Dein letztes mail war so wesentlich, daß wir hier ein neues Faß
aufmachen sollten auch wenn wir bei der Samma-Ditthi Sutta M9 nochmal
drauf kommen.
Nicht-Wissen (avijjaa)
Wenn der edle Schüler Nicht-Wissen versteht (...) Was ist nun das
Nicht-Wissen, was ist der Ursprung des Nicht-Wissens, was ist die
Auflösung des Nicht-Wissens, was ist der zur Auflösung des Nicht-
Wissens führende Weg? Das Leiden nicht verstehen, die
Leidensentwicklung nicht verstehen, die Leidenserlöschung nicht
verstehen, den zur Leidenserlöschung führenden Weg nicht verstehen,
das nennt man Nicht-Wissen. Die Entwicklung der Einflüsse bedingt
zugleich auch die Entwicklung des Nicht-Wissens; hören die Einflüsse
auf, hört auch das Nicht-Wissen auf. (...)
Einflüsse (aasava)
Wenn der edle Schüler die Einflüsse versteht (...) Was sind nun die
Einflüsse, was ist der Ursprung der Einflüsse, was ist die Auflösung
der Einflüsse, was ist der zur Auflösung der Einflüsse füh-rende Weg?
Drei Einflüsse gibt es: Den Einfluß des sinnlichen Verlangens, den
Einfluß des Ich-Werden-Wollens, und den Einfluß des Nicht-Wissens. Die
Entwicklung des Nicht-Wissens bedingt zugleich auch die Entwicklung
der Einflüsse; hört Nicht-Wissen auf, hören auch die Einflüsse auf.
Der Weg, der zum Erlöschen der Einflüsse führt, ist aber gerade der
Edle Achtfache Pfad nämlich: Rechte Ansicht, Rechte Gesinnung, Rechte
Rede, Rechtes Handeln, Rechter Lebenserwerb, Rechte Anstrengung,
Rechte Achtsamkeit, Rechte Sammlung.
Wenn ein edler Nachfolger die Einflüsse so verstanden hat, den
Ursprung der Einflüsse, die Auflösung der Einflüsse und den zur
Auflösung der Einflüsse führenden Weg, gibt er die zugrundeliegende
Neigung zur Lust vollständig auf, er hebt die zugrundeliegende Neigung
zur Abneigung auf, er rottet die zugrundeliegende Neigung zur Ansicht
und zur Einbildung ,,Ich bin" aus und durch das Zurücklassen von Nicht-
Wissen und dem Erwecken von wahrem Wissen macht er hier und jetzt dem
Leiden ein Ende. Auch auf diese Weise ist ein edler Schüler einer mit
rechter Anschauung, dessen Ansicht gerade ausgerichtet ist, der
vollkommenes Vertrauen in das Dhamma hat und der bei diesem wahren
Dhamma angekommen ist."
Die aasavas bemerken wir an ihrer Auswirkung im Geist, erst durch die
ihnen entsprechende Gefühlsresonanz auf einen Reiz - was man fühlt,
das nimmt man wahr, was man wahrnimmt, desssen ist man sich bewußt
(alt.: darüber denkt man nach), wessen man sich bewußt ist, das
breitet man aus.
Etwa wie in M1 beschrieben: "Er nimmt das Gesehene als das Gesehene
wahr. Nachdem er das Gesehene als das Gesehene wahrgenommen hat,
stellt er sich das Gesehene vor, er macht sich Vorstellungen über das
Gesehene, er macht sich Vorstellungen vom Gesehenen ausgehend, er
stellt sich vor ,,das Gesehene ist mein", er erfreut sich am Gesehenen.
Warum ist das so? Weil er es nicht vollständig durchschaut hat, sage
ich."
An Unwissen jedoch kommen wir nicht einmal mittelbar ran, sowenig als
wollten wir mit einer hellen Lampe auf dem Kopf die Dunkelheit finden.
Allerdings jedoch können wir sie "aushungern" und das ist von größter
praktischer Bedeutung: "Und was ist die ernährende Bedingung der
Unwissenheit? >>Die fünf Hemmungen<<, hätte man zu antworten ..."
Nur wenn es uns gelingt die Hemmungen möglichst lange auszuschalten
wird Klarwissen überhaupt möglich.
M 148: ,,Daß man hier und jetzt dukkha ein Ende bereiten wird, indem
man die Neigung zur Begierde nach angenehmen Gefühl überwindet, indem
man die Neigung zur Abwehr gegenüber unangenehmen Gefühl vernichtet,
indem man die Neigung zur Unwissenheit in Bezug auf werder-angenehmes-
noch-unangenehmes Gefühl ausrottet, indem man Unwissenheit überwindet
und wahres Wissen erweckt - dies ist möglich."
Servus
Viriya
Auch ich bin, ähnlich Petra, z.Z. mit meinen Gedanken nicht so gut
bei der Sache, da ich Ende September umziehen werde und in diesen
Tagen “ intensiv “ auf Wohnungssuche bin … möchte aber doch eine
Mitteilung “absetzen“, um die Kontinuität zu erhalten …
Ich mach’ mich ’mal ans “Unwissenheitsfass“, da das teilweise eins
“ohne Boden“ ist bzw. ergiebig bzw. auffüllungsbedürftig bzw. (je
nach Gesichtspunkt) entleerungsbedürftig …
So grundsätzlich als Eingangs“weisheiten“ fallen mir da z.B. ein,
dass das was man nicht weiß für den Betreffenden auch nicht existiert
( allerdings wiederum existiert etwas nicht schon gleich deswegen,
nur weil man es nicht weiß …oder das Etwas ja nicht gleich stimmen
muss, nur weil man es weiß …).
>>> Unwissenheit kann man “aushungern“ <<< … ihr keine neuen Unwissenheiten zuführen …D. h. z.B. “prüfen“ ob das was man sieht, hört, … bzw. ( selber ) denkt [ wobei mir schon klar ist dass man nur bei sich selber denken kann und nicht für ( “in“ ) Andere(n) ] auch wirklich so ist wie es “ ’rüberkommt “.
Andere >>> ernährende Bedingungen <<< der Unwissenheit sind z.B. die 5
Hemmungen (ich nehme ’mal Nyanatiloka’s Übersetzungen): Sinnenlust,
Hass, Starrheit und Mattigkeit, Aufgeregtheit und Gewissensunruhe,
Zweifelsucht.
>>> Doch auch die fünf Hemmungen, sage ich, haben eine sie ernährende Bedingung, sind nicht ohne solche Bedingung <<< ( A.X.61-62) …Wobei auch diese Bedingung der Bedingung eine Bedingung hat etc. bzw. dann wieder zur Unwissenheit zurückläuft bzw. die Unwissenheit sich dann in ( z.B. ) Daseinsdurst äußert ( bhava-taṇhā ).
Die “Dinge“ gehen eben ineinander über, stecken sich an …“schießen an“
wie Schneekristalle …bzw. verlaufen in riesigen (sich wiederholenden,
kreisförmigen ) Zyklen ( “Saṃsāra“ ) …
Von den (in M9) am Ende genannten ( 3 hauptsächlichen) *Āsavas*
[ KEN: Sinnlichkeitstrieb, Daseinstrieb, Nichtwissenstrieb
( kāmāsavo, bhavāsavo, avijjāsavo ) ] ist der * taint of ignorance *
sozusagen (bzw. auch wegen seiner “Vormachtstellung“ im *
Paṭiccasamuppāda * ) der hauptursächliche … Gleichzeitig ist er auch
die siebente der von Dir in Deinem Post vom 23.7. ( bei Rechter
Geistesgegenwart ) angesprochenen latenten Tendenzen ( * Anusaya * )
… Wobei Anusaya auch das Wort ist das ( im Palitext ) für *Neigung*
an der Stelle steht, die Du ( hier im Unwissenheit-thread ) anführst
( aus M148 ) :
>>> Daß man hier und jetzt dukkha ein Ende bereiten wird, indem
man die Neigung zur Begierde nach angenehmen Gefühl überwindet, indem
man die Neigung zur Abwehr gegenüber unangenehmen Gefühl vernichtet,
indem man die Neigung zur Unwissenheit in Bezug auf werder-
angenehmes-
noch-unangenehmes Gefühl ausrottet, indem man Unwissenheit überwindet
und wahres Wissen erweckt - dies ist möglich <<<
Das mit der >>> Neigung ( latenten Tendenz ) zu Unwissenheit
gegenüber weder-angenehmen-noch-unangenehmen Gefühlen <<< ist Art
paradox … Was muss man ( denn ) schon “ groß wissen “, könnte man
denken, hinsichtlich eines Gefühls das weder-angenehm-noch-unangenehm
ist …man fühlt es doch, sozusagen, eh' nicht … Man kann es doch,
sozusagen, ignorieren … ( bzw. tut es, in einem gewissen Sinne, ja
auch ) …
“Interessant“ ist die engl. Übersetzung von Unwissenheit mit
*ignorance*, was wiederum mit *Ignoranz* zu tun hat … Im Palitext
( bei der oben zitierten Stelle aus M148 ) steht für >>> Neigung zur
Unwissenheit <<< * avijjānusayo * …
Neigung zu Unwissenheit ist ( auch ) Neigung zu ignorieren … Speziell
in dem Fall, wenn es um “ unangenehme“ Wahrheiten geht … auch noch
Einen selbst betreffend … Aber das kann “ uns “ Buddhisten ja gar
nicht passieren … Wir wissen ja ( “ahnen stark“ ), dass es ja gar kein
Selbst gibt ….
aki
On Sun, Jul 29, 2007 at 11:20:58PM -0700, viriy...@gmail.com wrote:
>
> An Unwissen jedoch kommen wir nicht einmal mittelbar ran, sowenig als
> wollten wir mit einer hellen Lampe auf dem Kopf die Dunkelheit finden.
>
> Allerdings jedoch können wir sie "aushungern" und das ist von größter
> praktischer Bedeutung: "Und was ist die ernährende Bedingung der
> Unwissenheit? >>Die fünf Hemmungen<<, hätte man zu antworten ..."
>
> Nur wenn es uns gelingt die Hemmungen möglichst lange auszuschalten
> wird Klarwissen überhaupt möglich.
Auch die Hemmungen können offenbar ausgehungert werden:
Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen eines noch
nicht erschienenen Wunscheswillens und für Entfaltung und Reifwerden eines
erschienenen? Man kann sich, ihr Mönche, Unschönes vorstellen: was dabei an
gründlicher Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist jener Nahrungsentzug für
Wunscheswillen.
Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen eines noch
nicht erschienenen Hasses und für Entfaltung und Reifwerden eines
erschienenen? Es gibt, ihr Mönche, liebreiche Gemüterlösung: was dabei an
gründlicher Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist jener Nahrungsentzug für
Haß.
Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen von noch
nicht erschienener matter Müde und für Entfaltung und Reifwerden
erschienener? Es gibt, ihr Mönche, die Art des Aufraffens, die Art des
Ausbrechens, die Art des Transzendierens: was dabei an gründlicher
Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist jener Nahrungsentzug für matte Müde.
Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen von noch
nicht erschienener Erregung und Unruhe und für Entfaltung und Reifwerden der
erschienenen? Es gibt, ihr Mönche, ein Zur-Ruhe-Kommen des Gemütes: was dabei
an gründlicher Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist jener Nahrungsentzug
für Erregung und Unruhe.
Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen von noch
nicht erschienenem Zweifel und für Entfaltung und Reifwerden von
erschienenem? Es gibt, ihr Mönche, heilsame und unheilsame Dinge, tadelhafte
und untadelige Dinge, niedere und erlesene Dinge, es gibt Dinge mit dem
Gegensatz von Dunkel und Hell: was dabei an gründlicher Aufmerksamkeit sich
ausbreitet, das ist jener Nahrungsentzug für den Zweifel.
http://palikanon.com/samyutta/sam46.html#s46_51
Cheers,
Florian
erstmal zur Begriffsklärung, damit wir eine gemeinsame Grundlage haben
und alle wissen worüber gesprochen wird:
Aasava: „Das was fließt“ (hinein oder hinaus); Einflüsse, Ausflüsse,
Eitergeschwüre, Exudat, Ferment, Lecks, Impulse, Eruptionen,
Verdunkelungen. Unbewusst entstandene geistige Verunreinigungen, dem
aufmerksamen Geist im Moment des Auftretens direkt erkennbar.
Gewöhnlich werden drei, manchmal vier (z.B. D 16) genannt: kaamaasava
(Einfluß durch die Neigung zur Sinnlichkeit); bhavaasava (Einfluß
durch die Neigung zum Werdesein); ditthaasava (Einfluß durch das
Verlangen nach falschen Anschauungen); avijj¤sava (Einfluß durch die
Neigung zum Nicht-Wissen). Sie speisen sich aus dem Reservoir der
anusaya.
A III, 25: „Gleichwie nämlich ein schlimmes Geschwür, mit einem Span
oder einer Scherbe angestoßen, noch stärker Eiter absondert, ebenso
ist da ein Mensch jähzornig und äußerst erregbar. Wenn man ihm auch
nur das Geringste sagt, wird er ärgerlich und erregt, verstimmt und
eigensinnig, legt Zorn, Haß und Mißtrauen an den Tag. Diesen nennt man
einen Menschen, dessen Herz dem Geschwüre gleicht.“
Im Gegensatz dazu: A V, 28: „Wie wenn da, ihr Mönche, ein tiefer See
wäre, mit quellendem Wasser [an seinem Grunde], ohne einen Zufluß, sei
es von Osten, Westen, Norden oder Süden her, und auch zeitweilige
Regenschauer ergössen sich nicht über ihn; doch eben die kühlen
Wasserströme, die aus seiner Tiefe hervorquellen, sie durchströmen
jenen See mit kühlem Wasser, durchsättigen, erfüllen und durchtränken
ihn damit, so daß auch nicht eine Stelle im ganzen See undurchtränkt
bleibt von jenem kühlen Wasser. Ebenso auch, ihr Mönche, läßt der
Mönch diesen Körper von der in der Sammlung geborenen Verzückung und
Glückseligkeit durchströmen; er durchsättigt, erfüllt und durchtränkt
ihn damit, so daß an seinem ganzen Körper auch nicht eine Stelle
undurchtränkt bleibt von der in der Sammlung geborenen Verzückung und
Glückseligkeit. Das, ihr Mönche, ist die zweite Entfaltung der edlen
fünfgliedrigen Rechten Sammlung.“
Anusaya sind Obsessionen auf tiefster geistiger Ebene. Nach der Lehre
des bedingten Zusammenentstehens sind sie die Ursache für die
grundlegende Unwissenheit, welche die unbefreiten Wesen im
Daseinskreislauf gefangen hält. Staut sich bei den anusaya
(Besessenheiten, Tendenzen, Neigungen, Veranlagungen, Ausrichtungen,
Anliegen) zuviel Druck an, brechen sie sich, entsprechend der
vorherrschenden Bedingungen als aasava Bahn und manifestieren sich im
Geist als bewußt erfahrbare Herzenstrübungen (kilesa) oder Hindernisse
(nivarana). Diese werden zu gewohnheitsmäßigen Reaktionen, welche
Ablagerungen in den tiefen Schichten des Geistes hinterlassen und die
Gewohnheitsspurrillen mit jedem Auftreten vertiefen. (Siehe Anhang I -
III).
Aasavakhaya (Ende der Einflüsse, Ende der Beeinflussbarkeit,
Triebversiegung) ist gleichbedeutend mit dem Erreichen des Zieles, dem
Erwachen.
M 2: Wenn jemand unweise betrachtet, entstehen Einflüsse, die noch
nicht entstanden sind, und Einflüsse, die bereits entstanden sind,
nehmen zu. Wenn jemand weise betrachtet, entstehen Einflüsse nicht,
die noch nicht entstanden sind, und Einflüsse, die bereits entstanden
sind, werden überwunden. (Siehe auch S 46, 51)
...
Was sind die Dinge, die zur Reflektion ungeeignet sind, über die er
nachdenkt? Es sind Dinge, bei denen, wenn er an sie denkt, der noch
nicht aufgestiegene Einfluß durch die Neigung zur Sinnlichkeit in ihm
aktiviert wird und der bereits aufgestiegene Einfluß durch die Neigung
zur Sinnlichkeit zunimmt, bei denen der noch nicht aufgestiegene
Einfluß durch die Neigung zum Werdesein in ihm aktiviert wird und der
bereits aufgestiegene Einfluß durch die Neigung zum Werdesein zunimmt,
bei denen der noch nicht aufgestiegene Einfluß durch die Neigung zum
Nicht-Wissen in ihm aktiviert wird und der bereits aufgestiegene
Einfluß durch die Neigung zum Nicht-Wissen zunimmt. Dies sind die
Dinge, die zur Reflektion ungeeignet sind, über die er nachdenkt.
...
So denkt er also vom falschen Ende her: „Gab es mich in der
Vergangenheit? Gab es mich nicht in der Vergangenheit? Was war ich in
der Vergangenheit? Wie war ich in der Vergangenheit? Was war ich, und
was bin ich daraufhin in der Vergangenheit geworden? Wird es mich in
der Zukunft geben? Wird es mich in der Zukunft nicht geben? Was werde
ich in der Zukunft sein? Wie werde ich in der Zukunft sein? Was werde
ich sein, und was werde ich daraufhin in der Zukunft werden?“ Oder er
ist bezüglich der Gegenwart verwirrt: „Bin ich? Bin ich nicht? Was bin
ich? Wie bin ich? Wo kam dieses Wesen her? Wo wird es hingehen?“
Wenn er auf solche Weise vom falschen Ende her nachdenkt, steigt eine
von sechs Ansichten in ihm auf. Die Ansicht „Ich habe ein Selbst“
steigt in ihm als wahr und feststehend auf; oder die Ansicht „Ich habe
kein Selbst“, steigt in ihm als wahr und feststehend auf; oder die
Ansicht „Ich nehme mich selbst als Selbst wahr“ steigt in ihm als wahr
und feststehend auf; oder die Ansicht „Ich nehme mich selbst als ohne
Selbst wahr“ steigt in ihm als wahr und feststehend auf; oder die
Ansicht „Ohne Selbst nehme ich ein Selbst wahr“ steigt in ihm als wahr
und feststehend auf; oder ansonsten hat er eine Ansicht wie diese:
„Es ist dieses mein Selbst, das da spricht und fühlt und hier und da
die Ergebnisse guter und schlechter Taten erfährt; aber dieses mein
Selbst ist unvergänglich, dauerhaft, ewig, nicht der Vergänglichkeit
unterworfen, und es wird so lange wie die Ewigkeit überdauern“ . Das,
ihr Bhikkhus, wird das Dickicht der Ansichten genannt, die Wildnis der
Ansichten, die Verzerrung der Ansichten, die Verkrümmung der
Ansichten, die Fessel der Ansichten. Durch die Fessel der Ansichten
gebunden, ist der nicht unterrichtete Weltling nicht befreit von
Geburt, Alter und Tod, von Kummer, Klagen, Schmerz, Trauer und
Verzweiflung; er ist nicht befreit von dukkha, sage ich.
Ihr Bhikkhus, ein wohlunterrichteter edler Schüler (ariya-s¤vako), der
die Edlen beachtet und in ihrem Dhamma gut ausgebildet und geschult
ist, der aufrechte Menschen beachtet und in ihrem Dhamma gut
ausgebildet und geschult ist, versteht, welche Dinge zur Reflektion
geeignet sind, und welche Dinge zur Reflektion ungeeignet sind. Weil
das so ist, denkt er nicht an jene Dinge, die zur Reflektion
ungeeignet sind, und denkt an jene Dinge, die zur Reflektion geeignet
sind."
Servus
Viriya
Die vergangene Woche habe ich, außer einer Wohnung gefunden ( siehe
Post vom 3.8. ), natürlich auch “ Āsavas erlebt “ ( ich formuliere
’mal das so, um, nach 1-wöchiger Pause, den Faden “irgendwie“ wieder
aufzunehmen zur TSG bzw. den beiden Posts vom 4.8. bzw. dem
Unwissenheits-Thread ).
Āsavas [“Einflüsse ( bzw. Ausflüsse“ )] können, neutral gesehen,
sowohl positiv als auch negativ sein … Viriya’s Zitat von A.III. 25
( “Eitergeschwür“ ) ist neg. Ausfluss infolge neg. Einflusses ( wobei
der “Einfluss“ Zorn, Hass, Misstrauen ist ) … A.IV.28 ist pos.
Einfluss … = kühlendes, sauberes Quellwasser = Unhektik,
A-Nervosität, Ruhe, Sammlung ( wobei letzteres dann pos. Ausflüsse
hat ).
Ist man erst einmal in dem Prozess drin, gebiert normaler- ( ja
natürlicher- ) weise ein Einfluss den nächsten Ausfluss ( was
gleichermaßen für pos. als auch neg. Handeln gilt ), der dann wieder
einen verhärtenden Einfluss
( Gewohnheitsverstärkung ) hat .. usw. Es sei denn, man wird auf
diesen Mechanismus ( als negativem ) aufmerksam …und hat die
“Stärke“ ( Wissens- / Selbstsicherheit ) dem entgegenzutreten …
Florian in seinem Post zitiert eine (von mehreren möglichen)
Vorgehensweisen, wie man neg. Einflüssen begegnen kann …was auch
Viriya macht in seinem Post
( am Ende ) … nur mit anderen Worten, gewissermaßen ( wobei ich
annehme, dass er mit Anhang I-III die Zitate am Ende des Posts
meint ).
Bei Florian ist es, sozusagen, unmittelbarer …“einfach“ grad’, salopp
formuliert, das Gegenteil von dem tun was Einen so “anwandelt“ … Bei
Viriya hingegen ist es schon etwas “analytischer“… vermittelter … mit
angewandtem Wissen verbunden
( auch philosophischer, gewissermaßen, weiser ).
“Ich persönlich“ habe zu meiner Unwissenheitsminderung ( bzw.
Wissensmehrung ) die letzten Tage wieder Ñánavíra Thera’ s *Notes on
Dhamma* bzw. *Clearing the Path* zur Hand genommen … sowie
zwischendurch ( via buddhistchannel.tv ) einen Artikel gelesen über “
Buddhism and Quantum Physics “.
Zu Ñánavíra darf ich bemerken noch, dass ich ihn bereits vor etwa 2
Jahren gelesen habe ( mit viel Interesse, aber auch Schwierigkeiten )
… Auch heute ist es nicht ohne solche, jedoch verstehe ich heute auch
besser als vor 2 Jahren … bzw. lese genauer …
aki
On Sun, Aug 12, 2007 at 11:08:22AM -0000, aki wrote:
>
> Werte Freunde.
>
> Die vergangene Woche habe ich, außer einer Wohnung gefunden ( siehe
> Post vom 3.8. ), natürlich auch " Āsavas erlebt " ( ich formuliere
> 'mal das so, um, nach 1-wöchiger Pause, den Faden "irgendwie" wieder
> aufzunehmen zur TSG bzw. den beiden Posts vom 4.8. bzw. dem
> Unwissenheits-Thread ).
Ist der Umzug glatt gelaufen?
> Āsavas ["Einflüsse ( bzw. Ausflüsse" )] können, neutral gesehen,
> sowohl positiv als auch negativ sein ... Viriya's Zitat von A.III. 25
> ( "Eitergeschwür" ) ist neg. Ausfluss infolge neg. Einflusses ( wobei
> der "Einfluss" Zorn, Hass, Misstrauen ist ) ... A.IV.28 ist pos.
> Einfluss ... = kühlendes, sauberes Quellwasser = Unhektik,
> A-Nervosität, Ruhe, Sammlung ( wobei letzteres dann pos. Ausflüsse
> hat ).
>
> Ist man erst einmal in dem Prozess drin, gebiert normaler- ( ja
> natürlicher- ) weise ein Einfluss den nächsten Ausfluss ( was
> gleichermaßen für pos. als auch neg. Handeln gilt ), der dann wieder
> einen verhärtenden Einfluss
> ( Gewohnheitsverstärkung ) hat .. usw. Es sei denn, man wird auf
> diesen Mechanismus ( als negativem ) aufmerksam ...und hat die
> "Stärke" ( Wissens- / Selbstsicherheit ) dem entgegenzutreten ...
Entgegentreten - aber wie?
Nehmen wir mal die Abneigung - ich mag etwas (oder jemanden) nicht, und zu
allem Überfluss soll ich es nun auch noch mögen? Das kann zu noch viel mehr
Ablehnung führen.
Es gibt Strategien wie "erkennen - nicht tadeln - ändern", die das Gewicht auf
die Aufmerksamkeit legen. Eine noch direktere Technik ist, die Ablehnung in
allen Einzelheiten zu ergründen, zu betrachten, bis sie sich erschöpft, und
dann kann ein Wohlwollen kultiviert werden. Beides braucht wohl ein Mass an
Konzentration um dabei "abgekoppelt" zu bleiben, damit aus dem Erkennen und
Betrachten keine Teilnahme wird.
> Florian in seinem Post zitiert eine (von mehreren möglichen)
> Vorgehensweisen, wie man neg. Einflüssen begegnen kann ...was auch
> Viriya macht in seinem Post
> ( am Ende ) ... nur mit anderen Worten, gewissermaßen ( wobei ich
> annehme, dass er mit Anhang I-III die Zitate am Ende des Posts
> meint ).
>
> Bei Florian ist es, sozusagen, unmittelbarer ..."einfach" grad', salopp
> formuliert, das Gegenteil von dem tun was Einen so "anwandelt" ... Bei
> Viriya hingegen ist es schon etwas "analytischer"... vermittelter ... mit
> angewandtem Wissen verbunden
> ( auch philosophischer, gewissermaßen, weiser ).
So, wie ich diese Passagen lese, läufts auf das Ergründen heraus: das
Zurückverfolgen zu den Wurzeln. Meine Interpretation ist, dass ich erst mal
ergründen muss, was überhaupt da ist, bevor ich mich darauf konzentrieren kann.
Eine Art Bestandesaufnahme, und natürlich noch viel mehr.
> "Ich persönlich" habe zu meiner Unwissenheitsminderung ( bzw.
> Wissensmehrung ) die letzten Tage wieder Ñánavíra Thera' s *Notes on
> Dhamma* bzw. *Clearing the Path* zur Hand genommen ... sowie
> zwischendurch ( via buddhistchannel.tv ) einen Artikel gelesen über "
> Buddhism and Quantum Physics ".
Lass mich raten - die Rolle des Beobachters im Doppelspaltexperiment, und dann
die ersten Verse des Dhammapada. :)
Irgendwie habe ich dem nie viel abgewinnen können. Erinnert mich zu sehr an die
Leute, die in der Urknalltheorie einen Schöpfungsakt beschrieben sehen wollen.
> Zu Ñánavíra darf ich bemerken noch, dass ich ihn bereits vor etwa 2
> Jahren gelesen habe ( mit viel Interesse, aber auch Schwierigkeiten )
> ... Auch heute ist es nicht ohne solche, jedoch verstehe ich heute auch
> besser als vor 2 Jahren ... bzw. lese genauer ...
Was mich bei Nanavira am meisten beeindruckt hat, ist seine "Leseliste"
zusammen mit dem Ratschlag, die Lehre in der eigenen Erfahrung zu ergründen.
(aus dem "Testament"-Brief):
These books contain the Buddha's Teaching; they can be trusted absolutely from
beginning to end: (Vinayapitaka:) Suttavibhanga, Mahávagga, Cúlavagga;
(Suttapitaka:) Díghanikáya, Majjhimanikáya, Samyuttanikáya, Anguttaranikáya,
Suttanipáta, Dhammapada, Udána, Itivuttaka, Theratherígáthá. No other books
whatsoever can be trusted. Leaving aside Vinaya seek the meaning of these books
in your own experience. Do not seek their meaning in any other books: if you do
you will be misled.
Das hat mich bewogen, die Nikayas mal wirklich von Buchdeckel zu Buchdeckel
durchzulesen (bin immer noch dran), und ausserdem, seinem eigenen Ratschlag
folgend, auf die Lektüre seiner "Notes on Dhamma" erst mal zu verzichten.
Cheers,
Florian
Na, das ist ja ein netter, erfrischender “frei-von-der-Leber-weg“-
Post, den ich auch gleich ( spontan, unmittelbar nach dem lesen )
“beantworten“ will …
Leider bin ich noch nicht umgezogen, sondern habe erst ’mal das neue,
nette kleine Zimmer für mich gefunden … Der Umzug findet Ende
September statt bzw. die Auflösung des hier bestehenden größeren
Haushaltes … Insofern die nächsten Wochen einiges auf mich zukommt …
>>> Entgegentreten - aber wie ? <<< bzw. >>> Nehmen wir ’mal ( z.B. ) die Abneigung <<<
Daran, >>> dass man das was man nicht mag “zu allem Überfluss nun
auch noch “ mögen soll <<<, habe ich eigentlich nicht gedacht …
Sondern mehr , dass man A) versucht, spontane ( jähe )
“Zornes-“ ( Verärgerungs-/Unzufriedenheits- ) Anwandlungen zu
beherrschen, zügeln, im Zaum zu halten ( wie “wilde“ Pferde )… bevor
sie sich auswachsen … zu festen Neigungen werden, als negativ gar
nicht mehr wahrgenommen werden … sondern als “natürlich/normal/
dazugehörig“ ( “ Ich bin/ es ist eben so “ ).
Sowie B), dass man eben mit Hilfe der Lehre des Buddha den “
Mechanismus “ ( warum man verärgert .. aggressiv .. unzufrieden etc.
re-agiert ) deutlicher sieht ..Etwa derart, weil man ja meint, dass
das doch dem höchstpersönlichem, eigenem, im Grunde doch gutem …
“ewigen“ .. ( ggfls. gottgegebenem ) Ich nicht zukommt … “ ungerecht “
ist …Wobei es doch im Grunde Ausdruck des Naturgesetzes der
Unbeständigkeit, Vergänglichkeit ( “Unzuverlässigkeit“ ) ist.…
>>> Das Ergründen, das Zurückverfolgen zu den Wurzeln <<< = “ Analyse “… versuchen die Zusammenhänge ( Paṭiccasamuppāda, bzw. auch die 4 Wahrheiten ) besser zu “sehen“. ..Ursache-Wirkung-Ursache ( Verwicklung, Verknäulung ) … Einflüsse – Ausflüsse bzw. Ausflüsse – Einflüsse ….
>>> Doppelspaltexperiment … Urknalltheorie <<< … Ich gebe zu, dass mich diese Themen interessieren … nicht aber weil ich Anhänger der Schöpfungstheorie bin ( obwohl ich mit der “Urursache“ noch manchmal logistische Probleme habe ), sondern weil diese “ rationalen Ansätze“ für mein Empfinden überraschend oft auf der “ analytischen Linie “ des Buddhismus liegen …
Ñánavíra’s “Dhamma Pages“ zu lesen ist “sekundäre
Literatur“ ( naturwissenschaftliches, so gesagt, erst drittrangig ) …
Darüber hinaus er “Abhidhamma“ [ wozu, gewissermaßen, auch
Naturwissenschaften gehören ( insb. im Sinne von überbewertendem sich
befassen mit “weltlichen“ Dingen ) ] “ so und so “ abgelehnt hat..
Obwohl auch er, andererseits, kräftig “philosophiert“ ( nachgedacht )
hat... Und seine Ausführungen durchaus zu einer Art Verunsicherung
( infolge Überfrachtung mit Information/Denkstoff *“Āhāra“*) führen
können …Bhikkhu Bodhi SOLL gesagt haben, Ñánavíra’s Ausführungen
seien “ buddhist underground “... Underground im Sinne von “ in dunkle
Tiefen gehend “ ist hinnehmbar … Seine Selbsttötung in Verbindung mit
der Art oft Kompromisslosigkeit ( krass würde man heute auch sagen )
der Texte ist sicherlich “ bedenkens-würdig “, kritisierbar ( was aber
wiederum durchaus in seinem Sinne wäre ).
Primär ( Hauptorientierung ) ist, was im Kanon steht … Jedenfalls,
toleranterweise eingestanden, zumindest für Buddhisten ( kritisches
herangehen aber statthaft ).
aki