Niki Lauda 1976 Japan

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Charo Lemucchi

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Aug 4, 2024, 6:15:45 PM8/4/24
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Dererstmals als WM-Lauf ausgetragene Groe Preis von Japan bildete den Abschluss der turbulent verlaufenen Saison 1976. Niki Lauda ging als WM-Fhrender in das Wochenende, jedoch mit nur noch drei Punkten Vorsprung vor James Hunt, seinem einzig verbliebenen Konkurrenten um den Titel.

Das Feld wurde durch mehrere lokale Gaststarter ergnzt, die allesamt ihr Grand-Prix-Debt absolvierten. Noritake Takahara erhielt anstelle des Stammfahrers Brett Lunger den Platz im zweiten Werks-Surtees. Kazuyoshi Hoshino trat in einem Tyrrell 007 des Privatteams Heroes Racing an. In dieser Konstellation kamen erstmals in der Formel 1 Reifen des Herstellers Bridgestone zum Einsatz. Das japanische Team Kojima Engineering debtierte mit einem eigenen Fahrzeug, welches von Masahiro Hasemi pilotiert wurde und mit Dunlop-Reifen ausgestattet war. Masami Kuwashima plante einen Einsatz als Paydriver fr das Team Walter Wolf Racing. Da er die vereinbarten Sponsorengelder jedoch nicht rechtzeitig auftreiben konnte, wurde er bereits whrend des Trainings durch Hans Binder ersetzt. Aufgrund dessen gilt Kuwashima als der Rennfahrer mit der krzesten Formel-1-Karriere. Das Team Maki Engineering, mit dem Howden Ganley, Hiroshi Fushida und Tony Trimmer bereits in den Jahren 1974 und 1975 vergeblich versucht hatten, sich fr einzelne Grand Prix zu qualifizieren, kehrte ein letztes Mal in die Formel 1 zurck. Tony Trimmer wurde erneut als Fahrer engagiert.


Der whrend der gesamten Saison erkennbare langsame Aufwrtstrend des Lotus-Teams gipfelte in einer Pole-Position fr Mario Andretti. Neben beziehungsweise hinter ihm qualifizierten sich die beiden Duellanten um den Weltmeistertitel, Hunt und Lauda. Es folgten John Watson, Jody Scheckter, Carlos Pace, Clay Regazzoni sowie Vittorio Brambilla.


Das Team Maki verfehlte erneut die Qualifikation, ebenso wie bei den insgesamt sieben Versuchen in den Jahren zuvor.[1] Das Shadow-Team bot Trimmer nach der verpassten Qualifikation einen kurzfristigen Einsatz in einem dritten Werks-Shadow an; Maki entlie Trimmer allerdings nicht aus seinem Vertrag.[2]


Am Tag des Rennens regnete es heftig. Zudem zog dichter Nebel auf. Nach einigen Diskussionen entschieden die Veranstalter, das Rennen trotzdem zu starten. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Fahrer mit dieser Entscheidung einverstanden.


Whrend Hunt das Rennen weiterhin anfhrte, kam Brambilla an Andretti vorbei auf den zweiten Rang. In Runde 22 duellierte er sich sogar kurz mit dem Fhrenden, fiel jedoch nach einem Dreher zurck. Daraufhin ergnzte Jochen Mass Hunts Spitzenposition zu einer McLaren-Doppelfhrung, bis er in der 36. Runde verunfallte. Dadurch gelangte Patrick Depailler auf den zweiten Rang vor Andretti.


Auf abtrocknender Strecke bekam Hunt im letzten Drittel des Rennens Probleme mit den Reifen und den Bremsen. In Runde 62 konnte er sich nicht mehr gegen Depailler und Andretti wehren. Sowohl der nun fhrende Depailler als auch Hunt selbst mussten zwei Runden spter die Box ansteuern, um neue Reifen aufziehen zu lassen. Dadurch ging Andretti in Fhrung und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab. Hunt kehrte nach dem Boxenstopp als Fnfter auf die Strecke zurck. Whrend der 71. Runde berholte er Alan Jones und Regazzoni. In den beiden Runden zuvor war dies bereits Depailler gelungen, der nun vor Hunt auf dem zweiten Rang lag.[4] Andrettis Sieg war sein zweiter in der Formel 1, fnf Jahre, sieben Monate und 18 Tage nach seinem ersten Sieg beim Groen Preis von Sdafrika 1971. Seit 2024 ist dies der lngste Zeitraum zwischen einem ersten und zweiten Sieg eines Fahrers in der Serie.


Die schnellste Rennrunde wurde Masahiro Hasemi gutgeschrieben. Wenige Tage nach dem Rennen hie es allerdings, dass es sich dabei um einen Messfehler gehandelt habe und die schnellste Runde eigentlich von Jacques Laffite absolviert worden sei.[6]


Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e). Es zhlten nur die besten sieben Ergebnisse aus den ersten acht Rennen und die besten sieben Ergebnisse aus den letzten acht Rennen. In der Konstrukteurswertung zhlte nur das Ergebnis des bestplatzierten Fahrers eines Teams. Streichresultate sind in Klammern gesetzt.


Von wegen gute Gastgeber: Da kehrt die Formel 1 nach 30 Jahren Pause wieder ins japanische Fuji zurck, und die Fahrer mssen die umgebaute Strecke fast ber das gesamte Wochenende im Blindflug erkunden. Der Rundkurs am Rande des Fujisan besttigte seinen Ruf als Chaos-Epizentrum der Formel 1. Schon einmal, im Jahre 1976, wurde hier die WM spektakulr und nahe an der Irregularitt entschieden. Damals gewann der Brite James Hunt im McLaren dank eines dritten Platzes den Titel, nachdem Niki Lauda, der trotz seines Horrorcrashs auf dem Nrburgring die WM anfhrte, aufgrund der wahnwitzigen Bedingungen im Dauerregen nach nur zwei Runden seinen Ferrari verlie und aufgab.


In diesem Jahr stellte keiner der Fahrer seinen Wagen freiwillig ab. Obwohl die ueren Umstnde Anlass dazu gaben. Auf patschnasser Strecke ging es ins drittletzte WM-Rennen, hinter dem Pacecar als Lotsen wurden die Piloten auf eine denkwrdige Reise geschickt. Doch trotz der katastrophalen Wetterverhltnisse irgendwo zwischen Nebel und Dauersprhregen sahen nur sieben Piloten die Zielflagge nicht. Jeder von ihnen hatte danach ein eigenes Drama zu erzhlen, keines war jedoch ggrer als das des Titelverteidigers Fernando Alonso.


Der derzeit wahrscheinlich unbeliebteste Formel-1-Fahrer erlebte in Japan sein ganz persnliches Fegefeuer. Nur whrend der extrem langen Pacecar-Phase kam er in seinem McLaren-Mercedes einigermaen zurecht, danach kurvte er mitunter hilflos durch die Gischt. Mehrmals rutschte er von der Strecke und blockierte in langsamer Fahrt die heranrckende Meute.


Fast zwangslufig kam es zur Kollision. Sebastian Vettel im Toro Rosso war einfach schneller und wollte vorbei, Alonso reagierte wie immer und drngelte sich auf die Innenbahn. Eine testosterongeschwngerte Chefgeste als Manver, wie sie schon hufig in dieser Saison zu sehen war. Mit dem Unterschied, dass diesmal sein Gegner nicht klein beigab und gegenhielt. Die unausweichliche Berhrung kreiselte Alonso von der Strecke, weiter ging es von dort an mit einem beschdigten Fahrzeug, das ihm die Fahrt keineswegs erleichterte. Nur wenige Runden spter endete Alonsos Auftritt mit einem Knalleffekt.


Der Spanier verlor vollends die Beherrschung ber seinen McLaren und krachte in die Begrenzungsmauer. Alonsos Arbeitstag war endgltig beendet, der Aquaplaning-Unfall knnte sich als entscheidend fr die WM erweisen, so viel Realismus bewies sogar der ewige Egoist: "Das Auto ist weggeflogen, leider an der falschen stelle, wo die Mauer sehr dicht steht. Es wird schwieriger. Mit den Punkten, die ich hinten liege, brauche ich ein Wunder, um zu gewinnen. Lewis msste fast in den Ruhestand gehen, damit ich noch eine Chance habe", so Alonso.


Aber diesen Gefallen wird Hamilton seinem ungeliebten Teamkollegen sicher nicht freiwillig machen. Denn in Fuji gelang dem 22-jhrigen Briten endgltig sein Meisterstck. Als "Master of Desaster" beherrschte er vom Start weg das Geschehen und zeigte auch unter schwierigsten Bedingungen, dass hier ein gereifter und wrdiger Champion dem Titel zustrebt. Selbst ein unverschuldeter Rennunfall mit Robert Kubica im BMW-Sauber konnte ihn bei seinem vierten GP-Sieg nicht aufhalten.


Solche Fehler wird sich der 22-Jhrige nicht mehr leisten. Nach Alonsos Debakel ist er der einzige Fahrer im Feld, der die WM bislang ohne Ausfall berstanden hat. Ein perfektes Auto ist dafr nur die halbe Miete, fahrerisches Knnen die bessere Hlfte. Diesen Eindruck hatte auch sein sportlicher Leiter: "Ich habe selten eine bessere Fahrt gesehen, er war fehlerfrei. Er hat alles richtig gemacht," begeisterte sich Norbert Haug.


Nur feiern lie sich der Weltmeister in spe angesichts zweier ausstehender Rennen noch nicht. Zwlf Punkte Vorsprung vor Alonso, 17 auf Ferrari-Pilot Kimi Raikknen sind zumindest theoretisch noch einzuben. Praktisch hat Ferrari ganz andere Sorgen. Denn den Italienern droht ein Kleinkrieg mit der Fia. Die Rennleitung hatte vor dem Start aus Sicherheitsgrnden auf Regenreifen bestanden und smtliche Teams darber informiert.


Bis auf Ferrari, wie zumindest die Scuderia behauptet. Prompt schickte sie ihre Fahrer mit "Intermediates" los und wurde per Funk mit Disqualifikation bedroht. Rikknen und Massa mussten einen Zwischenstopp einlegen und vergaben frh smtliche Siegchancen. Oder wie Rikknens Renningenieur Cris Dyer einer Premiere-Reporterin erklrte: "The Fia fucked our race!"

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