S56.11 - Permutationen der Lehre

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Florian

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Feb 28, 2008, 9:58:47 AM2/28/08
to Theravada-Studiengruppe
Freunde,
Wollen wir unsere Lehrrede ein wenig weiterdiskutieren? (Es ist immer
noch die "Rad der Lehre", Samyutta Nikaya 56 11, glaube ich).

Zu jeder Wahrheit hat der Buddha drei Schritte gelehrt: lernen,
praktizieren, verwirklichen (pariyatti, patipatti und pativedha).

Mal auf die vierte Wahrheit angewandt, in ihren drei Kategorien:

Pariyatti (lernen):
Was ist Sittlichkeit?
Was ist Konzentration?
Was ist Weisheit?

Patipatti (praktizieren):
Sittlichkeit muss entwickelt werden.
Konzentration muss entwickelt werden.
Weisheit muss entwickelt werden.

Pativedha (verwirklichen):
So ist Sittlichkeit.
So ist Konzentration.
So ist Weisheit.

So ermüdend diese Permutationsübungen auf den ersten Blick aussehen,
habe ich doch bemerkt, dass mir diese "Auslegeordnung" interessante
Einsichten erlaubt. Vielleicht, weil es meinen hastigen Geist
ausbremst, mich zwingt, alles mal nach-zu-denken...

Wenn alles so klar aufgeschrieben dasteht, finde ich es naheliegend,
dass die drei Pfadbereiche parallel entwickelt werden müssen, denn
wenn wir bei einem vorpreschen oder nachhinken, steht das ganze
Dreibein schräg da. Wenn wir noch so tolle Konzentration haben, aber
uns im Leben nicht zurechtfinden (Sittlichkeit), bringt uns das nicht
voran. Konzentration ohne Weisheit/Einsicht ist sehr schön und
erholsam, aber wenn wir ausgeruht genug sind, muss es weitergehen.
Reine Einsichtspraxis ist ungeheuer anstrengend und aufreibend, und
unser Herz stumpft ab, wir brauchen Konzentration um es scharf und
biegsam zu behalten, damit wir in die Realität eindringen können.
Sittlichkeit ohne Weisheit verkommt zum Moralisieren, oder führt zu
neurotischen Verformungen des Herzens.

Jedenfalls hatte ich zwei kleine Erkenntnisse:

1. Der Buddha war vollkommen selbst-erwacht.
2. Erwachen ist umsonst.

Zu 1: selbst-erwacht: er hat den Weg ganz allein gefunden. Er war
vollkommen alleine, hat alles hinter sich gelassen, war von seinen
Freunden verlassen, und hatte nichts mehr vor sich. Diesen Gedanken
finde ich ziemlich überwältigend, wenn ich gleichzeitig daran denke,
wie ich mich anstelle, selbst mit der Lehre in der Hand und in der
Gesellschaft guter Freunde.

Zu 2: Es gibt keine Belohnung fürs Erwachen. Es ist kein
Tauschgeschäft, kein Handel, nicht verhandelbar. Es ist umsonst. Es
hat keinen weiteren Zweck. Es ist frei, ungebunden, grundlos, nicht an
Bedingungen gebunden, Freiheit. Der Gedanke "Freiheit ist Zwecklos"
kitzelt so viele meiner Konditionierungen.

Naja. So aufgeschrieben wirkt das alles sehr schwärmerisch und
zugleich platt.

Was habt Ihr herausgefunden bei der Beschäftigung mit dem Sutta?

Cheers,
Florian
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