On 14.10.2014 21:02, Timo wrote:
> Hallo!
>
> In den letzten Wochen habe ich einem Siebtklässler (Gymnasium) Nachhilfe
> in Mathe gegeben, [...]
> Jetzt glaubt er, dass er keine Nachhilfe mehr nötig hat.
>
> Das Problem ist, dass das bisher nur Geometrie war.
> In Punkto Algebra und Rechnen und Gleichungen Lösen wäre da eigentlich
> noch viel zu tun [...]
>
Wenn die Nachhilfe (auch seiner Meinung nach) nicht nur für die
Geometrie-Klausur gedacht war, werden die Nächsten Klausuren ja
zeigen, wer richtig lag.
> Ausserdem hatte ich mit ihm bisher immer das Problem, dass er mir nicht
> glauben wollte, dass es nicht reicht, wenn er etwas, was ich ihm erkläre,
> nachvollzogen/verstanden hat, sondern dass er auch üben muss, weil es
> im Zweifelsfall in der Klassenarbeit auch auf Zeit ankommt bzw darauf
> ankommt, Sachen schnell umzusetzen ohne wegen mangelnder Übung
> schwerfällig herumüberlegen oder zeitverschwendend eigene Rechenfehler
> suchen und nachbessern zu müssen.
>
Das ist nicht das einzige Problem:
Eine Erklärung zu verstehen ist der erste Schritt, dem
möglichst bald "Eindrillen" folgen muß ... sonst heißt
es nämlich in zwei Wochen "Also damals hatte ich noch verstanden
wie das geht ?!"
Damit etwas sitzt "wie Radfahren", muß man es auch entsprechend
lange üben.
Umgekehrt: Wenn man lange genug intensiv Termumformung selbst
betrieben hat, vergisst man die Regeln nicht mehr.
Von beidem gibt es wohl ganz selten Ausnahmen.
Mein Vergleich ist oft der Sport:
Glaubt der fragliche Schüler auch ernsthaft, wenn ihm ein
Trainer Liegestütze vormacht und er dabei zuschaut, daß
ihm dann die Muskeln wachsen?
Warum übt man beim Judo stundenlang die selben
Bewegungsabfolgen ("Katas")? Weil "Wissen" und "Können"
zwei verschiedene Sachen sind: Das Können ist weit weniger
flüchtig als das Wissen (wobei hier eher dein Effizienz-
Argument von oben der Grund ist).
Beim Gitarre-Spielen werden stupide Tonfolgen geübt, bis
die Finger bluten aber Mathe will man vom Hörensagen
können?
> Wie würdet ihr damit umgehen? Überzeugungsarbeit leisten? Ihn machen
> lassen wie er denkt - nach dem Motto "Des Menschen Wille ist sein
> Himmelreich" ?
>
Mehr als die Argumente darlegen kann man eigentlich kaum
machen.
Weitere Überredungsversuche sind imo nicht gut - und
recht undankbar (wenn die Nachhilfe erfolgreich ist,
heißt es nämlich "wusste ich doch, dass es nicht nötig
war").
Die Idee, daß Mathe erst dann richtig interessant
wird, wenn sich einen "Mathe-Blick" antrainiert hat
und für "Kleinkram" nicht mehr bewusst nachdenken muß,
ist etwas schwer zu vermitteln ... insbesondere bei
Menschen mit Mathe-Aversion.
Natürlich kann man dann das Niveau der Aussage von
"interessant" auf "erträglich" reduzieren :)
Schade ist natürlich, daß es erst wieder 4-er und 5-er
geben muß.
Aber wer weiß - womöglich hat er ja tatsächlich jetzt
raus, wie er richtig lernt.
Gruß,
Detlef
> Freundliche Grüße
>
> Timo
>
--
Dr. Detlef Müller,
http://www.mathe-doktor.de oder
http://mathe-doktor.de