Der 1916 in Halle an der Saale geborene Röhrig interessierte sich besonders für
den Gesang. In Stuttgart leitete er das Philharmonia-Vokalensemble, in Nürnberg
den dortigen Lehrergesangverein. Er rühmte sich gerne, die Karrieren von René
Kollo und Caterina Valente initiiert zu haben. Intelligente Analysen schrieb er
über die stimmlichen Kunstwerke der "Singers Unlimited" und Ella Fitzgerald.
Noch im hohen Alter verblüffte er als Jury-Mitglied beim Wettbewerb "Jugend
jazzt" durch sein untrügliches Gehör.
Eine solide Musikausbildung (mit Klavier, Kompositionslehre und Dirigieren)
hatte Wolfram Röhrig vor dem Krieg in Berlin genossen. 1950 kam er aus
russischer Kriegsgefangenschaft zurück - vierzig Jahre danach erzählte er immer
noch gerne Tschechow-Anekdoten in der Originalsprache. 1969 wurde der
international bewanderte Musiker und Manager zum Vize-Präsidenten der "European
Jazz Federation" gewählt, nachdem er drei Jahre zuvor zum Vorsitzenden der
Deutschen-Jazz-Föderation bestimmt worden war. Seine respektable Stellung am
SDR wußte stets zu nutzen, um den Jazz zu unterstützen. Zusammen mit dem 1989
verstorbenen Dieter Zimmerle entwickelte er die Veranstaltungs- und Sendereihe
"Treffpunkt Jazz". Der Südfunk war einst im swingenden Konzertleben der
Landeshauptstadt absolut tonangebend. Unvergessen sind die monatlichen
Veranstaltungen in der Liederhalle - da traten beispielsweise bei einem
Doppelkonzert Ende 1979 im Mozartsaal die zwei innovativen Legenden Stan Getz
(Saxophon) und Bill Evans (Piano) an.
Am 30. Mai 1998 verstarb der zuletzt in Esslingen (Württ.) wohnhafte Röhrig
nach kurzer schwerer Krankheit. Zahlreiche Leute der Jazz-Szene haben Wolfram
Röhrig viel zu verdanken.
HANS KUMPF