Helmut Richter schrieb:
> On Sun, 22 Jun 2014, Timo wrote:
>
> > Helmut Richter schrieb:
> >
> > > Ja, was denn nun? Zu wenig Computerei (nicht so schᅵn wie GNUPlot) oder zuviel
> > > (zu schnell an die Wand geworfen)?
> >
> > Ich habe hier offenbar leider nicht eindeutig dargestellt, welche
> > Argumente von wem stammen. Ich mache einen zweiten Versuch:
>
> Und ich habe mich auch unklar geᅵuᅵert: die rhetorische Frage "Ja, was
> denn nun?" richtet sich nicht an dich,
Dass die Frage eher rhetorisch gemeint war, weil auf etwas
bezogen, was Deiner Meinung nach von der Lehrerin ausging, und
damit von jemandem, der an unserer momentanen Unterhaltung
nicht beteiligt ist, ist klar. Du hast Dich da meiner Meinung nach nicht
unklar geᅵuᅵert.
Aber Deine Annahme, dass es der Lehrerin mal zuviel Computerei
sei, trifft nicht zu. Diese Annahme kam dadurch zustande, dass _ich_
unsauber dargestellt hatte, von wem welche Argumente stammen.
> sondern an die Lehrerin, der es mal
> zu wenig und mal zu viel Computerei ist.
Der Lehrerin war es an keiner Stelle ihrer Argumentation zuviel
Computerei, sondern es war ihr nur zu wenig Computerei.
Sie hᅵtte zB wᅵnschenswert gefunden, wenn ich GNUPlot oder
dergleichen werwendet hᅵtte.
Ich habs aber nicht verwendet -- unter anderem, weil ich befᅵrchtete,
dass es dann dem Publikum zu schnell gehen wᅵrde. (So, wie ich
es ohne GNUPlot etc gemacht habe, ist es dem Publikum offenbar
nicht zu schnell gegangen...)
Das wollte ich nochmal so dargelegt haben, damit klar ist, was wer
(Lehrerin/ich) gesagt hat.
Aber wenn ich per GNUPlot/Beamer fertige Zeichnungen an die Wand
werfen lasse -- wie mache ich das dann zeitlich?:
Knallt man die fertige Zeichnung an die Wand und wartet schweigend
drei Minuten lang ab, bis die Mitschreiber sie eilig abgemalt haben?
Ich hᅵtte auch eine Animation basteln kᅵnnen, bei der der Computer
die Zeichnung langsam automatisiert hinmalt, und nichts tuend oder
labernd abwarten bis der Computer fertig ist.
Ich fand es irgendwie angenehmer, wᅵhrend des Zeichnens an der
Tafel zu erklᅵren, was jetzt eingezeichnet wird und welche Dinge
in der Zeichnung welchen bereits gesagten Dingen entsprechen
und dabei die Leute zu fragen, wo jetzt ihrer Meinung nach welche
Dinge eingezeichnet werden mᅵssen oder in der Zeichnung zu
finden sind, und so einen Eindruck zu bekommen, ob jemand
meinen Ausfᅵhrungen folgen konnte.
> Und bei der Grundidee bin ich
> geblieben: erst der Inhalt, dann die Form. Wenn der Inhalt steht, den ich
> schreiben will, ist es eine flotte Sache, nachtrᅵglich HTML oder Word draus zu
> machen -- ich finde, das geht flotter, als z.B. Word schon beim Schreiben zu
> verwenden. Aber ich bin ja auch aus der Generation dieses Lehrers.
Kurze Texte schreibe ich meistens, wenn ᅵberhaupt am
Computer, dann erst unformatiert als Plain-Text mit einem
Editor. Wenn das fertig ist, ᅵffne ich sie mit Word und
formatiere nachtrᅵglich.
Oder fᅵge nachtrᅵglich XML-Tags oder HTML-Tags oder
(La)TeX-Kontrollsequenzen ein.
Aber bei langen Texten und Gruppenarbeiten lege ich wert
darauf, dass von vorneherein "Form"aufgeteilt wird in
1. Logisches Markup bzw abstrakte Rubrizierung, was dazu dient,
in der Erstellungsphase fᅵr die Ersteller bestimmte Dinge als zu
einer Gliederungs-, Einteilungs-, Ordnungs- und/oder
Verzeichnisrubrik gehᅵrend zu kennzeichnen.
2. Prozedurales Markup bzw konkrete Rubrizierung, was dazu dient,
als zu einer Rubrik gehᅵrend gekennzeichneten Elementen im
vorzulegenden fertigen Dokument ein bestimmtes Aussehen zu
verleihen, also solche Elemente auf bestimmte Weise formatiert
darzustellen.
(Bspw mithilfe von vom normalen Text abweichendem
Absatzlayout, Schriftfamilie, Schriftgewicht, Schriftschnitt,
Schriftgrᅵsse, Schriftfarbe) .
( Im Mittelalter verstand man unter "Rubrizierung", von lat. rubricare
"rotfᅵrben, mit Rubriken versehen", das Verwenden von roter Farbe,
um bei auf Papier (zB in Buchform oder Schriftrollenform) vorliegenden
Texten bestimmte Gliederungs-, Ordnungs- und Schmuckelemente
hervorzuheben.
Heutzutage gehts bei "abstrakter Rubrizierung" nicht mehr unbedingt
konkret ums rot Einfᅵrben als eine spezielle Formatierungsart, aber
immer noch -- abstrakt -- darum, was fᅵr Gliederungs- und Ordnungs-
elemente (und meinetwegen auch Schmuckelemente) man in seinem
Dokument ᅵberhaupt benᅵtigt/verwenden mᅵchte. Wer Denglisch mag,
spricht da von "logischem Markup". )
Abstrakte Rubrizierung/logisches Markup ist so eine Sache, wegen
der ich langsam anfange, auf SGML/XML aufbauende
Strukturierungsformate wie DocBook und DITA zu mᅵgen:
Wenn man bei langen Texten oder Gruppenarbeiten nicht vorher
plant, wie man Inhalte anordnen, untergliedern, strukturieren, in
Rubriken einteilen will, und nicht vorher dafᅵr die entsprechenden
Tags als Ordnungs- und Kennzeichnungselemente definiert und
die dann auch verwendet, bekommt man hinterher Spass,
weil man, wenn man grosse Plain-Text-Dokumente "nachtrᅵglich
strukturiert", Gefahr lᅵuft, irgwendwo zu ᅵbersehen, dass etwas,
was man noch nicht "getaggt" hat, auch in eine bestimmte Rubrik
gehᅵrt ...
Aber vor allem kann ich bei XML-Formaten das Strukturieren/
Einteilen in Rubriken und Kennzeichnen als zu einer Rubrik gehᅵrend,
abkoppeln vom konkreten Darstellen und muss mich erstmal nicht mit
Frickeleien abgeben, die zB dazu dienen, Textstᅵcke irgendwie
darzustellen, etwa in grᅵsserer Schrift, oder kursiv oder fett oder
farbig oder dergleichen zu setzen.
Das empfinde ich als vorteilhaft, denn
1) wenn ich gerade am Eintippen bin, stᅵren solche Frickeleien
meinen Arbeitsfluss enorm -- insbesondere bei Programmen mit
menᅵfᅵhrungs- und/oder Button-basierter graphischer Benutzer-
oberflᅵche, bei denen man die Hand von der Tastatur nehmen
und mit der Maus Textstᅵcke markieren und dann irgendwo
hinklicken muss, beeintᅵchtigen der Umstand,
dass meine Hand jetzt was anderes machen muss, nᅵmlich
nicht tippen, sondern die Maus oder das Touchpad bedienen,
und der Umstand, dass ich mich auf Dialogboxen, Buttons und
Menᅵs konzentrieren muss, statt auf den Bereich, wo der zu
erstellende Text angezeigt wird, meine Konzentration ziemlich.
Lieber lasse ich die Hand auf der Tastatur und tippe nebenher
eben noch ein XML-Tag direkt in den Text ein...
2) das konkrete Formatieren/Darstellen hᅵngt davon ab, in
welcher Form man den Text vorlegen mᅵchte/soll. Diese Frage
kann man vertagen, bis man den Inhalt erstellt und strukturiert/
abstrakt rubriziert hat, oder bis die ᅵber einen waltenden
Mᅵchte endlich wissen, wie sie es von einem haben wollen.
(Form: Z.B. Datei fᅵr Text-Reader; EBook; PDF-Datei mit
Hyperlinks und fester Seitengrᅵᅵe; Word-Datei; LaTeX-Datei;
Troff-Datei fᅵr Buchdruck; HTML-Datei als Webseite ohne
Seitenzᅵhlung/Seiteneinteilung sondern mit Frames und Sub-Pages
zur "Navigation" und mit fortlaufender Textanzeige auf allen
mᅵglichen Arten von Displays/Bildschirmen...)
Anfangs kann ich zB fᅵr Dinge aus den zur Absatzgliederung
gehᅵrenden Rubriken (ᅵberschriften), oder fᅵr Dinge, bei denen
Nebenabsatz- und Referenzierungs-Rubriken wie Fussnote oder
Endnote oder Randnotiz oder "Verweis auf andere Stelle" eine
Rolle spielen, oder fᅵr Dinge bei denen Verzeichnis-Rubriken wie
Inhaltsverzeichnis, Abbildungsverzeichnis, Tabellenverzeichnis,
Index, Glossar oder Bibliographie eine Rolle spielen, oder fᅵr Dinge,
bei denen Rubriken, wie"abgesetzte Formel", Beweis, Satz,
Befehle/Tags einfᅵhren und dann diese Tags bei der Texteingabe
mit eintippen, um dadurch zu den entsprechenden Rubriken
gehᅵrende Phrasen zu kennzeichnen.
Aber konkret formatiert wird erst dann, wenn der strukturierte
abstrakt rubrizierte Inhalt steht und man darangeht, aus dem
XML/SGML-Dokument eine Form bzw ein Darstellungsformat
(bspw ein Word-Dokument oder eine LaTeX-Datei oder eine
Website in HTML oder eine pdf-Datei oder dergleichen)
abzuleiten und dabei festzulegen, welche Tags wie auf welche
im abgeleiteten Format gegebenen Kennzeichnungs- bzw
Formatierungselemente "abzubilden" sind.
Fᅵr Gruppenarbeiten finde ich das praktisch:
Fᅵr DocBook oder DITA reicht ein einfacher Plain-Text-Editor
und den hat plattformunabhᅵngig jeder, der mit einem Computer
arbeitet. Also kᅵnnen alle ihren eigenen Computer verwenden
um mitzuarbeiten.
Hinterher kann jeder aus dem durch textbasiertes XML-artiges
logisches Markup abstrakt rubrifizierten Text dasjenige konkrete
Darstellungsformat ableiten, das ihm auf seinem Computer/
seiner Plattform genehm ist, zB ein prozedurales Markup,
oder ein Word-Dokument, eine pdf-Datei, HTML,
LaTeX -> dvi/pdf/ps.
Fᅵr mich heisst das:
- Zuerst der Inhalt.
- Dabei mᅵglichst schon die benᅵtigten abstrakten Rubrizierungsklassen
(Klassen von Gliederungs- und Ordnungselementen) festlegen
von abstrakten Rubrizierungsklassen betrachtet werden kᅵnnen,
durch entsprechende Tags kennzeichnen.
- Wenn der abstrakt rubrizierte Inhalt steht, Abbilden dieses Inhalts
auf
ein Format zur konkreten Darstellung, in welchem der Text vorgelegt
werden soll. (ZB Word-Dokument, (La)TeX-Dokument, pdf-Datei,
HTML-Datei.)
- Wie im abgeleiteten Darstellungsformat die Instanzen jeweiliger
Rubriken
konkret dargestellt bzw formatiert werden, ergibt sich zum einen aus
den Richtlinien fᅵrs Abbilden auf das jeweilige Darstellungsformat und
zum anderen aus den im abgeleiteten Darstellungsformat gegebenen
Mᅵglichkeiten hinsichtlich Kennzeichnung und Darstellung von zu
formatierenden Elementen.
Fᅵr mich heisst es das. Meine Schulkollegen wollen Word, wo man
keine komischen Befehle, Zeichen oder Kontrollsequenzen sieht.
Als eine Art Schreibmaschine. Bei der man kein Tipp-Ex braucht,
weil der Computerbildschirm das Blatt Papier ersetzt, auf
dem man WYSIWYG-mᅵssig gleich sieht, was man hingetippt
und dann markiert und durch Anklicken der Buttons "F" und "U"
sowohl fett gemacht als auch unterstrichen hat. Bei denen und der
Deutsch-/ITG-Lehrerin werden Textabsᅵtze umgebrochen, nicht
umbrochen. Ausserdem bastelt man da mit Word-Art kreative
bunte Einladungskᅵrtchen bei denen die Hauptsache ist, dass wir
zeigen, dass wir wissen, wie man etwas bunt macht und mit
alles in einer Einladung drinstehen sollte.
Jetzt bin ich ziemlich abgeschweift -- ich hoffe, das macht nichts.