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Umgang mit Nachhilfe?

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Timo

unread,
Oct 14, 2014, 3:02:16 PM10/14/14
to
Hallo!

In den letzten Wochen habe ich einem Siebtklässler (Gymnasium) Nachhilfe
in Mathe gegeben, der seit der zweiten Hälfte der fünften Klasse in den
Mathearbeiten nie eine Notte hatte, die besser als eine "vier bis fünf" war
und nur in die siebte Klasse versetzt worden ist, weil er mit Schwafelfächern
ausgleichen konnte.

Zur Zeit machen die Geometrie und spielen mit Dreiecken und Kongruenzsätzen
und solchen Sachen. Also hab ich erstmal da mein Augenmerk drauf gelegt.
Er hatte jetzt in der letzten Mathearbeit eine "eins bis zwei". ( Bei einer Lehrerin,
die im übrigen meiner Meinung nach inflationär gute Noten verteilt, weil sie hofft,
dafür von uns Schülern geliebt und aufm Elternabend für eine gute Lehrerin
gehalten zu werden. )

Jetzt glaubt er, dass er keine Nachhilfe mehr nötig hat.

Das Problem ist, dass das bisher nur Geometrie war.
In Punkto Algebra und Rechnen und Gleichungen Lösen wäre da eigentlich
noch viel zu tun, wenn er wirklich dauerhaft auf einen grünen Zweig kommen
will, und meine Prognose ist, dass er wieder schlechte Noten bekommen
wird wenn die "Geometrie-Phase" endet. Es sei denn, er kümmert sich jetzt
drum.

Aber er will nicht mehr und vertritt den Standpunkt, dass er keine Nachhilfe
mehr nötig hat.

Ausserdem hatte ich mit ihm bisher immer das Problem, dass er mir nicht
glauben wollte, dass es nicht reicht, wenn er etwas, was ich ihm erkläre,
nachvollzogen/verstanden hat, sondern dass er auch üben muss, weil es
im Zweifelsfall in der Klassenarbeit auch auf Zeit ankommt bzw darauf
ankommt, Sachen schnell umzusetzen ohne wegen mangelnder Übung
schwerfällig herumüberlegen oder zeitverschwendend eigene Rechenfehler
suchen und nachbessern zu müssen.

Wie würdet ihr damit umgehen? Überzeugungsarbeit leisten? Ihn machen
lassen wie er denkt - nach dem Motto "Des Menschen Wille ist sein
Himmelreich" ?

Freundliche Grüße

Timo

Detlef Müller

unread,
Oct 15, 2014, 4:49:15 AM10/15/14
to
On 14.10.2014 21:02, Timo wrote:
> Hallo!
>
> In den letzten Wochen habe ich einem Siebtklässler (Gymnasium) Nachhilfe
> in Mathe gegeben, [...]
> Jetzt glaubt er, dass er keine Nachhilfe mehr nötig hat.
>
> Das Problem ist, dass das bisher nur Geometrie war.
> In Punkto Algebra und Rechnen und Gleichungen Lösen wäre da eigentlich
> noch viel zu tun [...]
>
Wenn die Nachhilfe (auch seiner Meinung nach) nicht nur für die
Geometrie-Klausur gedacht war, werden die Nächsten Klausuren ja
zeigen, wer richtig lag.

> Ausserdem hatte ich mit ihm bisher immer das Problem, dass er mir nicht
> glauben wollte, dass es nicht reicht, wenn er etwas, was ich ihm erkläre,
> nachvollzogen/verstanden hat, sondern dass er auch üben muss, weil es
> im Zweifelsfall in der Klassenarbeit auch auf Zeit ankommt bzw darauf
> ankommt, Sachen schnell umzusetzen ohne wegen mangelnder Übung
> schwerfällig herumüberlegen oder zeitverschwendend eigene Rechenfehler
> suchen und nachbessern zu müssen.
>
Das ist nicht das einzige Problem:

Eine Erklärung zu verstehen ist der erste Schritt, dem
möglichst bald "Eindrillen" folgen muß ... sonst heißt
es nämlich in zwei Wochen "Also damals hatte ich noch verstanden
wie das geht ?!"
Damit etwas sitzt "wie Radfahren", muß man es auch entsprechend
lange üben.
Umgekehrt: Wenn man lange genug intensiv Termumformung selbst
betrieben hat, vergisst man die Regeln nicht mehr.
Von beidem gibt es wohl ganz selten Ausnahmen.

Mein Vergleich ist oft der Sport:
Glaubt der fragliche Schüler auch ernsthaft, wenn ihm ein
Trainer Liegestütze vormacht und er dabei zuschaut, daß
ihm dann die Muskeln wachsen?
Warum übt man beim Judo stundenlang die selben
Bewegungsabfolgen ("Katas")? Weil "Wissen" und "Können"
zwei verschiedene Sachen sind: Das Können ist weit weniger
flüchtig als das Wissen (wobei hier eher dein Effizienz-
Argument von oben der Grund ist).
Beim Gitarre-Spielen werden stupide Tonfolgen geübt, bis
die Finger bluten aber Mathe will man vom Hörensagen
können?

> Wie würdet ihr damit umgehen? Überzeugungsarbeit leisten? Ihn machen
> lassen wie er denkt - nach dem Motto "Des Menschen Wille ist sein
> Himmelreich" ?
>
Mehr als die Argumente darlegen kann man eigentlich kaum
machen.
Weitere Überredungsversuche sind imo nicht gut - und
recht undankbar (wenn die Nachhilfe erfolgreich ist,
heißt es nämlich "wusste ich doch, dass es nicht nötig
war").

Die Idee, daß Mathe erst dann richtig interessant
wird, wenn sich einen "Mathe-Blick" antrainiert hat
und für "Kleinkram" nicht mehr bewusst nachdenken muß,
ist etwas schwer zu vermitteln ... insbesondere bei
Menschen mit Mathe-Aversion.
Natürlich kann man dann das Niveau der Aussage von
"interessant" auf "erträglich" reduzieren :)

Schade ist natürlich, daß es erst wieder 4-er und 5-er
geben muß.

Aber wer weiß - womöglich hat er ja tatsächlich jetzt
raus, wie er richtig lernt.

Gruß,
Detlef

> Freundliche Grüße
>
> Timo
>


--
Dr. Detlef Müller,
http://www.mathe-doktor.de oder http://mathe-doktor.de

Uwe Bosse

unread,
Nov 24, 2019, 8:36:47 AM11/24/19
to
Hallo,
dass er in der siebten Klasse die Weichen mit Gleichungen und Termumformung die
Weichen stellt, die entscheiden, ob er ewig wie als Schicksal immer um die Note
mangelhaft kreisen wird und in der Oberstufe um einen Punkt kämpfen muss, also
weit entfernt sein wird, die Fünf-Punkte-Hürde zu nehmen: das wissen die
erfahrenen Mathelehrer. Ein Siebtklässler wird es nicht glauben und verdrängen.
Er hat auch nicht die Selbstkontrolle, einer Einsicht zu folgen. Da müssen
Eltern und Lehrer an einem Strang ziehen und leichten Druck ausüben.
Im konkreten Fall würde ich versuchen - auch mit den Eltern im Boot - eine
Abmachung zu treffen: sobald die alten Probleme wieder kommen, kommt er wieder.
Natürlich ist es für den Nachhilfelehrer sehr unbefriedigend nur
symptombekämpfende Flickschusterei betreiben zu müssen, weil für einen
wirklichen Verständnisaufbau die Zeit fehlt - und genau darauf wird es ja dann
hinauslaufen, wenn er kurz vor der Arbeit wieder auf der Matte steht.

Gruß, Uwe

HC Ahlmann

unread,
Nov 27, 2019, 7:08:36 AM11/27/19
to
Der Siebtklässer aus dem 62 Monate alten OP hat es mittlerweile
eingesehen oder erlebt, weil er entweder im 12. Jahrgang ist oder das
Gymnasium verlassen hat.
Könnte man mit einer einfachen Gleichung ausrechnen, vielleicht gibt der
OP noch Nachhilfe ;-)
--
Munterbleiben
HC
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