VM: Achtsamkeit auf Ein- und Ausatmung

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Duggati

unread,
Sep 10, 2007, 7:04:15 AM9/10/07
to Theravada-Studiengruppe
Hallo zusammen,

ich habe eine Verständnisschwierigkeit im Visuddhi Magga und und hoffe
das mir hier jemande weiterhelfen kann, ich habe leider keine
spezielle Visuddhi Magga Studienguppe gefunden.

Ich bin mir bei folgendem Absatz nicht ganz sicher:

"Der kluge Rinderhirt nämlich sammelt zuerst Steine in seine Tasche
und, mit einer Peitsche in der Hand sich in aller Frühe zum Pferch
begebend, schlägt er die Rinder auf den Rücken und zählt, oben auf dem
Torpfosten sitzend, die jedesmal zum Ausgang gelangten Rinder: 'eins,
zwei, indem er dabei jedesmal einen Stein zu Boden wirft. Und die
Scharen der Rinder, die drei Nachtwachen lang in engem Raume unbequem
zugebracht haben, stürzen sich jedesmal in Gruppen ins Freie, indem
sie sich beim Hinauseilen gegeneinander reiben. Und jener Rinderhirt
zählt ganz schnell: 'drei, vier, fünf . . . zehn'. Genau so auch sind,
während jener Mönch in der obigen Weise zählt, die Atemzüge deutlich
und arbeiten jedesmal ganz schnell. Indem er weiß, daß diese immer
wieder dahin eilen, fasse er sie weder innerhalb des Körpers noch
außerhalb; sondern jedesmal den zur Nasenöffnung gelangten Atem
fassend, zähle er ganz schnell: 'Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf': 'Eins,
Zwei, Drei, Vier, Fünf, Sechs': 'Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf, Sechs,
Sieben': ... Acht': ... Neun' ... Zehn'. Ist nämlich diese Übung mit
Zählen verbunden, so kommt es eben infolge des Zählens zur Sammlung
des Geistes, gerade wie man durch Anhalten des Steuerruders das Schiff
in der reißenden Flut anhält."

Bevor ich mein Vermutung äußere würde ich gerne wissen wie ihr
dementsprechend zählen würdet?

Dankeschön!

aki

unread,
Sep 16, 2007, 4:01:49 AM9/16/07
to Theravada-Studiengruppe
Werter Duggati:

Wieder ’mal eine Art etwas verwirrende (“exzessive“ ) Formulierung von
Buddhaghosa bzw. von der Ausdrucksweise her etwas "strapaziös" … bzw.
vom “Zahlenwerk“ her So etwa das, was mir schon in der Schule nicht
so gelegen hat … Zu anstrengend war, sozusagen ( kann man aber auch
als “Denkschwäche“ interpretieren ).

Auch Art unnötige Verständnishindernisse … da die Darstellung, m.E.,
verschiedene Auslegungen der Zählanwendung erlaubt … Z.B. pro
Atemzug, d.h. Ein- und Ausatmung als jeweils 1 Atemzug gesehen … oder
1 Atemzug aufgefasst als bestehend aus ( zerfallend in ) ein- und
ausatmen … Im VM Kapital VIII, Abschnitt 3 wird auch noch von
unterschiedlichen Auffassungen was Aus- bzw. Einatmung eigentlich
( auf Pali ) heißt geschrieben.

>>> Dabei bedeutet "lang einatmend" (digham assasanto) eine lange Einatmung (assāsa) machend. Im Vinayakommentar gilt 'assāsa' als der nach Außen strömende Wind, und 'passāsa' als der nach Innen strömende Wind. In den Suttenkommentaren aber ist die Sache umgekehrt überliefert. Dort heißt es: Beim Heraustreten aller Leibgeborenen aus dem Mutterleibe strömt zuerst der im Innern, (des Säuglings) befindliche Wind nach Außen; später strömt der äußere Wind, indem er feinen Staub mir sich führt, in das Innere ein; und nachdem er den Gaumen getroffen hat, verschwindet er wieder <<<

Was nun die “beste“ Zählweise ist, hat sich mir ( noch ) nicht so ganz
erschlossen … Obwohl es, bei der ( an sich ja guten ) Exaktheit/
Detailliertheit die Buddhaghosa bevorzugt, eigentlich nur 1 klares
( leicht herauszulesendes ) Resultat geben sollte.

Jedenfalls gibt es eine langsame oder schnellere Zählweise der
Atemzüge ( je nachdem eben ob man länger oder kürzer atmet usw.) … Ich
übrigens “bevorzuge“ getrenntes zählen ( ein- und ausatmen getrennt ) …
und meist eher langsames … d.h. mache etwa 6 Atem“züge“ ( 3x ein, 3x
aus ) in ungefähr 1 Minute ( wobei ich jeweils nach dem ein- und
ausatmen ca. 2-3 Sekunden “Stillstand“ habe/mache ).

Zählen macht es eben dem Anfänger leichter nicht abzuschweifen ( d.h.
beim atmen an zuviel andere Sachen zu denken bzw. auch noch schnell
von einem Gedanken zum nächsten zu “springen“ ).

Buddhaghosa schreibt, dass man mindestens bis 5, aber nicht über 10
zählen SOLL ( möge ). Das verstehe ich so, dass man es auch anders
machen kann ( darf ) … HAUPTSACHE man “beruhigt sich“ … Mindestens
bis 5 aber, um eine gewisse “Kontinuität“ zu erreichen; nicht mehr als
10 jedoch, um nicht in eine Art Zählautomatismus zu verfallen … Das
bedeutet wohl, dass man nach 10 wieder von vorne anfangen sollte
( möge ) … kann.

Nun zu Deiner speziellen Stelle … Wobei ich aber den unmittelbar vor
ihr stehenden Satz erwähnen möchte, da der Rinderhirt ja schnell zählt
( bzw. schnell atmet ) … Nachdem er sich ( also ) so geübt hat ( mit
erst langsamen zählen ):

>>> gebe er das langsame Zählen wie beim Kornmessen auf und zähle
schnell wie der Rinderhirt <<<

Zuvor wird langsam gezählt ( wobei m.E. mit Körnern gefüllte
Messbecher gezählt werden; nicht einzelne Körner ). >>> Bemerkt er
irgendwelchen “Schmutz“ <<<
( was ich als abschweifende Gedanken beim atmen verstehe ) >>> so
entfernt er denselben <<< ( reinige/beruhige seine Gedanken … bzw.
bemühe sich darum ) … Die sauberen Messbecher ( = die der Vertiefung
förderlicheren Atemzüge ) nehme man als Maßstab, zähle “nur“ diese …
bzw. orientiere ( übe / verbessere ) sich an ihnen …

Das langsame Atmen und Zählen dient dem sich konzentrieren auf den
Atem(-vorgang) “als solchem“ … ( zur vorbereitenden Beruhigung des
Gemütes ) … Nachdem man diese Beruhigung gewissermaßen erreicht hat,
soll/kann/darf man ( so Buddhaghosa ) schneller ( “stoßweiser“ )
atmen, da man dadurch das Aus- und Eintreten des Atems an der
Nasenspitze deutlicher spürt … Das Fokussieren auf diesen 1 Punkt
entspricht dem Geradehalten ( Kurs halten ) des Steuerruders in
reißender Strömung = dem nicht (ver-) folgen des Atems nach Innen
oder Außen ( = eventuellem ab-/umherschweifen; der Gefahr beim
langsamen atmen ).

Der Satz, den Nyanatiloka übersetzt mit:

>>> Genau so auch sind, während jener Mönch in der obigen Weise zählt, die Atemzüge deutlich und arbeiten jedes Mal ganz schnell <<<, hat Ñanamoli mit:
>>> In this way the in-breaths and out-breaths, which had already become evident to him while he counted them in the former way, now keep moving along quickly <<<.

Wobei ich das *former way* als das langsame Zählen ( des Kornmessers )
verstehe und das *now keep moving along quickly* als das Atmen sich,
sozusagen, selbst überlassen bzw. es fokussieren an der Nasenspitze.

Die Frage: Wie lange soll man zählen ? beantwortet Buddhaghosa mit:
>>> Solange bis ohne Zählen die Achtsamkeit in der Vorstellung des Ein- und Ausatmens gefestigt ist. Bloß um die den äußeren Objekten nachjagenden Gedanken abzuschneiden und die Achtsamkeit auf Ein- und Ausatmung als Vorstellungsobjekt zu festigen, dazu dient das Zählen <<<.

Jedenfalls gibt es etliche ( zu respektierende ) Lektüren mit
“Anleitungen zur Atemtechnik“, die in Einzelheiten variierende
Praktiken vertreten … Sich an eine Methode zu halten ist sicher gut
( statt frustrierend herumzuexperimentieren )… Andererseits, so meine
Erfahrung, muss man ( “leider“ ) erst Mal herausfinden, was für
( oder gegen ) die individuellen Veranlagungen ( Schwächen/Defizite
… innere Unruhe z.B. ) das Beste ist …

Einer der Dir wohl besser weiterhelfen kann ( als ich mit diesem
Post ) ist Buddhadasa Bhikkhu in seinem Buch * Ānāpānasati – Die
sanfte Heilung der spirituellen Krankheit* … Bezogen auf Deine Frage
speziell mit Kapitel 3, dem Atemkörper … den Abschnitten 1
( Kāyanupassanā - Buddha’s Prāṇayāma ), 2 ( Schritt eins: Der lange
Atem ) und 3 ( Schritt zwei: Der kurze Atem ) bzw. ff …. Zu finden
bei:
http://dhamma-dana.de/buecher/theravada/buddhadasa_bhikkhu-anapanasati.pdf

aki


Duggati

unread,
Sep 16, 2007, 3:34:26 PM9/16/07
to Theravada-Studiengruppe
Hallo Aki,

vielen Dank für die Mühe die du dir gemacht hast und den tollen Link!

Diesen Teil des Visuddhi Magga habe ich ebenfalls so aufgefasst. Ich
denke der Link konnte auch meine Frage zum Zählen vom Rinderhirten
beantworten und hat meine Vermutung bestätigt. Auf Seite 47 unten
schreibt Buddhadasa Bhikkhu:

"[...] Während einer normalen Einatmung zum Beispiel zählen wir von
eins bis fünf. Wenn wir von eins bis zehn zählen wird der Atem
entsprechend länger. [...]"

Viele Grüße!

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