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Autofahren

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Ruggero Costantini

unread,
Jan 3, 1992, 6:46:39 AM1/3/92
to

Vor einiger Zeit hatte ich die Behauptung aufgestellt, dass jedeR
AutofahrerIN notwendiger Weise die Bereitschaft zu toeten haben muss,
wenn sie ihr Vehikel benutzt. Dass sie die Toetung fuer ihren persoen-
lichen Vorteil der Mobilitaet in Kauf nimmt. Dass dieses Verhalten
auch gesellschaftlich sanktioniert ist, da solche Toetungen in den
seltensten Faellen bestraft werden.

Hintergrund meiner Behauptung sind dabei die Statistiken, die belegen,
dass Autofahrer Fussgaenger und Fahrradfahrer toeten, aber nicht umge-
kehrt. Das Autofahren, was das Toetungsrisko angeht, deutlich schlechter
dasteht als Bahnfahren, Radfahren oder Zufussgehen.

Die gesellschaftliche Sanktion dieser Toetungen wird auch in der Dis-
kussion ueber Tempo-Begrenzungen deutlich, wo die Moeglichkeit der Ver-
minderung von Koerperverletzungen, deren Schwere oder eine Verminderung
der Anzahl der Verkehrstoten, bisher kein Anlass war, flaechendeckende
Massnahmen durchzusetzen. Stattdessen wird unser aller "Freiheit" ver-
teidigt mobil zu sein.

Die Reaktion hier im Netz daraufhin bestand aus zwei Antworten, die
daraufhin in aller Tiefe diskutiert wurden. Die Antworten versuchten
dabei gar nicht, die Argumentationskette zu widerlegen oder zu ver-
stehen, falls sie unklar ist, sonder beschraenkten sich darauf, irgend-
ein x-beliebiges persoenliches Verhalten der jeweiligen posterin zu
beschreiben (200 nachts um drei auf der Autobahn, 100 in der Kurve,
wo nur 70 erlaubt sind) und zu behaupten, dabei koennte ja unmoeglich
ein Mensch zu schaden kommen.

Kann man natuerlich lange drueber diskutieren. Aber auf solche Einzel-
faelle kommt es doch gar nicht an! Heute sind in den alten Bundeslaen-
dern wieder 20 Menschen im Verkehr gestorben. (ca. 7000 Tote pro Jahr
macht etwa 20 Tote pro Tag.)

Liebe Autofahrer, wir sind das Risiko.

Ruggero Costantini cost...@eos.cs.bonn.edu

Paul Lenz

unread,
Jan 6, 1992, 2:41:11 PM1/6/92
to
In article <COSTANTI.9...@eos.informatik.uni-bonn.de> cost...@eos.informatik.uni-bonn.de (Ruggero Costantini) writes:
>
>Vor einiger Zeit hatte ich die Behauptung aufgestellt, dass jedeR
>AutofahrerIN notwendiger Weise die Bereitschaft zu toeten haben muss,
>wenn sie ihr Vehikel benutzt. Dass sie die Toetung fuer ihren persoen-
>lichen Vorteil der Mobilitaet in Kauf nimmt. Dass dieses Verhalten
>auch gesellschaftlich sanktioniert ist, da solche Toetungen in den
>seltensten Faellen bestraft werden.

Toetung = Totschlag <> Mord!
KEIN Autofahrer toetet absichtlich. Viele lenken sogar ihr Auto in
den Graben, nur um das Leben eines Rehs zu schonen.

>
>[...]


>
>Die Reaktion hier im Netz daraufhin bestand aus zwei Antworten, die
>daraufhin in aller Tiefe diskutiert wurden. Die Antworten versuchten
>dabei gar nicht, die Argumentationskette zu widerlegen oder zu ver-
>stehen, falls sie unklar ist, sonder beschraenkten sich darauf, irgend-
>ein x-beliebiges persoenliches Verhalten der jeweiligen posterin zu
>beschreiben (200 nachts um drei auf der Autobahn, 100 in der Kurve,
>wo nur 70 erlaubt sind) und zu behaupten, dabei koennte ja unmoeglich
>ein Mensch zu schaden kommen.

Tja, versuch mal jemandem eine Schuld einzureden, der sich keiner
Schuld bewusst ist. Versuch mal einem Raucher beizubringen, dass
er ein Selbstmoerder ist. Da beisst Du auf Granit!

Aber mal zu Deiner Argumentation.

Muss ein Lokfuehrer die Bereitschaft zu Toeten bei seinem Beruf
mitbringen? Schliesslich kann ein Auto auf einem Bahnuebergang
stehenbleiben. Oder ein Selbstmoerder kann von der Bahnsteigkante
vor seine Lok springen. Soll der Lokfuehrer deshalb ein
schlechtes Gewissen haben?

Ich denke: nein!

Proppi

==---> pro...@veeble.han.de / ......!unido!veeble!proppi <---==
DIN-Gr}~e von: Paul Lenz / Friesenstrasse 22 / D-3000 Hannover 1
voice: +49 511-342451 * Remember: Rock'n'Roll and CP/M never die!

Walter Mecky

unread,
Jan 7, 1992, 9:17:13 PM1/7/92
to
In article <1992Jan06.1...@veeble.han.sub.org> pro...@veeble.han.de (Paul Lenz) writes:
< Tja, versuch mal jemandem eine Schuld einzureden, der sich keiner
< Schuld bewusst ist. Versuch mal einem Raucher beizubringen, dass
< er ein Selbstmoerder ist. Da beisst Du auf Granit!

Das Beispiel passt nicht. Wenn ich versuche einem Raucher beizubringen,
dass er *mich* schaedigt, wenn er neben mir raucht, dann passt das
Beispiel. Und meist beisse nicht ich auf Granit dabei ...

< Muss ein Lokfuehrer die Bereitschaft zu Toeten bei seinem Beruf
< mitbringen? Schliesslich kann ein Auto auf einem Bahnuebergang
< stehenbleiben. Oder ein Selbstmoerder kann von der Bahnsteigkante
< vor seine Lok springen. Soll der Lokfuehrer deshalb ein
< schlechtes Gewissen haben?

Ok, wir wenden uns in unserer Argumentation ab nun nicht mehr gegen das
Autofahren an sich, sondern nur noch gegen das Autofahren, das nicht der
direkten Berufsausuebung dient. Lokfuehrer, LKW-Fahrer etc. sind
ausgenommen, alle anderen nicht. Insbesondere nicht derjenige, der meint
mit dem Auto zum Arbeitsplatz fahren zu muessen.

Und selbst dann, wenn nur alle rein private Fahrten wegfielen, wuerde
der Verkehr auf schaetzungsweise ein Drittel sinken und der
Strassenbedarf ebenso.

--
__o Walter Mecky
_ \<,_ wal...@rent-a-guru.de or ...uunet!unido!mikros!walter
(_)/ (_) Phone: +49 6152 40813

Paul Lenz

unread,
Jan 9, 1992, 2:17:58 PM1/9/92
to
In article <10...@mecky.rent-a-guru.de> wal...@rent-a-guru.de (Walter Mecky) writes:
>In article <1992Jan06.1...@veeble.han.sub.org> pro...@veeble.han.de (Paul Lenz) writes:
>
>< Muss ein Lokfuehrer die Bereitschaft zu Toeten bei seinem Beruf
>< mitbringen? Schliesslich kann ein Auto auf einem Bahnuebergang
>< stehenbleiben. Oder ein Selbstmoerder kann von der Bahnsteigkante
>< vor seine Lok springen. Soll der Lokfuehrer deshalb ein
>< schlechtes Gewissen haben?
>
>Ok, wir wenden uns in unserer Argumentation ab nun nicht mehr gegen das
>Autofahren an sich, sondern nur noch gegen das Autofahren, das nicht der
>direkten Berufsausuebung dient. Lokfuehrer, LKW-Fahrer etc. sind
>ausgenommen, alle anderen nicht. Insbesondere nicht derjenige, der meint
>mit dem Auto zum Arbeitsplatz fahren zu muessen.

Moment! Du schriebst, ein Autofahrer habe die Bereitschaft zu toeten.
Was hat das jetzt mit dem Beruf zu tun?

Wolfgang Strobl

unread,
Jan 10, 1992, 10:57:34 PM1/10/92
to
pro...@veeble.han.sub.org (Paul Lenz) writes:

>In article <10...@mecky.rent-a-guru.de> wal...@rent-a-guru.de (Walter Mecky) writes:
>>In article <1992Jan06.1...@veeble.han.sub.org> pro...@veeble.han.de (Paul Lenz) writes:
>>
>>< Muss ein Lokfuehrer die Bereitschaft zu Toeten bei seinem Beruf
>>< mitbringen? Schliesslich kann ein Auto auf einem Bahnuebergang
>>< stehenbleiben. Oder ein Selbstmoerder kann von der Bahnsteigkante
>>< vor seine Lok springen. Soll der Lokfuehrer deshalb ein
>>< schlechtes Gewissen haben?
>>
>>Ok, wir wenden uns in unserer Argumentation ab nun nicht mehr gegen das
>>Autofahren an sich, sondern nur noch gegen das Autofahren, das nicht der
>>direkten Berufsausuebung dient. Lokfuehrer, LKW-Fahrer etc. sind
>>ausgenommen, alle anderen nicht. Insbesondere nicht derjenige, der meint
>>mit dem Auto zum Arbeitsplatz fahren zu muessen.

>Moment! Du schriebst, ein Autofahrer habe die Bereitschaft zu toeten.
>Was hat das jetzt mit dem Beruf zu tun?

Bereitschaft ist vielleicht nicht das richtige Wort. Er "nimmt es in Kauf",
oder "muss damit rechnen" ist vermutlich besser. Etwa wie der Unterschied
zwischen Mord, Totschlag und grob fahrlaessiger Toetung. Wenn jemand mit
Drogen dealt, so nimmt er den Tod seiner Kunden in Kauf, man muss mit
ca. 5 Drogentoten pro Tag rechnen, hier in Deutschland. Wenn jemand
mit dem Auto faehrt, so nimmt er den Tod Unbeteiligter in Kauf, man muss
mit ca. 20 Verkehrstoten pro Tag rechnen, ebenfalls hier in Deutschland.

In den letzten zehn Jahren wurden in der BRD im Strassenverkehr
ueber 1,6 Millionen Personen schwer verletzt und ueber 15.000 Kinder unter
15 Jahren getoetet.

Wer die Bereitschaft hat, an dieser Statistik mitzuwirken, sollte
dazu stehen, und sich nicht hinter Lokfuehrern (absurd!) oder
LKW-Fahrern verstecken.

Wolfgang Strobl

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