bislang nutze ich vor allem Google Mail und Google Reader. Picasa Web-
Alben hab ich auch schon ausprobiert und im Sinne der Verwandschaft
für nützlich befunden. In letzter Zeit beginne ich mich auch mit
Google Kalender anzufreunden, weil es da ein paar praktische Features
gibt, die man so sonst nicht hat (z.B. SMS-Reminder ... rechtzeitige
Vibration in der Hosentasche, bevor ein Termin ansteht). Ausprobiert
habe ich ferner Google Bookmarks, Google Notebook, Google Text
+Tabellen und Google Base. Base finde ich vom Ansatz her gut, aber zu
schlecht organisiert und zu unbekannt bei der breiten Masse der User,
die man darüber zu erreichen hofft. Text+Tabellen brauche ich
eigentlich nicht - das wäre nur für kollaboratives Arbeiten an
Dokumenten interessant, was bei mir derzeit kein Thema ist. Mit
Notebook und Bookmarks werde ich nicht so recht warm, und zwar
deshalb, weil mir beide strukturell zu flach sind. Zur Organisation
von Bookmarks ist mir reines Tagging/Labelling zu chaotisch - da
bevorzuge ich (zusätzlich) eine hierarchische Ordnerstruktur. Die
Notebooks sind mir persönlich zu buch-artig. Da würde ich mir lieber
eine Art persönliches Online-Wiki wünschen.
Nun muss man ja nicht alles, was man online speichern will, bei Google
speichern. Doch einen Vorteil hat die Sache: die Vernetzbarkeit von
Daten. Doch gerade da glänzt Google bislang finde ich überhaupt nicht.
Wenn ich im Kalender einen Termin mit Herrn Schmidt eintrage, und ich
habe dessen Kontaktdaten bei Google Mail gespeichert, fände ich es
schön, wenn ich die Option angeboten bekomme, das zu vernetzen -
sprich: beim Kalendereintrag möchte ich zu der Seite in Gmail springen
können, wo Herr Schmidts Kontaktdaten sowie alle bisherigen Mail- und
Chat-Konversationen mit ihm angezeigt werden, und neben der Liste der
Konversationen hätte ich dort gerne auch eine Liste mit
Kalenderterminen, die Herrn Schmidt zugeordnet sind.
Die Verknüpfungssache setzt natürlich voraus, dass alle aufrufbaren
Inhalte über eine eigene URL adressierbar sind. Da die Google-Services
intensiv mit Ajax arbeiten, könnte das im Einzelfall problematisch
sein. Doch eine Webanwendung kann durchaus so programmiert werden,
dass sie über GET-Parameter direkt Zustände als Seiten ausliefern
kann, die sonst vielleicht erst durch Benutzer-Interaktion und Ajax
zustande kommen. Überhaupt wäre es schön, wenn dafür tatsächlich ein
sinnvolles, auf GET-Parametern basierendes URL-Schema entwickelt
würde, und wenn bei jeder Seite, egal ob in Mail, Kalender, Bookmarks
oder sonstwo, die URL zum Aufrufen genau dieser Seite in diesem
Zustand an einem festen Ort innerhalb des Seitenlayouts angezeigt
wird.
Ferner würde ich mir auch einen reinen File-Storage-Bereich wünschen,
wo ich beliebige Dateien archivieren, beschreiben und taggen/labeln
kann. So gespeicherte Dateien würde ich ebenfalls gerne mit Kontakten
und/oder auch mit Kalendereinträgen verknüpfen können. Wie soll man
denn sonst alles schnell beisammen haben, was man so hat und braucht?
Notebook und Text+Tabellen reicht dazu jedenfalls nicht.
Alle Google-Applikationen sollten darüberhinaus im Layout noch stärker
als bisher vereinheitlicht werden. Außerdem sollten alle Applikationen
so wie jetzt schon Gmail über eine Linkleiste verfügen, die den
schnellen Switch zu anderen Applikationen ermöglicht. Und was das
Layout angeht, so sollten zumindest Schriftattribute und Farben
individuell anpassbar sein, zumindest auf dem Level wie beim
Administrieren einer eigenen Google-Group.
Vielleicht hat sich ja von euch auch schon jemand so weit mit den
Google Services/Anwendungen auseinandergesetzt, dass dabei Wünsche
entstanden sind. Dies hier wäre ein guter Ort, sie zu äußern. Wir
könnten daraus z.B. eine Art Wunschzettel erarbeiten und Google damit
nerven ;-)
viele Grüße
Stefan Münz
> Wenn ich im Kalender einen Termin mit Herrn Schmidt eintrage, und ich
> habe dessen Kontaktdaten bei Google Mail gespeichert, fände ich es
> schön, wenn ich die Option angeboten bekomme, das zu vernetzen -
> sprich: beim Kalendereintrag möchte ich zu der Seite in Gmail springen
> können, wo Herr Schmidts Kontaktdaten sowie alle bisherigen Mail- und
> Chat-Konversationen mit ihm angezeigt werden, und neben der Liste der
> Konversationen hätte ich dort gerne auch eine Liste mit
> Kalenderterminen, die Herrn Schmidt zugeordnet sind.
Ich nehme an, dass Google das gerne machen wird, sobald die das
hinkriegen. Für Google als von Werbung lebendes Unternehmen werden die
gesammelten Daten so unschätzbar wertvoller.
> Vielleicht hat sich ja von euch auch schon jemand so weit mit den
> Google Services/Anwendungen auseinandergesetzt, dass dabei Wünsche
> entstanden sind. Dies hier wäre ein guter Ort, sie zu äußern. Wir
> könnten daraus z.B. eine Art Wunschzettel erarbeiten und Google damit
> nerven ;-)
Google ist als Quasi-Monopolist per se böse[tm] und sollte gemieden
werden. Diese kostenlosen Dienste werden uns eines Tages teuer zu stehen
kommen.
Ich wünsche mir diese Services als OpenSource-Software zur Installation
auf meinem eigenen Server.
MfG
Niels
> Ich nehme an, dass Google das gerne machen wird, sobald die das
> hinkriegen. Für Google als von Werbung lebendes Unternehmen werden die
> gesammelten Daten so unschätzbar wertvoller.
Darin sehe ich weniger eine Frage des Hinkriegens. Wenn man selbst
Webanwendungen erstellt, weiß man in etwa, was hinkriegbar ist und was
nicht. Die von mir geäußerten Wünsche sind denke ich samt und sonders
hinkriegbar. Es handelt sich zwar um unterschiedliche Webanwendungen,
die aber über ein Single-Sign-Login aufrufbar sind und daher
voneinander wissen können.
Die Sache mit den gesammelten Daten bin ich gerade am Eruieren. Dabei
verfolge ich jedoch nicht die Methode des altdeutschen Miesepeters,
der alles Neue ablehnt, weil es schon deshalb böse ist, weil es das
bislang nicht gab, sondern ich probiere es mit der aufregenden Methode
der Selbstopferung: sprich, ich probiere es einfach aus und finde für
mich selbst heraus, ob es mir zum Nachteil gereicht oder nicht. Ich
hoffe, in einigen Jahren einigermaßen fundierte Ergebnisse liefern zu
können.
> Ich wünsche mir diese Services als OpenSource-Software zur Installation
> auf meinem eigenen Server.
Das ist eine durchaus interessante Option (sogar für die Wunschliste)
- allerdings nur für etwa 0,1 Prozent der Webanwender, wenn es
überhaupt so viele sind. Denn wir reden hier über Anwendungen für
Anwender, die typischerweise nicht über einen eigenen Webserver und
das nötige Wissen zum Installieren serverseitiger Webanwendungen
verfügen (also Anwendungen wie Mail, Adressverwaltung,
Terminverwaltung, eigene Dokumente, Bookmarks usw.).
Und was die Sache mit der OpenSource betrifft: ich bin ja
normalerweise auch dafür, deshalb darf ich mir auch mal erlauben den
advocatus diaboli zu spielen: Ich weiß, Vertrauen in jede Code-Zeile,
die man nicht selbst programmiert hat, ist schwer. Aber nicht wenige
wandeln sich von argwöhnischen Kommandozeilen-Hackern zu seligen
Klickibuntis, sobald das Prädikat "OpenSource" drauf steht. So wie in
den 80ern, als der linksalternative Konsument handsam wurde, sobald
irgendwo ein grünes "Bio-Bapperl" auf der Marmelade klebte. Wie sauber
und toll ein OpenSource-Produkt wirklich ist, ist für Normalanwender
aber ebensowenig nachkontrollierbar wie irgendein grünes Bio-Bapperl.
viele Grüße
Stefan Münz
>> Ich nehme an, dass Google das gerne machen wird, sobald die das
>> hinkriegen. Für Google als von Werbung lebendes Unternehmen werden die
>> gesammelten Daten so unschätzbar wertvoller.
>
> Darin sehe ich weniger eine Frage des Hinkriegens. Wenn man selbst
> Webanwendungen erstellt, weiß man in etwa, was hinkriegbar ist und was
> nicht. Die von mir geäußerten Wünsche sind denke ich samt und sonders
> hinkriegbar.
Das bezweifle ich auch nicht; ich lebe davon, so etwas hinzukriegen. Ich
sagte ja auch "sobald", womit ich zum Ausdruck bringen wollte, dass sie
es /noch nicht/ hingekriegt haben.
> Die Sache mit den gesammelten Daten bin ich gerade am Eruieren. Dabei
> verfolge ich jedoch nicht die Methode des altdeutschen Miesepeters,
> der alles Neue ablehnt, weil es schon deshalb böse ist, weil es das
> bislang nicht gab,
Bitte verstehe mich nicht miss: Ich bin Neuem gegenüber sehr
aufgeschlossen. Allerdings macht mich ein Hype nicht blind für Gefahren.
>> Ich wünsche mir diese Services als OpenSource-Software zur Installation
>> auf meinem eigenen Server.
>
> Das ist eine durchaus interessante Option (sogar für die Wunschliste)
> - allerdings nur für etwa 0,1 Prozent der Webanwender, wenn es
> überhaupt so viele sind. Denn wir reden hier über Anwendungen für
> Anwender, die typischerweise nicht über einen eigenen Webserver und
> das nötige Wissen zum Installieren serverseitiger Webanwendungen
> verfügen (also Anwendungen wie Mail, Adressverwaltung,
> Terminverwaltung, eigene Dokumente, Bookmarks usw.).
Wenn solche Anwendungen aber auf 100en von Servern zur Verfügung stehen,
wird das Data-Mining erheblich erschwert. Und jeder könnte sich
jederzeit mittels eines eigenen Servers dem Zugriff der Datenmafia
(zumindest teilweise) entziehen.
> Und was die Sache mit der OpenSource betrifft: ich bin ja
> normalerweise auch dafür, deshalb darf ich mir auch mal erlauben den
> advocatus diaboli zu spielen: Ich weiß, Vertrauen in jede Code-Zeile,
> die man nicht selbst programmiert hat, ist schwer. Aber nicht wenige
> wandeln sich von argwöhnischen Kommandozeilen-Hackern zu seligen
> Klickibuntis, sobald das Prädikat "OpenSource" drauf steht.
Der wesentliche Aspekt von OpenSource liegt für mich darin, dass man
jederzeit in den Quellcode schauen kann. Irgendjemand tut das aus
Interesse immer, und wenn mit den Daten böse[tm] Dinge angestellt
werden, kommt es dann heraus. Bei OS ist prinzipbedingt die Neigung zum
Missbrauch geringer. Ich habe viel mit OS zu tun, daher ist mir sehr
wohl bewusst, dass es dort eine Menge Schrott gibt. Aber ich kann eben
in den Quellcode steigen und das feststellen. Bei Windows z.B. kann ich
das nicht.
MfG
Niels
wäre ja auch ein Wunder gewesen, wenn sich nicht schon andere Leute
über all diese Dinge Gedanken gemacht hätten. Ein gutes Beispiel ist
hier zu finden:
http://blog.outer-court.com/archive/2007-03-19-n81.html
viele Grüße
Stefan Münz