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DER STACHEL: CC-Pass - Spass mit Risiko (electr.cash)

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Michael Uhlemann

unread,
Sep 26, 1991, 7:30:46 AM9/26/91
to

O l d e n b u r g e r

S T A C H E L

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Politik und Kultur in Oldenburg und Umgebung Auszug aus Nr. 9/91
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Der CC-Pass - Spass mit Risiko

Seit dem 1. September ist es in Oldenburg moeglich, bargeldlos buszufahren und
spaeter auch bargeldlos einzukaufen, was durch das "electronic cash"-System,
in Oldenburg in Form des CC-Passes ermoeglicht wird. Die Handhabung des
CC-Passes ist denkbar einfach: Beim Busfahren wird der CC-Pass beim Ein- und
Aussteigen und im Geschaeft an der Kasse in den Kartenleser gesteckt, der
registriert, wer wieviel Geld zu bezahlen hat. Die entsprechende Firma zieht
die Betraege dann vom Konto der BenutzerInnen ein. Manche Firmen locken mit
Sparangeboten. So wirbt z.B. die V.W.G damit, dass sich die KundInnen
keine Gedanken mehr ueber Tarifgrenzen und den guenstigsten Tarif machen
muessen, da bei der Abrechnung am Monatsende jeweils der guenstigste Tarif
berechnet wird.

Dieses neue System klingt sehr praktisch, verleitet jedoch zum vermehrten
Geldausgeben, denn der/die KundIn sieht nicht mehr, was er/sie fuer die Ware
oder die Dienstleistung ausgibt.Der Bezug zum Geldwert geht verloren.
Dadurch koennte die Verschuldung von Einzelpersonen in Zukunft staerker
zunehmen.

Problematisch ist ebenso das grosse Vertrauen in die Unfehlbarkeit der
Technik, die in Wirklichkeit alles andere als perfekt ist. Defekte und Fehler
bei der Verarbeitung der CC-Passdaten, die den Geldbeutel empfindlich treffen
koennen, sind schwer beweisbar und werden dem/r KundIn eur Last gelegt.

Die groesste Gefahr duerfte aber in der Natur der elektronischen Datenerhebung
selbst liegen. Beim Einschieben der Karte in den Kartenleser im Bus werden
Karteninhaber (oder die Kartennummer), das Datum, die Uhrzeit, die Einsteige-
und Zielhaltestelle registriert, beim Einkauf wer was wann wo fuer wieviel
gekauft hat. Diese Informationen muessen zentral gesammelt werden, damit die
V.W.G. oder das Geschaeft spaeter ggf. Spartarifangebote oder Verguenstigungen
berechnen und das Geld vom KundInnenkonto einziehen kann . Es sind also alle
persoenlichen Fahrt- und Einkaufsdaten zentral gespeichert und grundsaetzlich
vollstaendig (d.h. mit Namen) verfuegbar. Die Verwendungsmoeglichkeiten sind
vielschichtig: Es koennen nicht nur Fahrgaststatistiken erhoben werden,
aufgrund derer Fahrplaene erweitert oder gekuerzt werden koennen, sondern es
besteht leider auch die Gefahr, dass die Daten an andere Stellen weitergegeben
werden (heute zwar illegal, aber ohne Aufsehen zu erregen moeglich, denn
Datenweitergabe hinterlaesst keine Spuren), was heute bereits mit Adressen (wer
hat noch nie Werbepost von unbekannten Firmen bekommen), Einwohnermeldeamt,
aber auch mit KFZ-, Schufa und sogar mit Volkszaehlungsdaten geschieht.
KFZ-Daten werden z.B. an das Kreiswehrersatzamt weitergegeben, das die
Fahrzeuge fuer Verteidigungsfaelle einplant und der Verfassungsschutz bekommt
Daten von der Schufa. Wer kann garantieren, dass die Weitergabe der
"CC-Pass-Daten" wirklich unterbleibt?

Besonders interessant koennten die CC-Pass-Daten fuer Werbestrategen, Polizei,
Auslaenderbehoerden, Verfassungsschutz und andere Aemter sein, denn mit den
Informationen koennen schnell und einfach einzelne Menschen ueberprueft und ihre
Lebensgewohnheiten abgelesen und analysiert werden. Dieses sind zunaechst
einmal >nur< Moeglichkeiten, deren Realisation jedoch technisch kaum Probleme
bereitet. Vorraussetzung dafuer ist eine rege Teilnahme am CC-Pass, der
in Oldenburg gerade als Pilot-Projekt laeuft und sich erst rentieren muss. Noch
hat die Gesellschaft, und damit jedeR einzelne, die Chance, sich zu ueberlegen,
ob sie dieses Risiko eingehen will.


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Der Oldenburger Stachel ist eine Zeitung ueber Kultur und Politik in OL.
Erhaeltlich in alternativen Laeden und ueber E-Mail an mich mit dem Sub-
ject: "-Stachel-".

Werner Icking

unread,
Sep 30, 1991, 5:37:03 AM9/30/91
to
Michael....@arbi.informatik.uni-oldenburg.de (Michael Uhlemann) writes:
(als Zitat aus STACHEL - Oldenburg):

>Problematisch ist ebenso das grosse Vertrauen in die Unfehlbarkeit der
>Technik, die in Wirklichkeit alles andere als perfekt ist. Defekte und Fehler
>bei der Verarbeitung der CC-Passdaten, die den Geldbeutel empfindlich treffen
>koennen, sind schwer beweisbar und werden dem/r KundIn eur Last gelegt.

Ich habe schon seit laengerer Zeit keine E(uro)C(heck)-Karte mehr, da sie
meines Erachtens mehr kostet, als sie mir wert ist. Insbesondere als
Bargeldkarte lehne ich sie ab, da im Fehlerfall die Beweislast allein beim
Kunden liegt. Auf der Karte wird naemlich nur das Datum der LETZTEN Benutzung
festgehalten, so dasz eine durch einen Fehler oder eine Manipulation
angebliche Bargeldabhebung zumindest durch die Daten auf der Karte nicht
als falsch bewiesen werden kann (wenn die Karte danach benutzt wurde).

Im Uebrigen sind Kontokarten, die man als Kunde dann als Ersatz angeboten
bekommt, um z.B. an seine Kontoauszuege zu kommen, noch unsicherer, da
sie ohne PIN als "Ausweis" akzeptiert werden. Dies geschieht z.B. bei
Barabhebungen bei der Siegburgere Volksbank. Als ich 5000.- DM abheben
wollte, muszte ich von der Kasse zurueck zum Tresen, damit jemand einen
Haken auf den Auszahlungsschein machte. Haette ich eine Kontokarte vorgezeigt,
waere die Auszahlung sofort vonstatten gegangen, sofern nur die Unterschriften
uebereingestimmt haetten - was ja auch bei einer "gefundenen" Kontokarte
kein groszes Problem gewesen waere - allerdings eine Straftat.
--
Werner Icking ick...@gmdzi.gmd.de (+49 2241) 14-2443
Gesellschaft fuer Mathematik und Datenverarbeitung mbH (GMD)
Schloss Birlinghoven, P.O.Box 1240, D-5205 Sankt Augustin 1, FRGermany
"Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod."

Andreas Bewersdorff

unread,
Oct 1, 1991, 1:20:20 PM10/1/91
to
Hallo !

In <57...@gmdzi.gmd.de>, Werner Icking writes:
() Ich habe schon seit laengerer Zeit keine E(uro)C(heck)-Karte mehr, da sie
() meines Erachtens mehr kostet, als sie mir wert ist. Insbesondere als
() Bargeldkarte lehne ich sie ab, da im Fehlerfall die Beweislast allein beim
() Kunden liegt.

Bisher war es normalerweise moeglich, sich auch eine EC-Karte ohne den
Magnetstreifen und/oder ohne Geheimzahl geben zu lassen. Ab sofort geht
das zumindest bei der Post nicht mehr !!! Dort gibt es jetzt nur noch
die Alternativen 'mit Streifen und Code' oder gar keine Karte mehr.
Immerhin rufen sie bei Kunden an, die keinen Streifen haben wollten und
fragen, was sie jetzt tun sollen. Einen Rat haben sie auch : Sobald
man die Karte bekommt, solle man den Streifen zerkratzen und die
Geheimzahl ungelesen vernichten. Der Streifen sei leicht unbrauchbar
zu machen, da er nur duenn und sehr empfindlich gegen Beschaedigungen
sei und aeusserst leicht durch Magnetfelder geloescht werden koenne.

mfG Andreas

--
"Sind Sie Tourist?" - "Nein, ich bin zum Vergnuegen hier!" -- Octopussy
--
Andreas Bewersdorff, D - W 1000 Berlin 12, Germany, Europe, Terra
an...@akb.in-berlin.de (an...@netmbx.uucp,a...@opal.cs.tu-berlin.de)

Michael Niermann

unread,
Oct 2, 1991, 3:51:26 AM10/2/91
to
an...@akb.in-berlin.de (Andreas Bewersdorff) writes:
>fragen, was sie jetzt tun sollen. Einen Rat haben sie auch : Sobald
>man die Karte bekommt, solle man den Streifen zerkratzen und die
>Geheimzahl ungelesen vernichten. Der Streifen sei leicht unbrauchbar
>zu machen, da er nur duenn und sehr empfindlich gegen Beschaedigungen
>sei und aeusserst leicht durch Magnetfelder geloescht werden koenne.
Faellt das nicht unter Sachbesschaedigung? Die Karte bleibt schliesslich
Eigentum der ausgebenden Bank etc.
Ausserdem hilft das ungelesene Vernichten der Geheimzahl nix weil als
Beweis unbrauchbar. Und wie leicht man den Magnetstreifen manipulieren
kann, sollte eigentlich jeder wissen.

Tschau, Michael
--
MAIL: Michael....@arbi.Informatik.Uni-Oldenburg.DE | ARBI: murray@gimli
NorthNet: mur...@sol.ccc.de | Bitnet: 148...@DOLUNI1.Bitnet | irc: Murray
Michael Niermann | Ammerlaender Heerstr. 389 | D-2900 Oldenburg | 0441/776342
-=#* Some people make the world more special just by being in it! *#=-

Werner Icking

unread,
Oct 7, 1991, 6:44:11 AM10/7/91
to
an...@akb.in-berlin.de (Andreas Bewersdorff) writes:

>fragen, was sie jetzt tun sollen. Einen Rat haben sie auch : Sobald
>man die Karte bekommt, solle man den Streifen zerkratzen und die
>Geheimzahl ungelesen vernichten. Der Streifen sei leicht unbrauchbar

Also bei Banken ist wohl der bessere Rat, den Umschlag mit der Geheimzahl
erst gar nicht anzunehmen und dies aktenkundig zu machen. Mir stinkt dann
dennoch, dasz ich an einem solchen System teilnehmen soll, das einen so hohen
Anreiz zu Kriminalitaet bietet. Auch daher meine Ablehnung der EC-Karte.

Bernd Sluka

unread,
Oct 7, 1991, 10:39:46 AM10/7/91
to
Im Artikel <13...@sol.ccc.de> schreibt mur...@sol.ccc.de (Michael Niermann):

>an...@akb.in-berlin.de (Andreas Bewersdorff) writes:
>>fragen, was sie jetzt tun sollen. Einen Rat haben sie auch : Sobald
>>man die Karte bekommt, solle man den Streifen zerkratzen und die
>>Geheimzahl ungelesen vernichten. Der Streifen sei leicht unbrauchbar
>>zu machen, da er nur duenn und sehr empfindlich gegen Beschaedigungen
>>sei und aeusserst leicht durch Magnetfelder geloescht werden koenne.
>Faellt das nicht unter Sachbesschaedigung? Die Karte bleibt schliesslich
>Eigentum der ausgebenden Bank etc.
>Ausserdem hilft das ungelesene Vernichten der Geheimzahl nix weil als
>Beweis unbrauchbar. Und wie leicht man den Magnetstreifen manipulieren
>kann, sollte eigentlich jeder wissen.

Besser ist, sich die Geheimzahl gar nicht erst aushaendigen zu lassen.
Dann hat die Bank keine Empfangs-Unterschrift von Dir und kann Dir daher
auch nie mit dem Argument kommen, Du haettest die Karte selber benutzt.
Zahlen darfst Du aber trotzdem die volle Gebuehr.

Zu dem Problem der Sachbeschaedigung: Sofern es Dir die Bankangestellten
vorschlagen, bzw. sogar selber die Karte zerkratzen, ist es bestimmt keine.
Im uebrigen duerfte diese Sachbeschaedigung geringfuegig sein.

Ich habe einfach beim Empfang der Karte gesagt, dass ich die Automaten-
funktionen nicht nutzen will. Daraufhin habe ich auch nicht die Geheim-
nummer bekommen und mir wurde vorgeschlagen, den Streifen zu verkratzen
(zwei, dreimal diagonal genuegt).
--
Bernd Sluka Wer will,
Lehrstuhl fuer Stochastik dass die Welt so bleibt,
Fakultaet fuer Mathematik und Informatik wie sie ist,
Universitaet Passau der will nicht,
8390 Passau dass sie bleibt.
sl...@stoch.fmi.uni-passau.de (Erich Fried)

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