Die Piratenpartei - politische Interessensvertretung der IT-Gesellschaft?

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Stefan Münz

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May 4, 2009, 4:10:01 PM5/4/09
to Webkompetenz-Forum
Hallo,

Eigentlich bin ich auf dieses Thema eher durch Zufall gestoßen, indem
ich die teils interessanten, teils peinlichen Beiträge im Forum zur
Petitionseinreichung gegen Internetsperren gelesen habe:
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?board=892.0

Von der "Piratenpartei" hatte ich zwar schon gehört, dachte aber
immer, das sei eine Art Ulk- und Chaospartei ohne ernsthaftes
Programm. Um so erstaunter war ich über das, was ich, der Neugier
folgend, in Wikipedia fand:
http://de.wikipedia.org/wiki/Piratenpartei bzw.
http://de.wikipedia.org/wiki/Piratenpartei_Deutschland

»Ihre Ziele umfassen „die Förderung freien Wissens und freier Kultur,
Schutz vor dem Überwachungsstaat sowie einen Paradigmenwechsel vom
gläsernen Bürger zum gläsernen Staat.“«

Das hört sich doch mal ziemlich interessant an. Dazu passt auch der
Internetauftritt:
http://piratenpartei.de/
Absolut zeitgenössisches Web2.0design in Babyblau-Orange, sogar schon
ultramodern unter Verzicht auf runde Ecken, perfekt abgestimmt auf das
Outfit von Google Chrome. Der erste Satz dort lautet: "Die
Piratenpartei hat in den letzten beiden Wochen einen bemerkenswerten
und erfreulichen Zuwachs an Mitgliedern verzeichnen können. Die
aktuelle politische Entwicklung hat zu einem Anstieg um mehr als 100
Mitglieder geführt, womit die Marke von 1000 Mitgliedern inzwischen
deutlich übersprungen wurde."

Naja, mag da manch einer denken, wir reden hier von einem
Gesellschaftsgebilde, das aus fast 80 Millionen Menschen besteht. Wer
sich da als Partei über mehr als 1000 Mitglieder freut, muss einen
leichten Realitätsknick haben. Andererseits ist die Partei noch sehr
jung. Und im Gegensatz zu anderen Parteien geht es mit ihren
Mitgliederzahlen aufwärts.

Insgesamt bietet sich mir ein ambivalentes [1] Bild. Einerseits
präsentiert sich die Piratenpartei als normale parlamentarisch-
demokratische Partei, andererseits übt sie fundamentale Systemkritik
und positioniert sich teilweise außerhalb oder sehr am Rande des
politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. Eine gewisse Form
von Radikalismus bezogen auf das politische System ist mittlerweile
leider auch gar nicht mehr vermeidbar, wenn man informationelle
Selbstbestimmung und gewisse freiheitliche Positionen ohne Wenn und
Aber vertritt. In den meisten Fällen mündet das jedoch in eine gewisse
Politikverdrossenheit, sofern man den wirtschaftlichen Neoliberalismus
nicht gleich auch toll findet ("mich vertritt ja eh keiner"). Es gibt
jedoch auch einen fatalen Punkt in der Geschichte Deutschlands, wo es
einer Partei gelang, "nachvollziehbaren persönlichen Radikalismus" zu
bündeln und damit inklusive ihres "Führers" sehr erfolgreich zu
werden. Parallelen dieser Art zu propagieren sind natürlich völlig
unangebracht. Es war nur so ein Gedanke bei mir. Die Piratenpartei hat
sich keinerlei rassistische, religiöse oder ähnliche Ressentiments auf
die Fahnen geschrieben. Wer das Parteiprogramm nachlesen möchte, kann
das tun:
http://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm

Darin finden sich zumindest für mich keine beunruhigenden
Ideologismen. Im Gegenteil wird der "gläserne Staat" gefordert, um
Machtmissbrauch und Bürgerentmündigung im Keim zu ersticken.
Andererseits lesen sich manche Passagen so, dass sich auch
fundamentalistische Datenverweigerer angesprochen fühlen ("nur ja
keine IT-Technik für Überwachungszwecke und bei der Stimmauszählung
von Wahlen" ).

Wahrscheinlich wird das Schicksal der Piratenpartei wie das anderer
Parteien davon abhängen, welche Führungspersönlichkeiten (nicht
"Führer") sie hervorbringt. Ohne markante Gesichter bleibt eine Partei
gesichtslos. Es konzentriert sich also alles auf die Frage: wo bleibt
Jack Sparrow?

viele Grüße
Stefan Münz

[1] "ambivalenz ist das, was eintritt, wenn die süße arzthelferin mit
weitem ausschnitt zur blutabnahme sagt: "sie müssen ja nicht
hingucken"
(http://twitter.com/frank93')

popp...@googlemail.com

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May 4, 2009, 4:29:05 PM5/4/09
to Webkompetenz-Forum
Nachdem dass jetzt über unseren Twitter gelaufen ist, kriegst du
wahrscheinlich Unmengen von Antworten :)

Erst mal toll, dass du auf uns aufmerksam geworden bist und ich muss
sagen, für jemanden der uns noch nicht kannte hast du dir ein sehr
objektives Bild gemacht (Auch wenn du der erste bist, der unsere
Webseite im Drupal-Standard-Design lobt ^_^ ).

Ich kann deinen Ausführungen eigentlich gar nicht so viel hinzufügen
deswegen mach ichs knapp: Ja, wir nehmen unser Anliegen durchaus ernst
und wir fühlen uns tatäschlich ein bisschen wie das Sprachrohr der
"Digital Natives", auch wenn es noch genug andere Gesellschaftsgruppen
gibt die für unsere Ziele stehen (Wir haben in Ingolstadt ein
Mitglied, die hat nicht mal eine E-Mail-Adresse ^_^).

Gruß
Andreas Popp
Piratenpartei

boo...@lhwclan.de

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May 4, 2009, 4:42:45 PM5/4/09
to Webkompetenz-Forum
Die Ideologien sind sehr vielfältig. Vereint aber auf das
Grundsatzprogramm der Piratenpartei, geht es im Kern um die
Reformierung unseres politischen Systems eher noch unserer Demokratie
auf die Version 2.0!
Wenn wir jetzt nicht handeln gilt das für die herrschenden Parteien
als grünes Licht für weitere inkompetente Handlungen und Aktionen wie
Internetsperren, Lobbyismus und Egoismus gegen Deutschland und seine
Bürger!.
Die Grenzen der Macht sollte man alle BT-Parteien spüren lassen, nur
so bewegen sie sich wieder in einem demokratischen Sinne und nicht um
deren Selbstzweck. Ohne beherztes Handeln JETZT geben wir das Feld
Radikalen frei, die sich keiner hier wünschen kann!

my 2 cents

KLARMACHEN ZUM ÄNDERN ! http://ich.waehlepiraten.de !

On 4 Mai, 22:10, Stefan Münz <stefan.mu...@googlemail.com> wrote:
> Hallo,
>
> Eigentlich bin ich auf dieses Thema eher durch Zufall gestoßen, indem
> ich die teils interessanten, teils peinlichen Beiträge im Forum zur
> Petitionseinreichung gegen Internetsperren gelesen habe:https://epetitionen.bundestag.de/index.php?board=892.0
>
> Von der "Piratenpartei" hatte ich zwar schon gehört, dachte aber
> immer, das sei eine Art Ulk- und Chaospartei ohne ernsthaftes
> Programm. Um so erstaunter war ich über das, was ich, der Neugier
> folgend, in Wikipedia fand:http://de.wikipedia.org/wiki/Piratenparteibzw.http://de.wikipedia.org/wiki/Piratenpartei_Deutschland

Stefan Münz

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May 4, 2009, 5:48:11 PM5/4/09
to Webkompetenz-Forum
Hallo Andreas,

> Nachdem dass jetzt über unseren Twitter gelaufen ist, kriegst du
> wahrscheinlich Unmengen von Antworten :)

Och, da bin ich aus vergangenen Epochen noch wesentlich mehr gewohnt.
Aber zumindest ist mir nicht langweilig :-)

> Erst mal toll, dass du auf uns aufmerksam geworden bist und ich muss
> sagen, für jemanden der uns noch nicht kannte hast du dir ein sehr
> objektives Bild gemacht (Auch wenn du der erste bist, der unsere
> Webseite im Drupal-Standard-Design lobt ^_^ ).

Dass das Drupal-Standard ist, war mir neu, was aber kein Wunder ist,
da ich Drupal nur vom Namen her kenne (gehöre eher zu der Spezies, die
Konkurrenz-Systeme zu Drupal entwickelt).
Ob mein Bild "objektiv" ist, naja. Es ist der Eindruck nach der
Lektüre von ein paar Artikeln und anderen Inhalten. Objektiv
vielleicht in dem Sinn, als es "noch sehr verworren" ist. Was aber ja
nichts Schlechtes bedeuten muss.

> Ja, wir nehmen unser Anliegen durchaus ernst
> und wir fühlen uns tatäschlich ein bisschen wie das Sprachrohr der
> "Digital Natives", auch wenn es noch genug andere Gesellschaftsgruppen
> gibt die für unsere Ziele stehen

Ja, die Profilierung scheint mir der Casus knaktus zu sein. Die
"Digital Natives" wollen in der Regel freien Zugang zu jedweder
Information, sie möchten sich frei und unbewacht im Netz bewegen, und
sie möchten sich ihre Ansichten bilden, ohne dafür eine geregelte
Vorauswahl vorgesetzt zu bekommen. Sie wollen jede Art von Medien
konsumieren, auch wenn sie wenig Geld haben, um sich teuere,
repräsentative wegen Materialkosten "knappe" Präsentationsformen von
Medien leisten zu können (CDs, DVDs, Bücher ...).
Aber solche "Digital Natives" unterhalten meist auch relativ offene
Profile bei Facebook & Co., twittern recht spontan vor sich her, haben
keine Probleme damit, ihre Daten intensiv in der Cloud von Google zu
hosten und sind, wenn man all das zusammen nimmt, ein ganz schön
"offenes Buch". Doch das stört sie gar nicht, und auch wenn sie
vielleicht noch nicht alle Spätwirkungen der Langzeitverfügbarkeit
persönlicher Detaildaten bedenken (wer bedenkt schon jedes Tun in
seinem Leben?), so haben sie doch längst eine völlig andere
Einstellung dazu als die Generation vor ihnen. Sie leben im Netz,
warum sollten sie also Angst vor ihren Spuren im Netz haben? Es sind
ihre Spuren in ihrem Element. Solche "Natives" finden es aber
irgendwie abartig, angesichts der Fähigkeit moderner Computer Wahlen
mit Millionen von Zetteln durchzuführen, zu welchem Zweck man sich
immer noch in miefige Schulsporthallen und 00-artige Kabinen begeben
muss. Auch haben die meisten "Natives" glaube ich kein großes Problem
mit all den schlanken Videokameras in Parkhäusern, Kaufhäusern und
Fußballstadien, und wenn sie ein Google Streetview-Auto sehen,
schmeißen sie nicht gleich Pflastersteine. Irgendwo da ist die
Diskrepanz, die ich derzeit noch sehe.

viele Grüße
Stefan Münz
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ClaudiaK

unread,
May 5, 2009, 5:49:47 AM5/5/09
to Webkompetenz-Forum
Wer sich "Piratenpartei" nennt, macht zumindest den Eindruck, als
wolle er schon von vorne herein nicht WIRKLICH mitspielen, sondern
profiliert sich als eine der vielen kommenden und schnell wieder
vergehenden Ulk-&Chaos-Initiativen, die das Land immer wieder kommen
und gehen sah.

So kommt zumindest der Name rüber, wie ich schon in etlichen
Kommentargesprächen gelesen habe. Da mag das Programm und die
Personen noch so sinnvoll sein: in einer Zeit, in der die Somalia-
Piraten das Wort "Pirat" brandaktuell noch weiter negativ anreichern,
ist so eine Namensgebung m.E. mutwilliger Nonsens.

Als "politische Interessensvertretung der IT-Gesellschaft" ist der
Name ebenfalls problematisch, da er suggeriert, die Partei wolle "wie
Piraten" alle Rechte-Inhaber geistigen Eigentums entschädigungslos
enteignen/berauben. Das mag der Wunsch eines Teils der Netizens sein,
doch ist die Position äußerst umstritten und so gewiss nicht
mehrheitsfähig.

Stefan Münz

unread,
May 5, 2009, 8:01:15 AM5/5/09
to Webkompetenz-Forum
Hallo Claudia,

> Wer sich "Piratenpartei" nennt, macht zumindest den Eindruck, als
> wolle er schon von vorne herein nicht WIRKLICH mitspielen, sondern
> profiliert sich als eine der vielen kommenden und schnell wieder
> vergehenden Ulk-&Chaos-Initiativen, die das Land immer wieder kommen
> und gehen sah.

Allerdings: was nicht ist, kann ja noch werden. "Die Grünen"- das
klang Ende der 70er auch nicht gerade seriös in den Ohren des
Establishments. Auch das war zunächst ein Chaotenhaufen, dessen
politische Einstellung irgendwo zwischen Rote Armee Fraktion und
Urlaub auf dem Bauernhof vermutet wurde. Sie schafften es trotzdem in
den Bundestag, wo sie dann aber auch lernen mussten, dass mit
Latzhosen-Look nicht wirklich große und schon gar keine internationale
Politik zu machen war. Wenn die Piratenpartei erst mal bekannter wird,
wird sicher auch ihre Namensherkunft so häufig thematisiert werden,
dass der Name irgendwann niemandem mehr aufstößt. Die Grauen Panther
haben ja Zeit ihrer Existenz auch nie irgendeinen Menschen angefallen,
obwohl der Panther zweifellos ein Raubtier ist.

> in einer Zeit, in der die Somalia-
> Piraten das Wort "Pirat"  brandaktuell noch weiter negativ anreichern,
> ist so eine Namensgebung m.E. mutwilliger Nonsens.

Also wenn man schon die Konnotate im Namen diskutieren will, dann
würde ich glatt behaupten, dass die somalischen Piraten es bislang
nicht geschafft haben, das Wort der eher kecken Anklänge zu berauben,
welche es durch die Popularität von Jack Sparrow alias Fluch der
Karibik hierzulande hat. Aber eigentlich finde ich die Diskussion um
den Namen auch eher nebensächlich, sobald man sich mal kundig gemacht
hat, wie er zu verstehen ist.

> Als "politische Interessensvertretung der IT-Gesellschaft" ist der
> Name ebenfalls problematisch, da er suggeriert, die Partei wolle "wie
> Piraten" alle Rechte-Inhaber geistigen Eigentums entschädigungslos
> enteignen/berauben. Das mag der Wunsch eines Teils der Netizens sein,
> doch ist die Position äußerst umstritten und so gewiss nicht
> mehrheitsfähig.

Solange das vermutete Parteiprogramm aus dem Namen der Partei
abgeleitet wird, bleibt das sicherlich so. Es liegt aber an unsereins,
ob wir sagen "Name ist Blödsinn, also interessiert mich das Programm
nicht", oder ob wir lieber sagen "stimmt es, dass da erstmals eine
Partei die IT-Republik ernst nimmt? Dann lass mal sehen...". Wenn wir,
und damit meine ich Kreise wie die hier verkehrenden, bereits wegen
des Namens abwinken und stattdessen lieber auf eine
Informationstechnische Partei Deutschlands (IPD) mit der Farbe
Blaugrün und ARD-Sonntagabend-Talk-tauglichen Repräsentanten warten
wollen, dann wird Deutschland, bis es so weit ist, wohl längst zu den
Entwicklungsländern des Digitalzeitalters gehören.

viele Grüße
Stefan Münz

Sky

unread,
May 5, 2009, 10:20:26 AM5/5/09
to Webkompetenz-Forum
Hab mich damit bereits vor Längerem beschäftigt, Merkmale:
- eine gewisse Technikfeindlichkeit - "Wahlmaschinen sollen verboten
werden" u.a.
- linksliberales, teilweise anarchistisches Gedankengut, leider nicht
sehr sortiert, d.h. gähnende Kompetenzlücken
- wirkt teilweise wie ein verlängerter CCC

"Ambivalenz" scheint in der Tat angeraten. Erst mal wachsen lassen.
Grunsätzlich sind Vorstösse rechtsphilosophischer Art, wenn ich das
einmal so nennen darf, in Bezug auf die neuen Entwicklungen ("neue
Medien", Web etc.) zu begrüssen, aber leider noch alles zu
unsubstanziell. Auch mal am Personal arbeiten.

MFG
Sky

PS: Dieses Jahr noch DIE LINKE wählen!
;)


On 4 Mai, 22:10, Stefan Münz <stefan.mu...@googlemail.com> wrote:
> Hallo,
>
> Eigentlich bin ich auf dieses Thema eher durch Zufall gestoßen, indem
> ich die teils interessanten, teils peinlichen Beiträge im Forum zur
> Petitionseinreichung gegen Internetsperren gelesen habe:https://epetitionen.bundestag.de/index.php?board=892.0
>
> Von der "Piratenpartei" hatte ich zwar schon gehört, dachte aber
> immer, das sei eine Art Ulk- und Chaospartei ohne ernsthaftes
> Programm. Um so erstaunter war ich über das, was ich, der Neugier
> folgend, in Wikipedia fand:http://de.wikipedia.org/wiki/Piratenparteibzw.http://de.wikipedia.org/wiki/Piratenpartei_Deutschland

b.pwned

unread,
May 6, 2009, 1:26:47 PM5/6/09
to Webkompetenz-Forum


On 5 Mai, 16:20, Sky <skyfl...@gmail.com> wrote:
> Hab mich damit bereits vor Längerem beschäftigt, Merkmale:
> - eine gewisse Technikfeindlichkeit - "Wahlmaschinen sollen verboten
> werden" u.a.

[ ] Du hast es verstanden
[X] Du hast es nicht verstanden

Bei einer Partei, die zum Großteil aus Informatikern und
Naturwissenschaftler besteht, ist doch keiner technikfeindlich. Es
geht darum, dass Wahlcomputer viel zu angreifbar sind und Wahlbetrug
Tür und Tor öffnen. Das steht auch klipp und klar in jedem Text, den
die PP dazu je verfasst hat. Wir halten die Meinungsfreiheit für ein
sehr hohes Gut, aber das heißt nicht, dass wir uns die Worte gerne im
Mund umdrehen lassen wollen.

> - linksliberales, teilweise anarchistisches Gedankengut, leider nicht
> sehr sortiert, d.h. gähnende Kompetenzlücken

Es gilt sich darauf zu konzentrieren, dem fortschreitenden
Grundrechtsabbau etwas entegegenzusetzen. Programmerweiterungen stehen
auch auf dem Plan, aber die PP gibt's erst seit weniger als 3 Jahren,
so schnell geht das nicht - außer man will irgendwelchen Müll
zusammenpanschen.

> - wirkt teilweise wie ein verlängerter CCC

Sag das besser nicht dem CCC, die reagieren darauf z.T. sehr
allergisch.

> (...)
> PS: Dieses Jahr noch DIE LINKE wählen!

Linke? Du meinst die Partei, in der noch Genossen von SED & Co.
sitzen? Die noch vor 20 Jahren Schießbefehle gegeben haben oder
sinnvoll fanden? Die alles erzählen, was der Wähler hören will, auch
wenn das Geld dafür vorne und hinten nicht reicht? Die z.T. noch Stasi
1.0 (!) wollen? *Die* Linke? Ja... klar.

b.

ClaudiaK

unread,
May 6, 2009, 3:31:44 PM5/6/09
to Webkompetenz-Forum

Hallo Stefan,

ich habe mich absichtlich NUR zu den "Konnotaten im Namen" geäßert, da
DU ja gerade eine Art Gesamtdarstellung bezogen auf die Inhalte der
Partei gegeben hattest! Bin halt Kommunikations-Frau und daher ist mir
der Name einer Partei (und auch eines Produkts, eines Programms, einer
Veranstaltung etc.) durchaus ein paar kritische Bemerkungen wert.
Gerade wenn eine solche Partei gute Inhalte und engagierte Leute
aufbietet, bedauere ich es ausgesprochen, wenn man sich durch ein
leichtsinnige Namensgebung viel verbaut!

> Allerdings: was nicht ist, kann ja noch werden. "Die Grünen"- das
> klang Ende der 70er auch nicht gerade seriös in den Ohren des
> Establishments.

Na, nach den Roten, Gelben und Schwarzen war das aber zumindest
Namenstechnisch "business as usuar", wenn auch inhaltlich und im Stil
was ganz Neues. Die GRÜNEN nannten sich auch nicht gleich so, sie
hatten erfolgreiche Vorläufer - in Berlin (da war ich im Bezirk mal
Fraktionsassi) kam z.B. 1981 die "AL" (Alternative Liste für
Demokratie und Umweltschutz) ins Abgeordnetenhaus. In Hamburg hießen
sie "GAL" (Grün-alternative Liste).

> Solange das vermutete Parteiprogramm aus dem Namen der Partei
> abgeleitet wird, bleibt das sicherlich so. Es liegt aber an unsereins,
> ob wir sagen "Name ist Blödsinn, also interessiert mich das Programm
> nicht", oder ob wir lieber sagen "stimmt es, dass da erstmals eine
> Partei die IT-Republik ernst nimmt? Dann lass mal sehen...".

Mich persönlich schreckt der Name nicht ab, da hab ich noch aus der
wilden Jugendzeit viel zu viel Sympathien für allerlei chaotisch-
provozierende Unternehmungen ähnlicher Art. Meine Wahlentscheidung
hängt eh nicht am Namen, wohl aber neben den Inhalten an den Chancen,
die ich einer Mini-Partei einräume, im aktuellen politischen Spektrum
eine gewisse Bedeutung zu erlangen. Die AL war damals, als wir sie ins
Abgeordnetenhaus wählten, tatsächlich der parlamentarische Arm einer
Bewegung, ein Senat war gerade über die Bauskandale gestürzt, die
Sanierungspolitik war am Ende, zig Häuser waren besetzt und täglich
handelten die Abendnachrichten von dem, was grade abging.
Zur letzten Wahl hatte die neue "Liste" (die sich nicht "Partei"
nennen lassen wollte, igitt nee!) 3,7% erreicht, war also
einevermeintlich marginale Minipartei - was sich dann aber schnell
und drastisch änderte.

Eine vergleichbare BEWEGUNG, mit der eine neue Partei auf ähnliche Art
hoch kommen könnte, sehe ich in der "die IT-Republik" (leider!) noch
nicht.

Aber wer weiß, vielleicht kommt es ja noch... :-)

LG

Claudia




Stefan Münz

unread,
May 6, 2009, 3:31:56 PM5/6/09
to Webkompetenz-Forum
Hallo B.,

fangen wir vielleicht hinten an:

> > PS: Dieses Jahr noch DIE LINKE wählen!
>
> Linke? Du meinst die Partei, in der noch Genossen von SED & Co.
> sitzen? Die noch vor 20 Jahren Schießbefehle gegeben haben oder
> sinnvoll fanden? ....

Das war von Sky einfach nur ironisch gemeint. Er ist eigentlich ein
ausgesprochener Hasser von allem, was politisch linkslastig ist (aus
Gründen, die man nur verstehen kann, wenn man Nietzsche gelesen hat),
aber weil er weiß, dass fast alle interessanten Diskussionsteilnehmer
in den Foren tendenziell links-affin sind, drückt er sich auf solche
Weise aus. Ich hoffe, ich hab das jetzt auch richtig ausgedrückt ;-)

> Bei einer Partei, die zum Großteil aus Informatikern und
> Naturwissenschaftler besteht, ist doch keiner technikfeindlich. Es
> geht darum, dass Wahlcomputer viel zu angreifbar sind und Wahlbetrug
> Tür und Tor öffnen.

Dennoch ist das auch bei mir einer der Punkte, die dafür sorgen, dass
ich persönlich bislang auch eher ein uneinheitliches Bild von den
Grundsatzpositionen der PP habe. Es geht mir jetzt gar nicht darum,
bisher eingesetzte Wahlcomputer zu verteidigen oder eine Diskussion
darüber anzuzetteln, dass es bei Wahlen mit Millionen von Stimmen
niemals vollkommen genau zugeht, weder mit noch ohne Wahlcomputer. Ich
würde es jedoch "stimmiger" finden, wenn die Grundsatzposition in etwa
so formuliert würde: "Heutige Wahlcomputer sind manipulationsanfällig.
Wir sehen jedoch klar, dass unsere Gesellschaft sich im digitalen
Zeitalter unweigerlich auf den Zustand hinbewegt, in dem irgendwann
auch Wahlen digital und online, also ohne Wahlkabinen, durchgeführt
werden. Wir setzen uns deshalb ein für Forschung und Entwicklung von
Verfahren und Techniken, die eine solche politische Mitbestimmung
ermöglichen". DAMIT könnte ich mich identifizieren, und Worte wie
"technikfeindlich" würden niemandem erst in den Sinn kommen.

> Programmerweiterungen stehen
> auch auf dem Plan, aber die PP gibt's erst seit weniger als 3 Jahren,
> so schnell geht das nicht - außer man will irgendwelchen Müll
> zusammenpanschen.

Ich finde es auch nicht unbedingt nötig, dass eine Partei, die ihr
erstes Prozent erst noch erobern muss, nicht krampfhaft ein
Komplettprogramm von Arbeit bis Zuwanderung vorlegen muss. Zunächst
mal gilt es, ein Profil herauszuarbeiten. Das war bei den Grünen nicht
anders. Damals war es das erwachende Umweltbewusstsein, heute ist es
das Erwachen im digital-medialen Zeitalter. Allerdings kann es meines
Erachtens nicht schaden, die Konsequenzen der neuen IT-Realitäten fürs
normale Leben durchzudenken und daraus zumindest grobe Denkrichtungen
abzuleiten. Was etwa wird sich früher oder später bei Wirtschaft und
Finanzwesen ändern müssen, wenn das Copyright durch das Copyleft
ersetzt wird? Ist digitale Leistungserbringung auf die Dauer mit
Einkommensformen des Industriezeitalters vereinbar? Es ist sicherlich
gewagt, zu solchen Fragen bislang unbekannte und utopisch anmutende
Positionen zu beziehen, aber auf die Dauer kann es das Profil einer
solchen Partei nur stärken, wenn sie sich traut, nicht nur vom Heute
her zu denken, sondern auch von den wahrscheinlichen bis möglichen
Langzeit-Konsequenzen des Digitalzeitalters für das Leben, für Alltag,
Arbeit, Erziehung, Freizeitgestaltung, Krankheit und Tod.

viele Grüße
Stefan Münz

ClaudiaK

unread,
May 6, 2009, 3:40:07 PM5/6/09
to Webkompetenz-Forum
Mal nebenbei: ziemlich doof, dass man einen Beitrag nicht nachträglich
editieren kann (wg. Tippfehlern) - nur entfernen und neu posten. Mach
ich jetzt mal nicht, es könnte ja schon jemand drauf antworten und
dann käme hier vielleicht was durcheinander. Schwach von Google, sag
ich mal, verglichen mit dem, was allgemein so üblich ist.

Claudia

Stefan Münz

unread,
May 6, 2009, 3:52:42 PM5/6/09
to Webkompetenz-Forum
Hallo Claudia,
Einerseits ja. Andererseits kann das nachträgliche Editieren von
Beiträgen, vor allem wenn bereits darauf geantwortet wurde, extrem
verwirrend sein und nachfolgende Beiträge, die zunächst
nachvollziehbar waren, dumm und unangemessen erscheinen lassen.
Deshalb bin ich kein großer Freund von nachträglichem Editieren in
Foren. Praktisch ist es zweifellos (um dumme Tippfehler oder
verunglückte Grammatikkonstruktionen zu korrigieren), aber aus
diskussionsmoralischer Sicht halte ich es eher für verführerisch und
bedenklich. Es muss also nicht immer ein fehlendes Feature sein.
Manchmal ist es auch einfach nur weise Voraussicht. Ein Kompromiss
wäre ein Versionensystem mit Permalinks, so dass man zwar das aktuelle
Posting sehen kann, aber frühere Versionen davon aufrufen kann, und
dass bei Follow-Ups der Permalink des Bezugspostings angegeben wird,
damit ein Diskussionsverlauf transparent bleibt. Die Frage ist nur, ob
so ein kompliziertes System bei Normalusern ankäme. Ich werde es aber
mal anregen im Google Support-Forum ;-)

viele Grüße
Stefan Münz

Sky

unread,
May 7, 2009, 7:30:10 AM5/7/09
to Webkompetenz-Forum
Lieber b,

> > Hab mich damit bereits vor Längerem beschäftigt, Merkmale:
> > - eine gewisse Technikfeindlichkeit - "Wahlmaschinen sollen verboten
> > werden" u.a.
>
> [  ] Du hast es verstanden
> [X] Du hast es nicht verstanden
>
> Bei einer Partei, die zum Großteil aus Informatikern und
> Naturwissenschaftler besteht, ist doch keiner technikfeindlich. Es
> geht darum, dass Wahlcomputer viel zu angreifbar sind und Wahlbetrug
> Tür und Tor öffnen. Das steht auch klipp und klar in jedem Text, den
> die PP dazu je verfasst hat. Wir halten die Meinungsfreiheit für ein
> sehr hohes Gut, aber das heißt nicht, dass wir uns die Worte gerne im
> Mund umdrehen lassen wollen.

Wahlcomputer sind eben nicht "zu angreifbar". Vgl. das mal mit dem
Istzustand des manuellen Erfassens und anschliessender Speicherung der
manuell erfassten Daten. Leider fehlen hier den linksliberalen
Eierköpfen (ich vertraue mal auf die Angabe bzgl. des zahlenmässigen
Vorhandenseins der "Naturwissenschaftler") Maßstab und
Einordnungsvermögen. Gerade beim Thema Wahlcomputer kommt hier so zu
sagen alles raus.

> > - linksliberales, teilweise anarchistisches Gedankengut, leider nicht
> > sehr sortiert, d.h. gähnende Kompetenzlücken
>
> Es gilt sich darauf zu konzentrieren, dem fortschreitenden
> Grundrechtsabbau etwas entegegenzusetzen. Programmerweiterungen stehen
> auch auf dem Plan, aber die PP gibt's erst seit weniger als 3 Jahren,
> so schnell geht das nicht - außer man will irgendwelchen Müll
> zusammenpanschen.

Anzumerken wäre hier natürlich schon, dass die neuen Medien einen
Hinzuubau bei den Grundrechten bedeutet haben.
Negativ aber in der Tat, dass sich Mandatsträger bspw. an Sachen wie
Paintball, "Killerspielen" und der Einschränkung von Freiheitsrechten
abarbeiten.

> > (...)
> > PS: Dieses Jahr noch DIE LINKE wählen!
>
> Linke? Du meinst die Partei, in der noch Genossen von SED & Co.
> sitzen? Die noch vor 20 Jahren Schießbefehle gegeben haben oder
> sinnvoll fanden? Die alles erzählen, was der Wähler hören will, auch
> wenn das Geld dafür vorne und hinten nicht reicht? Die z.T. noch Stasi
> 1.0 (!) wollen? *Die* Linke? Ja... klar.

Nur Idioten wählen DIE LINKE, war ein kleines Spässchen am Rande.

Beste Grüße!
Sky
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