Ein gutes Neues Jahr wünsche ich Euch allen, und dass ihr wahres Glück findet.
On Sun, Dec 30, 2007 at 02:54:17AM -0800, viriy...@gmail.com wrote:
>
> Liebe Freunde,
>
> 1. M 28: "Die materielle Form sind die vier großen Elemente und die
> Form, die von ihnen abstammt (und die Form, die durch Ergreifen
> präsent ist)."
> Elemente ist die gängige Übersetzung - Erlebensqualitäten - wäre viel
> besser. Aus vielen "Pixeln" (hat-weich, kalt-warm, etc.) entsteht in
> uns der Eindruck von Substanz/Materie "innen" wie "außen". Diese
> erscheint tastbar und von relativer Dauer.
> M 28 (zusammengefasst): "Nun ist sowohl die innerliche
> Erlebensqualität als auch die äußerliche Erlebensqualität einfach -
> Erlebensqualität."
>
> Frage: Was bedingt rupa?
Vielleicht presche ich hier etwas vor, aber in der bedingten Entstehung wird
Nama-Rupa (also die Daseinsgruppen) durch das Bewusstsein (Viññana) der sechs
Sinne bedingt. Und nama-rupa wiederum bedingt Berührung (der sechs Sinne), die
"sechs Sinnesbereiche".
http://palikanon.com/samyutta/sam12_10.html#s12_2
Interessante Sandwich-Position der Khandhas zwischen dem Sinnesbewusstsein und
der Sinnesberührung.
> 2. Die Zählung von Vedana unterscheidet sich in den Sutten je nach
> Erklärungsmodell das gerade gebraucht wird von 2 bis 108 (M 59)
> Im Zusammenhang mit den Daseinsgruppen scheint mir diese besondes
> interessant:
> S 12,25: "Ananda, ist der Körper da, entstehen aufgrund von auf den
> Körper bezogenen Willensregungen innerlich Freude und Leid; ist
> Verbalisierung da, entstehen aufgrund von auf die Verbalisierung
> bezogenen Willensregungen innerlich Freude und Leid; ist Geist da,
> entstehen aufgrund von auf den Geist bezogenen Willensregungen
> innerlich Freude und Leid."
>
> Frage woher kommt Vedana?
"Was aber ist die bedingte Entstehung der Gefühle? Durch den Sinneneindruck ist
die Entstehung der Gefühle bedingt." (Sinneseindruck ~ Berührung der Sinne ~
"sechs Sinnesbereiche")
http://palikanon.com/angutt/a06_061-064.html#a_vi63
> 3. Für-wahr-nehmen:
> D 22: "Die Wahrnehmung von Gesehenem, von Geräuschen, von Gerüchen,
> von Geschmäckern, von Getastetem und von Gedachtem in der Welt ist
> erfreulich und angenehm und hier entsteht das Begehren und setzt sich
> fest."
>
> S 22,95: "Angenommen im letzten Monat der heißen Zeit, zu Mittag,
> erschiene eine Luftspiegelung. (...) Welchen Kern könnte eine
> Luftspiegelung auch haben? (...) Ebenso mit der Wahrnehmung (...)"
>
> Frage: Ist Sanna isoliert zu betrachten?
Nein - Wahrnehmung ist auch durch Berührung bedingt. (gleiche Lehrrede wie
oben, ein Abschnitt weiter unten).
Und mal ganz oberflächlich: Ich reagiere ja immer auf meine Wahrnehmung,
entweder mit Gier (will ich haben), mit Hass (will ich nicht haben), oder mit
Verblendung (ich mache mir etwas vor, was gar nicht so ist).
> 4. Vorbereitungen (sankhara) - so wurden im alten Indien auch die
> Vorbereitungen der Schauspieler hinter der Bühne genannt.
>
> S 22,79: "Und warum spricht man von absichtsvollem Gestalten? Sie
> brauen das Gestaltete zusammen. (...) Sie gestalten bedingt
> entstandene Form zu (meiner) Form. (...)"
>
> S 22,81: "Der unbelehrte Weltmensch (...) betrachtet Form, (...) als
> Selbst. Dieses Dafürhalten ist absichtsvolles Gestalten. (...) wird
> der unbelehrte Weltmensch von einem aus mit Nichtwissen verbundenen
> Kontakt berührt, entsteht Begehren in ihm, so kommt es zu
> absichtsvollem Gestalten."
>
> S 22, 56: "Und was Bhikkhus ist absichtsvolles Gestalten (sankhara)?
> Es gibt diese sechs Klassen von Willensregungen (sañcetana): Absicht
> bezüglich Formen, bezüglich Tönen, bezüglich Gerüchen, bezüglich
> Geschmäckern, bezüglich tastbarer Objekte, bezüglich geistiger
> Phänomene."
>
> Frage: Wodurch wird Wollen (Absicht) überwunden?
http://palikanon.com/samyutta/sam12_40.html#s12_38
"Wenn einer aber nicht denkt, ihr Bhikkhus, und nichts beabsichtigt und auch
nicht (bei den Dingen) verharrt, - so entsteht damit keine Grundlage für den
Bestand des Bewußtseins"
So nach dem Motto, "mach dir nichts draus"? - keine Ahnung, wie man das
bewerkstelligen soll. Beim Meditieren mag das ja manchmal hinkommen.
> 5. Wohlerfahrungssuche und/oder Bewußtsein?
>
> M 28: "Wenn das Auge, Freunde, innerlich funktionsfähig wäre, doch
> keine äußeren Formen ins Gesichtsfeld träten und es keine
> entsprechende Hinwendung gäbe, dann würde es kein Erscheinen der
> entsprechenden Klasse von Bewußtsein geben. Wenn aber das Auge
> innerlich funktionsfähig wäre und auch äußere Formen ins Gesichtsfeld
> träten, doch es keine entsprechende Hinwendung gäbe, auch dann würde
> es kein Erscheinen der entsprechenden Klasse von Bewußtsein geben.
> Doch wenn das Au-ge innerlich funktionsfähig ist und auch äußere
> Formen ins Ge-sichtsfeld treten und es die entsprechende Hinwendung
> gibt, dann gibt es ein Erscheinen der entsprechenden Klasse von
> Bewußtsein. Und jede Form in einem, der in einem solchen Zustand ist,
> ist in der Formengruppe des Aufgreifens eingeschlossen; jedes Gefühl
> in ihm ist eingeschlossen in die Gefühlsgruppe des Aufgreifens; jede
> Wahrnehmung in ihm ist eingeschlossen in die Wahrnehmungsgruppe des
> Aufgreifens; jede Gestaltung in ihm ist eingeschlossen in die
> Gestaltungsgruppe des Aufgreifens und jedes Bewußtsein in ihm ist
> eingeschlossen in die Bewußtseinsgruppe des Aufgreifens. Und er
> versteht: "So kommt das Einschließen, Zusammensammeln und Anhäufen zu
> diesen fünf Gruppen des Aufgreifens zustande.""
>
> Frage: Ist vinnana ein khandha wie alle anderen?
Es hat einen eigenen Platz in der Bedingten Entstehung, und taucht dann nochmal
unter "nama rupa" auf - so eine art Rückkopplung? Ein Verstärker?
Cheers,
Florian
On Thu, Dec 20, 2007 at 09:26:21AM -0800, viriy...@gmail.com wrote:
>
> Liebe Freunde,
>
> sankharupadanakkhandha (Daseinsgruppe des absichtsvollen Gestaltens
> belastet durch Ergreifen),
Sankhara - Gestaltungen - sind für mich so ein sehr schwammiger Begriff,
und in Dhamma-Diskussionen werden sie auf alle möglichen Weisen definiert.
Ein Begriff von Sankhara, der mir das Verständnis etwas erschlossen hat, ist
"Verhaltensmuster".
Es gibt ja gemäss M.9 drei Ausprägungen davon - körperliche Gestaltungen,
sprachliche und geistige.
Bei den geistigen und verbalen Sankharas kann ich nachvollziehen, wie ich mir
eine Gedankenwelt aufbaue, sie *ergreife*, und dann *werde* ich dahinein
*geboren*: in einer Situation, in die ich mich hineinmanövriert habe. Aber bei
den Körperlichen sehen ich diesen Ablauf nicht so ganz, ausser im Sinne der
körperlichen Geburt.
Was meint Ihr dazu?
Cheers,
Florian
On Thu, Feb 28, 2008 at 09:51:10AM -0800, viriy...@gmail.com wrote:
>
> Vermischt man beide Modelle kommt man auf Ideen wie die mit der
> Sandwichposition.
Danke, viel klarer jetzt.
> Sanna ist untrennbar mit phassa und vedana verbunden und insofern
> bedeutet die Umschichtung unserer Tendenzen auch eine
> Wahrnehmungsänderung. Der Trick der Läuterung oder dem Reinen ist
> alles rein den Schweinen alles schwein.
Hat Sanna auch etwas mit Erinnerungen und Erfahrungen und Konditionierung zu
tun?
> Vinnana ist durch Gier an die anderen 4 khandhas gebunden und hat
> insofern eine Sonderposition:
> S 22,3: "Das Formelement, Hausvater, ist das Haus des Bewußtseins. das
> durch Gier an das Formelement gebundene Bewußtsein aber wird "sich im
> Hause ergehend" genannt. Das Gefühlselement (...) Das
> Wahrnehmungselement (...) Das Element des absichtsvollen Gestaltens
> ist das Haus des Bewußtseins. Das durch Gier an das Element des
> absichtsvollen Gestaltens gebundene Bewußtsein aber wird "sich im
> Hause ergehend" (okasara) genannt." Eine andere mögliche Übersetzung
> wäre: oka = fig. Raum für etwas, Möglichkeit; sara = bewegen =>
> "Bewußtsein aber wird "Raum für Bewegung gebend" genannt." Vergl. im
> Gegensatz dazu den stillen Geist des Erwachten, dessen Bewußtsein
> nicht länger durch Gier an die anderen vier khandha gebunden ist, sich
> nicht mehr auf sie stützt.
>
> Auch wenn sich momentan nur Florian an unserer Diskussion beteligen zu
> scheint hoffe ich doch, daß das eben geschriebene zu einer klareren
> Sichtweise der khandhas bei allen Lesern beiträgt.
Tja -
Wie wäre es mit Vorschlägen zum weiteren Vorgehen? Soll Viriya uns weiterhin
mit unermüdlicher Energie füttern? Er macht das sehr gut, und dadurch scheinen
wir ein wenig träge, matt und müde geworden zu sein, wenn er mal wenig Zeit für
uns hat.
Wollen wir mal jeder die *eine* Frage zum Dhamma stellen, die sie oder ihn am
meisten beschäftigt? Muss ja nicht in direktem Zusammenhang zu den bisherigen
Diskussionen stehen. Solange es um die Lehre des Buddha geht, ist es hier
angebracht, denke ich.
Nehmen wir und doch jeder einige Tage Zeit, sich eine Dhamma-Frage zu
formulieren, bis Mittwoch vielleicht.
Das belebt diese Liste bestimmt.
Vorausgesetzt, Viriya ist einverstanden.
Cheers,
Florian
On Fri, Mar 14, 2008 at 02:22:30AM -0700, viriy...@gmail.com wrote:
>
> den Bereich sanna faßt man wohl am Besten mit "Wiedererkennen"
> zusammen insofern natürlich Erinnerungen, Erfahrungen.
> Konditionierungen ja, insofern man konditioniert wird einen Stift als
> Stift zu erkennen. Bei manchen Hinschädigungen wird der Stift (z.B.)
> nur als Stift wiedererkannt wenn er senkrecht gehalten wird, nicht
> aber in einer anderen Position.
> Konditionierungen nein, wenn Du damit asava und anusaya meinst die
> nichts anderes als die Gier sind die das Bewußtsein an nama-rupa
> bindet.
Okay.
Bewusstsein, das an nama-rupa gebunden ist - damit meinst Du nicht Viññana als
eines der Khandhas oder doch?
> Ich finde Deine Idee mit der Fragenrubrik sehr gut, allerdings glaube
> ich nicht, daß das unsere komatösen Freunde aufwecken wird. :)
> Wie dem auch sei ich spiele auch gern mit Dir alleine weiter.
Wird schon wieder.
Wie läufts im Waldkloster? Ich lese Euren Newsletter, daraus schliesse ich,
dass Du sehr beschäftigt sein musst.
Cheers,
Florian
Danke - ich habe es auf der dhamma-dana.de Seite gefunden. Falls es noch
jemand gesucht hat:
http://www.dhamma-dana.de/buecher.htm#nanananda
Cheers,
Florian