Lateinische Fachbegriffe Deutsch 5. Klasse

0 views
Skip to first unread message

Giordano Thibault

unread,
Aug 4, 2024, 8:44:33 PM8/4/24
to trogemdefne
Dielateinische Sprache (lateinisch lingua Latina), kurz Latein oder Lateinisch, ist eine indogermanische Sprache, die ursprnglich von den Latinern, den Bewohnern von Latium mit Rom als Zentrum, gesprochen wurde. Die frhesten Zeugnisse reichen bis ins 7. oder 6. vorchristliche Jahrhundert zurck (Frhlatein), ab dem 3. vorchristlichen Jahrhundert liegen lngere Texte vor (Altlatein), ihre volle Ausformung in der Gestalt des heute vor allem bekannten und gelehrten klassischen Lateins erreichte die (Schrift-)Sprache im ersten vorchristlichen Jahrhundert.

Latein war Amtssprache des Rmischen Reichs und wurde so zur dominierenden Verkehrssprache im westlichen Mittelmeerraum. Whrend sich aus der gesprochenen Umgangssprache, dem sogenannten Vulgrlatein, im Frhmittelalter die romanischen Sprachen entwickelten, blieb das Latein der rmischen Schriftsteller auch als tote Sprache bis in die Neuzeit die fhrende Sprache der Literatur, Wissenschaft, Politik und Kirche. Gelehrte wie Thomas von Aquin, Petrarca, Erasmus, Kopernikus, Descartes oder Newton haben Werke auf Latein verfasst. Bis ins 19. Jahrhundert wurden die Vorlesungen an den Universitten in ganz Europa auf Latein gehalten; Dissertationen wurden, teils bis ins frhe 20. Jahrhundert, meist auf Latein verfasst. In Polen, Ungarn und im Heiligen Rmischen Reich war Latein bis dahin Amtssprache. In Tausenden von Lehn- und Fremdwrtern sowie Redewendungen ist Latein heute auch in nichtromanischen Sprachen wie Deutsch oder Englisch prsent. Bei der Bildung neuer Fachbegriffe wird immer wieder auf Latein zurckgegriffen.


Wegen seiner enormen Bedeutung fr die sprachliche und kulturelle Entwicklung Europas wird Latein vor allem in Deutschland,[1] sterreich und der Schweiz an vielen Schulen und Universitten gelehrt. Fr manche Studiengnge werden Lateinkenntnisse oder das Latinum verlangt. hnlich stellt sich die Situation im Vereinigten Knigreich dar, wo Latein bereits in der Primarstufe unterrichtet wird.


Latein gehrt zum italischen Hauptzweig der indogermanischen Sprachen, von dem sich auerhalb des Lateinischen nennenswerte Spuren nur noch in Gestalt des Oskischen und des Umbrischen erhalten haben. Der Wortschatz legt eine Nhe des Italischen zu den keltischen Sprachen nahe, es ist jedoch nicht gesichert, ob dies eine nhere genetische Verwandtschaft bedeutet oder einen vorgeschichtlichen Sprachkontakt.


Obgleich die Quellen zu dieser Thematik sprlich sind, ist davon auszugehen, dass das Lateinische ebenso wie andere Sprachen in Regiolekte (geographische Gliederung) und Soziolekte (Gliederung nach sozialen Schichten) gegliedert war. Dieser Umstand wird von der Altphilologie, die sich hauptschlich mit der Sprache der sogenannten Goldenen und Silbernen Latinitt beschftigt, meist gar nicht oder nur am Rande wahrgenommen. Fr eine reiche regiolektale Gliederung des Lateinischen spricht etwa der Umstand der Ausdifferenzierung in die einzelnen romanischen Sprachen (neben dem Einfluss von Substratsprachen) sowie die reiche dialektale Gliederung innerhalb der einzelnen romanischen Sprachen mit teilweise wechselseitig nur schwer verstndlichen Dialekten.


Ebenso wie viele andere Kulturgter wurde das lateinische Alphabet aus Griechenland entlehnt, und zwar ber das altitalische Alphabet der Etrusker. In klassischer Zeit bestand das lateinische Alphabet aus den folgenden 23 Zeichen:


Geschrieben wurde, neben Steininschriften, auf Holz- und Wachstafeln (tabula cerata), Pergament oder Papyrus. Fr den Schreibvorgang auf den Wachstafeln dienten Griffel (stilus). Auf Papyrus wurde mit schwarzer und roter Tinte geschrieben. Die schwarze Tinte bestand aus Ru und einer Lsung von Gummi arabicum, die rote Tinte wurde auf Ocker-Basis (Rtel) hergestellt. Als Schreibgert diente ein Pinsel aus Binsen, in griechisch-rmischer Zeit ein Schreibrohr, griechisch κάλαμος (klamos), lateinisch calamus. Schriftwerke greren Umfangs wurden in klassischer Zeit auf Schriftrollen und Kodizes niedergeschrieben und durch Abschreiben vervielfltigt.


Der Wortakzent liegt im klassischen Latein bei mehrsilbigen Wrtern meist auf der vorletzten oder drittletzten Silbe. Die Entscheidung, welche Silbe bei mehrsilbigen Wrtern zu betonen ist, hngt allein von der vorletzten Silbe ab (Pnultimaregel).


Bis heute ungeklrt und Gegenstand der Diskussion ist die Frage, welcher Natur der lateinische Akzent war. Manche Wissenschaftler gehen von einem dynamischen Akzent bzw. Druckakzent wie etwa im Deutschen aus, bei dem die betonte Silbe lauter artikuliert wird. Fr diese Theorie sprechen die vielen Vokalschwchungen in lateinischen Wrtern, die fr unbetonte Silben in Sprachen mit Druckakzent typisch sind, z. B. facere (tun) und das hiervon abgeleitete deficere (abnehmen, verlassen, sterben) mit der Schwchung des Stammvokals von a zu i. Auch dass alle romanischen Sprachen einen dynamischen Akzent aufweisen, spricht fr diese Theorie.


Aus der Tabelle ist zu ersehen, dass die mittlere Position zwischen Stamm und Personalendung vom Tempus- und Modusmorphem eingenommen wird, whrend die letzte Position jeweils dem Suffix vorbehalten ist, das gleichzeitig Person, Anzahl und Diathese anzeigt. Im Prsens und Perfekt Indikativ ist das Tempuszeichen ein Nullmorphem (die Position ist also nicht besetzt). Bei einigen Futur- und Konjunktivformen wird der Stammvokal je nach Deklinationsklasse durch einen anderen Vokal ersetzt.


Die Funktionen der ersten vier oben genannten Kasus entsprechen grob den Funktionen, welche diese auch im Deutschen aufweisen: der Nominativ ist der Fall des grammatischen Subjekts, der Genitiv zeigt Besitzverhltnisse und hnliches an, der Dativ ist der Fall des indirekten und der Akkusativ der Fall des direkten Objekts.


Ebenso wie die Substantive zhlen auch die Adjektive im Lateinischen zu den deklinierbaren Wrtern. Ein groer Teil der Adjektive wird nach der ersten und zweiten Deklination gebeugt, wie sie weiter oben bereits fr Substantive vorgestellt wurde:


Daneben kennt das Lateinische auch viele Adjektive der dritten Deklination. Diese werden in der Regel wie I-Stmme gebeugt, wobei sie meist ein -em statt, wie bei den entsprechenden Substantiven, ein -im im Akkusativ Singular zeigen.


Latein hat seinen Namen von den Latinern, einem Volk im antiken Latium (heute ein zentraler Bestandteil der italienischen Region Lazio), zu dessen Zentrum sich seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. Rom entwickelte. Die frheste Form des Lateinischen, das Frhlatein, ist nur in einigen Inschriften wie dem Lapis Niger oder der Duenos-Inschrift aus dem 6. oder 5. Jahrhundert v. Chr. greifbar. Aus ihm entwickelte sich durch Rhotazismus, Vokalschwchungen und andere Vernderungen in Phonologie und Morphologie bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. das Altlatein, fr das mit den Komdien des Plautus und des Terenz (3./2. Jahrhundert v. Chr.) ein groes Textkorpus vorliegt.


Fr das 1. Jahrhundert v. Chr. und die Zeitenwende spricht man dann vom klassischen Latein. Es unterscheidet sich vom Altlatein hauptschlich durch Assimilationen und einige orthographische nderungen. Mit dem Aufblhen der rmischen Literatur in dieser Zeit konnte es sich zunehmend auch in Literatur und Wissenschaft gegenber dem (Alt-)Griechischen behaupten. Die Autoren der sogenannten Goldenen Latinitt, insbesondere Marcus Tullius Cicero und Vergil, wurden fr die weitere Entwicklung der Sprache mageblich.


Im Zuge der rmischen Expansion setzte sich Latein als dominierende Verkehrssprache im gesamten Rmischen Reich durch, wobei es im stlichen Teil des Reiches mit dem Griechischen konkurrierte und deshalb nur im Westen durch die Romanisierung, namentlich in Italien, in Gallien sowie in den Provinzen Hispania, Dacia und Africa zur Muttersprache der ansssigen Bevlkerung wurde. Im stlichen Mittelmeerraum hingegen war Latein zwar bis Herakleios die Sprache von Militr und Verwaltung, es konnte das Griechische als lingua franca allerdings niemals verdrngen. Gerade in der Sptantike drangen aber mehrere lateinische Wrter in den Wortschatz des Griechischen, der Verkehrssprache Ostroms, ein.


Whrend der Sptantike und der Vlkerwanderung verfiel schrittweise der lateinische Grammatikunterricht und damit der Gebrauch der lateinischen Schriftsprache. Der letzte rmische Kaiser, dessen Muttersprache Latein war, war Justinian (527 bis 565), und als letzter bedeutender lateinischer Poet des Altertums gilt sein Zeitgenosse Gorippus (um 550). Auch Gregor der Groe predigte um 600 noch in klassischem Latein und wurde offenbar von der rmischen Gemeinde verstanden.


Unter Karl dem Groen und seinem Berater Alkuin erlebte Latein jedoch eine Renaissance. In einer Anweisung aus dem Jahr 789 wurden alle Klster und Bischofssitze des Reiches angewiesen, Schulen zu unterhalten, in denen Latein unterrichtet werden sollte. Bald entstanden auch wieder neue literarische Werke in Latein wie etwa Einhards Karlsbiografie Vita Karoli Magni, die sich sprachlich und inhaltlich an antiken Vorbildern, insbesondere Sueton, orientiert. Weitere lateinische Autoren aus dem Mittelalter sind zum Beispiel Balderich von Bourgueil oder Hrotsvitha von Gandersheim.


Latein als Sprache der Gebildeten erreichte im Mittelalter auch in vielen Gebieten Europas Bedeutung, die auerhalb des einstigen Rmischen Reiches lagen, also nie lateinischsprachig gewesen waren. Hier hielt es mit der Christianisierung Einzug, denn es war die Sprache der Kirche, der Heiligen Messe und des theologischen Diskurses. An den seit dem 13. Jahrhundert aufkommenden Universitten West-, Nord- und Mitteleuropas war Latein die Verkehrs- und Wissenschaftssprache schlechthin. So schrieb der bedeutendste Autor des Hochmittelalters, Thomas von Aquin, Latein, das allerdings, da es fr die Scholastik typisch war, von den spteren Humanisten als steif und trocken empfunden wurde.


Mit dem Erstarken der Nationalsprachen seit dem 17. Jahrhundert verlor Latein mehr und mehr an Boden. Im deutschen Sprachraum erschienen im Jahre 1681 zum ersten Mal mehr Bcher auf Deutsch als in Latein.[3] Lateinische Belletristik wie der 1741 erschienene Roman Nikolai Klimii iter subterraneum des Dnen Ludvig Holberg war nunmehr die Ausnahme. Weiterhin wichtig blieb Latein aber als internationales Verstndigungsmittel in den Wissenschaften: Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler und Galileo Galilei verffentlichten ihre bahnbrechenden astronomischen Erkenntnisse in lateinischer Sprache, auch die Philosophiae Naturalis Principia Mathematica von Isaac Newton erschien 1687 auf Latein. Auch private Briefe zwischen Gelehrten wurden whrend des 17. und bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts auf Latein verfasst.[4] Die lateinische Expedition des Reichshofrats korrespondierte mit den Reichsstnden Reichsitaliens, des Burgundischen Reichskreises, den geistlichen Territorien, Universitten und Akademien auf Latein.[5] Die Amtssprache Polen-Litauens und Ungarns war bis Ende des 18. Jahrhunderts Latein.

3a8082e126
Reply all
Reply to author
Forward
0 new messages