626v. Chr. lie sich Nabopolassar nach einem erfolgreichen babylonischen Aufstand gegen Assyrien zum Knig ausgerufen und besiegte die Assyrer, deren Hauptstadt Ninive er 612 v. Chr. mit Hilfe der Meder zerstrte. Nebukadnezar II., sein Sohn, wehrte eine Invasion der gypter ab und regierte ber ein Gebiet von Palstina bis an den Persischen Golf. In seiner Regierungszeit stiegen Stadt und Reich zu neuer Blte auf.
Jedoch whrte diese Bltezeit nicht sehr lange. Knig Nabonid bestieg 556 v. Chr. den Thron Babylons. Er fhrte die von Nebukadnezar II. begonnenen Wirtschaftsreformen durch und entzog den Tempeln der Marduk-Priesterschaft die Lndereien. Zustzlich setzte er Sin, den Mondgott, als oberste Gottheit ein. Dies fhrte dazu, dass die ihm nun feindlich gesinnte Priesterschaft Babylons mit dem Perserknig Kyros II., der sich zu Marduk bekannte, bei dessen Eroberung der Stadt 539 v. Chr. kooperierte und mageblich an seinem Sturz und dem Babyloniens beteiligt war.
Lange Zeit nahm man in der Forschung an, Babylon habe unter den Seleukiden einen Niedergang erlebt und sei sptestens unter parthischer Herrschaft endgltig verlassen worden. Der rmische Kaiser Trajan soll hier um 115 n. Chr. nur noch Ruinen gesehen haben. Inzwischen sind aber Zweifel an dieser Sichtweise aufgekommen; so nennt der wohl im ersten Jahrhundert entstandene so genannte 1. Brief des Petrus (5,13) Babylon als einen Wirkungsort des Petrus, und in der Sptantike erwhnt Prokopios von Caesarea Babylon (De Aed. 1,1,53) als Produktionssttte von Asphalt. Wann genau Babylon jede Bedeutung verlor, wird daher inzwischen wieder kontrovers diskutiert. Der Hinweis im Petrusbrief wurde allerdings schon in der Antike als Hinweis auf Rom gedeutet, und die Bemerkung von Prokopios bezieht sich streng genommen auf Babylon zur Zeit von Semiramis.
Es wird geschtzt, dass Babylon von ca. 1770 bis 1670 v. Chr. und wiederum von ca. 612 bis 320 v. Chr. die grte Stadt der Welt war. Sie war vielleicht die erste Stadt, die eine Bevlkerung von mehr als 200.000 Einwohnern erreichte.[12]
Der Aufbau Babylons im dritten und zweiten Jahrtausend vor Christus ist wenig bekannt. Entsprechende Nachforschungen scheiterten lange Zeit am hohen Grundwasserspiegel in diesem Areal und in jngerer Vergangenheit an der Sicherheitslage im Irak.
Koldewey begriff schon bald nach Beginn seiner Ausgrabungen, dass die Grenangaben Herodots stark bertrieben waren, auch wenn der Umfang der Stadt mit 18 Kilometern immer noch imposant erscheint. Babylon war auf beiden Seiten des Euphrat errichtet. Die Stadt war von einer inneren Doppelmauer und einem ueren Mauerring auf dem Ostufer umgeben, die im Norden durch eine Festung noch zustzlich geschtzt wurden, welche auch als Sommerresidenz des Knigs diente.
Die eigentliche Stadt befand sich jedoch im Inneren der doppelten Befestigungsmauer mit einem rechteckigen Grundriss von 1,5 2,5 km. Das Ischtar-Tor, eines der neun Tore, kann man heute im Berliner Pergamonmuseum besichtigen. Direkt neben dem Tor stand der Ninmaḫ-Tempel. Eine Prozessionsstrae fhrte hindurch in die Stadt, vorbei am Palast des Knigs zum Marduktempel und dem Zikkurat von Etemenanki, besser bekannt als der Turm zu Babel.
Der von Nabopolassar (gestorben 605 v. Chr.) erbaute Palast hatte den des assyrischen Knigs Sanherib zum Vorbild. Er besa einen quadratischen Innenhof, drei kleine Privatrume und zwei groe Sle, war also von verhltnismig bescheidener Gre. Nebukadnezar II. (regierte 605 bis 562 v. Chr.) lie drei weitere identische Gebude errichten und sie durch Gnge mit dem ursprnglichen Komplex verbinden; eines von ihnen beherbergte den 52 Meter langen Thronsaal des Knigs. Daneben wurden neue Wohnrume fr die Bediensteten, aber auch Verwaltungs- und Vorratsrume gebaut. Vermutlich waren auch die Hngenden Grten dort untergebracht.
Der Tempel des Marduk mit dem Namen Esaĝila befand sich im heiligen Bezirk Babylons. Das Gebude war hnlich wie eine Festung mit quadratischem Umriss aufgebaut. Nach dem Betreten des Tempels kamen die Priester in den Raum, in dem sich die heilige Statue Marduks befand. In dem Heiligtum wurden jedoch auch viele andere Gtter verehrt, die alle Marduk dienen sollten. Neben dem Tempel ragte der zuvor bereits angesprochene Turm auf.
Wohnbauten konnten im Merkes-Viertel, das sich sdlich des Ischtar-Tores befand, ausgegraben werden. Vor allem die Huser der neubabylonischen Zeit waren gut erhalten: Bauten mit massiven Lehmziegelmauern und einem Hof im Zentrum.
Aus der Seleukidenzeit (3. bis 2. Jahrhundert v. Chr.) sind nur wenige Neubauten erhalten, doch sind berall in der Stadt Umbauten festzustellen. Eine griechische Inschrift (OGIS 253) aus dem Jahr 166 v. Chr. bezeichnet Antiochos IV. als Grnder Babylons, womit gemeint sein drfte, dass dieser Knig einen Teil der Stadt in eine griechisch-makedonische Polis umwandelte, wie er es auch in Jerusalem tat. Die neubabylonischen Huser im Merkesviertel sind im Laufe der seleukidischen Periode wieder bewohnt worden, nachdem sie anscheinend einige Zeit leer gestanden hatten. In einem Haus fanden sich im Hof vier Sulenbasen, die andeuten, dass dort ein Peristyl griechischen Stils eingebaut wurde. Die Sulen sind nicht erhalten, bestanden aber einst vielleicht aus Holz. Im selben Haus wurde auch ein Trdurchgang vermauert und eine Badewanne in der so entstandenen Nische eingebaut. Im Osten der Stadt wurde ein hellenistisches Theater errichtet, und die alten Palste wurden weiterhin benutzt, zeigen aber architektonische Elemente, die offensichtlich griechisch sind. In fast allen Palsten der Stadt fanden sich so Antefixe, die belegen, dass diese Bauten weiterhin benutzt und teilweise griechischem Geschmack angepasst wurden.
Bald nach der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. geriet Babylonien unter die Herrschaft der parthischen Arsakiden. Nach Aussage literarischer Quellen erlebte die Stadt unter den Parthern einen langsamen Niedergang, whrend gleichzeitig Ktesiphon zur wichtigsten Metropole im Zweistromland aufstieg. Allerdings gibt es vor allem in der Wohnstadt zahlreiche Befunde, die bezeugen, dass die Stadt weiter bewohnt wurde. Da die parthischen Schichten zuoberst liegen, sind sie aber meist nur schlecht erhalten. Es ist vor allem zu beobachten, dass die Straenfhrung der alten Stadt aufgegeben wurde und durch eine neue ersetzt wurde. Das griechische Theater bestand weiter und wurde sogar renoviert. Andere ffentliche Gebude knnen dieser Zeit bisher nicht mit Sicherheit zugeordnet werden. Aus den parthischen Schichten stammen viele Bestattungen, die vor allem unter den Fubden der Huser stattfanden. Da, wie erwhnt, noch Prokopios im 6. Jahrhundert Babylon mglicherweise als bewohnte Stadt erwhnt (siehe oben), scheint der Ort auch noch unter den Sassaniden besiedelt gewesen zu sein.
Obwohl Babylon seit jeher nicht nur bei Autoren der klassischen Antike, sondern auch bei vielen Reisenden auf groes wissenschaftliches Interesse stie, stellen doch erst die systematischen Ausgrabungen des Briten Claudius James Rich in den Jahren 1811 bis 1817 die Anfnge archologischer Aktivitten an diesem Ort dar.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Arbeiten mit Unterbrechungen weitergefhrt: 1830 fanden zwei Grabungskampagnen unter Robert Mignan statt, 1850 wurde Austen Henry Layard in Babylon aktiv, und ab 1851 begann ein drei Jahre andauerndes Groprojekt der Franzosen Fulgence Fresnel, Jules Oppert und Flix Thomas. Henry Creswicke Rawlinson fhrte 1854, wenn auch nur uerst oberflchlich, die Arbeiten seiner franzsischen Vorgnger fort. Auch William Beaumont Selby (1859), Henri Pacifique Delaporte (1862) und Hormuzd Rassam (1879) beschrnkten ihre archologischen Aktivitten in Babylon auf Kurzkampagnen.
1899 begann eine langfristig angelegte Forschungsmanahme im Auftrag der ein Jahr zuvor gegrndeten Deutschen Orient-Gesellschaft unter der Leitung des Architekten Robert Koldewey. Dieser betrieb erstmals fr die Archologie in Mesopotamien Bauaufnahmen, in der die Lage der einzelnen Steine und Mauern erkennbar blieb und nachfolgende Archologen daraus die Grundrisse in ihrer historischen Abfolge beurteilen knnen.
Abgesehen vom allgemeinen Interesse fr die freigelegten Grobauten waren vor allem die Grabungen im Wohngebiet Merkes (Markaz) durch ihre besondere Vorgehensweise fr die Fachwelt richtungsweisend. Neben anderen grub hier 1907 und 1908 Oscar Reuther, dem es primr um die Schichtenabfolge ging. Hierzu legte er Grabungsquadrate an, zwischen denen drei Meter breite Grabungsstege stehenblieben, an denen die Schichten beurteilt werden konnten. Nachdem stattliche Huser aus neubabylonischer Zeit zum Vorschein gekommen waren, ging man 1912 dazu ber, eine sich auf diese Schicht konzentrierende Flchengrabung durchzufhren.[15]
Die irakischen Aktivitten in Babylon konzentrierten sich auf Rekonstruktionen ffentlicher Bauwerke. Darber hinaus lie der irakische Diktator Saddam Hussein, der sich als Nachfolger des babylonischen Knigs Nebukadnezar II. verstand, fr sich einen neuen Palast bauen.
Nach dem Irakkrieg richteten US-amerikanische Truppen im April 2003 einen Sttzpunkt um Babylon ein, um die antike Stadt vor Plnderern und Grabrubern zu schtzen. Polnische Truppen stieen einige Monate spter hinzu und bernahmen am 3. September 2003 die Lagerfhrung. Der Sttzpunkt beherbergte bis zu 2000 Soldaten.
Beim Bau des Lagers wurden Flchen fr Park- und Hubschrauberlandepltze freigerumt und mit Schotter aufgeschttet. Zudem wurden Schtzengrben gebaut und Sandscke mit Sand aus den Ausgrabungssttten gefllt. Laut zweier Berichte des Konservators des British Museum John Curtis aus den Jahren 2003 und 2005 wurde die Ruinenstadt erheblich beschdigt. Unter anderem seien die Drachen des Ischtar-Tors bei dem Versuch eines Unbekannten, Steine herauszubrechen, in Mitleidenschaft gezogen worden. Zudem sei die 2600 Jahre alte gepflasterte Prozessionstrae durch die Befahrung mit schweren Militrfahrzeugen zerstrt worden.[16] Mohammed Tahir al-Shahk Hussein, Archologe des irakischen Staatsrates fr Antiquitten und Kulturerbe und ehemaliger Museumsdirektor, relativiert hingegen die Kriegsschden und sieht das grere Problem in den unter Saddam Hussein errichteten Neubauten.[17]
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