Daseinsmerkmal dukkha

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viriy...@gmail.com

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Nov 10, 2007, 6:33:19 AM11/10/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

um dukkha umfassend zu verstehen, muß man es auch als Daseinsmerkmal
betrachten. Es ist nicht individuell sondern strukturell:

Strukturelle Inhärenz von Dukkha auf allen Daseinseben
Beispiele:

natürlich - Wetter, Naturkatastrophen, Ungeziefer, Schädlinge,
Raubtiere, Hungersnöte, Seuchen
gesellschaftlich - Ungerechtigkeit, Korruption, Krieg, Ausbeutung,
Unterdrückung, Kriminalität
privat - Streit, Betrug (materiell/sexuell) Diebstahl, Mißbrauch
persönlich-körperlich - Zahnweh, Krebs, Geburt, Alter, Tod (Leiden
von Patienten, Angehörigen, Pflegekräften)
persönlich-emotional - Verletzungen in der Kindheit, Konflikte in der
Pubertät, Enttäuschungen, Beleidigungen, Demütigungen im
Erwachsenenalter
persönlich-geistig - Unterforderung, Überforderung, Manipulation,
Abtötung (gedopte Gesellschaft), Neurosen, Psychosen, etc.
persönlich-spirituell - Geistesgifte, Hindernisse, Trübungen, Fesseln
bewußt-unbewußt
allgemein - samsarisches Dasein, werdenwollen/müssen Äonen um Äonen

Servus
Viriya

Nopa

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Nov 12, 2007, 1:06:31 AM11/12/07
to Theravada-Studiengruppe
hallo zusammen,

demnach ist Dukkha ein fester Bestandteil des Daseins, mit dem wir
einfach leben und deshalb nicht so persönlich nehmen brauchen. Es ist
ein Spektrum von Möglichkeiten die den Raum ausfüllen, völlig neutral
nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Unsere Teilhabe daran besteht
darin das wir mit-verursachen und mit-empfinden und dadurch Einfluss
auf den Verlauf nehmen können.

LG

Norbert

viriy...@gmail.com

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Nov 13, 2007, 3:26:23 AM11/13/07
to Theravada-Studiengruppe
Lieber Norbert,

ja und nein.
Dukkha ist ein fester Bestandteil der Struktur MEINER Existenz und
natürlich nehme ich dukkha persönlich sonst wäre es ja nicht dukkha im
Sinne des Buddha. Und genau weil ich dukkha persönlich nehme kann ich
nicht damit leben sondern suche einen Weg aus dem Dasein (von dem
dukkha ein fester Bestandteil ist) heraus.
Dukkha ist für uns das was Wasser für die Qualle ist. Nur hat die
Qualle mit Wasser kein Problem, wir mit dukkha jedoch schon.
S 45, 165: ,,Drei Leidhaftigkeiten gibt es, ihr Mönche: Die
Leidhaftigkeit des Leidens, die Leidhaftigkeit des Gestaltens, die
Leidhaftigkeit der Wandelbarkeit."

Servus
Viriya

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Petra

unread,
Nov 13, 2007, 5:25:52 AM11/13/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

> Dukkha ist für uns das was Wasser für die Qualle ist. Nur hat die
> Qualle mit Wasser kein Problem, wir mit dukkha jedoch schon.
> S 45, 165: ,,Drei Leidhaftigkeiten gibt es, ihr Mönche: Die
> Leidhaftigkeit des Leidens, die Leidhaftigkeit des Gestaltens, die
> Leidhaftigkeit der Wandelbarkeit."
>

Dukkha ist also ein Bestandteil von uns. Es kann uns ohne Dukkha gar
nicht geben.
Oder?

herzliche Grüße
Petra

> > - Zitierten Text anzeigen -- Zitierten Text ausblenden -

viriy...@gmail.com

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Nov 15, 2007, 1:37:38 AM11/15/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Petra,

umgekehrt: Ohne uns kann es dukkha gar nicht geben.

Servus
Viriya
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Florian M. Weps

unread,
Nov 15, 2007, 3:24:14 PM11/15/07
to theravada-s...@googlegroups.com
On Sat, Nov 10, 2007 at 03:33:19AM -0800, viriy...@gmail.com wrote:
>
> Liebe Freunde,
>
> um dukkha umfassend zu verstehen, muß man es auch als Daseinsmerkmal
> betrachten. Es ist nicht individuell sondern strukturell:
>
> Strukturelle Inhärenz von Dukkha auf allen Daseinseben
> Beispiele:

Essen: Jedes Lebensmittel, das ich zu mir nehme, hat den Tod unzähliger
Organismen bedingt. Ich kann mich vegetarisch ernähren, oder nur von Früchten -
ganz ohne den Tod von anderen Lebewesen kann ich nicht leben.

Das Erbgut, das meinen Körper bestimmt: dass ich jetzt als Mensch dasitze, und
mir Gedanken über Dukkha mache, hat eine lange Reihe gescheiterter Existenzen
als Vorbedingung, die im Gegensatz zu meinen Vorfahren keine Nachkommen
hatten. Wenn die Dinosaurier nicht ausgelöscht worden wären, hätte es nie
Menschen gegeben. Und in der anderen Richtung werden die Säugetiere dereinst
anderen Lebewesen Platz machen.

Das Leben ist nicht nachhaltig, es ist ein Kampf gegen die Entropie, der nicht
endgültig gewonnen werden kann. Wir leben buchstäblich von irreversiblen
Veränderungen unserer Umgebung. Eines Tages wird das Sonnensystem kein Leben
mehr beherrbergen können. Eines Tages wird das All unbewohnbar sein.

"Wir" und "die Anderen" - Reihenfolgen (erst Ich, dann Du, dann die Familie...)
- Grenzen - und egal, wie die Grenzen gezogen werden, ist es nicht gut, und
ohne Grenzen auch nicht.

Ganz abstrakt: Symbole (ob nun einzelne Aminosäuren oder Begriffe wie "Ich",
eine Anordnung von Zellen oder eine Gesellschaftsordnung) machen jede Menge
Ärger. Sie sind nicht unbegrenzt haltbar. Sie zu grösseren Symbolen
anzuordnen führt eigentlich nur im Kreis, zu immer neuen Symbolen. Das ganze
Spiel ist letztlich nicht erfüllend. (Dhammapada 277-279 in meinen Worten)

Cheers,
Florian

Petra

unread,
Nov 18, 2007, 11:47:22 AM11/18/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

diese Art von Dukkha , die Viriya beschreibt :

natürlich - Wetter, Naturkatastrophen, Ungeziefer, Schädlinge,
Raubtiere, Hungersnöte, Seuchen
gesellschaftlich - Ungerechtigkeit, Korruption, Krieg, Ausbeutung,
Unterdrückung, Kriminalität
privat - Streit, Betrug (materiell/sexuell) Diebstahl, Mißbrauch
persönlich-körperlich - Zahnweh, Krebs, Geburt, Alter, Tod (Leiden
von Patienten, Angehörigen, Pflegekräften)
persönlich-emotional - Verletzungen in der Kindheit, Konflikte in der
Pubertät, Enttäuschungen, Beleidigungen, Demütigungen im
Erwachsenenalter
persönlich-geistig - Unterforderung, Überforderung, Manipulation,
Abtötung (gedopte Gesellschaft), Neurosen, Psychosen, etc.
persönlich-spirituell - Geistesgifte, Hindernisse, Trübungen, Fesseln
bewußt-unbewußt

ist durch den rechten Lebenswandel und Metta in jeder Situation des
Daseins positiv zu verändern.

Während dieser Aspekt von Dukkha :

<allgemein - samsarisches Dasein, werdenwollen/müssen Äonen um Äonen

mit diesen Mitteln nicht aufgehoben werden kann.
Das gelingt nur, wer erkennt, wie "ich" und "Welt" zusammengesetzt
sind und welches die Ursachen für die Wahrnehmung von "ich" und "Welt"
sind. Und wer diese Ursachen auflöst.

Was meint ihr?

herzliche Grüße
Petra

On 15 Nov., 21:24, "Florian M. Weps" <f...@hactrn.ch> wrote:

Nopa

unread,
Nov 21, 2007, 12:53:12 AM11/21/07
to Theravada-Studiengruppe
Hi Petra,

ich denke das dukkha auf der Ebene des Ergreifens überhaupt nicht
aufgelöst werden kann. Die Durchschauung kann es lindern, aber
aufgelöst wird es erst mit dem völligen verlöschen. Selbst der Buddha
war dem Dukkha des Körpers noch unterworfen solange er lebte.

Liebe Grüße

Norbert
> > Florian- Zitierten Text ausblenden -

Petra

unread,
Nov 22, 2007, 5:26:28 AM11/22/07
to Theravada-Studiengruppe
Lieber Norbert,

meine bisherige Erfahrung, wenn auch nur im ganz Kleinen, ist :

Wenn ich immer mehr Menschen wohlwollend entgegen komme, wenn ich
ihnen Gesundheit, Glück und Frieden wünsche,
wenn ich immer mehr auf die Nöte und Wünsche meiner Mitwesen eingehe,
wenn ich verständnisvoll bin usw., dann geschieht nach einer Weile
folgendes :

- Konflikte, auch alte, mit meinen Mitmenschen werden kleiner oder
lösen sich auf
- mein eigenes, inneres Wohlbefinden wird größer. Das geht sogar
teilweise soweit, dass mich körperliche Schmerzen und auch andere
"äusseren Leiden" nicht mehr so stark belasten, ich nicht mehr so
darunter leide.

Nach meinem Verständnis ist das der WEg zum Lindern von Leid.
Bis dahin, wo "äusseres Leid" nicht mehr leiden lässt, wegen der
inneren "Helligkeit".

Ausser dieser Art von Dukkha :

<allgemein - samsarisches Dasein, werdenwollen/müssen Äonen um Äonen

die dadurch nicht beeinflusst werden kann, nur durch völliges
Durchschauen und auflösen, wie du auch geschrieben hast.

herzliche Grüße
Petra

Nopa

unread,
Nov 23, 2007, 12:54:59 AM11/23/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Petra,

was du beschreibst ist Karma. Indem du wohlwollender handelst, kommt
auch immer wohlwollenderes auf dich zurück, eine Verschiebung der
leidvollen Ereignisse zugunsten der freudigeren. Das klappt ganz gut
wenn die "Ernte" schnell eingebracht wird. Es gibt aber bestimmt auch
Situationen wo über lange Zeit heilsame Handlungen gemacht werden und
die Ergebnisse über lange Zeit nicht sichtbar werden und das innere
Wohlbefinden sich nicht so deutlich einstellt...

Ich denke auch das ein tugendhaftes Leben Leid verringert und die
innere Wandlung das Leid erträglicher werden lässt - aber auflösen
lässt es sich dadurch nicht.

Liebe Grüße

Norbert

viriy...@gmail.com

unread,
Nov 23, 2007, 11:10:18 AM11/23/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,
gehen wir noch einen Schritt weiter:
Dukkha, drei Kategorien:
S 45, 165: „Drei Leidhaftigkeiten gibt es, ihr Mönche: Die
Leidhaftigkeit des Leidens, die Leidhaftigkeit des Gestaltens, die
Leidhaftigkeit der Wandelbarkeit."
1. dukkha im gewöhnlichen Sinn als das Leiden am Leiden ( dukkha-
dukkha ) (kamaloka)
A X,60: Was aber, Ananda, ist die Betrachtung des Elends? Da begibt
sich der Mönch in den Wald, an den Fuß eines Baumes oder in eine
einsame Behausung und erwägt bei sich also: 'Wahrlich, voller Leiden
ist dieser Körper, voller Elend. Es entstehen in diesem Körper
mannigfache Leiden, als wie Erkrankungen von Auge, Ohr, Nase, Zunge,
Leib, Kopf, Ohrmuschel, Mund und Zähnen, Husten, Engbrüstigkeit,
Schnupfen, Entzündung, Fieber, Magenschmerzen, Ohnmacht, Durchfall,
Gliederreißen, Ruhr, Aussatz, Beulen, Ausschlag, Schwindsucht,
Fallsucht, Zitteroch, Jucken, Grind, Krätze, Räude, Erkrankungen des
Blutes und der Galle, Zuckerkrankheit, Lähmung, Blattern, Fistel,
durch Galle, Schleim und Gase oder deren Zusammenwirken hervorgerufene
Krankheiten, durch Temperaturwechsel, unregelmäßige Lebensweise und
Unfall bedingte Krankheiten, durch früheres Karma verschuldete
Krankheiten, sowie Kälte, Hitze, Hunger, Durst, Kot und Urin.' So
weilt er bei diesem Körper in Betrachtung des Elends. Das, Ananda, ist
die Betrachtung des Elends.
2. dukkha verbunden mit bedingten/gestalteten Daseinsvorgängen
(sankhara-dukkha):
A VII, 17: „Da weilt ein Mönch, die Leidhaftigkeit aller
Daseinsgebilde betrachtend, der Leidhaftigkeit gewahr, die
Leidhaftigkeit kennend."

A X, 60: „Was aber, Ananda, ist die Betrachtung der Vergänglichkeit
aller Daseinsbildungen? Da empfindet der Mönch Entsetzen, Ekel und
Abscheu vor allen Daseinsbildungen. Das, Ananda, nennt man die
Betrachtung der Vergänglichkeit aller Daseinsbildungen."

A IX, 93: Unmöglich ist es, daß ein Erkenntnis besitzender Mensch
irgendein Daseinsgebilde für unvergänglich hält; daß er irgendein
Daseinsgebilde für glückbringend hält.

Dhp 277: „Leidvoll ist alles Gestaltete". Wenn man mit Einsicht das
erkennt dann löst man sich vom Leiden los. Dies eben ist der
Reinheitspfad."


dukkha verbunden mit wollen:
A X, 58: „Im Wollen ihr Brüder, wurzeln alle Dinge" (chanda; ein an
sich ethisch indifferenter Begriff - bedeutet hier, dem K. zufolge,
soviel wie Absicht und Wunsch zu handeln = cetana Absicht, Wille, =
sankappa Vorsatz, Einstellung, Gesinnung)

M 109: „Aber, ehrwürdiger Herr, worin wurzeln diese fünf
Daseinsgruppen, an denen angehaftet wird?"
„Diese fünf Daseinsgruppen, an denen angehaftet wird, wurzeln in
chanda, Bhikkhu."


dukkha der Bewegtheit/Aktivität (4. jhana und aufwärts „leidfrei" =
unbewegte/unerschütterliche Zustände (aniñjita))
M 66: „Da erwirkt, ein Mönch nach Verwerfung der Freuden und Leiden,
nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der
leidlosen, freudlosen, gleichmütig einsichtigen vollkommenen Reine,
die vierte Vertiefung. Und das nenne ich, keiner Regung unterworfen."

S 12,38 - 40: „Was immer einer bedenkt (ceteti), ihr Bhikkhus, und was
immer er anstrebt (pakappeti), und wozu er eine latente Neigung
(anuseti) besitzt, das wird zur Grundlage für den Bestand des
Bewußtseins. Wenn eine Grundlage vorhanden ist, so tritt Fortdauer des
Bewußtseins ein. Wenn das Bewußtsein fortdauert und zunimmt, so tritt
Name und Form in die Erscheinung. Aus Name und Form als Ursache
entstehen die sechs Sinnesbereiche; aus den sechs Sinnesbereichen als
Ursache entsteht die Berührung; aus der Berührung als Ursache entsteht
die Empfindung; aus der Empfindung als Ursache entsteht der Durst; aus
dem Durst als Ursache entsteht das Erfassen; aus dem Erfassen als
Ursache entsteht das Werden; aus dem Werden als Ursache entsteht die
Geburt; aus der Geburt als Ursache entstehen Alter und Tod, Schmerz,
Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Auf solche Art kommt der
Ursprung der ganzen Masse des Leidens zustande.
Aber auch wenn einer aber nichts bedenkt, ihr Bhikkhus, und nichts
anstrebt, aber doch eine latente Neigung (zu den Dingen) hat, so wird
das zur Grundlage für den Bestand des Bewußtseins. Wenn eine Grundlage
vorhanden ist, so tritt Fortdauer des Bewußtseins ein. ...
Wenn einer aber nichts bedenkt, ihr Bhikkhus, und nichts anstrebt und
auch keine latente Neigung (zu den Dingen) hat, so entsteht damit
keine Grundlage für den Bestand des Bewußtseins. Wenn keine Grundlage
vorhanden ist, so tritt Fortdauer des Bewußtseins nicht ein. Wenn das
Bewußtsein nicht fortdauert und nicht zunimmt, so tritt keine
Zugewandtheit (zu den Dingen) ein. Wenn keine Zugewandtheit vorhanden
ist, so entsteht kein Kommen und Gehen. Wenn Kommen und Gehen nicht
vorhanden ist, so entsteht kein Abscheiden und Wiedererstehen. Wenn
Abscheiden und Wiedererstehen nicht vorhanden ist, so werden für die
Zukunft Geburt, Alter und Tod, Schmerz, Kummer, Leid, Betrübnis und
Verzweiflung aufgehoben. Auf solche Art kommt die Aufhebung der ganzen
Masse des Leidens zustande."

3. dukkha verursacht durch Umschwung, Veränderung, Wechselhaftigkeit
(viparin¤ma-dukkha) Leiden am Wechselspiel des (inneren und äußeren)
Lebens. (Die höchsten formlosen Zustände haben nur noch das Leiden,
daß sie nicht ewig sind)
A VIII, 6: „Acht Weltgesetze, ihr Mönche, folgen dem Weltlauf, und der
Weltlauf folgt diesen Weltgesetzen. Welches sind sie?
* Gewinn und Verlust,
* Ehre und Verachtung,
* Lob und Tadel,
* Freude und Leid.
Genau wie den unwissenden Weltling, ihr Mönche, treffen auch den
wissenden, edlen Jünger Gewinn und Verlust, Ehre und Verachtung, Lob
und Tadel, Freude und Leid. ...
Da, ihr Mönche, wird dem unwissenden Weltling Gewinn zuteil. Nicht
aber überlegt er sich dabei und versteht es nicht der Wirklichkeit
gemäß: 'Entstanden ist mir zwar dieser Gewinn, doch er ist
vergänglich, elend, dem Wechsel unterworfen.' Und es wird ihm Verlust
zuteil, Ehre, Verachtung, Lob, Tadel, Freude und Leid. Nicht aber
überlegt er sich dabei und versteht es nicht der Wirklichkeit gemäß:
'Entstanden ist mir zwar ... dieses Leid, doch es ist vergänglich,
elend, dem Wechsel unterworfen.' Und Gewinn und Verlust, Ehre und
Verachtung, Lob und Tadel, Freude und Leid halten seinen Geist
umsponnen. Am Gewinn, der ihm zuteil wird, hängt er, und Verlust
verdrießt ihn. An der Ehre, die ihm zuteil wird, hängt er, und
Verachtung verdrießt ihn. Am Lob, das ihm zuteil wird, hängt er und
Tadel verdrießt ihn. An der Freude, die ihm zuteil wird, hängt er, und
das Leid verdrießt ihn. So der Zuneigung und Abneigung verfallen, wird
er nicht erlöst vom Geborenwerden, Altern und Sterben, von Sorge,
Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung, wird er nicht erlöst vom
Leiden, so sage ich.
"Da wird nun aber, ihr Mönche, einem wissenden, edlen Jünger Gewinn
zuteil. Er aber überlegt dabei und versteht es der Wirklichkeit gemäß:
'Entstanden ist mir zwar dieser Gewinn, doch er ist vergänglich,
elend, dem Wechsel unterworfen.' Und es wird ihm Verlust zuteil, Ehre,
Verachtung, Lob, Tadel, Freude und Leid. Er aber überlegt dabei und
versteht es der Wirklichkeit gemäß: 'Entstanden ist mir zwar... dieses
Leid, doch es ist vergänglich, elend, dem Wechsel unterworfen.' Und
Gewinn und Verlust, Ehre und Verachtung, Lob und Tadel, Freude und
Leid halten seinen Geist nicht umsponnen Am Gewinn, der ihm zuteil
wird, hängt er nicht, und Verlust verdrießt ihn nicht. An der Ehrung,
die ihm zuteil wird, hängt er nicht, und Verachtung verdrießt ihn
nicht. Am Lob, das ihm zuteil wird, hängt er nicht, und Tadel
verdrießt ihn nicht. An der Freude, die ihm zuteil wird, hängt er
nicht, und Leid verdrießt ihn nicht. Sich so von Zuneigung und
Abneigung frei machend, wird er erlöst vom Geborenwerden, Altern und
Sterben, von Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung, wird er
erlöst vom Leiden, so sage ich.
"Das, ihr Mönche, ist die Verschiedenheit, das die Besonderheit, das
der Unterschied zwischen dem wissenden, edlen Jünger und dem
unwissenden Weltling.
A X, 29: „Wieweit, ihr Mönche, es Kasier und Kosaler gibt und wieweit
sich das Reich des Kosaler-Königs Pasénadi erstreckt, soweit eben gilt
der Kosaler-König Pasénadi als der Höchste. Doch auch beim Kosaler-
König Pasénadi, ihr Mönche, da zeigt sich Veränderung und Wechsel
(„Wechsel" viparin¤ma). Solches erkennend, ihr Mönche, wendet der
wissende, edle Jünger sich davon ab. Sich davon abwendend, wird er
beim Höchsten entsüchtet, um wieviel mehr noch beim Niedrigen.
Wieweit, ihr Mönche, Sonne und Mond kreisen, die Himmel im Glanze
erstrahlen, tausendmal so weit reicht eine Welt. In dieser
tausendfachen Welt gibt es tausend Monde, tausend Sonnen, tausend
Merus, ... tausend Brahmawelten. Aber auch beim großen Brahma, ihr
Mönche, da zeigt sich Veränderung und Wechsel. ...
Es kommt eine Zeit, ihr Mönche, wo diese Welt untergeht. Beim
Untergang der Welt aber, ihr Mönche, werden die Wesen gewöhnlich unter
den Strahlenden Göttern wiedergeboren. Dort verweilen sie,
geistgezeugt, Wonne genießend, im eigenen Glanze strahlend, die Lüfte
durchquerend und in Seligkeit dahinlebend, lange Zeiten hindurch. Bei
einem Weltuntergang aber, ihr Mönche, da gelten die Strahlenden Götter
als die Höchsten. Aber auch bei den Strahlenden Göttern, ihr Mönche,
da zeigt sich Veränderung und Wechsel. ...
Zehn Allheitsgebiete (kasina) gibt es, ihr Mönche. ...
Acht Überwindungsgebiete (abhibh¤yatana) gibt es, ihr Mönche. ...
Vier Wege des Fortschritts gibt es, ihr Mönche. ...
Vier Arten der Wahrnehmung gibt es, ihr Mönche. ... Aber auch bei
solcherart wahrnehmenden Wesen, ihr Mönche, da zeigt sich Veränderung
und Wechsel. ...
Das, ihr Mönche, ist die höchste unter den Ansichten der anderen
Asketen, nämlich: „Hätte es nicht [in früherem Dasein Wiedergeburt
erzeugendes Wirken] geben, so wäre mir jetzt kein [Dasein] beschieden;
wenn es [jetzt] kein [kamma] geben wird, so wird mir kein [künftiges
Dasein] beschieden sein." Bei einem, ihr Mönche, der solche Ansicht
hat, kann man erwarten, daß er keine Zuneigung zum Dasein mehr haben
wird und keine Abneigung gegen die Aufhebung des Daseins. Wesen mit
solcherart Ansichten gibt es. Aber auch bei Wesen mit solchen
Ansichten, ihr Mönche, da zeigt sich Veränderung und Wechsel. ...
Es gibt da, ihr Mönche, einige Asketen und Brahmanen, welche die
absolute Reinheit verkünden. Als Höchstes aber, ihr Mönche, gilt es
bei den Lehrern der absoluten Reinheit, wenn man nach völliger
Überwindung des Nichtheitsgebietes in das Gebiet der Weder-Wahrnehmung-
noch-Nichtwahrnehmung eingetreten ist. Dieses lernen sie kennen und zu
dessen Verwirklichung weisen sie die Lehre. Solcherart Wesen gibt es.
Aber auch bei Wesen, die solches lehren, da zeigt sich Veränderung und
Wechsel. ...
Es gibt da, ihr Mönche, einige Asketen und Brahmanen, welche das
höchste Nibb¤na bei Lebzeiten verkünden. Als Höchstes aber, ihr
Mönche, gilt bei den Lehrern des höchsten Nibb¤na bei Lebzeiten, bei
den sechs Grundlagen des Sinneneindrucks Entstehen und Vergehen, den
Genuß, das Elend und die Entrinnung der Wirklichkeit gemäß erkannt zu
haben und so die haftlose Erlösung zu gewinnen. Mich aber, ihr Mönche,
der ich solches lehre, solches verkünde, beschuldigen einige Asketen
und Brahmanen in falscher, nichtiger, unehrlicher, unwahrer Weise,
indem sie sagen: „Nicht verkündet der Asket Gotama der Sinnendinge
völlige Durchschauung, nicht verkündet er der körperlichen Dinge
völlige Durchschauung, nicht verkündet er der Gefühle völlige
Durchschauung." Doch gewiß verkünde ich, ihr Mönche, der Sinnendinge
völlige Durchschauung, der körperlichen Dinge völlige Durchschauung,
der Gefühle völlige Durchschauung; und schon bei Lebzeiten gestillt,
entwähnt, kühl geworden, verkünde ich das haftlose völlige Nibb¤na."

Servus
Viriya
> > Petra- Zitierten Text ausblenden -

Nopa

unread,
Dec 21, 2007, 3:02:21 AM12/21/07
to Theravada-Studiengruppe
Liebe Freunde,

hab mal eine Weile alles ein wenig "sacken lassen" und dann versucht
für mich ein kleines Destillat aus dem letzten Beitrag vom lieben
viriana herzustellen.
Demnach lassen sich 3 Leidenskategorien unterscheiden: 1.
Vergänglichkeit, 2. Bedingtheit, 3. Veränderlichkeit.
Die Vergänglichkeit erkenne ich bei der stillen Betrachtung meines
Körpers, der durchgemachten Krankheiten und Anfälligkeiten. Dies führt
zum Annehmen der Vergänglichkeit. Die Bedingtheit erkenne ich bei
der stillen Betrachtung der Leidensursachen, wo, wie und wodurch habe
ich Leiden verursacht und wo, wie und wodurch habe ich Leiden
gemildert. Gutes Karma zu wirken ist das Ergebnis dieser Betrachtung.
Die Veränderlichkeit erkenne ich bei der stillen Betrachtung meines
Lebens, was aus mir erfahrenem Leid oder Glück geworden ist. Das es
nichts bringt daran anzuhaften wird dadurch deutlich.
Als Fazit daraus ziehe ich : Annehmen (Vergänglichkeit) ohne
anzuhaften (Veränderlichkeit) was auf mich zukommt und möglichst
heilsames (Bedingtheit) von mir ausgehen zu lassen.

Liebe Grüße

Norbert
> Asketen, ...
>
> Erfahren Sie mehr >>
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