Re: Murir Seins Chic Xl

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Nichelle Gruger

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Jul 13, 2024, 7:49:26 AM7/13/24
to toetukenfa

Dank der Launen des Schicksals sind viele meiner Freunde ungefähr zehn Jahre jünger als ich und viele meiner Leser (von zompist.com oder dem ZBB oder meinen Büchern) sind 20 oder mehr Jahre jünger.

In der Avenida centrale, einer wundervollen Straße von derBreite des Newski-Prospekt in Petersburg, herrscht ein derartigesGedränge, daß man eine Stunde braucht, um zehn Schritte vorwärtszu kommen. Auf dem Fahrdamm reiht sich Automobil anAutomobil, von wo aus phantastisch kostümierte Männer undschöne Frauen einen wütenden Luftschlangen- und bisnaga-Kampf mit den Kopf an Kopf gedrängten Fußgängern ausfechten.Ein betäubender Ätherdunst erfüllt die Luft, tausende von sinnlicherregten Augenpaaren blitzen sich gegenseitig an, Geschrei undGelächter schallt von hüben und drüben, zwischen den Beinender Fußgänger flitzen die kleinen, braunen, unglaublich geschicktenbisnaga-Verkäufer mit ihrem stereotypen Ruf: seicente grammasun milreis cinquente!

Murir Seins Chic Xl


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Und trotzdem bestehe ich darauf, daß Chile europäischer istals Argentinien. Man hat das Gefühl, einer Kultur gegenüberzustehen,die sich zwar langsam, dafür aber von innen heraus entwickelt.Infolgedessen halten viele Chile für den eigentlichenZukunftsstaat von Südamerika. Hier ist alles vielleicht ein wenigungeschickt, aber fest gefügt. Man baut in Chile keine Kartenhäuser,und der amerikanische Begriff des bluff ist hier unbekannt.

Für den Geologen dagegen ist das ganze Gebiet, das mandurchfährt, eine Quelle ununterbrochenen Entzückens. Zuerstgeht es durch die Salpeterfelder mit ihrer weißlich schimmerndencaliche; dann durchquert die Bahn das Becken prähistorischerGebirgsseen, die aussehen, als seien sie mit Zucker bestreut. Es ist reiner Borax, der einer englischen Kompanie, die diese Felderausbeutet, hübsche Sümmchen jährlich abwirft. Sieht man denSchnee gelb schimmern, so weiß man, daß dahinter reicheSchwefelgruben stecken, und von den Zinn- und Silberminen,die ihren Besitzern fabelhafte Reichtümer einbringen, von denmerkwürdigen Schichten, in denen das kostbare Wolfram-Metallgefunden wird, läßt man sich von gesprächigen MitreisendenWunderdinge berichten. Staunend hört man die Erzählungen überSilberminen, die durch unrationellen Betrieb dahingebracht werden,daß das Grundwasser sie rettungslos zerstört. Die Arbeiterhämmern, bis an die Brust im Wasser stehend, das kostbare Erz los,bis das steigende Wasser sie oder die Mine ersäuft. Hier herrschtja überall fast noch reiner Handbetrieb. Große Maschinen lassensich in die fabelhaften Höhen, in denen das Erz lagert, nichthinauf bringen. Versucht man es, so kann es einem gehen, wieeiner englischen Gesellschaft im tropischen Goldgebiete Boliviens.Sie machte eine Maschinen-Anlage für Goldwäschereien amBenifluß, die Millionen und Abermillionen kostete und nicht betriebenwerden kann, weil alle wirtschaftlichen Vorbedingungendazu fehlen. Und die englischen Ingenieure mit dem verpulvertenKapital müssen dasitzen und zusehen, wie irgend ein alter Inländergegenüber am Fluß sozusagen mit einem Tellerchen seine 500 PesosGold monatlich aus dem Beni herauswäscht, während ihrekostbare Patentbaggermaschine hoffnungslos versandet.

Von der nächsten Station, dem Städtchen Sorata, das zumeigentlichen Ausgangspunkte unseres Tropenausfluges werdensollte, waren uns Maultiere entgegengeschickt worden. Da wireinen achtstündigen Ritt vor uns hatten, mußten wir uns beeilen.Gleich wenn man aus Achecachi hinausreitet, öffnet sich einwundervoller Blick auf den Llampu (in Geographiebüchern wirddieser indianische Name meist durch den spanischen Sorata ersetzt). In seiner ganzen Pracht liegt der Riese da. Die Kappevon blendendweißem jungfräulichen Schnee scheint sich bis zuder Höhe herabzuziehen, auf der wir uns befinden. Mit einerDeutlichkeit, als schaue man durch ein Zeissobjektiv, zeichnet sichjede Schneefalte der enormen Gletschergefilde vom blitzblauenHimmel ab. Noch ist seine einsame Höhe von keines MenschenFuß entweiht worden. Weder der Illimani, noch der Llampu sindbestiegen. Es hat's kaum jemand versucht. Oder doch! Vor wenigenJahren erschien in Begleitung zweier handfester, schweizerBergführer eine gletschersüchtige Engländerin in Bolivien, um diebeiden Herrscher der Kordillerenwelt zu bezwingen. Sie kamjedoch nicht weiter als bis zum ersten Schneesattel des Illimani, deraus unerfindlichen Gründen den Namen Paris trägt. Dieser Parisfand an der unternehmenden Britin keinen Gefallen. Er jagtesie mit allen Schrecken der Gletscherwelt, Schneestürmen, Bergkrankheitund Frost in die Flucht. Sie verschwand sang- und klangloserals sie gekommen war aus Bolivien, und ist vielleicht ebendabei ihren Spleen am Gaurisankar auszulassen.

Mit gesenkten Köpfen stehen die Lasttiere da, sie tragenschwerer als die Reitmulas unter den Bettsäcken, Proviantkistenund Felleisen, sogenannten petacas, die unsere übrigen Habseligkeitenenthalten. Große Geschäftigkeit entwickelt dieMannschaft, nämlich der Ariero, ein Cholo, d. h. Halbblutindianer,der spanisch spricht, obzwar kaum besser, als wir selbst undzwei waschechte Rothäute, deren Hauptbeschäftigung nachherdarin bestand, die entlaufenen Carga-Mulas wieder einzufangen,wobei sie mit affenartigem Geschick die halsbrecherischenFelsabhänge hinauf und hinunter klettern, um den Tierenden Weg abzuschneiden, denn von hinten läßt sich keine Mula,die etwas auf sich hält, einfangen, wie ich aus eigener bittrer Erfahrungweiß. Der Weg nach San Carlos war auf vier Tagereisenveranschlagt. Jeden Tag waren 45 bis 50 Kilometer zurückzulegen,was bei den kolossalen Steigungen als recht guteLeistung zu bezeichnen ist, weniger für uns als für die Tiere. Dietäglichen Wegstrecken mußten genau eingehalten werden, daaußer den vorgemerkten Nachtquartieren keine Behausungenweiter unterwegs anzutreffen waren.

Gegen Mittag setzt ein feiner Regen ein, der immer stärker undstärker wird. Endlich schüttet es wie aus Eimern. Der Weg ist soschlüpfrig und glatt, daß man jetzt selbst bei den gewagtestenPassagen den Mulahufen mehr vertraut, als den eigenen Stiefelsohlen.Man reitet gesenkten Hauptes, von der Hutkrempe gehtes von Zeit zu Zeit wie ein Sturzbach nieder. Gegen diesenWolkenbruch schützt auch der regendichte Poncho nicht. Manfühlt sich langsam aber sicher durchweicht, und sorgenden Blickssieht man, daß dasselbe Schicksal auch die Schlafsäcke auf dencarga-Tieren erreicht.

Um 4 Uhr am nächsten Morgen rasselte der sorglich aufeinem Emailleteller aufgestellte Wecker. Nicht ohne Bangentraten wir vor das Portal des Grand Hotel. Regnet es immernoch? Nein. Dem Schicksal sei Dank. Ein wolkenloser Sternenhimmelvon großartiger Pracht spannt sich über die Berge. Nochist es Nacht.

Was es mit den Inkas eigentlich für eine Bewandtnis hat, darüberhabe ich übrigens in Bolivien ebensowenig sicheren Aufschluß findenkönnen, wie in Europa. Die Geschichte des Landes setzt sichaus Legenden zusammen. Ziemlich allgemein nimmt man an, daßder Stamm der Inkas auf die Bemannung eines gestrandeten Normannen-Schiffeszurückzuführen ist, die wegen ihrer hellen Haareund Augen als Sonnenabkömmlinge angesehen wurden. In Perugibt es noch Indianer, die ihre Herkunft von den Inkas ableiten.Jetzt freilich ist ihre Haut braun, wie die der übrigen Indianer.Doch sind es alles auffallend schöne, hochgewachsene Gestaltenmit edlen reinen Gesichtszügen.

Den ganzen Weg, von Sorata an, war es uns aufgefallen, daß auf dem Gipfel jeder Steigung ein mächtiger Steinhaufen aufgeschichtetwar, von besonders riesigen Dimensionen bei den schwierigstenStellen, am Jachazani-Paß, beim Beginn des Amargurani-Abstiegs,hier am Tornillo. Don Botello gab uns die Erklärungdafür. Wenn der Indianer einen Berg emporsteigt, nimmt er injede Hand einen Stein, trägt ihn hinauf und legt ihn dann feinsäuberlich hin. Er glaubt, daß ihm das Steigen erleichtert wird,wenn er die Steine näher zur Sonne bringt. Psychologisch ist dieserAberglaube sehr verständlich und berechtigt. Der Indianer denktdie ganze Zeit während des Aufstiegs an seine Steine, und daslenkt die Aufmerksamkeit von der eigenen Erschöpfung ab. ImLaufe der Jahrzehnte bekommt ein jeder Gipfel auf diese Weiseein kunstloses, aber imposantes Denkmal. Bemerkenswert ist, daßdie Indianer ihre Steine oft in der Form eines Kreuzes anordnen.

Ein Grüner setzt sich W. auf den Rücken, Sch. bemerkt ihn,L. fängt ihn, ich töte ihn, als einziger Besitzer eines Ätherflakons,jeder beansprucht das Eigentumsrecht. Die Geschichte von denzwei Knaben mit der Nuß in komplizierterer Lesart!

Dort nicht weit am Fluß, z. B., sitzt ein Mann auf einer Hazienda,die ihm nicht gehört. In einem langwierigen Prozeß hat man ihmin La Paz schon vor sechs Jahren das Eigentumsrecht abgesprochen.Dennoch geht er nicht hinaus, sondern exploitiert die Reichtümerder Hazienda ruhig weiter. Was soll man mit dem Manne machen?Eines schönen Tages erschienen zwanzig Polizisten, um ihn zuverhaften oder zu vertreiben. Er ließ es darauf ankommen undsetzte sich mit seiner treuen Dienerschaft zur Wehr. Die Polizistenspielten die Klügeren und gaben nach, da sie in der Minderzahlwaren. Nach einigen Runden Cocktails schieden sie alsdie besten Freunde. Weiter hat der Vorfall keine Folgen gehabt.Man kann doch nicht wegen eines renitenten Haziendenbesitzersein Regiment Soldaten über die Kordillere schicken.

Diese Heimkehr war ein stolzer Anblick. Auf dem Mast desBootes wehte die grün-gelb-weiße bolivianische Flagge, hoch aufdem Sonnendach hockte ein mitgebrachter prächtiger, grauschwarzerAffe. Vorne am Bug auf einer Ladung mächtiger Gummiballenstand Don Carlos S., der reine Lohengrin, eine Hünenfigurmit kurzverschnittenem, blonden Bart, der wie ein Heiligenscheindas schwarzbraun gebrannte Gesicht umgab. Vier Monate warder Hausherr abwesend gewesen. Seine Frau begrüßte der blondeRiese mit einem Händedruck. Doch beider Augen leuchteten.Das ganze Personal der Hazienda überbot sich in Freudenäußerungenbei der Begrüßung. Da konnten wir nicht zurückstehen.Ein Trunk Löwenbräu besiegelte unsere Bekanntschaft. Dazuhörten wir allerlei interessante Geschichten über das Beni-Gebiet,Tapirjagden, Affenfang und ähnliches.

aa06259810
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