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Bahnverkehr von/nach Berlin

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Andreas Bewersdorff

unread,
Nov 18, 1991, 1:21:58 AM11/18/91
to
Hallo !

Es wird ja immer wieder gefordert, vom Auto auf die Bahn umzusteigen.
Dass der Service dabei nicht der beste ist, wurde schon oft genug
festgestellt. Aber trotzdem ist der Bedarf zur Zeit anscheinend so
gross, dass die Bahn (zumindest auf einigen Strecken) am Rande ihrer
Kapazitaeten ist. In einem Bericht im RIAS-TV zum Bahnverkehr von und
nach Berlin habe ich eben gerade unter anderem gehoert :
- veraltete Technik und Computer (Fahrkarten und Reservierungen gibt es
nur an zwei von sechs Schaltern zusammen, ansonsten muss man durch den
ganzen Bahnhof, um beides einzeln zu kaufen; Auskuenfte gibt es entweder
noch woanders oder auch an den _gleichen_ zwei Schaltern; eine Bahn-
Beratung gibt es zwar, aber mit Wartezeiten von 1.5 bis 2.5 Stunden;
telefonische Auskunft und andere Anschluesse sind meistens schon nach
den ersten zu waehlenden Ziffern besetzt; etc usw)
und was wichtiger ist :
- Schlaf- und Liegewagen sind oft (und in Richtung Sueden immer)
bis Mai 1992 ausgebucht.
- An Wochenenden sind Sitzplaetze ausgebucht
(und auch Gaenge sind meistens ueberfuellt)
- Ueber Weihnachten wird es 100 Sonderzuege geben, die zwar die Bahn an
den Rand ihrer Kapazitaet bringen, aber vermutlich trotzdem nicht
ausreichen werden.

Wer also fordert, auch bei Langstrecken vom Auto auf die Bahn umzusteigen
(wogegen ich nichts habe), sollte gleichzeitig fordern, die Bahn weiter
auszubauen (wie? :-) und er sollte daran denken, dass diese Probleme nicht
kurzfristig zu loesen sind, sondern nur langfristig.

Dieser Bericht betraf nur den Personenverkehr. Wenn man jetzt also noch
(z.B. durch eine Erhoehung des Benzinpreises) den Warentransport von der
Strasse auf die Schiene bringen will, dann duerfte das (vor allem bei der
Qualitaet und der fehlenden Kapazitaet der aktuellen Strecken) erhebliche
Probleme bereiten. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das im Laufe der
naechsten wenigen Jahre funktionieren soll und halte deshalb zumindest in
dieser Zeit Zwangsmassnahmen (z.B. Benzinpreis) fuer falsch. Vielleicht
sieht es ja in den ABL besser aus, aber da solche Massnahmen nicht getrennt
fuer einige Gebiete gemacht werden koennen, wuerde das alles zu stark zu
Lasten einiger anderer Gebiete gehen, die zu wenig praktische Alternativen
haben.

Da auch der Strassenverkehr grosse Probleme hat, sehe ich zur Zeit die
Notwendigkeit, alles auszubauen und zu verbessern, was erstmal schnell
moeglich ist. Das betrifft vor allem den viel kritisierten Ausbau der
vorhandenen schlechten Strassen und den Neubau von fehlenden Querver-
bindungen bei Autobahnen.

Dies ist natuerlich gleichzeitig ein Aufruf dazu, die aktuellen Verhaelt-
nisse (Kapazitaet und Qualitaet) bei der Bahn zu verbessern, so dass es
moeglichst bald (d.h. in wenigen Jahren) keinen Grund mehr gibt, nicht
ernsthaft ueber einen Umstieg auf die Bahn sprechen zu koennen.

mfG Andreas


--
Ich bin ein .signature Virus. Mach' mit und kopiere mich in Deine .signature.
--
Andreas Bewersdorff, D - W 1000 Berlin 12, Germany, Europe, Terra
an...@akb.in-berlin.de (an...@netmbx.uucp,a...@opal.cs.tu-berlin.de)

Frank Rupprecht

unread,
Nov 18, 1991, 9:18:51 AM11/18/91
to
Hallo,

In article <A0bf...@akb.in-berlin.de> an...@akb.in-berlin.de (Andreas Bewersdorff) writes:

> Da auch der Strassenverkehr grosse Probleme hat, sehe ich zur Zeit die
> Notwendigkeit, alles auszubauen und zu verbessern, was erstmal schnell
> moeglich ist. Das betrifft vor allem den viel kritisierten Ausbau der
> vorhandenen schlechten Strassen und den Neubau von fehlenden Querver-
> bindungen bei Autobahnen.

Wer sagt denn, dass jede/jeder ein Recht auf beliebige Mobilitaet hat? Durch
unendliches Wachstum von Verkehrsinfrastrukturen nehmen wir uns unsere
Lebensgrundlage (bzw. wird uns genommen).
--

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
+ Frank T. Rupprecht Tel. : (+49) (+) 5251-284144 +
+ Cadlab Fax. : (+49) (+) 5251-284140 +
+ Bahnhofstrasse 32 Email : fr...@cadlab.de +
+ 4790 Paderborn fr...@cadlab.uucp +
+ Germany ...!uunet!unido!cadlab!frank +
+ fr...@uni-paderborn.de +
+ fr...@pbinfo.uucp +
+ ...!uunet!unido!pbinfo!bb +
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Bernd Sluka

unread,
Nov 19, 1991, 5:37:14 AM11/19/91
to
Im Artikel <A0bf...@akb.in-berlin.de> schreibt
an...@akb.in-berlin.de (Andreas Bewersdorff):

>Dieser Bericht betraf nur den Personenverkehr. Wenn man jetzt also noch
>(z.B. durch eine Erhoehung des Benzinpreises) den Warentransport von der
>Strasse auf die Schiene bringen will, dann duerfte das (vor allem bei der
>Qualitaet und der fehlenden Kapazitaet der aktuellen Strecken) erhebliche
>Probleme bereiten.

Zumindest bei der Reichsbahn sind die Kapazitaeten fuer den Warentrans-
port vorhanden, wenn auch sanierungsbeduerftig. Aber der Trend geht seit
der Vereinigung eindeutig zum Lkw. So ist z.B. der Warenumschlag am
Eisenacher Bahnhof um einen Faktor 80 gesunken! Kapazitaeten sind also
da, liegen aber brach und werden wohl in der naechsten Zeit abgebaut.

In der DDR gab es ein Gesetz, wonach Warentransporte ueber mehr als
50 km mit der Bahn zu geschehen haben. Sowas koennte man in der freien
Marktwirtschaft wahrscheinlich nicht durchsetzen. Aber praktisch waere
eine solche Regelung schon. Man faengt mit einer grossen Distanz, viel-
leicht 500 km, an, und reduziert sie ab und zu, wenn die Transport-
kapaziatet der Bundesbahn entsprechend ausgebaut wurde.
--
Bernd Sluka Wer will,
Lehrstuhl fuer Stochastik dass die Welt so bleibt,
Fakultaet fuer Mathematik und Informatik wie sie ist,
Universitaet Passau der will nicht,
8390 Passau dass sie bleibt.
sl...@stoch.fmi.uni-passau.de (Erich Fried)

Sabine Hubrig-Schaumburg

unread,
Nov 19, 1991, 7:59:14 AM11/19/91
to
fr...@cadlab.de (Frank Rupprecht) writes:
>Hallo,
>In article <A0bf...@akb.in-berlin.de> an...@akb.in-berlin.de (Andreas Bewersdorff) writes:
>>...

>Wer sagt denn, dass jede/jeder ein Recht auf beliebige Mobilitaet hat? Durch
>unendliches Wachstum von Verkehrsinfrastrukturen nehmen wir uns unsere
>Lebensgrundlage (bzw. wird uns genommen).

Recht?
Wie waer's mit Pflicht??
Der Tante-Emma-Laden im Dorf ist seit Jahren tot, daher musz man zum Einkaufen
schon mal weiter als zu Fusz moeglich.
Wer einen Job sucht, der halbwegs seinen Interessen entgegenkommt, und nicht
nur "irgendwas" jobben will (und selbst dann), wird nicht selten vor die
Alternative gestellt, umzuziehen (mitsamt Kind und Kegel, und bei heutiger
Wohnungsknappheit kein Vergnuegen) oder taeglich 100km einfache Strecke (oder
mehr) in Kauf zu nehmen.
Just my $0.02
ANNA


--
Sabine "ANNA" Hubrig-Schaumburg, 5202 Hennef, Germany bi...@jargon.gmd.de
German National Research Center for Computer Science (GMD) +49 2241 14-2214
"The goal of science is to build better mousetraps.
The goal of nature is to build better mice."

Wolfgang Zenker

unread,
Nov 18, 1991, 9:28:16 PM11/18/91
to
In article <A0bf...@akb.in-berlin.de> an...@akb.in-berlin.de (Andreas Bewersdorff) writes:
> Hallo !
>
> Es wird ja immer wieder gefordert, vom Auto auf die Bahn umzusteigen.
> Dass der Service dabei nicht der beste ist, wurde schon oft genug
> festgestellt. Aber trotzdem ist der Bedarf zur Zeit anscheinend so
> gross, dass die Bahn (zumindest auf einigen Strecken) am Rande ihrer
> Kapazitaeten ist. In einem Bericht im RIAS-TV zum Bahnverkehr von und
> nach Berlin habe ich eben gerade unter anderem gehoert :
> - veraltete Technik und Computer (Fahrkarten und Reservierungen gibt es
> nur an zwei von sechs Schaltern zusammen, ansonsten muss man durch den
> ganzen Bahnhof, um beides einzeln zu kaufen; Auskuenfte gibt es entweder
> noch woanders oder auch an den _gleichen_ zwei Schaltern; eine Bahn-
> Beratung gibt es zwar, aber mit Wartezeiten von 1.5 bis 2.5 Stunden;
> telefonische Auskunft und andere Anschluesse sind meistens schon nach
> den ersten zu waehlenden Ziffern besetzt; etc usw)
> [..]

Hallo,
zumindest was die Auskunft nach Bahnverbindungen angeht, gab es in
letzter Zeit eine deutliche Verbesserung (zumindest fuer DFUE-Benutzer):
Die Btx-Fahrplanauskunft der Bahn umfasst seit ca. 2 Wochen alle Verbindungen
aus dem Kursbuch inklusive der nicht-bundeseigenen Eisenbahnen sowie die
wichtigsten Auslandsverbindungen. Fahrkarten bestellen und Plaetze reservieren
geht auch ueber BTX, allerdings muss man das ein paar Tage vor Reiseantritt
tun, die Fahrkarten bekommt man naemlich per gelber Post.
Gruss, Wolfgang

Andreas Bewersdorff

unread,
Nov 20, 1991, 4:52:58 AM11/20/91
to
Hallo !

In <FRANK.91N...@hobbit.cadlab.de>, Frank Rupprecht writes:
()
() In article <A0bf...@akb.in-berlin.de> an...@akb.in-berlin.de (Andreas Bewersdorff) writes:
() > [ *EIN* Absatz gequotet ]
()
() Wer sagt denn, dass jede/jeder ein Recht auf beliebige Mobilitaet hat? Durch
() unendliches Wachstum von Verkehrsinfrastrukturen nehmen wir uns unsere
() Lebensgrundlage (bzw. wird uns genommen).

Fuer diejenigen, die meinen Artikel nicht gelesen haben moechte ich nur
darauf hinweisen, dass ich in allen nicht zitierten Absaetzen ueber den
zur Zeit schlechten Zustand der Bahn geschrieben habe und dass das kein
Artikel fuer das Auto, sondern gegen die aktuelle Situation bei der Bahn
war, und dass es nicht nur um Individualverkehr ging, sondern auch um
Transporte. Ausserdem hatte ich zwischen langfristigen Plaenen und kurz-
fristigen Notwendigkeiten unterschieden. Ich finde es nicht schoen, nur
gerade den einen Absatz aus dem ganzen Text zu zitieren, der das Gegenteil
vom Rest zu sagen scheint, wenn man ihn aus dem Zusammenhang reisst.

Followups auf den Originalartikel zum Thema Bahn willkommen :-)
Followups hierauf zum Thema Zitate nach sub.flame :-(

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