vor gut drei Wochen sind wir für die Abschaffung der Baujagd und gegen das Training von Jagdhunden mit lebenden Füchsen in Hanau auf die Straße gegangen. Dieses Thema hat über die letzten 18 Monate auch die Regierungskoalition in Niedersachsen beschäftigt. Die zuständige Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte hat sich mit unserer Forderung, das Training mit Füchsen in Schliefanlagen zu verbieten, nicht durchgesetzt. Allerdings wird, wenn der aktuelle Gesetzentwurf verabschiedet werden sollte, d ie oberste Jagdbehörde ermächtigt, u.a. die Details zur Ausbildung und Prüfung brauchbarer Jagdhunde eigenständig per Verordnung zu regeln. Hier wird also die Tür einen Spaltbreit für weitere Interventionen geöffnet. Die Jagd am Fuchsbau soll künftig - wie schon in einigen anderen Bundesländern - nur noch im Kunstbau möglich sein. Um der Landwirtschaftsministerin den Rücken hinsichtlich dieses Minimalkonsenses im Landtag zu stärken, haben wir in der vergangenen Woche unsere Petition zur Baujagd und zu Schliefenanlagen mit inzwischen fast 30.000 Unterzeichnern beim Petitionsausschuss Niedersachsen eingereicht.
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Unser Titelbild zeigt eine besonders perverse Art der Fallenjagd, die immer noch erlaubt ist und praktiziert wird. Dabei werden während der Aufzuchtzeit der Fuchswelpen sämtliche Ausgänge des Fuchsbaus entweder mit Drahtgitterfallen bestückt oder anderweitig verschlossen. Die Fuchswelpen sind dann - getrennt von der Fuchsmutter - im Bau eingesperrt und haben nur die Optionen sich fangen und töten zu lassen oder zu verhungern. Bis dahin können Tage vergehen. Die Chance, dass die Welpen von den Fuchseltern ausgegraben werden, ist gering. Auch dafür sorgt der Jagdausübungsberechtigte, wie der heutige Leiter der Jagdakademie des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz in seiner Abschlussarbeit zum Jagdwirt schreibt: Die ganze Brutalität der Jungfuchsfallen
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Es gibt aber auch positive Nachrichten, nämlich ein Video, welches vielleicht nicht nur Kinderherzen höherschlagen lässt: Wir haben einen kindgerechten Film produziert, der vor allen Dingen – aber nicht nur – Kindern Wildtiere näherbringen soll. Das Thema, passend zur Jahreszeit, ist die Brut- und Setzzeit. Was ist das überhaupt, Brut- und Setzzeit? Was bedeutet es für die Tiermütter und die Jungtiere? Wie kann ich während dieser sensiblen Zeit Rücksicht auf die Tiere nehmen? Falls Sie mit Kindern arbeiten oder selbst Kinder haben, würde uns interessieren, wie das Video angekommen ist. Antworten Sie einfach auf diese Newsletter.
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Pünktlich zur Setzzeit der Rehe hat Wildtierschutz Deutschland das wohl umfassendste Verzeichnis der Rehkitzretter in Deutschland auf seiner Website veröffentlicht. Alle nach Postleitzahl auffindbaren Wildtier- und Rehkitzrettungsteams sind dort mit Kontaktdaten gelistet. Das Verzeichnis soll es Landwirten bundesweit einfacher machen, erfahrene Drohnenpiloten zur Mahd der eigenen Flächen zu kontaktieren und zu engagieren. Aber auch engagierte und tierschutzaffine Menschen, die Drohnenpiloten bei ihrer wichtigen Arbeit unterstützen möchten, können darüber entsprechende Teams kontaktieren.
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Auch von unserer Waldwiese haben wir gute Nachrichten: Im Spätherbst hat eine Wildschweinrotte sich auf unserer Waldwiese im Taunus so wohl gefühlt, dass man hinterher nicht mehr von Wiese sprechen konnte (Bild oben links). Unsere bodenschonenden Maßnahmen aus dem April (die beiden unteren Bilder) tragen bereits Früchte: Die blühende Wildäsungsmischung als Nachsaat keimt schon (oberes Bild rechts). Wir haben uns, nachdem die Wildschweine bei uns auf Nahrungssuche waren, gegen das Eintreiben eines so genannten „Wildschadens“ entschieden und für eine Nachsaat, bestehend aus einer proteinreichen Leguminosen-Körner-Mischung. Man sieht schon die kleinen aufgehenden Samen, wobei die einzelnen Arten zeitversetzt keimen und sich sehr über den ersten Regen gefreut haben.
Die Wildmischung (bestehend aus Alexandrinerklee, Bitterstoffarmen Lupinen blau, Buchweizen, Hafer, Herbstrübe, Inkarnatklee, Kulturmalve, Markstammkohl, Öllein, Perserklee, Phacelia, Rotklee, Saatweizen, Schwarzhafer, Schwedenklee, Waldstaudenroggen, Winterraps Akela und Winterraps Mosa/Fonta) eignet sich besonders für unsere Fläche, da die Komponenten auch bei einem niedrigen pH-Wert gedeihen. Sie bietet allen Wildtierarten und den Insekten eine ganzjährige, wiederkäuergerechte und energiereiche Äsung.
In 6-8 Wochen wird man die Nachsaat in voller Pracht sehen können, dazu halten wir Sie dann mit Bildern auf dem Laufenden.
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Die Mehlschwalben, jene kleinen schwarzweißen Schwalben, von deren Art eine einzigartig große Kolonie in Biblis am ehemaligen AKW heimisch war, sind aus Afrika zurückgekehrt. Ihre Nester (für ca. 800 Individuen!) sind mit dem Fall der Kühltürme in den Schuttmassen untergegangen. Für die absolut standorttreuen Vögel bedeutet das, nach dem wochenlangen erschöpfenden Flug, anzukommen und am gewohnten Ort keine Heimat mehr vorzufinden.
Seit Wochen werden über der Fläche, wo einst ihr Zuhause war, umherfliegende Mehlschwalben beobachtet. Es ist genau das eingetreten, was wir gemeinsam mit Gebäudebrüter-Fachpersonen prognostiziert und befürchtet haben: Die Schwalben haben bisher die als „Ersatzmaßnahmen“ bezeichneten niedrigen Schwalbentürme nicht angenommen. Der Energiekonzern RWE steht hinter diesen aus unserer Sicht völlig unzureichenden Experimenten, die erstaunlicherweise von der unteren Naturschutzbehörde akzeptiert wurden.
Wir hatten in den letzten Wochen über die verschimmelten Schwalbentürme berichtet. Inzwischen wurden ergänzend sogenannte „freiwillige Maßnahmen“ aufgestellt. Bei diesen Konstruktionen waren wir im Vorfeld zu einem Austauschgespräch mit den Verantwortlichen eingeladen und nahmen an einer gemeinsamen Flächenbegehung teil. Anschließend äußerten wir unsere starken Bedenken und begründeten diese. Unser fachlicher Rat wurde völlig ignoriert und am Rheinufer wurde eine Konstruktion gebaut, die für diese Art und die damit verbundenen Habitatbedürfnisse, die erfüllt sein müssen, damit eine Population stabil bleibt und wachsen kann, nicht geeignet ist.
Wir kämpfen seit mehreren Monaten dafür, dass für diese bedrohten Rote-Liste-Zugvögel ein Ersatz an den Fassaden der Gebäude auf dem AKW-Rückbaugelände geschaffen wird. Wir bleiben weiter an dem Thema und begleiten die Entwicklungen in den kommenden Wochen aufmerksam. Hier unsere letzten Beiträge zum Thema.
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Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie uns weiterhin auf dem steinigen Weg für ein konfliktfreies Leben mit Wildtieren begleiten. Wir bleiben für Sie am Ball, informieren und setzen uns für die Abschaffung der Jagd und den Schutz von Wildtieren und für ihre Lebensräume ein.
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Herzliche Grüße,
Lovis Kauertz & und das Wildtierschutz-Team Wildtierschutz Deutschland e.V.
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Bilder: Jo Kurz (Fuchsfalle), Wildtierschutz Deutschland, Adobe Stock (Mehlschwalben),unten: privat | Wildtierschutz Deutschland e.V. ist beim Amtsgericht Mainz im Vereinsregister 40782 eingetragen. Der gemeinnützige Verein ist nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Körperschaftssteuer befreit (Steuernummer 08/667/0522/6, Finanzamt Bingen-Alzey). Impressum | Datenschutz. Spenden und Mitgliedsbeiträge können steuerlich geltend gemacht werden.
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