Dhamma

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Johannes

unread,
Oct 28, 2008, 12:35:00 PM10/28/08
to Theravada-Studiengruppe

Liebe Freunde

2 Fragen möchte ich heute gern an Euch richten.

Die 1.: Scheinbar beantwortet die Frage sich schon aus sich selbst
heraus. Dennoch möchte ich sie gern in diese offene Runde geben.

Die 3 Geistesgifte Gier, Haß u. Verblendung.
Ich denke, es fällt mir vergleichsweise leicht mich etwas haben oder
behalten wollend und auch etwas ablehnend zu erleben, zu beobachten,
auch während das Phänomen weiterhin Kraft hat und wirkt. Auch wenn das
Phänomen dadurch schon geschwächt wird.
Aber wie verhält es sich mit der Verblendung?
Hier bin ich deutlich unklarer. Mein augenblicklicher Stand der Dinge
ist, daß ich mich dabei beobachten kann, wie ich feststelle, daß ich
etwas erkannt habe was mir eben zuvor noch nicht bewußt war. Also eben
gerade noch eine gewisse Qualität von Verblendung. Dann der öffnende
Blick und eine gewisse Qualität von Erkenntnis. So weit, so gut.
Allerdings, in dem Augenblick wenn Erkenntnis stattfindet, ist
Verblendung Vergangenheit geworden. Also, ich kann mich an Verblendung
erinnern, aber nicht beobachten wenn sie stattfindet.
Haltet Ihr es für vertretbar zu sagen, entweder es findet Verblendung
statt oder Erkenntnis?
Schließt Verblendung zur gleichen Zeit Erkenntnis aus und umgekehrt?
Wie geht es Euch damit Verblendung zu beobachten?



Die 2.: Welche Phänomene erlebt Ihr im Kontext zu angenehmen u.
unangenehmen Gefühlen als neutrale Gefühle?
Wie erkennt Ihr das? Wie kommt Ihr dem auf die Schliche?

Wenn ich versuche das zu meditieren komme ich zu dem Ergebnis, daß die
Gefühle die ich beobachte, auch wenn sie noch so unspektkulär sind,
z.B. Kleidung auf der Haut, irgend eine Tendenz haben in Richtung
angenehm bzw. eben unangenehm. Auch wenn das Erleben immer
unspektakulärer wird, so meine ich dennoch immer eine Tendenz in
Richtung angenehm oder unangenehm zu erleben.
Wie erlebt Ihr das?

Vielen Dank und eine schöne Zeit wünscht Euch,

Johannes
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aki

unread,
Oct 31, 2008, 2:24:43 PM10/31/08
to Theravada-Studiengruppe
Hallo Johannes.

… interessante, wichtige Frage wann Verblendung stattfindet ...

Wichtig insofern, als dass Nichtwissen (quasi ein anderer Ausdruck für
Verblendung) ja erstes Glied im Paṭiccasamuppāda ist und somit Ursache
vieler "Missverständnisse". Den Aspekt dass es Stellen im Kanon gibt,
die wiederum die Āsavas (Einflüsse) als Ursache der Verblendung nennen
bzw. dann wiederum die Verblendungen als Ursache der (an sich ganz
natürlichen, aber oft "fehlinterpretierten") Āsavas, lasse ich, da es
von deiner Frage abschweifte, jetzt 'mal weg.

Verblendung findet (so gesehen) also immer statt, da man gewissermaßen
stets "unter Einfluss" steht. Und es findet auch stets, um nicht zu
sagen gleichzeitig mit Verblendung, Erkenntnis statt, da man (mE)
"unter Einfluss stehen" auch als wahrnehmen assoziieren kann. Und wer
wahrnimmt, hat eine "Erkenntnis". Nun ist natürlich nicht jede
Erkenntnis auch eine Verblendung (wenn ich an der Ampel rotes Licht
wahrnehme, ist das in der Regel keine Verblendung), aber jede
Verblendung (in dem Sinne von dem wir hier sprechen) ist auch eine
(wenn auch falsche) Erkenntnis.

Ob man nun weiß (sich sicher sein darf), ob diese
Erkenntnis/"Wahrnehmung" (das mit ihr entstandene/assoziierte
"Gefühlsdenken") richtig ist (der möglichst "unrelativen Wahrheit"
entspricht), hängt, meiner Erfahrung nach, von der (individuellen)
"Betrachtungsweise" (diṭṭhi) von Ereignissen ab ["natürlich
allerdings" unter vom Buddhismus beeinflusster (Āsavas!; hier aber
eher positiv von mir gemeint) Perspektive]. Sowie wie weit diese
(angewandte/gelernte) Sicht-/Wahrnehmungsweise dann auch durch äußere
Geschehnisse (wiederholt) "verifiziert" wurde, d.h. sich (empirisch)
als die offenbar richtige herausstellte.

Wenn man dann merkt dass man früher häufig die Dinge (wenn auch
subjektiv bzw. menschlich-verständlicherweise) "falsch" gesehen/
empfunden hat, lernt man eben Verblendung "zu beobachten" (deine
Frage) bzw. besser mit ihr umzugehen .. bemüht sich sie zu
reduzieren .. denn (auch) sich selber schaden will und sollte man ja
"eigentlich" nicht
:-)

Das ist jetzt sicher noch keine alle Aspekte dieses Themas
erschöpfende Antwort. Kann es auch schwerlich sein, da ja immer wieder
neue Situationen [individuelle Zustände (infolge "Einflüssen")]
entstehen, bzw. diese (buddhistisch-bekanntermaßen) ja nahezu
naturgesetzlich-zwingend Veränderungen (anicca) unterliegen. Man lernt
"lange Zeit nie" aus bzw. nahezu stets (hoffentlich nur
Unverblendetes) dazu ..

Frage 2: Welche Phänomene erlebt man (d.h. ich) als neutrale Gefühle
(als Abgrenzungsdefinition zu angenehmen und unangenehmen). Das könnte
meinen: Wann bin ich gefühllos? Lege meinen Wahrnehmungen keine
subjektiv (egoistisch?) beeinflussten (auch noch "unbewusst"/vegetativ
gesteuerten) Wunsch-/"Gier"empfindungen bei (die sehr blitzartig, auch
"triebhaft", auftreten/emportauchen können). Gefühllos also im
heilsamen Sinne. Andererseits man (recht zutreffend) sagen kann, dass
keine Gefühle haben "unmenschlich"/widernatürlich ist. Bzw. im Falle
von z.B. "Angstgefühl" (bzw. es nicht haben) durchaus selbstschadend
sein kann (etwa dass man eine drohende Gefahr nicht "intuitiv/
instinktiv" fühlt/ahnt).

Ich denke (und glaube dass es auch so in den Sutten steht), dass
neutrale Gefühle nicht ohne Gefühle meint, sondern "richtige" Gefühle,
den Tatsachen entsprechende (der Realität adäquate). Wahrheitsgemäße
sozusagen. Wobei natürlich das Problem der Urteilsfähigkeit/des
Überblicks über die "absolute/zeitlose" Wahrheit/Gerechtigkeit
auftaucht (und dies auch noch unter Berücksichtigung von Verständnis/
Mit-Gefühl). Keine Gefühle haben also nicht sein muss/soll (kein budd.
Ideal ist). Ist es nicht so, dass sogar Verlangen/Durst (Wunschgefühl)
Positives generieren können, insofern kanonistisch "sanktioniert"
sind? "Verlangen/Durst"/Bedürfnis nach (z.B.) Leidfreiheit "absolut"
OK ist. Neutral meint da doch wohl z.B.: nicht übereuphorisch .. die
("karmischen") Folgen bedenkend (Achtsamkeit) .. "cool" .. um
Objektivität bemüht (so wie die Justitia mit den verbundenen Augen) ..
usw. (an sich hinlänglich bekannte Begriffe). Aber da ist eine
("menschlich-verständliche" sowie ebenso hinlänglich bekannte)
Diskrepanz zwischen Praxis und Theorie. (Fühlen) Denken und Handeln
(Re-Agieren) gemäß der der Situation gebührenden ("ehrenwerten")
Erfordernis. Nicht immer ganz einfach in der Entscheidungsfindung.
Womit sich wieder ein gewisser Kreis schließt zu Verblendung (bzw.
vorzugsweise Unverblendung).

Gruß aki

viriy...@gmail.com

unread,
Nov 2, 2008, 2:00:34 AM11/2/08
to Theravada-Studiengruppe
Lieber Johannes,

avijja ist ein breites Feld aber auch klar definiert z.B. in M9 Das
Ende von avijja beginnt mit dem Pfadeintritt.

Was ist nun das Nicht-Wissen, was ist der Ursprung des Nicht-Wissens,
was ist die Auflösung des Nicht-Wissens, was ist der zur Auflösung des
Nicht-Wissens führende Weg? Das Leiden nicht verstehen, die
Leidensentwicklung nicht verstehen, die Leidenserlöschung nicht
verstehen, den zur Leidenserlöschung führenden Weg nicht verstehen,
das nennt man Nicht-Wissen. Die Entwicklung der Einflüsse bedingt
zugleich auch die Entwicklung des Nicht-Wissens; hören die Einflüsse
auf, hört auch das Nicht-Wissen auf.


Der Pfadeintritt ist nur mit rechter Ansicht zu erreichen.:

„Wenn Freunde, ein edler Anhänger das Unheilsame und die Wurzel des
Unheilsamen, das Heilsame und die Wurzel des Heilsamen versteht, ist
er insofern einer mit rechter Anschauung, einer, dessen Ansicht gerade
ausgerichtet ist, einer, der vollkommenes Vertrauen in das Dhamma hat
und der bei diesem wahren Dhamma angekommen ist.
Und was ist nun das Unheilsame, was ist die Wurzel des Unheilsamen,
was ist das Heilsame, was ist die Wurzel des Heilsamen?

Lebende Wesen zu töten ist unheilsam.
Nehmen, was nicht gegeben ist, ist unheilsam.
Fehlverhalten bei sinnlichen Freuden ist unheilsam.
Falsche Rede ist unheilsam.
Boshafte Rede ist unheilsam.
Grobe Rede ist unheilsam.
Geschwätz ist unheilsam.
Habgier ist unheilsam.
Übelwollen ist unheilsam.
Falsche Ansicht ist unheilsam.
Das nennt man das Unheilsame.

Und was ist die Wurzel des Unheilsamen?
Gier ist eine Wurzel des Unheilsamen,
Haß ist eine Wurzel des Unheilsamen,
Verblendung ist eine Wurzel des Unheilsamen.
Das nennt man die Wurzel des Unheilsamen.

Vorrangig ür die Praxis ist dieser Satz: A X, 61-62: Die ernährnde
Bedingung für avijja sind die fünf Hemmungen.

Auch Vedana ist klar definiert: M 44
„Und wie erklärt man, Ehrwürdige, das angenehme Gefühl, wie das
unangenehme Gefühl und wie das weder-ange¬nehme-noch-unangenehme
Gefühl?“
„Was immer, Freund Visakha, körperlich oder geistig als angenehm und
erfreulich empfunden wird, ist das angenehme Gefühl. Was immer
körperlich oder geistig als schmerzhaft und unerfreulich empfunden
wird, ist das unangenehme Gefühl. Was immer körperlich oder geistig
als weder angenehm noch unangenehm empfunden wird, ist das das weder-
angenehme-noch-unangenehme Gefühl.
Und was ist, beim angenehmen Gefühl, angenehm und was unangenehm, was
ist beim unangenehmen Gefühl unangenehm und was angenehm, und was ist
beim weder-angenehmen-noch-unangenehmen Gefühl angenehm und was ist
unangenehm?
Angenehmes Gefühl ist angenehm, wenn es anhält und unangenehm, wenn es
sich verändert. Unangenehmes Gefühl ist unangenehm, wenn es anhält und
angenehm, wenn es sich verändert. Weder-angenehmes-noch-unangenehmes
Gefühl ist angenehm, wenn man davon weiß und unangenehm, wenn man
davon nichts weiß.“

Wenn diese Stellen bei der Klärung der Fragen geholfen haben lege ich
Euch die Opanayiko Bücher ans Herz (siehe www.dhamma-dana.de) darin
haben wir versucht derartige Fragen durch Buddha selbst beantworten zu
lassen. Ohne sich auf die Aussagen des Erhabenen zu stützen machen
Diskussionen wenig Sinn, da sie in Meinungen und Erfahrungsberichte
ausarten die ihr Gundlage worin haben .... na klar :) ...avijja.
Servus
Viriya
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