FriendFeed - das nächste große Ding?

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Stefan Münz

unread,
Apr 18, 2009, 11:24:17 AM4/18/09
to Webkompetenz-Forum
Hallo,

noch ist die Twitter-Welle gar nicht verebbt, schon reden die nervös
glühenden Super-Geeks des totalen Kommunikations-Webs von nichts
anderem mehr als von FriendFeed. Warum, das ist recht einfach zu
erklären. FriendFeed ist eine Art Meta-Plattform für zahlreiche andere
Social-Services im Web. Man bekommt also nicht mehr nur mit, was der
andere twittert oder in Facebook von sich gibt, sondern beides auf
einmal, und noch vieles mehr. So zum Beispiel auch seinen Status bei
Google Mail / Google Talk, seine bei Google Reader empfohlenen
Artikel, seine bei Delicious hinzugefügten Bookmarks, seine bei Flickr
hochgeladenen Bilder, seine bei YouTube hochgeladenen Videos, seine
Kommentare zu Bildern bei Flickr oder zu Videos bei YouTube, seine
Lieblings-Songs bei last.fm, seine Blog-Artikel und und und. Wenn man
bei FriendFeed 500 Freunde hat und all deren aus all den anderen Web-
Plattformen importierte Aktivitäten in Echtzeit anzeigt (das ist bei
FriendFeed nämlich möglich -- also kein Reload mehr), dann tickert es
fast im Herzschlagrhythmus. Genau die richtige Geschwindigkeit also
für den totalen Info-und-Kommu-Junkie. Das Ganze, was FriendFeed da
als Abo generiert, ist dann tatsächlich ein einziger Feed, den man
sich z.B. wieder in seinen Google Reader oder in Netvibes oder wie sie
alle heißen holen kann.

Puh, schwitz, so viel Uptempo -- jetzt geh ich besser erst mal
offline ;-)
Ach so, für alle, die es ausprobieren wollen:
http://friendfeed.com/
Und für alle, die mich auch dabei haben wollen:
http://friendfeed.com/webkompetenz

Und was haltet ihr von FriendFeed?

viele Grüße
Stefan Münz

Götz Bürkle

unread,
Apr 18, 2009, 8:40:10 PM4/18/09
to Webkompetenz-Forum
Hallo Stefan,

> Und was haltet ihr von FriendFeed?

ich meine fast, daß ich bei FriendFeed früher registriert war, als bei
Twitter. Ich fand FriendFeed schon immer praktischer und sinnvoller.
Wahrscheinlich schon allein, weil mich an Twitter das 140-Zeichen-
Limit nervt. Ich bin aber auch kein SMS-Schreiber. Ich schreibe lieber
in vollständigen Sätzen, als in textähnlichen Versatzstücken. Ich lese
auf Twitter ganz gerne mit, aber ich bin dort doch eher passiv, bzw.
sprech die Leute dann auf anderen Kanälen mal direkt auf einzelne
"Tweets" an, anstatt die Konversation in aller Öffentlichkeit auf
Twitter zu führen. Wobei ich hier zugeben muß, daß ich sehr wohl
gelegentlich direkt auf FriendFeed oder Facebook kommentiere und
diskutiere, jedoch ist dort auch, im Gegensatz zu Twitter, eine
Zuordnung von Kommentaren zum Kommentierten gegeben. Bei Twitter kann
das doch schnell verschwimmen.


> Man bekommt also nicht mehr nur mit, was der andere twittert oder in Facebook von sich gibt, sondern beides auf
> einmal, und noch vieles mehr.

Das stimmt aber leider nur bedingt. Viele meiner Bekannten pumpen auch
fast jeden Klick den sie irgendwo machen in ihren Twitterstream - so
bekommt man dann auf FriendFeed manches doppelt, oder liest auch auf
Facebook die Statusänderungen nochmal, die man auch schon über Twitter
serviert bekommen hat. So gesehen wird Twitter durch das
Nutzerverhalten friendfeedisiert.


Insgesamt finde ich sinnvolle Kommunikation und Austausch, Dialog,
über FriendFeed oder Facebook einfacher, als über Twitter, weil dort
eben Kontextinformationen mitgeliefert werden, während man auf Twitter
selbst erst einmal versuchen muß, herauszufinden welche Tweets sich
nun aufeinander beziehen - und das ist trotz @-Notation nicht immer
ganz einfach. Überhaupt, dieses Gechatte auf Twitter ist für mich
wenig mehr, als diffuses Rauschen. Von zu vielen "Konversationen"
bekommt man ohnehin nur maximal die Hälfte mit, wenn man nicht gleich
allen folgt, mit denen irgendjemandem, dem man folgt, über Twitter
kommuniziert. Entweder man bläst also die Liste derer, denen man folgt
auf, oder man versteht einen Großteil der Nachrichten, die man über
Twitter zu sehen bekommen kaum, ohne sich zuerst durch den halben
Twitterwald zu klicken. Dazu kommt, daß man bei Twitter bisher
keinerlei Möglichkeiten hat die Nachrichten zu gruppieren oder zu
filtern, was der Übersichtlichkeit auch nicht gerade zuträglich ist,
vor allem, wenn man vielen Schreibern folgt. Auf der anderen Seite
würden Filtermöglichkeiten und Gruppen Twitter vielleicht zu etwas
machen, was nicht mehr Twitter ist. Schwer zu sagen ... ich jedenfalls
stehe diesem unsäglichen Twitterhype eher skeptisch gegenüber. Auch
wenn ich über Twitter vereinzelt auf wirklich lesenswerte und nette
Nachrichten stoße, so bleibt das meiste doch eher diffuses Rauschen.

Wenn die Benutzer Twitter also nicht weiter friendfeedisieren würden,
könnte FriendFeed für alle, die mehr als nur wirres Pseudogechatte
lesen wollen eine gute Ergänzung sein. Aber wohl eben nicht für die
Massen, oder zumindest nur für deutlich kleinere Massen. Schade
eigentlich.

Viele Grüße,
Götz

Stefan Münz

unread,
Apr 19, 2009, 3:41:12 AM4/19/09
to Webkompetenz-Forum
Hallo Götz,

> ich meine fast, daß ich bei FriendFeed früher registriert war, als bei
> Twitter. Ich fand FriendFeed schon immer praktischer und sinnvoller.
> Wahrscheinlich schon allein, weil mich an Twitter das 140-Zeichen-
> Limit nervt. Ich bin aber auch kein SMS-Schreiber. Ich schreibe lieber
> in vollständigen Sätzen, als in textähnlichen Versatzstücken. Ich lese
> auf Twitter ganz gerne mit, aber ich bin dort doch eher passiv, bzw.
> sprech die Leute dann auf anderen Kanälen mal direkt auf einzelne
> "Tweets" an, anstatt die Konversation in aller Öffentlichkeit auf
> Twitter zu führen.

Dennoch meine ich, so vom Gefühl her, dass auf Twitter mehr
ganzsätzige und sprachlich ausgereifte Beiträge zu lesen sind als bei
den anderen Services, insbesondere auf Facebook. Vermutlich liegt das
aber daran, dass auf Twitter eher das "intellektuelle" Publikum
verkehrt, während vor allem Facebook die Plattform für die Massen ist.
Friendfeed kann ich mittlerweile gar nicht mehr recht einschätzen,
nachdem ich mir mal http://beta.friendfeed.com/ angesehen habe -- die
"next iteration" der Plattform, wie man neuerdings zu sagen pflegt.
Das sieht aus wie ein Twitter-Klon, bringt aber meines Erachtens die
Vorteile von FriendFeed weniger zur Geltung als die noch offizielle
Oberfläche.

> Wobei ich hier zugeben muß, daß ich sehr wohl
> gelegentlich direkt auf FriendFeed oder Facebook kommentiere und
> diskutiere, jedoch ist dort auch, im Gegensatz zu Twitter, eine
> Zuordnung von Kommentaren zum Kommentierten gegeben. Bei Twitter kann
> das doch schnell verschwimmen.

Wo wir bei Twitter-Klonen sind:
gerade habe ich http://tweetree.com/ entdeckt! Und sofort mein Twitter-
Bookmark auf diese Alternativ-Oberfläche geändert. Denn die tut genau
das: sie bildet @Zusammenhänge von Tweets optisch ab, auch wenn sie
sich sonst nur wenig von Twitter selbst unterscheidet.

> Viele meiner Bekannten pumpen auch
> fast jeden Klick den sie irgendwo machen in ihren Twitterstream - so
> bekommt man dann auf FriendFeed manches doppelt, oder liest auch auf
> Facebook die Statusänderungen nochmal, die man auch schon über Twitter
> serviert bekommen hat. So gesehen wird Twitter durch das
> Nutzerverhalten friendfeedisiert.

Das habe ich allerdings auch schon festgestellt. Da man ja meistens
auch eher die ganzen Einträge überfliegt als langsam liest und
zerkaut, hat man (zumindest, wenn man mit einem Endvierziger-Hirn
ausgestattet ist) oft irgendwelche Dejà-vu-Effekte ("wo hab ich das
nur vorhin schon mal aufgeschnappt?"). Deswegen nervt mich auch leider
die Konkurrenz der Plattformen. Ich möchte entweder alles unter einem
Deckel haben, oder der Topf sollte so geartet sein, dass er die Suppen
der anderen Töpfe gleich mitkochen kann.

viele Grüße
Stefan Münz

Sky Dumont

unread,
Apr 19, 2009, 4:09:47 AM4/19/09
to webkom...@googlegroups.com
Wenn Ihr da gerade alle so schön am machen seid in diesen sozialen
Netzwerken, wie hält Ihrs mit den "Meta-Suchmaschinen", also bspw. der
"deutschen Personensuchmaschine" Yasni?

MFG
Sky

PS: Und ist es nicht ätzend, wenn jede kleine Nachricht unter dem
"richtigen" Namen so gefunden und aufbereitet wird? Kann man unter
diesen Umständen noch normal kommunizieren oder denkt man dann immer
an den Nachbarn, den Kunden und die Bekannten bzw. Freunde? - Man will
doch auch mal Schwein sein, oder?

ClaudiaK

unread,
Apr 28, 2009, 3:05:42 AM4/28/09
to Webkompetenz-Forum
Ich war auch schon vor Twitter auf Friendfeed und hab den Link zu
meinem Stream dort ins Digital Diary eingebunden. http://friendfeed.com/claudiaklinger

Schon bald merkte ich, wie redundant das alles werden kann, wenn die
Leute jede Aktivität dort verstreamen - das versuche ich, zu
vermeiden, indem ich nur meine Blog-Titel einfließen lasse und das,
was ich über MENTO als Lesetipp empfehle. Nicht etwa den Twitter-
Stream, denn auch dort poste ich Blog-Artikel - und erst recht nicht
Facebook.

ClaudiaK

unread,
Apr 28, 2009, 3:20:46 AM4/28/09
to Webkompetenz-Forum
Zu Yasni: Grade hab ich einer Bekannten, deren Namen ich da mal
"ausprobierte", mitgeteilt, dass eine Schrott-Nachricht mit sexuellen
Inhalten dort auf ihrer ersten Seite steht (so im Stil: "hatte einen
tollen Fick mit...."). Das hat mich veranlasst, dort ein eigenes
Profil anzulegen, das es ermöglicht, auf die Suchergebnisse Einfluss
zu nehmen. Witzig finde ich die "wertende" Reihenfolge der von Yasni
gezeigten Ergebnisse: meine einzigen und uralten Buchprojekte aus
1997/98 stehen da an erster Stelle - dabei ist und war "Bücher
schreiben" nie mein bevorzugtes Ding! Man sieht daran, wie auch Web2.0-
Unternehmen den Wertigkeiten des Gutenberg-Kosmos unterliegen - ich
hätte mir statt dessen meine Homepage (claudia-klinger.de) als erstes
Ergebnis gewünscht, die aber kriege ich da nicht rein, es stehen nur
Artikel und Beiträge anderer als "Fundsachen" zur Wahl.

> PS: Und ist es nicht ätzend, wenn jede kleine Nachricht unter dem
> "richtigen" Namen so gefunden und aufbereitet wird? Kann man unter
> diesen Umständen noch normal kommunizieren oder denkt man dann immer
> an den Nachbarn, den Kunden und die Bekannten bzw. Freunde? - Man will
> doch auch mal Schwein sein, oder?

Seit 1996 schreibe ich ins Netz, was ich auch übermorgen noch meine,
vertreten zu können. Schon damals kursierten "Nettikette-Seiten", auf
denen heftigst darauf hingewiesen wurde, dass das Netz nichts vergisst
und man nicht "einfach so" irgend einen Mist raus geben sollte. Nicht
mal per E-Mail - man weiß ja nie...

Und daran halte ich mich. Immer. Will ich mal, dass etwas nicht per
Suchmaschine meiner Person zugeordnet werden soll, poste ich unter
Pseudonym. Das gilt vor allem für Auftragsblogs, denn wenn ich auch
dreimal die Woche über Wellness-Themen schreibe, so will ich doch
nicht, dass eine Goggle-Suche ergibt, dass ich offenbar hauptsächlich
Massagen, Entspannungsmethoden, schöne Düfte und "Beauty" im Kopf
habe....

Swen Wacker

unread,
Apr 28, 2009, 5:19:33 AM4/28/09
to webkom...@googlegroups.com
Moin,

On 28/04/2009, ClaudiaK <bu...@claudia-klinger.de> wrote:
>
> Zu Yasni: [...] Das hat mich veranlasst, dort ein eigenes


> Profil anzulegen, das es ermöglicht, auf die Suchergebnisse Einfluss
> zu nehmen.

Das hatte ich auch gedacht. Zudem gibt es trotz der eher seltenen
Schreibweise meines Vornamen noch zwei weitere "Swen Wacker" in D. Ich
hatte gedacht - auch wenn über die / von den beiden anderen nun
wirklich nix "Böses" im Netz veröffentlicht wurde - dass solch ein
Profil die Swens besser auftrennen könnte. Das passiert aber nach
meiner Wahrnehmung nicht. Die Darstellung änderte sich nach dem
Anliegen des Profils nicht merklich. Auch weiterhin wurden die drei
Swens in Yasnis Personenprofil hübsch durcheinander gewürfelt
gelistet. Deshalb erschien mir das Profil dann irgendwann sinnlos; ich
habe es daraufhin wieder löschen lassen - was prompt und Problemlos
klappte.

> > PS: Und ist es nicht ätzend, wenn jede kleine Nachricht unter dem
> > "richtigen" Namen so gefunden und aufbereitet wird?

> Seit 1996 schreibe ich ins Netz, was ich auch übermorgen noch meine,
> vertreten zu können.

Dito. Dennoch bleibt ein komisches Gefühl im Bauch. Das, was die
Suchmaschinen (egal ob allgemeine wie Google oder spezielle wie yasni
oder 123people) von einem finden, gibt nun ein eher unrundes Bild der
Veröffentlichungen.

Aus meiner Zeit des ehrenamtlichen gewerkschaftlichen Engagement ist
man gerade eine Notiz übrig geblieben. Aus meinen langen Jahren als
Pressesprecher sind nur noch wenige Zeitungsberichte online, die
Presseerklärungen als solche sind schon längst nicht mehr online. Die
Auswahl an Forumsbeiträgen folgt keinem mir erklärbaren Muster. Und
die Menge der Berichte über meinen Ausstieg bei SELFHTML überbewerten
meine damalige Rolle und Bedeutung für das Projekt grotesk.

Klar, es ist erkennbar unmöglich und zudem auch nicht wünschenswert,
Suchmaschineneinträge nach meinem Wunsch gestalten oder gewichten zu
können. Um so wichtiger werden wahrscheinlich die eigene Webseite oder
die eigene Profile bei den sozialen Netzwerken sein, um dem Wunsch
nach einer selbstgestalteten Visitenkarte / Selbstdarstellung
nachzukommen. www.mixtura.de hat immerhin ein PR von 5. Ob das weniger
wird, wenn ich mal was reinschreiben sollte :-)))

Gruß

Swen

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