mich würde mal interessieren wieviel Ge-Stunden in anderen
Bundesländern in
der Sek I am Gym. erteilt werden.
In Brandenburg in Kl 7, 9, 10 ist es 1 Wochenstunde, in Kl. 8
sind es 2 WS.
Politiker debattieren über Ursachen des Rechtsextremismus,
mangelnde Geschichtskenntnisse gehören bestimmt dazu.
Viele Brandenburger Schüler hören, obwohl meist sehr
interessiert, nur im Schnelldurchlauf etwas zum Thema
Nationalsozialismus (wenn überhaupt).
II. Weltkrieg und Nachkriegszeit sind zeitlich nicht zu schaffen.
Über Antworten würde ich mich sehr freuen.
MfG Uwe Berger
> Politiker debattieren über Ursachen des Rechtsextremismus,
> mangelnde Geschichtskenntnisse gehören bestimmt dazu.
> Viele Brandenburger Schüler hören, obwohl meist sehr
> interessiert, nur im Schnelldurchlauf etwas zum Thema
> Nationalsozialismus (wenn überhaupt).
> II. Weltkrieg und Nachkriegszeit sind zeitlich nicht zu schaffen.
auf deine eigentlichen Frage nach den Wochenstunden in Geschichte kann
ich dir leider keine Antwort geben, da ich nicht am Gymnasium arbeite.
Aber der von dir in Geschichte vermisste Stoff könnte eventuell auch
in Gemeinschaftskunde oder Sozialkunde (oder wie man dieses Fach auch
immer nennen will) enthalten sein. Hast du da schon mal nachgesehen?
Dort würde er IMHO sogar besser hinpassen. Zudem ist es doch auch so,
dass der Lehrer bei der Erstellung seines Stoffverteilungsplanes schon
gewisse Freiheiten hat. Wenn er also das Thema Nationalsozialismus
ausführlicher behandeln will, kann er doch andere Stoffgebiete, die
ihm nicht so wichtig sind, entsprechend verkürzen.
Außerdem muss man sich die Frage stellen, wie wirksam denn Unterricht
in der Schule zur Vorbeugung gegen Rechtsextremismus überhaupt sein
kann. Wer sowieso stramm rechts eingestellt ist, lässt sich durch die
Darstellung der geschichtlichen Fakten auch nicht davon abbringen bzw.
verleugnet diese Fakten sogar. Auch haben Jugendliche mit dieser
Einstellung häufig einen so niedrigen geistigen Horizont, dass man mit
Diskussionen oder ähnlichem eh nichts erreichen kann.
Deshalb auch meine Frage an dich: wie müsste man denn Unterricht
deiner Meinung nach gestalten, um das Lernziel "Die Schüler erkennen,
dass Rechtsextremismus eine falsche Einstellung ist." zu erreichen?
Viele Grüße
Michael
>Dort würde er IMHO sogar besser hinpassen. Zudem ist es doch auch so,
>dass der Lehrer bei der Erstellung seines Stoffverteilungsplanes schon
>gewisse Freiheiten hat. Wenn er also das Thema Nationalsozialismus
>ausführlicher behandeln will, kann er doch andere Stoffgebiete, die
>ihm nicht so wichtig sind, entsprechend verkürzen.
Dummerweise muß man dann aber fast alles verkürzt behandeln.
Geschichtsunterricht, der wirklich in die Tiefe ging, hatte ich erst
in der Oberstufe.
>Außerdem muss man sich die Frage stellen, wie wirksam denn Unterricht
>in der Schule zur Vorbeugung gegen Rechtsextremismus überhaupt sein
>kann. Wer sowieso stramm rechts eingestellt ist, lässt sich durch die
>Darstellung der geschichtlichen Fakten auch nicht davon abbringen bzw.
>verleugnet diese Fakten sogar. Auch haben Jugendliche mit dieser
>Einstellung häufig einen so niedrigen geistigen Horizont, dass man mit
>Diskussionen oder ähnlichem eh nichts erreichen kann.
Wer einen so niedrigen geistigen Horizont hat, sollte auch kein
Gymnasium besuchen (es ging dem Fragesteller ja ums Gymnasium).
>Deshalb auch meine Frage an dich: wie müsste man denn Unterricht
>deiner Meinung nach gestalten, um das Lernziel "Die Schüler erkennen,
>dass Rechtsextremismus eine falsche Einstellung ist." zu erreichen?
Das ist schwer, da stimme ich zu.
Christoph
>Politiker debattieren über Ursachen des Rechtsextremismus,
>mangelnde Geschichtskenntnisse gehören bestimmt dazu.
>Viele Brandenburger Schüler hören, obwohl meist sehr
>interessiert, nur im Schnelldurchlauf etwas zum Thema
>Nationalsozialismus (wenn überhaupt).
>II. Weltkrieg und Nachkriegszeit sind zeitlich nicht zu schaffen.
>
>Über Antworten würde ich mich sehr freuen.
IIRC hatten wir hier oder in schule.allgemein schon einmal einen
Thread, der sich mit den IMHO falsch gesetzten Prioritäten der Fächer
beschäftigte.
Christoph
liest man sich auch mal wieder. :-)
> >Aber der von dir in Geschichte vermisste Stoff könnte eventuell auch
> >in Gemeinschaftskunde oder Sozialkunde (oder wie man dieses Fach auch
> >immer nennen will) enthalten sein. Hast du da schon mal nachgesehen?
> Zumindest bei uns hat man in Sozialkunde sogar noch weniger Stunden...
Aber in Sozialkunde kann man das ganze unter einem günstigeren
Blickwinkel betrachten. Man muss sich weniger mit den geschichtlichen
Fakten abgeben und kann mehr auf die im Ausgangsposting geforderte
"Meinungsbildung" eingehen. Ich nehme mir jedenfalls in der
Sozialkunde für ein Thema, was mir wichtig ist, so viel Zeit, wie ich
brauche.
> Wer einen so niedrigen geistigen Horizont hat, sollte auch kein
> Gymnasium besuchen (es ging dem Fragesteller ja ums Gymnasium).
Eben deshalb glaube ich ja auch, dass dieses Problem an den Gymnasien
nicht so brennend sein dürfte (oder täusche ich mich da?) und das aus
diesem Grund nicht unbedingt ein erhöhtes Stundenvolumen für dieses
Thema reserviert sein muss.
Viele Grüße
Michael
Hallo, Michael!
>Hallo Christoph,
>
>liest man sich auch mal wieder. :-)
Das läßt sich bei den wahrscheinlich einzigen verbleibenden Regulars
dieser Newsgroup wohl kaum vermeiden, oder? ;-)
>>Zumindest bei uns hat man in Sozialkunde sogar noch weniger Stunden...
>
>Aber in Sozialkunde kann man das ganze unter einem günstigeren
>Blickwinkel betrachten. Man muss sich weniger mit den geschichtlichen
>Fakten abgeben und kann mehr auf die im Ausgangsposting geforderte
>"Meinungsbildung" eingehen. Ich nehme mir jedenfalls in der
>Sozialkunde für ein Thema, was mir wichtig ist, so viel Zeit, wie ich
>brauche.
Das erwarte ich allerdings von einem Geschichtslehrer genauso.
Geschichte besteht genauso wenig wie Sozialkunde nur aus auswendig zu
lernenden Fakten.
>>Wer einen so niedrigen geistigen Horizont hat, sollte auch kein
>>Gymnasium besuchen (es ging dem Fragesteller ja ums Gymnasium).
>
>Eben deshalb glaube ich ja auch, dass dieses Problem an den Gymnasien
>nicht so brennend sein dürfte (oder täusche ich mich da?) und das aus
>diesem Grund nicht unbedingt ein erhöhtes Stundenvolumen für dieses
>Thema reserviert sein muss.
Nein, nicht speziell für dieses Thema. Man muß nur darauf achten, daß
das Thema überhaupt behandelt wird - und da andere Themen genauso
wichtig sind, muß die Zeit natürlich auch für alle vorgesehenen Themen
reichen.
Meine Geschichtslehrerin in der 8.-10. Klasse legte z.B. Wert darauf,
Themen gründlich zu behandeln. Ergebnis: Bis zum Zweiten Weltrkieg
kamen wir zwar noch, aber die IMHO ebenfalls sehr wichtige
Nachkriegszeit (inklusive des Kalten Krieges und der
Wiedervereinigung) handelten wir dann in zwei Stunden ab.
Christoph
> Nein, nicht speziell für dieses Thema. Man muß nur darauf achten, daß
> das Thema überhaupt behandelt wird - und da andere Themen genauso
> wichtig sind, muß die Zeit natürlich auch für alle vorgesehenen Themen
> reichen.
Prinzipiell schon. Aber in der Praxis sieht es sicherlich in jedem
Fach und in jedem Bundesland so aus, dass der Lehrplan so vollgestopft
ist, dass die Zeit eben nicht für die ausführliche Behandlung aller
Themen ausreichen dürfte. Viele Lehrpläne sind leider immer noch mehr
auf das Lehrstoff schütten ausgelegt. Da muss der Lehrer dann eine
Auswahl treffen bzw. einen guten Kompromiss finden, was er wie
intensiv macht oder vielleicht sogar weglässt.
Ich sehe das ja bei mir selbst. Zur Zeit unterrichte ich nur
Wirtschaftskunde und Sozialkunde. Die Lehrpläne sind vom Umfang her
für eine dreijährige Lehrzeit ausgelegt. Da ich aber im Bereich der
Metalltechnik arbeite, wo die meisten Berufe eine 3,5-jährige Lehrzeit
haben, habe ich mehr als drei Jahre Zeit. Trotzdem schaffe ich den
Lehrplan bestenfalls mit Hängen und Würgen. Und da habe ich noch nicht
mal richtig Zeit gehabt, den Stoff durch Übungen zu festigen und durch
entsprechende Aufgaben anwenden zu lassen oder auch mal etwas zu
vertiefen.
> Meine Geschichtslehrerin in der 8.-10. Klasse legte z.B. Wert darauf,
> Themen gründlich zu behandeln. Ergebnis: Bis zum Zweiten Weltrkieg
> kamen wir zwar noch, aber die IMHO ebenfalls sehr wichtige
> Nachkriegszeit (inklusive des Kalten Krieges und der
> Wiedervereinigung) handelten wir dann in zwei Stunden ab.
Da hat die Lehrerin wohl keinen vernünftigen Stoffverteilungsplan
gemacht oder sich nicht dran gehalten. ;-)
Aber ich muss zugeben, dass die Nachkriegszeit bei mir, wenn die Zeit
knapp wird, auch schnell mal zusammmengekürzt wird. Nach meinen
Erfahrungen reißt es die Schüler auch noch weniger vom Hocker als
andere Themen. Und auch mir persönlich sind andere Themen wichtiger.
Warum ist dir denn dieses Thema so wichtig?
Viele Grüße
Michael
>>Nein, nicht speziell für dieses Thema. Man muß nur darauf achten, daß
>>das Thema überhaupt behandelt wird - und da andere Themen genauso
>>wichtig sind, muß die Zeit natürlich auch für alle vorgesehenen Themen
>>reichen.
>
>Prinzipiell schon. Aber in der Praxis sieht es sicherlich in jedem
>Fach und in jedem Bundesland so aus, dass der Lehrplan so vollgestopft
>ist, dass die Zeit eben nicht für die ausführliche Behandlung aller
>Themen ausreichen dürfte. Viele Lehrpläne sind leider immer noch mehr
>auf das Lehrstoff schütten ausgelegt. Da muss der Lehrer dann eine
>Auswahl treffen bzw. einen guten Kompromiss finden, was er wie
>intensiv macht oder vielleicht sogar weglässt.
Ja. Manche Lehrer ziehen auch die Konsequenz, daß sie lieber jede
Stunde über den Lehrplan schimpfen, statt Unterricht zu machen ;-)
Aber der Normalfall ist das nicht.
>Ich sehe das ja bei mir selbst. Zur Zeit unterrichte ich nur
>Wirtschaftskunde und Sozialkunde. Die Lehrpläne sind vom Umfang her
>für eine dreijährige Lehrzeit ausgelegt. Da ich aber im Bereich der
>Metalltechnik arbeite, wo die meisten Berufe eine 3,5-jährige Lehrzeit
>haben, habe ich mehr als drei Jahre Zeit. Trotzdem schaffe ich den
>Lehrplan bestenfalls mit Hängen und Würgen. Und da habe ich noch nicht
>mal richtig Zeit gehabt, den Stoff durch Übungen zu festigen und durch
>entsprechende Aufgaben anwenden zu lassen oder auch mal etwas zu
>vertiefen.
Das scheint ein grundlegendes Problem zu sein. Ich bin allerdings der
Meinung, daß man es in den Griff bekommen könnte, indem man die
Unterrichts-Wochenstunden anders auf die Fächer verteilt. Geschichte
könnte gerne 50% mehr abbekommen, Sozialkunde o.ä. mindestens 100%.
Weil beide Fächer bisher sehr schlecht wegkommen, könnte man dies
sogar sehr einfach durch Kürzungen an anderer Stelle kompensieren.
>>Meine Geschichtslehrerin in der 8.-10. Klasse legte z.B. Wert darauf,
>>Themen gründlich zu behandeln. Ergebnis: Bis zum Zweiten Weltrkieg
>>kamen wir zwar noch, aber die IMHO ebenfalls sehr wichtige
>>Nachkriegszeit (inklusive des Kalten Krieges und der
>>Wiedervereinigung) handelten wir dann in zwei Stunden ab.
>
>Da hat die Lehrerin wohl keinen vernünftigen Stoffverteilungsplan
>gemacht oder sich nicht dran gehalten. ;-)
Ja, das denke ich auch. Aber die Zeit war auch objektiv zu knapp.
>Aber ich muss zugeben, dass die Nachkriegszeit bei mir, wenn die Zeit
>knapp wird, auch schnell mal zusammmengekürzt wird. Nach meinen
>Erfahrungen reißt es die Schüler auch noch weniger vom Hocker als
>andere Themen. Und auch mir persönlich sind andere Themen wichtiger.
>Warum ist dir denn dieses Thema so wichtig?
Weil es ein Bereich der Geschichte ist, zu dem wir einen wirklich
unmittelbaren Bezug haben und der uns auch direkt betrifft. Nichts
gegen Caesar, aber Adenauer, Brandt und Kohl sind für uns mindestens
genauso wichtig.
Die Geschichte unseres Staates (als BRD) beginnt nun einmal erst nach
dem Krieg.
Christoph
> Ja. Manche Lehrer ziehen auch die Konsequenz, daß sie lieber jede
> Stunde über den Lehrplan schimpfen, statt Unterricht zu machen ;-)
Woher kenne ich das nur? :-)))
In Maßen gehört das halt einfach dazu.
> Das scheint ein grundlegendes Problem zu sein. Ich bin allerdings der
> Meinung, daß man es in den Griff bekommen könnte, indem man die
> Unterrichts-Wochenstunden anders auf die Fächer verteilt. Geschichte
> könnte gerne 50% mehr abbekommen, Sozialkunde o.ä. mindestens 100%.
Wie wahr. Da gibt es aber auch seltsame Lösungsvorschläge. In Sachsen
hat jetzt z.B. unser Innenminister vorgeschlagen, als Maßnahme gegen
Rechtsextremismus ein neues Fach Rechtskunde an den Schulen
einzuführen, wo Richter, andere Juristen oder Verwaltungsbeamte den
Schülern das Grundgesetz näher erläutern sollen. Der Grundgedanke, das
GG besser bekannt machen zu wollen, mag ja löblich sein. Aber was soll
da ein neues Fach? Man muss doch nur die vorhandenen besser nutzen.
Aber wozu sich wundern. Der Gedanke hat in der Praxis eh keine Chance.
> Weil beide Fächer bisher sehr schlecht wegkommen, könnte man dies
> sogar sehr einfach durch Kürzungen an anderer Stelle kompensieren.
Ich glaube nicht, dass das so einfach ist. Bei welchen Fächern würdest
du denn kürzen?
> Weil es ein Bereich der Geschichte ist, zu dem wir einen wirklich
> unmittelbaren Bezug haben und der uns auch direkt betrifft. Nichts
> gegen Caesar, aber Adenauer, Brandt und Kohl sind für uns mindestens
> genauso wichtig.
> Die Geschichte unseres Staates (als BRD) beginnt nun einmal erst nach
> dem Krieg.
Grundsätzlich hast du ja Recht. Meine Schüler fragen mich z.B. nach
dem Euro-Referendum in Dänemark auch öfter, warum es so etwas nicht
auch bei uns gibt. Da ist es schon günstig zu wissen, warum das GG
solche plebiszitären Elemente nicht vorsieht. Aber wenn sie dann das
Thema "Deutschland nach dem 2. Weltkrieg" hören, fallen die Schotten
bei den meisten gleich wieder zu.
Viele Grüße
Michael
Natürlich - in Maßen. Die meisten Lehrer haben bei uns auch in Maßen
geschimpft; einer allerdings so gerne und viel, daß kaum noch Zeit für
den Unterricht blieb ;-)
>>Das scheint ein grundlegendes Problem zu sein. Ich bin allerdings der
>>Meinung, daß man es in den Griff bekommen könnte, indem man die
>>Unterrichts-Wochenstunden anders auf die Fächer verteilt. Geschichte
>>könnte gerne 50% mehr abbekommen, Sozialkunde o.ä. mindestens 100%.
>
>Wie wahr. Da gibt es aber auch seltsame Lösungsvorschläge. In Sachsen
>hat jetzt z.B. unser Innenminister vorgeschlagen, als Maßnahme gegen
>Rechtsextremismus ein neues Fach Rechtskunde an den Schulen
>einzuführen, wo Richter, andere Juristen oder Verwaltungsbeamte den
>Schülern das Grundgesetz näher erläutern sollen. Der Grundgedanke, das
>GG besser bekannt machen zu wollen, mag ja löblich sein. Aber was soll
>da ein neues Fach? Man muss doch nur die vorhandenen besser nutzen.
Richtig. Wenn man (wie in Rheinland-Pfalz) den Sozialkundelehrern in
der 9. Klasse nur zwei und in der 10. gar nur eine Wochenstunde zur
Verfügung stellt, wie sollen sie dann das Grundgesetz oder Teile davon
auch nur ansatzweise durchnehmen?
>Aber wozu sich wundern. Der Gedanke hat in der Praxis eh keine Chance.
Wenn man engagierte Leute findet, wäre es IMHO eine gute Idee - wenn
auch nicht in einem eigenen Fach.
>>Weil beide Fächer bisher sehr schlecht wegkommen, könnte man dies
>>sogar sehr einfach durch Kürzungen an anderer Stelle kompensieren.
>
>Ich glaube nicht, dass das so einfach ist. Bei welchen Fächern würdest
>du denn kürzen?
Wenn in einem Schuljahr in der Mittelstufe Kunst und/oder Musik
wegfielen, würde das wohl nicht so viel ausmachen. Man könnte aber
auch z.B. in eine Wochenstunde Deutsch opfern; da dieses Fach über 13
Jahre mit vielen Wochenstunden unterrichtet wird, würde sich eine
Kürzung um eine Stunde in einem Jahr wohl nicht so drastisch
auswirken.
>>Weil es ein Bereich der Geschichte ist, zu dem wir einen wirklich
>>unmittelbaren Bezug haben und der uns auch direkt betrifft. Nichts
>>gegen Caesar, aber Adenauer, Brandt und Kohl sind für uns mindestens
>>genauso wichtig.
>>Die Geschichte unseres Staates (als BRD) beginnt nun einmal erst nach
>>dem Krieg.
>
>Grundsätzlich hast du ja Recht. Meine Schüler fragen mich z.B. nach
>dem Euro-Referendum in Dänemark auch öfter, warum es so etwas nicht
>auch bei uns gibt. Da ist es schon günstig zu wissen, warum das GG
>solche plebiszitären Elemente nicht vorsieht. Aber wenn sie dann das
>Thema "Deutschland nach dem 2. Weltkrieg" hören, fallen die Schotten
>bei den meisten gleich wieder zu.
Das ist gerade etwas, das ich nicht verstehe. Ich hatte immerhin noch
das Glück, in Sozialkunde manches aus dem Themenbereich zu lernen;
aber nicht die gesamte Nachkriegsgeschichte ist in der Sozialkunde
auch relevant... (Meine nicht aus dem Sozialkunde-LK-Unterricht
stammenden Kenntnisse der jüngeren Geschichte habe ich größtenteils
aus Thränhardts "Geschichte der Bundesrepublik Deutschland").
Außerdem muß man sich noch nicht einmal nur auf Deutschland
beschränken - insbesondere, da die deutsche Nachkriegsgeschichte ja zu
einem großen Teil nur im internationalen und globalen Kontext zu
verstehen ist (man denke nur an den Kalten Krieg).
Christoph
> Natürlich - in Maßen. Die meisten Lehrer haben bei uns auch in Maßen
> geschimpft; einer allerdings so gerne und viel, daß kaum noch Zeit für
> den Unterricht blieb ;-)
Das lass ich jetzt einfach mal unkommentiert. ;-)
> Richtig. Wenn man (wie in Rheinland-Pfalz) den Sozialkundelehrern in
> der 9. Klasse nur zwei und in der 10. gar nur eine Wochenstunde zur
> Verfügung stellt, wie sollen sie dann das Grundgesetz oder Teile davon
> auch nur ansatzweise durchnehmen?
Nun ja, ich kenne die entsprechenden Lehrpläne nicht. Aber ich bin mir
sicher, dass dort auch ein Haufen Sch... drin steht, den man ohne
große Gewissensbisse weglassen könnte. Und wenn das der Lehrer macht
und statt dessen ein ihm wichtiges Thema (z.B. das GG) gründlicher
macht, interessiert das außer der Klasse und dem Lehrer niemanden
(wobei die Klasse das meistens nicht mal mitkriegen wird). Ich kann
mir so was nur begrenzt erlauben, weil meine Schüler sich einer
Prüfung unterziehen müssen, die wirklich querbeet gehen kann, auf die
ich aber nicht den geringsten Einfluss habe. Aber wenn ich mich so
daran erinnere, was du früher mal über eure Abi-Prüfung geschrieben
hast, dann sieht das zumindest in eurem Bundesland anders aus.
Was ich damit sagen will: der Lehrer sollte sich nicht immer nur
hinter seinem Lehrplan verstecken.
[Juristen im Unterricht]
> Wenn man engagierte Leute findet, wäre es IMHO eine gute Idee - wenn
> auch nicht in einem eigenen Fach.
Auch wenn es nicht in einem eigenen Fach wäre, würde es IMHO nichts
bringen. Ich meine, ich hätte zwar nichts dagegen, mir hin und wieder
ein paar Stunden abnehmen zu lassen (ich hab vor kuzem erst eine
Praktikantin betreut; war genial :-)) ); aber ich glaube nicht an
einen positiven Effekt. Erst mal müsste man wirklich Leute finden, die
das nicht nur als unangehme Pflichtübung ansehen. Außerdem würde es
den meisten Juristen schwer fallen, das ganze auf dem Niveau (nicht
abwertend gemeint) anzubieten, welches von den Schülern gebraucht
werden würde. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich doch von dir
auch schon was in de.soc.recht.misc gelesen. Für mich war das immer
hoch interessant, ich kann leider dort nicht mehr mitlesen, weil das
so zeitaufwendig ist. Aber du kennst dann ja das Niveau, auf dem dort
diskutiert wird.
Außerdem braucht man kein riesengroßes juristsiches Hintergrundwissen,
um Schülern das GG zu erklären. Und einen Kommentar zum GG lesen kann
der Lehrer auch. Der Lehrer weiß aber besser, wie er dieses Wissen
vermitteln kann, wie er dieses vermittelte Wissen festigen und den
Schüler anwenden lassen kann. Dass das der Jurist vernünftig
hinbringt, würde wahrscheinlich noch viel seltener passieren als beim
Lehrer.
> Wenn in einem Schuljahr in der Mittelstufe Kunst und/oder Musik
> wegfielen, würde das wohl nicht so viel ausmachen. Man könnte aber
> auch z.B. in eine Wochenstunde Deutsch opfern; da dieses Fach über 13
> Jahre mit vielen Wochenstunden unterrichtet wird, würde sich eine
> Kürzung um eine Stunde in einem Jahr wohl nicht so drastisch
> auswirken.
Bei Kunst/Musik gehe ich mit. Das ist auch das gewesen, was mir
spontan einfiel, als ich dein Posting las. Bei Deutsch sieht das schon
wieder anders aus. Du gehst aber wieder vom Gymnasium aus. Dort trifft
das vielleicht/wahrscheinlich auch zu. Gehen wir aber mal zum
Anfangspunkt dieses Threads zurück. Der Gedanke, den Uwe Berger hatte,
war ja der, dass er dem Rechtsextremismus durch eine bessere
Aufklärung in der Schule vorbeugen wollte (so habe ich ihn zumindest
verstanden; schade, dass er sich nicht mehr gemeldet hat). Die
Hauptzielgruppe für solche Aufklärung sitzt aber IMHO nicht am
Gymnasium. Die sind meiner Meinung nach durch eine höhere Intelligenz
nicht so anfällig für dieses rechtsextremen Schwachsinn. Die
Hauptzielgruppe sitzt an der Mittelschule. Wenn ich mir aber täglich
auf Arbeit die Rechtschreibung dieser Leute ansehen muss, kommt bei
dem Gedanken, denen noch Deutsch zu kürzen, bei mir ein wenig
Unbehagen auf.
> Das ist gerade etwas, das ich nicht verstehe. Ich hatte immerhin noch
> das Glück, in Sozialkunde manches aus dem Themenbereich zu lernen;
> aber nicht die gesamte Nachkriegsgeschichte ist in der Sozialkunde
> auch relevant... (Meine nicht aus dem Sozialkunde-LK-Unterricht
> stammenden Kenntnisse der jüngeren Geschichte habe ich größtenteils
> aus Thränhardts "Geschichte der Bundesrepublik Deutschland").
> Außerdem muß man sich noch nicht einmal nur auf Deutschland
> beschränken - insbesondere, da die deutsche Nachkriegsgeschichte ja zu
> einem großen Teil nur im internationalen und globalen Kontext zu
> verstehen ist (man denke nur an den Kalten Krieg).
Da sind wir schon zwei, die das nicht verstehen. ;-)
Aber mal im Ernst. Wenn ich mir meine Schüler ansehe, kann man schon
erschrecken, wie geistig träge die Mehrzahl ist, sobald es irgendwie
im entferntesten um Politik geht. Aber am besten im gleichen Atemzug
ein paar Sprüche unter der Gürtellinie über *die Politiker* ablassen.
Da kann einem schon manchmal die Galle hochkommen und man muss an sich
halten, dass man seine Meinung nicht zu direkt sagt.
Viele Grüße
Michael
Moin!
>>Natürlich - in Maßen. Die meisten Lehrer haben bei uns auch in Maßen
>>geschimpft; einer allerdings so gerne und viel, daß kaum noch Zeit für
>>den Unterricht blieb ;-)
>
>Das lass ich jetzt einfach mal unkommentiert. ;-)
Kein Kommentar ist auch ein Kommentar ;-)
>>Richtig. Wenn man (wie in Rheinland-Pfalz) den Sozialkundelehrern in
>>der 9. Klasse nur zwei und in der 10. gar nur eine Wochenstunde zur
>>Verfügung stellt, wie sollen sie dann das Grundgesetz oder Teile davon
>>auch nur ansatzweise durchnehmen?
>
>Nun ja, ich kenne die entsprechenden Lehrpläne nicht. Aber ich bin mir
>sicher, dass dort auch ein Haufen Sch... drin steht, den man ohne
>große Gewissensbisse weglassen könnte.
Ich kenne den Lehrplan auch nicht, glaube aber nicht, daß mein
damaliger Lehrer sich sklavisch daran gehalten hat.
Aber ich weiß noch, daß wir etliche wichtige Themen gemacht haben; so
z.B. das Wahlsystem (oh, da fällt mir doch glatt etwas ein ;-)), ein
bißchen Wirtschaft, ein bißchen Recht, das Zusammenwirken der
Verfassungsorgane (gut, das hat natürlich mit dem Grundgesetz zu tun,
aber wir sind nicht anhand desselben vorgegangen), und den Abschnitt
über den Bundeskanzler im GG haben wir sogar tatsächlich
durchgenommen.
>Und wenn das der Lehrer macht
>und statt dessen ein ihm wichtiges Thema (z.B. das GG) gründlicher
>macht, interessiert das außer der Klasse und dem Lehrer niemanden
>(wobei die Klasse das meistens nicht mal mitkriegen wird).
Klar. Aber wenn man bedenkt, wie wenig Sozialkunde die Schüler in der
Oberstufe (so sie sie denn besuchen) noch haben werden, muß man
eigentlich ziemlich viele Themen zumindest ansprechen. Andererseits
sollten manche Dinge natürlich gründlich gemacht werden - und es ist
IMHO unmöglich, das alles in drei Wochenstunden (9. und 10. Klasse
zusammengerechnet) zu schaffen...
>Ich kann
>mir so was nur begrenzt erlauben, weil meine Schüler sich einer
>Prüfung unterziehen müssen, die wirklich querbeet gehen kann, auf die
>ich aber nicht den geringsten Einfluss habe. Aber wenn ich mich so
>daran erinnere, was du früher mal über eure Abi-Prüfung geschrieben
>hast, dann sieht das zumindest in eurem Bundesland anders aus.
Na ja, wir reden ja von der Mittelstufe. Die meisten Schüler haben in
der Oberstufe sehr wenig Sozialkunde, und im Abitur vermeidet es
eigentlich jeder, der das kann...
>Was ich damit sagen will: der Lehrer sollte sich nicht immer nur
>hinter seinem Lehrplan verstecken.
Klar.
>[Juristen im Unterricht]
>>Wenn man engagierte Leute findet, wäre es IMHO eine gute Idee - wenn
>>auch nicht in einem eigenen Fach.
>
>Auch wenn es nicht in einem eigenen Fach wäre, würde es IMHO nichts
>bringen. Ich meine, ich hätte zwar nichts dagegen, mir hin und wieder
>ein paar Stunden abnehmen zu lassen (ich hab vor kuzem erst eine
>Praktikantin betreut; war genial :-)) ); aber ich glaube nicht an
>einen positiven Effekt. Erst mal müsste man wirklich Leute finden, die
>das nicht nur als unangehme Pflichtübung ansehen.
Ja, darin sehe ich das Hauptproblem.
>Außerdem würde es
>den meisten Juristen schwer fallen, das ganze auf dem Niveau (nicht
>abwertend gemeint) anzubieten, welches von den Schülern gebraucht
>werden würde.
Na ja, ich habe vor ein paar Monaten mehrere Vorträge vom wohl
bekanntesten deutschen Juristen gehört (Roman Herzog) und traue ihm
das durchaus zu ;-) Ich denke auf jeden Fall nicht, daß ein Jurist mit
der Darstellung juristischer Sachverhalte ein größeres Problem hätte
als irgendein anderer Experte, gleich auf welchem Gebiet.
>Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich doch von dir
>auch schon was in de.soc.recht.misc gelesen.
Habe ich da mal...? Ich will das nicht ausschließen. Mitgelesen habe
ich ein paar Wochen lang.
>Für mich war das immer
>hoch interessant, ich kann leider dort nicht mehr mitlesen, weil das
>so zeitaufwendig ist. Aber du kennst dann ja das Niveau, auf dem dort
>diskutiert wird.
Ich kenne das Niveau meiner Jura-Vorlesungen aus den ersten beiden
Semestern ;-) Und ich denke schon, daß man auch mit Schülern ein
bißchen BGB-Hopping (Hüpfen von Paragraph zu Paragraph) betreiben
kann. Wir haben das in der Schule oberflächlich anhand des
Minderjährigenrechtes gemacht.
Um zum GG zurückzukommen: Dort kann man schlecht durch die Paragraphen
hüpfen (nicht nur, weil es keine hat - auch Artikel hat es dafür zu
wenig ;-)). Aber man könnte schon erklären, wo ein Jurist in einigen
Artikeln Probleme findet - Roman Herzog hatte dafür ein paar schöne
Beispiele ;-)
>Außerdem braucht man kein riesengroßes juristsiches Hintergrundwissen,
>um Schülern das GG zu erklären. Und einen Kommentar zum GG lesen kann
>der Lehrer auch.
Meinst Du damit einen "richtigen" Kommentar? Also einen juristischen?
Da hat der Lehrer aber schon viel zu tun ;-)
>Der Lehrer weiß aber besser, wie er dieses Wissen
>vermitteln kann, wie er dieses vermittelte Wissen festigen und den
>Schüler anwenden lassen kann. Dass das der Jurist vernünftig
>hinbringt, würde wahrscheinlich noch viel seltener passieren als beim
>Lehrer.
Okay, das mag gut sein.
>>Wenn in einem Schuljahr in der Mittelstufe Kunst und/oder Musik
>>wegfielen, würde das wohl nicht so viel ausmachen. Man könnte aber
>>auch z.B. in eine Wochenstunde Deutsch opfern; da dieses Fach über 13
>>Jahre mit vielen Wochenstunden unterrichtet wird, würde sich eine
>>Kürzung um eine Stunde in einem Jahr wohl nicht so drastisch
>>auswirken.
>
>Bei Kunst/Musik gehe ich mit. Das ist auch das gewesen, was mir
>spontan einfiel, als ich dein Posting las.
Na also, damit hätten wir ja schon einige Stunden.
>Bei Deutsch sieht das schon
>wieder anders aus. Du gehst aber wieder vom Gymnasium aus.
Ich kann nicht aus meiner Haut.
>Dort trifft
>das vielleicht/wahrscheinlich auch zu. Gehen wir aber mal zum
>Anfangspunkt dieses Threads zurück. Der Gedanke, den Uwe Berger hatte,
>war ja der, dass er dem Rechtsextremismus durch eine bessere
>Aufklärung in der Schule vorbeugen wollte (so habe ich ihn zumindest
>verstanden; schade, dass er sich nicht mehr gemeldet hat). Die
>Hauptzielgruppe für solche Aufklärung sitzt aber IMHO nicht am
>Gymnasium. Die sind meiner Meinung nach durch eine höhere Intelligenz
>nicht so anfällig für dieses rechtsextremen Schwachsinn.
Ich stimme zu; selbstverständlich ist das aber nicht. Erstens komme
ich von einem Gymnasium mit eher ländlichem Einzugsbereich (und noch
nicht einmal in Ostdeutschland, wo das Problem Rechtsextremismus ja am
akutesten ist); zweitens wurde nach einer allerdings sehr fragwürdigen
Umfrage aber auch von diesem Gymnasium behauptet, es gebe einen hohen
Anteil zumindest rechtsradikaler Schüler.
>Die
>Hauptzielgruppe sitzt an der Mittelschule. Wenn ich mir aber täglich
>auf Arbeit die Rechtschreibung dieser Leute ansehen muss, kommt bei
>dem Gedanken, denen noch Deutsch zu kürzen, bei mir ein wenig
>Unbehagen auf.
Verständlich; ich frage mich aber, inwieweit man in der Mittelstufe
noch Rechtschreibung lernt. Ich dachte eigentlich, daß dieser Prozeß
spätestens nach der 6. Klasse größtenteils (also bis auf ein paar
Feinheiten) abgeschlossen sein sollte.
[mangelndes Interesse an Nachkriegsgeschichte]
>Da sind wir schon zwei, die das nicht verstehen. ;-)
>Aber mal im Ernst. Wenn ich mir meine Schüler ansehe, kann man schon
>erschrecken, wie geistig träge die Mehrzahl ist, sobald es irgendwie
>im entferntesten um Politik geht. Aber am besten im gleichen Atemzug
>ein paar Sprüche unter der Gürtellinie über *die Politiker* ablassen.
>Da kann einem schon manchmal die Galle hochkommen und man muss an sich
>halten, dass man seine Meinung nicht zu direkt sagt.
Ich habe, glaube ich, schon einmal berichtet, daß die Situation an
meinem Gymnasium nicht viel besser war - auch bei durchaus
intelligenten Schülern.
Gruß,
Christoph
"Uwe Berger" <ber...@informatik.tu-cottbus.de> schrieb im Newsbeitrag
news:8q6u6a$isp$1...@Maust.bbone.tu-cottbus.de...
> Hallo,
>
> mich würde mal interessieren wieviel Ge-Stunden in anderen
> Bundesländern in
> der Sek I am Gym. erteilt werden.
> In Brandenburg in Kl 7, 9, 10 ist es 1 Wochenstunde, in Kl. 8
> sind es 2 WS.
>
> Politiker debattieren über Ursachen des Rechtsextremismus,
> mangelnde Geschichtskenntnisse gehören bestimmt dazu.
> Viele Brandenburger Schüler hören, obwohl meist sehr
> interessiert, nur im Schnelldurchlauf etwas zum Thema
> Nationalsozialismus (wenn überhaupt).
> II. Weltkrieg und Nachkriegszeit sind zeitlich nicht zu schaffen.
>
> Über Antworten würde ich mich sehr freuen.
>
> MfG Uwe Berger
>
>
heute komme ich endlich mal dazu, dein Posting zu beantowrten.
> Aber ich weiß noch, daß wir etliche wichtige Themen gemacht haben; so
> z.B. das Wahlsystem (oh, da fällt mir doch glatt etwas ein ;-)), ein
> bißchen Wirtschaft, ein bißchen Recht, das Zusammenwirken der
> Verfassungsorgane (gut, das hat natürlich mit dem Grundgesetz zu tun,
> aber wir sind nicht anhand desselben vorgegangen), und den Abschnitt
> über den Bundeskanzler im GG haben wir sogar tatsächlich
> durchgenommen.
Wenn es um das Grundgesetz geht, muss man das IMHO nicht unbedingt mit
dem Gesetzestext machen. Das verleitet die Schüler häufig nur dazu,
die Formulierungen unreflektiert zu übernehmen. Viel wichtiger ist
doch der Inhalt. Und den habt ihr doch mit dem Zusammenwirken der
Verfassungsorgane mit erledigt.
BTW, Wirtschaft und Recht in der Sozialkunde? Gab es dafür den nicht
extra Wirtschaftskunde?
> Klar. Aber wenn man bedenkt, wie wenig Sozialkunde die Schüler in der
> Oberstufe (so sie sie denn besuchen) noch haben werden, muß man
> eigentlich ziemlich viele Themen zumindest ansprechen.
Da ist halt doch die Berufsschule wieder besser. Dort hat jeder
Sozialkunde und kann es nicht mal abwählen. ;-)
> >Außerdem würde es
> >den meisten Juristen schwer fallen, das ganze auf dem Niveau (nicht
> >abwertend gemeint) anzubieten, welches von den Schülern gebraucht
> >werden würde.
>
> Na ja, ich habe vor ein paar Monaten mehrere Vorträge vom wohl
> bekanntesten deutschen Juristen gehört (Roman Herzog) und traue ihm
> das durchaus zu ;-) Ich denke auf jeden Fall nicht, daß ein Jurist mit
> der Darstellung juristischer Sachverhalte ein größeres Problem hätte
> als irgendein anderer Experte, gleich auf welchem Gebiet.
Herzog würde ich das auch zutrauen. Und auch ein anderer Jurist hätte
mit Sicherheit kein Problem, einen juristischen Sachverhalt
darzustellen. Aber die meisten Juristen dürften mit Sicherheit ein
Problem damit haben, diesen Sachverhalt so darzustellen, dass auch ein
normaler Schüler ihn versteht. Ist es dir denn an der Uni noch nie so
gegangen, dass du einen Prof hattest, der zwar Experte auf seinem
Gebiet war, aber trotzdem nicht in der Lage war, es den Studenten
verständlich zu erklären? Und das ist das Problem. Der Jurist ist
Experte bei seiner Juristerei. Aber er ist kein Experte, irgendwelche
Dinge verständlich zu erklären. Schon gar keine juristischen. Lies dir
doch mal eine beliebige Urteilsbegründung durch.
> Um zum GG zurückzukommen: Dort kann man schlecht durch die Paragraphen
> hüpfen (nicht nur, weil es keine hat - auch Artikel hat es dafür zu
> wenig ;-)). Aber man könnte schon erklären, wo ein Jurist in einigen
> Artikeln Probleme findet - Roman Herzog hatte dafür ein paar schöne
> Beispiele ;-)
Warum soll der normale Schüler denn mit den juristischen Feinheiten
des GG konfrontiert werden, über die sogar die Juristen selber sich
streiten? Das wäre doch total überzogen. Der Schüler soll die
wichtigsten Regelungen des GG kennen und im besten Falle dahinter
stehen. Und ich sags nochmal, dazu braucht man keinen Juristen.
> Meinst Du damit einen "richtigen" Kommentar? Also einen juristischen?
> Da hat der Lehrer aber schon viel zu tun ;-)
Ab wann ist ein Kommentar ein "richtiger juristischer" Kommentar? Ich
hab den von der Bundeszentrale. Und der hat mir bis jetzt immer
gereicht, wenn ich mal eine Formulierung klären musste. Und das hab
ich dann sogar auch verstanden. :-)
> Verständlich; ich frage mich aber, inwieweit man in der Mittelstufe
> noch Rechtschreibung lernt.
Ernsthaft nicht? Dann brauch ich mich über die Rechtschreibung unserer
Schüler nicht zu wundern. Aber das kann ich mir eigentlich nicht
vorstellen.
Viele Grüße
Michael
>heute komme ich endlich mal dazu, dein Posting zu beantowrten.
Bei mir kann es jetzt, nach Beginn der Vorlesungszeit, auch
gelegentlich etwas länger dauern.
>>Aber ich weiß noch, daß wir etliche wichtige Themen gemacht haben; so
>>z.B. das Wahlsystem (oh, da fällt mir doch glatt etwas ein ;-)), ein
>>bißchen Wirtschaft, ein bißchen Recht, das Zusammenwirken der
>>Verfassungsorgane (gut, das hat natürlich mit dem Grundgesetz zu tun,
>>aber wir sind nicht anhand desselben vorgegangen), und den Abschnitt
>>über den Bundeskanzler im GG haben wir sogar tatsächlich
>>durchgenommen.
>
>Wenn es um das Grundgesetz geht, muss man das IMHO nicht unbedingt mit
>dem Gesetzestext machen. Das verleitet die Schüler häufig nur dazu,
>die Formulierungen unreflektiert zu übernehmen. Viel wichtiger ist
>doch der Inhalt. Und den habt ihr doch mit dem Zusammenwirken der
>Verfassungsorgane mit erledigt.
Der Inhalt ist wichtiger, ja. Aber es ist m.E. auch wichtig, einen
Gesetzestext selbst lesen und verstehen zu können - und solange man
noch nicht in die verfassungsrechtlichen Details geht, ist das
Grundgesetz im Gegensatz zu manch anderen Gesetzen sogar recht leicht
verständlich.
>BTW, Wirtschaft und Recht in der Sozialkunde? Gab es dafür den nicht
>extra Wirtschaftskunde?
Nein, leider nicht. Das hätte es nur in einem Wirtschaftsgymnasium
gegeben. Noch ein Grund, warum ich die Wochenstundenzahl in
Sozialkunde für zu gering erachte.
>>Klar. Aber wenn man bedenkt, wie wenig Sozialkunde die Schüler in der
>>Oberstufe (so sie sie denn besuchen) noch haben werden, muß man
>>eigentlich ziemlich viele Themen zumindest ansprechen.
>
>Da ist halt doch die Berufsschule wieder besser. Dort hat jeder
>Sozialkunde und kann es nicht mal abwählen. ;-)
Auf dem Gymnasium im Prinzip auch, aber nicht die ganze Zeit über, und
wenn gerade mal Lehrermangel herrscht, kann es auch schon mal komplett
wegfallen.
>>Na ja, ich habe vor ein paar Monaten mehrere Vorträge vom wohl
>>bekanntesten deutschen Juristen gehört (Roman Herzog) und traue ihm
>>das durchaus zu ;-) Ich denke auf jeden Fall nicht, daß ein Jurist mit
>>der Darstellung juristischer Sachverhalte ein größeres Problem hätte
>>als irgendein anderer Experte, gleich auf welchem Gebiet.
>
>Herzog würde ich das auch zutrauen. Und auch ein anderer Jurist hätte
>mit Sicherheit kein Problem, einen juristischen Sachverhalt
>darzustellen. Aber die meisten Juristen dürften mit Sicherheit ein
>Problem damit haben, diesen Sachverhalt so darzustellen, dass auch ein
>normaler Schüler ihn versteht.
IMHO muß z.B. ein Rechtsanwalt auch dazu in der Lage sein, seinen
durchschnittlich intelligenten Mandanten einen juristischen
Sachverhalt halbwegs erklären zu können, wenn dieser sie
interessiert...
>Ist es dir denn an der Uni noch nie so
>gegangen, dass du einen Prof hattest, der zwar Experte auf seinem
>Gebiet war, aber trotzdem nicht in der Lage war, es den Studenten
>verständlich zu erklären?
Doch, das kommt gelegentlich vor. Bei meinen bisherigen Jura-Dozenten
(immerhin drei verschiedene plus eine Vertretung) allerdings noch
nicht ;-)
>Und das ist das Problem. Der Jurist ist
>Experte bei seiner Juristerei. Aber er ist kein Experte, irgendwelche
>Dinge verständlich zu erklären. Schon gar keine juristischen. Lies dir
>doch mal eine beliebige Urteilsbegründung durch.
Ich glaube schon, daß das Problem prinzipiell besteht - aber nicht in
höherem Ausmaß als bei anderen Berufszweigen. Und somit gibt es
genügend rühmliche Ausnahmen.
>>Um zum GG zurückzukommen: Dort kann man schlecht durch die Paragraphen
>>hüpfen (nicht nur, weil es keine hat - auch Artikel hat es dafür zu
>>wenig ;-)). Aber man könnte schon erklären, wo ein Jurist in einigen
>>Artikeln Probleme findet - Roman Herzog hatte dafür ein paar schöne
>>Beispiele ;-)
>
>Warum soll der normale Schüler denn mit den juristischen Feinheiten
>des GG konfrontiert werden, über die sogar die Juristen selber sich
>streiten? Das wäre doch total überzogen. Der Schüler soll die
>wichtigsten Regelungen des GG kennen und im besten Falle dahinter
>stehen. Und ich sags nochmal, dazu braucht man keinen Juristen.
Zumindest die Schaffung eines Problembewußtseins sollte die Schule
IMHO schon anstreben. Man wird nicht erwarten, daß ein Schüler
schwierige juristische Probleme lösen kann - aber wissen, wo sie sind,
sollte er schon.
Die Einbeziehung von Experten aus der Praxis müßte übrigens noch nicht
einmal vorwiegend auf theoretisch interessante Probleme ausgerichtet
sein, sondern gerade auch auf praktische. Wahrscheinlich ist es dann
aber sinnvoller, ein Gericht aufzusuchen, statt den RIchter zu sich
kommen zu lassen.
>>Meinst Du damit einen "richtigen" Kommentar? Also einen juristischen?
>>Da hat der Lehrer aber schon viel zu tun ;-)
>
>Ab wann ist ein Kommentar ein "richtiger juristischer" Kommentar? Ich
>hab den von der Bundeszentrale. Und der hat mir bis jetzt immer
>gereicht, wenn ich mal eine Formulierung klären musste. Und das hab
>ich dann sogar auch verstanden. :-)
Ich würde, grob geschätzt, mal sagen, daß ein juristischer Kommentar
bei 500-1000 Seiten losgeht ;-) Für Lehrzwecke absolut ungeeignet.
>>Verständlich; ich frage mich aber, inwieweit man in der Mittelstufe
>>noch Rechtschreibung lernt.
>
>Ernsthaft nicht? Dann brauch ich mich über die Rechtschreibung unserer
>Schüler nicht zu wundern. Aber das kann ich mir eigentlich nicht
>vorstellen.
Wir hatten damals noch ein paar Feinheiten und vertiefende Übungen,
zumindest in Klasse 7 und 8; ich wage aber zu behaupten, daß
diejenigen, die vorher mit der Rechtschreibung nicht zurechtkamen, es
danach auch nicht konnten. Der Schwerpunkt lag anderswo, erst trecht
dann ab der 9. Klasse.
Christoph