Rechte Gesinnung

10 views
Skip to first unread message

viriy...@gmail.com

unread,
Mar 28, 2007, 1:01:04 AM3/28/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

kommen wir nun zum zweiten Glied des Achtpfades, der rechten
Gesinnung. Aber natürlich gilt, wenn jemand zu den bereits
existierenden threads noch was einfällt, einfach schreiben.

M 117: ,,Da geht denn, ihr Bhikkhus, rechte Ansicht voran. Wie aber
geht, ihr Bhikkhus, rechte Ansicht voran? Falsche Gesinnung erkennt
man als falsche Gesinnung, rechte Gesinnung erkennt man als rechte
Gesinnung: das gilt einem als rechte Ansicht."
,,Was ist nun, ihr Bhikkhus, falsche Gesinnung?
Sinnenlustwollen, Übelwollen, Grausamkeitswollen: das ist, ihr
Bhikkhus, falsche Gesinnung.

Was ist nun, ihr Bhikkhus, rechte Gesinnung?
Rechte Gesinnung, sag' ich da, Bhikkhus, ist doppelter Art. (...) Was
ist das nun, ihr Bhikkhus, für eine rechte Gesinnung, die wahnhaft,
verdienstreich ist und auf der Seite des Anhaftens zur Reifung
gelangt?
Entsagenwollen, Nichtübelwollen, Nichtgrausamseinwollen: das ist, ihr
Bhikkhus, eine rechte Gesinnung, die wahnhaft, verdienstreich ist und
auf der Seite des Anhaftens zur Reifung gelangt.


Was aber ist es, ihr Bhikkhus, für eine rechte Gesinnung, die heilig,
wahnlos, überweltlich, ein Pfadfaktor ist?
Das Denken, der Gedanke, die Absicht, das Verankern und Hinlenken des
Geistes, die Ausrichtung des Herzens, die sprachlichen Gestaltungen,
in einem, dessen Geist edel ist, dessen Geist triebfrei ist, der den
edlen Pfad besitzt und ihn entwickelt: das ist, ihr Bhikkhus, eine
rechte Gesinnung, die heilig, wahnlos, überweltlich und ein Pfadfaktor
ist.
Man strengt sich an, falsche Gesinnung zu überwinden, rechte Gesinnung
zu erlangen: das gilt einem als rechte Anstrengung. Besonnen läßt man
falsche Gesinnung hinter sich, besonnen gewinnt und erreicht man
rechte Gesinnung: das gilt einem als rechte Achtsamkeit. So kreisen
und drehen sich diese drei Dinge um die rechte Gesinnung, nämlich
rechte Ansicht, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit."

S 56, 7-8: ,,Ihr Bhikkhus, denkt nicht üble, unheilsame Gedanken, wie
Gedanken der Sinneslust, Gedanken des Übelwollens, Gedanken der
Gewalt.
Ihr Bhikkhus, reflektiert nicht auf üble, unheilsame Weise über etwas
wie: ,,Ewig ist die Welt oder nicht ewig ist die Welt; endlich ist die
Welt oder nicht-endlich ist die Welt. Wie das Leben, so der Leib, oder
anders das Leben, anders der Leib. Der Vollendete ist nach dem Tode,
ist nicht nach dem Tode, ist sowohl als auch, ist weder noch nach dem
Tode".
Und warum? Solche Gedanken, sind nicht nützlich, haben nichts mit den
Grundlagen des heiligen Wandels zu tun, führen nicht zum Abscheu,
nicht zur Entreizung, nicht zum Erlöschen, nicht zum Frieden, nicht
zum direkten Wissen, nicht zur vollen Erwachung, nicht zum Nibbana.
Wenn ihr denkt und reflektiert, solltet ihr erwägen und bedenken: Das
ist das Leiden, das ist die Leidensentwicklung, das ist die
Leidensauflösung, das ist das zur Leidensauflösung führende Vorgehen.
Und warum? Solches Erwägen, solches Nachdenken ist nützlich (...)."

Servus
Viriya

viriy...@gmail.com

unread,
Mar 30, 2007, 2:42:05 AM3/30/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

es sinnt sich nix? Darum ein paar Fragen.

Sankappa: Gedanke, Vorsatz, Wunsch, Entschluß, Plan, gesammelt ein Tun
vorbereiten, den Denksinn auf etwas richten, Geistesverfassung,
Gemütseinstellung.

Was heißt: "Falsche Gesinnung erkennt man als falsche Gesinnung,


rechte Gesinnung erkennt man als rechte

Gesinnung"?

Was heißt: "Entsagenwollen, Nichtübelwollen, Nichtgrausamseinwollen"?
Und warum heißt es so?

Was ist überweltliche reche Gesinnung? (Bitte nicht einfach den Text
zitieren)

Servus
Viriya

Udo

unread,
Apr 1, 2007, 2:23:26 AM4/1/07
to Theravada-Studiengruppe
Hallo Freunde,

> Was heißt: "Falsche Gesinnung erkennt man als falsche Gesinnung,
> rechte Gesinnung erkennt man als rechte
> Gesinnung"?
Falsche Gesinnug ist: Nichts von Entsagung halten,seinem Ärger freien
Lauf lassen,sich rächen wollen...

> Was heißt: "Entsagenwollen, Nichtübelwollen, Nichtgrausamseinwollen"?
> Und warum heißt es so?
In Erwartung auf gute Ergebnisse ist es der weltliche Weg.Es wird von
Begehren begleitet und erzeugt weiterhin Leid.

> Was ist überweltliche reche Gesinnung?
Überweltlich ist sie wenn man nichts erwartet wie es uns der Buddha
und die Sangha vorleben und lehren.
Liebe Grüsse Udo

> > Viriya- Zitierten Text ausblenden -
>
> - Zitierten Text anzeigen -

Florian M. Weps

unread,
Apr 3, 2007, 11:32:58 AM4/3/07
to theravada-s...@googlegroups.com
Freunde,

On Thu, Mar 29, 2007 at 11:42:05PM -0700, viriy...@gmail.com wrote:
>
> Liebe Freunde,
>
> es sinnt sich nix? Darum ein paar Fragen.

Danke, ich wusste nicht so recht, wo anzufangen ist -

> Sankappa: Gedanke, Vorsatz, Wunsch, Entschluß, Plan, gesammelt ein Tun
> vorbereiten, den Denksinn auf etwas richten, Geistesverfassung,
> Gemütseinstellung.
>
> Was heißt: "Falsche Gesinnung erkennt man als falsche Gesinnung,
> rechte Gesinnung erkennt man als rechte
> Gesinnung"?

Dass rechte Ansicht und rechte Gesinnung ineinander verschlungen sind -
schliesslich sind sie unterschiedliche Arten von Gedanken: die Ansicht
mehr aufs Erkennen, die Gesinnung auf die Absicht gerichtet. Man erkennt
seine Absicht/Gesinnung. Und man beabsichtigt Erkenntnis/Ansicht.

> Was heißt: "Entsagenwollen, Nichtübelwollen, Nichtgrausamseinwollen"?
> Und warum heißt es so?

Was mir dazu so an Unzusammenhängendem eingefallen ist:

Sind die beiden Negativ-Formulierungen eigentlich übersetzungsbedingt?
Es könnte ja auch sein, dass Nichtübelwollen etwas anderes bedeutet als
Wohlwollen, beispielsweise, etwas Neutraleres, weniger Anhaftendes.

Sinneslust und Hass (Übelwollen) kommen auch bei den Fesseln vor.

Zum Entsagen(wollen) und (nicht-)grausamkeit zwei Verse aus dem
Dhammapada (290 und 291):

Wenn bei Verzicht auf minderes Glück sich großes zeigt,
Gibt für das große Glück der Weise minderes leicht.

Wer eig'nes Glück erstrebt auf Kosten fremder Leiden,
Der ist in Haß verstrickt, kann Feindschaft nicht vermeiden.

Bei dieser Auffassung von Entsagung schwingt die Bedeutung von einem
Handel oder Tausch mit - kleines Glück gegen grosses - Entsagung gegen
Freiheit von Hass und Feindschaft. Wie das umgekehrte Märchen vom Hans
im Glück -

Und letzten Endes sind Nichtübelwollen und Nichtgrausamseinwollen auch
Formen der Entsagung: man entsagt der Böswilligkeit und der Grausamkeit.
Und eine Form der Grosszügigkeit, der Spende: man schenkt Sicherheit vor
Übelwollen und Schaden.

Der Buddha beschreibt (M 19) den ganzen "Sortiervorgang" der rechten
Gesinnung, bis hin zum Erwachen.

> Was ist überweltliche reche Gesinnung? (Bitte nicht einfach den Text
> zitieren)

Ich versuches es mal: so, wie die überweltliche rechte Ansicht das
*Verständnis* der vier edlen Wahrheiten ist, müsste die überweltliche
rechte Gesinnung *Absichten* im Einklang mit den vier edlen Wahrheiten
umfassen.

Dazu fällt mir ein, dass die edlen Wahrheiten auch als Imperative
aufgefasst werden können:

Verstehe das Leiden!
Verlasse den Ursprung des Leidens!
Erfahre das Erlöschen des Leides!
Entwickle den Übungsweg zum Erlöschen des Leides!

Und die Absicht, diesen Aufforderungen nachzukommen, formt und leitet
die Gedanken. So verstehe ich die überweltliche rechte Gesinnung.

Hoffentlich liege ich nicht zu sehr daneben.

Cheers,
Florian

Florian M. Weps

unread,
Apr 3, 2007, 11:36:48 AM4/3/07
to theravada-s...@googlegroups.com
On Sat, Mar 31, 2007 at 11:23:26PM -0700, Udo wrote:
>
> Hallo Freunde,
> > Was heißt: "Falsche Gesinnung erkennt man als falsche Gesinnung,
> > rechte Gesinnung erkennt man als rechte
> > Gesinnung"?
>
> Falsche Gesinnug ist: Nichts von Entsagung halten,seinem Ärger freien
> Lauf lassen,sich rächen wollen...
>
> > Was heißt: "Entsagenwollen, Nichtübelwollen, Nichtgrausamseinwollen"?
> > Und warum heißt es so?
>
> In Erwartung auf gute Ergebnisse ist es der weltliche Weg.Es wird von
> Begehren begleitet und erzeugt weiterhin Leid.
>
> > Was ist überweltliche reche Gesinnung?
>
> Überweltlich ist sie wenn man nichts erwartet wie es uns der Buddha
> und die Sangha vorleben und lehren.

Das mit dem Erwarten der guten Ergebnisse, bzw der Erwartungsfreiheit,
gefällt mir. So hatte ich das noch nie gesehen. Schön knapp und
verständlich. Danke!

Cheers,
Florian

viriy...@gmail.com

unread,
Apr 3, 2007, 1:04:36 PM4/3/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

sehr schön! Noch ein bißchen was von mir.

Anhand der rechten Ansicht erkennt man rechte und falsche Gesinnung.
D.h. man sieht den ganzen, langfristigen samsarischen Zusammenhang und
mißt seine Absicht daran. Alle Wesen waren schon mal Vater, Mutter,
Kind, Erben ihrer Taten sind die Wesen, jetzt geht es mir gut weil ich
früher gut gewirkt habe, höre ich auf Gutes zu wirken werde ich auch
davon die Folgen tragen, man kann aus dem Dasein ausbrechen, wenn man
sich nicht im Strom des Begehrens treiben läßt, etc.
Inwieweit ist meine Gesinnung, meine Gemütsverfassung, mein Wollen und
Sehnen damit vereinbar.

Nicht-Übelwollen und Nicht-Grausamseinwollen ist einen interessante
Eigenart der Schriften, man könnte ja auch einfach die Synonyme metta
und karuna verwenden. Das zeigt den Realismus des Buddha.
Freundlichkeit oder noch utopischer liebevolle Güte in der Gesinnung
zu verlangen ist nur etwas für ganz weit Fortgeschrittene oder
Träumer. Machbar ist den Geist von Übelwollen und Grausamkeit frei zu
halten. Ebenso ist es mit der Entsagung. "um eines höheren Glückes
willen will ich ein niederes Glück wohl lassen. Der Weltling läßt nur
los wenn er etwas besseres in greifbarer Nähe hat, sogar der Buddha
berichtet das von sich vor seinem Erwachen.
Gerade deshalb ist die arbeit an der rechten weltlichen Ansicht so
wichtig, denn nur wenn mir die Daseinszusammenhänge deutlich vor Augen
stehen, kann eine entsagende Gesinnung überhaupt in mir aufsteigen.

Die überweltliche rechte Gesinnung, hat weil die überweltliche rechte
Anschauung die Daseinsmerkmale erkannt hat, immer das Ziel des
Erwachens vor Augen. Darauf richtet sich das Wollen und Sehnen. Die
Prioritäten haben sich mit dem Stromeintritt neu geordnet und man ist
nur noch bemüht das Geistherz zu läutern um alles Unnütze hinter sich
zu lassen.

Servus
Viriya

On 3 Apr., 17:32, "Florian M. Weps" <f...@hactrn.ch> wrote:
> Freunde,
>

Florian M. Weps

unread,
Apr 4, 2007, 11:04:42 AM4/4/07
to theravada-s...@googlegroups.com
Freunde,

On Tue, Apr 03, 2007 at 05:04:36PM -0000, viriy...@gmail.com wrote:
>
> Anhand der rechten Ansicht erkennt man rechte und falsche Gesinnung.
> D.h. man sieht den ganzen, langfristigen samsarischen Zusammenhang und
> mißt seine Absicht daran. Alle Wesen waren schon mal Vater, Mutter,
> Kind, Erben ihrer Taten sind die Wesen, jetzt geht es mir gut weil ich
> früher gut gewirkt habe, höre ich auf Gutes zu wirken werde ich auch
> davon die Folgen tragen, man kann aus dem Dasein ausbrechen, wenn man
> sich nicht im Strom des Begehrens treiben läßt, etc.

Das erinnert mich vom Wortlaut an eine Liste von fünf Betrachtungen, die
man sich täglich vor Augen führen soll - wo war die nur - hier: A 5.57

http://www.palikanon.com/angutt/a05_051-060.html#a_v57

> Nicht-Übelwollen und Nicht-Grausamseinwollen ist einen interessante
> Eigenart der Schriften, man könnte ja auch einfach die Synonyme metta
> und karuna verwenden. Das zeigt den Realismus des Buddha.
> Freundlichkeit oder noch utopischer liebevolle Güte in der Gesinnung
> zu verlangen ist nur etwas für ganz weit Fortgeschrittene oder
> Träumer.

Meine Frage mag jetzt etwas aus dem Zusammenhang scheinen: wie passt die
Metta-Meditation da hinein? Sie gilt offenbar als geeignet für Anfänger.

> Die überweltliche rechte Gesinnung, hat weil die überweltliche rechte
> Anschauung die Daseinsmerkmale erkannt hat, immer das Ziel des
> Erwachens vor Augen. Darauf richtet sich das Wollen und Sehnen. Die
> Prioritäten haben sich mit dem Stromeintritt neu geordnet und man ist
> nur noch bemüht das Geistherz zu läutern um alles Unnütze hinter sich
> zu lassen.

Darf ich Stromeintritt mal als zukünftiges Diskussionsthema anregen?
Du leitest diese Diskussion sehr gut, finde ich, also lass Dich von
diesem Vorschlag nicht aus dem Konzept bringen.

Cheers,
Florian

viriy...@gmail.com

unread,
Apr 5, 2007, 12:51:55 AM4/5/07
to Theravada-Studiengruppe
Lieber Florian,

gut erkannt der Zusammenhang, drum gleich der ganze Wortlaut, nur
falls sich jemand drum drücken will:

Dem Altern bin ich unterworfen, kann dem Alter nicht entgehen. Der
Krankheit bin ich unterworfen, kann der Krankheit nicht entgehen. Dem
Sterben bin ich unterworfen, kann dem Sterben nicht entgehen. Von
allem Lieben und Angenehmen muß ich scheiden und mich trennen. Eigner
und Erbe meiner Taten bin ich, meinen Taten entsprossen, mit ihnen
verknüpft, habe sie zur Zuflucht und die guten und bösen Taten, die
ich tue, werde ich zum Erbe haben.

Ein kurzer Abstecher zu Metta. Anfänger ist gleich Weltling, ist
gleich Nicht-Sotapanna. Natürlich ist auch diesen Metta nicht fremd
und kann geübt werden.
Allen Lebewesen, Freunde in Geburt, Alter, Krankheit und Tod.
(Weltliche rechte Anschauung) Das heißt man versucht sie, ebenso wie
sich selbst, in ihrer naturgegebenen Bedingtheit wahr mit all ihren
Schwächen und Stärken, ihren guten und schlechten Seiten wahrzunehmen.
Aus dieser Wahrnehmung heraus wächst in uns die Qualitäten von metta:
"Liebe" im Sinne von Freundschaft, Freundlichkeit, Wohlwollen, aktivem
Interesse am Nächsten, liebevoller Güte.
Nimmt man noch die Synonyme wie anukampa (Empathie, Barmherzigkeit -
wrtl.: bewegt sein im Einklang mit anderen; auch sich des anderen
annehmen, ihm Wohl wünschen, ihn verständnisvoll aktzeptieren),
atthakama (Wohlwollen, Wohlwünschen); muducittata (sanftmütiger
Geisteszustand) und anuddaya (Fürsorge) hinzu, wird deutlich, daß
sich, außer im meditativen Kontext, metta nicht klar von Mitgefühl
(karuna), Mitfreude (mudita) und Gleichmut (upekkha) trennen läßt.
Dies Qualitäten müssen durchgängig ausgebaut werden (rechte
Anstrengung) wenn wir sie im Geist entdecken (rechte Auchtsamkeit).
Den Zusammenhang mit Entsagung hast Du ja schon gesehen.

Erinnere mich daran, wenn wir mit der Sutta durch sind, daß wir einen
sotapanna thread aufmachen.

Servus
Viriya

On 4 Apr., 17:04, "Florian M. Weps" <f...@hactrn.ch> wrote:
> Freunde,
>

viriy...@gmail.com

unread,
Apr 6, 2007, 3:26:39 AM4/6/07
to Theravada-Studiengruppe
Doch noch ein paar Worte zu nekkhamma:
Das Wort läßt sich entweder von „weggehen“ (von den Sinnesdingen)
(kāma), „hinausziehen“ (in die Hauslosigkeit) (nikkhamati) oder von
„begierdelos“, „ohne Lust“ (nikkama), ableiten. Zusammengenommen
vereinen sich hier die Aspekte des äußerlichen und innerlichen
Zurücklassens der Sinnenwelt. Weltabwendung oder Entsagung (nekkhamma)
steht in Opposition zu allem worin der unbelehrte Weltmensch sein
Glück vermutet. Er ist der festen Überzeugung das wahre Glück finde
sich in den Genüssen der sinnlichen Erfahrung.
„Wir als Hausleute, ehrwürdiger Ananda, genießen die Sinnendinge,
finden an den Sinnendingen Freude, Gefallen und Entzücken. Uns
Hausleuten aber, Ehrwürdiger, die wir die Sinnendinge genießen, an den
Sinnendingen Freude, Gefallen und Entzücken finden, uns erscheint die
Entsagung wie ein Abgrund.“ A.IX. 41
Weil das Wort nekkhamma falsch als Opfer, als Askese oder
Selbstkasteiung (tapa) verstanden wird, anstatt als ein Sich-Abwenden
von etwas das man als unheilsame oder dumme Angewohnheit erkannt hat
erscheint nekkhamma als gähnend leerer Abgrund. Der Genuß ist für den
Weltmensch ja nicht nur etwas das Glück verheißt sondern auch ein
„Ort“ an dem er vor dem Leid mit dem er konfrontiert wird Zuflucht
sucht. Es bleibt ihm auch gar nichts anderes übrig, weil er noch
nichts anders kennt.

„Wird er (der Weltmensch) nun von einem Wehgefühl getroffen, dann
sucht er Freude im Sinnenwohl. Und warum? Nicht kennt ja, ihr
Bhikkhus, der unerfahrene gewöhnliche Mensch eine andere Entrinnung
von dem Wehgefühl als das Sinnenwohl.“ S 36,6

Wenn man aber im buddhistischen Kontext von Entsagung, Weltabwendung
und Asketentum spricht, dann darf man nicht vergessen, daß wir vom
mittleren Weg sprechen und nekhamma daher mit Selbstkasteiung oder
Selbstüberforderung nichts zu tun hat. Es geht vorrangig nicht um die
Objekte sinnlicher Freuden (vatthu-kama) sondern um das auf sie
gerichtete Begehren (kilesa-kama).

„Da weilt aber ein Bhikkhu in der Nähe eines Dorfes oder einer
Ortschaft. Und ein Hausvater oder der Sohn eines Hausvaters kommt zu
ihm und ladet ihn für den folgenden Tag zum Mahl ein. Wenn der Bhikkhu
gewillt ist, gibt er seine Zustimmung. Nach Ablauf jener Nacht nun
kleidet er sich in der Frühe an, nimmt Almosenschale und Gewand und
begibt sich zur Wohnung jenes Hausvaters. Dort angelangt, setzt er
sich auf dem angewiesenen Sitz nieder, und jener Hausvater bedient ihn
und wartet ihm eigenhändig mit vorzüglicher harter und weicher Speise
auf. Da aber denkt jener Bhikkhu nicht so: „Wahrlich, schön ist es,
wie mich dieser Hausvater bedient und mir mit vorzüglicher harter und
weicher Speise aufwartet!“ Nicht kommt ihm da der Gedanke: „Ach, daß
doch dieser Hausvater mich auch fernerhin bedienen und mir mit solch
vorzüglicher harter und weicher Speise aufwarten möchte!“ Und ohne
Gier, unbetört, unverlockt, das Elend dabei merkend, der Entrinnung
eingedenk, verzehrt er die Almosenspeise. Dabei hegt er entsagende
Gesinnung, haßlose Gesinnung und friedfertige Gesinnung. Die Gabe an
einen solchen Bhikkhu, sage ich, bringt hohe Frucht. Und warum? Vollen
Ernstes lebt ja dieser Bhikkhu.“ A III, 124

Servus
Viriya

> > Florian- Zitierten Text ausblenden -

Florian M. Weps

unread,
Apr 10, 2007, 3:52:18 PM4/10/07
to theravada-s...@googlegroups.com
Freunde,

On Wed, Apr 04, 2007 at 09:51:55PM -0700, viriy...@gmail.com wrote:
> der ganze Wortlaut, nur falls sich jemand drum drücken will:
>
> Dem Altern bin ich unterworfen, kann dem Alter nicht entgehen. Der
> Krankheit bin ich unterworfen, kann der Krankheit nicht entgehen. Dem
> Sterben bin ich unterworfen, kann dem Sterben nicht entgehen. Von
> allem Lieben und Angenehmen muß ich scheiden und mich trennen. Eigner
> und Erbe meiner Taten bin ich, meinen Taten entsprossen, mit ihnen
> verknüpft, habe sie zur Zuflucht und die guten und bösen Taten, die
> ich tue, werde ich zum Erbe haben.
>
> Ein kurzer Abstecher zu Metta. Anfänger ist gleich Weltling, ist
> gleich Nicht-Sotapanna. Natürlich ist auch diesen Metta nicht fremd
> und kann geübt werden.

Tägliche Betrachtungen oder Andacht wie diese sind also Übungen in
rechter Gesinnung. Ich hatte die rechte Gesinnung bis jetzt als
theoretisches Spielzeug angesehen - damit die Zahl acht schön aufgeht
gewissermassen - aber dass sie sich auch richtig praktisch üben lässt,
war mir nicht klar. Naja, theoretisch schon, die vierte edle Wahrheit
entwickeln und so weiter.

Kennt Ihr noch andere Trainingsmethoden für die rechte Gesinnung?

Cheers,
Florian

Reply all
Reply to author
Forward
0 new messages