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Iblis (arabisch إبليس, DMG Iblīs) oder auch Azazil (عزازل, DMG
ʿAzāzil) gehört nach islamischer Auffassung zum Reich der Dschinn.
Iblis bedeutet Enttäuschter; diesen Namen habe er erst erhalten,
nachdem er bei Gott in Ungnade gefallen war. Iblis ist zugleich ein
Schaitan (الشيطان, DMG aš-Šaiṭān, ‚Teufel‘); das Wort leitet sich
aus dem Verb schatana und bedeutet so viel wie er war entfernt.
Shaitans sind demnach alle Dschinns, die sich vom Guten entfernen. Das
heißt, dass nicht jeder Dschinn ein Shaitan ist. Iblis sei der
Anführer der Shaitans und gelte als der Gelehrteste unter ihnen. Nach
islamischer Auffassung war Iblis, bevor er bei Allah in Ungnade fiel,
ein sehr frommer Dschinn; seine Stellung war so hoch, dass er das
Privileg bekam, die Paradiestore zu bewachen, was eigentlich die
Aufgabe des Engels Ridwan ist. Iblis war auch nie der Lehrer oder
Führer der Engel. Iblis wird er fast ausschließlich im Zusammenhang
mit der Schöpfungsgeschichte genannt. Auch in den Mekkanischen Suren
wird von den Scharen des Iblis (Sure 26:95) gesprochen. Die Schaitan
kommen im Koran nur im Plural vor. Die Bezeichnungen Schaitan und
Iblis sind im Islam meist beliebig austauschbar. [1]
Inhaltsverzeichnis
1 Geschichte Iblis’ im Koran
2 Versuche der Rehabilitierung Satans (Iblis’) im Sufismus
3 Literatur
4 Einzelnachweise
5 Siehe auch
Geschichte Iblis’ im Koran
Iblis bewachte die Tore des Paradieses eintausend Jahre lang. Auf
einer Inschrift am Tor las er: „Es gibt unter den meist geehrten
Dienern Allahs einen, der lange Zeit gehorsam ist und sich (sodann)
seinem Herrn widersetzt und sein Herr sich von ihm abwendet und ihn
verflucht.“ Iblis, der zu der Zeit noch Azazil hieß, wunderte sich
über diese Weissagung, denn er fragte sich, wer sich anmaßen könnte,
sich seinem Herrn zu widersetzen. Was er nicht wusste, war, dass er
selbst es sein würde, der in dieser Weissagung gemeint war. Er ging zu
Gott und bat darum, diesen Frevler verfluchen zu dürfen, der in der
Weissagung vorkommt. „Oh Herr, gestatte mir diesen unwürdigen Sünder
zu verfluchen, wer immer er auch sein möge.“ Allah gestattete es ihm,
und so fing er an, diesen Sünder mit Flüchen zu überhäufen, unkundig
darüber, dass er selbst es war, den er verfluchte.
Als Allah Adam erschuf und ihn die Namen aller Dinge lehrte, befahl
Allah, dass sich die Engel vor Adam niederwerfen, aus dem Grund, weil
er durch das, was ihn Allah gelehrt hatte, wissender war als die
Engel. Alle warfen sich auf den Befehl Allahs hin nieder, außer Iblis.
Und als wir zu den Engeln sprachen: "Werft euch vor Adam nieder",
da warfen sie sich nieder bis auf Iblis; er weigerte sich und war
hochmütig. Und damit wurde er einer der Ungläubigen. (Sure 2:34)
Die Engel können sich nach islamischer Auffassung nicht frei über den
Befehl Allahs hinwegsetzen, denn sie haben keinen freien Willen, wie
Iblis. Das ist für die meisten Muslime auch ein Beleg dafür, dass
Iblis kein Engel sein kann.
„Und da sprachen wir zu den Engeln: "Werft euch vor Adam nieder"
und sie warfen sich nieder, außer Iblis. Er war einer der Dschinn, so
war er ungehorsam gegen den Befehl seines Herrn. Wollt ihr nun ihn und
seine Nachkommenschaft statt Meiner zu Beschützern nehmen, wo sie doch
eure Feinde sind? Schlimm ist dieser Tausch für die Frevler.“ (Sure
18:50)
Als Iblis sich weigerte, vor Adam auf die Knie zu gehen, sprach Allah:
„Iblis, was hat dich gehindert, dass du dich niederwirfst vor dem,
was Ich mit meinen Händen geschaffen habe? Wähnst du dich groß, oder
bist du einer von den Überheblichen?“ Iblis erwiderte: „Ich bin besser
als er. Du erschufst mich aus Feuer, und ihn (den Menschen) hast Du
aus Ton erschaffen.“ (Sure 38:73).
Und Allah verfluchte und verbannte ihn wegen seines Hochmuts.
„O geh hinaus von hier; denn du bist ein Verfluchter, und mein
Fluch soll auf dir bis zum Tage des Gerichts lasten.“ (Sure 38:74)
Iblis bat um eine Frist, die ihm laut Koran auch gewährt wurde:
„O mein Herr, gewähre mir eine Frist bis zu dem Tage, an dem sie
auferweckt werden. Allah sprach: Also wird dir die Frist gewährt, bis
zum Tage einer vorbestimmten Zeit.“ (Sure 38:80)
Er (Iblis) sagte: „Bei Deiner Erhabenheit, ich will sie sicher alle in
die Irre führen. Ausgenommen davon sind Deine erwählten Diener unter
ihnen.“ (Sure 38: 82)
Versuche der Rehabilitierung Satans (Iblis’) im Sufismus
Annemarie Schimmel schreibt in Mystische Dimensionen des Islam: „In
gewissen mystischen Kreisen versuchte man eine Art Rehabilitierung des
Satan. Offenbar wurde dieser Gedanke zuerst von Hallaj formuliert:
Satan rühmte sich Gott Tausende von Jahren gedient zu haben, ehe noch
Adam geschaffen war, und sein Stolz, aus Feuer geschaffen zu sein,
läßt ihn den Befehl, sich vor dem staubgeschaffenen Adam
niederzuwerfen, zuwiderhandeln. Hallaj erkannte nur zwei echte
Monotheisten an, nämlich Muhammad und Satan; aber während Muhammad der
Kämmerer der göttlichen Gnade ist, wird Iblis zum Schatzmeister des
göttlichen Zornes.“ (S. 276 f.)
Tatsächlich zeigt sich hier ein nicht allzu oft formuliertes Problem:
Wenn das Gebot, ausschließlich Gott anzubeten, strengste Gültigkeit
haben soll, wie kann dann die Niederwerfung des Iblis vor dem Menschen
gefordert werden? Verlangt Gott hier nicht etwas Unmögliches? Anders
ausgedrückt: Führt die uneingeschränkte, ja übersteigerte Liebe des
Iblis zu Gott letztlich zu dessen Verfehlung und Bestrafung?
Nach Hallaj ruft Iblis (Satan) aus: „Mein Aufruhr heißt: Dich heilig
zu erklären!“ also sich vor keinem anderen als Gott niederzuwerfen.
In diesem Sinne formulierte auch Sarmad (hingerichtet 1661) : „Geh,
lerne die Methode des echten Dienstes von Satan, erwähle eine
Gebetsrichtung und wirf dich vor nichts sonst nieder!“ (AP 238)
Der Mensch ist in einem ähnlichen Dilemma wie Satan: im Glauben,
richtig und gut (d.i. gemäß Gottes Anweisung) zu handeln, begeht er
die schlimmsten Frevel und gleich dem Iblis (der als Djinn im
Gegensatz zu den Engeln, aber gleich dem Menschen einen freien Willen
besitzt!) muss er seine Taten selbst verantworten.
Literatur
Amina Adil: Gaben des Lichts. Spohr Verlag, Kandern 1999, ISBN
3-927606-17-0
Annemarie Schimmel: Mystische Dimensionen des Islam. Insel Verlag,
1995, ISBN 3-458-33415-7
Einzelnachweise
Ursula Spuler-Stegemann: Die 101 wichtigsten Fragen. Islam, C.H.
Beck, 2007, S. 87
Siehe auch
Satan
Teufel
Asasel
Zalambur
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Kategorien:
Übernatürliches Wesen (Islam)
Mythologisches Wesen
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