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Re: Protokollanalyse, Ethereal und der ganz normale Wahnsinn

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Hendrik Sattler

unread,
Oct 13, 2004, 9:38:28 AM10/13/04
to
Andreas Rittershofer wrote:

> Online-Kurs "Computernetzwerke"
> http://www.OntoLearn.de/moodle

Interessant ist, daß IP in Kapitel 4 kommt, ARP aber erst in Kapitel 10 und
sogar Routing noch davor kommt...

HS

Andreas Rittershofer

unread,
Oct 13, 2004, 10:32:55 AM10/13/04
to
Hendrik Sattler wrote:

An der Reihenfolge habe ich lange herumgebastelt und immer wieder hin und
her geschoben und auch der jetzige Stand ist vielleicht noch nicht der
endgültige.

Vom sachlogischen / fachwissenschaftlichen Aufbau her würde man natürlich
das Schichtenmodell von unten nach oben durcharbeiten, d.h. erst käme ARP,
später IP, noch später Routing, usw.. Mir persönlich wäre dieser Aufbau und
damit diese Reihenfolge durchaus recht.

Aus Sicht des Lehrers, sowohl live in meiner AG "Computernetzwerke" an
meiner Schule als auch virtuell im Online-Kurs, sprechen imho verschiedene
methodische und didaktische Überlegungen gegen die oben genannte
Reihenfolge:
Wenn ich versuche, mich in jemanden hineinzuversetzen, der ohne oder mit
wenigen Vorkenntnissen an diese Thematik herangeht, dann ist es für diesen
vermutlich nicht sehr prickelnd, erstmal lange Theoriephasen durchstehen zu
müssen oder sich mit Dingen abgeben, die ihm völlig fremd sind, wie z.B.
ARP - dem Netzwerkanfänger sagt das nichts.

Mir erschien ein anderer Zugang sinnvoller und für den Lernenden
vermutlich/hoffentlich spannender:
Wir beginnen damit, dass wir mit Ethereal einfach mal lauschen, was z.B.
passiert, wenn man im Web surft. Diesen Datenverkehr versuchen wir zu
verstehen und dabei lernen wir Schritt für Schritt z.B. die Protokolle
HTTP, TCP und IP kennen - und zwar eher in dieser Reihenfolge als von unten
nach oben. Oder wir lauschen einfach mal, was bei einem völlig
unbeschäftigten Rechner vom Internet hereinkommt und was das wohl zu
bedeuten hat. So tauchen von alleine Fragen auf wie z.B.: Was ist SYN? Was
ist ACK? Was ist eine IP-Adresse? Was ist ein Port? Was ist eine
MAC-Adresse? usw. So beschäftigen wir uns mit den einzelnen Dingen genau
dann, wenn wir sie brauchen, um ein Capture zu verstehen und nicht quasi
auf Vorrat.

Ich hoffe, meine Überlegungen, die zu der Reihenfolge auf dem
OntoLearn-Moodle geführt haben, sind damit verständlich geworden.

mfg ar

--
E-Learning mit http://www.LmTM.de/
und http://www.OntoLearn.de/

Sebastian Bork

unread,
Oct 15, 2004, 2:57:41 PM10/15/04
to
* Andreas Rittershofer <and...@rittershofer.de> schrieb:

> Wir beginnen damit, dass wir mit Ethereal einfach mal lauschen, was z.B.
> passiert, wenn man im Web surft. Diesen Datenverkehr versuchen wir zu
> verstehen und dabei lernen wir Schritt für Schritt z.B. die Protokolle
> HTTP, TCP und IP kennen - und zwar eher in dieser Reihenfolge als von unten
> nach oben. Oder wir lauschen einfach mal, was bei einem völlig
> unbeschäftigten Rechner vom Internet hereinkommt und was das wohl zu
> bedeuten hat. So tauchen von alleine Fragen auf wie z.B.: Was ist SYN? Was
> ist ACK? Was ist eine IP-Adresse? Was ist ein Port? Was ist eine
> MAC-Adresse? usw. So beschäftigen wir uns mit den einzelnen Dingen genau
> dann, wenn wir sie brauchen, um ein Capture zu verstehen und nicht quasi
> auf Vorrat.

Ich glaube nicht, daß Du damit den gleichen Lernerfolg erzielst, wie mit
einer richtigen Strukturierung. Wenn man Fragen wie "was ist ein SYN"
behandelt, ohne die Grundlagen gelegt zu haben, stehen viele einzelne
Informationsfetzen einzeln herum. Wenn dagegen das OSI-Modell von unten
nach oben gelehrt wird, oder um es einfacher zu machen das TCP/IP-Refe-
renzmodell (ich wäre aber für OSI), dann haben die Lernenden ein Grund-
gerüst, in das sie alle Informationen einordnen können.

In der Reihenfolge, wie Du es planst, befürchte ich, daß sie am Ende
nicht die geringste Ahnung haben, zu welcher OSI-Schicht eine bestimmte
PDU gehört und auch nicht strukturierte Fehlersuche betreiben können
(also nacheinander die OSI-Layer checken, bis gefunden wird, ob es ein
physikalisches Problem, ein Problem mit dem Ethernet, ein Routingproblem
oder ein Problem auf der Anwendungsebene ist).

Das OSI-Modell ist unter anderem genau dafür gedacht, das Verständnis
der Zusammenhänge zu erleichtern. Nutze es doch dafür! Ich habe im Kurs
zum Cisco Certified Network Associate die Erfahrung gemacht, daß es sich
damit unheimlich gut lernen läßt.

--
"I am chaos. I am the substance from which your artists and scientists
build rhythms. I am the spirit with which your children and clowns
laugh in happy anarchy. I am chaos. I am alive, and tell you that
you are free." -- Eris, Goddess of Chaos, Discord & Confusion

Andreas Rittershofer

unread,
Oct 16, 2004, 2:42:37 AM10/16/04
to
Sebastian Bork wrote:

> * Andreas Rittershofer <and...@rittershofer.de> schrieb:
>> Wir beginnen damit, dass wir mit Ethereal einfach mal lauschen, was z.B.
>> passiert, wenn man im Web surft. Diesen Datenverkehr versuchen wir zu
>> verstehen und dabei lernen wir Schritt für Schritt z.B. die Protokolle
>> HTTP, TCP und IP kennen - und zwar eher in dieser Reihenfolge als von
>> unten nach oben. Oder wir lauschen einfach mal, was bei einem völlig
>> unbeschäftigten Rechner vom Internet hereinkommt und was das wohl zu
>> bedeuten hat. So tauchen von alleine Fragen auf wie z.B.: Was ist SYN?
>> Was ist ACK? Was ist eine IP-Adresse? Was ist ein Port? Was ist eine
>> MAC-Adresse? usw. So beschäftigen wir uns mit den einzelnen Dingen genau
>> dann, wenn wir sie brauchen, um ein Capture zu verstehen und nicht quasi
>> auf Vorrat.
>
> Ich glaube nicht, daß Du damit den gleichen Lernerfolg erzielst, wie mit
> einer richtigen Strukturierung. Wenn man Fragen wie "was ist ein SYN"

Gut, das ist abzuwarten.

> behandelt, ohne die Grundlagen gelegt zu haben, stehen viele einzelne

Das sehe ich anders: Ich kann sehr wohl behandeln, wie TCP funktioniert,
ohne wissen zu müssen, wie IP funktioniert. Das ist gerade der Vorteil
eines Schichtenmodells, dass die einzelnen Schichten unabhängig voneinander
sind.

> Informationsfetzen einzeln herum. Wenn dagegen das OSI-Modell von unten
> nach oben gelehrt wird, oder um es einfacher zu machen das TCP/IP-Refe-
> renzmodell (ich wäre aber für OSI), dann haben die Lernenden ein Grund-
> gerüst, in das sie alle Informationen einordnen können.
>

Wenn ich das so machte, dann habe ich in meiner AG in drei Wochen überhaupt
keine Lernenden mehr. Das OSI-Modell von unten nach oben ist in der Schule
imho die sicherste Methode, die Lernenden abzuschrecken, bei einer AG heißt
das, sie kommen nicht mehr.

> Das OSI-Modell ist unter anderem genau dafür gedacht, das Verständnis
> der Zusammenhänge zu erleichtern. Nutze es doch dafür! Ich habe im Kurs

Natürlich ist das der Sinn des OSI-Modells. Diesen Sinn hat es aber auch
dann noch, wenn die einzelnen Schichten nicht der Reihenfolge nach
bearbeitet werden. Es ist für die Schüler wesentlich motivierender, wenn
ich sie da abhole, wo sie stehen. D.h. wenn sie erst mal praktisch
einsteigen mit Beobachten des Netzwerktraffics mit Ethereal und dann das
näher anschauen, was am meisten auffällt - und das ist imho TCP, allein
schon der dauernden Angriffsversuche aus dem Internet wegen. Also schauen
wir uns TCP als erstes an. Logischerweise folgt dann IP, usw..

> zum Cisco Certified Network Associate die Erfahrung gemacht, daß es sich
> damit unheimlich gut lernen läßt.
>

Ich denke, die genannte Ausbildung ist nur schwer mit einer AG an einer
Schule vergleichbar - die Methodik und Didaktik bei einem CISCO-Kurs für
Erwachsene nicht übertragbar auf Schule, Unterricht und Jugendliche.

Joachim Deckers

unread,
Oct 18, 2004, 2:04:48 PM10/18/04
to
Ich stimme dir aus eigener Erfahrung zu, Andreas: In eine Reihe zu
Netzwerkprotokollen und Entwicklung eigener Internetdienste steige ich
in meinem Informatikunterricht (Jgst. 12, machmal auch schon Ende 11)
für gewöhnlich mit dem Sniffen ein (natürlich ebenfalls mit Ethereal,
was ich aber nur demonstriere und nicht ausprobieren lasse) - dabei
geht's dann natürlich nicht nur um technische, sondern auch um
rechtliche Aspekte sowie um Datensicherheit.

Erst danach behandle ich die vier Schichten des TCP/IP-Referenzmodells,
das OSI-Modell kommt nur am Rande vor.

Gruß
Joachim

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