Rechtes Handeln

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viriy...@gmail.com

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May 11, 2007, 11:23:32 AM5/11/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

kommen wir nun zum rechten Handeln (samma kammanta):

M 117: ,,Was ist nun, ihr Bhikkhus, falsches Handeln? Lebendiges
umbringen, Nichtgegebenes nehmen und Fehlverhalten bei
Sinnesvergnügungen: das ist, ihr Bhikkhus, falsches Handeln.
Was ist nun, ihr Bhikkhus, rechtes Handeln?
Rechtes Handeln, sag' ich da, Bhikkhus, ist doppelter Art. (...)Was
ist das nun, ihr Bhikkhus, für ein rechtes Handeln, das wahnhaft und
verdienstreich ist und auf der Seite des Anhaftens zur Reifung
gelangt?
Man kann vermeiden, Lebendiges umzubringen, Nichtgegebenes zu nehmen,
Ausschweifung zu begehen: das ist, ihr Bhikkhus, ein rechtes Handeln,
das wahnhaft und verdienstreich ist und auf der Seite des Anhaftens
zur Reifung gelangt.
Was aber ist es, ihr Bhikkhus, für ein rechtes Handeln, das heilig,
wahnlos, überweltlich, ein Pfadfaktor ist?
Das Abstandnehmen von den drei Arten körperlichen Fehlverhaltens, das
Entsagen, das Ablassen, die Enthaltung davon in einem, dessen Geist
edel ist, (...) So kreisen und drehen sich diese drei Dinge um das
rechte Handeln, nämlich rechte Ansicht, rechtes Anstrengung, rechte
Achtsamkeit."

Servus
Viriya

viriy...@gmail.com

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May 14, 2007, 12:44:24 AM5/14/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

hier ein paar Fragen:

Was sind die zwei Seiten einer Tat?
Welche Vorteile erwachsen aus guten (bzw. Nachteile aus schlechten)
Taten?
Was unterscheidet den guten vom besseren Menschen?

Servus
Viriya

Lars Siebold

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May 17, 2007, 9:28:51 AM5/17/07
to theravada-s...@googlegroups.com
Hallo allerseits,

> Was sind die zwei Seiten einer Tat?

Wollen und Wirkung?
Die Absicht und den Einfluss, den sie auf das Erleben hat, würde ich sagen.


> Welche Vorteile erwachsen aus guten (bzw. Nachteile aus schlechten)
> Taten?

Spontan würde ich sagen, die guten Taten stärken die guten Tendenzen,
die schlechten stärken die schlechten Tendenzen. Wobei ich mich gerade
frage ob die Tat an sich darauf überhaupt eine Auswirkung hat. Wenn man
sich zum Beispiel innerlich von einer Verhaltensweise distanziert hat,
aber trotzdem noch nicht davon lassen kann, stärkt das dann die Tendenz
dazu? Ich würde sagen, eher nicht.

Dann wäre hier eher zu sagen: gute Taten schaffen ein gutes Umfeld, gute
Bedingungen, einen angenehmen Lebensraum, letztlich eine gute Welt,
schlechte Taten ein schlechtes Umfeld, widrige Bedingungen, unangenehme
Eindrücke, eine dunkle Welt.


> Was unterscheidet den guten vom besseren Menschen?

Sein inneres Niveau (um mal die Terminologie aus dem aktuellen "Wissen
und Wandel" zu benutzen). Die Qualität seines Herzens. Letztlich die
Anzahl seiner Triebe. Oder wolltest du hier auf etwas anderes hinaus?

Liebe Grüße
Lars

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aki

unread,
May 21, 2007, 3:58:36 PM5/21/07
to Theravada-Studiengruppe


Werte Freunde.

...Viriya`s 3 Fragen vom 14.Mai...Lars' Antworten...

Eigentlich ("theoretisch") ganz einfache Fragen ...bzw. die erste >>>
Was sind die zwei Seiten einer Tat? <<< ist noch die "schwerste" ...
Weil alles, wie man so sagt, 2 Seiten hat...je nach An-Sicht/Um- und
Zuständen ("Systembezogenheit", Relativität)...oder auch, wie Viriya am
19.Jan. bei Potthapada 4 schrieb >>> it depends! <<<

Lars' Antwort mit >>> Wollen (Absicht) und (Aus-)wirkung << ist
schon recht zutreffend. Hingegen der 2. Teil >>> Die Absicht und den
Einfluss, den sie auf das Erleben hat <<<, etwas undeutlich...
Jedenfalls geschieht es häufig, dass es * erstens anders kommt und
zweitens als man denkt (hofft)*.

Viraya wollte auf die Wirkung in späterer Existenzform hinaus...was,
natürlich, definitiv, eine andere Seite ("Sache") ist als das, was man
beim Tun "im Diesseits" sich so dachte...

Mit Viriya's Zusatz >>> Zu leicht glaubt man, wenn man sich nur an
die Sittenregeln hält sei
das schon "die sila die den Edlen lieb ist". Nur sich des Schlechten
enthalten ist nicht genug <<< bin ich nicht so ganz einverstanden
(ist mir etwas zu streng; im Moment)...Sich wenigstens des Schlechten
enthalten (bemühen zu enthalten) ist doch für den Anfang durchaus OK...

Lars` Formulierung (im Zusammenhang mit Frage 2) >>> Wenn man sich


zum Beispiel innerlich von einer Verhaltensweise distanziert hat, aber
trotzdem noch nicht davon lassen kann, stärkt das dann die Tendenz

dazu? <<< ist "interessant"...(Was er mit *Tendenz* meint, ist etwas
unklar...). Ich meine, so von mir verstanden, dass wenn man etwas tut
was man "eigentlich" gar nicht so recht will, das eher die Tendenz
(unterbewusste Neigung ?/gefühltes Wissen ?) aufzeigt, es zu lassen.

Gute Taten können nur gute Folgen ("Vorteile") haben...zumindest
langfristig gesehen...Im "Moment" aber kann es z.B. sein, dass Jemand
etwas, was man gut gemeint hat, falsch versteht und "schlecht"
reagiert ...Was aber, selbstkritisch gesehen, daran liegen mag, dass man
das Gute nicht deutlich/klar genug gesagt/getan hat...

An Frage 3 >>> Was unterscheidet den guten vom besseren Menschen?
<<< merkt man erneut, dass es hier auch (wie bei Frage 1+2) um,
"letztendlich", die Festlegung (Beurteilung) von falsch und richtig
(gut/schlecht; positiv/negativ usw.) geht. Eigentlich, wie eingangs
gesagt, ganz einfach zu beantwortende Fragen (etwa im Sinne von: *Was
du nicht willst das man die tu, das füg auch keinem Anderen zu*)...
Andererseits, wie man sehen kann (beim beobachten des Weltgeschehens
bzw. von sich selber), besteht da eine "gewisse Diskrepanz" (zwischen
Theorie und Praxis; handeln/reden/denken/schreiben/philosophieren...).

Übrigens, Lars, was ist das "aktuelle Wissen und Wandel"...eine
Zeitschrift ?

Viriya's Kanonzitate hinsichtlich Definition von gut und schlecht >>>
vertrauenslos, schamlos, gewissenlos, unwissend, träge, gedankenlos
und töricht <<< (bzw. die Gegenteile) sind, bei allem Respekt,
(natürlich = beabsichtigte ?) vereinfachende Kategorien...Will sagen: Da
wird auch der Nicht-Buddhist antworten: "Ich bin nicht vertrauens-,
scham-, gewissen-, gedankenlos; nicht unwissend, träge und töricht...
Manchmal, leider, schon... aber doch kein schlechter Mensch deswegen"...

Natürlich sind die aufgeführten Eigenschaftswörter zutreffend...plus es
ist sicher noch schlechterer bzw. besserer Andere abzuhalten bzw.
anzuspornen (=Vorbild sein). Und man muss auch manchmal die Dinge
"einfach" (umkompliziert) ausdrücken/machen (Einfachheit ist auch ein
Siegel der Wahrheit/Aufrichtigkeit), weil sonst wird es Gerede und
Viele, die es ja auch betrifft, hören nicht zu bzw. vermögen nicht zu
verstehen/folgen.

Ich habe jetzt hier eine Pause gemacht beim schreiben, da ich mit
meinen letzten Sätzen nicht so zufrieden bin...kann mich aber auch nicht
durchringen sie wieder zu streichen...

Die (oder auch nur meine subjektive) Schwierigkeit ist, dass ich mich
seit nunmehr 7 Jahren relativ intensiv mit Buddhismus befasse [viel
gelesen habe (z.B. auch viele Internetseiten)] und insofern meiner
eigenen Anschauung einen relativ hohen Stellenwert gebe. "Insofern" so
gemeint, dass ich so viele unterschiedliche Aussagen gesehen habe
(unterschiedlich an sich nur in Kleinigkeiten, die aber dann doch
wieder verwirrend, d.h. wichtig waren/wurden)...zu schweigen von
Beobachtungen dessen, was "realpolitisch" so abläuft ..., so dass ich
sehr kritisch bin (was auch Art brüskierende/überhebliche Züge
annehmen kann)...Andererseits wiederum habe ich viel Verständnis (aber
auch Phasen des Zweifels) für das (bei dem) was ganz allgemein so
passiert (auch schon weil ich mich, fairer- und ehrlicherweise, an
das erinnere was ich selber "früher" so getan habe).

Jedenfalls ist das mit dem Falschen und Richtigen wohl doch nicht so
einfach [Stichwort "Disrobing" z.B....oder sog. Sektenbildung (was man
aber auch als Zeichen demokratischer Gedankenfreiheit sehen kann)].
Womit ich aber in keiner Weise das sich festlegen auf das was gut und
schlecht ist verbiegen ("relativieren") will...Denn doch einfach ist es
insofern, als dass die allermeisten Menschen (unabhängig von ihrem
Glauben oder Verstand) weitgehend übereinstimmen (wissen/ahnen) was
gut ist (Quantität/Quote ist jedoch nicht stets notwendigerweise ein
Zeichen von Güte).

Buddhismus vermag aber recht gut (trotz auch kritisierbarer
Entwicklungen), so meine Erfahrung, den Blick zu schärfen für das was
sich "in Wahrheit abspielt" (um nur eine von mehreren möglichen
auszeichnenden Formulierungen zu gebrauchen)..."Draußen" und in einem
selbst ...schmeichelhaft ist es oft in beiden Fällen nicht...

aki

P.S. Bei mir auf dem Monitor erscheint Viriya's Mitteilung von
gestern 16 mal...

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viriy...@gmail.com

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May 22, 2007, 1:43:31 AM5/22/07
to Theravada-Studiengruppe
Lieber Lars,
Wollen und Wirkung, kamma-vipaka ist schon richtig aber ich dachte
an:
A II,17: ,,Da, Brahmane, verübt einer schlechte Tat in Werken, Worten
und Gedanken, und gute Tat in Werken, Worten und Gedanken unterläßt
er. Insofern nun, Brahmane, erscheinen wegen des Getanen und
Ungetanen
einige Wesen bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in
niederer
Welt, auf einer Leidensfährte, in Daseinsabgründen, in einer Hölle.
Da verübt jedoch einer, Brahmane, gute Tat in Werken, Worten und
Gedanken, und böse Tat in Werken, Worten und Gedanken unterläßt er.
Insofern nun, Brahmane, erscheinen wegen des Getanen und wegen des
Ungetanen einige Wesen bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,
auf glücklicher Fährte, in himmlischer Welt."

Zu leicht glaubt man, wenn man sich nur an die Sittenregeln hält sei
das schon "die sila die den Edlen lieb ist". Nur sich des Schlechten
enthalten ist nicht genug.
Auch bei Vorteilen und Nachteilen hast Du natürlich recht. Nur hat
die
Tat natürlich eine Auswirkung, das spätere Distanzieren davon
verdünnt
zwar die kamma-Wirkung aber solange man nicht völlig davon abläßt
bleiben immer noch Spuren der Tat im Geist zurück.
Konkret sagt der Buddha: A II,18: ,,Wird, Ananda, dieser schlechte
Wandel in Werken, Worten und Gedanken betätigt, den ich als
gewissenhaft zu meiden bezeichnet habe, so steht folgender Nachteil
zu
erwarten:
Sich selber macht man Vorwürfe; die Verständigen, die es merken,
tadeln einen; üble Gerüchte verbreiten sich; eines unruhigen Todes
stirbt man; bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, aber
erscheint man in niederer Welt, auf einer Leidensfährte, in
Daseinsabgründen, in der Hölle. Solcher Nachteil ist dann zu
erwarten. ...
Wird, Ananda, dieser gute Wandel in Werken, Worten und Gedanken
befolgt, den ich als gewissenhaft zu betätigen bezeichnet habe, so
steht folgender Segen zu erwarten: Sich selber macht man keine
Vorwürfe; die Verständigen, die es merken, loben einen; ein guter Ruf
verbreitet sich; eines ruhigen Todes stirbt man; und bei Auflösung
des
Körpers, nach dem Tode, erscheint man auf glücklicher Fährte, in
himmlischer Welt.nSolcher Segen ist dann zu erwarten."
Es ist schwierig Fragen richtig zu stellen und so wollte ich auch bei
der Dritten auf etwas anderes hinaus:
A IV, 202: ,,Wer, ihr Mönche, ist ein schlechter Mensch? Da ist einer

vertrauenslos, schamlos, gewissenlos, unwissend, träge, gedankenlos
und töricht. Den, ihr Mönche, nennt man einen schlechten Menschen.
Wer aber, ihr Mönche, ist ein schlechterer Mensch? Da ist einer
selber
vertrauenslos, und zur Vertrauenslosigkeit verleitet er die anderen;
selber ist er schamlos, gewissenlos, unwissend, träge, gedankenlos,
töricht, und [zu solchem Verhalten] verleitet er die anderen. Den,
ihr
Mönche, nennt man einen schlechteren Menschen.
Wer, ihr Mönche, ist ein guter Mensch? Da ist einer vertrauensvoll,
voll Schamgefühl und sittlicher Scheu, wissensreich, tatkräftig,
achtsam und weise. Den, ihr Mönche, nennt man einen guten Menschen.
Wer aber, ihr Mönche, ist ein besserer Mensch? Da ist einer selber
vertrauensvoll, und zur Gewinnung von Vertrauen spornt er die anderen
an; selber ist er voller Schamgefühl und sittlicher Scheu,
wissensreich, tatkräftig, achtsam und weise, und er spornt die
anderen
zur Gewinnung dieser Eigenschaften an. Den, ihr Mönche, nennt man
einen besseren Menschen."
Ein überaus anschaulicher Text zum Rechten Handeln findet sich auch
im
Sutta-Nipata. Er zeigt sehr schön, daß auch dieses Glied des
Achtpfads
nur ein Prinzip definiert, dessen Ausformulierung an anderen Stellen
erfolgt bzw. dessen Umsetzung im eigenen Leben immer aus der
Auseinandersetzung mit diesem Prinzip erfolgen muß:
Sn117-135: ,,Ob es Getier der Erde oder auch der Luft, wer Lebewesen
hier verletzt,
Wer für Lebendiges kein Mitleid hat, - ihn als Verworfenen kenne man.
Wer Dörfer, Städte einkreist, angreift und sie dann zerstört,
Berüchtigt ist als Landesplage, - ihn als Verworfenen kenne man.
Wer anderer Besitz, sei es im Dorfe, sei's in Wald und Feld,
Ihm nicht gegeben, diebisch an sich nimmt, - ihn als Verworfenen
kenne
man.
Wer Schulden eingeht und gemahnt, dann leugnet:
,,Nicht schulde ich dir irgend was!", - ihn als Verworfenen kenne
man.
Wer nichtiges Gut begehrend, auflauert auf dem Wege,
Ihn tötend, dieses Nichtige nimmt, - ihn als Verworfenen kenne man.
Zu eigenen, fremden Gunsten, oder auch um Geld,
Wer Falsches aussagt, wenn befragt als Zeuge, - ihn als Verworfenen
kenne man.
Wer mit Frauen von Verwandten oder Freunden die Ehe bricht,
Gewaltsam oder auch im Einvernehmen, - ihn als Verworfenen kenne man.
Wer seine Eltern, wenn sie altersschwach sind und bejahrt,
Obwohl er es vermag, nicht unterstützt, - ihn als Verworfenen kenne
man.
Wer Eltern, Bruder, Schwester oder Schwiegermutter,
Schlägt oder auch mit Worten kränkt, - ihn als Verworfenen kenne man.
Nach Heilsamem befragt, wer Unheilsames anempfiehlt,
heimtückisch seinen Ratschlag gibt, - ihn als Verworfenen kenne man.
Wer, üble Tat begehend, wünscht: ,,Nicht wissen soll man es von mir!"
Verstohlen ist in seinem Tun, - ihn als Verworfenen kenne man.
Wer hin zu anderer Hause geht, mit ihnen gutes Mahl verzehrt,
Doch nicht die Gastfreundschaft erwidert, - ihn als Verworfenen kenne
man.
Asketen und Brahmanen, auch andere Wanderer, die da bitten,
Mit Lügenworten wer sie täuscht, - ihn als Verworfenen kenne man.
Wer einen Priester oder auch Asketen, wenn es Zeit zum Mahle,
Mit Worten kränkt und nichts ihm gibt, - ihn als Verworfenen kenne
man.
Wer voll Verblendung aussagt, was nicht wirklich ist,
Nach nicht'gem Vorteil stark gelüstend, - ihn als Verworfenen kenne
man.
Sich selber wer da rühmt und andere gering schätzt,
Durch solchen Dünkel sich erniedrigt hat, - ihn als Verworfenen kenne
man.
Zanksüchtig, geizig und voll übler Wünsche, habgierig und voll
Falschheit auch,
Nicht Scham besitzend und nicht Scheu, - ihn als Verworfenen kenne
man.
Wer schmähend spricht vom Buddha oder seinem Jünger,
Ob er ein Mönch ist oder auch ein Hausner, - ihn als Verworfenen
kenne
man.
Doch wer, kein Heiliger seiend, sich als Heiligen ausgibt,
Ein Dieb so in der Welt mit ihren Göttern, - der übelste Verworfene
ist der!
Die sind es, die 'Verworfene' heißen, verkündet hab' ich sie euch
nun!
Servus
Viriya
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viriy...@gmail.com

unread,
May 23, 2007, 12:33:18 PM5/23/07
to Theravada-Studiengruppe
Lieber aki,

google ärgert mich gerade etwas aber mit Glück ist es mir gelungen
aufzuräumen. Zumindest habe ich die Reihenfolge durcheinandergebracht.

Eigentlich wollte ich nicht auf Wirkung in späteren Existenzformen
hinaus, mir ging es vielmehr um Tun und Lassen.

Wenn Du mit etwas nicht einverstanden bist solltest Du das auch
sachlich begründen - zu sagen etwas gefällt mir nicht, gültet nicht :)
Die Lehre Buddhas geht gegen den Strom und es ist ja gerade ein
Zeichen ihrer Qualität, daß uns vieles daran widerstrebt. Das ist
normal und es ist auch kein Grund sich überfordert zu fühlen, denn man
muß einfach da anfangen wo man realistisch steht und tun was man tun
kann. Aber was man unter keinen Umständen tun darf ist es die Lehre
den eigenen Unzulänglichkeiten anzupassen. Leider ist das aber der
gegenwärtige Trend im Wellnessbuddhismus und dafür zahlen die Leute
sogar noch.

Die erwähnten Begriffe sind nicht allgemein zu verstehen und bedeuten
in diesem Kontext: vertrauenslos (= ohne Hingabe zu Buddha, Dhamma,
Sangha), schamlos (= ohne hiri), gewissenlos (= ohne ottappa),
unwissend (= ohne rechtes Verständnis), träge (= unachtsam),
gedankenlos (= ohne yoniso manasikara) und töricht (=ohne das
Heilsziel vor Augen).

Der Sinn dieser Diskussionsgruppe ist sicher nicht richtig und falsch
allgemeingültig fest zu legen. Worum es einzig und allein geht ist es
die Urtexte so wie sie sich selbst darstellen und erläutern möglichst
richtig zu verstehen. Was Kommentare, Abhidhamma, Mahayana, Vipassana
oder andere spätere Entwicklungen oder auch Meinungen einzelner Lehrer
betrifft fühle ich mich nicht berufen authoritative statements
abzugeben. Ich äußere mich natürlich immer wieder (unqualifiziert)
dazu aber wir alle sollten klar zwischen Meinung und Tatsache
unterscheiden lernen.

Servus
Viriya

viriy...@gmail.com

unread,
May 23, 2007, 12:33:18 PM5/23/07
to Theravada-Studiengruppe
Lieber aki,

Servus
Viriya

viriy...@gmail.com

unread,
May 23, 2007, 12:33:18 PM5/23/07
to Theravada-Studiengruppe
Lieber aki,

Servus
Viriya

Lars Siebold

unread,
May 23, 2007, 2:15:46 PM5/23/07
to theravada-s...@googlegroups.com
Lieber aki,

> Übrigens, Lars, was ist das "aktuelle Wissen und Wandel"...eine
> Zeitschrift ?

Wissen und Wandel ist das alle zwei Monate erscheinende Heft, das die
Frau des verstorbenen Paul Debes herausgibt, und das hauptsächlich aus
Artikeln, Aufzeichnungen und Transkripten von ihm besteht.

Wenn du dich dafür interessierst kannst du beim Buddhistischen Seminar,
Katzeneichen 6, 95463 Bindlach mal Exemplar anfordern, dort stehen auch
die anderen Publikationen drin, die dort erhältlich sind (alles auf
Dana-Basis).


Gruß
Lars

Florian M. Weps

unread,
May 29, 2007, 5:31:42 PM5/29/07
to theravada-s...@googlegroups.com
Freunde,

Im Mai war wenig Zeit für diese Gruppe. Ich hole langsam auf.

On Fri, May 11, 2007 at 08:23:32AM -0700, viriy...@gmail.com wrote:
>
> Liebe Freunde,
>
> kommen wir nun zum rechten Handeln (samma kammanta):
>
> M 117: ,,Was ist nun, ihr Bhikkhus, falsches Handeln? Lebendiges
> umbringen, Nichtgegebenes nehmen und Fehlverhalten bei
> Sinnesvergnügungen: das ist, ihr Bhikkhus, falsches Handeln.
> Was ist nun, ihr Bhikkhus, rechtes Handeln?
> Rechtes Handeln, sag' ich da, Bhikkhus, ist doppelter Art. (...)Was
> ist das nun, ihr Bhikkhus, für ein rechtes Handeln, das wahnhaft und
> verdienstreich ist und auf der Seite des Anhaftens zur Reifung
> gelangt?
> Man kann vermeiden, Lebendiges umzubringen, Nichtgegebenes zu nehmen,
> Ausschweifung zu begehen: das ist, ihr Bhikkhus, ein rechtes Handeln,
> das wahnhaft und verdienstreich ist und auf der Seite des Anhaftens
> zur Reifung gelangt.

In unseren gegenwärtigen Handlungen spiegeln wir uns. (Rahula Sutta)

Das Selbst ist flüchtig, nicht zu greifen. Wir meinen, es durch unsere
Herkunft (also aus vergangenen Handlungen, eigentlich einer Geschichte, die wir
uns erzählen) definieren zu können: ich habe dies und jenes erreicht, stamme
aus einer bestimmten Familie und "bin daher wer". Aber eigentlich ist es nur
der gegenwärtige Moment, in dem wir unsere Handlungen durch unsere Absichten
steuern können. Darauf beschränkt sich auch schon der Einfluss unserer
Absichten.

Wer wir sind ist schwierig zu sagen. Was wir tun (und lassen), darauf kommt es
also an. Folglich vor allem auch auf unsere Absichten - damit wären wir wieder
beim Kamma. Ich beginne bei solchen Gedankengängen langsam zu begreifen, dass
Kamma kein kulturell bedingter Schnörkel am Dhamma ist, sondern - bestürzend
real.

Cheers,
Florian

aki

unread,
Jun 5, 2007, 7:45:21 AM6/5/07
to Theravada-Studiengruppe
Werter Florian.

...>>> Ich beginne bei solchen Gedankengängen langsam zu begreifen,


dass
Kamma kein kulturell bedingter Schnörkel am Dhamma ist, sondern -
bestürzend
real. <<<

Meintest Du mit "kult. bed. Schnörkel", dass Kamma (Ursache&Wirkung)
keine "Erfindung" des Buddha (der Buddhas) war, sondern absolute
Tatsache ist ... ein unbezweifelbares Weltgesetz ?

...>>> bestürzend real <<<...oft (aber nicht immer) traurig, aber
(immer) wahr ?

>>>(Aber) eigentlich ist es nur der gegenwärtige Moment, in dem wir unsere Handlungen durch unsere Absichten steuern können. Darauf beschränkt sich auch schon der Einfluss unserer Absichten. <<<

...und diese Gegenwart ist sehr kurz...bzw. sehr schnellem Wechsel
unterworfen...ein Gedanke "jagt" (gebiert) den nächsten...Na ja...nicht
gerade ununterbrochen hektisch...Es gibt auch hier (natürlich/
naturgemäß) Phasenwechsel...bzw. die Wahrnehmung des Ganzen ist auch
Stand-punktsabhängig...Die Beurteilung, das es- (sich-) fühlen geprägt
von äußeren Einflüssen,..."Momenten"...

Wobei das aber wiederum "eigentlich" von Vergangenem her geprägt ist...
Wir können aber in dieser Abfolge von Gegenwartsmomenten die
Vergangenheit ändern (oder jedenfalls viel von ihr) bzw. sie
hinsichtlich ihrer Wirkung in die Zukunft hinein "modifizieren"

...>>> darauf beschränkt sich auch schon (Du meinst "schon" im Sinne
von "nur" ?) unser Einfluss... <<<...Dhamma ist Pflicht/Pflicht ist
Dhamma...Alles was wir tun ist Dhamma bzw. Kamma...Insbesondere wenn ich
alles wichtig nehme (achtsam dabei bin) ...>>> Mit größter Achtsamkeit
und wachem Verstand sollte man Herz und Verstand darauf richten, diese
Pflichten so gut und korrekt wie möglich zu erfüllen. <<< (Zitat aus
der Dhamma-ist Pflicht-Datei).

Sich anständig verhalten (richtig) ist Pflicht [und was das ist (das
Richtige) sagt der Buddha]...Und seine Pflicht (das Notwendige) zu tun
[wenn man es richtig tut (= richtig verstehend/sehend)] ist schon
Dhamma "tun" (praktizieren)...Insofern ist die Sache eigentlich
unkomplizierter (einfacher) als sie ist/scheint...

aki

Florian M. Weps

unread,
Jun 5, 2007, 11:05:56 AM6/5/07
to theravada-s...@googlegroups.com
On Tue, Jun 05, 2007 at 11:45:21AM -0000, aki wrote:
>
> Werter Florian.
>
> ...>>> Ich beginne bei solchen Gedankengängen langsam zu begreifen, dass
> Kamma kein kulturell bedingter Schnörkel am Dhamma ist, sondern - bestürzend
> real. <<<
>
> Meintest Du mit "kult. bed. Schnörkel", dass Kamma (Ursache&Wirkung) keine
> "Erfindung" des Buddha (der Buddhas) war, sondern absolute Tatsache ist ...
> ein unbezweifelbares Weltgesetz ?

Naja, ich hatte mal wieder ein Aha-Erlebnis, hatte etwas kapiert, und fand, es
Euch allen mitteilen zu müssen.

Vorher hatte ich den Kamma-Begriff als historisch und kulturell gegeben
angesehen - der Buddha musste eben Begriffe verwenden, die seine Zuhörer auch
kannten und verstanden. Er hat sie vielleicht umgedeutet, aber damit hat es
sich schon.

Die Erkenntnis, dass unsere Absicht das Einzige ist, worauf wir bewusst
Einfluss nehmen können, hat meiner Kontemplation jetzt eine Weile lang
standgehalten, daher mein Aha-Erlebnis.

Für ein über jeden Zweifel erhabenes Naturgesetz halte ich es deshalb noch lange
nicht.

> ...>>> bestürzend real <<<...oft (aber nicht immer) traurig, aber (immer)
> wahr ?

Nun, nicht gerade gut für die Ich-Bestätigung, wenn man sieht, zu wie wenig man
eigentlich in der Lage ist. Nur Absichten fassen? Das soll alles sein?
Bestürzung! Skandal! :)

> >>>(Aber) eigentlich ist es nur der gegenwärtige Moment, in dem wir unsere
> >>>Handlungen durch unsere Absichten steuern können. Darauf beschränkt sich
> >>>auch schon der Einfluss unserer Absichten. <<<
>
> ...und diese Gegenwart ist sehr kurz...bzw. sehr schnellem Wechsel
> unterworfen...ein Gedanke "jagt" (gebiert) den nächsten...Na ja...nicht
> gerade ununterbrochen hektisch...Es gibt auch hier (natürlich/ naturgemäß)
> Phasenwechsel...bzw. die Wahrnehmung des Ganzen ist auch
> Stand-punktsabhängig...Die Beurteilung, das es- (sich-) fühlen geprägt von
> äußeren Einflüssen,..."Momenten"...
>
> Wobei das aber wiederum "eigentlich" von Vergangenem her geprägt ist... Wir
> können aber in dieser Abfolge von Gegenwartsmomenten die Vergangenheit ändern
> (oder jedenfalls viel von ihr) bzw. sie hinsichtlich ihrer Wirkung in die
> Zukunft hinein "modifizieren"

Die Vergangenheit ist für immer verloren. Die Zukunft ist bloss eine Hoffnung.
(Oder so. Kapitel und Vers finde ich vielleicht noch).

Jedenfalls verbringen wir viel zu viel von unserer Gegenwart in diesen fiktiven
Zeiten. Das bisschen, was wir überhaupt tun können, können wir nur jetzt, in
der Gegenwart tun.

> ...>>> darauf beschränkt sich auch schon (Du meinst "schon" im Sinne von
> "nur" ?) unser Einfluss... <<<...Dhamma ist Pflicht/Pflicht ist
> Dhamma...Alles was wir tun ist Dhamma bzw. Kamma...Insbesondere wenn ich
> alles wichtig nehme (achtsam dabei bin) ...>>> Mit größter Achtsamkeit und
> wachem Verstand sollte man Herz und Verstand darauf richten, diese Pflichten
> so gut und korrekt wie möglich zu erfüllen. <<< (Zitat aus der Dhamma-ist
> Pflicht-Datei).
>
> Sich anständig verhalten (richtig) ist Pflicht [und was das ist (das
> Richtige) sagt der Buddha]...Und seine Pflicht (das Notwendige) zu tun [wenn
> man es richtig tut (= richtig verstehend/sehend)] ist schon Dhamma "tun"
> (praktizieren)...Insofern ist die Sache eigentlich unkomplizierter
> (einfacher) als sie ist/scheint...

Mhm ja. Wer hat das schon wieder gesagt, dass es genug heilige Nonnen gibt,
aber dringend mal jemand das Klo putzen sollte? Theresa irgendwas?

Sorry, habe meine Quellen nicht so gut vorbereitet heute.

Cheers,
Florian

Florian M. Weps

unread,
Jun 6, 2007, 3:41:26 PM6/6/07
to theravada-s...@googlegroups.com
On Tue, Jun 05, 2007 at 05:05:56PM +0200, Florian M. Weps wrote:
>
> On Tue, Jun 05, 2007 at 11:45:21AM -0000, aki wrote:
>
> > >>>(Aber) eigentlich ist es nur der gegenwärtige Moment, in dem wir unsere
> > >>>Handlungen durch unsere Absichten steuern können. Darauf beschränkt sich
> > >>>auch schon der Einfluss unserer Absichten. <<<
> >
> > ...und diese Gegenwart ist sehr kurz...bzw. sehr schnellem Wechsel
> > unterworfen...ein Gedanke "jagt" (gebiert) den nächsten...Na ja...nicht
> > gerade ununterbrochen hektisch...Es gibt auch hier (natürlich/ naturgemäß)
> > Phasenwechsel...bzw. die Wahrnehmung des Ganzen ist auch
> > Stand-punktsabhängig...Die Beurteilung, das es- (sich-) fühlen geprägt von
> > äußeren Einflüssen,..."Momenten"...
> >
> > Wobei das aber wiederum "eigentlich" von Vergangenem her geprägt ist... Wir
> > können aber in dieser Abfolge von Gegenwartsmomenten die Vergangenheit ändern
> > (oder jedenfalls viel von ihr) bzw. sie hinsichtlich ihrer Wirkung in die
> > Zukunft hinein "modifizieren"
>
> Die Vergangenheit ist für immer verloren. Die Zukunft ist bloss eine Hoffnung.
> (Oder so. Kapitel und Vers finde ich vielleicht noch).

M 131 hatte ich gemeint:

Kein Sehnen nach vergangner Zeit,
Kein Hoffen auf die Zukunft hin
...
Noch heute gilt der heiße Kampf:
Ob morgen tot, wer weiß es wohl?

Cheers,
Florian

viriy...@gmail.com

unread,
Jun 7, 2007, 12:18:46 AM6/7/07
to Theravada-Studiengruppe
„Man sollte der Vergangenheit nicht nachhängen
oder Erwartungen in die Zukunft setzen
Das Vergangene liegt hinter uns
Das Kommende ist unerreicht
Was jetzt gerade gegenwärtig ist
das sieht man klar-einsichtig aufsteigen
Nicht eingefangen, unerschüttert
so entwickelt man das Herz.

Zu Zeile 1: „Man sollte der Vergangenheit nicht nachhängen“

Es geht hier nicht um einfaches Erinnern von Vergangenem, sondern um
das Element des „sich-daran-Erfreuens“ (nandi) oder des „Verlangens-
und-Lüstens-danach“ (chandarāga), das darin zu finden ist. Es geht um
die Tendenz, die Vergangenheit zurückzuverfolgen, sie wiederzubeleben,
nochmals zu durchleben und sich darin gehen zu lassen, die ausgelöscht
werden soll. Daraus folgt die Notwendigkeit der Ablösung von
Gedankenprozessen. Das Ziel der gewissenhaften Achtsamkeitsübung ist
es, die Meisterschaft über die Gedanken zu erlangen: „Dieser Bhikkhu
wird dann ein Meister der Gedankengänge genannt. Welchen Gedanken er
auch immer denken will, den wird er denken, und welchen Gedanken er
auch immer nicht denken will, den wird er nicht denken. Er hat
Begehren abgeschnitten, die Fesseln abgeworfen, und mit der
vollständigen Durchdringung des (Ich-)Dünkels hat er Dukkha ein Ende
bereitet.“ (M 20) (BN)

Zu Zeile 2: „oder Erwartungen in die Zukunft setzen“

Nicht nur Vergangenes wird von der Phantasie verklärt sondern auch die
Zukunft erhält einen rosigen Schimmer oder einen bedrohlichen
Schatten, wenn sie mit nandi und chandarāga verbunden ist. Für den
Arahat ist die Zukunft weder mit Erwartungen und Befürchtungen noch
mit ihren Folgeerscheinungen Enttäuschung und Verdruss verbunden.
„Empfängt er etwas (auf Almosengang), denkt er: „Es ist gut!“ Empfängt
er nichts:„Es ist gut!“ Durch beides eben bleibt er unberührt.“ (Sn
712)

Zu Zeile 3 und 4: „Das Vergangene liegt hinter uns
Das Kommende ist unerreicht.“

Es finden sich auch andere Stellen, welche räumliches und zeitliches
Alleinsein als notwendige Voraussetzung für den Klarblick (Zeile 5 und
6) herausstreichen und zugleich darauf hinweisen, dass noch ein
dritter Aspekt, der des „Nichts mehr sein Eigen nennen“ oder die „Ich-
Identifikation“ das Kernproblem unseres zeitlich begrenzten Daseins
ausmacht.

„Wer nichts vor und nichts hinter sich sieht, der fühlt sich allein
im Walde wohl.“ (Thag 537)

„Was da, Thera, Vergangenes ist, das ist aufgegeben, was da
Zukünftiges ist, ist abgetan; und was hinsichtlich der gegenwärtigen
Persönlichkeitsformen Willen und Begehren ist, das ist völlig
bezwungen. So, Thera, ist, ausführlich erklärt, Einsiedlertum
vollendet.“ (S 21, 10)

„Wer nicht zu weit ging, nicht zurückblieb,
Wer diese ganze Weltausbreitung überwand,
Ein solcher Mönch gibt auf das Hier und auch das Dort
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.“ (Sn 8)

„Wer vorher, nachher oder in der Mitte
Nichts mehr sein Eigen nennt,
Wer nichts besitzt, an nichts mehr hängt,
Den nenne ich Brahmane.“ (Dhp 421)

„Lass los was war, lass los was kommt,
Lass los auch was dazwischen liegt.
Das Dasein überschreite
Mit so allseits befreitem Geist,
Berührt dich Geburt und Verfall nicht mehr.“ (Dhp 348)

„Eifrig tut man, was heute getan werden muss …“

zu Zeile 7 und 8: „Nicht eingefangen, unerschüttert
so entwickelt man das Herz.“

Der unerschütterte Zustand des klarblickenden Geistes ermöglicht es,
die Dinge in ihrer Wahnhaftigkeit zu entlarven und dadurch über sie
hinaus zu wachsen.
„Im Willen (Interesse), ihr Brüder, wurzeln alle Dinge; durch
Aufmerksamkeit werden sie erzeugt; durch den Sinnen-Eindruck bedingt
entstehen sie; das Gefühl hält sie zusammen; die Sammlung ist ihr
Führer; durch die Achtsamkeit werden sie gemeistert; die Weisheit ist
ihr Höchstes; die Befreiung ist ihr wahrer Zweck; im Todlosen münden
sie, und sie enden im Nibbāna.“ (A 10, 58)

„Ihr Bhikkhus, ein Bhikkhu sollte die Dinge auf solch eine Weise
untersuchen, dass sein Bewusstsein, während er sie untersucht, nicht
abgelenkt und nach außen hin zerstreut ist, und auch nicht innerlich
festgefahren ist, und indem er nicht anhaftet, wird er nicht
aufgeregt. Wenn sein Bewusstsein nicht abgelenkt und nach außen hin
zerstreut ist, und auch nicht innerlich festgefahren ist, und er,
indem er nicht anhaftet, nicht aufgeregt wird, dann gibt es für ihn
kein Entstehen des Ursprungs von dukkha - von künftiger Geburt,
künftigem Altern und Tod.“ (M 138)

Die Verse beschreiben also in aller Kürze wie man sich dem „stabilen
Zustand“ (dhuvam = Nibbāna) angleicht und stellen somit in wenigen
Worten die Essenz der Buddha-Lehre dar.

Der Buddha schließt seine Zusammenfassung mit ein paar Versen des
Ansporns, die noch heute in vielen Klöstern Asiens täglich von den
Mönchen rezitiert werden.

„Eifrig tut man was heute getan werden muss,
denn wer weiß, vielleicht kommt morgen schon der Tod.
Nicht Schachern kann man mit der Sterblichkeit,
Nicht hält's den Tod und seine Horden fern,
Doch einer, der da voller Eifer weilt,
Ganz ohne nachzulassen, Tag und Nacht –
der hatte wahrlich einen glücksverheißenden Tag
so sagte es der friedvolle Weise.“

Servus
Viriya

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aki

unread,
Jun 8, 2007, 11:28:18 AM6/8/07
to Theravada-Studiengruppe

Werter Florian.

>>> dass es genug heilige Nonnen gibt, aber dringend mal jemand das Klo putzen sollte? <<<

Meinst Du das derart, dass es (sehr) nötiger ist sich um konkrete
Defizite zu kümmern statt (zwar) schön (ja sogar wahr) daherzureden/-
denken...?

Wie ist das mit "Bestürzung! Skandal!" zu verstehen ?

Im Religions-Thread habe ich am 26.1 'mal geschrieben "There is only
a now, including memories and expectations"...Sicher >>> ist die
Vergangenheit für immer verloren <<< und die Zukunft, sozusagen,
(solange sie noch nicht da ist) >>> bloß eine Hoffnung <<<...Aber in
der Regel kommt sie...So ganz "verloren" ist die Vergangenheit insofern
nicht, als uns ihre Wirkungen in der Gegenwart treffen...

aki

Florian M. Weps

unread,
Jun 9, 2007, 5:21:48 PM6/9/07
to theravada-s...@googlegroups.com
Freunde,

On Fri, Jun 08, 2007 at 03:28:18PM -0000, aki wrote:
>
> Werter Florian.
>
> >>> dass es genug heilige Nonnen gibt, aber dringend mal jemand das Klo putzen sollte? <<<
>
> Meinst Du das derart, dass es (sehr) nötiger ist sich um konkrete
> Defizite zu kümmern statt (zwar) schön (ja sogar wahr) daherzureden/-
> denken...?

Mir ist das eingefallen, als ich "Dhamma ist Pflicht" (bei den Dokumenten
dieser Gruppe) gelesen habe. Ich hatte da weniger die konkreten Defizite im
Sinn, als die Tendenz, das Leben in "Arbeit" und "Freizeit", "heilig" und
"profan", usw einzuteilen, um dann mit unterschiedlichen Ellen zu messen. Man
kann beim Kloputzen Aspekte des Dhamma beobachten.

> Wie ist das mit "Bestürzung! Skandal!" zu verstehen ?

Du hast das schon weggeschnippt; hier der Zusammenhang:

Nun, nicht gerade gut für die Ich-Bestätigung, wenn man sieht, zu wie wenig
man eigentlich in der Lage ist. Nur Absichten fassen? Das soll alles sein?
Bestürzung! Skandal! :)

Wiegesagt, ich hatte ein kleines Aha-Erlebnis - habe es poetisch formuliert,
daher sieht es vielleicht nach mehr aus, als es ist, und Du hakst jetzt nach -
mir ging auf, welche engen Grenzen unserer Einflussnahme auf das Universum
gesetzt sind.

Nicht nur, dass wir keine Sterne entzünden können - das ist uns klar. Manches,
das wir wollen, lässt sich mit Hilfsmitteln bewerkstelligen - z.B. fliegen -
manche Dinge können wir zwar noch nicht, aber wir können sie lernen; zu anderen
fehlt uns schlicht das Talent (selbst wenn wir lernen wollten, könnten wir
nicht). Es gibt eben mehr Sachzwänge als Freiheiten. So *richtig* ungebunden
sind wir *nur* in unseren Absichten. Nur die Absichten können wir ganz
kontrollieren.

Diese Einsicht fand ich (mein Ich) ziemlich ernüchternd - oder etwas blumiger
ausgedrückt, bestürzend und skandalös. Und ich habe diese Ernüchterung
wiedererkannt: Ich hatte das gleiche Gefühl zuletzt als Teenager, bei der
Lektüre von Camus' "Der Fall".

Und ausserdem wurde mir klar, warum die Absichten - Kamma - so eine grosse
Rolle in der Lehre spielen. Dass der Buddha Kamma nicht umgedeutet hat, um
seine Zuhörer zu anständigen Leuten zu erziehen, sondern dass der Begriff eine
Tiefe und Unmittelbarkeit hat, die nicht an die indische Kutlur vor
zweieinhalbtausen Jahren gebunden ist.

Ich vermute ausserdem, dass ich erst an der Oberfläche gekratzt habe.

Habt Ihr Euch sicherlich schon alles längst überlegt, und wundert Euch um den
Wind, den ich hier mache.

> Im Religions-Thread habe ich am 26.1 'mal geschrieben "There is only
> a now, including memories and expectations"...Sicher >>> ist die
> Vergangenheit für immer verloren <<< und die Zukunft, sozusagen,
> (solange sie noch nicht da ist) >>> bloß eine Hoffnung <<<...Aber in
> der Regel kommt sie...So ganz "verloren" ist die Vergangenheit insofern
> nicht, als uns ihre Wirkungen in der Gegenwart treffen...

Ja, Erinnerungen, oder ganz allgemein, Auswirkungen früherer Absichten. Die
Auswirkungen treffen uns jetzt, aber wir können *nie* *mehr* zurück, um es
besser zu machen. Wenn wir nur schon daran denken, zurückzugehen um es besser
zu machen, verschenken wir die Möglichteit, es jetzt besser zu machen. Und wenn
wir uns vorstellen, was wir in Zukunft alles besser machen wollen - das bringt
schon gar nichts.

Cheers,
Florian

Florian M. Weps

unread,
Jun 10, 2007, 5:01:33 AM6/10/07
to theravada-s...@googlegroups.com
On Sat, Jun 09, 2007 at 11:21:48PM +0200, Florian M. Weps wrote:
>
> Freunde,
>
> On Fri, Jun 08, 2007 at 03:28:18PM -0000, aki wrote:
> >
> > Werter Florian.
> >
> > >>> dass es genug heilige Nonnen gibt, aber dringend mal jemand das Klo putzen sollte? <<<
> >
> > Meinst Du das derart, dass es (sehr) nötiger ist sich um konkrete
> > Defizite zu kümmern statt (zwar) schön (ja sogar wahr) daherzureden/-
> > denken...?
>
> Mir ist das eingefallen, als ich "Dhamma ist Pflicht" (bei den Dokumenten
> dieser Gruppe) gelesen habe. Ich hatte da weniger die konkreten Defizite im
> Sinn, als die Tendenz, das Leben in "Arbeit" und "Freizeit", "heilig" und
> "profan", usw einzuteilen, um dann mit unterschiedlichen Ellen zu messen. Man
> kann beim Kloputzen Aspekte des Dhamma beobachten.

Jetzt habe ich den Vortrag von Ayya Khema nochmal angehört, aus dem ich das
Theresa-von-Avila-Zitat mit dem Kloputzen hatte, und da bringt sie es schön auf
den Punkt:

Es kommt nicht so sehr darauf an, WAS wir tun, sondern WIE wir es anpacken.

Cheers,
Florian

aki

unread,
Jun 13, 2007, 11:25:51 AM6/13/07
to Theravada-Studiengruppe

Werter Florian.

Ich komme noch einmal auf Deinen Post vom 9.6. bei Rechtes Handeln
zurück.

Ich habe mich kurz ’mal über den Inhalt von Camus’ *Der Fall*
informiert. Anscheinend geht es da, komprimiert formuliert, u.a. auch
um Pseudo- oder Scheinheiligkeit…(Du hast den Begriff einmal benutzt
in einem Post am 11.12. bei Potthapada 2).

Du schreibst (im o.a. Post vom 9.6.), dass Du das (“bestürzende und
skandalöse“) Gefühl der Ernüchterung auch bei der Lektüre des *Falles*
gehabt hättest…Diesmal entstand es Dir aber anscheinend im
Zusammenhang mit dem “Aha-Erlebnis“ der “bestürzenden Realität“ von
Kamma….

Bzw. Du schreibst im Post vom 5.6. >>> Nun, nicht gerade gut für die


Ich-Bestätigung, wenn man sieht, zu wie wenig man eigentlich in der
Lage ist. Nur Absichten fassen? Das soll alles sein? <<<

Bei palikanon.com ist die erste Zeile des Dhammapada übersetzt mit
>>> Den Dingen geht der Geist voran; der Geist entscheidet <<<…
Absichten sind also nicht “wenig“…[“Am Anfang war das Wort" (bzw. die
Absicht)]…

Natürlich reichen Absichten (die idealerweise gut sein sollten) nicht…
Sie “müssen“ auch in die Tat (Gegenwart) umgesetzt werden…Das hier
häufig Diskrepanzen zwischen Denken (Theorie/Absicht) und Praxis
entstehen, ist bekannt….Du schreibst im Post vom 9.6 >>> Es gibt eben
mehr Sachzwänge als Freiheiten <<<…“Sachzwängen“ soll man in
vernünftiger Weise durchaus auch gerecht werden…Die guten
(buddhistisch geprägten) Absichten aber nicht vernachlässigen…wenn
möglich…Wozu, und da sind wir wieder beim aktuellen Thread, u.a.
Vāyāma (oder Padhāna) gehört…

aki

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