Hallo M.
Also (zumindest) für mich hat dein Beitrag schon einen praktischen
Wert gehabt: Als dass ich mich ("wieder 'mal" .. und diesmal relativ
intensiv) mit diesen "komplizierten" (auch verwirrenden)
Existenzbegriffen und -prozessen befasst habe (die aber gewissermaßen
wiederum nur Spiegelbild/sprachliche Reflektionen/Wirkungen dessen
sind, wie das Leben, der Mensch, der Saṃsāra eben ist).
Zur budd. Lehre (bzw. auf diese Gedanken) kommt man in der Regel
nicht von alleine. Außer, so jedenfalls das deutschsprachige budd.
Wörterbuch, Paccekabuddhas. In der engl. Ausgabe allerdings steht,
dass sie > gemäß der Tradition ein entsprechendes Verlangen vor einem
Vollkommen Erleuchteten zum Ausdruck zu bringen hätten <. Insofern
also doch mit der Lehre in Berührung kommen .. Aber das ist auch
Retorik von mir. Paccekabuddhas jedenfalls lehren nicht/vermögen nicht
zu lehren. Ihr Karma, sozusagen.
Da der Buddha ja (offensichtlich) kein Paccekabuddha war, hat er sich
also auch nicht (wie du dachtest) > ganz alleine bis zum Erwachen
durchschlagen (müssen, sozusagen) <. In seinen zahllosen Vorexistenzen
entwickelte er sich zu einem Bodhisatta. Wohl durch, 'mal so von mir
interpretiert, Beobachtung und Erfahrung von Leid. Sowie durchaus
möglich auch infolge Anregung von "Weisen". Das z.B. Internet als
(Weisheits-) Quelle hatte er ja wahrscheinlich nicht. Ich sage
>wahrscheinlich<, weil wenn man an die zahllosen Weltenentstehungen
und –vergehungen denkt (Abfolge von Big Bangs, sozusagen), mag es sein
dass es all das was es heute gibt schon einmal in irgendeiner Form
gegeben hat. Das Treffen auf den Sammāsambuddha Kassapa veranlasste
ihn jedenfalls zum Mönchtum bzw. einer derartigen (auch denkerisch
natürlich) Annäherung an das wahrheitsadäquate Erkennen der
Weltverhältnisse, dass es in der (über-) nächsten Existenz zur “Bodhi“
kam.
Anguttara 2-er, Nr. 37 ist nicht einfach. Sprich: (auch wieder Mal
ggfls.) zu "Verwirrung" Anlass gebend, d.h. (mMn) es tauchen Begriffe
auf, die einem klaren Verstehen/Nachvollziehen der (wie oben gesagt an
sich ja schon komplizierten irdischen) Prozesse hinderlich sind (die
ganzen Querassoziationen zu koordinieren, die jeweiligen Gedanken und
Fragen, die Einem/Einer, je nach persönlicher Veranlagung, in
Verbindung mit dem Text kommen können).
Āgāmī, Sakadāgāmī, Anāgāmī .. am Dieseits haften, am Jenseits
haften .. Āgāmīs sind nicht einmal im budd. Wörterbuch aufgeführt.
Wohl weil das der weitaus überwiegende Normalzustand ist: Immer wieder
zurückkehren (im Kreislauf verbleiben). Oder, im nichtbuddhistischen
Konzept, jedenfalls ewiges Leben (im Paradies oder der Hölle).
Allerdings sind alle im A-Sutta angesprochenen Menschenarten Mönche;
insofern mein >immer wieder zurückkehren< nicht ganz stimmt, da ich
doch annehme dass die Mehrzahl der Mönche "demnächst" erlischt.
Ein Sakadāgāmī kehrt eben nur noch ein Mal (zu DIESER Welt) wieder. D.
h. in die Kāmaloka (Sinnenwelt), die von der Menschenwelt (über die
Tāvatiṃsa) bis zu den Catumahārājika reicht. Der Anāgāmī [bei dem 5
Arten unterschieden werden: Auf halber Fährte erlöschen/nach halber
Fährte etc. (siehe budd. Wörterbuch)] wird ebenfalls noch ein Mal
"wiedergeboren", aber nicht im Diesseits (was, wie eben gesagt, der
aus insg. 7 Ebenen bestehenden Kāmaloka entspricht), sondern im
Jenseits (= Rūpa- und Arūpaloka). In einer Anm. zum A 2-er, Nr. 37
(Nr. 5 bei
palikanon.de) wird die Wiedererscheinungsgötterwelt des
Anāgāmī als der Suddhāvāsabereich spezifisiert.
Die Anm. 6 erwähnt (außer dem Sakadāgāmī und Anāgāmī) auch noch den
Sotāpanna .. und führt insofern auch hin auf die sich ja teilweise
überlappenden Übungsregeln, was, wie gesagt, "kompliziert" ist und
schon von der Sprache her auch zu Verunsicherung führen kann. Etwa
dass gesagt wird, dass bei dem Anāgāmī das Begehren nach ALLEN
Daseinsformen aufgehoben ist, er andererseits (im Suttatext) aber der
Kategorie Jenseitsgefesselter zugeordnet ist. Fairerweise ist jedoch
zu bemerken, dass in der Anm. steht, dass er auf die Erlangung des
Begehrens ABZIELT; also insofern kein absoluter Widerspruch besteht.
(Auch) beim Sotāpanna gibt es noch Unterkategorien (7x
Wiedererscheinender, von Geschlecht zu Geschlecht Eilender, noch
einmal Aufkeimender). Außerdem die 7-fache Gruppierung aller (4) edlen
Jünger (Sotāpanna, Sakadāgāmī, Anāgāmī und Arahat):
Vertrauensergebener, Vertrauenserlöster, Körperzeuge,
Beiderseitserlöster, Wahrheitsergebener, Erkenntnisgereifter und
Wissenserlöster.
Ein weiter "sach-fachlicher" Begriff sind die Opapātika ("die die
Sache somit insg. gesehen auch nicht unbedingt einfacher machen"). Die
"Spontan Entstehenden" ( = die zumindest nicht Ergebnis einer
biologischen Befruchtung sind). Der Freund (Ghatīkāra) vom Buddha (als
er Jotipāla hieß) zu Kassapas Zeiten ist übrigens (lt. M 81) spontan
wiederentstanden. Der Art Vollständigkeit halber erwähne ich auch noch
den Gotrabhū, welches (gemäß budd. Wörterbuch) den Übergang vom
Weltling zum Sotapanna charakterisiert (ein Abschnitt, auf dem wir uns
möglicherweise befinden).
Mit all dem, wie gesagt, habe ich mich auf Grund deines Posts
beschäftigt. Danke insofern. Ich hoffe nichts Wichtiges falsch
dargestellt zu haben.
Noch eine, sozusagen hoffentlich kurze, Bemerkung zu der Diskrepanz
zwischen 100000 und 91 Äonen. Ohne das überprüft zu haben, bestätigte
auch dies gewisse Inkonsistenzen (in den Sutten, im Abhidhamma; insb.
Kommentaren), die Verwirrung und Unsicherheit bewirken können.
Andererseits ist das (leider) nur ganz natürlich. Durch Jahrhunderte
(2 Jahrtausende) wurden die Worte/Texte transportiert. Tausende von
ehrenwerten Mönchen unterschiedlicher "Gruppierungen" haben sich
Gedanken dazu gemacht. Auch schiere Art Druckfehler treten da auf. Und
Pali ist für kleinste Buchstabendreher und –auslassungen und (auch)
insofern "Interpretationsspielräume" sehr anfällig. Die man aber
(verständlicher- und ehrenwerterweise) aus (u.a.) Bescheidenheit und
Respekt vor der "Erhabenheit" der Wurzeln, Worte und Personen (der
hochintelligenten/hochweisen Wahrheit der Erkenntnisse wegen) nicht
wirklich in Frage stellen will und kann. Die budd. Lehre ist ja auch,
mMn [bzw. unter den mir (bisher) bekannten Ansichten] eine Gute bzw.
die (relativ) Beste. Will sagen: Mit "irgendeiner"
"Philosophie" (Denkweise) lebt man nun einmal .. muss man offenbar
(sinnvollerweise) durchs Leben gehen. Und da hat, zumindest mir, die
buddhistische Sichtweise bisher (zwar nicht nur, aber) überwiegend
(wie gesagt: bis dato) gut getan. Ich verdanke ihr viel.
aki