Kirche als die vorherige, zu
akzeptieren wird wissen und auch, wie sie sich ihr nähern kann. Bliebe
noch zu verstehen, was dann aus der vorherigen Kirche, aus unserer
Kirche wird. Wenn sie verschrottet wird, wird es schwierig werden, zu
verstehen, welche Autorität es gibt und wer dann die Tochter sein
wird, die ihre Mutter verleugnet.2
Der Papst verlegt alles auf eine völlig unvorhersehbare und geistlich
undefinierte Ebene, wo die Strukturen keine Bedeutung mehr haben und
die Autorität auf ein Minimum reduziert sein wird. Eine Ebene, auf der
die Bewahrung der Glaubenswahrheit und die Heilige Liturgie zu
götzendienerischen Karikaturen eines Narzissmus und heuchlerischen
Äußerlichkeiten reduziert sind. Eine Ebene, auf der das Zuhören und
die Anerkennung des anderen und die dialektische Beziehung generell
zum zentralen Angelpunkt der Evangelisierung aufsteigen.
Auf dramatische Weise – das heißt mit einer gewissen Theatralik – geht
der Papst soweit, seine Vorrechte aufzugeben. Indem er seine eigene
Autorität relativiert, ähnelt er auf diese Weise einem Monarchen, der
seine Macht mit dem Zweck ausübt, um sie zu zerstören oder an andere
zu verteilen. Der seine eigene Autorität nur mit dem Ziel anerkennt,
sich ihrer zu entledigen. Das klingt alles schön und demütig, wenn
diese Demut darin bestünde, nicht zu ändern, was man erhalten hat,
nicht die Institution des Papsttums zu schwächen mit dem Ziel, es den
angeblichen Notwendigkeiten der Zeit anzupassen. Das bedeutet das
Papsttum relativieren und historisieren, und es bedeutet das Papsttum
der vergangenen Jahrhunderte oder Jahre zu einer Art von nicht
authentischem Verrat an der göttlichen Institution umzuinterpretieren.
Es heißt, behaupten zu wollen, daß alles was auch bisher war, allein
auf die Welt und deren Notwendigkeit hin geformt war. Und weil sich
die Welt ändert, muß sich auch das Papsttum ändern.
Es ist interessant festzustellen, daß der Papst jede potentielle
Kritik mit der Feststellung abtut, daß der wahre Christ ein fröhlicher
Christ ist. Und hier scheint mir, bin ich ihm mit meinem Brief an die
traurigen traditionsverbundenen Katholiken zuvorgekommen.
Grundsätzlich aber gibt es nichts an dieser Revolution des Papstes,
worüber man in Traurigkeit verfallen sollte, einer Revolution, die
letztlich von den Kardinälen kommt, die ihn gewählt haben und die
aktiv diese Revolution gefordert und vorangetrieben haben. Ebenso
wenig gibt es irgendetwas, weshalb man deswegen sich freuen sollte.
Ich schlage einen dritten Weg vor: jenen der stoischen Unbeirrtheit.
Auf jeden Fall – und hier sollte die Stimmung vom traurigen,
fröhlichen oder unbeirrten, welche es auch sei, zum Ironischen oder
sogar Komischen übergehen – denn nach der Lektüre des vollständigen
Apostolischen Schreibens bleibt ein hamletischer Zweifel: Welches ist
die Gute Nachricht, die wir Katholiken heute verkünden sollten? Wenn
es darum geht, die christliche Botschaft zu einer Art von globaler
Umarmung zu banalisieren, bin ich mir sicher, daß uns das gelingen
wird. Man stellt nämlich in der päpstlichen Exhortatio mit Erstaunen
fest, daß Worte wie „Sünde“ und „Bekehrung“ nicht im Zusammenhang mit
einer evangelisierenden Dynamik gebraucht werden, sondern um eine
Umwandlung, eine Palingenese (Neuschöpfung) der Kirche zu beschreiben.
Worte und damit auch die Konzepte „Himmel“ und „Hölle“, „ewiges Leben“
und „Jenseits“ fehlen völlig. Ebenso erhält die Vorstellung einer
Erlösung nur mehr eine abgefärbte „soziale“ Dimension.
Kurzum, noch mehr Widersprüche, noch mehr Verwirrung als die schon
herrschende, zwischen ein paar Schritten vorwärts und ein paar
Schritten rückwärts, zwischen Interviews, die gegeben und mehr oder
weniger wieder zurückgezogen werden, zwischen ein paar Schlägen gegen
alle Seiten, zwischen einem Zweiten Vatikanum nach Marchetto und einem
Zweiten Vatikanum nach dem Motto „Schluß mit den Unglückspropheten“,
eben kurzum, nach einer italienischen Redewendung, noch mehr
Towuhabohu als so und man stirbt.
Zum Beleg der Knappheit wegen nur einige Auszüge aus dem Apostolischen
Schreiben Evangelii Gaudium, die um weitere zu ergänzen wären:
16. Ich glaube auch nicht, dass man vom päpstlichen Lehramt eine
endgültige oder vollständige Aussage zu allen Fragen erwarten muss,
welche die Kirche und die Welt betreffen. Es ist nicht angebracht,
dass der Papst die örtlichen Bischöfe in der Bewertung aller
Problemkreise ersetzt, die in ihren Gebieten auftauchen. In diesem
Sinn spüre ich die Notwendigkeit, in einer heilsamen
„Dezentralisierung“ voranzuschreiten.
32. Da ich berufen bin, selbst zu leben, was ich von den anderen
verlange, muss ich auch an eine Neuausrichtung des Papsttums denken.
Meine Aufgabe als Bischof von Rom ist es, offen zu bleiben für die
Vorschläge, die darauf ausgerichtet sind, dass eine Ausübung meines
Amtes der Bedeutung, die Jesus Christus ihm geben wollte, treuer ist
und mehr den gegenwärtigen Notwendigkeiten der Evangelisierung
entspricht. […]
40. […] Außerdem gibt es innerhalb der Kirche unzählige Fragen, über
die mit großer Freiheit geforscht und nachgedacht wird. Die
verschiedenen Richtungen des philosophischen, theologischen und
pastoralen Denkens können, wenn sie sich vom Geist in der
gegenseitigen Achtung und Liebe in Einklang bringen lassen, zur
Entfaltung der Kirche beitragen, weil sie helfen, den äußerst reichen
Schatz des Wortes besser deutlich zu machen. Denjenigen, die sich eine
monolithische, von allen ohne Nuancierungen verteidigte Lehre
erträumen, mag das als Unvollkommenheit und Zersplitterung erscheinen.
Doch in Wirklichkeit hilft diese Vielfalt, die verschiedenen Aspekte
des unerschöpflichen Reichtums des Evangeliums besser zu zeigen und zu
entwickeln.
47. […] Diese Überzeugungen haben auch pastorale Konsequenzen, und wir
sind berufen, sie mit Besonnenheit und Wagemut in Betracht zu ziehen.
Häufig verhalten wir uns wie Kontrolleure der Gnade und nicht wie ihre
Förderer. Doch die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das
Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben.
94. Diese Weltlichkeit kann besonders aus zwei zutiefst miteinander
verbundenen Quellen gespeist werden. Die eine ist die Faszination des
Gnostizismus, eines im Subjektivismus eingeschlossenen Glaubens, bei
dem einzig eine bestimmte Erfahrung oder eine Reihe von
Argumentationen und Kenntnissen interessiert, von denen man meint, sie
könnten Trost und Licht bringen, wo aber das Subjekt letztlich in der
Immanenz seiner eigenen Vernunft oder seiner Gefühle eingeschlossen
bleibt. Die andere ist der selbstbezogene und prometheische
Neu-Pelagianismus derer, die sich letztlich einzig auf die eigenen
Kräfte verlassen und sich den anderen überlegen fühlen, weil sie
bestimmte Normen einhalten oder weil sie einem gewissen katholischen
Stil der Vergangenheit unerschütterlich treu sind. Es ist eine
vermeintliche doktrinelle oder disziplinarische Sicherheit, die Anlass
gibt zu einem narzisstischen und autoritären Elitebewusstsein, wo man,
anstatt die anderen zu evangelisieren, sie analysiert und bewertet
und, anstatt den Zugang zur Gnade zu erleichtern, die Energien im
Kontrollieren verbraucht. In beiden Fällen existiert weder für Jesus
Christus noch für die Menschen ein wirkliches Interesse. Es sind
Erscheinungen eines anthropozentrischen Immanentismus. Es ist nicht
vorstellbar, dass aus diesen schmälernden Formen von Christentum eine
echte Evangelisierungsdynamik hervorgehen könnte.
95. Diese bedrohliche Weltlichkeit zeigt sich in vielen
Verhaltensweisen, die scheinbar einander entgegengesetzt sind, aber
denselben Anspruch erheben, „den Raum der Kirche zu beherrschen“. Bei
einigen ist eine ostentative Pflege der Liturgie, der Lehre und des
Ansehens der Kirche festzustellen, doch ohne dass ihnen die wirkliche
Einsenkung des Evangeliums in das Gottesvolk und die konkreten
Erfordernisse der Geschichte Sorgen bereiten. Auf diese Weise
verwandelt sich das Leben der Kirche in ein Museumsstück oder in ein
Eigentum einiger weniger. […]
96. […] Stattdessen unterhalten wir uns eitel und sprechen über „das,
was man tun müsste“ – die Sünde des „man müsste tun“ – wie spirituelle
Lehrer und Experten der Seelsorge, die einen Weg weisen, ihn selber
aber nicht gehen. Wir pflegen unsere grenzenlose Fantasie und
verlieren den Kontakt zu der durchlittenen Wirklichkeit unseres
gläubigen Volkes.
280. […] Es gibt aber keine größere Freiheit, als sich vom Heiligen
Geist tragen zu lassen, darauf zu verzichten, alles berechnen und
kontrollieren zu wollen, und zu erlauben, dass er uns erleuchtet, uns
führt, uns Orientierung gibt und uns treibt, wohin er will. Er weiß
gut, was zu jeder Zeit und in jedem Moment notwendig ist. Das heißt,
in geheimnisvoller Weise fruchtbar sein!
Einleitung/Übersetzung: Giuseppe NardiBild: Fides et Forma
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Fußnoten:
Gründer des Neokatechumenalen Weges, dessen liturgische Sonderwege
Papst Benedikt XVI. einer noch nicht abgeschlossenen Überprüfung
unterziehen ließ [↩]
der Autor meint Teilkirchen (Töchter der Kirche) und deren Verhältnis
zu Rom, zur unverkürzten Glaubenswahrheit und kirchlichen Ordnung [↩]
27. November 2013 11:19 | Beitrag drucken | Mitteilung an die Redaktion
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> Liebe deinen Herrn mit all deiner Kraft.
LOVE your Lord with all your heart and Soul