es ist mal wieder ein neuer Service von Google im Anmarsch, der
sicherlich wieder für viel Entrüstung, Kopfschütteln und erhobene
Zeigefinger sorgen wird: Google Health. Zitat aus dem Google Watch-
Blog:
"Statt Befunde, Röntgenbilder und ähnliche Dinge von Arzt zu Arzt zu
schleppen, sollen all diese Dinge bei Google Health unter dem Google
Account gespeichert werden.
Krankheiten, Allergien, Befunde, Arztbesuche, Operationen und alle
weiteren Dinge sollen hier auf ewig gespeichert und immer und überall
abrufbar gemacht werden. Teilnehmende Ärzte können dann mit einem
Knopfdruck auf die gesamte Krankenakte des Patienten zugreifen -
vorausgesetzt der Patient hat den Arzt dafür freigeschaltet - und kann
so im Notfall eine schnellere Diagnose und eventuell auch Behandlung
durchführen.
Eine verunfallte Person könnte etwa eine Art GoogleCard mit den
Zugriffsinformationen bei sich tragen. Bei einem Unfall hat der Arzt
so in Sekundenschnelle Zugriff auf alle Eventualitäten die
berücksichtigt werden müssen. Aber nicht nur bei Notfällen kann dieses
System zum Einsatz kommen, sondern auch beim einfachen Wechsel des
Arztes, oder bei der Weiterleitung zu einem Spezialisten. Und
natürlich auch beim abholen des Rezepts in der Apotheke."
Quelle:
http://www.googlewatchblog.de/2007/08/14/google-health--die-virtuelle-krankenakte/
Wie der Artikel berichtet, ist auch schon durchgesickert, wie das
Ganze am Bildschirm präsentiert werden soll. Screenshots von Google
Health gibt es in diesem Blogeintrag zu sehen:
http://blogoscoped.com/archive/2007-08-14-n43.html
Lassen wir mal die übliche Google-Größenwahn- und Datenkraken-Häme
beiseite. Fragen wir lieber, warum überhaupt ein Anbieter wie Google
so etwas anbietet? Sollte es im Digital- und Online-Zeitalter nicht
längst selbstverständlich sein, dass Ärzte eines Patienten dessen
Anamnese nicht jedesmal wieder neu ermitteln müssen, dass bereits
existierende Röntgenbilder für behandelnde Ärzte online anforderbar
sind und vieles mehr? Ist es nicht bedenklich, wie wenig die
sogenannte westliche Hightech-Medizin die Möglichkeiten des digitalen
Zeitalters ausschöpft, um Patienten effizienter und nachhaltiger
behandeln zu können?
Wieder mal stehen sich da berechtigte Datenschutzinteressen und
durchaus nützliche Datenanwendungsmöglichkeiten feindlich gegenüber.
Bis ein Anbieter wie Google massenweise das Vertrauen der Deutschen
gewinnt, ihre Patientendaten ihrem Google-Account anzuvertrauen,
werden sicher noch Jahre ins Land gehen, und in dieser Zeit muss sich
Google in Sachen Integrität sehr beweisen.
Doch angenommen, es würde eine "Zentraldatei" oder wie man das im
Bundessprech-Jargon nennt eingerichtet, wo von jedem Bürger alle
medizinisch relevanten Daten gespeichert werden, also Blutgruppe, die
ärztliche Dokumentation bisheriger Krankheiten, bekannte Allergien,
Verträglichkeiten und Unverträglichkeiten für bestimmte Arzneien und
Wirkstoffe usw. Eine Zentraldatei, auf die behandelnde Ärzte Zugriff
haben, und in die der Patient selber vielleicht auch was reinschreiben
kann, z.B. Eigenbeobachtungen, die nicht weiter behandelt werden, oder
Antworten auf allgemeine Fragen zu Krankheiten in der Verwandtschaft
oder dergleichen. Wäre da auch mit massivem Widerstand aus
datenschutzrechtlichen Gründen zu rechnen? Welche Rolle spielen bei
alledem die Krankenkassen? Schweben tatsächlich so viele
Missbrauchsmöglichkeiten im Raum, dass wir uns leisten können, den
Informationsfluss bei der medizinischen Versorgung auf ein Niveau zu
heben, dass unserem Zeitalter gemäß ist?
viele Grüße
Stefan Münz
An einem deutschsprachen Google Watch-Blog darf es natürlich nicht fehlen.
;)
> Lassen wir mal die übliche Google-Größenwahn- und Datenkraken-Häme
beiseite. Fragen wir lieber, warum überhaupt ein Anbieter wie Google
so etwas anbietet? Sollte es im Digital- und Online-Zeitalter nicht
längst selbstverständlich sein, dass Ärzte eines Patienten dessen
Anamnese nicht jedesmal wieder neu ermitteln müssen, dass bereits
existierende Röntgenbilder für behandelnde Ärzte online anforderbar
sind und vieles mehr? Ist es nicht bedenklich, wie wenig die
sogenannte westliche Hightech-Medizin die Möglichkeiten des digitalen
Zeitalters ausschöpft, um Patienten effizienter und nachhaltiger
behandeln zu können?
Google macht das, weil es innovativ ist und Marktchancen bietet, nach dem
Motto: Machen wirs nicht, machens die anderen. Die Verweigerungshaltung der
Medizinindustrie wird schon seine Gründe haben, über die spekuliert werden
darf.
> Wieder mal stehen sich da berechtigte Datenschutzinteressen und
durchaus nützliche Datenanwendungsmöglichkeiten feindlich gegenüber.
Mal ein paar Worte zum "Datenschutz": Diesen gibt es nicht, Daten werden
"geschützt" durch Sicherung bzw. entsprechende Konzepte, das liefe dann
allerdings unter "Datensicherung", was mit "Datenschutz" aber nicht gemeint
ist. (In Firmen sitzen aber nach meinen Erfahrungen auch
"Datenschutz"-Beauftragte, die primär Daten sichern. ;)
Statt "Datenschutz" werde ich in der Folge das Wort
"Informationsprivatisierung" nutzen, das ich gerade entwickelt habe und
wesentlich geeigneter ist, andere Vorschläge?
Information werden zu Daten kodiert, aus diesen wird mit Hilfe spezieller
Abstraktionsverfahren Information gewonnen. Dementsprechende Technologien
stehen seit den Fünfzigerjahren bereit und wurden bis ca. 1980 primär von
Banken mit entsprechendem Kapital und Großrechenanlagen genutzt.
Seit ca. 1980 wurde Datenspeicherung und dementsprechende
Informationsverarbeitung billiger, die aufkommenden PCs und insbesondere
auch die Volkszählung-Hysterie der Achtziger brachte die Problematik ins
allgemeine Bewusstsein.
Da es auf einmal möglich wurde Information im grossen Umfang auszutauschen,
wurde die (berechtigte) Forderung nach Informationsprivatisierung laut. Da
weder die "Datenkompetenz" der Bevölkerung noch die der Politiker für
wirklich sinnvolle Regelungen ausreichte und auch die Rechtspflege sich u.a.
mit dem seinerzeit postulierten Recht auf informationelle Selbstbestimmung
m.E. falsch positionierte, haben wir jetzt einen recht zuverlässigen Blocker
für den Einsatz sinnvoller Technologien.
> Wäre da auch mit massivem Widerstand aus
datenschutzrechtlichen Gründen zu rechnen? Welche Rolle spielen bei
alledem die Krankenkassen? Schweben tatsächlich so viele
Missbrauchsmöglichkeiten im Raum, dass wir uns leisten können, den
Informationsfluss bei der medizinischen Versorgung auf ein Niveau zu
heben, dass unserem Zeitalter gemäß ist?
Deinen Denkansätzen, gerade wenn sie in Fragen formuliert sind ;), ist
natürlich zuzustimmen. Nichts späche gegen eine zentrale Datenhaltung von
Patientendaten (aber nicht unbedingt bei Google ;).
Warum sowas nicht einfach umgesetzt wird? Wir spekulieren:
- die Gesundheitsindustrie hat dieses Interesse nicht, ständiges Neuerfassen
durch Ärzte und K-Häuser bringen mehr Geld für die stake holder
- allgemeines Unwissen über die Unterschiede bspw. von Daten und Information
lähmt die Bevölkerung und damit auch die Mandatsträger, es fehlt an
Datenkompetenz (und natürlich auch an Webkompetenz ;)
- allgemeines Unwissen über den Stand der IT lässt viele Leute nicht an die
Möglichkeit sicherer und zentraler Patientendatenhaltung glauben, wer weiss
schon wie moderne Sicherheitssysteme funktionieren?
- die Linke hält die Abneigung des Volks gegen Zukunftstechnologien
erfolgreich am Köcheln
Noch ein letztes in eigener Sache:
Ich lese nun per E-Mail mit und halte mich von
http://groups.google.com/group/webkompetenz fern, das ermöglicht u.a.
sinnvolles Filtern und stellt m.E. das bessere UI dar, diese Möglichkeit sei
hiermit auch ganz ausdrücklich anderen Teilnehmern dieses großartigen
Webkompetenz-Blogs empfohlen.
On 15 Aug., 15:03, "Ludger Keitlinghaus" <Lulli1...@web.de> wrote:
> http://www.googlewatchblog.de/2007/08/14/google-health--die-virtuelle...
> Sollte es im Digital- und Online-Zeitalter nicht
> längst selbstverständlich sein, dass Ärzte eines Patienten dessen
> Anamnese nicht jedesmal wieder neu ermitteln müssen, dass bereits
> existierende Röntgenbilder für behandelnde Ärzte online anforderbar
> sind und vieles mehr? Ist es nicht bedenklich, wie wenig die
> sogenannte westliche Hightech-Medizin die Möglichkeiten des digitalen
> Zeitalters ausschöpft, um Patienten effizienter und nachhaltiger
> behandeln zu können?
Das wird doch eingeführt .....
zitat Wiki
Der medizinische Teil ist freiwillig, um die Angst vor dem ,,gläsernen
Patienten" zu mildern. Da der Speicherplatz auf der Patientenkarte
begrenzt ist (32 kB), werden diese Daten auf Datenservern der
Telematik-Infrastruktur gespeichert. Angaben zur Notfallversorgung
(2,5 kByte) werden auf der Patientenkarte gespeichert, während eine
Dokumentation der eingenommenen Medikamente, der elektronische
Arztbrief, und die elektronische Krankenakte über gesicherte
Zugangsknoten auf Fachdiensten der Telematik-Infrastruktur abgelegt
werden. Möglich sind auch ein Vermerk zum Organspenderstatus auf der
Karte und das Hinterlegen von Messdaten für chronisch Kranke
(Patientenfach). Die entsprechenden Datensätze werden voraussichtlich
erst nach der Ausgabe der Karten schrittweise eingeführt.
Zugriff auf diese Informationen sollen nur Ärzte und Apotheker über
eine gesicherte Online-Verbindung bekommen. Dafür brauchen sie einen
elektronischen Heilberufsausweis (Health Professional Card). Nur bei
gemeinsamer Verwendung von Health Professional Card und
Gesundheitskarte sind Zugriffe durch Leistungserbringer möglich. Die
Chipkarte soll über eine PIN geschützt werden, die dem Patienten
separat ausgeliefert wird. Durch Eingabe der PIN wird der Zugriff auf
den Informationsbestand über die Gesundheitskarte erst ermöglicht.
Für die nötige Verschlüsselung der Daten wird die Gesundheitskarte
außerdem Kryptografiefunktionen enthalten. Grundsätzlich ist die eGK
vorbereitet, Funktionen zur qualifizierten Signatur aufzunehmen.
Das was google da vorhat ich weiss nicht ob das nicht eine Konkurenz
ist die mit der einführung dann überflüssig wird. aber anderseits wenn
eine Krankenkasse nun lieber das Google system nutzen möchte ich weiss
nicht was besser ist. Ich persönlich habe mich da noch zu wenig mit
beschäftigt um da selber eine Meinung zu haben ob das eine oder andere
System dann wirklich sinnvoll ist oder ob Nachteile überwiegen.
Was ich ja gern hätte wäre eine regelmässig auflistung was der Arzt
alles mit der Krnakenkasse abrechnet an Behandlungskosten für meine
jeweilige Krankheit.