Rechte Geistesgegenwart

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viriy...@gmail.com

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Jul 12, 2007, 11:37:39 AM7/12/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

zur rechten Anstrengung kommt nichts mehr - seid Ihr zu erschöpft?
Wie wär´s dann mit samma sati?

M 125: ,,Nachdem er die fünf Hindernisse, diese Unvollkommenheiten der
Bewußtheit, die erkenntnisschwächenden, hinter sich gelassen hat,
richtet er seine Aufmerksamkeit auf den Körper an und für sich (in
and of itself), eifrig, wach und geistesgegenwärtig, Gier und
Verzweiflung hinsichtlich der Welt beiseite lassend. (...) Gefühle
(...) Geist (...) dhammas (...) Diese vier Referenzrahmen sollen die
Aufmerksamkeit des Schülers der Edlen binden, damit er seine
Haushältergewohnheiten, seine Haushältererinnerungen und
Haushältervorsätze überwindet, damit er die Ablenkung, die Erschöpfung
und sein Fieber hinsichtlich des Hauslebens überwindet, um die rechte
Methode und die Erkenntnis der Befreiung zu erlangen."

Servus
Viriya

aki

unread,
Jul 17, 2007, 5:00:23 AM7/17/07
to Theravada-Studiengruppe

Werte Freunde.

Was ist eigentlich "sati"?

Gedenken, Besonnenheit, Einsicht, Verinnerung, Erinnerung,
Achtsamkeit, konzentrierte Geistestätigkeit, Aufmerksamkeit,
Geistesgegenwart, reflexive Bewusstheit.....

Mindfulness, memory, recognition, consciousness, intentness of mind,
alertness, recollection, awareness, self-collectedness, non-
forgetfulness, attention, recall.....

Sich Gedanken machen über das was passiert, passierte und passieren
sollte bzw. auch über sich selber ... etwas sehr normales, menschlich-
natürliches also.

Der Unterschied liegt wohl in dem was man denkt, wie man denkt ... Was
wiederum abhängig ist ( beeinflusst ist ) von der jeweiligen
Situation, den individuellen Umständen, der persönlichen Gegenwart ....
sowie dem worauf man bei seinem bewertenden ( reflektierenden ) Denken
zurückgreifen kann ( "Erinnerungen", Wissen ) ...

Ich (nur beispielsweise) habe die letzten Stunden mir ein Audio
angehört von Santikaro, wo er sich äußert zu den Umständen seines
"disrobing" 2004 sowie danach ein Interview mit ihm gelesen ( welches
undatiert ist und nicht in direkter Verbindung steht mit dem Audio ).

Nicht das ich das Interview überbewerten will, aber nach lesen
folgender Stelle:

>>> There is a young guy whom I've known since he was about 12 years
old -he's in his middle twenties now- and he works for a big
corporation. From the University on, I could tell he was being totally
programmed, and now that he has this job he's like a robot. He lives
the culture of the company with such intensity that he is unreachable.
You can point things to him, but that corporate reality is so strong
and so important to him... <<<

kam mir folgender Gedanke (sati?): Für den Normalmenschen
[ gewöhnlichen (nicht abfällig gemeint) ] ist das Leben seine "Firma",
seine "corporate reality" ... er identifiziert sich mit dem Leben
( "corporate identity") ... und wenn er das recht fleißig tut [ fleißig
durchaus im positiven Aspekt zu verstehen ( auch Buddhisten müssen
fleißig *viriya* sein) ] , "lohnt" es ihm auch die "Firma" ( das
Leben ).

"Referenzrahmen" von Sati ist "alles" was das (menschliche) Leben
ausmacht: (Sein) Körper, die Gefühle/Empfindungen ( Emotionen), der
"Geist" ( das Instrument mit welchem er Sati "tut"), die
"Dinge" ( Dhamma ... in M 125 als *mind-objects* übersetzt ).

aki


Petra

unread,
Jul 18, 2007, 4:18:10 AM7/18/07
to Theravada-Studiengruppe
Hallo an alle,

ich bin die Neue.

aki schrieb:


> kam mir folgender Gedanke (sati?): Für den Normalmenschen
> [ gewöhnlichen (nicht abfällig gemeint) ] ist das Leben seine "Firma",
> seine "corporate reality" ... er identifiziert sich mit dem Leben
> ( "corporate identity") ... und wenn er das recht fleißig tut [ fleißig
> durchaus im positiven Aspekt zu verstehen ( auch Buddhisten müssen
> fleißig *viriya* sein) ] , "lohnt" es ihm auch die "Firma" ( das
> Leben ).

Recht fleissig, was das "arbeiten" am Leben anbelangt, sind die
meisten Menschen.
Jeder versucht aus seinem Leben soviel wie möglich zu machen, das
Beste herauszuholen.
Und trotzdem hängen alle immer wieder fest, wird es ihnen nicht
"gelohnt".

Deshalb reicht der Fleiß alleine nicht aus.
Der Mensch muss wissen, was Leben ist, wie alles funktioniert usw.

Wie ich denke, was ich betrachte, ist wichtig.

Z.B. bei Emotionen: schaut man bei Wut auf das Objekt der Wut oder
schaut man direkt, woher die Wut kommt, wie sie entsteht (bei einem
selber).

Richtet man die Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration auf das
Objekt, auf das, was einen wütend macht, ist das in meinen Augen
nutzlos oder sogar schädlich.

Kann man "sati" also auf zwei Arten einsetzen: heilsam und unheilsam,
nützlich oder schädlich?

Grüße
Petra

aki

unread,
Jul 20, 2007, 7:09:42 AM7/20/07
to Theravada-Studiengruppe

Werte Petra.

"Willkommen in der TSG" ... wobei, darf man wohl sagen, es sich z.Z. um
eine Minigruppe handelt ... zumindest im optisch wahrnehmbaren Sinne ...

Du fragst: >>> Kann man "sati" also auf zwei Arten einsetzen: Heilsam


und unheilsam, nützlich oder schädlich? <<<

Sicher ... es kommt, wie ich in meinem Post vom 17.7. sinngemäß schrieb,
darauf an wie man es "anpackt"/angeht ( Zielsetzung ) ... von welchem
Standpunkt aus man es betrachtet/ bedenkt / "analysiert" ...

Du schreibst: >>> Z.B. bei Emotionen: Schaut man bei Wut auf das


Objekt der Wut oder schaut man direkt, woher die Wut kommt, wie sie

entsteht (bei einem selber). <<<.

Solches Verhalten ist im Grunde das Fremdwort, das ich eben benutzte:
Analysieren ...Klingt zwar etwas so nach als ob Alles vom Intellekt her
machbar wäre, aber es ist doch auch ein (mentales) Verhalten, das zu
Sati gehört/passt ...

"Wut" ( Zorn, Verärgerung, "Störung" usw. *dosa* ) hat eine Ursache,
insofern "Objekt"-Betrachtung durchaus angebracht ist ... Aber, wenn
möglich, nicht in Form von Schuldzuweisung an die Ursache ... Das
klingt/ist, gewissermaßen, paradox, da die Ursache an sich schon
"Schuld" ( Auslöser ) ist/war ....

Verhinderung ( Reduzierung ) erneuten Ärgers funktioniert ab nur
( oder weitaus besser ), wenn man versucht sich nicht aufzuregen ( da
es immer wieder genug Ereignisse gibt/geben wird, die Einen "stören"
können ) ...

Das ist jedoch in der Praxis nicht so einfach: "Wut-",
Verärgerungsaufwallungen zurückzuhalten ( auch noch möglichst bereits
im Ansatz ) ... Plus noch die unterschiedlichen Auffassungen
( Definitionen) von was Ärger wirklich ist ... Z.B. das Psychologen
durchaus raten ( und, "in einem gewissen Sinne", ja auch zutreffend )
Ärger zu "artikulieren" ( statt "runterschlucken" ) ... während Andere
( Buddhisten ? ) schon in Kleinigkeiten Vergehen sehen ... Der Vorteil
dieser
( letzteren ) Besonnenheit (*sati*) ist, dass man recht deutlich
erkennt wo eigentlich bereits die ( notwendigen ) Ansätze zur
Verbesserung liegen ( bewusster wird ... und handelt ).

Man kann Sati (wie Du ja schreibst) heilsam und unheilsam (nützlich/
schädlich) einsetzen ...Z.B. Sati im Sinne von "konzentrierter
Geistestätigkeit" ... Wenn ich mich darauf "konzentrierte" ein virtuoser
Klavierspieler zu werden ( starken Willen dahingehend entwickelte ...
üben, üben, üben ), besteht eine starke Wahrscheinlichkeit ( *Karma*),
dass ich es auch schaffe ... Definiere ich Klavierspielen jedoch als
"sinnliches Vergnügen" ( wenn auch auf kultiviertem Niveau ), sieht
die Sache ( schon wieder ) anders aus ( "edle Lärmkunst" ).

aki

viriy...@gmail.com

unread,
Jul 21, 2007, 3:34:33 AM7/21/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

soo mini ist die Gruppe gar nicht, die schweigende Mehrheit ist schon
größer als erwartet und jetzt ist Urlaubszeit, also werden die paar
Zurückgebliebenen diese Diskussion am Leben erhalten.
Ven. Anaalayo hat neben seinem genialen Buch "Satipatthana - The
direct path to Realisation" (kommt irgendwann bei
Beyerlein&Steinschulte raus) auch einen kürzeren Artikel zu Sati
geschrieben den ich gerade übersetzt habe und den ich hier
auszugsweise zitieren werde.

"Das Wort sati ist eng mit dem Verb sarati, ,,erinnern", verwandt.
Diese Beziehung von sati zum Erinnerungsvermögen kehrt in der formalen
Definition von sati in den Paali Lehrreden wieder. Diese lautet: ,,Er
ist achtsam und ausgestattet mit der höchsten unterscheidenden sati
(so daß er) Dinge die vor langer Zeit gesagt oder getan wurden sich
ins Gedächtnis zurückrufen und erinnern kann." (M53)"
Das heißt nur, daß sobald sati gegenwärtig ist, das Gedächtnis gut
funktioniert, weil etwas klar und deutlich wahrgenommen wird. Dazu
bedarf es einer gewissen geistigen Weite, einer gewissen
Aufnahmefähigkeit (Empfindsamkeit) und einer gewissen Klarbewußtheit
(Weisheit). Alles das sind Qualtäten von sati insbesondere samma-sati,
denn wie alle Pfadfaktoren kann auch sati heilsam, unheilsam (z.B. bei
einem Einbrecher) oder neutral (z.B. bei einem Tier) sein. Das
wiederum hängt von den anderen heilsamen Pfadfaktoren ab (allen voran
rechte Anschauung) von den sati begleitet wird.

"Im Satipatthaana-sutta sind die Empfindungsarten, Geisteszustände,
etc. die erkannt werden sollen, in Anführungszeichen gesetzt, als
wären sie direkte Rede.Im Falle von Ärger zum Beispiel, sollen wir
klar erkennen: ,,Ich bin ärgerlich"."
Das Objekt der Betrachtung ist also keinesfalls "außen" - Ich ärgere
mich - der Satz stimmt absolut. Um die Aufmerksamkeit von "außen" nach
"innen" zu richten bedarf es der Reflektion oder der Analyse.

"Tatsächlich sind Konzepte eng verbunden mit der Fähigkeit zu erkennen
und zu verstehen. Dadurch sind sie wiederum mit der Fähigkeit Einsicht
und Weisheit zu erlangen verbunden, die eines Minimum an geistiger
Verbalisation, also der Anwendung von Konzepten bedarf.
Das bedeutet jedoch nicht, daß sati zu üben heißt, sich mit
intellektueller Reflektion zu beschäftigen. Sati an sich ist reines
Wahrnehmen und frei von Begrifflichkeiten. Sogar als
Etikettierungswerkzeuge während der satipatthaana Übung, sollten
Konzepte nur benutzt werden, wenn die Situation bereits vollständig
durch reine sati ausgeleuchtet wurde. Erst dann ist es angebracht
Konzepte kurz einzusetzen um das Erkennen zu stärken. Dannach kehrt
der Geist wieder zu reiner sati zurück. Die Anweisungen im
Satipatthana-sutta verweisen auf die Notwendigkeit den Einsatz von
Konzepte auf ein absolutes Minimum zu beschränken, indem sie besagen,
daß solches geistiges Etikettieren nur in dem Ausmaß benutzt werden
sollten soweit es für reines Wissen und und die Kontinuität der sati
erforderlich ist."

Servus
Viriya

Petra

unread,
Jul 23, 2007, 4:29:41 AM7/23/07
to Theravada-Studiengruppe
hallo,

<<"Willkommen in der TSG" <<

danke.


> > Verhinderung ( Reduzierung ) erneuten Ärgers funktioniert ab nur
> > ( oder weitaus besser ), wenn man versucht sich nicht aufzuregen ( da
> > es immer wieder genug Ereignisse gibt/geben wird, die Einen "stören"
> > können ) ...
>
> > Das ist jedoch in der Praxis nicht so einfach: "Wut-",
> > Verärgerungsaufwallungen zurückzuhalten ( auch noch möglichst bereits
> > im Ansatz )

Wut, Ärger usw. haben ihre Ursache ja nicht in dem "Aussenobjekt",
sondern in meinen Bedürftnissen.
Wenn ich wütend werde, weil mir jemand z.B. den letzten Parkplatz
"klaut", liegt das nicht an dem der mir den Parkplatz wegnimmt.
Meine Absicht dahin zu parken wurde durchkreuzt, meine Erwartung jetzt
da parken zu können, mein Wunsch schnell aus dem Auto rauszukommen
wurde nicht erfüllt....
Da ist dann dieses Bedürftnis, das nicht erfüllt werden kann, und
darum entsteht Wut.
An einem anderen Tag, wenn ich viel Zeit habe, ich gerne im Auto sitze
weil gerade ein schönes Lied läuft, oder ich einfach "gut drauf" bin
stört es mich nicht, wenn der vor mir in die Lücke fährt. Vielleicht
lasse ich ihm sogar gerne den Vortritt...
Die äussere Situation ist in beiden Fällen diesselbe.

Wenn ich mir dessen bewusst sein kann, in solchen Momenten, ist
vielleicht noch Wut zu spüren, aber sie richtet sich nicht auf den
anderen.

> Das heißt nur, daß sobald sati gegenwärtig ist, das Gedächtnis gut
> funktioniert, weil etwas klar und deutlich wahrgenommen wird. Dazu
> bedarf es einer gewissen geistigen Weite, einer gewissen
> Aufnahmefähigkeit (Empfindsamkeit) und einer gewissen Klarbewußtheit
> (Weisheit). Alles das sind Qualtäten von sati insbesondere samma-sati,
> denn wie alle Pfadfaktoren kann auch sati heilsam, unheilsam (z.B. bei
> einem Einbrecher) oder neutral (z.B. bei einem Tier) sein. Das
> wiederum hängt von den anderen heilsamen Pfadfaktoren ab (allen voran
> rechte Anschauung) von den sati begleitet wird.

Das bedeutet, samma-sati ist ein sich (wenn möglich) ständiges
"Erinnern" und Bewusstwerden der rechten Anschauung um so immer
richtig(heilsamen) zu handeln?

> Sati an sich ist reines
> Wahrnehmen und frei von Begrifflichkeiten. Sogar als
> Etikettierungswerkzeuge während der satipatthaana Übung, sollten
> Konzepte nur benutzt werden, wenn die Situation bereits vollständig
> durch reine sati ausgeleuchtet wurde. Erst dann ist es angebracht
> Konzepte kurz einzusetzen um das Erkennen zu stärken. Dannach kehrt
> der Geist wieder zu reiner sati zurück. Die Anweisungen im
> Satipatthana-sutta verweisen auf die Notwendigkeit den Einsatz von
> Konzepte auf ein absolutes Minimum zu beschränken, indem sie besagen,
> daß solches geistiges Etikettieren nur in dem Ausmaß benutzt werden
> sollten soweit es für reines Wissen und und die Kontinuität der sati
> erforderlich ist."


das verstehe ich nicht ganz.
Was bedeutet "reine sati"?
Vielleicht, dass nach einer gewissen Übung die rechte Anschauung schon
so tief sitzt, dass das Erinnern und Bewusstwerden (samma-sati) mehr
"von alleine" geht und ich mir das nicht immer wieder selber vorsagen
muss?


Gruß
Petra

> > aki- Zitierten Text ausblenden -
>
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viriy...@gmail.com

unread,
Jul 23, 2007, 12:12:49 PM7/23/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Petra,

samma-sati ist anfänglich tatsächlich ein beständiges "Erinnern" an
die rechte Anschauung. Dazu dienen u.a. die 6 anusati und die 5
täglichen Betrachtungen durch diese Übung wird der Geist soweit
geformt, daß Denken und Handeln zunehmend in Einklang kommt und die
Fähigkeit zur Sinneszügelung wächst. Erst wenn diese entwickelt ist
kann man anfangen von "reiner sati" zu sprechen:
"Sati als eine geistige Qualität hat viel gemein mit Aufmerksamkeit
(manasikaara), einer grundlegenden Geistesfunktion, die in jedem
Geistigeszustand gegenwärtig ist. Diese grundlegende Fähigkeit
gewöhnlicher Aufmerksamkeit, entspricht dem Sekundenbruchteile
währenden bloßen Wahrnehmen eines Objekts, noch bevor der Geist
anfängt wiederzuerkennen, zu identifizieren und in Begriffe zu fassen.
Sati kann als eine Weiterentwicklung und zeitliche Ausweitung dieser
Art der Aufmerksamkeit begriffen werden. Dadurch wird dem gewöhnlich
viel zu kurzen zeitlichen Moment des bloßen Aufnehmens der Wahrnehmung
Klarheit und Tiefe verliehen. Durch die Entwicklung einer derart
unverfälscht reinen sati wird es möglich die Dinge so zu sehen wie sie
sind, unverfälscht durch den Einfluß geistiger Projektionen und
Bewertungen.

Um die Implikationen dieser Art von reiner sati zu verstehen müssen
wir uns der frühbuddhistischen Analyse der Wahrnehmung zuwenden. Die
Paali Lehrreden erklären wiederholt, daß das Bewußtsein abhängig ist
von den Sinnen und ihren Objekten, wie etwa den Augen und Formen, den
Ohren und Geräuschen, etc. Der explizite Bezug zu den Sinnen, als
einem von zwei bestimmenden Faktoren, dürfte hier tiefergehende
Implikationen haben. Der Einfluß der Sinne auf das Erleben weist auf
die Tatsache hin, daß, zusätzlich zu den von den Sinnesobjekten
vorgegebenen Daten, unsere eigenen subjektiven Vorgaben eine wichtige
Rolle dabei spielen, wie wir die Welt wahrnehmen und erleben.

Diese subjektiven Vorgaben sind zu einem großen Teil das Ergebnis
früherer Erfahrungen und persönlicher Neigungen. Diese können sich in
einem halb-bewußten oder sogar unbewußten Einfluß auf die erlebten
Sinnesdaten äußern. Der frühbuddhistischen Psychologie zufolge sind
die sogenannten latenten Tendenzen (anusaya), ein zentraler
Mechanismus hinter diesen halb- oder ganz unbewußten Projektionen.
Diese latenten Tendenzen sind bereits in Neugeborenen zu finden.

Die Paali Lehrreden kennen sieben solcher latenten Tendenzen, von
denen die ersten zwei von besonderer Bedeutung für die gegenwärtige
Diskussion sind: Die latenten Tendenzen zu sinnlichem Begehren und zu
Irritation. Diese zwei latenten Tendenzen können von angenehmen oder
unangenehmen Erlebnissen ausgelöst werden, was zu Bewertungen und
Projektionen führt die unter dem Einfluß von Begehren und Irritation
stehen.

Das Hauptproblem mit diesen latenenten Tendenzen besteht darin, daß
sie ohne unsere bewußten Einflußnahme funktionieren. Deshalb besteht
die Hauptaufgabe darin sich ihres Einflusses bewußt zu werden. Das
Werkzeug dafür ist reine sati im Sinne eines schlichten Bewußtbleibens
im Moment einer angenehmen oder unangenehmen Erfahrung, um sich
dadurch der treibende Kraft dieser zugrundeliegenden Neigungen bewußt
zu werden. Auf diese Weise kann der selektierende und filternde
Mechanismus der Wahrnehmung aufgedeckt werden. Dadurch tritt dann das
zu Tage, wie weit subjektives Erleben nur unsere eigenen unbewußten
Bewertungen und Projektionen wiederspiegelt. Durch die nachhaltige
Entwicklung von sati kann die ,,Tendenz" angenehmer oder unangenehmer
Erfahrungen in Projektionen unter dem Einfluß von Zuneigung und
Abneigung zu münden, nach und nach überwunden werden."

Servus
Viriya

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aki

unread,
Jul 23, 2007, 2:51:37 PM7/23/07
to Theravada-Studiengruppe

Werte Petra, werter Viriya.

Da habe ich mich wohl etwas undeutlich ausgedrückt, wenn gleich 2
Leute meinen, ich würde in der äußerlichen Ursache so eine Art
irreparables Ereignis sehen (oder es ziemlich falsch analysieren) …

Ursache (Auslöser) habe ich z.B. so gemeint, dass die Ursache
schließlich im Buddhismus eine erhebliche Rolle spielt … alles eine
Ursache hat …. Wenn man das sieht, den Zusammenhang [ den
Paṭiccasamuppāda ( oder auch Idappaccayatā ), den Saṃsāra, die 4
Wahrheiten ], dann muss man der Ursache
( dem Zusammenhang ) durchaus eine Wichtigkeit (Betrachtung,
Aufmerksamkeit) widmen …

Wenn Petra >>> einfach “gut drauf“ ist <<< hat das ja auch eine
Ursache …( und sei es “nur“, sozusagen, in der von “Außen“ gekommenen
ersten Begegnung mit dem Buddhismus … die aber Wirkung einer
“inneren“ Handlung gewesen sein kann …infolge “äußeren“ Einflusses …
etc. ).

Natürlich sind meine Bedürfnisse, meine subjektive Empfindung
(Interpretation) der Situation das, wo der Hebel zu Veränderung am
sinnvollsten anzusetzen ist … Man kann, wie man sagt, die Welt nicht
ändern … aber “meine Welt“ kann ich umgestalten, denn, wie Viriya
schlicht und einfach schreibt: (Schließlich) bin ja ICH es der sich
ärgert …

Auch durch den Gebrauch des Wortes *Störung* ( in meinem Post vom
20.7) wollte ich ausdrücken, das ICH mich gestört fühle, ICH mich also
(besser) ändern sollte … >>> aber nicht in Form von Schuldzuweisung
an die Ursache <<<.

Auf die Frage was *reine Sati* bedeutet gehe ich ’mal nicht ein, da
sie sozusagen an Viriya gerichtet ist.

aki

aki

unread,
Jul 27, 2007, 10:10:26 AM7/27/07
to Theravada-Studiengruppe
Werte Freunde (und Freundin).

Hier eine paar Gedanken von mir zu Virya’s Post vom 23.7.:

Nicht nur Sati, sondern RECHTE Sati …denn, wie Viriya im Post vom
21.7. schrieb: Auch ein Einbrecher, z.B., hat “Geistesgegenwart“ …

Zu rechter Sati ( recht = buddhistisch ) sind u.a., schreibt Viriya,
die 6 *Anussati* dienlich …Wobei es 2 unterschiedliche Arten von 6
Anussati gibt … 6 “Gegenstände“ (Gegenstände im Sinne von etwas enger
eingegrenzt) und 6 Gebiete (etwas weitere “Felder“) von Sati
(Betrachtung/Gedenken) … Zum ersteren siehe A.VI.25
http://palikanon.com/angutt/a06_021-030.html#a_vi25 , zum zweiten A.
VI.29 http://palikanon.com/angutt/a06_021-030.html#a_vi29 … Wobei
diese Ausdrücke ( Gegenstände und Gebiete ) vom Übersetzer
( Nyanatiloka ) wohl zwecks leichteren Auseinanderhaltens benutzt
wurden …Im Palitext steht stets nur *anussati-ṭṭhānāni*, wobei
ṭṭhānāni von *tiṭṭhati* kommt, was *stehen* heißt bzw. das “worauf“
man steht ( sich bezieht ) …

Aber “egal“, jedenfalls kann man seine Achtsamkeit ( sati ) schulen,
indem man sie z.B. an Hand eines dieser 12 “Objekte“ [Denkplätze
( oder auch alltäglicher Situationen )] trainiert .

Was Viriya mit den *5 täglichen Betrachtungen* meint weiß ich nicht so
genau … möglicherweise so etwa in der Art der in der *Dhamma ist
Pflicht*- Datei angesprochen Punkte …

Sati als >>> eine grundlegende Geistesfunktion, die (an sich ) in
jedem Geistigeszustand ( Geisteszustand ? ) gegenwärtig ist <<< …
REINE ( rechte = buddhistische ) Sati ist
“blitzschnell“ (idealerweise), d.h. vermag den Geist davon abzuhalten
unheilsam zu reagieren … eben möglichst bereits, wie ich im Post vom
20.7. schrieb, “im Ansatz“, d.h. bevor der Geist auf “dumme“ Gedanken
(verkehrte emotionale Impulsivitäten) kommt ( Viriya: >>> unverfälscht
durch den Einfluss geistiger Projektionen und Bewertungen <<< ) …
Wahrlich nicht einfach in der Praxis …

Viriya: >>> Unsere eigenen subjektiven Vorgaben spielen eine wichtige
Rolle dabei, wie wir die Welt wahrnehmen und erleben <<< …..>>> Diese


subjektiven Vorgaben sind zu einem großen Teil das Ergebnis früherer
Erfahrungen und persönlicher Neigungen <<<

Also auch durchaus etwas das einem die Anderen vorgelebt haben
( abgesehen von den eigenen Vorleben ) …oder was man in der Schule
gelernt hat … usw…. Diesen ( “äußeren“ ) Einflüssen * āsava* ( wozu
auch erbliche/genetische Faktoren gehören) wird ja manchmal in den
Sutten eine sogar noch vor Nichtwissen liegende “Macht“ zugeschrieben

Von diesen >>> ( 7) latenten ( unterschwelligen ) Tendenzen <<<
*anusaya*
( Angewohnheiten, Neigungen ) sind, schreibt Viriya, >>> die ersten
beiden von besonderer Bedeutung ( für die gegenwärtige Diskussion )
<<< … Mit Irritation ist dann also * paṭigha * ( mentaler Widerstand/
Abneigung ) gemeint ?

In einem gewissen ( oder letztendlichen ) Sinne geht es also bei
REINER Sati im Grunde darum, unangenehmen und ( auch ) angenehmen
Gefühlen Einhalt zu gebieten bzw. ( sie ) weder un- noch angenehm zu
fühlen … gleichmütig zu erleben … rein funktional … karmisch
wirkungslos …Denn “fühlen“
( Empfindungen/Berührungen haben ) tut man natürlicher- und
notwendigerweise solange man lebt …

Die ( schwierigen) Palibegriffe in diesem Zusammenhang sind, mein’
ich, *avyākata* und *kiriya* … Avyākata ist neutral, wert(ungs)frei,
“unbestimmt“, distanziert (aber herzlich) …Kiriya
“funktionsspezifisch“, der Situation “adäquat“
( so re-agierend wie es richtig nach höchstem Wissen/Verständnis/
Fähigkeit ist ) … Die Wörter tauchen so auch eher im Abhidhamma auf …
Sollen “Eigenschaften“ ausdrücken, die praktisch ( und länger
anhaltend ) nur einem Arahant zukommen … Theoretisch verstehen was
gemeint ist gelingt wohl auch uns …

aki

Petra

unread,
Jul 28, 2007, 5:06:13 AM7/28/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

aki schrieb:


> Was Viriya mit den *5 täglichen Betrachtungen* meint weiß ich nicht so
> genau … möglicherweise so etwa in der Art der in der *Dhamma ist
> Pflicht*- Datei angesprochen Punkte …

da sind möglicherweise die "fünf Betrachtungen für jeden Menschen"
gemeint.

(aus: Der Buddha sprach nicht nur für Mönche und Nonnen von Fritz
Schäfer)

A V,57 Funf Betrachtungen für jeden Menschen:
"Fünf Lebenstatsachen, ihr Mönche, sollte sich jeder Mensch öfter vor
Augen halten, ob Mann oder Frau, ob in der Welt Lebende oder Hauslose.
Welche fünf?
<Dem Altern bin ich unterworfen, kann dem Altern nicht entgehen. Der
Krankheit bin ich unterworfen, kann der Krankheit nicht entgehen. Dem
Sterben bin ich unterworfen, kann dem Sterben nicht entgehen. Von
allem, was mir lieb und teuer ist, muss ich scheiden, muss mich davon
trennen. Eigentum meines Wirkens bin ich, meines Wirkens Erbe, meines
Wirkens Kind, an mein Wirken gebunden, mein Wirken ist mein Anhalt:
mein gutes und böses Wirken werde ich ernten.<
Das sollte jeder Mensch öfter bedenken, ob mann oder Frau, ob in der
Welt Lebender oder Hausloser.

Aus welchem Grund aber sollte man sich öfter vor Augen halten...
........................
Am Ende dieser Rede steht noch folgender Vers:

Dem Gesetz von Krankheit, Alter, Tod sind alle unterworfen.
Das ist das Gesetz der Wesen. - Weltling mag davon nichts hören.
Schlöss` auch ich davor die Augen, dass die Wesen so beschaffen -
das wär` für mich das Verkehrte, bliebe ich bei solcher Haltung.
Immer denk ich drum: <Ich weiss doch: Freiheit von dem Angenomm`nen
gibt es.< Was da bei Gesundheit, Jugend, Leben rauschhaft aufkommt -
allen Rausch kann ich bezwingen, sehe Suchtfreiheit als Frieden.
Darauf richte ich mein Streben, seh von fern die Branderlöschung.
Jetzt schon bin ich nicht mehr fähig, ganz der Sinnlichkeit zu dienen;
werd´ einst frei von Wiederkehr sein und des Heilswegs Ziel
erreichen."

> Viriya: >>> Unsere eigenen subjektiven Vorgaben spielen eine wichtige
> Rolle dabei, wie wir die Welt wahrnehmen und erleben <<< …..>>> Diese
> subjektiven Vorgaben sind zu einem großen Teil das Ergebnis früherer
> Erfahrungen und persönlicher Neigungen <<<

bei mir stelle ich fest, dass ich IMMER nur subjektive Wahrnehmung
habe.
Bevor meine bewussten Gedanken beginnen, ist die Wahrnehmung ja da.
Und Wahrnehmung ist ja schon gefühlsgetränkt.
Deshalb ist es mir nicht ganz klar, wie "reine sati" geübt werden
kann.
Gedanken kann ich mir doch immer erst nach der jeweiligen Wahrnehmung
machen.
Das bekomme ich irgendwie nicht ganz zusammen.

herzliche Grüße
Petra


On 27 Jul., 16:10, aki <vater_a...@gmx.de> wrote:
> Werte Freunde (und Freundin).
>
> Hier eine paar Gedanken von mir zu Virya’s Post vom 23.7.:
>
> Nicht nur Sati, sondern RECHTE  Sati …denn, wie Viriya  im Post vom
> 21.7. schrieb: Auch ein Einbrecher, z.B., hat “Geistesgegenwart“ …
>
> Zu rechter Sati  ( recht = buddhistisch ) sind u.a., schreibt Viriya,
> die 6 *Anussati* dienlich …Wobei es 2 unterschiedliche Arten von 6
> Anussati gibt … 6 “Gegenstände“ (Gegenstände im Sinne von etwas enger
> eingegrenzt) und 6 Gebiete (etwas weitere “Felder“) von Sati
> (Betrachtung/Gedenken) … Zum ersteren  siehe A.VI.25http://palikanon.com/angutt/a06_021-030.html#a_vi25, zum zweiten A.

> VI.29http://palikanon.com/angutt/a06_021-030.html#a_vi29… Wobei

viriy...@gmail.com

unread,
Jul 29, 2007, 12:20:38 AM7/29/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Petra, lieber Aki,

ich versuche mal beide mails gleichzeitig zu beantworten.
rechte (=buddhistisch) sati? Nein recht (samma) ist sowohl "korrekt"
als auch "zusammen" mit den anderen Pfadgliedern. Sollten andere diese
Faktoren auch in dieser Weise in ihren Lehren haben wären sie auch
samma.
Die fünf täglichen Betrachtungen die ich meinte sind die von Petra
genannten.
Asavas und Anusaya also Einflüsse und Neigungen, entsprechen in ihrer
Stellung den sankhara im Paticca-samupada und und ich kenne keine
Stelle an der sie als vor avijja liegend definiert würden. Belehr mich
eines Besseren.
Die asavas unanusaya sind zwar vielfältig, letztendlich aber immer nur
Zuneigung und Abneigung oder Widerstreben.

Die "reine sati" entspricht Buddhas Anweisungan Bahiya: „Wenn für Dich
in dem Gesehenen nur das Gesehene ist, in dem Gehörten nur das
Gehörte, in dem Empfundenen nur das Empfundene, im Gewußten nur das
Gewußte, dann wirst Du dadurch nicht dadurch sein. Wenn Du dadurch
nicht bist, dann wirst Du nicht darin sein. Wenn Du nicht darin bist,
dann wirst Du weder hier noch dort noch dazwischen sein. Das an sich
ist das Ende von dukkha."
In der Tat schwierig. Die Situation ist folgende, währende der
unbelehrte Weltling eigentlich immer nur aufgrund seiner Neigungen
reagiert (obwohl er glaubt zu agieren) gelingt es dem belehrten
aufgrund seiner rechten Anschauung einen gewissen Abstand einzubringen
(die Reaktionszeit zu verlängern) in dem er sich besinnt. Erst in dem
er/sie reflektiert, betrachtet, später indem die zunehmend stärkere
sati die Einflüsse (angefangen mit den 5 Hindernissen) zügelt und auf
Abstand hält. Letztlich wird sati die Weisheit zur Anwendung bringt
(sampajannja) automatisch und in Verbindung mit den anderen
Pfadfaktoren können dann die Anweisungen Budhas an Bahiya ausgeführt
werden.
Bei der Übung handelt es sich immer um fließende Übergänge,
verschiedene Ebenen, ein sich Annähern. (Wir beschäftigen uns ja nicht
mit Zen :) )
Servus
Viriya

aki

unread,
Jul 29, 2007, 3:44:18 PM7/29/07
to Theravada-Studiengruppe

Werter Viriya.

Worauf ich mich bezogen habe hinsichtlich *Āsavas* als einer manchmal
noch vor *Avijjā* liegenden “Macht“ war M9 gegen Ende, wo KEN hat:
>>> Die Entwicklung der Triebe bedingt die Entwicklung des
Nichtwissens, die Auflösung der Triebe bedingt die Auflösung des
Nichtwissens <<< … Thanissaro: >>> From the origination of
fermentation comes the origination of ignorance. From the cessation of
fermentation comes the cessation of ignorance <<< ... Bhikkhu Bodhi:
>>> With the arising of the taints there is the arising of ignorance.
With the cessation of the taints there is the cessation of ignorance.
<<< ...

Im letzten Abschnitt von M9, wo es um die * Āsavas* geht, hat BB >>>
With the arising of ignorance there is the arising of the taints. With
the cessation of ignorance there is the cessation of the
taints.<<< ... THA: >>> From the origination of ignorance comes the
origination of fermentation. From the cessation of ignorance comes the
cessation of fermentation <<< ... KEN: >>> Die Entwicklung des
Nichtwissens bedingt die Entwicklung der Triebe, die Auflösung des
Nichtwissens bedingt die Auflösung der Triebe <<< … Das ist also diese
gegenseitige Bedingtheit ( “Gleichzeitigkeit“ ), so wie manchmal der *
Paṭiccasamuppāda* bei * Viññāṇa* aufhört und zu/“in“ *nāmarūpa*
zurückläuft …

Im Palitext ( bei M9 ) heißt es >>> Āsavasamudayā avijjāsamudayo,
āsavanirodhā avijjānirodho <<< bzw. >>> Avijjāsamudayā āsavasamudayo,
avijjānirodhā āsavanirodho <<<

Wenn vom * Paṭiccasamuppāda* die Rede ist heißt es ja meist *paccayà*
statt *samudayā* … samudayā ist m.E. etwas “milder“ als paccayà ...
Pacc. ist Art zwingende Voraussetzung ( Bedingung, Abhängigkeit ).
Samud. wie/wo es entsteht/zusammenhängt ...

Was ich auch sagen will ist das man das nicht so “eng“ sehen muss ………
THA in seiner Einführung zu M9 sagt >>> ... Ven. Sariputta here
continues the pattern of dependent co-arising past ignorance — the
usual endpoint — to look for its origination, which is mental
fermentation. Because these fermentations in turn depend on ignorance,
the discussion shows how ignorance tends to prompt more
ignorance ....<<<.

Man kann auch an der unterschiedlichen Übersetzung von *àsava*
erkennen, wie viel Interpretationspielraum die Stelle hat …Ich fasse
Āsavas als Einflüsse auf … Man unterliegt ja auch Einflüssen … Man
sollte diese “Einflüsse“ aber nicht fatalistisch ( schicksalsergeben )
sehen … Obwohl sie eine große Stärke, Anziehungskraft,
“Reizvolligkeit“ ( “Macht“ ) haben … Die Einflüsse werden dann
infolge ( so formuliert liegt Avijjā vor ihnen ) Nichtwissen zu
“Ausflüssen“ ( “Trieben“, Befleckungen ), falschem Verhalten
( Absichten, Gestaltungen … etc. ).

In A.X.61 http://palikanon.com/angutt/a10_061_070.html#a_x61 ( z.B.)
steht ( wiederum ): >>> Auch die Unwissenheit, sage ich, hat eine sie
ernährende Bedingung (sāhāram, wtl: mit Nährstoff), ist nicht ohne
solche Bedingung. Und was ist die ernährende Bedingung der
Unwissenheit? »Die fünf Hemmungen«, hätte man zu antworten … <<<

Was der Buddha Bāhiya rät ist, sich der “Einflüsse“ so bewusst zu
werden ( sie so zu “denken“, “sehen“ bzw. sehen, hören, riechen,
schmecken, “fühlen“ ) wie sie eben sind … Den ( menschlich-
verständlichen ) subjektiven Interpretationen nicht zu erliegen … Z.B.
dass sie als Gesamterscheinung ja recht ansprechend oft sein mögen …
nicht aber so bei genauerer Betrachtung.

aki

aki

unread,
Jul 29, 2007, 3:53:01 PM7/29/07
to Theravada-Studiengruppe

Werte Petra.

Danke für den Hinweis auf A.V.57 …Mittlerweile wissen wir ja, dass es
das ist was Viriya meinte …und darüber hinaus eignet es sich auch als
“täglich“ sich ins Gedächtnis zu rufendes ( vor Augen zu haltendes ) …

Du hast IMMER nur subjektive Wahrnehmung … Ich auch … denn ich sehe,
höre, rieche, schmecke, empfinde (physisch), denke … mit meinen Augen,
Ohren, meiner Nase, Zunge, Haut, meinem “Herzgehirngeist“ …

Das Problem ist, dass Du (wir), bevor wir unseren an sich
( “theoretisch“ ) guten
( buddhistisch geschulten ) Verstand einsetzen, bereits durch mentale
Gefühle
( als Gegensatz zu eben genannten körperlichen Empfindungen )
“beinflußt“
( *“àsaviert“* ) sind.

Vor den bewussten Gedanken kommt, wie Du ja richtig schreibst, die
Wahrnehmung … und davor die, schön gesagt, “Gefühlstränkung“ … >>>
Durch das Auge und die Formen (den Geist und die Denkobjekte) entsteht
das Seh- (Denk-) bewusstsein, der “Einschlag“ ( Zusammenfall) der 3
ergibt die Berührung (*phassa*), woraus das Gefühl resultiert ( eben
noch vor der Wahrnehmung ) <<<.

Mir wäre es ( auch ? ) lieber, wenn erst die Wahrnehmung [ das sehen,
hören …
( be- ) denken der Dinge ] und dann das Gefühl käme …

Obwohl: Wenn ich ja richtig fühlen ( reagieren ) würde, wäre es ja
doch nicht so “schlimm“ …

Wenn ich nun, nachdem ich nun ( dank Buddhismus ) gemerkt habe dass
die Gefühle täuschen können, wenigstens in Zukunft “vernünftiger“
fühlen würde/könnte, wäre das doch ein Fortschritt …

Ich halte es für möglich, dass man durch ( z.B.) (“ reine“/rechte )
Sati seinen Geist dahin “trainieren“ kann, dass er ( vorerst
“theoretisch“ ) den wahren Sachverhalt der Dinge erkennt … dass
man/“er“ das mit der Zeit aber so sehr einsieht/versteht [ weil es
den Tatsachen entspricht ( was in den Texten mit *aus sich selbst
heraus* formuliert wird ) ], dass man “irgendwann“ auch gefühlsmäßig
( “intuitiv“ ) so empfindet, dass keine unbefriedigenden [ aber auch
befriedigenden
( was nicht bedeutet dass man “unglücklich“ ist ) ] Emotionen
( Zustände .. bzw. Folgen .. Gestaltungen * Sankhāras* ) mehr
resultieren .

Fast möchte man in etwa sagen: “Perfekt“ lebt, absolut “fair“, Allem
( Anderen und sich selbst ) gerecht werdend .. gleichmütig .. neutral
( im guten Sinne ) … beschwerdefrei ..

Begleitet sein muss diese Herangehensweise natürlich auch von
praktisch positiven Verhalten ( *Silā*) … ernstem Bemühen darum ..
Sowie, zur (weiteren) Übung ( Unterstützung ), “Meditation“ … Einem,
meiner Erfahrung nach,
( auch ) “schwer Zusammenzubekommenden“.

aki


Florian M. Weps

unread,
Jul 30, 2007, 5:47:51 PM7/30/07
to theravada-s...@googlegroups.com
Freunde,

bin aus den Ferien zurück. Willkommen, Petra!

On Sat, Jul 28, 2007 at 09:20:38PM -0700, viriy...@gmail.com wrote:
>
> Die "reine sati" entspricht Buddhas Anweisungan Bahiya: „Wenn für Dich in dem
> Gesehenen nur das Gesehene ist, in dem Gehörten nur das Gehörte, in dem
> Empfundenen nur das Empfundene, im Gewußten nur das Gewußte, dann wirst Du
> dadurch nicht dadurch sein. Wenn Du dadurch nicht bist, dann wirst Du nicht
> darin sein. Wenn Du nicht darin bist, dann wirst Du weder hier noch dort noch
> dazwischen sein. Das an sich ist das Ende von dukkha." In der Tat schwierig.

Schwierig schon - aber Bahiya war ja auch ein Schnellschalter :)

Interessant finde ich, dass der Buddha hier zu sagen scheint: Sati ist keine
Errungenschaft, die "ich" erreichen kann - eher eine "nicht-ich" Technik.

> Die Situation ist folgende, währende unbelehrte Weltling eigentlich immer nur


> aufgrund seiner Neigungen reagiert (obwohl er glaubt zu agieren) gelingt es
> dem belehrten aufgrund seiner rechten Anschauung einen gewissen Abstand
> einzubringen (die Reaktionszeit zu verlängern) in dem er sich besinnt. Erst
> in dem er/sie reflektiert, betrachtet, später indem die zunehmend stärkere
> sati die Einflüsse (angefangen mit den 5 Hindernissen) zügelt und auf Abstand
> hält.

Das ist im Alltag ausgesprochen schwierig, finde ich. Schon unter den
"Laborbedingungen" der Meditation eine Sache der Übung.

> Letztlich wird sati die Weisheit zur Anwendung bringt (sampajannja)
> automatisch und in Verbindung mit den anderen Pfadfaktoren können dann die
> Anweisungen Budhas an Bahiya ausgeführt werden.

Du bringst hier sampajañña ins Spiel - verstehe ich das Wort richtig als
"Aufmerksamkeit"?

> Bei der Übung handelt es sich immer um fließende Übergänge,
> verschiedene Ebenen, ein sich Annähern. (Wir beschäftigen uns ja nicht
> mit Zen :) )

Zen? Wegen Bahiya und seinem plötzlichen Erwachen?

Cheers,
Florian

viriy...@gmail.com

unread,
Jul 31, 2007, 1:45:15 AM7/31/07
to Theravada-Studiengruppe
Lieber Florian,

sampajañña wurde von Ajahn Buddhdasa immer als "Weisheit in Anwendung"
bezeichnet. Es kommt von pajaanaati (er oder sie weiß) und sam
(zusammen). Häufig mit Klarwissen übersetzt, ist es das klare
Bewußtsein einer Situation und ihrer heils- bzw. heilsuntauglichen
Elemente entsprechend der schon vorhandenen Weisheit.

Zen, der Weg von Bahiya? Ich weiß nicht? In jedem Fall ist der übliche
Weg ein gradueller, der langsam aber stetig den Geist auf das Erwachen
vorbereitet, während mir manche der Zenrichtungen wie Alles-Oder-
Nichts Lotterien erscheinen, aber das müssen wir wirklich nicht weiter
diskutieren.

Servus
Viriya

On 30 Jul., 23:47, "Florian M. Weps" <f...@hactrn.ch> wrote:
> Freunde,
>
> bin aus den Ferien zurück. Willkommen, Petra!
>

> On Sat, Jul 28, 2007 at 09:20:38PM -0700, viriyana...@gmail.com wrote:
>
> > Die "reine sati" entspricht Buddhas Anweisungan Bahiya: ,,Wenn für Dich in dem

Petra

unread,
Aug 1, 2007, 6:42:15 AM8/1/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

danke für den Willkommensgruß, Florian.

Ich werde die nächsten Wochen zwar weiterhin mitlesen, aber
vorraussichtlich nicht viel zur Diskussion beitragen.
In meiner Familie haben alle Urlaub bzw. Ferien, sind also alle da und
lassen mir eher wenig Zeit zum Nachdenken.

Ziehe mich also nur kurzfristig etwas zurück.

herzliche Grüße
Petra

> > Florian- Zitierten Text ausblenden -

viriy...@gmail.com

unread,
Aug 4, 2007, 3:02:23 AM8/4/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

Florian hat im Unwissenheits-thread, einen Teil der folgenden Sutta
gepostet,
weil aber in diesem Sutta immer wieder yoniso manasikara, die "zur
Wurzel vordringende Aufmerksamkeit" angeführt wird und diese eng mit
sati verwandt ist möchte ich den gesamten, äußerst wichtigen Text hier
posten.
S.46.51. Nahrung
In Sāvatthi.
"Die Nahrung und den Nahrungsentzug der 5 Hemmungen und der 7
Erwachungsglieder will ich euch zeigen, ihr Mönche. Das höret:

I.
Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um einen noch nicht
erschienenen Wunscheswillen erscheinen und einen erschienenen sich
weiter entfalten und reif werden zu lassen? Man kann sich, ihr Mönche,
Schönes vorstellen: was dabei an seichter Aufmerksamkeit sich
ausbreitet, das ist die Nahrung, um einen noch nicht erschienenen
Wunscheswillen erscheinen und einen erschienenen sich weiter entfalten
und reif werden zu lassen.

Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um einen noch nicht
erschienenen Haß erscheinen und einen erschienenen sich weiter
entfalten und reif werden zu lassen? Man kann sich, ihr Mönche, etwas
vorstellen, das einem widersteht: was dabei an seichter Aufmerksamkeit
sich ausbreitet, das ist die Nahrung, um einen noch nicht erschienenen
Haß erscheinen und einen erschienenen sich weiter entfalten und reif
werden zu lassen.

Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um noch nicht erschienene matte
Müde erscheinen und erschienene sich weiter entfalten und reif werden
zu lassen? Es gibt, ihr Mönche, Unlust, Lauheit, Räkeln, Gemütlichkeit
nach dem Mahle, Schlaffheit des Gemütes: was dabei an seichter
Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist die Nahrung, um eine noch
nicht erschienene matte Müde erscheinen und eine erschienene sich
weiter entfalten und reif werden zu lassen.

Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um noch nicht erschienene
Erregung und Unruhe erscheinen und erschienene sich weiter entfalten
und reif werden zu lassen? Es gibt, ihr Mönche, ein Nicht-zur-Ruhe-
Kommen des Gemütes: was dabei an seichter Aufmerksamkeit sich
ausbreitet, das ist die Nahrung, um noch nicht erschienene Erregung
und Unruhe erscheinen und erschienene sich weiter entfalten und reif
werden zu lassen.

Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um einen noch nicht
erschienenen Zweifel erscheinen und einen erschienenen sich weiter
entfalten und reif werden zu lassen? Es gibt, ihr Mönche,
bezweifelbare Dinge: was dabei an seichter Aufmerksamkeit sich
ausbreitet, das ist die Nahrung, um einen noch nicht erschienenen
Zweifel erscheinen und einen erschienenen sich weiter entfalten und
reif werden zu lassen.

II.

Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um das noch nicht erschienene
Erwachungsglied Achtsamkeit erscheinen und das erschienene sich weiter
entfalten und reif werden zu lassen? Es gibt, ihr Mönche, Gedanken,
die das Erwachungsglied Achtsamkeit fördern: was dabei an gründlicher
Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist die Nahrung, um das noch nicht
erschienene Erwachungsglied Achtsamkeit erscheinen und das erschienene
sich weiter entfalten und reif werden zu lassen.

Was aber, ihr Mönche, ist die Nahrung, um das noch nicht erschienene
Erwachungsglied Lehrergründung erscheinen und das erschienene sich
weiter entfalten und reif werden zu lassen? Es gibt, ihr Mönche,
heilsame und unheilsame Dinge, tadelhafte und untadelige Dinge,
niedere und erlesene Dinge, es gibt Dinge mit dem Gegensatz von Dunkel
und Hell: was dabei an gründlicher Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das
ist die Nahrung, um das noch nicht erschienene Erwachungsglied
Lehrergründung erscheinen und das erschienene sich weiter entfalten
und reif werden zu lassen.

Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um das noch nicht erschienene
Erwachungsglied Tatkraft erscheinen und das erschienene sich weiter
entfalten und reif werden zu lassen? Es gibt, ihr Mönche, die Art des
Aufraffens, die Art des Ausbrechens, die Art des Transzendierens was
dabei an gründlicher Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist die
Nahrung, um das noch nicht erschienene Erwachungsglied Tatkraft
erscheinen und das erschienene sich weiter entfalten und reif werden
zu lassen.

Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um das noch nicht erschienene
Erwachungsglied Entzücken erscheinen und das erschienene sich weiter
entfalten und reif werden zu lassen? Es gibt, ihr Mönche, das
Erwachungsglied Entzücken fördernde Gedanken: was dabei an gründlicher
Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist die Nahrung, um das noch nicht
erschienene Erwachungsglied Entzücken erscheinen und das erschienene
sich weiter entfalten und reif werden zu lassen.

Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um das noch nicht erschienene
Erwachungsglied Gestilltheit erscheinen und das erschienene sich
weiter entfalten und reif werden zu lassen? Es gibt, ihr Mönche,
Gestilltheit des Körpers, Gestilltheit des Herzens: was dabei an
gründlicher Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist die Nahrung, um
das noch nicht erschienene Erwachungsglied Gestilltheit erscheinen und
das erschienene sich weiter entfalten und reif werden zu lassen.

Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um das noch nicht erschienene
Erwachungsglied Einigung erscheinen und das noch nicht erschienene
sich weiter entfalten und reif werden zu lassen? Man kann sich, ihr
Mönche, Ruhe vorstellen, man kann sich Sammlung vorstellen: was dabei
an gründlicher Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist die Nahrung, um
das noch nicht erschienene Erwachungsglied Einigung erscheinen und das
erschienene sich weiter entfalten und reif werden zu lassen.

Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um das noch nicht erschienene
Erwachungsglied Gleichmut erscheinen und das erschienene sich weiter
entfalten und reif werden zu lassen? Es gibt, ihr Mönche, Gedanken,
die das Erwachungsglied Gleichmut fördern: was dabei an gründlicher
Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist die Nahrung, um das noch nicht
erschienene Erwachungsglied Gleichmut erscheinen und das erschienene
sich weiter entfalten und reif werden zu lassen.

III.

Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen eines
noch nicht erschienenen Wunscheswillens und für Entfaltung und
Reifwerden eines erschienenen? Man kann sich, ihr Mönche, Unschönes
vorstellen: was dabei an gründlicher Aufmerksamkeit sich ausbreitet,
das ist jener Nahrungsentzug für Wunscheswillen.

Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen eines
noch nicht erschienenen Hasses und für Entfaltung und Reifwerden eines
erschienenen? Es gibt, ihr Mönche, liebreiche Gemüterlösung: was dabei
an gründlicher Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist jener
Nahrungsentzug für Haß.

Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen von
noch nicht erschienener matter Müde und für Entfaltung und Reifwerden
erschienener? Es gibt, ihr Mönche, die Art des Aufraffens, die Art des
Ausbrechens, die Art des Transzendierens: was dabei an gründlicher
Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist jener Nahrungsentzug für matte
Müde.

Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen von
noch nicht erschienener Erregung und Unruhe und für Entfaltung und
Reifwerden der erschienenen? Es gibt, ihr Mönche, ein Zur-Ruhe-Kommen
des Gemütes: was dabei an gründlicher Aufmerksamkeit sich ausbreitet,
das ist jener Nahrungsentzug für Erregung und Unruhe.

Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen von
noch nicht erschienenem Zweifel und für Entfaltung und Reifwerden von
erschienenem? Es gibt, ihr Mönche, heilsame und unheilsame Dinge,
tadelhafte und untadelige Dinge, niedere und erlesene Dinge, es gibt
Dinge mit dem Gegensatz von Dunkel und Hell: was dabei an gründlicher
Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist jener Nahrungsentzug für den
Zweifel.

IV.

Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen des
noch nicht erschienenen Erwachungsgliedes Achtsamkeit und für
Entfaltung und Reifwerden des erschienenen? Es gibt, ihr Mönche,
Gedanken, die das Erwachungsglied Achtsamkeit fördern: dazu keine
Aufmerksamkeit ausbilden, das ist jener Nahrungsentzug für das
Erwachungsglied Achtsamkeit.

Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen des
noch nicht erschienenen Erwachungsgliedes Lehrergründung und für
Entfaltung und Reifwerden des erschienenen? Es gibt, ihr Mönche,
heilsame und unheilsame Dinge, tadelhafte und untadelige Dinge,
niedere und erlesene Dinge, es gibt Dinge mit dem Gegensatz von Dunkel
und Hell: dazu keine Aufmerksamkeit ausbilden, das ist jener
Nahrungsentzug für das Erwachungsglied Lehrergründung

Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen des
noch nicht erschienenen Erwachungsgliedes Tatkraft und für Entfaltung
und Reifwerden des erschienenen? Es gibt, ihr Mönche, die Art des
Aufraffens, die Art des Ausbrechens, die Art des Transzendierens: dazu
keine Aufmerksamkeit ausbilden, das ist jener Nahrungsentzug für das
Erwachungsglied Tatkraft.

Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen des
noch nicht erschienenen Erwachungsgliedes Entzückens und für
Entfaltung und Reifwerden des erschienen? Es gibt, ihr Mönche,
Gedanken, die das Erwachungsglied Entzücken fördern: dazu keine
Aufmerksamkeit ausbilden, das ist jener Nahrungsentzug für das
Erwachungsglied Entzücken. Was aber ist, ihr Mönche, der
Nahrungsentzug für das Erscheinen des noch nicht erschienenen
Erwachungsgliedes Gestilltheit und für Entfaltung und Reifwerden des
erschienenen? Es gibt, ihr Mönche, Gestilltheit des Körpers,
Gestilltheit des Herzens: dazu keine Aufmerksamkeit ausbilden, das ist
jener Nahrungsentzug für das Erwachungsglied Gestilltheit.

Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen des
noch nicht entschiedenen Erwachungsgliedes Einigung und für Entfaltung
und Reifwerden des erschienenen? Man kann sich, ihr Mönche, Ruhe
vorstellen, man kann sich Sammlung vorstellen: dazu keine
Aufmerksamkeit ausbilden, das ist jener Nahrungsentzug für das
Erwachungsglied Einigung.

Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen des
noch nicht erschienenen Erwachungsgliedes Gleichmut und für Entfaltung
und Reifwerden des erschienenen? Es gibt, ihr Mönche, Gedanken, die
das Erwachungsglied Gleichmut fördern: dazu keine Aufmerksamkeit
ausbilden, das ist jener Nahrungsentzug für das Erwachungsglied
Gleichmut".

Servus
Viriya

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viriy...@gmail.com

unread,
Aug 16, 2007, 11:23:13 AM8/16/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

soweit es den Unwissenheits-thread betrifft scheinen wir etwas
abzuschweifen.
Darum möchte ich gerne wieder zum Pfadglied de Geistesgegenwart zurück
mit einem wieteren Auszug vom Sati-Artikel des ehrw. Analayo.
Falls uns dann zu diesem Thema nichts mehr einfällt ist da auch ein
guter Übergang zum nächsten Pfadglied.

"Die beständige Anwesenheit von sati ist nicht nur für die Entwicklung
von Weisheit relevant, sondern stellt auch eine wichtige Voraussetzung
für die tieferen Stufen der Konzentration dar. Sati ist ein wichtiger
Faktor für die dritte Vertiefungsstufe (jhaana) und erreicht ein hohes
Maß an Reinheit mit dem Erreichen der vierten Vertiefung, aufgrund
ihrer Verbindung mit tiefem Gleichmut.

Diese Rolle von sati in der Verbindung mit tiefer Konzentration könnte
der Grund sein, warum eine Lehrrede von satipatthaana als „Ursache“
für Konzentration spricht. In ähnlicher Weise erklärte auch
Anuruddha, ein Schüler des Buddha der für seine herausragenden
Konzentrationsfähigkeiten berühmt war, dass seine außergewöhnliche
konzentrative Fertigkeit ein Ergebnis seiner sati-Praxis seien.

Auch wenn diese Passagen aufzeigen, dass sati eine wichtige Rolle bei
der Entwicklung der tieferen Ebenen der Konzentration (samaadhi)
spielt, so sind doch die charakteristischen Funktionen von sati und
samaadhi an sich recht verschieden.

Um diesen Unterschied zu erkennen, ist es hilfreich einen kurzen Blick
auf die Implikationen des Wortes sam¤dhi, „Konzentration“ werfen. Das
Paali und Sanskrit Substantiv samaadhi ist verwandt mit dem Verb sam
¤dahati, „zusammensetzen“ oder „sammeln“. Ein typisches Beispiel für
die Aktivität die dieses Verb ausdrückt ist es, wenn jemand Feuerholz
„sammelt“. Daher steht das Substantiv samaadhi für ein „sich selbst
sammeln“, im Sinne des Beruhigens, Konzentrierens und Einigen des
Geistes.

Die charakteristische Qualität einer solchen Konzentration besteht
darin, den Geist auf ein einzelnes Objekt zu fokussieren und alles
andere auszuschließen. In dieser Weise begünstigt Konzentration eine
Verlagerung von der gewöhnlichen Erlebnisstuktur der Subjekt-Objekt
Dualität hin zu einer Erfahrung von Einheit. Der fokussierende Aspekt
der Konzentration schließt in gewissem Maße eine breitere Bewußtheit
der Umstände und ihrer wechselseitigen Beziehung aus. Daher
unterscheidet sich diese Art des verstärkten Fokus und die damit
einhergehende Einengung des Wahrnehmungsfeldes in gewisser Weise vom
Gewahrsein der Umstände und ihrer Wechselbeziehung, das durch die
weite und offene geistige Haltung der sati geprägt ist. Um eine
photographische Analogie zu benutzen, die Entwicklung der
Konzentration läßt sich mit der Verwendung eines Zooms vergleichen,
während die reine sati-Praxis eher einem Weitwinkelobjektiv
entspricht.

Dieser Unterschied bedeutet jedoch nicht, dass Konzentration und sati
unvereinbar wären, da während einer Vertiefung beide gegenwärtig sind.
Doch besteht sati während einer Vertiefung hauptsächlich im
Gegenwärtigsein des Geistes.

Der grundlegende Unterschied zwischen diesen zwei geistigen
Qualitäten, kann anhand des in einer P¤li Lehrrede verwendeten
Vokabulars demonstriert werden. Laut dieser Lehrrede soll bei
Abgelenktheit oder Trägigkeit während der sati-Übung, die Übung
zeitweise gewechselt werden und ein Meditationsobjekt zur Beruhigung
(samatha) entwickelt werden, um innere Freude und Gemütsruhe zu
kultivieren. Die Lehrrede spricht hier von einer „gerichteten“ Form
der Meditation. Sobald der Geist beruhigt worden ist, ist es möglich
zu einer „ungerichteten“ Meditationsmodus zurückzukehren, nämlich der
satipatthana-Übung. Die Unterscheidung zwischen „gerichteten“ und
„ungerichteten“ Meditationsformen, die in dieser Lehrrede gemacht
wird, deutet an, dass sich diese zwei Meditationsarten, für sich
betrachtet, klar unterscheiden. Gleichzeitig handelt die ganze
Lehrrede jedoch von ihrer geschickten Verknüpfung und zeigt klar auf,
dass beide sich aufeinander beziehen und gegenseitig stützen.

Kurz gesagt, obwohl sati eine wichtige Rolle in der Entwicklung von
tiefer Konzentration spielt, für sich betrachtet stellt sie eine
geistige Qualität dar, die sich klar von Konzentration unterscheidet.
Der Grund, warum sogar tiefe Ebenen der Konzentration allein nicht zur
befreiende Einsicht ausreichen, hängt wahrscheinlich mit dem Verlust
der weiten, empfänglichen und beobachtenden Qualitäten von sati durch
die stark fokussierende Kraft der Konzentration zusammen.
Konzentration alleine reicht nicht aus um sich der Charakteristiken
des Erlebens in umfassender Weise bewußt zu werden. Dazu braucht es
die weite und offene Art der Betrachtung die durch die sati-Meditation
entwickelt wird.

Ein entscheidender Aspekt dieses weiten und empfänglichen Beobachtens
mittels sati ist das direkte Erfahren des Entstehens und Vergehens der
Phänomene. Die P¤li Lehrreden heben diese Notwendigkeit hervor indem
sie darauf hinweisen, dass dieses Gewahrsein der Vergänglichkeit den
Unterschied zwischen satipatthaana und der kompletten und vollen
„Entfaltung“ (bhaavanaa) von satipatthaana sausmacht. Das zeigt auf,
dass einfaches „achtsam sein“ nicht ausreicht , um befreiende Einsicht
zu erlangen. Was zusätzlich von Nöten ist, ist neben dem Inhalt des
Erlebens auch seine Prozeßhaftigkeit wahrzunehmen. Dies geschiet durch
die Kontemplation des Entstehens und Vergehens von was immer auch
geschieht, um dadurch umfassende Einsicht in die Vergänglichkeit zu
erlangen. Das Satipatthaana-sutta erwähnt diese Notwendigkeit
ausdücklich nach jeder der verschieden Übungen, die unter den vier
satipatthaanas aufgelistet sind."

Servus
Viriya

> vorstellen, man kann sich Sammlung vorstellen: dazu keine ...
>
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aki

unread,
Aug 21, 2007, 11:38:29 AM8/21/07
to Theravada-Studiengruppe
Werte Freunde.

Einerseits hat Viriya ( bzw. Analayo ) durchaus Recht mit seiner
Charakterisierung, dass >>> weites und empfängliches Beobachten
( breites Wahrnehmungsfeld ) <<< Schwächen hat im Vergleich mit >>>
fokussierender Konzentration <<<.

Wir als Nichtmönche sind eben durch unser bisheriges Leben darauf
“konditioniert“ ( Gewohnheit ), den unzähligen ( und durchaus auch
“interessanten“ ) Wechselfällen des Lebens ( je nach persönlicher
Fähigkeit ) gerecht zu werden …Richtiges UND schnelles re-agieren
bringt Einen auf der “Karriereleiter“ des Lebens ja auch nach Oben …
Was, gewissermaßen, auch für “die Welt des Mönchlebens“ gilt… Nur dass
da eine andere Auffassung besteht von was richtig ( oder angebracht,
oder natürlich.. etc. ) ist.

Jedoch stellt der “Weltling“ die Richtigkeit ( bessere Qualität ) des
Möchdaseins im Grunde nicht wirklich in Frage … Kann er, wen er
ehrlicher ist, auch nicht … Denn wie Mönche ( und Nonnen ) sich
verhalten ( wenn sie sich der Lehre gemäß verhalten ), ist “tadellos“
… Nur das mit der sexuellen Enthaltsamkeit ist, sozusagen,
kontraproduktiv … Würde es doch, konsequent ( aber ziemlich
unrealistisch ) gedacht, zum Aussterben der Menschheit führen ( was
aber, unbuddhistisch-sarkastisch formuliert, eine so große Katastrophe
nicht wäre ).

Andererseits ( bezogen auf das eingangs gebrauchte einerseits) hat
“Enge“ ( zu schweigen von “Fanatismus“, Überheblichkeit ..etc. ) auch
Schwächen. Außer diesen eben beispielsweise genannten 2 Stichwörtern
etwa eine, wenn zum unpassenden Moment praktiziert, gewisse psychische
“Verspannung“ ( “Stress“ ) … Wobei ich aber gleich wieder sagen muss,
dass man sich aber auch erziehen ( disziplinieren …trainieren ) MUSS
( und kann )…

“Letztendlich“ jedoch, wie Viriya ( bzw. Analayo ) schreibt, ergänzen
sich Sati und Samādhi ( bedingen einander ). Sati ist, im Sinne von
( weitläufig, wieder und
wieder ) erkennen ( empirisch "sehen" ), dass die vielen Facetten des
Universums anicca, dukkha, anattā sind, zuträglich auf dem
Gesundungs-
( Fortschritts- ) weg …Dabei aber dann das eigentliche Ziel nicht zu
"übersehen" ( oder in übermäßige Euphorie oder Orientierungslosigkeit
zu geraten ), dafür ist Samādhi ( oder Samatha *Gemütsruhe* ) da
( hilfreich ).

Sati, schreibt Viriya >>>> ist ( u.a. ) ein wichtiger Faktor für die
dritte Vertiefungsstufe ( Jhāna ) <<< … Das sind , zumindest für
mich, “Gefilde“, die ich zwar recht gut theoretisch nachvollziehen
kann, aber auf Grund mangelnder Fähigkeit des längeren
“Verweilens“ ( etwa, um präziser zu werden, ab 15 Sek. aufwärts ) bei
einer Vorstellung, nicht im anspruchsvollen Sinne kenne …

aki

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