Web 3.0: Sozialsemantik oder Cloud-Computing?

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Stefan Münz

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Apr 10, 2009, 5:56:56 PM4/10/09
to Webkompetenz-Forum
Hallo,

Man macht sich halt so seine Gedanken, wenn man mal einen Moment Zeit
hat, den Laptop auf dem Schoß und ein gutes Glas Rotwein neben sich,
wie das bei alten Männern der Neuzeit so üblich ist. Man liest seinen
Feedreader, informiert sich über die Web-2.0-Konferenz re:publica'09,
spielt ein wenig mit einer gepriesenen Online-Grafik-Anwendung herum,
und im Kopf buhlen Schlagwörter wie Semantisches Web, Social Media und
Cloud Computing um Beachtung.

Es gibt durchaus unterschiedliche Richtungen, in die sich das Web
weiterentwickeln könnte. Denn dass es sich weiterentwickelt, steht
außer Frage. Schon in wenigen Jahren wird man über Microblogging und
Website-Wigdets mit der gleichen Überheblichkeit lächeln, mit der man
das heute über altbackene Homepage-Bastler tut, oder über Blogger, die
immer noch eine Tagcloud auf ihrer Site haben.

Insgesamt sehe ich zwei Hauptrichtungen:

Die eine, hier mit "Sozialsemantik" bezeichnet, besteht im
Zusammenwachsen von websemantischen Ansätzen (XML, Mikroformate, RDF,
HMTL5-Section-Elemente) mit dem erfolgreichen Bereich der Social
Networks. Es werden neue, plattformübergreifende Standards für
persönliche Profile entstehen, und für die Abbildung von
Beziehungsstrukturen, außerdem für die Zuordnung von Webpublikationen
und user generated Content in verschiedensten Webprojekten zu
persönlichen Profilen. Dazu gesellt sich ein übergreifendes Netz an
Verstichwortung, Bewertungen und Statistik.

Die andere, die wir mit dem bekannten Buzzword "Cloud-Computing"
bezeichnen, ist die Radikalisierung des bereits deutlich erkennbaren
Trends, als geeigneten Ort für persönliche oder Unternehmens-Daten
nicht mehr die Festplatte eines lokalen Rechners zu betrachten,
sondern das Netz. Und zwar so, dass man in der Lage ist, sich davon zu
lösen, wissen zu müssen, wo die eigenen Daten sich eigentlich
befinden. Eigentlich nichts anderes als das, was vor Jahrzehnten
bereits mit dem Geld geschehen ist, als Banken, Kreditkarten, Börsen
und Geldanlagen ins Leben der Bevölkerung traten. Irgendwann wird es
dann sicher auch zu großen, weltweiten Cloud-Krisen kommen ;-)

Beide Richtungen können sicherlich friedlich koexistieren, ohne sich
was zu tun. Es könnte jedoch auch dazu kommen, dass eine Richtung das
Netz stärker für sich beansprucht als die andere. So sind im Bereich
Cloud-Computing eher millionenschwere Geschäftsmodelle vorstellbar als
im Bereich reiner intelligenter Vernetzung. Fällt das Gebot der
Netzneutralität, könnten finanzstarke Cloud-Anbieter soziale,
kommunikative und semantische Aspekte immer mehr
Datenübertragungsanteile abringen. Aus sozialen Netzwerken würden
bedrängte soziale Nischen, in denen die Wut brodelt. Führende IT-
Techniker dieser Fraktion könnten unter Berufung auf Revolutionshelden
früherer Zeiten und auf Hacker-Ethik sehr effiziente Attacken gegen
die Cloud ausüben. Ein digitaler Krieg könnte entstehen, der etliche
reale Unternehmen und Existenzen als Opfer hat.

Naja, so oder ähnlich. Ups, der Rotwein ist alle ;-)

viele Grüße
Stefan Münz
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