Aktionstag fuer eine BRD ohne Armee am 15. Mai 1992
Der 15. Mai ist traditionell ein antimilitaristischer
Aktionstag. Doch die schmerzvollen Erfahrungen des Jahres
1991 zeigten uns erneut, da. das Uebel der "Institution
Krieg" eng mit den anderen Menschheitsproblemen verknuepft
ist. Frieden und Erhalt der Umwelt sind nicht ohne Men-
schenrechte und gerechtes Wirtschaften moeglich.
Militaer hei.t auch Umweltzerstoerung
Die gewaltfrei erzwungenen Umbrueche in Osteuropa haben
bewiesen, was gewaltfreie Bewegungen erreichen koennen. So
schien 1990 eine Entmilitarisierung der Bundesrepublik
schon in greifbarer Zukunft moeglich zu sein: Die Feindbil-
der verfluechtigten sich, die die Verschwendung von all
dem rechtfertigen sollten, was an Rohstoffen und Know-how
z.B. zur Bewaeltigung der oekologischen Krise notwendig
waere. Au.erdem wurde in den neuen Bundeslaendern oeffent-
lich, was in der alten Bundesrepublik immer geleugnet
wurde: Die Armeen halten sich nur an wenige Umweltschutz-
verordnungen, hier wie dort. So hinterlie.en sie im Osten
riesige Umweltschaeden vor allem auf Truppenuebungsplaetzen,
deren Beseitigung noch zweistellige Milliardensummen ko-
sten wird.
Der Golfkonflikt hat jedoch viele Menschen wieder verun-
sichert. Alle Bemuehungen um Frieden am Golf scheiterten
an der Machtpolitik der Kontrahenten, die versuchten,
jedes Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele zu rechtferti-
gen. Die miliaerischen Drohungen der Aliierten verfehlten
genauso ihr Ziel, wie der Versuch Husseins, mit der
Androhung unabsehbarer Umweltkatastrophen von einem An-
griff abzuschrecken. Die Eigendynamik, mit der der Trup-
penaufmarsch zum Krieg draengte, zeitgte dabei beispiel-
haft, da. der Weg der Gewalt auch Verlust der politischen
Entscheidungsfreiheit bedeutet.
Militaer zementiert weltweite Ungerechtigkeit
Dieser Krieg war ein Krieg, der von den noerdlichen
Industrienationen gegen ein Land der benachteiligten Zwei-
drittelwelt gefuehrt wurde. Trotz der fragwuerdigen Legiti-
mation des Militaereinsatzes durch die UNO und auch wenn
das Regime in Bagdad Menschen- und Voelkerrecht mit Fue.en
trat und noch tritt - es war ein Krieg der Reichen gegen
ein armes Land. Die Rohstoffinteressen der Industrie-
laender waren wichtige Kriegsgruende. Sie mahnen uns, kuenf-
tige Auseinandersetzungen um Rohstoffe und Maerkte nicht
auf die leichte Schulter zu nehmen. Zusaetzlich wurde hier
deutlich, wie verbrecherisch unsere Ruestungsexporte sind,
die dies alles ermoeglicht haben. Sie fuehren auch weiter-
hin zu Konflikten, da sie zu 30% zur Uberschuldung der
Laender der Zweidrittelwelt beitragen. Dieser Handel mu.
eingestellt werden, was schlie.lich auch bedeutet, unsere
gesamte Ruestungsindustrie auf umzustellen: Nur wo Produk-
te hergestellt werden, die der Gesellschaft und der Natur
Nutzen bringen, koennen Arbeitsplaetze langfristig gesi-
chert werden.
Militaer foerdert Nationalismus
Waehrend das Fruehjahr '91 zeigte, welche Umweltkatastro-
phen und welches menschliche Leid eine militaerische
"Konfliktloesung" mit sich bringen kann, wurden uns im
Herbst die Zusammenhaenge zwischen Nationalismus und Ge-
waltanwendung vor Augen gefuehrt: In Jugoslawien wurden
nationalistische Gefuehle so aufgestachelt, da. Krieg zwi-
schen den ethnischen Gruppen moeglich wurde, die vorher
gut zusammen gelebt hatten. Mit dem massiven Einsatz der
Militaers verschlimmerte sich alles. Nun stellen wir mit
Erschrecken fest, da. in einer Region Krieg tobt, die den
Muenchnern naeher ist als Berlin.
Doch auch vor unserer Haustuer fuehrt Nationalismus zur
Gewalt: Immer wieder wurden Fluechtlingsheime von Neonazis
angegriffen. Diesen Gewalttendenzen in unserer eigenen
Gesellschaft stellen wir uns entgegen, und weisen dabei
darauf hin, da. gerade durch die Bundeswehr nationale
Denkschemata, Hierarchen und Gewaltbereitschaft gefoerdert
und geuebt werden.
Gewaltfreiheit als Alternative
Das gro.e hoffnungsstiftende Ereignis des Jahres war die
Bezwingung des Putsches in der Sowjetunion im August
durch die gewaltfreie Bewegung. Die Gefahr der Reaktion,
die jedem gesellschaftlichen Umwaelzungsproze. in Gestalt
des Militaers entgegentreten kann, wurde durch mutigen
gewaltfreien Widerstand gebannt. Die Aktionsformen, die
dabei von der Moskauer Bevoelkerung angewandt wurden,
hatte sie von anderen gewaltfreien Bewegungen wie z.B. im
Baltikum gelernt. So zeigt sich, da. auch Gewaltfreiheit
"ansteckend" sein kann.
Damit erhalten auch die vielfaeltigen spontanen Aktionen
der Friedensbewegung gegen den Golfkrieg einen weiteren
Sinn. Sie waren fuer viele Menschen ein Lernfeld und
bergen Moeglichkeiten fuer weitere Konflikte in sich. Dabei
gilt es, Verbindungen auch ueber Grenzen hinweg zu knuep-
fen. So war es z.B. fuer Friedensgruppen in Kroation und
Belgrad sehr wichtig, von Trainern und Trainerinnen fuer
Gewaltfreie Aktion aus Deutschland unterstuetzt zu werden.
Bundesrepublik ohne Armee statt "Bundeswehr out of area"!
Solche Erfahrungen mit gewaltfreien Strategien werden wir
auch fuer die kommenden Konflikte in unserem Land brauchen.
Im Jahr vor der Einfuehrung der Wirtschafts- und
Waehrungsunion in Europa wird von den Regierenden versucht
werden, neue Gewaltstrukturen festzuschreiben.
Dazu gehoert die Grundgesetzaenderung mit dem Ziel, Bundes-
wehrsoldaten in aller Welt (out of area) einsetzen zu
koennen. Unabhaengig davon, ob dies zuerst nur im Rahmen
von leichtbewaffneten Einheiten wie den "UN- Blauhelmen"
geschieht, wird dadurch die Tuer zur deutschen Beteiligung
an Kriegen aufgesto.en, die wirklich nichts mehr mit
unserer "Verteidigung" zu tun haben. Der Vorwand, militae-
risch fuer Gerechtigkeit eintreten zu wollen, wird schon
dadurch widerlegt, da. die BRD seit langem gegen alle
Bemuehungen Widerstand leistet, zu mehr Gerechtigkeit in
der Weltwirtschaftsordnung zu gelangen.
Die andere Seite ist die Gewalt, die Fluechtlingen ange-
tan wird, nicht nur hier in unserem Land, sondern auch,
indem sie an den Grenzen abgewiesen werden. Gerade weil
wir so im Ueberflu. schwelgen, haben wir kein Recht,
Menschen abzuweisen, die aus politischen oder wirtschaft-
lichen Notlagen zu uns kommen. Mit der BoA- Kampagne
streben wir ein offenes Haus und keine Festung Europa an.
Wir streben eine Gesellschaft an, in der niemand mehr
wegen seines Geschlechts, Nationalitaet o.ae. benachteiligt
wird.
Dazu ist es ein wichtiger Schritt, die patriarchale
Institution des Militaers abzuschaffen: Mit Hilfe der Wehr-
pflicht traegt die Armee chauvinistische Verhaltensweisen
wie das Prinzip von Befehl und Gehorsam in die Gesell-
schaft hinein. Wir setzen dem unsere Erfahrungen mit
Basisdemokratie entgegen: Wir wollen, da. alle Menschen,
die von einer Entscheidung betroffen sind, auch mitent-
scheiden koennen. Dieses Prinzip ist eng mit dem Prinzip
der Gewaltfreiheit verwandt und ein Grundbaustein der
Bundesrepublik ohne Armee. Indem wir es bei unseren Aktio-
nen einueben, geben wir der neuen Gesellschaft schon jetzt
ein Stueck Wirklichkeit. Indem wir in unseren Konflikten
Methoden des gewaltfeien Widerstands einueben, gewinnen
wir Erfahrungen, um dann unsere ganze Gesellschaft gewalt-
frei (sozial) verteidigen zu koennen. So arbeiten wir
dafuer, da. der gewaltfreien Politik die Zukunft gehoert
gegenueber der Drohung mit Krieg, die nur zur Verhaertung,
aber nicht zur Loesung von Konflikten und Unrecht
beitraegt.
Deshalb rufen wir alle Menschen und Gruppen, die sich fuer
eine gerechte, menschliche und ueberlebensfaehige Gesell-
schaft einsetzen, zur Beteiligung am Aktionstag fuer eine
Bundesrepublik ohne Armee am 15. Mai 1992 auf!
Eric Bachman und Friedenskotten Lippinghausen e.V.
Milchstr. 81-83, E-Mail: E.BA...@Bionic.Zer.De
D-4901 Hiddenhausen FRIEDEN...@Bionic.Zer.De
Germany Tel.: +49 (0)5221 654 85
>Der 15. Mai ist traditionell ein antimilitaristischer
>Aktionstag. Doch die schmerzvollen Erfahrungen des Jahres
>1991 zeigten uns erneut, da. das Uebel der "Institution
>Krieg" eng mit den anderen Menschheitsproblemen verknuepft
>ist. Frieden und Erhalt der Umwelt sind nicht ohne Men-
>schenrechte und gerechtes Wirtschaften moeglich.
>Militaer hei.t auch Umweltzerstoerung
Ja, das ist sicherlich ein Problem. Da braeuchte man aber mal
Zahlen, die den Schaden, den die Bundeswehr anrichtet, im
Verhaeltnis zu anderen Zerstoerungen zeigt.
Denn es gibt einige Dinge, die der Umwelt schaden, die wir
nicht einfach abschaffen koennen/wollen, weil sie uns zu
wichtig sind (Heizung, Auto, etc.).
In diesen Bereichen versucht man dann eben, den Schaden
moeglichst gering zu halten (Kat., Waermeverkleidung etc.).
> Die Eigendynamik, mit der der Trup-
>penaufmarsch zum Krieg draengte, zeitgte dabei beispiel-
>haft, da. der Weg der Gewalt auch Verlust der politischen
>Entscheidungsfreiheit bedeutet.
Um so deutlicher wird, dass bei einseitiger Abruestung eine
diplomatische Regelung von groeberen pol. Auseinandersetzungen
nicht mehr unbedingt moeglich ist.
>
>Militaer zementiert weltweite Ungerechtigkeit
> Dieser Krieg war ein Krieg, der von den noerdlichen
>Industrienationen gegen ein Land der benachteiligten Zwei-
Schluss mit den Ruestungsexporten! Das sehe ich genauso.
Allerdings duerfte es nicht so einfach sein, die Produktion
von Waffen mal eben zu stoppen.
Gerade z.Zt. ist niemand von weiterer Arbeitslosigkeit begeistert,
d.h. ein Abbau von Ruestungsarbeitsplaetzen passt sehr
schlecht ins Konzept.
Aber ganz klar: Es ist eine vordringliche Aufgabe, daran zu
arbeiten.
>Militaer foerdert Nationalismus
Das sehe ich nicht so. Gerade hier in Deutschland wird die
Bundeswehr eher leidenschaftslos als notwendiges Uebel
gesehen. Da sehe ich keine Zusammenhang mit dem Nat.
> In Jugoslawien wurden
>nationalistische Gefuehle so aufgestachelt, da. Krieg zwi-
>schen den ethnischen Gruppen moeglich wurde, die vorher
>gut zusammen gelebt hatten. Mit dem massiven Einsatz der
^^^^^^^^^^^^
also das bezweifele ich hiermit entschieden.
Wohl haben diese Gruppen dort "zusammengelebt".
Aber wenn man sich einmal die nichtbewaeltigte Geschichte
des Landes betrachtet (und vielleicht einmal vergleicht,
welchen Wirbel allein in Deutschland der Faschismus und
die ganze nachtraegliche Entnazifizierung etc. ausgeloest
hatten), dann wird schnell klar, dass dieser Krieg lediglich
eine Ausdrucksform eines tiefsitzenden Hasses darstellt.
Der sich - wenn nicht so - dann in irgendeiner anderen Form
entladen wuerde.
>Militaers verschlimmerte sich alles. Nun stellen wir mit
>Erschrecken fest, da. in einer Region Krieg tobt, die den
>Muenchnern naeher ist als Berlin.
> Doch auch vor unserer Haustuer fuehrt Nationalismus zur
>Gewalt: Immer wieder wurden Fluechtlingsheime von Neonazis
>angegriffen. Diesen Gewalttendenzen in unserer eigenen
>Gesellschaft stellen wir uns entgegen, und weisen dabei
>darauf hin, da. gerade durch die Bundeswehr nationale
>Denkschemata, Hierarchen und Gewaltbereitschaft gefoerdert
>und geuebt werden.
Also das kann ich nicht so sehen. Ich habe auch meine
Bundeswehrzeit hinter mir, aber Dinge wie "Feindbild" gibt
es im Prinzip gar nicht mehr. Und Gewaltbereitschaft wird
vielleicht durch einen Rambo-Film gefoerdert - nach meinen
Erfahrungen aber nicht durch die Bundeswehr.
Auf jeden Fall bin ich ebenfalls entschieden gegen nationalistische
Gewalt gegen Fluechtlinge oder wen auch immer.
Auch wenn sich sicherlich nicht alle Probleme einfach
gewaltfrei loesen lassen (insbesondere keine kriegerische
Bedrohung von aussen), glaube ich doch, dass es (wie man gesehen
hat) in anderen Faellen sehr gut moeglich ist.
Daher sind Aktionen, die die Gewaltfreiheit unterstuetzen, sicherlich
zu begruessen.
Langfristig wird dadurch sicher das Denken der Menschenheit
positiv beeinflusst.
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