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Mogelpackung Greenpeace? [SPIEGEL usw.]

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Joerg Napp

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Sep 27, 1991, 9:14:32 AM9/27/91
to
Hallihallo,

hier die angekuendigte Stellungnahme zu den vorwuerfen aus dem
Spiegel und anderen Medien.

Der Text ist ein Flugblatt der Greenpeace-Kontaktgruppe
Paderborn.

Bei der Laenge des Spiegel-Artikels kann natuerlich nicht auf
jeden Vorwurf eingegangen werden, darum haben wir uns die
Hauptvorwuerfe, die auch in anderen Medie auftauchten,
herausgesucht.

Falls Ihr noch konkrete Fragen zu dem Artikel oder dem Flugi
habt, schlage ich vor, dass Ihr mir sie zumailt, anstelle sie zu
posten. In 1-2 Wochen schicke ich dann eine Zusammenfassung mit
Antworten.

Tschuess, Joerg

--schnipp--schnipp--schnipp--schnipp--schnipp--schnipp--schnipp--


Betr.: Greenpeace

In der letzten Zeit wurde Greenpeace in den Medien teilweise
vehement kritisiert. Dabei bediente man sich oft eines aeusserst
unsachlichen, entstellenden Stils. So heisst es z.B. in der
SPIEGEL-Ausgabe vom 16.09.91, dass Greenpeace mit "fragwuerdigen
Methoden" Spenden "eintreibe". Gemeint war das Beilegen von
Ueberweisungsformularen in Aktionsbriefen - eine von vielen
Vereinen praktizierte, voellig uebliche Methode.


Im folgenden wollen wir zu den Vorwuerfen der Medien Stellung
nehmen.


"Greenpeace ist eine Geldmaschine, schoepft systematisch den
Spendenmarkt leer"

Auf dem deutschen Spendenmarkt tummeln sich mehrere tausend
Organisationen, die mit den unterschiedlichsten Methoden ihre
Einnahmen erzielen. Innerhalb dieses weiten Spektrums geht
Greenpeace mit dem Sammeln von Spenden besonders
verantwortungsvoll um. Greenpeace nimmt keine Gelder des
Staates, keine Gelder von Parteien, nimmt kein Oeko-Sponsoring
der Industrie an. Wir sind nicht involviert im Grossspenden-
Marketing. Wir betreiben keine Spendenmaximierung, sondern
versuchen, soviel Spenden zu bekommen, wie wir fuer unsere
Kampagnen voraussichtlich benoetigen werden.

Bei vielen Organisationen geht ein Grossteil der Einnahmen gleich
wieder in die Eigenwerbung. Greenpeace kann seinen Spenderm mit
Fug und Recht sagen, dass kaum Geld fuer die Eigenwerbung
ausgegeben wird. Imageanzeigen von Greenpeace sind
"Freischaltungen", d.h. die betreffenden Medien bekommen kein
Honorar fuer das Abdrucken der Anzeigen.


"Ein Teil der Einnahmen wird nicht fuer den Umweltschutz
ausgegeben, sondern auf die hohe Kante gelegt"

Diese Aussage bezieht sich auf die rd. 60 Millionen DM, die
Greenpeace Deutschland in den vergangenen zwei Jahren an
finanziellen Ruecklagen gebildet hat, und suggeriert damit, dass
dieses Geld nicht fuer den Umweltschutz eingesetzt wird. Das
Gegenteil ist richtig. Wir horten kein Geld, sondern setzen das
Geld in Erfolge um.

Unsere Foerderer haben in den vergangenen Jahren unsere Arbeit
mit vielen kleinen Einzelspenden, aber mit einer insgesamt
hoeheren Gesamtsumme honoriert, als wir in der Jahresplanung
vorsichtigerweise angesetzt hatten.

Von steuerlichen und juristischen Aspekten abgesehen, halten wir
es auch politisch fuer sinnvoll, ueber ein entsprechendes
finanzielles Polster zu verfuegen. Wir sind als politisch
orientierter Verein den Schwankungen der Tagespolitik ausgesetzt,
und es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass unsere
Spendeneinnahmen voruebergehend drastisch zurueckgehen. In den
USA beispielsweise war das der Fall, weil sich Greenpeace
entschieden und unpopulaer gegen den Golfkrieg engagiert hat. Mit
den internationalen Reserven von 90 Millionen DM koennten wir
unsere Organisation gerade vier Monate am Leben erhalten, falls
der Spendenfluss versickern sollte.

Wir sind darauf bedacht, aus Greenpeace keine Organisation zu
machen, die von der Hand in den Mund leben muss. 60 Millionen
Mark erscheinen auf den ersten Blick als sehr viel Geld. Viele
andere Organisationen haben sicherlich weniger. Bei den massiven
Umweltproblemen, die in der Welt anstehen, ist das jedoch
erschreckend wenig. Keine Versicherung der Welt versichert
Aktionen von Greenpeace. Als '85 die Rainbow Warrior von
franzoesischen Geheimdienst versenkt wurde und der Fotograph F.
Pereira dabei ums Leben kam, zahlte Greenpeace eine
Hinterbliebenenrente. Wenn das Greenpeace-Team durch irgendwelche
Gruende aus der Antarktis zurueckgeholt werden muesste, wuerde
eine solche Aktion u.U. mehrere Mio. Mark kosten. Daher unsere
Ruecklagen.


"Greenpeace koennte mit dem Geld z.B. notwendige Klaeranlagen
finanzieren"

Wir wollen und koennen jedoch mit unseren begrenzten personellen
und finanziellen Mitteln nicht ueberall eingreifen. Wir sind
keine lokale Umweltbehoerde und erst recht nicht das
Umweltbundesamt. Es kann nicht unsere Aufgabe werden, in jedem
Landkreis eine ueberfaellige Klaeranlage zu finanzieren oder gar
zu bauen. Unsere Mittel waeren damit auf einen Schlag weg: eine
Klaeranlage kostet heute mehrere 100 Millionen DM.

Wir setzen das Geld lieber ein, um eine solide Kampagnenarbeit
leisten zu koennen. Das bedeutet inhaltliche Arbeit, Recherchen,
wissenschaftliche Expertisen, Mitarbeiter und gegebenenfalls neue
Bueros.

Viele der in den Industrienationen erzeugen Umweltprobleme sind
bereits heute durch Produktionsum- oder -einstellungen loesbar.
Wenn moeglich und sinnvoll, arbeitet Greenpeace an Loesungen mit.
Bereits heute machbare technische Loesungen werden exemplarisch
vorgefuehrt und damit den Druck auf die Industrie verschaerft.
Ein Beispiel ist das "Spiegel"-Plagiat, die welterste
Tiefdruckzeitschrift auf chlorfreiem Papier, die den Papiermarkt
in Bewegung gebracht und das Ende der Chlorbleiche in der
Papierindustrie eingelaeutet hat.

Was wir allerdings koennen, ist an einem Produkt beispielhaft
durchspielen, wie Unternehmen ein Schritt in die Richtung "clean
production", "saubere Produktion", machen und umweltfreundlicher
arbeiten koennen. Aus diesem Grund haben wir mit zwei
mittelstaendischen Spezialfirmen den ersten Prototyp des
"Greenpeace Clean-Tech"-Fahrrades produziert und auf den Markt
gebracht.

Wir begreifen das Projekt auch als Herausfordeung an uns selbst.
Am Clean-tech-Fahrrad sind noch viele oekologische
Schwachstellen: PVC, verchromte Teile und Plastik. Viele Teile
sind nicht von heute auf morgen zu bekommen bzw. zu produzieren.
Fuer uns ist das jedoch kein Grund, nicht schon jetzt mit
Verbesserungen zu beginnen. Die Idee und der Ansatz allein sind
schon Forderungen genug an die Industrie, Alternativen
anzubieten.


"Greenpeace unterstuetzt keine anderen Gruppen"

In der Tat weist Greenpeace Antraege anderer Gruppen nach
finanzieller Unterstuetzung aus mehreren Gruenden in der Regel
zurueck. Wir gehen zum einen davon aus, dass unsere Foerderer
sehr genau wissen, warum sie uns und nicht andere Gruppen mit
ihrem Beitrag unterstuetzen. Das hindert uns jedoch nicht, im
Einzelfall und bei Bedarf Buergerinitiativen Gelder, Know-How
oder Ausruestung zukommenzulassen oder bei unseren Aktivitaeten
mit anderen Gruppen wie Robin Wood, dem BUND oder der
Arbeitsgemeinschaft Artenschutz zusammenzuarbeiten.

Zum anderen haben wir - als Teil einer weltweiten Organisation
mit Vertretungen in 23 Laendern - langfristige Verpflichtungen
uebernommen und eine eigene Philosophie der "finanziellen
Unterstuetzung" entwickelt. Greenpeace Deutschland ist eine der
wenigen "reichen" Sektionen, die aktiv in den internationalen
Greenpeace-Topf einzahlen koennen aund damit wichtige
Aktivitaeten in Laendern wie Brasilien, Tunesien oder
Griechenland finanzieren. Aus unserer Sicht ist das keine
unlautere Umverteilung von Spendengeldern, sondern ein aktiver
Beitrag, um das enorme und ansonsten nur lautstark bedauerte
Nord-Sued-Gefaelle zumindest auf der Ebene unserer Organisation
auszugleichen.

Genauso unterstuetzen wir internationale Kampagnen, die nicht von
einem Land allein getragen werden.


"Greenpeace bombardiert die Bevoelkerung mit Werbeschreiben,
denen gleich auch ein Ueberweisungsformular beiliegt"

Diese sog. Mailings sind keine Werbeschreiben und auch keine
Bettelbriefe.

Neben dem Greenpeace-Magazin, das an alle Foerderer verschickt
wird, ist dies fuer Greenpeace die einzige Moeglichkeit, an eine
grosse Anzahl von Menschen schnell, unzensiert und ungekuerzt
Informationen und Aktionsaufforderungen zu verschicken. Dazu
mieten wir auch Adressen an.

Die Angeschriebenen werden aufgefordert, an einer Kampagne
teilzunehmen, indem sie eine Protestpostkarte, einen Brief oder
eine Unterschriftenliste ausfuellen und abschicken. Die dem
Angeschriebenen vorgeschlagenen Aktivitaeten gehen aber noch
weiter: ein kritischer Besuch bei einem Politiker, einer Firma,
einem Wasser- oder Klaerwerk, Teilnahem an einem Boykott, etc. -
all dies ist und war ein Bestandteil dieser Aktionsbriefe, wie
die "Mailings" richtiger bei Greenpeace genannt werden.

Die Mailings sind betont sachlich und informativ gehalten, die
Aktionsaufforderung ist der Hauptaspekt. Aus diesem Grund sind
die Briefe auch schon oefters ohne die sonst beiliegende
Zahlkarte verschickt worden.

Ein Beispiel: Den letzten Aktionsbrief verschickte Greenpeace im
Maerz dieses Jahres zum Thema "Schutz der Antarktis".

Die Angeschriebenen - Foerderer, Spender und Interessenten von
Greenpeace - wurden gebeten, eine Protestpostkarte und
individuelle Briefe an Wirtschaftsminister Moellemann zu
schicken. das Ganze stand im Zusammenhang mit der damals
bevorstehenden Konferenz der Antarktis-Vertragsstaaten.

250.000 Postkarten gingen daraufhin im Wirtschaftsministerium
ein, was sicherlich dazu beigetragen hat, dass die deutsche
Delegation auf der Konferenz eine so positive Haltung eingenommen
hat.

Knapp 100.000 Foerderer hingegen reagierten in Form einer
Spende. Diese Zahlen zeigen wohl deutlich, dass der Charakter der
Aktionsbriefe von den Angeschriebenen auch begriffen wird.


"In einer Zeit, in der die riesigen Umweltprobleme in der
frueheren DDR bekannt wurden, kuemmerte sich Greenpeace nicht um
Ostdeutschland. Die Folge: Vergebliche Hilferufe aus dem Osten
Deutschlands."

Greenpeace hat bereits wenige Wochen nach Oeffnung der Mauer ein
Buero in Ost-Berlin eroeffnet und im Fruehsommer '89 mit der
Aktionsfahrt der Beluga auf der Elbe erst mit dazu beigetragen,
die "riesigen Umweltprobleme in der frueheren DDR" bekannt zu
machen. Im Maerz '91 wurde am Beispiel der Kommune Schwerin ein
Muellvermeidungskonzept entwickelt, das auch in westlichen
Gemeinden auf reges Interesse stoesst.

Derzeit ist der Greenpeace-Laborbus in West- und Ostdeutschland
unterwegs und untersucht auf Wunsch der Anlieger die Qualitaet
ihres Trinkwassers. Dieser Aufklaerung und lokaler Analyse liegt
eine politische Kampagne zur Verbesserung der
Trinkwasserversorgung unter Einbeziehung und Unterstuetzung auch
der lokalen Anliegen zugrunde. In Dresden funktioniert dieses
Ineinandergreifen von politischer Kampagne und Buergerberatung
bereits vorbildlich.


"Greenpeace hat eine hierarchische Machtstruktur, die Faeden
haelt die Geschaeftsfuehrung in der Hand"

Wie bei allen Sektionen ist auch die Struktur von Greenpeace
Deutschland klar hierarchisch. Das ist nichts
aussergewoehnliches. Wir sind bewusst nicht basisdemokratisch
aufgebaut.

Richtig ist, dass formal die Geschaeftsfuehrung die alleinige
rechtliche Vertretung von Greenpeace ist, den Haushalt aufstellt
und die Millionenbetraege verteilt.

Im Detail jedoch sieht es bei Greenpeace voellig anders aus.
Ueber inhaltliche Schwerpunkte, Aktionen und die Verteilung der
Mittel wird - bevor die Geschaeftsfuehung etwas unterschreibt -
in internen Gremien im Konsens entschieden, so etwa bei der
woechtentlichen Konferenz der Kampagnenleiter. Diese
Kampagnenkonferenz entscheidet auch z.B. gegen Ende des Jahres
ueber das Kampagnenbudget, das die einzelnen Etats im
Gesamthaushalt festlegt. Ohne die einmuetige und positive
Unterstuetzung der Kampagnenkonferenz und der anderen Gremien
kann bei Greenpeace keine Geschaeftsfuehrung "die Zuegel in der
Hand halten", und kein Vorstand einen Haushalt sinnvoll
genehmigen.


"Greenpeace weiss nicht, wo es hingehen soll"

Greenpeace hat immer wieder Veraenderungen an der eigenen Arbeit
vorgenommen, entsprechend der Entwicklung in den verschiedenen
Kampagnen.

Seit seiner Gruendung fuehrt Greenpeace intensive Struktur- und
Strategiediskussionen. Das ist ein selbstverstaendlicher Vorgang,
der von der Lebendigkeit der Organisation und der
Auseinandersetzungsfaehigkeit ihrer Mitarbeiter zeugt. Aufgrund
der Anforderungen an unserer Arbeit und des Vertrauens der
Oeffentlichkeit ist Greenpeace Deutschland in den letzten jahren
rasant gewachsen. Dementsprechend muessen unsere
Arbeitsstrukturen laufend hinterfragt und veraendert werden: ein
permanenter Prozess.

Wie der SPIEGEL und andere Medien dargestellt haben, befinden wir
uns in einer lebhaften, internen Debatte um mehr
Entscheidungstransparenz, Kommunikation, neue
Entscheidungsgremien und Strukturen der Zusammenarbeit. Dieser
Diskussionsprozess findet derzeit in Arbeitsgruppen im Hause
statt. Einige Arbeitsgruppen bereiten derzeit eine gemeinsame
Tagung von Greenpeace-Kontaktgruppen, Vorstand und Mitarbeitern
im November vor, die sich mit den veraenderten Perspektiven
unserer Politik beschaeftigt. Diese Reflexion ueber das
Selbstverstaendnis findet nicht nur bei Greenpeace statt. Die
Anforderungen an eine radikale Oekologiepolitik haben sich
veraendert. Das zwingt die gesamte Oekologiebewegung dazu, ihre
Strategien zu ueberpruefen und ihre Perspektiven neu zu
gestalten.

--
Joerg Napp, Paderborn, Germany
e-mail: na...@uni-paderborn.de DG8AT

'and on the Eighth day, the Lord made a backup copy....'

Martin Menke

unread,
Oct 1, 1991, 6:00:07 AM10/1/91
to
In article <1991Sep27.1...@uni-paderborn.de> na...@uni-paderborn.de (Joerg Napp) writes:
>Hallihallo,
>
>hier die angekuendigte Stellungnahme zu den vorwuerfen aus dem
>Spiegel und anderen Medien.
>
>Falls Ihr noch konkrete Fragen zu dem Artikel oder dem Flugi
>habt, schlage ich vor, dass Ihr mir sie zumailt, anstelle sie zu
>posten. In 1-2 Wochen schicke ich dann eine Zusammenfassung mit
>Antworten.

Nee lieber nicht, so koennen unbequeme Fragen unter den Tisch fallen, lieber
posten, damit jeder die Meinungen der anderen lesen kann.

>Bei vielen Organisationen geht ein Grossteil der Einnahmen gleich
>wieder in die Eigenwerbung. Greenpeace kann seinen Spenderm mit
>Fug und Recht sagen, dass kaum Geld fuer die Eigenwerbung
>ausgegeben wird. Imageanzeigen von Greenpeace sind
>"Freischaltungen", d.h. die betreffenden Medien bekommen kein
>Honorar fuer das Abdrucken der Anzeigen.

Nein, heisst das der Spiegel hat die ganzseitige Anzeige in der lezten Woche
umsonst abgedruck? Nobel, nobel!

>Wir begreifen das Projekt auch als Herausfordeung an uns selbst.
>Am Clean-tech-Fahrrad sind noch viele oekologische
>Schwachstellen: PVC, verchromte Teile und Plastik. Viele Teile
>sind nicht von heute auf morgen zu bekommen bzw. zu produzieren.
>Fuer uns ist das jedoch kein Grund, nicht schon jetzt mit
>Verbesserungen zu beginnen. Die Idee und der Ansatz allein sind
>schon Forderungen genug an die Industrie, Alternativen
>anzubieten.

UND DER HORRENDE PREIS !!!!

>Wie bei allen Sektionen ist auch die Struktur von Greenpeace
>Deutschland klar hierarchisch. Das ist nichts
>aussergewoehnliches. Wir sind bewusst nicht basisdemokratisch
>aufgebaut.

Aber weil es BEWUSST ist muss es nicht richtig sein!

>Im Detail jedoch sieht es bei Greenpeace voellig anders aus.
>Ueber inhaltliche Schwerpunkte, Aktionen und die Verteilung der
>Mittel wird - bevor die Geschaeftsfuehung etwas unterschreibt -
>in internen Gremien im Konsens entschieden, so etwa bei der
>woechtentlichen Konferenz der Kampagnenleiter.

UNd die Foerderer wie ich, was haben die zu sagen?

NICHTS

Tschau

Martin

--
-- Martin Menke Kremser Strasse 63 D-8390 Passau Germany
-- email: me...@perm.fmi.uni-passau.de
--

Joerg Napp

unread,
Oct 2, 1991, 9:06:09 AM10/2/91
to
me...@eniac.fmi.uni-passau.de (Martin Menke) schreibt:

>Nee lieber nicht, so koennen unbequeme Fragen unter den Tisch fallen, lieber
>posten, damit jeder die Meinungen der anderen lesen kann.

Diese Unterstellung ist in meinen Augen eine glatte
Unverschaemtheit!

Den Vorschlag, dass die Fragen an mich gemailt werden sollen,
habe ich aus dem Grund gemacht, weil ich nicht in 42 Postings
dasselbe lesen (und beantworten) muss. Eigentlich traue ich mir
zu, eine objektive Zusammenfassung zu erstellen. Warum sollte ich
da auch was auslassen? Du bist doch wohl auch der Ansicht, dass
sich der Sender einer "unbequemen Frage" sofort melden wuerde,
wenn ich sie "unter den Tisch" fallen lassen wuerde.

Bislang ist uebrigens noch keine Mail bei mir eingetroffen.


>Nein, heisst das der Spiegel hat die ganzseitige Anzeige in der lezten Woche
>umsonst abgedruck? Nobel, nobel!

Noe, das glaube ich nicht. Du hast da wohl den Begriff
"Imageanzeige" falsch verstanden. Das sind die (meist kleinen
[1/8 Seite]) Anzeigen mit allgemein gehaltenem Text und einem
Info-Cupon. Die Vorlagen dieser Anzeigen werden den Verlagen
zugeschickt, sie doch mal zu schalten, wenn Platz ist. Das kann
etliche Zeit (~1 Jahr) dauern!

Aktuelle Anzeigen werden von GP geschaltet und auch bezahlt.
Klar, wenn es ein Jahr bis zum Erscheinen dauert, sind sie nicht
mehr ganz so aktuell... ;-)


>UND DER HORRENDE PREIS !!!!

Des Fahrrads? Ist sicherlich ein Punkt, der das Rad fuer die
"breite Masse" unattraktiv macht. Auch ich wuerde nicht soviel
Geld dafuer ausgeben.

Das ist aber noch keine Kritik an dem Projekt an sich.


>Aber weil es BEWUSST ist muss es nicht richtig sein!

[die hierarchische Struktur]

KANN aber. Und der Erfolg hat GP recht gegeben; Robin Wood (die
sich von GP wegen der Struktur getrennt haben) waren nie so
erfolgreich.

Ausserdem fuehrt die hierarchische Struktur bei GP NICHT zur
Unmuendigkeit der Basis!


>UNd die Foerderer wie ich, was haben die zu sagen?
>NICHTS

Nicht ganz richtig, Du hast neben Deinem Informationsrecht auch
ein Vorschlagsrecht.

Den Foerderen wurde, als GP gegruendet wuerde, kein Stimmrecht
eingeraumt, weil man sich gegen die "Unterwanderung" der
"Gegenseite" schuetzen wollte. Das war damals eine berechtigte
Angst. Heute sieht das ein wenig anders aus, doch wuerden
Stimmrechte fuer Foerderer ganz gewaltige organisatorische
Probleme mit sich bringen. Wie willst Du das regeln?

Es waere ausserdem wohl auch nicht ganz korrekt, dass jemand, der
nichts weiter tut als 30,- im Jahr zu spenden, mit abstimmt. Das
sehe ich einfach nicht ein!

Die Kontaktgruppen z.B. haben eine recht gewaltige Stimme, was
die nationale Kampagnenplanung angeht. Auch wenn das im Spiegel
ganz anders steht.


Tschuess, Joerg

Martin Menke

unread,
Oct 4, 1991, 5:07:08 AM10/4/91
to
In article <1991Oct2.1...@uni-paderborn.de> na...@uni-paderborn.de (Joerg Napp) writes:
>me...@eniac.fmi.uni-passau.de (Martin Menke) schreibt:
>
>>Nee lieber nicht, so koennen unbequeme Fragen unter den Tisch fallen, lieber
>>posten, damit jeder die Meinungen der anderen lesen kann.
>
>Diese Unterstellung ist in meinen Augen eine glatte
>Unverschaemtheit!
Erstens kenne ich Dich nicht, und zweitens koennte ich es nicht kontrollieren.
Ausserdem ist es ein Konjunktivsatz, der nur eine Moeglichkeit aufzeigt.
Des weiteren halte ich eine Diskussion, die offen gehalten ist einfach fuer
besser.

>Den Vorschlag, dass die Fragen an mich gemailt werden sollen,
>habe ich aus dem Grund gemacht, weil ich nicht in 42 Postings
>dasselbe lesen (und beantworten) muss. Eigentlich traue ich mir
>zu, eine objektive Zusammenfassung zu erstellen. Warum sollte ich
>da auch was auslassen? Du bist doch wohl auch der Ansicht, dass
>sich der Sender einer "unbequemen Frage" sofort melden wuerde,
>wenn ich sie "unter den Tisch" fallen lassen wuerde.

Ja, aber nur, dann, wenn bis zur Antwort der Elan nicht verschwunden ist.

>Bislang ist uebrigens noch keine Mail bei mir eingetroffen.

Nee, ich poste auch.

>Aktuelle Anzeigen werden von GP geschaltet und auch bezahlt.
>Klar, wenn es ein Jahr bis zum Erscheinen dauert, sind sie nicht
>mehr ganz so aktuell... ;-)

Eine Seite zur Richtigstellung?

Gegendarstellungen sind umsonst.

>>UND DER HORRENDE PREIS !!!!
>
>Des Fahrrads? Ist sicherlich ein Punkt, der das Rad fuer die
>"breite Masse" unattraktiv macht. Auch ich wuerde nicht soviel
>Geld dafuer ausgeben.
>
>Das ist aber noch keine Kritik an dem Projekt an sich.

STIMMT: Ist es auch nicht, weil ich die Idee fuer sehr gut halte, aber wer
sich so ein Rad leisten kann hat wahrscheinlich noch nen Daimler in der
Garage.

>>Aber weil es BEWUSST ist muss es nicht richtig sein!
>
>[die hierarchische Struktur]
>
>KANN aber. Und der Erfolg hat GP recht gegeben; Robin Wood (die
>sich von GP wegen der Struktur getrennt haben) waren nie so
>erfolgreich.

Kann auch an der optimalen PR von Greenpeace liegen.

>Ausserdem fuehrt die hierarchische Struktur bei GP NICHT zur
>Unmuendigkeit der Basis!
>
>
>>UNd die Foerderer wie ich, was haben die zu sagen?
>>NICHTS
>
>Nicht ganz richtig, Du hast neben Deinem Informationsrecht auch
>ein Vorschlagsrecht.

LACH: Das hab' ich auch im SUBNet.
Die Buerger in der DDR hatten ein unbegrenztes Antragsrecht.
Aber nuetzen tut sowas nichts.

>Den Foerderen wurde, als GP gegruendet wuerde, kein Stimmrecht
>eingeraumt, weil man sich gegen die "Unterwanderung" der
>"Gegenseite" schuetzen wollte. Das war damals eine berechtigte
>Angst. Heute sieht das ein wenig anders aus, doch wuerden
>Stimmrechte fuer Foerderer ganz gewaltige organisatorische
>Probleme mit sich bringen. Wie willst Du das regeln?

Vielleicht wie bei einer Partei?
Darueber kann man sich Gedanken machen.

>Es waere ausserdem wohl auch nicht ganz korrekt, dass jemand, der
>nichts weiter tut als 30,- im Jahr zu spenden, mit abstimmt. Das
>sehe ich einfach nicht ein!

Ich zahle DM 100,-- obwohl ich Student bin.

>Die Kontaktgruppen z.B. haben eine recht gewaltige Stimme, was
>die nationale Kampagnenplanung angeht. Auch wenn das im Spiegel
>ganz anders steht.

Wie es jetzt ist, weiss ich nicht.
Vor 4 Jahren, war es jedenfalls noch ganz anders!

So schlecht fand' ich den Spiegel Artikel nicht, er zeigt halt einige
Probleme auf, und das ist gut so, denn Greepeace ist in D von gossem
oeffentlichem Interesse, also muss man informiert sein.
Mich persoenlich hat der Artikel in meiner Einstellung nicht beeinflusst,
und ich werde auch weiterhin hinter GP stehen, aber es gibt auch einiges,
was man verbessern koennte.
Wie ueberall.

Matthias Urlichs

unread,
Oct 1, 1991, 5:37:01 PM10/1/91
to
In sub.umwelt, Artikel <1991Oct1....@forwiss.uni-passau.de>,
schreibt me...@eniac.fmi.uni-passau.de (Martin Menke):

< In article <1991Sep27.1...@uni-paderborn.de> na...@uni-paderborn.de (Joerg Napp) writes:
<
< >Wir begreifen das Projekt auch als Herausfordeung an uns selbst.
< >Am Clean-tech-Fahrrad sind noch viele oekologische
< >Schwachstellen: PVC, verchromte Teile und Plastik. Viele Teile
< >sind nicht von heute auf morgen zu bekommen bzw. zu produzieren.
< >Fuer uns ist das jedoch kein Grund, nicht schon jetzt mit
< >Verbesserungen zu beginnen. Die Idee und der Ansatz allein sind
< >schon Forderungen genug an die Industrie, Alternativen
< >anzubieten.
<
< UND DER HORRENDE PREIS !!!!

Wenn sich ein groesserer Fahrradhersteller dazu bequemen wuerde, dasselbe zu
tun und seine Produkte nach oekologischen Richtlinien umzustellen, waere das
Resultat auch um einiges billiger. Das verbietet ja keiner.

Greenpeace ist schliesslich kein Fahrradhersteller. Die Leute wollen "nur"
demonstrieren, wie es besser zu machen sei, und mit dem Rad ist ihnen das im
Grossen ud Ganzen auch gelungen. Meiner Meinung nach.

< >Wie bei allen Sektionen ist auch die Struktur von Greenpeace
< >Deutschland klar hierarchisch. Das ist nichts
< >aussergewoehnliches. Wir sind bewusst nicht basisdemokratisch
< >aufgebaut.
<
< Aber weil es BEWUSST ist muss es nicht richtig sein!
<

Kennst du eine andere Organisation, die basisdemokratisch arbeitet?
Das Rote Kreuz vielleicht?

< >Ueber inhaltliche Schwerpunkte, Aktionen und die Verteilung der
< >Mittel wird - bevor die Geschaeftsfuehung etwas unterschreibt -
< >in internen Gremien im Konsens entschieden, so etwa bei der
< >woechtentlichen Konferenz der Kampagnenleiter.
<
< UNd die Foerderer wie ich, was haben die zu sagen?
< NICHTS

Ich halte das auch ueberhaupt nicht fuer sinnvoll.
Wenn du mitentscheiden willst, musst du eben mitarbeiten und mit
Verantwortung tragen, anstatt (um es ueberspitzt auszudruecken) das
Nachdenken durch das Kreuzchenmachen auf einem Stimmzettel zu ersetzen.

Frage am Rande: Ueber wen oder was moechtest du bei Greenpeace abstimmen ?

Und: In einer Demokratie besteht immer die Gefahr, dass die Gewaehlten ihre
Fahnen nach der aktuellen Stimmung der Waehler richten. (Siehe aktuelle
Politik. :-( ) Gerade beim Umweltschutz waere sowas toedlich.

PS: Das Thema gehoert meiner Meinung nach eher nach sub.politik.
--
Matthias Urlichs -- url...@smurf.sub.org -- url...@smurf.ira.uka.de /(o\
Humboldtstrasse 7 -- 7500 Karlsruhe 1 -- Germany -- +49-721-9612521 \o)/

Marit Hansen

unread,
Oct 5, 1991, 9:58:00 AM10/5/91
to
url...@smurf.sub.org (Matthias Urlichs) writes:

>In sub.umwelt, Artikel <1991Oct1....@forwiss.uni-passau.de>,
> schreibt me...@eniac.fmi.uni-passau.de (Martin Menke):
>< In article <1991Sep27.1...@uni-paderborn.de> na...@uni-paderborn.de (Joerg Napp) writes:
><
>< >Wie bei allen Sektionen ist auch die Struktur von Greenpeace
>< >Deutschland klar hierarchisch. Das ist nichts
>< >aussergewoehnliches. Wir sind bewusst nicht basisdemokratisch
>< >aufgebaut.
><
>< Aber weil es BEWUSST ist muss es nicht richtig sein!
><
>Kennst du eine andere Organisation, die basisdemokratisch arbeitet?
>Das Rote Kreuz vielleicht?

Es gibt sehr viele Organisationen, die "demokratischer"
arbeiten als Greenpeace, auch wenn - sogar im Umweltbereich -
die Basisdemokratie meist nicht angestrebt wird.

>< >Ueber inhaltliche Schwerpunkte, Aktionen und die Verteilung der
>< >Mittel wird - bevor die Geschaeftsfuehung etwas unterschreibt -
>< >in internen Gremien im Konsens entschieden, so etwa bei der
>< >woechtentlichen Konferenz der Kampagnenleiter.
><
>< UNd die Foerderer wie ich, was haben die zu sagen?
>< NICHTS

>Ich halte das auch ueberhaupt nicht fuer sinnvoll.
>Wenn du mitentscheiden willst, musst du eben mitarbeiten und mit
>Verantwortung tragen, anstatt (um es ueberspitzt auszudruecken) das
>Nachdenken durch das Kreuzchenmachen auf einem Stimmzettel zu ersetzen.

Ich finde es vollkommen richtig, dass die Leute entscheiden, die
mitarbeiten. Und das ist bei Greenpeace nicht der Fall.
Die Foerderer, ja, die wissen ja, dass sie nicht
mitentscheiden. Wollen die meisten auch gar nicht.
Aber dass die eigenen Kontaktgruppen, Greenteams und
Seniorengruppen von Greenpeace so gegaengelt werden, finde ich
sehr merkwuerdig.

Mir ist von der Kontaktgruppe Kaltenkirchen bekannt, dass die
dort erst Schulungen bei Greenpeace absolvieren mussten, bevor
sie die Greenpeace-T-Shirts verkaufen durten.

Bei verbandsuebergreifenden Umwelttreffen in Kiel sitzen die
Kieler Greenpeacer stumm dabei und zucken hoechstens bedauernd
mit den Schultern, wenn es darum geht, Stellung zu beziehen:
"Erst muessen wir in Hamburg fragen."

Das muss bestimmt nicht so extrem sein.
Greenpeace hat natuerlich gute Gruende fuer das zentrale
Kontrollieren: Der Name darf nicht beschmutzt werden.

Wenn die Aktiven sich das Gaengeln gefallen lassen, sollen sie.
Aber meiner Meinung nach ist fuer eine engagierte Umweltarbeit
vor Ort wichtig, selbst Entscheidungen zu treffen. Greenpeace
ist fuer mich der Gigant, der die ueberregionalen Presseseiten
fuellt und durchaus was bewirken kann, aber nichts fuer die
konkrete Umweltarbeit im kleinen.

Gruss,
Marit

--
Marit Hansen ma...@tpki.toppoint.de
2300 Kiel

"Ich kaufe mir dann lieber ein paar nette Buecher,
bei denen ihr einen Schreikrampf bekommt, wenn ihr sie seht."
- Ina Schiering, Anhaengerin der theoretischen Informatik

Marit Hansen ma...@tpki.toppoint.de
2300 Kiel

Wolfgang Strobl

unread,
Oct 8, 1991, 8:40:18 PM10/8/91
to
na...@uni-paderborn.de (Joerg Napp) writes:

>Hallihallo,

>hier die angekuendigte Stellungnahme zu den vorwuerfen aus dem
>Spiegel und anderen Medien.

>Der Text ist ein Flugblatt der Greenpeace-Kontaktgruppe
>Paderborn.

>Bei der Laenge des Spiegel-Artikels kann natuerlich nicht auf
>jeden Vorwurf eingegangen werden, darum haben wir uns die
>Hauptvorwuerfe, die auch in anderen Medie auftauchten,
>herausgesucht.

Und das ist fuer sich genommen auch schon wieder eine Aussage. Weder
in der grosskotzigen Gegenanzeige im Spiegel, noch in diesem hier
geposteten Flugblatt wurden auch nur ein einziges Wort verloren zu
einem Vorwurf, der im Spiegel auch nur so nebenbei erwaehnt wurde,
den ich aber fuer sehr wesentlich halte:

"So wurde vor zwei Jahren eine ins Auge gefasste Verkehrskampagne abge-
blasen, weil die Umweltorganisation [Greenpeace] 'Spendeneinbrueche
befuerchtete', wie ein Campaigner berichtet."

Ich habe mich vor ein paar Jahren, kurz nach der Geburt unserer Kinder
und moeglicherweise auch dadurch motiviert entschlossen hatte, auf den
Gebrauch des Autos moeglichst zu verzichten und gleichzeitig in meinem
Wohnumfeld gegen das umweltschaedliche Auto und fuer umweltfreundliche
Transportmittel - hauptsaechlich das Fahrrad - Stimmung zu machen, habe
ich mich auch bei Greenpeace, d.h. genauer: in deren Veroeffentlichungen
und Materialien umgesehen und zu meinem Erstaunen festgestellt, dass dort
das Auto, obgleich groesster Umweltverschmutzer in den meisten Sparten,
fast voellig ausgespart war. Da gab es Schriften, Flugblaetter, Tragetaschen
und Aufkleber in allen moeglichen Formen und Farben und mit diversen
Inhalten. Insbesondere die Aufkleber machen sich hervorragend auf
PKWs aller Arten, und werden dem Anschein nach auch gerne zu diesem Zweck
genutzt. Ich vermute, dieselben Leute kleben sich dann die "Rettet den
Regenwald"-Aufkleber an ihre Rotholz-Fenster.

Hingegen fand sich kein einziger Aufkleber, der auch nur physisch
an ein Fahrradschutzblech gepasst haette, vom Inhalt ganz zu schweigen.

Man mag dies - die populistische Entscheidung, den Umweltverschmutzer
Nr. 1 Individualverkehr nicht anzuruehren - fuer eine kluge Taktik halten.

Ich habe da aber Zweifel.

Der Resourcenbedarf des Autos - Flaeche, Energie, Produktionsmittel,
eingesetzte Geldmenge, Lernaufwand etc. pp. - ist enorm. Offenbar muss
man einen Grossteil der Verkehrsflaechen, auch die, die traditionell
anderen Verkehrsteilnehmern zur Verfuegung stehen - Buergersteige -
fuer den PKW-Verkehr opfern.

Hier in Bonn kauft die Stadt die teilweise mit altem
Baumbestand versehenen Innenkarrees der Haeuserblocks auf -
oder veranlasst private Investoren dazu -, um dort Garagen zu bauen,
weil auch die Buergersteige als Parkplaetze nicht mehr reichen.

Eine hier mitten durch ein Wohngebiet fuehrende Hauptverkehrstrasse, die
Reuterstrasse, ist nach den in der oertlichen Zeitung berichteten Messungen
des staedtischen Messfahrzeuges sogar der MIK-Wert (== Maximale
Immissionskonzentration zum Schutze von Menschen, Tieren und Pflanzen)
deutlich ueberschritten wurde. Die Analyse des Tagesgangs dieser Messung
ergab uebrigens, dass in der Tat der Autoverkehr und nicht etwa Industrie-
betriebe fuer diese Schadstoffbelastung verantwortlich waren.

Anders ausgedrueckt: wenn dies ein Industriegebiet und nicht ein Wohngebiet
waere, waere die betreffende Firma schon laengst zugemacht worden. Aber hat
schon mal jemand versucht, eine Strasse wegen Ueberschreitung der MEK
schliessen zu lassen? (Das ist keine rhetorische Frage).

In dem Masse wie die unmittelbare Umwelt durch den uebermaessigen Gebrauch
des Autos zuschanden gefahren wird, waechst das Bestreben, dem angerichteten
Schaden zu entfliehen, etwa indem man sich jedes Wochenende und wann immer
man es sonst noch ermoeglichen kann ins Auto setzt und die 50 km in die Eifel,
wo die Luft noch - noch! - sauber ist, im Schnellgang zuruecklegt.

Dazu braucht man natuerlich breite, vielspurige und freie Autobahnen, die
natuerlich jedem Menge Natur und Umwelt fressen.

Wer zwischen sich und seiner Umwelt abwaegt und der Umwelt die zweite
Prioritaet zuweist, kommt natuerlich schnell auf die Idee, dass man bei
reichlich vorhandenen Schnellstrassen besser ausserhalb im Gruenen - noch
Gruenen! - wohnt und nur zur Arbeit oder zum Einkaufen - also ein- oder
mehrmals pro Tag - in die Stadt fahrt. Dass man dabei genau den Schaden
anrichtet, vor dem man flieht, verdraengt man dann schnell. Genauso schnell
entwickelt sich dann der Trugschluss, das Auto nicht als ersetzbaren, teuren
und nicht ungefaehrlichen Luxusartikel, sondern als ein unbedingt notwendiges
Lebensmittel zu betrachten, bis hin zu Symptomen einer Sucht.

Und ebendies begruendet meine Zweifel an der Klugheit dieser Greenpeace-Taktik,
wenn es denn eine ist. Ich argwoehne, dass man die Geister, die man nicht
frueh genug bekaempfte, nicht mehr loswerden wird.

Warum besetzt Greenpeace nicht zur Abwechslung mal die eine oder andere
Autobahn? Grund genug dafuer gaebe es - siehe oben.

Allerdings muss man befuerchten, dass eine solche Aktion damit dass die
wackeren Autobahnbesetzer von ihren eigenen erbosten Mitgliedern, natuerlich
mit dem bekannten Regenbogen im Heckfenster, ueberrollt wuerden.


>Falls Ihr noch konkrete Fragen zu dem Artikel oder dem Flugi
>habt, schlage ich vor, dass Ihr mir sie zumailt, anstelle sie zu
>posten. In 1-2 Wochen schicke ich dann eine Zusammenfassung mit
>Antworten.

Ich habe dazu keine Fragen, es liegt doch eigentlich alles auf der Hand.
Jedoch habe ich eine Reihe von *Antworten*. Ein paar habe ich hier schon
aufgeschrieben, der Rest folgt morgen oder uebermorgen, weil unser System
in fuenf Minuten zumacht.

Bis spaeter also, und ich bin schon gespannt auf all die vorhersehbaren
Anwuerfe, was das denn, bitteschoen, mit Umwelt zu tuen haette, und wir
haetten uns doch drauf geeinigt, ueber praktizierten Umweltschutz nicht
zu reden, jedenfalls nicht hier.

Wolfgang

Bernd Sluka

unread,
Oct 9, 1991, 6:28:19 AM10/9/91
to
Im Artikel <58...@gmdzi.gmd.de> schreibt str...@gmdzi.gmd.de (Wolfgang Strobl):

>
>Und das ist fuer sich genommen auch schon wieder eine Aussage. Weder
>in der grosskotzigen Gegenanzeige im Spiegel, noch in diesem hier
>geposteten Flugblatt wurden auch nur ein einziges Wort verloren zu
>einem Vorwurf, der im Spiegel auch nur so nebenbei erwaehnt wurde,
>den ich aber fuer sehr wesentlich halte:
>
> "So wurde vor zwei Jahren eine ins Auge gefasste Verkehrskampagne abge-
> blasen, weil die Umweltorganisation [Greenpeace] 'Spendeneinbrueche
> befuerchtete', wie ein Campaigner berichtet."
> [...]

>Warum besetzt Greenpeace nicht zur Abwechslung mal die eine oder andere
>Autobahn? Grund genug dafuer gaebe es - siehe oben.

Greenpeace hat bereits Aktionen gegen den Alpentransit durchgefuehrt
(Sprerrung von Grenzuebergaengen), bei denen uebrigens einige Autofahrer
in der von Dir beschriebenen Art ueberreagiert haben. Ein Vorgehen gegen
das Auto gilt eben bei vielen als Angriff gegen die Persoenlichkeit.

Weiterhin laufen auch Kampangnen gegen den Autoverkehr. Erst jetzt zur IAA
wurde eine neue angefangen. Siehe dazu auch das neueste "Greenpeace-Magazin".

--
Bernd Sluka Wer will,
Lehrstuhl fuer Stochastik dass die Welt so bleibt,
Fakultaet fuer Mathematik und Informatik wie sie ist,
Universitaet Passau der will nicht,
8390 Passau dass sie bleibt.
sl...@stoch.fmi.uni-passau.de (Erich Fried)

Matthias Urlichs

unread,
Oct 9, 1991, 3:28:21 PM10/9/91
to
In sub.umwelt, Artikel <58...@gmdzi.gmd.de>,
schreibt str...@gmdzi.gmd.de (Wolfgang Strobl):

<
< Warum besetzt Greenpeace nicht zur Abwechslung mal die eine oder andere
< Autobahn? Grund genug dafuer gaebe es - siehe oben.
<
Schon oefters passiert -- am Brenner zB.

Nur leider haben die behinderten Autofahrer das gar nicht eingesehen, und
einige sind handgreiflich geworden bzw. mit ihrem Auto eben durch die
Menschenkette der Greenpeacer durchgefahren. Einfach so. :-(

< Allerdings muss man befuerchten, dass eine solche Aktion damit dass die
< wackeren Autobahnbesetzer von ihren eigenen erbosten Mitgliedern, natuerlich
< mit dem bekannten Regenbogen im Heckfenster, ueberrollt wuerden.
<

Laut Meldungen in den Nachrichten und im Greenpeace-Magazin(?) waren es
hauptsaechlich wuetende Italiener, bei denen das Umweltbewusstsein zugegeben
noch weniger entwickert ist als bei uns.

< Bis spaeter also, und ich bin schon gespannt auf all die vorhersehbaren
< Anwuerfe, was das denn, bitteschoen, mit Umwelt zu tuen haette, und wir
< haetten uns doch drauf geeinigt, ueber praktizierten Umweltschutz nicht
< zu reden, jedenfalls nicht hier.
<

Wie bitte? Wir hatten uns geeinigt, hier _nur_ ueber praktizierten
Umweltschutz zu reden und den Rest nach sub.politik umzuleiten.

Aber meiner Meinung nach gehoeren Aktionen wie die obige, die den Leuten
deutlich machen sollen, dass es so eben nicht weitergeht, durchaus zum
praktizierten Umweltschutz.

Walter Mecky

unread,
Oct 9, 1991, 10:53:36 PM10/9/91
to
In article <58...@gmdzi.gmd.de> str...@gmdzi.gmd.de (Wolfgang Strobl) writes:
< [...]

< Ich habe mich vor ein paar Jahren, kurz nach der Geburt unserer Kinder
< und moeglicherweise auch dadurch motiviert entschlossen hatte, auf den
< Gebrauch des Autos moeglichst zu verzichten und gleichzeitig in meinem
< Wohnumfeld gegen das umweltschaedliche Auto und fuer umweltfreundliche
< Transportmittel - hauptsaechlich das Fahrrad - Stimmung zu machen,

Meine Anerkennung dafuer, Wolfgang. Ich weiss, was das heisst und freue
mich, dass ich nicht alleine bin.

< habe
< ich mich auch bei Greenpeace, d.h. genauer: in deren Veroeffentlichungen
< und Materialien umgesehen und zu meinem Erstaunen festgestellt, dass dort
< das Auto, obgleich groesster Umweltverschmutzer in den meisten Sparten,
< fast voellig ausgespart war.

Das kann vor ein paar Jahren durchaus so gewesen sein.

< Insbesondere die Aufkleber machen sich hervorragend auf
< PKWs aller Arten, und werden dem Anschein nach auch gerne zu diesem Zweck
< genutzt. Ich vermute, dieselben Leute kleben sich dann die "Rettet den
< Regenwald"-Aufkleber an ihre Rotholz-Fenster.

Ja, ich finde auch Aufkleber der Art "Erst wenn der letzte Baum ..." auf
dem _Auto_ ein Hohn.

< Man mag dies - die populistische Entscheidung, den Umweltverschmutzer
< Nr. 1 Individualverkehr nicht anzuruehren - fuer eine kluge Taktik halten.
<
< Ich habe da aber Zweifel.
<
< Der Resourcenbedarf des Autos - Flaeche, Energie, Produktionsmittel,
< eingesetzte Geldmenge, Lernaufwand etc. pp. - ist enorm. Offenbar muss
< man einen Grossteil der Verkehrsflaechen, auch die, die traditionell
< anderen Verkehrsteilnehmern zur Verfuegung stehen - Buergersteige -
< fuer den PKW-Verkehr opfern.
<

[und viele weitere, richtige Darstellungen ueber den Umwelt- und
Lebensfeind Nummer eins, die ich Wort fuer Wort gerne quotieren wuerde,
aber das soll man hier nicht machen. Jedenfalls moechte ich betonen,
dass alles was Wolfgang gegen das Auto und die, die es benutzen sagt,
100% meiner Meinung entspricht.]

< Und ebendies begruendet meine Zweifel an der Klugheit dieser Greenpeace-Taktik,
< wenn es denn eine ist. Ich argwoehne, dass man die Geister, die man nicht
< frueh genug bekaempfte, nicht mehr loswerden wird.
<
< Warum besetzt Greenpeace nicht zur Abwechslung mal die eine oder andere
< Autobahn? Grund genug dafuer gaebe es - siehe oben.
<
< Allerdings muss man befuerchten, dass eine solche Aktion damit dass die
< wackeren Autobahnbesetzer von ihren eigenen erbosten Mitgliedern, natuerlich
< mit dem bekannten Regenbogen im Heckfenster, ueberrollt wuerden.

Zur Ehre von Greenpeace muss ich feststellen, dass sie (zumindest seit
kurzem) von dieser Taktik abgekommen sind. Auch Strassen haben sie schon
blockiert und sich viel Unmut zugezogen. In der letzten Ausgabe ihrer
Zeitschrift (der offiziellen) sind sie dermassen zur Sache gegangen,
dass jedem Autofahrer eigentlich die Ohren klingen mussten. Greenpeace
war nicht wiederzuerkennen, hat Argumente verwendet, die von Wolfgang
Strobl haetten kommen koennen. Es wurde aber auch Zeit!

Und sie haben getroffen: ich weiss von einem foerdernden Mitglied,
dessen Liebe zum Autofahren zwar von einem schlechten Gewissen
begleitet wird aber umgebrochen ist.

Er war von Greenpeace die ganzen Jahre begeistert. Solange sie nur gegen
Kernkraft und Walfang waren. Denn er betreibt weder ein Kernkraftwerk
noch faengt er Wale. Aber jetzt zog Greenpeace gegen des Deutschen (und
auch dieses Herrn) liebstes Kind zu Felde. Meine Guete, ist der sauer
auf Greenpeace ("unter der Guertellinie", "unintelligent"). Alles
richtig, aber notwendig ist es.

Es ist wirklich nicht einzusehen, dass die Autofahrer alles zerstoeren
koennen, was das Leben lebenswert macht: fuer sie wird die Landschaft
zubetoniert, damit sie fahren koennen. Fuer sie werden die Buergersteige
schmal gemacht oder abmarkiert, damit sie parken koennen. Wo dies nicht
geschieht, werden die Buergersteige halt so zugeparkt. Sie duerfen zu
jeder Tag- und Nachtzeit auf allen Strassen heraumfahren, dabei Laerm
machen, duerfen parken, Tueren und Kofferraum zuknallen und dabei wieder
Laerm machen. Jeder Buerger hat dies heutzutage zu ertragen. Ob er
selber Auto faehrt oder nicht.

Und jeder Buerger (auch Wolfgang und ich) muss dies auch noch
subventionieren, wie Bernd Sluka kuerzlich hier wieder schoen
vorgerechnet hat.

Aber Greenpeace - um zum Schluss wieder auf das Thema zurueckzukommen -
ist hier ausgestiegen, macht Front gegen das Auto und dessen Fahrer.

--
Walter Mecky [ wal...@mecky.uucp or ...uunet!unido!mecky!walter ]

Felix Braun

unread,
Oct 11, 1991, 3:11:58 PM10/11/91
to
In article <1991Oct9.1...@forwiss.uni-passau.de>, Bernd Sluka writes:

> "So wurde vor zwei Jahren eine ins Auge gefasste Verkehrskampagne abge-
> blasen, weil die Umweltorganisation [Greenpeace] 'Spendeneinbrueche
> befuerchtete', wie ein Campaigner berichtet."

Au_erdem m|ssen Greenpeacer dann mit dem Vorwurf rechnen, sie seien
Inkonsequent (Schlieszlich fahren nicht alle Greenpeacer Fahrrad). Einige
Campaigner sind sogar f|r einen Tag von Hamburg nach Berlin *geflogen*!

>Warum besetzt Greenpeace nicht zur Abwechslung mal die eine oder andere
>Autobahn? Grund genug dafuer gaebe es - siehe oben.

Nach und nach werden auch solche Aktionen stattfinden. Bei uns in Berlin
wurden neulich auch einige wichtige Kreuzungen blockiert. Das Problem bei
solchen Aktionen sind nur Leute, die das als Aufforderung ansehen, ein paar
"Bullen aufzuschlagen"!

Mfg - Felix
--
Felix Braun: Mainzer Str. 16A, D-1000 Berlin 31, FRoG, Tel.:+49 (0)30 8537895
E-Mail:h...@acidbit.eprombx.sub.org

Andreas Baess

unread,
Oct 12, 1991, 3:01:43 PM10/12/91
to
[ Thema Greenpeace ]

>ma...@tpki.toppoint.de (Marit Hansen) writes:
>>url...@smurf.sub.org (Matthias Urlichs) writes:

>>Kennst du eine andere Organisation, die basisdemokratisch arbeitet?
>>Das Rote Kreuz vielleicht?

>Es gibt sehr viele Organisationen, die "demokratischer"


>arbeiten als Greenpeace, auch wenn - sogar im Umweltbereich -
>die Basisdemokratie meist nicht angestrebt wird.

Gefordert war wohl mehr ein konkretes Beispiel. Mir selbst faellt
in dem Zusammenhang auch keins ein und ich persoenlich erachte
Basisdemokratie als zu traege um in Geldangelegenheiten angewendet
zu werden.

>>Ich halte das auch ueberhaupt nicht fuer sinnvoll.
>>Wenn du mitentscheiden willst, musst du eben mitarbeiten und mit
>>Verantwortung tragen, anstatt (um es ueberspitzt auszudruecken) das
>>Nachdenken durch das Kreuzchenmachen auf einem Stimmzettel zu ersetzen.

>Ich finde es vollkommen richtig, dass die Leute entscheiden, die


>mitarbeiten. Und das ist bei Greenpeace nicht der Fall.
>Die Foerderer, ja, die wissen ja, dass sie nicht
>mitentscheiden. Wollen die meisten auch gar nicht.
>Aber dass die eigenen Kontaktgruppen, Greenteams und
>Seniorengruppen von Greenpeace so gegaengelt werden, finde ich
>sehr merkwuerdig.

Wie ich aus dem weiteren Kontext entnehme hast Du persoenliche Erfahrungen.
Wuerde es Dir etwas ausmachen uns zu erzaehlen was Dir da sauer aufgestossen
ist?


>Mir ist von der Kontaktgruppe Kaltenkirchen bekannt, dass die
>dort erst Schulungen bei Greenpeace absolvieren mussten, bevor
>sie die Greenpeace-T-Shirts verkaufen durten.

Das mag in irgendeiner Form an Sekten erinnern die ihre Geldsammler
drillen um moeglichst effektiv zu arbeiten ich persoenlich sehe aber
auch, dass Greenpeace moeglichst geschlossen in der Oeffentlichkeit
auftreten sollte um ueberzeugend zu wirken. Das Greenpeace keine
Spendenmaximierung betreibt glaube ich Ihnen mal.

>Bei verbandsuebergreifenden Umwelttreffen in Kiel sitzen die
>Kieler Greenpeacer stumm dabei und zucken hoechstens bedauernd
>mit den Schultern, wenn es darum geht, Stellung zu beziehen:
>"Erst muessen wir in Hamburg fragen."

Da fehlt mir jetzt der Kontext was Ihr konkret vor Ort entschieden
haben wolltet. Ich kann mir sehr viele Situationen vorstellen in
denen ich eine solche Antwort fuer mehr als angemessen halte.

>Das muss bestimmt nicht so extrem sein.
>Greenpeace hat natuerlich gute Gruende fuer das zentrale
>Kontrollieren: Der Name darf nicht beschmutzt werden.

Vor allem sollte er nicht von Trittbrettfahrern benutzt werden!

>Wenn die Aktiven sich das Gaengeln gefallen lassen, sollen sie.
>Aber meiner Meinung nach ist fuer eine engagierte Umweltarbeit
>vor Ort wichtig, selbst Entscheidungen zu treffen. Greenpeace
>ist fuer mich der Gigant, der die ueberregionalen Presseseiten
>fuellt und durchaus was bewirken kann, aber nichts fuer die
>konkrete Umweltarbeit im kleinen.

Ich sehe die Sache folgendermassen:
Greenpeace hat in meinen Augen mit die Aufgabe uebernommen im internationalen
Rahmen fuer Bewegung zu sorgen. Sie ermoeglichen Umweltarbeit auch in Laendern
in denen Umweltbewusstsein noch ein Fremdwort ist. Dafuer spende ich hin und
wieder eine Mark. Fuer lokale Probleme sehe ich die Verantwortlichkeit nicht
bei einer internationalen Organisation sondern ziemlich nah vor Ort. Du glaubst
gar nicht wie sehr Kommunalpolitiker den Umgang mit Buergerinitiativen lieben
B-). Auch wenn man Ihnen regelmaessig die Stimmung bei Ihren Buerger-
sprechstunden versaut werden sie langsam aktiv.

--
Andreas Baess <and...@easix.GUN.de> {tmpmbx,mcshh,smurf,unido}!easix!andreas
Snail-Mail: Fontanestr. 12, D-4044 Kaarst1, Tel.: +49 2131 605652
> Gegen Liebe auf den ersten Blick hilft nur der zweite ... <

Joerg Napp

unread,
Oct 14, 1991, 10:45:57 AM10/14/91
to

str...@gmdzi.gmd.de (Wolfgang Strobl) writes:

> Weder
>in der grosskotzigen Gegenanzeige im Spiegel, noch in diesem hier
>geposteten Flugblatt wurden auch nur ein einziges Wort verloren zu
>einem Vorwurf, der im Spiegel auch nur so nebenbei erwaehnt wurde,
>den ich aber fuer sehr wesentlich halte:

Zunaechst dazu:
Den Aspekt haelst DU fuer wesentlich (andere auch), wieder andere
halten anderes fuer wesentlich. Also mussten wir eine Auswahl
treffen, auf welche Vorwuerfe wir re-agieren. Das haben wir nicht
Pi mal Auge entschieden, sondern danach, welche Vorwuerfe auch in
anderen Medien (Studio 1, Stern, Zeit) gemacht wurden.

> "So wurde vor zwei Jahren eine ins Auge gefasste Verkehrskampagne abge-
> blasen, weil die Umweltorganisation [Greenpeace] 'Spendeneinbrueche
> befuerchtete', wie ein Campaigner berichtet."

Die Kampagne laeuft inzwischen, wie Du auch im letzten GP-Magazin
nachlesen kannst.

> [...] habe


>ich mich auch bei Greenpeace, d.h. genauer: in deren Veroeffentlichungen
>und Materialien umgesehen und zu meinem Erstaunen festgestellt, dass dort
>das Auto, obgleich groesster Umweltverschmutzer in den meisten Sparten,
>fast voellig ausgespart war.

Richtig, das war lange Zeit der Fall. Jetzt aber nicht mehr, s.o.

>[...] Insbesondere die Aufkleber machen sich hervorragend auf

>PKWs aller Arten, und werden dem Anschein nach auch gerne zu diesem Zweck
>genutzt. Ich vermute, dieselben Leute kleben sich dann die "Rettet den
>Regenwald"-Aufkleber an ihre Rotholz-Fenster.

Also sind GP-Aufkleber schuld daran, dass die Leute Auto fahren???

>[...] Ich argwoehne, dass man die Geister, die man nicht


>frueh genug bekaempfte, nicht mehr loswerden wird.

>Warum besetzt Greenpeace nicht zur Abwechslung mal die eine oder andere
>Autobahn? Grund genug dafuer gaebe es - siehe oben.

Richtig, das hat GP auch schon getan!

Aber gleich eine Gegenfrage: Wann besetzt DU mit Deine BI die
naechste Strasse? Keine Rechtfertigung dafuer, dass es bei GP ein
bisschen lange gedauert hat, bis das Auto Kampagnenthema war.
Sondern eine Aufforderung, mal selbst was zu tun. Es muss nicht
immer GP auf dem Transparent stehen!

>Allerdings muss man befuerchten, dass eine solche Aktion damit dass die
>wackeren Autobahnbesetzer von ihren eigenen erbosten Mitgliedern, natuerlich
>mit dem bekannten Regenbogen im Heckfenster, ueberrollt wuerden.

... und auch das ist passiert. Ob der Fahrer dabei den Regenbogen
im Fenster hatte, weiss ich nicht.

-Joerg

Joerg Napp

unread,
Oct 15, 1991, 12:22:59 PM10/15/91
to
ma...@tpki.toppoint.de (Marit Hansen) writes:

>Ich finde es vollkommen richtig, dass die Leute entscheiden, die
>mitarbeiten. Und das ist bei Greenpeace nicht der Fall.

Falsch.

>Aber dass die eigenen Kontaktgruppen, Greenteams und
>Seniorengruppen von Greenpeace so gegaengelt werden, finde ich
>sehr merkwuerdig.

Die Kontaktgruppen werden nicht "gegangelt", sondern haben
bestimmte Richtlinien einzuhalten. Das finde ich auch in Ordnung.
Diese Richtlinien scheinen auf den ersten Blick sehr eng zu sein,
werden aber nich so gehandhabt.

Die Greenteams werden UEBERHAUPT nicht gegangelt, sondern koennen
tun und lassen, was sie wollen. GP steht ihnen dabei bei
Schwierigkeiten beratend zur Sache. Das Seniorenprojekt laeuft
gerade erst an, da kann ich nix zu sagen. (Muss aber zugeben,
dass der "Prospekt" ein wenig seltsam ist... Nicht jedoch, was
die "Gangelei" betrifft, sondern was von den Damen und Herren
erwartet wird.)

>Mir ist von der Kontaktgruppe Kaltenkirchen bekannt, dass die
>dort erst Schulungen bei Greenpeace absolvieren mussten, bevor
>sie die Greenpeace-T-Shirts verkaufen durten.

Interessant ist vielleicht, dass es dort gar keine Kontaktgruppe
gibt!

Derartige "Schulungen" fuer Kontaktgruppen finden auch nicht
stattt. Es gibt fuer die Kontaktgruppen themenbezogene Seminare
zur Weiterbildung, die sind aber keine Pflicht. Erst recht nicht
fuer den "Verkauf von T-Shirts".

>Bei verbandsuebergreifenden Umwelttreffen in Kiel sitzen die
>Kieler Greenpeacer stumm dabei und zucken hoechstens bedauernd
>mit den Schultern, wenn es darum geht, Stellung zu beziehen:
>"Erst muessen wir in Hamburg fragen."

Dann tun mir die Kieler leid...

Wir muessen zwar Hamburg fragen, wenn es darum geht, sich bei
einer bestimmten Aktion zu beteiligen, nicht aber, wenn es um
Stellungnahmen geht. Wir haben auch eigene Koepfe!

>Das muss bestimmt nicht so extrem sein.
>Greenpeace hat natuerlich gute Gruende fuer das zentrale
>Kontrollieren: Der Name darf nicht beschmutzt werden.

Wenn Du damit meinst, dass nicht jeder jede beliebige Aktion
unter dem Namen GP starten kann, hast Du damit recht.

>Aber meiner Meinung nach ist fuer eine engagierte Umweltarbeit
>vor Ort wichtig, selbst Entscheidungen zu treffen. Greenpeace
>ist fuer mich der Gigant, der die ueberregionalen Presseseiten
>fuellt und durchaus was bewirken kann, aber nichts fuer die
>konkrete Umweltarbeit im kleinen.

So ist es. Na und? Dafuer koennen lokale BIs kaum sinnvole
Umweltschutzarbeit zur Antarktis leisten.
Ich finde diese Trennung (Arbeitsteilung oder wie immer Du es
nennen willst) ausgesprochen sinnvoll.

Viele Gruesse, Joerg

Wolfgang Strobl

unread,
Oct 16, 1991, 5:12:31 AM10/16/91
to
Beim letztenmal habe ich meine Anmerkungen zur Verkehrspolitik von
Greenpeace etwas abrupt beendet, weil unsere Anlage zwecks Backup
heruntergefahren wurde. Beim Nachlesen fiel mir auf, dass einige
Saetze etwas verstuemmelt waren. Das bitte ich zu entschuldigen -
ich kaempfe immer noch mit vi.

Nun also der versprochene Nachschlag.

na...@uni-paderborn.de (Joerg Napp) schreibt in Artikel
<1991Sep27.1...@uni-paderborn.de>:

< Hallihallo,
<
< hier die angekuendigte Stellungnahme zu den vorwuerfen aus dem
< Spiegel und anderen Medien.
<
< Der Text ist ein Flugblatt der Greenpeace-Kontaktgruppe
< Paderborn.

[...]

<
< Was wir allerdings koennen, ist an einem Produkt beispielhaft
< durchspielen, wie Unternehmen ein Schritt in die Richtung "clean
< production", "saubere Produktion", machen und umweltfreundlicher
< arbeiten koennen. Aus diesem Grund haben wir mit zwei
< mittelstaendischen Spezialfirmen den ersten Prototyp des
< "Greenpeace Clean-Tech"-Fahrrades produziert und auf den Markt
< gebracht.

Das ist der blanke Hohn.

Da konkurrieren zwei Verkehrsmittel fuer den Individualverkehr um
die Gunst der Verbraucher einerseits und um die zu ihrem Gebrauch
notwendige Infrastruktur - Verkehrsflaechen etc - andererseits,
die im Nahbereich bis zu 8 km von etwa gleicher
Leistungsfaehigkeit sind.

* Diese beiden Verkehrsmittel (hier PKW, da Fahrrad) repraesentieren
ziemlich genau die beiden Extreme der Skala von "extrem
umweltschaedlich" bis hin zu "extrem umweltfreundlich".

* Dies trifft vor allem fuer ihren *Gebrauch*, aber auch fuer ihre
Produktion zu.

Ein Mensch schlaegt, jedenfalls auf dem Fahrrad, jedes andere
Lebewesen in Bezug auf die Effizienz der Energieausnutzung pro
zurueckgelegtem Kilometer. Das Fahrrad benoetigt nur wenig
Flaeche.

* Bei der Beurteilung der Umweltvertraeglichkeit der Produktion eines
Gutes sollte es selbstverstaendlich sein, zwei Produkte auf der
Basis gleichen Nutzens zu vergleichen. Nimmt man wegen der
relativen Aehnlichkeit der Bestandteile (Rahmen aus Stahl, ein
paar Zahnraeder und etwas Plastik) das Gewicht und die
Lebensdauer zum Anhaltspunkt, so schlaegt das Fahrrad das Auto
etwa um den Faktor 300 (in Worten: dreihundert).

* Anders ausgedrueckt, faellt, gleiche Produktionsbedingungen
vorausgesetzt, etwa dreihundert mal soviel Dreck und Umweltzerstoerung
an, wenn jemand sein Mobilitaetsbeduerfnis nicht mit dem Fahrrad,
sondern mit dem Auto stillt. Dies allein durch die pure Herstellung
des Fahrzeuges.

* Umgekehrt ist der Gewinn fuer die Umwelt, der erzielt wird, wenn man
Autoverkehr durch Fahrradverkehr (und Autoproduktion durch Fahrrad-
produktion) ersetzt, so hoch, das er weder durch hohe noch durch
niedrige Umweltvertraeglichkeit der Herstellung beeinflusst wird.

Es spielt aus diesem Blickwinkel schlicht keine Rolle.

In dieser Situation wirkt es frivol, wenn Greenpeace sich
ausgerechnet das Fahrrad aussucht, um "an einem Produkt
beispielhaft durch[zu]spielen, wie Unternehmen ein Schritt in die


Richtung 'clean production', 'saubere Produktion', machen und
umweltfreundlicher arbeiten koennen."

Weiss Greenpeace wirklich keine besseren Beispiele? Begreift man
nicht, dass solcher Aktionismus am falschen Objekt mehr Schaden
anrichtet als nuetzt?

Liefert dies doch jemanden, der schwankt, ob er er nicht mal den
Versuch macht, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen, gleich wieder
zwei wohlfeile Argumente, es dann doch sein zu lassen: Erstens ist
das Greenpeace-Fahrrad viel zu teuer und zweitens ist das Fahrrad
ohne den Greenpeace-Stempel offenbar kein umweltvertraegliches
Produkt.

* Viele haben gemerkt, dass, wenn alle mit den Auto fahren
wollen, bald keiner mehr damit fahren kann. In den letzten
Jahren hat deshalb der Fahrradverkehr enorm zugenommen.

* Leider stoesst der Fahrradverkehr, sowohl in der Stadt
als auch auf dem Land bisweilen schon an seine Grenzen,
aufgrund der - aus Sicht der Fahrradfahrer - miserablen
Verkehrsinfrastruktur. Wenn es nicht bald gelingt, daran
etwas zu aendern, ist zu befuerchten, dass das Pendel
irgendwann mal wieder in die andere Richtung schwingt.

* Anzeichen dafuer gibt es: die Stadt Muenster, die gerne
als Modell fuer den fahrradfreundlichen Ausbau einer Stadt
genommen wird, beschaeftigt sich inzwischen mehr mit der
Eindaemmung als mit der weiteren Foerderung des
Radverkehrs. Es wird laut ueber die Einfuehrung einer
Helmpflicht nachgedacht. Nach Einfuehrung einer
Kennzeichenpflicht fuer Fahrraeder duerfte als naechstes
die vorgeschriebene Haftplfichtversicherung ins Auge
gefasst werden. Was kommt dann? Warndreieck, Verbandskasten?
Irgendwie wird man den Radfahrern ihr Verkehrsmittel wohl
schon vermiesen koennen.

Es ist kann sein, dass sich Greenpeace in dem Eifer, auf
einen fahrenden Zug aufzuspringen, de facto als Bremser
betaetigt hat. Schade.

In der Zeitschrift "Radfahren", die jedes ADFC-Mitglied zugeschickt
bekommt, war die Reaktion in der Leserbriefspalte jedenfalls eindeutig.
Zwei Leserbriefe von Anfang '90 zitiere ich nachfolgend, um zu
dokumentieren, dass ich mit meiner Beurteilung nicht ganz alleine
stehe.

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"Endlich, das erste Vollkornfahrrad erblickt das Licht der staundenden
Messen-Oeffentlichkeit. Bisher konnte der eingefleischte
Greenpeace-Foerderer nur duch Plastikaufkleber auf seinem Pkw oder
durch Tragen eines Greenpeace-Sweatshirts die 'Sache' unterstuetzen. Nun
kann er bei jedem Tritt in die Pedale Solidaritaet bekunden - zumindest
mit dem Veloring. Ist doch mit dem 'Cleantech'-Projekt erstmals der
Synergieeffekt aus oekologischem Halbwissen und absatzorientierter
Verkaufsfoerderung konsequent genutzt worden.

Was ist dran am Saubermann? Die meisten Teile mussten erst einmal einen
Weg von mindestens 15.000 Kilomentern in Kauf nehmen, um als oekologisch
vertretbare Teile an dem Rahmen aus geschweisstem (!) Fernostrohr Platz
nehmen zu duerfen. Ein Ruecklicht, welches bei einem Rad der
500-Mark-Klasse kaum akzeptabel waere, wird an einem Schutzblech aus
Edelstahl montiert, welches aus 'optischen Gruenden' (Zitat Greenpeace!)
kunststoffbeschichtet wird. Mein persoenliches Fazit: Das
Greenpeace-Fahrrad ist ein Schlag ins Gesicht desjenigen, der glaubt,
ein oekologisch auch nur im Ansitz unbedenkliches Produkt zu erwerben."

Peter Ronge, 4400 Muenster
Leserbrief in Radfahren 1/91
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"Seit bei einer Sendung des Schweizer Fernsehens ein Vertreter von
Greenpeace mit den Vorwurf (als letzte moegliche Verteidigung)
konfrontiert wurde, 'die Veloproduktion sei auch umweltfeindlich',
verfolge ich die Entwicklung des Clean-Tech-Velos in den Medien.

Dabei draengt sich mir immer staerker folgender Gedanke auf: Im
Schreck ueber diesen Vorwurf und in der richtigen Bemuehung, die
Produktionsbedingungen fuer Fahrraeder umweltfreundlicher zu
gestalten, droht vergessen zu gehen, dass sich das Velo in Sachen
Umweltfreundlichkeit grundsaetzlich vom Motorfahrzeug unterscheidet.
Kein Velo verursacht bei der Produktion 25 Tonnen Abfall (Bundes-
republik Deutschland), hinterlaesst bei tausenden von verschwendeten
Litern Benzin pro Liter drei Kilogramm (Gift-)Gase, verschwendet
riesige Mengen Boden (Erdreich), dreimal soviel wie uns zum Wohnen
uebrigbleibt, toetet oder verletzt so viele Menschen (Tiere,
Pflanzen), verursacht soviel Laerm, der unser Nervensystem belastet
und unsere Nervositaet steigert (eine Tatsache, der immer mehr
Bedeutung zugemessen wird), verbraucht pro Pneusatz 35 Liter Rohoel,
verteilt Cadmium aus dem Pneuabrieb auf unserem (Acker-)Boden und
setzt damit noch ein weiteres Schwermetall zu ...

Lese ich aber die Beitraege in den Zeitungen zum Clean-Tech-Velo, so
finde ich diesen Unterschied mit keinem Wort erwaehnt. Ploetzlich bin
ich als Benuetzer eines Fahrrades ebenso umweltverschmutzend wie
Benutzer/-innen von Motorfahrzeugen. Uns Velofahrer-/innen wird
eingeredet: Ihr mit Euren Aluminiumgepaecktraegern, Ihr seid ja auch
nicht besser.

Ich muss betonen, ich freue mich ueber alle Bemuehungen zur Vermeidung
von Umweltverschmutzung. Aber ich moechte nicht, dass von den
hauptsaechlichen Problemen abgelenkt wird, und ich bedauere, dass
ausgerechnet Greenpeace die Moeglichkeit zu solchen Ablenkungsmanoevern
gegeben hat."

Leserbrief in Radfahren 3/91
Markus Capirone, CH 4613 Rickenbach
-----------------------------------------------------------------------

<
< Wir begreifen das Projekt auch als Herausfordeung an uns selbst.

Wenn das ein Euphemismus fuer "verpatzt" ist, soll's mir recht sein.

< Am Clean-tech-Fahrrad sind noch viele oekologische
< Schwachstellen: PVC, verchromte Teile und Plastik. Viele Teile
< sind nicht von heute auf morgen zu bekommen bzw. zu produzieren.

Das ist aufgefallen, siehe oben. Was aber soll dies dann bewirken,
ausser Leute vom Kauf - und Gebrauch - eines Fahrrades abzuhalten?
Mit einem solchen Unsinn auch noch Reklame zu machen, das kann man
sich wohl nur leisten, wenn man Greenpeace heisst.

< Fuer uns ist das jedoch kein Grund, nicht schon jetzt mit
< Verbesserungen zu beginnen. Die Idee und der Ansatz allein sind
< schon Forderungen genug an die Industrie, Alternativen
< anzubieten.

Ich habe ueber dieser verquasten Formulierung eine Weile gebruetet
und glaube inzwischen, dass sie genau das bedeutet, wonach sie
sich anhoert: naemlich garnichts.

<
<
< "Greenpeace unterstuetzt keine anderen Gruppen"
<

Was ist mit "Greenpeace kooperiert nicht mit anderen Gruppen"?

Im uebrigen schlaegt in diesem Satz eine gewisse, hier durchaus
unberechtigte Arroganz durch. Wie waere es damit, wenn sich
Greenpeace in den Bereichen von anderen Gruppen unterstuetzen
lassen wuerde, wo man (er, sie, es?) offensichtlich dilettiert?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass der kleine (aber feine!) ADFC
(Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) sich nicht trauen wird, den Giganten
Greenpeace anzupinkeln. Als einfaches ADFC-Mitglied - wenn auch schon
aus Gruendungszeiten - werde ich mich hueten, fuer den Verein zu
sprechen. Aus Gespraechen mit anderen Mitgliedern weiss ich aber,
mit welcher Veraergerung und Enttaeuschung das Greenpeace-Fahrrad
aufgenommen wurde.

Viele, insbesondere die vielen "Berufsradfahrer" (im Gegensatz zu
Freizeitradlern) verstehen sich naemlich durchaus auch als in der
Wolle gefaerbte Umweltschuetzer, die lieber selber etwas tun
wollen als andere per Aufkleber zu animieren. Und da tut es schon
weh, wenn man im besten BMW-Stil dazu aufgefordert wird, nun
endlich auch mal was zu tun. Also z.B. auf das Umweltrad
umsteigen, auch wenn's etwas teurer ist.

Schliesslich laesst man sich beim Auto ja auch nicht lumpen,
werden doch - wenn man nach der Werbung geht - fast nur noch
umweltfreudliche Autos verkauft.

Und wenn dann noch der

"Aufkleber fuer innen, 'Regenbogen', 7farbig, durchsichtig, DM 3,50"
(Greenpeace Magazin IV/91, "Droge autoMobil", Impulse, Seite 31 unten)

ordentlich direkt ueber dem Heckscheibenwischer angebracht ist,
dann geht doch richtig die Fahrt ab! Was will man mehr?

<
< "Greenpeace weiss nicht, wo es hingehen soll"
<
< Greenpeace hat immer wieder Veraenderungen an der eigenen Arbeit
< vorgenommen, entsprechend der Entwicklung in den verschiedenen
< Kampagnen.

Kann sein. So abstrakt formuliert, heisst das nicht viel.

<
< Seit seiner Gruendung fuehrt Greenpeace intensive Struktur- und
< Strategiediskussionen. Das ist ein selbstverstaendlicher Vorgang,
< der von der Lebendigkeit der Organisation und der
< Auseinandersetzungsfaehigkeit ihrer Mitarbeiter zeugt. Aufgrund
< der Anforderungen an unserer Arbeit und des Vertrauens der
< Oeffentlichkeit ist Greenpeace Deutschland in den letzten jahren
< rasant gewachsen. Dementsprechend muessen unsere
< Arbeitsstrukturen laufend hinterfragt und veraendert werden: ein
< permanenter Prozess.

Es waere fuer den Leser recht nuetzlich gewesen, auch ueber die
*Inhalte* dieser Struktur- und Strategiediskussionen informiert
zu werden. Niemand - d.h. jedenfalls ich nicht - verlangt von
Greenpeace die Offenlegung aller Strukturen, Strategien und
Taktiken. Ein Verein, der aber selbst die Definition der *Ziele*
einem kleinen, unkontrollierten Zirkel ueberlaesst und sich
das Fussvolk lediglich per Stimmungsmache warmhaelt, ist mir
etwas suspekt.


Soweit meine Bemerkungen zu

<
< --
< Joerg Napp, Paderborn, Germany
< e-mail: na...@uni-paderborn.de DG8AT
<
< 'and on the Eighth day, the Lord made a backup copy....'


Darauffolgend gab es schon ein paar Repliken zu meiner Tirade (hi tracy!).

url...@smurf.sub.org (Matthias Urlichs) schreibt in
Artikel <cw1cwh#@smurf.sub.org>:
[...]


< < Warum besetzt Greenpeace nicht zur Abwechslung mal die eine oder andere
< < Autobahn? Grund genug dafuer gaebe es - siehe oben.
< <

< Schon oefters passiert -- am Brenner zB.
<

Das scheint aber das einzige zitierbare Beispiel zu sein.

< Nur leider haben die behinderten Autofahrer das gar nicht eingesehen, und
< einige sind handgreiflich geworden bzw. mit ihrem Auto eben durch die
< Menschenkette der Greenpeacer durchgefahren. Einfach so. :-(

Das ist ganz normal. Wenn man hier die sogenannte Diplomatenrennbahn
an einer Fussgaengerampel bei Gruen betritt und sie nach einmaligem
Warnhupen nicht fluchtartig verlaesst, wenn der Autoverkehr viel zu
frueh wieder Gruen bekommt, kann einem dasselbe passieren. Und das
etwa 100m von einer gut besuchten Grundschule entfernt. Kuerzlich
ist hier eine Schuelerin in so einer Situation angefahren worden.
Gestern ist morgen hier, nur ein paar hundert Meter weiter in einer
Querstrasse, die vom ADFC seit Jahren als Gefahrenstelle gefuehrt wird,
eine Radfahrerin von einem LKW ueberrollt worden. Tot. Alles mitten
in dem Wohngebiet, in dem ich wohne, nur ein paar Schritte weit weg.

Ein Antrag unserer Buergeriniativen, wenigstens zweimal am Tag, einmal
morgens und einmal abends fuer 8 Sekunden Allgruen fuer Fussgaenger
zu schalten - fuer den zentralen Verkehrsrechner kein Problem - wurde
letzten Mittwoch im Beschwerdeausschuss als "unzumutbar fuer den
Autoverkehr" bezeichnet und deswegen auf die lange Bank geschoben
(Stellungnahmen des ... abwarten, Wiedervorlage ...).

Willkommen in Wirklichen Leben, Greenpeace.

<
< < Allerdings muss man befuerchten, dass eine solche Aktion damit dass die
< < wackeren Autobahnbesetzer von ihren eigenen erbosten Mitgliedern, natuerlich
< < mit dem bekannten Regenbogen im Heckfenster, ueberrollt wuerden.
< <

< Laut Meldungen in den Nachrichten und im Greenpeace-Magazin(?) waren es
< hauptsaechlich wuetende Italiener, bei denen das Umweltbewusstsein zugegeben
< noch weniger entwickert ist als bei uns.

Ich dachte, Greenpeace ist international? Ich verstehe das Argument
nicht.

<
< < Bis spaeter also, und ich bin schon gespannt auf all die vorhersehbaren
< < Anwuerfe, was das denn, bitteschoen, mit Umwelt zu tuen haette, und wir
< < haetten uns doch drauf geeinigt, ueber praktizierten Umweltschutz nicht
< < zu reden, jedenfalls nicht hier.
< <

< Wie bitte? Wir hatten uns geeinigt, hier _nur_ ueber praktizierten
< Umweltschutz zu reden und den Rest nach sub.politik umzuleiten.

Das habe ich letztes Jahr aber ganz anders verstanden.

Letztes Jahr habe ich mir den Mund fusselig geredet in dem
Versuch, die Behauptung zu belegen, dass der Konflikt Radfahrer/
Autofahrer ein Ressourcenkonflikt ist, dessen Ausgang fuer die
Umwelt sehr wesentlich ist.

Daraufhin gab es den - soweit ich das sehe, erfolgreichen -
Versuch, diesen Streit in andere Newsgroups abzudraengen. Manche
plaedierten dafuer, ihn nach sub.politik zu verlagern, vermutlich
hauptsaechlich, weil sie Polemik und Politik nicht voneinander
unterscheiden koennen. Andere plaedierten fuer eine Abschiebung
in sub.verkehr. Wenn ich Deinen damaligen Kommentar richtig verstanden
habe, Du doch auch, oder? Sonst entschuldige bitte.

<
< Aber meiner Meinung nach gehoeren Aktionen wie die obige, die den Leuten
< deutlich machen sollen, dass es so eben nicht weitergeht, durchaus zum
< praktizierten Umweltschutz.
<

Und meiner Meinung nach gehoert die Wuerdigung des taeglichen Klein-
krieges zwischen den Teilnehmern am motorisierten Individualverkehr
- der stinkenden Mehrheit - und allen anderen Verkehrsteilnehmern
noch viel mehr dazu.

< --
< Matthias Urlichs -- url...@smurf.sub.org -- url...@smurf.ira.uka.de /(o\
< Humboldtstrasse 7 -- 7500 Karlsruhe 1 -- Germany -- +49-721-9612521 \o)/
<

sl...@stoch.fmi.uni-passau.de (Bernd Sluka) schreibt
in Artikel <1991Oct9.1...@forwiss.uni-passau.de>:

< > [...Greenpeace am Brenner, s.o.]

<
< Weiterhin laufen auch Kampangnen gegen den Autoverkehr. Erst jetzt zur IAA
< wurde eine neue angefangen. Siehe dazu auch das neueste "Greenpeace-Magazin".

Ich hab's mir gekauft. Einerseits bin ich angenehm ueberrascht. Greenpeace
scheint die Kurve langsam doch zu kriegen. Hoffentlich.

Der Leitartikel von Benny Haerlin ist sehr lesbar.

Die Zahlen auf Seite 14 im Kasten "Wie haelt es eigentlich Greenpeace
mit dem Auto" muten streckenweise etwas seltsam an.

"Frauen und Maenner sind bei Greenpeace etwa zu gleichen
Anteilen motorisiert, waehrend im Bundesschnitt das Verhaeltnis
bei 3 zu 4 liegt."

Spricht das nun fuer Greenpeace, oder gegen die Frauen? Ist der
PKW das geeignete Emanzipationshilfsmittel? Braucht man
Frauenparkplaetze? Fragen, nichts als Fragen.

"Knapp ueber 90 Prozent der GreenpeacerInnen besitzen ein
Fahrrad und benutzen es kraeftig"

"38 Prozent bei Greenpeace besitzen oder verfuegen ueber
ein Auto".

Ja und? Ist das viel oder wenig? In meiner Familie besitzen 25 %
ein Auto, benutzen es aber kaum, jedoch 100 % ein oder mehrere
Fahrraeder und benutzen sie kraeftig. Ausserdem sind wir zu 100 %
in einem alternativen Verkehrsklub.


wal...@mecky.UUCP (Walter Mecky) schreibt in Artikel
<9...@mecky.UUCP>:

< In article <58...@gmdzi.gmd.de> str...@gmdzi.gmd.de (Wolfgang Strobl) writes:
< < [...]

< < Ich habe mich vor ein paar Jahren, kurz nach der Geburt unserer Kinder
< < und moeglicherweise auch dadurch motiviert entschlossen hatte, auf den
< < Gebrauch des Autos moeglichst zu verzichten und gleichzeitig in meinem
< < Wohnumfeld gegen das umweltschaedliche Auto und fuer umweltfreundliche
< < Transportmittel - hauptsaechlich das Fahrrad - Stimmung zu machen,
<

< Meine Anerkennung dafuer, Wolfgang. Ich weiss, was das heisst und freue
< mich, dass ich nicht alleine bin.

Danke. Ich glaube, dass wir zwar in der Minderheit sind und auch bleiben
werden, aber dass wir dennoch recht viele sind, und dass wir mehr werden.

<
< < habe
< < ich mich auch bei Greenpeace, d.h. genauer: in deren Veroeffentlichungen
< < und Materialien umgesehen und zu meinem Erstaunen festgestellt, dass dort
< < das Auto, obgleich groesster Umweltverschmutzer in den meisten Sparten,
< < fast voellig ausgespart war.
<

< Das kann vor ein paar Jahren durchaus so gewesen sein.

Das ist immer noch nicht viel anders. Der aktuelle
Zubehoerkatalog enthaelt aber immerhin jetzt einen Briefaufkleber
"Autos raus aus der Stadt", der sich sicherlich hervorragend dazu
eignet, direkt auf den schon weiter oben erwaehnten
Greenpeace-Standard-Autoaufkleber (im Katalog schamhaft "fuer
innen" genannt) gepappt zu werden, wenn mal wieder so ein Fahrzeug
einen Fahrradweg blockiert oder auf dem Buergersteig parkt. Ich
befuerchte aber, dass das Ding nicht wasserfest ist (was will man
von Recyclingpapier schon erwarten; der Innenaufkleber ist
wenigstens aus solidem Plastik), und ausserdem ist der
Greenpeace-Schriftzug geradezu mikroskopisch klein ausgefallen.

Aber es gibt auch Lichtblicke.

Das ausgezeichnete Buch von Heiner Monheim und Rita Monheim-
Dandorfer "Strassen fuer alle" haette ich auch ohne den Hinweis im
Greenpeace-Magazin gefunden. Dies liegt keineswegs nur daran,
dass die beiden Autoren hier nur ein paar Schritte entfernt
wohnen. Das Buch ist von gerade enzyklopaedischem Charakter und
hat alle Chancen, zu einem Standardwerk fuer Stadtplaner und
Stadtbewohner zu werden.


[...zum aktuellen Greenpeace-Magazin, ueber ein foerderndes Mitglied...]
< ...


< Er war von Greenpeace die ganzen Jahre begeistert. Solange sie nur gegen
< Kernkraft und Walfang waren. Denn er betreibt weder ein Kernkraftwerk
< noch faengt er Wale.

Diese Formulierung waere es wert, auf einen Aufkleber gezogen zu
werden und in "Greenpeace Impulse" aufgenommen zu werden. Man muesste
nur noch den Bezug zum Auto herstellen.

> Aber jetzt zog Greenpeace gegen des Deutschen (und
< auch dieses Herrn) liebstes Kind zu Felde. Meine Guete, ist der sauer
< auf Greenpeace ("unter der Guertellinie", "unintelligent"). Alles
< richtig, aber notwendig ist es.

Was ist mit "Aber er faehrt Auto"? Oder: "Aber jetzt sind sie auch gegen
Autos"? Oder "Aber gegen Autos? Das geht zu weit!".

Andere Vorschlaege?
[...]


<
< --
< Walter Mecky [ wal...@mecky.uucp or ...uunet!unido!mecky!walter ]
<

Soweit zunaechst.

Wolfgang Strobl

Wolfgang Strobl

unread,
Oct 16, 1991, 11:13:34 AM10/16/91
to
Ich schrieb

< Gestern ist morgen hier, nur ein paar hundert Meter weiter in einer
< Querstrasse, die vom ADFC seit Jahren als Gefahrenstelle gefuehrt wird,
< eine Radfahrerin von einem LKW ueberrollt worden. Tot.

Das sollte natuerlich heissen: Gestern morgen ist hier...

Wolfgang

Bernd Sluka

unread,
Oct 17, 1991, 9:07:58 AM10/17/91
to
Im Artikel <59...@gmdzi.gmd.de> schreibt str...@gmdzi.gmd.de (Wolfgang Strobl):

>Schliesslich laesst man sich beim Auto ja auch nicht lumpen,
>werden doch - wenn man nach der Werbung geht - fast nur noch
>umweltfreudliche Autos verkauft.
>
>Und wenn dann noch der
>
> "Aufkleber fuer innen, 'Regenbogen', 7farbig, durchsichtig, DM 3,50"
> (Greenpeace Magazin IV/91, "Droge autoMobil", Impulse, Seite 31 unten)
>
>ordentlich direkt ueber dem Heckscheibenwischer angebracht ist,
>dann geht doch richtig die Fahrt ab! Was will man mehr?

Ich glaube, Du verkennst die Situation etwas. Es gibt (leider) auch
Leute, die auf ein Auto angewiesen sind. Darunter auch viele umwelt-
bewusste. Um ein Beispiel zu nennen: Ich kenne einen Architekten, dessen
Familie sogar fundamental oekologisch lebt und eingestellt ist, der aber
aufgrund seines Berufs einfach ein Auto braucht. Wie sollte er sonst die
weit verstreuten Termine hier auf dem Land warnehmen koennen. Mit dem
(praktisch) nicht vorhandenen oeffentlichen Nahverkehr? Oder etwa mit
dem Taxi?

Insbesondere hier auf dem Land kommt man ohne Auto nicht sehr weit.
Oder denke an die nicht wenigen Gehbehinderten. Sollen die Radfahren?

Dein Rundumschlag gegen Greenpeace und alle Autofahrer, insbesondere,
wenn sie Greenpeace unterstuetzen und dies auch kundtun, ist unange-
bracht.

Walter Mecky

unread,
Oct 21, 1991, 9:13:12 PM10/21/91
to
In article <1991Oct17.1...@forwiss.uni-passau.de> sl...@stoch.fmi.uni-passau.de (Bernd Sluka) writes:
< Es gibt (leider) auch
< Leute, die auf ein Auto angewiesen sind. Darunter auch viele umwelt-
< bewusste. Um ein Beispiel zu nennen: Ich kenne einen Architekten, dessen
< Familie sogar fundamental oekologisch lebt und eingestellt ist, der aber
< aufgrund seines Berufs einfach ein Auto braucht. Wie sollte er sonst die
< weit verstreuten Termine hier auf dem Land warnehmen koennen. Mit dem
< (praktisch) nicht vorhandenen oeffentlichen Nahverkehr? Oder etwa mit
< dem Taxi?
<
< Insbesondere hier auf dem Land kommt man ohne Auto nicht sehr weit.

Das auch von Dir diesen Argument kommt, enttaeuscht mit etwas. Die
Leute haben doch nur deshalb diesen Beruf, Einsatzgebeit und Wohnort
_weil_
a) es Autos gibt,
b) Autofahren (zu) billig ist,
c) es (zu) viele Strassen gibt,
d) diese von Amts wegen tadellos in Schuss gehalten werden.

Am Anfang stand also die Wahl von Beruf, Einsatzgebiet und Wohnort.
Ohne das Auto und dessen Infrastruktur haetten die Leute eine andere
Entscheidung getroffen. Es ist doch Nonsens, dass Du auf's Land ziehst
mit all den Einschraenkungen dort _weil_ Du ja mit dem Auto ueberall
gut hinkommst und _dann_ zu argumentieren, Du seist auf das Auto angewiesen.

< Oder denke an die nicht wenigen Gehbehinderten. Sollen die Radfahren?

Nun ja, wieviel Prozent der Autofahrer sind wohl gehbehindert? In etwas
weiterem Sinne sind es wohl 80%. Wenn ich so die betraechtliche Ausdauer
beruecksichtige mit der die meisten einen Parkplatz mit nicht mehr als
10 m Gehstrecke zum/vom Ziel suchen und lieber auf Gehweg oder Radweg
parken. Aber lassen wir halt alle amtlich anerkannten Gehbehinderten
autofahren. Mit denen koennte ich leben.

< Dein Rundumschlag gegen Greenpeace und alle Autofahrer, insbesondere,
< wenn sie Greenpeace unterstuetzen und dies auch kundtun, ist unange-
< bracht.

Unangebracht? Wenn heute was unangebracht ist, dann ist es Autofahren.
Und wenn Du auf das Autofahren auf dem Land bestehst, dann schraenke ich
ein: Unangebracht ist das Autofahren in der Stadt.
--
Walter Mecky [ wal...@mecky.systemware.de or ...uunet!unido!mecky!walter ]

Gunnar Zoetl

unread,
Oct 23, 1991, 8:49:59 AM10/23/91
to
wal...@mecky.UUCP (Walter Mecky) writes:

> < Insbesondere hier auf dem Land kommt man ohne Auto nicht sehr weit.
>
> Das auch von Dir diesen Argument kommt, enttaeuscht mit etwas. Die
> Leute haben doch nur deshalb diesen Beruf, Einsatzgebeit und Wohnort
> _weil_
> a) es Autos gibt,
> b) Autofahren (zu) billig ist,
> c) es (zu) viele Strassen gibt,
> d) diese von Amts wegen tadellos in Schuss gehalten werden.
>
> Am Anfang stand also die Wahl von Beruf, Einsatzgebiet und Wohnort.
> Ohne das Auto und dessen Infrastruktur haetten die Leute eine andere
> Entscheidung getroffen. Es ist doch Nonsens, dass Du auf's Land ziehst
> mit all den Einschraenkungen dort _weil_ Du ja mit dem Auto ueberall
> gut hinkommst und _dann_ zu argumentieren, Du seist auf das Auto angewiesen.

Nun, so ganz ist das ja nicht. Zuerst wohnst Du ja wohl irgendwo, und
dann moechtest Du einen Beruf ergreifen, und wenn das nicht gerade
Landwirt ist, dann wirst Du, zumindest Beruflich, in einer etwas
groesseren Stadt landen. Ich weiss nicht, wie Du das haeltst, aber ich
moechte, wenn es wirklich ein Leben nach dem Studium gibt, einen Beruf
ergreifen, der mir voraussichtlich Spass machen wird, und ob ich so
etwas hier zwischen Acker und Wald finden werde, da habe ich so meine
Zweifel. Andererseits ist es leider so, dass die momentane
Wohnungssituation es einfach nicht zulaesst, dass alle dahin ziehen,
wo sie arbeiten, und selbst wenn das ginge, dann stelle Dir mal z.B.
Frankfurt vor, wen alle, die dort arbeiten, auch in der Stadt wohnen
:-( Das waere ein noch groesseres Knaeuel als ohnehin schon.
Verstehe mich nicht falsch, ich bin ganz klar der Meinung, dass das
Auto zu sehr vergoettert wird, und alle anderen Verkehrsmittel
demgegenueber zu stark vernachlaessigt werden, aber solang das so ist,
ist man, wenn man ausserhalb wohnt, durchaus auf das Auto angewiesen.

Gunnar
--
gun...@fasel.hotb.sub.org ist Gunnar Freiherr von Zoetlstein (oder?)
'Manche Maenner bemuehen sich Ihr leben lang, das Wesen einer Frau zu
verstehen. Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen -
beispielsweise mit Einsteins Relativitaetstheorie.'

Marit Hansen

unread,
Oct 24, 1991, 6:09:58 AM10/24/91
to
and...@easix.GUN.de (Andreas Baess) writes:

>>ma...@tpki.toppoint.de (Marit Hansen) writes:
>>Es gibt sehr viele Organisationen, die "demokratischer"
>>arbeiten als Greenpeace, auch wenn - sogar im Umweltbereich -
>>die Basisdemokratie meist nicht angestrebt wird.

>Gefordert war wohl mehr ein konkretes Beispiel. Mir selbst faellt
>in dem Zusammenhang auch keins ein und ich persoenlich erachte
>Basisdemokratie als zu traege um in Geldangelegenheiten angewendet
>zu werden.

Am staerksten basisdemokratisch ist vielleicht die Gruene Liga.
In der Naturschutzjugend gab es mal solche Ansaetze (siehe
unten).

>>Ich finde es vollkommen richtig, dass die Leute entscheiden, die
>>mitarbeiten. Und das ist bei Greenpeace nicht der Fall.
>>Die Foerderer, ja, die wissen ja, dass sie nicht
>>mitentscheiden. Wollen die meisten auch gar nicht.
>>Aber dass die eigenen Kontaktgruppen, Greenteams und
>>Seniorengruppen von Greenpeace so gegaengelt werden, finde ich
>>sehr merkwuerdig.

>Wie ich aus dem weiteren Kontext entnehme hast Du persoenliche Erfahrungen.
>Wuerde es Dir etwas ausmachen uns zu erzaehlen was Dir da sauer aufgestossen
>ist?

Ich komme aus der Naturschutzjugend. Das ist die
Jugendorganisation des Naturschutzbundes Deutschland (der vor
kurzem noch DBV - Deutscher Bund fuer Vogelschutz hiess). Vor
drei Jahren begann dort eine heftige Diskussion um
verbandsunabhaengige Umweltarbeit.

Um das Engagement zu verstaerken, um mehr Jugendliche fuer den
Umweltschutz zu gewinnen, sollte es nicht mehr nur die Schiene
Bundesjugend - Landesjugend - Ortsjugendgruppe geben (beschraenkt
auf DBV-Mitglieder). Auch die Zusammenarbeit mit anderen
Jugendverbaenden wie BUNDjugend und DJN (Deutscher Jugendbund
fuer Naturbeobachtung) wurde als nicht ausreichend betrachtet,
um wirklich etwas zu bewegen.

Das neue Konzept war die Projektorientierung. Nach dem Motto
"Jede(r) kann machen, was er/sie will" entstand eine Vielzahl von
Projekten, bei denen jede(r) mitmachen konnte, egal ob
Verbandsmitglied oder nicht. Vorher hatte nur die
"Funktionaere" Verantwortung gehabt und Arbeit uebernommen, und
dementsprechend konnten viele gute Ideen vom 5- bis
10-koepfigen Vorstand (oder Sprecherrat, wie es fast ueberall
heisst) nicht umgesetzt werden.

"Jede(r) kann machen, was er/sie will" bedeutet Freiheit und
Verantwortung beim eigenen Handeln. Auf einmal gab es Teams,
die sich mit der Erstellung von Buechern beschaeftigten und
selbstaendig Kontakte zu Verlagen aufnahmen (seitdem erscheint
z.B. der Taschenkalender "Jugend fuer Natur", diesjaehrige
Auflage: 17.500, der von Kindern und Jugendlichen (unter 25
Jahre) in Eigenregie erstellt wird). Das Prinzip "Jugendliche
schreiben fuer Jugendliche" (respektive Kinder, SchuelerInnen)
kam bei der Buchmesse vor einem Jahr gut an, weil viele
Jugendbuecher nicht jugendgemaess sind (allein vom Preis oder
von der Gestaltung her).

Jugendliche bauten ein eigenes Umwelt-Fotoarchiv auf, das
inzwischen von den ersten Verlagen (kosmos) genutzt wird, aber
auch Jugendgruppen und die Projekte, die sich mit Presse- und
Oeffentlichkeitsarbeit beschaeftigen, beliefert. Es gab auch
Aktionsteams wie fuer den DEA-Boykott oder die Radtour Rostock-Bremen.
Ich kann hier noch seitenweise gute Projekte und Aktionen
aufzaehlen.

Die Freiheit der Projekte war "eingeschraenkt" (in
Anfuehrungszeichen, weil ich das folgende als
selbstverstaendlich betrachte) dadurch, dass jaehrlich ein
Finanzplan erstellt werden musste (bei Bedarf und bei Neulingen
half ein erfahrenes Finanzteam mit) und dass bestimmte
"Eckpfeiler" einfach eingehalten werden mussten, z.B. Wahrung
der Menschenrechte oder Gewaltfreiheit. Wer sich nicht daran
hielt, konnte per definitionem die Naturschutzjugend nicht
vertreten. (Missbrauch des Namens ist nicht ausgeschlossen, aber
wenn jemand einem Verband schaden moechte, kann er auch
gefaelschte Mitteilungen in dessem Namen verbreiten o.ae.)

Das Besondere war, dass die Projekte in ihrem Bereich
eigenverantwortlich handelten. Alle anderen Projekte und der
Sprecherrat wurden zwar regelmaessig ueber den Stand der Dinge
informiert, aber z.B. wo und wie gross oder ob ueberhaupt das
Verbandslogo auf dem Kalendertitel erschien, war allein Sache
des Kalenderteams.

Durch die Projekt-Idee wurde die Menge der Aktiven um ein
Vielfaches groesser. Viele der "alten Funktionaere" waren immer
noch aktiv, arbeiteten aber nicht in Projekten mit. Aus diesem
Grund entstand schliesslich eine Art Glaubenskrieg zwischen der
Projektfraktion und den Alten. Auf dem letzten Bundeskongress
(Ostern '91) hat die Naturschutzjugend offiziell die
Projekt-Idee ad acta gelegt. Knapp ueber die Haelfte der
Stimmberechtigten fand das Ganze "zu unuebersichtlich", "nicht
kontrollierbar" oder "Da kann ja jeder kommen." Der Vorstand
sollte die alleinige Verantwortung uebernehmen und muss
deswegen auch alles kontrollieren.
In dem Kalenderbeispiel hiesse es, dass jede Seite vom Vorstand
abgesegnet werden muesste und dass bei
Meinungsverschiedenheiten der Kalender nicht erscheinen duerfte.
Nicht tragbar aus Sicht der Redaktion, schon aus der
Verpflichtung gegenueber dem Verlag. Sobald ein
Vorstandsmitglied mitarbeitet, darf es mitdiskutieren und ueber
die Zweifelsfaelle abstimmen, genau wie jedes andere
Redaktionsmitglied auch. Naja, es fand sich kein Konsens.

Seitdem gibt es bei der Naturschutzjugend deutliche Einbussen
der Aktivitaet (meiner Meinung nach). Die ueberlebensfaehigen
Projekte existieren weiter ausserhalb der Naturschutzjugend,
wobei das finanzielle Risiko jetzt bei Privatpersonen liegt
und Ueberschuesse nicht mehr in die Naturschutzjugend, sondern
in einen Fonds fuer neue Projekte (Startkapital) fliessen.
Die Projekte arbeiten mit allen moeglichen Verbaenden und
Organisationen zusammen, u.a. mit der Naturschutzjugend.
Schon wieder das leidige Kalenderbeispiel (das ich immer
anfuehre, weil ich selbst in der Redaktion bin): Dieses Jahr
gibt es 15 Mitherausgeber, darunter die bekannten
Jugendumweltverbaende, Naturfreundejugend, verschiedene
Pfadfinder, Waldjugend, Deutsche Jugendpresse, Gruene Liga.
Endlich ist das angefangen, was von einem Verband aus nur schwer
realisierbar war: eine Zusammenarbeit mit Umweltinteressierten
in allen anderen Verbaenden und mit denen, die nirgendwo
Mitglied sind.

Jedoch ist alles immer noch gepraegt von den zermuerbenden
Diskussionen und Frustration (auf beiden Seiten).

Na gut, genug gepredigt :-)

Marit

Marit Hansen, Jessstr. 25, DW-2300 Kiel, FRG --- ma...@tpki.toppoint.de

"Sie muessen die Lohnsteuerkarte z.B. aendern lassen, wenn die Gemeinde ...
eine hoehere Kinderzahl eingetragen hat, als Ihnen zusteht; ..."
-- Kleiner Ratgeber fuer alle Lohnsteuerzahler

Marit Hansen

unread,
Oct 24, 1991, 6:40:34 AM10/24/91
to
na...@uni-paderborn.de (Joerg Napp) writes:
>ma...@tpki.toppoint.de (Marit Hansen) writes:

>>Ich finde es vollkommen richtig, dass die Leute entscheiden, die
>>mitarbeiten. Und das ist bei Greenpeace nicht der Fall.

>Falsch.

Wahrscheinlich definiere ich "entscheiden" anders. Du sagst
unten selbst, dass Ihr in HH anfragen muesst, wenn es um
Beteiligung an Aktionen geht.

>Die Kontaktgruppen werden nicht "gegangelt", sondern haben
>bestimmte Richtlinien einzuhalten. Das finde ich auch in Ordnung.
>Diese Richtlinien scheinen auf den ersten Blick sehr eng zu sein,
>werden aber nich so gehandhabt.

Komisch. Es ist fast ueberall so, dass es "enge Richtlinien"
gibt, die nicht so gehandhabt werden. Wieso gibt es sie dann?
Oder wieso kann man nicht in Richtlinien ausdruecken, wie es
gehandhabt wird?

>>Mir ist von der Kontaktgruppe Kaltenkirchen bekannt, dass die
>>dort erst Schulungen bei Greenpeace absolvieren mussten, bevor
>>sie die Greenpeace-T-Shirts verkaufen durten.

>Interessant ist vielleicht, dass es dort gar keine Kontaktgruppe
>gibt!

Mein Informant ist ein frustrierter Greenpeacer aus
Kaltenkirchen. Kann gut sein, dass es dort keine Kontaktgruppe
gibt (sorry, ich war schlecht informiert); er hat wohl in HH
mitgemacht.

>>Bei verbandsuebergreifenden Umwelttreffen in Kiel sitzen die
>>Kieler Greenpeacer stumm dabei und zucken hoechstens bedauernd
>>mit den Schultern, wenn es darum geht, Stellung zu beziehen:
>>"Erst muessen wir in Hamburg fragen."

>Dann tun mir die Kieler leid...

Mir auch ...

>Wir muessen zwar Hamburg fragen, wenn es darum geht, sich bei
>einer bestimmten Aktion zu beteiligen, nicht aber, wenn es um
>Stellungnahmen geht. Wir haben auch eigene Koepfe!

Sic!

>>Aber meiner Meinung nach ist fuer eine engagierte Umweltarbeit
>>vor Ort wichtig, selbst Entscheidungen zu treffen. Greenpeace
>>ist fuer mich der Gigant, der die ueberregionalen Presseseiten
>>fuellt und durchaus was bewirken kann, aber nichts fuer die
>>konkrete Umweltarbeit im kleinen.

>So ist es. Na und? Dafuer koennen lokale BIs kaum sinnvole
>Umweltschutzarbeit zur Antarktis leisten.
>Ich finde diese Trennung (Arbeitsteilung oder wie immer Du es
>nennen willst) ausgesprochen sinnvoll.

Ich glaube, da sind wir uns einig.

Viele Gruesse,

Wolfgang Strobl

unread,
Oct 27, 1991, 7:07:23 PM10/27/91
to
wal...@mecky.UUCP (Walter Mecky) writes:

[...]


>< Dein Rundumschlag gegen Greenpeace und alle Autofahrer, insbesondere,
>< wenn sie Greenpeace unterstuetzen und dies auch kundtun, ist unange-
><

[...]


>Unangebracht? Wenn heute was unangebracht ist, dann ist es Autofahren.
>Und wenn Du auf das Autofahren auf dem Land bestehst, dann schraenke ich
>ein: Unangebracht ist das Autofahren in der Stadt.

Weder, noch. Oder auch: Sowohl als auch. Will sagen: ich finde ins-
besondere das Autofahren *in die Stadt* unangebracht. Wir Stadtbewohner
haben das zweifelhafte Vergnuegen und Privileg, den eigenen
Dreck zum grossen Teil auch selber einatmen zu duerfen. Dieses Regulativ
ist, auch aus Umweltgesichtpunkten, nicht zu verachten. Nur wirkt es
leider nicht auf all die Pendler und Durchfahrenden, deren Bestreben
es ist, die Stadt moeglichst schnell zu erreichen und auch wieder
zu verlassen, und die einen wesentlichen Teil der extremen durch
den motorisierten Verkehr verursachten Umweltbelastung in der
Stadt repraesentieren.

Ob und warum das Autofahren auf dem und ueber das Land, sowie der dazuge-
hoerige Strassenbau angebracht ist oder nicht, verdient durchaus - nicht
zuletzt aus Umweltgesichtspunkten - eine gesonderte Diskussion.

M.E. haben Landbewohner insbesondere durch ihren extremen und leicht
zu rechtfertigenden Autogebrauch einen wesentlich hoeheren akzeptierten
"Umweltverbrauch" als Stadtbewohner und bilden so einen hartnaeckigen
Widerstand gegen moegliche oekologische Erneuerungen. Gefoerdert
wird dies hauptsaechlich durch zwei Faktoren:
- sie leiden selber erst ganz zuletzt unter den angerichteten
Schaeden und
- dem Leben auf dem Lande laesst sich sehr leicht das oekologische
Maentelchen umhaengen, auch wenn das noch so unberechtigt ist.

Wolfgang Strobl

PS: Danke fuer die fundierte Unterstuetzung.

Wolfgang Strobl

unread,
Oct 28, 1991, 7:37:27 PM10/28/91
to
sl...@stoch.fmi.uni-passau.de (Bernd Sluka) schreibt
in Artikel <1991Oct17.1...@forwiss.uni-passau.de>:
< Im Artikel <59...@gmdzi.gmd.de> schreibt str...@gmdzi.gmd.de (Wolfgang Strobl):

< Ich glaube, Du verkennst die Situation etwas. Es gibt (leider) auch


< Leute, die auf ein Auto angewiesen sind.

Stimmt.

< Darunter auch viele umwelt-
< bewusste.

Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wer umweltbewusst ist, faehrt nicht
Auto, oder versucht es wenigstens nach Kraeften zu vermeiden.

Wer es vermeiden kann und trotzdem faehrt, ist - jedenfalls nach
meiner Definition - nicht umweltbewusst.

Ich finde, hier zeigt sich sehr deutlich die Schizophrenie in den
Koepfen vieler Umweltschuetzer, fuer die auch Greenpeace ein gut Teil
Verantwortung traegt. Waeren wirklich *viele* von denen, die auf
das Auto angewiesen sind - und das sind tatsaechlich viele - wirklich
umweltbewusst, so wuerden sie das sicherlich sehr bald aendern, und
waeren nach kurzer Zeit nicht mehr auf das Auto angewiesen. Leider
sind es aber eben doch nicht *viele*, sondern viel zu wenige.

< Um ein Beispiel zu nennen: Ich kenne einen Architekten, dessen
< Familie sogar fundamental oekologisch lebt und eingestellt ist, der aber
< aufgrund seines Berufs einfach ein Auto braucht.

Das schliesst sich gegenseitig aus. Wie kann jemand, der ein Auto
gebraucht, fundamental oekologisch leben? Oder hast Du deine Formulierung
mit Absicht so fein gedrechselt: *seine Familie* lebt oekologisch, und
ist sogar so eingestellt, er selber aber nicht?

Oder bedeutet "oekologisch leben" nur einfach, nicht sich selbst,
sondern andere zu vergiften?

Ganz im Ernst: es moege sich doch bitte jeder, der auf dem Lande
so fundamental oekologisch fuer sich hin lebt - oder faehrt - mal
fragen, wieviele Ausfallstrassen, Ortsdurchfahrten oder Ortsvorbei-
fahrten er regelmaessig benutzt.

Meinen Kindern ist es jedenfalls scheissegal, ob oder wieviele der rund
60.000 Landbewohner, die hier pro Tag mitten durch ein staedtisches
Wohngebiet fahren und dabei rund um die Uhr fuer Spitzenwerte an
Stickoxiden und Benzol in der Luft sorgen, fundamental oekologisch
leben. (Ich bitte die sprachliche Entgleisung zu entschuldigen, aber
bei manchen Argumenten kommt mir, mit Verlaub, das Kotzen.)

< Wie sollte er sonst die
< weit verstreuten Termine hier auf dem Land warnehmen koennen. Mit dem
< (praktisch) nicht vorhandenen oeffentlichen Nahverkehr? Oder etwa mit
< dem Taxi?

Kann ich nicht beurteilen, ich lebe in der Stadt, wo man praktisch
alle Termine, ob weit verstreut oder nicht, zu Fuss, per Bus oder Bahn,
mit dem Fahrrad oder per Taxi erreichen kann. Allerdings fahren auch
hier viele bei jeder Gelegenheit mit dem eigenen Auto. Sie haben - oder
nennen - die gleichen Gruende wie Du.

<
< Insbesondere hier auf dem Land kommt man ohne Auto nicht sehr weit.
< Oder denke an die nicht wenigen Gehbehinderten. Sollen die Radfahren?

Einer meiner Kollegen faehrt jeden Tag die gleiche, etwa 6 km lange
Strecke zur Arbeit wie ich. Dazu benutzt er ein Fahrrad mit nur einem
Pedal, weil er naemlich schwer gehbehindert ist. Die vielen *nicht*
Gehbehinderten koennten sich ein Beispiel daran nehmen.

<
< Dein Rundumschlag gegen Greenpeace und alle Autofahrer, insbesondere,
< wenn sie Greenpeace unterstuetzen und dies auch kundtun, ist unange-
< bracht.

Nun lass' doch mal die Kirche im Dorf. Ich habe ein hier gepostetes
laengliches Greenpeace-Flugblatt aus einem speziellen Blickwinkel - wie
haelt es Greenpeace mit den Autos - kommentiert und ausfuehrlich
begruendet, warum ich die Politik von Greenpeace, den Umweltverschmutzer
Auto nicht anzutasten fuer bedenklich halte.

Wenn eine solche ausfuehrlich untermauerte Detailkritik den Namen
"Rundumschlag" verdient, meinetwegen. Ich kann den Vorwurf nicht
zurueckgeben: Du hast es geschafft, in wenigen Zeilen all die billigen
Ausreden unreflektiert wiederzugeben, mit denen ueblicherweise ein
exzessiver Autogebrauch und auch noch die ueberfluessigste Fahrt
rechtfertigt wird. In aller Kuerze.

Zu den ueblichen Aktionen von Greenpeace habe ich mich nicht
geaeussert. Die, von denen ich bislang gelesen habe, halte ich
fuer gut.

Ich finde es peinlich, wenn man sich zu einem solchen Disclaimer
genoetigt fuehlen muss.

Wolfgang Strobl

Bernd Sluka

unread,
Oct 29, 1991, 12:01:58 PM10/29/91
to
Im Artikel <60...@gmdzi.gmd.de> schreibt str...@gmdzi.gmd.de (Wolfgang Strobl):
>< Ich glaube, Du verkennst die Situation etwas. Es gibt (leider) auch
>< Leute, die auf ein Auto angewiesen sind.
>
>Stimmt.
>
>< Darunter auch viele umwelt-
>< bewusste.
>
>Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wer umweltbewusst ist, faehrt nicht
>Auto, oder versucht es wenigstens nach Kraeften zu vermeiden.

Stimmt. Aber wo liegt da der Unterschied zu meiner Behauptung?

Ich sage, dass es Autofahrer gibt die umweltbewust sind. Du sagst, dass
es umweltbewusste Leute gibt, die Auto fahren.

>Wer es vermeiden kann und trotzdem faehrt, ist - jedenfalls nach
>meiner Definition - nicht umweltbewusst.

Nach meiner auch.

>< Um ein Beispiel zu nennen: Ich kenne einen Architekten, dessen
>< Familie sogar fundamental oekologisch lebt und eingestellt ist, der aber
>< aufgrund seines Berufs einfach ein Auto braucht.
>
>Das schliesst sich gegenseitig aus. Wie kann jemand, der ein Auto
>gebraucht, fundamental oekologisch leben? Oder hast Du deine Formulierung
>mit Absicht so fein gedrechselt: *seine Familie* lebt oekologisch, und
>ist sogar so eingestellt, er selber aber nicht?

Nein, eigentlich meinte ich die ganze Familie. Solch Spitzfindigkeiten
gebrauche ich nicht. Aber um auf das Thema zurueck zu kommen: Was kann
der Mann tun, wenn er eben in seinem Beruf nunmal ein Auto braucht? Soll
er den Beruf wechseln? Welche Alternativen schlaegst Du vor?

>< Insbesondere hier auf dem Land kommt man ohne Auto nicht sehr weit.
>< Oder denke an die nicht wenigen Gehbehinderten. Sollen die Radfahren?
>
>Einer meiner Kollegen faehrt jeden Tag die gleiche, etwa 6 km lange
>Strecke zur Arbeit wie ich. Dazu benutzt er ein Fahrrad mit nur einem
>Pedal, weil er naemlich schwer gehbehindert ist. Die vielen *nicht*
>Gehbehinderten koennten sich ein Beispiel daran nehmen.

Schoenes Einzelbeispiel! Da kann ich auch gleich gegenhalten. Ich kenne
jemanden, der nicht einmal amtlich gehbehindert zu nennen ist, der
aber aufgrund einer verletzungsbedingten chronischen Arthrose in den
Knien hier (wo es fast immer nur bergauf-bergab geht) kein Fahrrad
benutzen kann.

>< Dein Rundumschlag gegen Greenpeace und alle Autofahrer, insbesondere,
>< wenn sie Greenpeace unterstuetzen und dies auch kundtun, ist unange-
>< bracht.
>
>Nun lass' doch mal die Kirche im Dorf. Ich habe ein hier gepostetes
>laengliches Greenpeace-Flugblatt aus einem speziellen Blickwinkel - wie
>haelt es Greenpeace mit den Autos - kommentiert und ausfuehrlich
>begruendet, warum ich die Politik von Greenpeace, den Umweltverschmutzer
>Auto nicht anzutasten fuer bedenklich halte.

Du hast nicht nur gegen Greenpeace gewettert, sondern auch noch dabei
hintenherum gegen alle Leute geredet, die Greenpeace-Befuerworter sind
und ein Auto fahren. Du hast implizit jedem Autofahrer unterstellt,
dass er nicht umweltfreundlich eingestellt sein kann. Dagegen habe ich
mich gewandt.

Du hast dabei in die unterste Schublade gegriffen und im Prinzip dieselben
Argumente benutzt, wie andere "Umweltschuetzer-Gegener". Das kenne ich von
diversen Aktionen. Man wird z.B. gefragt "Besitzen Sie eine Geschirr-
spuelmsachine?" und wenn man das bejaht wird man, ohne dass auf eine
Erlaeuterung gewartet wird gleich als "Umweltverschmutzer" abgestempelt
und jegliche Kompetenz in Sachen "Umwelt" abgesprochen. Ganz aehnlich
bist Du vorgegangen.

>Wenn eine solche ausfuehrlich untermauerte Detailkritik den Namen
>"Rundumschlag" verdient, meinetwegen. Ich kann den Vorwurf nicht
>zurueckgeben: Du hast es geschafft, in wenigen Zeilen all die billigen
>Ausreden unreflektiert wiederzugeben, mit denen ueblicherweise ein
>exzessiver Autogebrauch und auch noch die ueberfluessigste Fahrt
>rechtfertigt wird. In aller Kuerze.

Du verkennst, dass das keine Ausreden sind, sondern leider Tatsachen.
Gut, sie koennen als Ausreden gebraucht werden, aber es ist nunmal
so, dass die Abhaengigkeit vom Auto da ist. Sie hat sich erst durch
das Auto in den letzten Jahrzehnten entwicklen koennen und kann auch
nicht so einfach abgebaut werden. Im Gegenteil, solange Verkehrspolitik
so wie jetzt betrieben wird, duerfte die Abhaengigkeit weiter steigen.

Ich denke, uns beiden ist klar, dass diese Entwicklung gestoppt und
umgekehrt werden muss.

>Ich finde es peinlich, wenn man sich zu einem solchen Disclaimer
>genoetigt fuehlen muss.

dito

>Wolfgang Strobl

Wolfgang Strobl

unread,
Nov 5, 1991, 6:43:36 PM11/5/91
to
sl...@stoch.fmi.uni-passau.de (Bernd Sluka) writes:

>Im Artikel <60...@gmdzi.gmd.de> schreibt str...@gmdzi.gmd.de (Wolfgang Strobl):
>>sl...@stoch.fmi.uni-passau.de (Bernd Sluka) schreibt
>>in Artikel <1991Oct17.1...@forwiss.uni-passau.de>:
>>
>>< Ich glaube, Du verkennst die Situation etwas. Es gibt (leider) auch
>>< Leute, die auf ein Auto angewiesen sind.
>>
>>Stimmt.
>>
>>< Darunter auch viele umwelt-
>>< bewusste.
>>
>>Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wer umweltbewusst ist, faehrt nicht
>>Auto, oder versucht es wenigstens nach Kraeften zu vermeiden.

>Stimmt. Aber wo liegt da der Unterschied zu meiner Behauptung?

>Ich sage, dass es Autofahrer gibt die umweltbewust sind. Du sagst, dass
>es umweltbewusste Leute gibt, die Auto fahren.

Mit der Anwendung der symbolischen Logik muss man im wirklichen Leben
recht vorsichtig sein, man kann damit hereinfallen.

Es gibt einen alten Scherz, mit dem - so habe ich gehoert -
insbesondere Statistiker gerne ihre Kollegen von der reinen
Mathematik aufziehen:

Ein Ornithologe hat sich die Aufgabe gestellt, nachzuweisen,
dass alle Raben schwarz sind. Nun ist er nicht besonders gut
zu Fuss und moechte deshalb um die eigentlich notwendigen
Exkursionen ins Gruene - Raben zaehlen - herumkommen. Ein
Kollege von der Mathematik hat ihm kuerzlich ein Buch ueber
elementare Aussagenlogik in die Hand gedrueckt, und darin
hat er gerade erst gelesen, dass die beiden Aussagen
"aus A folgt B" und "aus nicht A folgt nicht B" gleichbedeutend,
aequivalent sind. Das gedenkt er auf sein Problem anzuwenden.

Was will er beweisen? Alle Raben sind schwarz. Also: wenn
etwas ein Rabe ist, dann ist es schwarz. Ich laufe also
herum, suche Raben und schaue nach, ob sie schwarz sind,
um so meine Theorie zu ueberpruefen, denkt er sich.

Genausogut, so ueberlegt er, koennte ich natuerlich auch die
aequivalente Aussage: wenn etwas nicht schwarz ist, dann
ist es auch kein Rabe, beweisen.

Nichts leichter als das, schliesst er, und lehnt sich gemuetlich
in seinem Stuhl zurueck, das haben wir gleich. Und er schaut
sich in seinem Zimmer um. Da ist zum Beispiel sein Studiertisch,
der ist rotbraun angestrichen. Bei naeherer Inspektion stellt
sich heraus, er ist auch, in der Tat, kein Rabe.

Und so traegt unser Ornithologe Steinchen um Steinchen zusammen,
um seine Theorie zu belegen - ohne auch nur einen Fuss vor die
Tuer zu setzen.

>>Wer es vermeiden kann und trotzdem faehrt, ist - jedenfalls nach
>>meiner Definition - nicht umweltbewusst.

>Nach meiner auch.

Ich denke, wir sollten diesen Streit beenden. Ueber die grundlegenden
Fakten und die daraus zu ziehenen Schlussfolgerungen sind wir vermutlich
wohl einer Meinung.

Unterschiedlich sind wir in unserer Beurteilung eines Autos mit dem
bekannten Greenpeace-Autoaufkleber. Du siehst den Aufkleber, ich
das Auto. Jeder zusaetzliche Aufkleber auf einem Auto ist, wenn
ich Dich richtig verstanden habe, ein Schritt hin zum Besseren.

Ich bin der gegenteiligen Meinung. Das Auto ist m.E. nicht dazu
geeignet, Umweltbewusstsein zu demonstrieren. Und jedes Auto
weniger unter einem Greenpeace-Aufkleber ist ein Schritt in
die richtige Richtung, imho.

>>< Um ein Beispiel zu nennen: Ich kenne einen Architekten, dessen
>>< Familie sogar fundamental oekologisch lebt und eingestellt ist, der aber
>>< aufgrund seines Berufs einfach ein Auto braucht.
>>
>>Das schliesst sich gegenseitig aus. Wie kann jemand, der ein Auto
>>gebraucht, fundamental oekologisch leben? Oder hast Du deine Formulierung
>>mit Absicht so fein gedrechselt: *seine Familie* lebt oekologisch, und
>>ist sogar so eingestellt, er selber aber nicht?

>Nein, eigentlich meinte ich die ganze Familie. Solch Spitzfindigkeiten
>gebrauche ich nicht. Aber um auf das Thema zurueck zu kommen: Was kann
>der Mann tun, wenn er eben in seinem Beruf nunmal ein Auto braucht? Soll
>er den Beruf wechseln? Welche Alternativen schlaegst Du vor?

Ich schlage zunaechst mal vor, auf das Etikett "lebt fundamental
oekologisch" und den Ablasszettel (Greenpeaceaufkleber) auf dem
Auto zu verzichten. Alternativen zum eigenen umweltschaedlichen
Verhalten muss jeder fuer sich selber suchen, Moeglichkeiten
gibt es genug.

Aber man sollte vermeiden, sich bei fehlgeschlagener Suche trotzdem
das Etikett "besonders umweltbewusst" zu verleihen oder verleihen
zu lassen, mit der Begruendung, man wollte ja, wenn man nur koennte.

Schliesslich kommt ja auch keiner auf die Idee, die Giftmuell-
deponien mit blauen Umweltengeln zuzukleben, weil: "uns ist beim
besten Willen kein anderer Platz fuer das Zeug eingefallen. Wo
sollen wir es denn hintun?"

>>< Insbesondere hier auf dem Land kommt man ohne Auto nicht sehr weit.
>>< Oder denke an die nicht wenigen Gehbehinderten. Sollen die Radfahren?
>>
>>Einer meiner Kollegen faehrt jeden Tag die gleiche, etwa 6 km lange
>>Strecke zur Arbeit wie ich. Dazu benutzt er ein Fahrrad mit nur einem
>>Pedal, weil er naemlich schwer gehbehindert ist. Die vielen *nicht*
>>Gehbehinderten koennten sich ein Beispiel daran nehmen.

>Schoenes Einzelbeispiel! Da kann ich auch gleich gegenhalten. Ich kenne
>jemanden, der nicht einmal amtlich gehbehindert zu nennen ist, der
>aber aufgrund einer verletzungsbedingten chronischen Arthrose in den
>Knien hier (wo es fast immer nur bergauf-bergab geht) kein Fahrrad
>benutzen kann.

Sagt ein Richter zum Angeklagten: "Ich kann ihnen zwei Zeugen herein-
rufen, die gesehen haben, dass Sie sich am Donnerstag abend in ver-
daechtiger Weise am Nachttresor der Stadtsparkasse zu schaffen gemacht
haben". Darauf der Angeklagte: "Aber Herr Richter, das beweist doch
garnichts. Ich kann Ihnen hunderte von Zeugen bringen, die mich
an diesem Abend *ueberhaupt nicht* gesehen haben!".

Was soll das? Die meisten Autofahrer sind nicht gehbehindert,
und selbst von den Gehbehinderten fahren durchaus - und das sollte
mein Einzelbeispiel belegen - manche auch groessere Strecken mit dem
Fahrrad. Die jedenfalls koennen *nicht* als Ausrede fuer das
Autofahren herhalten.

>>< Dein Rundumschlag gegen Greenpeace und alle Autofahrer, insbesondere,
>>< wenn sie Greenpeace unterstuetzen und dies auch kundtun, ist unange-
>>< bracht.
>>
>>Nun lass' doch mal die Kirche im Dorf. Ich habe ein hier gepostetes
>>laengliches Greenpeace-Flugblatt aus einem speziellen Blickwinkel - wie
>>haelt es Greenpeace mit den Autos - kommentiert und ausfuehrlich
>>begruendet, warum ich die Politik von Greenpeace, den Umweltverschmutzer
>>Auto nicht anzutasten fuer bedenklich halte.

>Du hast nicht nur gegen Greenpeace gewettert, sondern auch noch dabei
>hintenherum gegen alle Leute geredet, die Greenpeace-Befuerworter sind
>und ein Auto fahren. Du hast implizit jedem Autofahrer unterstellt,
>dass er nicht umweltfreundlich eingestellt sein kann. Dagegen habe ich
>mich gewandt.

Ich habe in der Tat gegen Greenpeace gewettert, dass man lange Jahre
den Blick weit in die Ferne gerichtet und dabei das Auto und
die Umweltschaeden, die es anrichtet, weitgehend ignoriert habe.

Man hat damit vielen Leuten den dauerhaften Eindruck vermittelt,
Umweltschutz und Autofahren liessen sich problemlos miteinander
vereinbaren. Wem man dies nun vorwirft - Greenpeace, die es
eigentlich besser haetten wissen muessen, oder den Autofahrern,
die gerne auf diesen Wunschtraum hereingefallen sind, ist ganz egal.

Mit dem angerichteten Schaden - genauer, mit dem nicht verhinderten
Schaden - werden wir alle leben muessen.

>Du hast dabei in die unterste Schublade gegriffen und im Prinzip dieselben
>Argumente benutzt, wie andere "Umweltschuetzer-Gegener".

In die unterste Schublade wuerde ich z.B. das obige Adjektiv "hintenherum"
einsortieren. Erstens habe ich das wirklich nicht verdient - ich habe
meine Meinung doch ziemlich deutlich zum Ausdruck gebracht, denke ich.

Zum zweiten sind Deine Anwuerfe dieser Art ("Rundumschlag", "hintenherum",
"Umweltschuetzer-Gegner") allesamt etwas anruechig. Statt zu argumentieren,
heftest Du mir diese Etiketten an. Irgendetwas wird schon kleben bleiben.
Muss das sein?

> Das kenne ich von
>diversen Aktionen. Man wird z.B. gefragt "Besitzen Sie eine Geschirr-
>spuelmsachine?" und wenn man das bejaht wird man, ohne dass auf eine
>Erlaeuterung gewartet wird gleich als "Umweltverschmutzer" abgestempelt
>und jegliche Kompetenz in Sachen "Umwelt" abgesprochen. Ganz aehnlich
>bist Du vorgegangen.

Nein, bin ich nicht. Und auch dieses Beispiel zeigt, dass Du, trotz
besseren Wissens, das Problem verkennen willst.

Im Falle der Geschirrspuelmaschine handelt es sich darum, dass es
fuer eine Notwendigkeit des taeglichen Lebens - naemlich das Geschirr
wieder sauber zu bekommen - mehrere Loesungen, eine einfache, per Hand
spuelen, und eine technische Loesung, die Geschirrspuelmaschine, gibt.

Beim Vergleich unter Umweltgesichtspunkten faellt zunaechst auf, dass
eine Geschirrspuelmaschine unter gewissen Bedingungen mit weniger Wasser
und Energie - bei evtl. etwas hoeherem Chemikalienverbrauch - auskommt,
als das Spuelen von Hand. Allerdings muss eine Geschirrspuelmaschine
auch hergestellt werden. Andererseits haelt sie recht lange und spart
evtl. ueber diesen Zeitraum den anfaenglichen Verlust and Arbeit, Material
und, natuerlich, Umwelt wieder ein. Dies funktioniert natuerlich nur, wenn
durch die Maschine nicht ploetzlich viel mehr gespuelt wird.

Nun ist dies bei einer Geschirrspuelmaschine wohl in gewissen Umfang
schon der Fall, aber dies ist doch ziemlich begrenzt: die Anzahl der
Teller, die man bei einer Mahlzeit benutzen kann, haelt sich i.d.R.
schon aus Platzgruenden im Rahmen, und die Anzahl der Mahlzeiten pro
Tag laesst sich schon aus Zeitgruenden kaum ueber ein halbes Dutzend
steigern.

Durch den Kontext, in dem Du dieses Beispiel gebracht hast,
liegt die Analogie zum Auto nahe. Nur ist hier alles ganz anders.

Das Auto als Loesung des Mobilitaetsproblems ist naemlich gegenueber
den anderen mehr oder weniger technischen Loesungen (Fahrrad,
zu Fuss gehen, Wege besser organisieren) in extremer Weise
umweltschaedlich. Schon hier ist also gar nichts mehr abzuwaegen.
Es kommt hinzu, dass der Gebrauch des Autos i.d.R. erst einen grossen
Teil des Bedarfs schafft, und dass er fast beliebig steigerbar ist.

Was also willst Du mit diesem Bespiel sagen?

>>Wenn eine solche ausfuehrlich untermauerte Detailkritik den Namen
>>"Rundumschlag" verdient, meinetwegen. Ich kann den Vorwurf nicht
>>zurueckgeben: Du hast es geschafft, in wenigen Zeilen all die billigen
>>Ausreden unreflektiert wiederzugeben, mit denen ueblicherweise ein
>>exzessiver Autogebrauch und auch noch die ueberfluessigste Fahrt
>>rechtfertigt wird. In aller Kuerze.

>Du verkennst, dass das keine Ausreden sind, sondern leider Tatsachen.

Gute Ausreden beruhen immer auf Tatsachen. So auch diese.

>Gut, sie koennen als Ausreden gebraucht werden, aber es ist nunmal
>so, dass die Abhaengigkeit vom Auto da ist. Sie hat sich erst durch
>das Auto in den letzten Jahrzehnten entwicklen koennen und kann auch
>nicht so einfach abgebaut werden. Im Gegenteil, solange Verkehrspolitik
>so wie jetzt betrieben wird, duerfte die Abhaengigkeit weiter steigen.

Durch die Verkehrspolitik, sicherlich. Bei den Leuten, jedenfalls
in den Staedten scheint sich aber doch langsam und stetig ein
zaeher Widerstand gegen die Autolawine breitzumachen. Leider muss
man sagen, dass daran Greenpeace ganz und gar unschuldig war.
Ausser man ist zynisch veranlagt.

Auf jeden Fall muss, wie bei jeder Droge, der Abhaengige auch hier die
meiste Arbeit tun, wenn er wieder von der Droge herunterkommen
will.

>Ich denke, uns beiden ist klar, dass diese Entwicklung gestoppt und
>umgekehrt werden muss.

Ja.

>>Ich finde es peinlich, wenn man sich zu einem solchen Disclaimer
>>genoetigt fuehlen muss.

>dito

Wieso? Ich habe Dir keinen Vorwurf gemacht, der Dich zu einem Disclaimer
veranlassen muesste. Und Du hast auch keinen von Dir gegeben.

Wolfgang Strobl

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