Zum Blog-Eintrag: Tiefen-Blogging oder die Autorität des Autors

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King^Lully

unread,
Aug 30, 2007, 7:28:20 AM8/30/07
to webkom...@googlegroups.com
Hallooo.

Zu:
http://webkompetenz.blogspot.com/2007/08/tiefen-blogging-oder-die-autoritt-des.html
vgl. auch:
http://sommergut.de/wp/archives/001362.shtml

Stefan hält sich ja dankenswerterweise vom allgemeinen News-Echoing fern,
andere tun das nicht und schaffen Redundanzen, lustig auch das zeitversetzte
Wiederkäuen, Robert Basic meldet bspw. regelmässig News, die Monate alt
sind.

Allerdings dürfte klar sein, dass es News-Repeater geben muss. Und wer, wie
wir, Anspruch hat, der findet es gut, wenn das die anderen machen. Weils
Mist ist?! ;)

Niveau kann man allerdings nicht lernen und so wird auf uns kein
Tiefen-Blogging Tsunami zukommen. Also keine Angst vor dem Ertrinken im
Niveau, Kollegen!

King^Lully

Stefan Münz

unread,
Aug 30, 2007, 3:06:17 PM8/30/07
to Webkompetenz-Forum
Hallo King^Lully,

> Allerdings dürfte klar sein, dass es News-Repeater geben muss. Und wer, wie
> wir, Anspruch hat, der findet es gut, wenn das die anderen machen. Weils
> Mist ist?! ;)

Man könnte die Notwendigkeit von News-Repeatern damit begründen, dass
das Web als dezentrales Medium auf Weitersagen-Effekte angewiesen ist,
damit etwas wirklich bekannt ist. Das ist der Unterschied zum
Fernsehen, wo etwas einfach bekannt wird, weil der Intendant es
herausgepickt und auf einen guten Sendeplatz gesetzt hat. Die einen
lesen es bei Heise oder im Spiegel, die anderen bei Basic-Thinking,
und wieder andere erfahren es erst über Dritt- und Viertverwerter in
der Blogosphäre. Ist ja auch irgendwie sympathisch und erinnert an die
Verbreitungsweise von Nachrichten im Zeitalter vor den Massen- und
Broadcasting-Medien.

Die Frage ist allerdings, ob es wirklich so wichtig ist, dass jeder
Web-User am Ende weiß, was alle anderen Web-User ebenfalls wissen:
nämlich dass irgendwo irgendwer irgendwas gesagt oder getan hat, was
man angeblich wissen muss. Mir jedenfalls kommt das immer wie ein
Missbrauch der Web-Idee vor. Das Web ist in meiner Vorstellung ein
zutiefst individualistisches Medium. Genau deshalb fordert es aber von
seinen Akteuren auch höchstpersönliche Schwerpunkte und eigenmächtige
Inhalte. Auseinandersetzung mit Themen von allgemeinem Interesse ja.
Aber persönliche Auseinandersetzung eben, keine bloße Repeater-
Funktionalität. Wenn mich eine Thematik, eine Nachricht oder ein
Problem interessieren, bin ich froh, im Zusammenhang damit auf viele
Fundstellen im Web zu stoßen. Was mich jedoch verärgert ist, wenn
hunderte von Fundstellen letztlich nicht mehr Substanz hergeben als
eine Originalmeldung der Reuters-Agentur.

viele Grüße
Stefan Münz

King^Lully

unread,
Aug 31, 2007, 4:05:38 AM8/31/07
to webkom...@googlegroups.com
Hallo Gemeinde!

> Die Frage ist allerdings, ob es wirklich so wichtig ist, dass jeder
Web-User am Ende weiß, was alle anderen Web-User ebenfalls wissen:
nämlich dass irgendwo irgendwer irgendwas gesagt oder getan hat, was
man angeblich wissen muss.

> Das Web ist in meiner Vorstellung ein zutiefst individualistisches Medium.


Genau deshalb fordert es aber von seinen Akteuren auch höchstpersönliche
Schwerpunkte und eigenmächtige Inhalte.

Das zeitversetzte Wiederholen von Nachrichten, die zudem falsch sein können,
hat Stefan ja bereits in seinem Blog-Eintrag "Sind Blogger Parasiten"
(o.s.ä.) thematisiert. Es scheint offensichtlich Mist zu sein kommentarlos
oder fast ohne Kommentierung alte Nachrichten zu veröffentlichen bzw. auf
diese zu verweisen (letzteres ist noch "trockener"), notwendiger Mist zwar,
aber eben was für die anderen.

Überhaupt wenden sich einige Leute gegen das Web, trauen ihm nicht, ein
Bekannter (ein Graecist) von mir sagte mir bspw. vor einigen Jahren, dass
man im Web nicht wissenschaftlich arbeiten könne. Die Wikipedia (die doch
eigentlich ganz gut ist) wird als semi- oder pseudo-wissenschaftlich
diffamiert, während die Print-Medien (Lexika, Zeitungen etc.) auf einem
Rückzugsgefecht sind. Wie passt das zusammen?

M.E. wird einerseits die "Objektivität" der wissenschaftlichen
Vorgehensweise erfolgreich relativiert und anderseits tritt scheinbar
Information auf BILD-Zeitungsniveau einen Siegeszug an. Das Web ist in
meiner Vorstellung etwas zutiefst Kollektives, allerdings etwas Angenehmes,
also nicht "-istisches". Bspw. - ich kann das jedem Nutzer nur empfehlen -
kann man sich im Web "unter Vorbehalt" über alles informieren, was im
Wahrheitsgehalt unsicher ist bzw. brisant ("Mügeln" oder "9/11" bspw. LOL),
da stehen Staats- und kommerielle Privatmedien manchmal unter einem starken
Zwang bestimmte Sichtweisen zu verbreiten.

Das Web als Demokratieerweiterung benötigt also erst einmal kein
"Tiefen-Blogging".

Nichts spricht natürlich dagegen sich inhaltlich vom "Mob" abzugrenzen und
auf einem Gebiet, bspw. in dem man abs. Fachmann ist, fleissig zu
publizieren. Einen Trend zum Niveau vermag ich im Moment aber nicht zu
erkennen, vermutlich mangels Niveau.

King^Lully

Konstantin Weiss

unread,
Aug 31, 2007, 5:49:50 AM8/31/07
to Webkompetenz-Forum
dazu jetzt eine frage:
nach meinem verständnis tragen blogs, die "lesenswerte" beiträge
verlinken oder kommentieren zwar nicht selbst zur wissensvermehrung,
haben aber eine indirekte filterfunktion. findet eine information
viele zitat-freunde, so ist sie wahrscheinlich relevant, und das
verlinken trägt dazu bei, meine aufmerksamkeit auf diese information
zu lenken. würden "tiefe" artikel nicht von einem mob verlinkt werden,
würde ich sie erst gar nicht finden.

warum sollte also die oberflächlichkeit der meisten artikel stören?

King^Lully

unread,
Aug 31, 2007, 4:26:53 PM8/31/07
to webkom...@googlegroups.com
> ch meinem verständnis tragen blogs, die "lesenswerte" beiträge
> linken oder kommentieren zwar nicht selbst zur wissensvermehrung,
> ben aber eine indirekte filterfunktion.

Sagen wirs mal so: Suchmaschinen wichten (sortieren) ihre Ergebnisse
absteigend nach Relevanz, die wiederum u.a. mit Hilfe der Anzahl der
Webverweise auf einen bestimmten Inhalt ermitelt wird.
Das echoartige Wiederholen und Verlinken bestimmter Inhalte hat also
tatsächlich eine indirekte Filterfunktion. Auf der Strecke bleibt oft das
Anspruchsvolle, das "Tiefen-Blogging".

> würden "tiefe" artikel nicht von einem mob verlinkt werden,
> würde ich sie erst gar nicht finden.

Der Mob ist eben nicht blöd. ;)

> warum sollte also die oberflächlichkeit der meisten artikel stören?

Ich habe Stefans Blog-Eintrag auch ein wenig als elitistisch wahrgenommen
und entsprechend gegenargumentiert. ;)

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