Wie baut man eine demokratische Gesellschaft inmitten von Krieg und existenzieller Bedrohung auf? Fr die Menschen und die politischen Institutionen in Rojava, dem mehrheitlich von Kurd:innen bewohnten Nordosten Syriens, ist dies keine hypothetische Frage. Seit der Zurckdrngung des Islamischen Staates kontrollieren die syrischen Kurd:innen fast ein Drittel des Landes, wobei sie infolge trkischer Angriffe seit 2018 immer wieder Gebietsverluste hinnehmen mussten. Sie haben eine weitgehende Selbstverwaltung mit einer spezifischen Form der direkten Demokratie eingefhrt, die sich zu einem in der Region einzigartigen multiethnischen Gemeinwesen entwickelt hat.
Allein in Rojava sind aktuell 5.000 Menschen auf eine Prothese angewiesen, schtzt die medico-Partnerorganisation Kurdischer Roter Halbmond. Die letzten Kriegsjahre haben in der Region etwa 11.000 Tote und rund 20.000 Verletzte gefordert. Eine WHO-Studie aus dem Jahr 2018 nannte die Herstellung von Prothesen eine der grten Leerstellen in Syrien. Erschwerend kommt hinzu, dass in den letzten Jahren Gesundheitseinrichtungen gezielt zerstrt wurden und damit die Unterversorgung im Bereich der Prothesenherstellung weiter zugenommen hat. Bereits vor dem Brgerkrieg mussten Patient:innen durchschnittlich ber zwei Jahre auf ihre Prothesen warten.
Die massive Unterversorgung mit Prothesen zu ndern, hat sich der Kurdischer Roter Halbmond vorgenommen. In der Stadt Qamişlo errichtet die zivile Gesundheitsorganisation eine groe Prothesenwerkstatt mit integriertem Gesundheitszentrum. Dort sollen die Patient*innen neben der Prothese auch direkt Physiotherapie und psychosoziale Betreuung erhalten. Fr viele Betroffenen bedeutet dies einen neuen Schritt zurck hin zu einem eigenstndigen Alltag jenseits der Kriegserfahrung.
Zusammen mit der Barcelona Metropolitan Area (AMB), dem Zusammenschluss der Kommunen im Groraum Barcelona, untersttzt medico international den Bau des Prothesenzentrums. Da dieses Zentrum einmal Anlaufstelle fr die gesamte Zivilbevlkerung in Nordostsyrien werden soll, ist es ein entsprechend groes Vorhaben und kann nur mit internationaler Untersttzung gelingen.
Von Beginn an begleitet medico das Projekt der demokratischen Selbstverwaltung in Nordostsyrien/Rojava. Wir untersttzen insbesondere die Schaffung eines kostenfrei zugnglichen Gesundheitssystems fr alle Menschen und die Hilfe fr Vertriebene. Der Frieden in Rojava ist fragil, das demokratische Projekt braucht unsere solidarische Untersttzung.
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