Technik der Zukunft
Es ist die Technik der Zukunft: Telefonieren übers Internet - Voice
over Internet Protocol, kurz: VoIP. Weil das Internet immer schneller
und leistungsfähiger wird, laufen heute auch Telefongespräche und
Videokonferenzen über das Netz. Computer oder IP-Telefone wandeln das
gesprochene Wort in Daten um, packen daraus kleine Pakete und
verschicken sie über das Internet. Der Computer oder das IP-Telefon
des Empfängers sammelt die Pakete und setzt sie wieder in Sprache um.
Vorteil von Voice over IP: Die Gespräche sind günstig. Es braucht nur
noch ein Netz zum Telefonieren und Surfen. Wer im Internet telefoniert,
ist überall erreichbar: ob London, New York, Sidney, Tokio, Moskau
oder Berlin. Überall wo es Internet gibt. Praktisch rund um den
Globus. Irgendwann könnte das Internet die klassischen Telefonnetze
ganz ersetzen.
Interne Gespräche kostenlos
Die einfachste Variante der Internettelefonie ist das Telefonieren
über den PC. Ein Telefonprogramm und ein Headset aus Kopfhörer und
Mikrofon machen den Computer zum Telefon. Jeder zehnte Deutsche nutzt
das Verfahren bereits. Die Software gibt es kostenlos im Internet. Die
Teilnehmer eines VoIP-Dienstes wie Skype, sipgate, freenet, web.de oder
gmx telefonieren untereinander sogar kostenlos. Auch die Gespräche in
Partnernetze sind frei. So kooperieren etwa freenet, sipgate,
SIP-phone.com, Strato und web.de. Für die Gespräche zu herkömmlichen
Telefonanschlüssen berechnen die Anbieter ein bis zwei Cent pro
Minute. Internetgespräche zu Mobiltelefonen kosten bis zu 25 Cent. Bei
einigen Anbietern kommt noch eine Grundgebühr dazu: rund drei bis zehn
Euro im Monat. Bei Strato gibts einen Pauschaltarif: unbegrenzt
telefonieren für 39,90 Euro.
Teurer als Call-by-Call
Unter dem Strich sind die Internetgespräche billiger als der
Standardtarif der Telekom, aber teurer als ein Call-by-Call-Gespräch.
Wer einfach nur sparen will, bleibt deshalb am besten im Festnetz und
wählt die günstigsten Sparvorwahlen aus den Infodokumenten der
STIFTUNG WARENTEST. Interessant ist die Internettechnik dagegen für
Globetrotter und Handelsreisende. Voice over IP bietet neue
Möglichkeiten. So sind VoIP-Kunden auf Wunsch weltweit unter ihrer
Rufnummer erreichbar - egal wo sie sind. VoIP funktioniert auch vom
Handy: zumindest mit einem Smartphone oder Pocket-PC. Voraussetzung:
Ein W-LAN-fähiges Handy oder ein Pocket-PC mit dem Betriebssystem
Windows Mobile, ein passendes Telefonprogramm und ein so genannter
Hotspot - eine öffentliche Internetverbindung mit drahtloser
Übertragung. Beispiel: Wer mit seinem W-LAN-Notebook oder Pocket-PC am
Frankfurter Flughafen sitzt, kann über den dortigen Hotspot und seinen
VoIP-Anbieter kostenlos mit New York telefonieren.
Komfortabler mit Telefon
Komfortabler als über den PC funktionieren die Gespräche allerdings
mit einem Internet-Telefon oder einem IP-Adapter. Sie ersetzen PC und
Telefonprogramm. Über den IP-Adapter lassen sich normale
Festnetztelefone ans Internet anschließen. Vorteil: Sie sind jederzeit
erreichbar - auch wenn der PC nicht läuft. Ein Problem ist jedoch
die Installation des Adapters selbst. Die STIFTUNG WARENTEST
untersuchte zwei Modelle von Grandstream und Linksys. Bei Grandstream
fehlten Informationen. Linksys lieferte die Anleitung nur auf Englisch.
Verwirrend ist sie obendrein. Für Anfänger eine Zumutung. Erst nach
der Installation taugen die Adapter auch für Laien. Viel besser ist
die AVM Fritz! Box Fun WLAN. Sie kombiniert DSL-Anschluss, W-LAN-Router
und IP-Adapter. Analoge Telefone und ISDN-Geräte können direkt
angeschlossen werden. Handhabung einfach - auch für Laien.
Nur Siemens ist gut
IP-Telefone brauchen keinen Adapter: Sie werden direkt an den Router
oder das DSL-Modem angeschlossen. Im Test: zwei Modelle von Siemens und
UTStarcom (schnurlos) und ein kabelgebundenes Telefon von Grandstream.
Nur das Siemens Gigaset C450 IP überzeugt. Das schnurlose Telefon
funktioniert im Festnetz und im Internet. Gute Wahl für beide Netze.
Preis: etwa 100 Euro. Das WLAN-Telefon von UTStarcom klingt dagegen
unruhig. Es setzt oft aus. Das Grandstream BudgeTone ist klobig und
wenig komfortabel. Mittlerweile gibt es übrigens schnurlose Telefone,
die im Festnetz, im Internet und als Handy funktionieren. Die Deutsche
Telekom wirbt derzeit für ihr Modell Sinus TC300.
Schlechter als Festnetz
So gut wie ein Festnetzgespräch ist der Plausch übers Internet aber
noch nicht. Vor allem die Gespräche über den PC klingen eher rauschig
und dünn. Am schlechtesten funktioniert die Übertragung mit Skype -
dem beliebtesten Angebot in Sachen Internet-Telefonie. Das
Telefonprogramm der Ebay-Tochter klingt unruhig, dumpf und abgehackt.
Doch auch VoIP-Adapter, VoIP-Telefone und VoIP-TK-Anlagen reichen nicht
an die Sprachqualität im Festnetz heran. Ein Grund ist die
Zeitverzögerung bei der Übermittlung. Im Internet brauchen die
Sprachpakete im Schnitt 250 Millisekunden bis zum Empfänger. Das
Festnetz ist zehnmal schneller: Es transportiert die Information in nur
25 Millisekunden von Telefon zu Telefon. Hier muss das Internet noch
aufholen.
Tipps:
Ausprobieren. Probieren Sie das Telefonieren übers Internet zunächst
aus. Am besten mit einem Telefonprogramm für den PC. Die Software gibt
es kostenlos im Internet. Außerdem benötigen Sie einen DSL-Anschluss
und ein Headset (Kopfhörer und Mikrofon).
Ergänzen. Telefonieren übers Internet lohnt sich zunächst als
Ergänzung zum Festnetz. Vor allem für Auslandsgespräche (die sind
übers Internet billiger als bei der Telekom) und Gespräche zu anderen
VoIP-Nutzern. Erst in Zukunft - wenn es DSL-Anschlüsse auch ohne
Telefonanschluss gibt, kann das IP-Telefon den Festnetzapparat
ersetzen.
Kostenlos. Gespräche zu anderen VoIP-Nutzern sind kostenlos, wenn die
Teilnehmer denselben VoIP-Dienst benutzen. Etwa von Skype zu Skype.
Auch die Gespräche in Partnernetze sind frei. So kooperieren etwa
freenet, sipgate, SIP-phone, Strato und web.de. Wählen Sie den VoIP-
Dienst, den auch Ihre Freunde benutzen.
VoIP-Telefon. Wenn Sie öfter über das Internet telefonieren, lohnt
sich ein VoIP-Adapter für das analoge Telefon oder ein spezielles
VoIP-Telefon. Vorteil dieser Geräte: Sie telefonieren unabhängig vom
PC. VoIP-Telefon oder Adapter werden direkt an das DSL-Modem
angeschlossen. Auch das Telefonieren über einen DSL-Router
funktioniert. Den Rechner müssen Sie dafür nicht mehr einschalten.
Flatrate. Sie möchten alle Telefongespräche über das Internet
führen und jederzeit erreichbar sein? Dann brauchen Sie eine Flatrate,
zu deutsch: einen Pauschaltarif. Preis: ab etwa 20 Euro im Monat.
Flatratekunden sind rund um die Uhr mit dem Internet verbunden. Wenn
Sie auch unbegrenzt telefonieren wollen, brauchen Sie zusätzlich eine
VoIP-Flatrate. Mit einer solchen Flatrate sind alle Gespräche frei.
Preis: ab 40 Euro (Strato).
Qualität nimmt zu. So gut wie ein Festnetzgespräch ist der Plausch
übers Internet noch nicht. Die Gespräche klingen etwas rauschig und
dünn. Das soll in Zukunft besser werden: Durch schnellere Server und
bessere Technik. Bis dahin sollten Sie Ihren Festnetzanschluss
behalten, wenn Sie beste Qualität brauchen.
Stromausfall. Ob Computer, VoIP-Telefon oder VoIP-TK-Anlage: Ohne Strom
läuft nichts. Greifen Sie deshalb auf Ihr Handy zurück, wenn der
Strom ausfällt.
Fax. Analoge Faxgeräte lassen sich auch mittels IP-Adapter nicht an
das Internet anschließen. Die Adapter sind für menschliche Sprache
gemacht. Die Umwandlung von Faxsignalen funktioniert nicht korrekt.
Versenden Sie Texte und Bilder stattdessen per E-Mail. Über spezielle
Gateways können Sie Ihre E-Mail auch an analoge Faxgeräte senden.
Notruf. Feuerwehr und Polizei arbeiten im Festnetz. Die meisten
VoIP-Anlagen geben Notrufe deshalb an das Festnetz ab. Wird der Notruf
dagegen übers Internet übertragen, kann der Anrufer nicht direkt
geortet werden. Ein Sicherheitsrisiko. Geben Sie bei einem Notruf stets
Namen, Anschrift und Hausnummer an.
Quelle: Stiftung Warentest