Liebe Freunde,
gehen wir noch einen Schritt weiter:
Dukkha, drei Kategorien:
S 45, 165: „Drei Leidhaftigkeiten gibt es, ihr Mönche: Die
Leidhaftigkeit des Leidens, die Leidhaftigkeit des Gestaltens, die
Leidhaftigkeit der Wandelbarkeit."
1. dukkha im gewöhnlichen Sinn als das Leiden am Leiden ( dukkha-
dukkha ) (kamaloka)
A X,60: Was aber, Ananda, ist die Betrachtung des Elends? Da begibt
sich der Mönch in den Wald, an den Fuß eines Baumes oder in eine
einsame Behausung und erwägt bei sich also: 'Wahrlich, voller Leiden
ist dieser Körper, voller Elend. Es entstehen in diesem Körper
mannigfache Leiden, als wie Erkrankungen von Auge, Ohr, Nase, Zunge,
Leib, Kopf, Ohrmuschel, Mund und Zähnen, Husten, Engbrüstigkeit,
Schnupfen, Entzündung, Fieber, Magenschmerzen, Ohnmacht, Durchfall,
Gliederreißen, Ruhr, Aussatz, Beulen, Ausschlag, Schwindsucht,
Fallsucht, Zitteroch, Jucken, Grind, Krätze, Räude, Erkrankungen des
Blutes und der Galle, Zuckerkrankheit, Lähmung, Blattern, Fistel,
durch Galle, Schleim und Gase oder deren Zusammenwirken hervorgerufene
Krankheiten, durch Temperaturwechsel, unregelmäßige Lebensweise und
Unfall bedingte Krankheiten, durch früheres Karma verschuldete
Krankheiten, sowie Kälte, Hitze, Hunger, Durst, Kot und Urin.' So
weilt er bei diesem Körper in Betrachtung des Elends. Das, Ananda, ist
die Betrachtung des Elends.
2. dukkha verbunden mit bedingten/gestalteten Daseinsvorgängen
(sankhara-dukkha):
A VII, 17: „Da weilt ein Mönch, die Leidhaftigkeit aller
Daseinsgebilde betrachtend, der Leidhaftigkeit gewahr, die
Leidhaftigkeit kennend."
A X, 60: „Was aber, Ananda, ist die Betrachtung der Vergänglichkeit
aller Daseinsbildungen? Da empfindet der Mönch Entsetzen, Ekel und
Abscheu vor allen Daseinsbildungen. Das, Ananda, nennt man die
Betrachtung der Vergänglichkeit aller Daseinsbildungen."
A IX, 93: Unmöglich ist es, daß ein Erkenntnis besitzender Mensch
irgendein Daseinsgebilde für unvergänglich hält; daß er irgendein
Daseinsgebilde für glückbringend hält.
Dhp 277: „Leidvoll ist alles Gestaltete". Wenn man mit Einsicht das
erkennt dann löst man sich vom Leiden los. Dies eben ist der
Reinheitspfad."
dukkha verbunden mit wollen:
A X, 58: „Im Wollen ihr Brüder, wurzeln alle Dinge" (chanda; ein an
sich ethisch indifferenter Begriff - bedeutet hier, dem K. zufolge,
soviel wie Absicht und Wunsch zu handeln = cetana Absicht, Wille, =
sankappa Vorsatz, Einstellung, Gesinnung)
M 109: „Aber, ehrwürdiger Herr, worin wurzeln diese fünf
Daseinsgruppen, an denen angehaftet wird?"
„Diese fünf Daseinsgruppen, an denen angehaftet wird, wurzeln in
chanda, Bhikkhu."
dukkha der Bewegtheit/Aktivität (4. jhana und aufwärts „leidfrei" =
unbewegte/unerschütterliche Zustände (aniñjita))
M 66: „Da erwirkt, ein Mönch nach Verwerfung der Freuden und Leiden,
nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der
leidlosen, freudlosen, gleichmütig einsichtigen vollkommenen Reine,
die vierte Vertiefung. Und das nenne ich, keiner Regung unterworfen."
S 12,38 - 40: „Was immer einer bedenkt (ceteti), ihr Bhikkhus, und was
immer er anstrebt (pakappeti), und wozu er eine latente Neigung
(anuseti) besitzt, das wird zur Grundlage für den Bestand des
Bewußtseins. Wenn eine Grundlage vorhanden ist, so tritt Fortdauer des
Bewußtseins ein. Wenn das Bewußtsein fortdauert und zunimmt, so tritt
Name und Form in die Erscheinung. Aus Name und Form als Ursache
entstehen die sechs Sinnesbereiche; aus den sechs Sinnesbereichen als
Ursache entsteht die Berührung; aus der Berührung als Ursache entsteht
die Empfindung; aus der Empfindung als Ursache entsteht der Durst; aus
dem Durst als Ursache entsteht das Erfassen; aus dem Erfassen als
Ursache entsteht das Werden; aus dem Werden als Ursache entsteht die
Geburt; aus der Geburt als Ursache entstehen Alter und Tod, Schmerz,
Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Auf solche Art kommt der
Ursprung der ganzen Masse des Leidens zustande.
Aber auch wenn einer aber nichts bedenkt, ihr Bhikkhus, und nichts
anstrebt, aber doch eine latente Neigung (zu den Dingen) hat, so wird
das zur Grundlage für den Bestand des Bewußtseins. Wenn eine Grundlage
vorhanden ist, so tritt Fortdauer des Bewußtseins ein. ...
Wenn einer aber nichts bedenkt, ihr Bhikkhus, und nichts anstrebt und
auch keine latente Neigung (zu den Dingen) hat, so entsteht damit
keine Grundlage für den Bestand des Bewußtseins. Wenn keine Grundlage
vorhanden ist, so tritt Fortdauer des Bewußtseins nicht ein. Wenn das
Bewußtsein nicht fortdauert und nicht zunimmt, so tritt keine
Zugewandtheit (zu den Dingen) ein. Wenn keine Zugewandtheit vorhanden
ist, so entsteht kein Kommen und Gehen. Wenn Kommen und Gehen nicht
vorhanden ist, so entsteht kein Abscheiden und Wiedererstehen. Wenn
Abscheiden und Wiedererstehen nicht vorhanden ist, so werden für die
Zukunft Geburt, Alter und Tod, Schmerz, Kummer, Leid, Betrübnis und
Verzweiflung aufgehoben. Auf solche Art kommt die Aufhebung der ganzen
Masse des Leidens zustande."
3. dukkha verursacht durch Umschwung, Veränderung, Wechselhaftigkeit
(viparin¤ma-dukkha) Leiden am Wechselspiel des (inneren und äußeren)
Lebens. (Die höchsten formlosen Zustände haben nur noch das Leiden,
daß sie nicht ewig sind)
A VIII, 6: „Acht Weltgesetze, ihr Mönche, folgen dem Weltlauf, und der
Weltlauf folgt diesen Weltgesetzen. Welches sind sie?
* Gewinn und Verlust,
* Ehre und Verachtung,
* Lob und Tadel,
* Freude und Leid.
Genau wie den unwissenden Weltling, ihr Mönche, treffen auch den
wissenden, edlen Jünger Gewinn und Verlust, Ehre und Verachtung, Lob
und Tadel, Freude und Leid. ...
Da, ihr Mönche, wird dem unwissenden Weltling Gewinn zuteil. Nicht
aber überlegt er sich dabei und versteht es nicht der Wirklichkeit
gemäß: 'Entstanden ist mir zwar dieser Gewinn, doch er ist
vergänglich, elend, dem Wechsel unterworfen.' Und es wird ihm Verlust
zuteil, Ehre, Verachtung, Lob, Tadel, Freude und Leid. Nicht aber
überlegt er sich dabei und versteht es nicht der Wirklichkeit gemäß:
'Entstanden ist mir zwar ... dieses Leid, doch es ist vergänglich,
elend, dem Wechsel unterworfen.' Und Gewinn und Verlust, Ehre und
Verachtung, Lob und Tadel, Freude und Leid halten seinen Geist
umsponnen. Am Gewinn, der ihm zuteil wird, hängt er, und Verlust
verdrießt ihn. An der Ehre, die ihm zuteil wird, hängt er, und
Verachtung verdrießt ihn. Am Lob, das ihm zuteil wird, hängt er und
Tadel verdrießt ihn. An der Freude, die ihm zuteil wird, hängt er, und
das Leid verdrießt ihn. So der Zuneigung und Abneigung verfallen, wird
er nicht erlöst vom Geborenwerden, Altern und Sterben, von Sorge,
Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung, wird er nicht erlöst vom
Leiden, so sage ich.
"Da wird nun aber, ihr Mönche, einem wissenden, edlen Jünger Gewinn
zuteil. Er aber überlegt dabei und versteht es der Wirklichkeit gemäß:
'Entstanden ist mir zwar dieser Gewinn, doch er ist vergänglich,
elend, dem Wechsel unterworfen.' Und es wird ihm Verlust zuteil, Ehre,
Verachtung, Lob, Tadel, Freude und Leid. Er aber überlegt dabei und
versteht es der Wirklichkeit gemäß: 'Entstanden ist mir zwar... dieses
Leid, doch es ist vergänglich, elend, dem Wechsel unterworfen.' Und
Gewinn und Verlust, Ehre und Verachtung, Lob und Tadel, Freude und
Leid halten seinen Geist nicht umsponnen Am Gewinn, der ihm zuteil
wird, hängt er nicht, und Verlust verdrießt ihn nicht. An der Ehrung,
die ihm zuteil wird, hängt er nicht, und Verachtung verdrießt ihn
nicht. Am Lob, das ihm zuteil wird, hängt er nicht, und Tadel
verdrießt ihn nicht. An der Freude, die ihm zuteil wird, hängt er
nicht, und Leid verdrießt ihn nicht. Sich so von Zuneigung und
Abneigung frei machend, wird er erlöst vom Geborenwerden, Altern und
Sterben, von Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung, wird er
erlöst vom Leiden, so sage ich.
"Das, ihr Mönche, ist die Verschiedenheit, das die Besonderheit, das
der Unterschied zwischen dem wissenden, edlen Jünger und dem
unwissenden Weltling.
A X, 29: „Wieweit, ihr Mönche, es Kasier und Kosaler gibt und wieweit
sich das Reich des Kosaler-Königs Pasénadi erstreckt, soweit eben gilt
der Kosaler-König Pasénadi als der Höchste. Doch auch beim Kosaler-
König Pasénadi, ihr Mönche, da zeigt sich Veränderung und Wechsel
(„Wechsel" viparin¤ma). Solches erkennend, ihr Mönche, wendet der
wissende, edle Jünger sich davon ab. Sich davon abwendend, wird er
beim Höchsten entsüchtet, um wieviel mehr noch beim Niedrigen.
Wieweit, ihr Mönche, Sonne und Mond kreisen, die Himmel im Glanze
erstrahlen, tausendmal so weit reicht eine Welt. In dieser
tausendfachen Welt gibt es tausend Monde, tausend Sonnen, tausend
Merus, ... tausend Brahmawelten. Aber auch beim großen Brahma, ihr
Mönche, da zeigt sich Veränderung und Wechsel. ...
Es kommt eine Zeit, ihr Mönche, wo diese Welt untergeht. Beim
Untergang der Welt aber, ihr Mönche, werden die Wesen gewöhnlich unter
den Strahlenden Göttern wiedergeboren. Dort verweilen sie,
geistgezeugt, Wonne genießend, im eigenen Glanze strahlend, die Lüfte
durchquerend und in Seligkeit dahinlebend, lange Zeiten hindurch. Bei
einem Weltuntergang aber, ihr Mönche, da gelten die Strahlenden Götter
als die Höchsten. Aber auch bei den Strahlenden Göttern, ihr Mönche,
da zeigt sich Veränderung und Wechsel. ...
Zehn Allheitsgebiete (kasina) gibt es, ihr Mönche. ...
Acht Überwindungsgebiete (abhibh¤yatana) gibt es, ihr Mönche. ...
Vier Wege des Fortschritts gibt es, ihr Mönche. ...
Vier Arten der Wahrnehmung gibt es, ihr Mönche. ... Aber auch bei
solcherart wahrnehmenden Wesen, ihr Mönche, da zeigt sich Veränderung
und Wechsel. ...
Das, ihr Mönche, ist die höchste unter den Ansichten der anderen
Asketen, nämlich: „Hätte es nicht [in früherem Dasein Wiedergeburt
erzeugendes Wirken] geben, so wäre mir jetzt kein [Dasein] beschieden;
wenn es [jetzt] kein [kamma] geben wird, so wird mir kein [künftiges
Dasein] beschieden sein." Bei einem, ihr Mönche, der solche Ansicht
hat, kann man erwarten, daß er keine Zuneigung zum Dasein mehr haben
wird und keine Abneigung gegen die Aufhebung des Daseins. Wesen mit
solcherart Ansichten gibt es. Aber auch bei Wesen mit solchen
Ansichten, ihr Mönche, da zeigt sich Veränderung und Wechsel. ...
Es gibt da, ihr Mönche, einige Asketen und Brahmanen, welche die
absolute Reinheit verkünden. Als Höchstes aber, ihr Mönche, gilt es
bei den Lehrern der absoluten Reinheit, wenn man nach völliger
Überwindung des Nichtheitsgebietes in das Gebiet der Weder-Wahrnehmung-
noch-Nichtwahrnehmung eingetreten ist. Dieses lernen sie kennen und zu
dessen Verwirklichung weisen sie die Lehre. Solcherart Wesen gibt es.
Aber auch bei Wesen, die solches lehren, da zeigt sich Veränderung und
Wechsel. ...
Es gibt da, ihr Mönche, einige Asketen und Brahmanen, welche das
höchste Nibb¤na bei Lebzeiten verkünden. Als Höchstes aber, ihr
Mönche, gilt bei den Lehrern des höchsten Nibb¤na bei Lebzeiten, bei
den sechs Grundlagen des Sinneneindrucks Entstehen und Vergehen, den
Genuß, das Elend und die Entrinnung der Wirklichkeit gemäß erkannt zu
haben und so die haftlose Erlösung zu gewinnen. Mich aber, ihr Mönche,
der ich solches lehre, solches verkünde, beschuldigen einige Asketen
und Brahmanen in falscher, nichtiger, unehrlicher, unwahrer Weise,
indem sie sagen: „Nicht verkündet der Asket Gotama der Sinnendinge
völlige Durchschauung, nicht verkündet er der körperlichen Dinge
völlige Durchschauung, nicht verkündet er der Gefühle völlige
Durchschauung." Doch gewiß verkünde ich, ihr Mönche, der Sinnendinge
völlige Durchschauung, der körperlichen Dinge völlige Durchschauung,
der Gefühle völlige Durchschauung; und schon bei Lebzeiten gestillt,
entwähnt, kühl geworden, verkünde ich das haftlose völlige Nibb¤na."
Servus
Viriya
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