Grundstzlich lassen sich deutsche Verben in zwei Klassen unterteilen: in solche, die stark, und solche, die schwach gebeugt werden. Die schwache Beugung oder Flexion wird gleichfrmig gebildet und folgt diesem Muster: ich koche (Prsens), ich kochte (Prteritum), ich habe gekocht (Perfekt). Der Verbstamm koch bleibt also gleich. Bei starken oder unregelmigen Verben hingegen ndert sich nicht nur die Endung des Verbs, sondern auch der Stammvokal. Ein Beispiel: ich trinke, ich trank, ich habe getrunken. Daneben gibt es noch wenige so genannte gemischte Verben. Sie vereinen die starke und schwache Flexion, beispielsweise: ich bringe, ich brachte, ich habe gebracht. Wie bei den starken Verben ndert sich auch hier der Stammvokal, doch die Endung entspricht der schwachen Flexion.
Dieses Phnomen lsst sich schon bei kleinen Kindern beobachten, die ihre Muttersprache erlernen. Sie meistern zuerst die Regeln der schwachen Verbbildung, anschlieend beherrschen sie die starke Flexion. Deshalb neigen Kinder dazu, starke Verben regelmig zu bilden. Es entstehen Formulierungen wie ich gehte oder ich habe ausgeschlaft. Spracherwerbsforschende vermuten, dass Kinder ein mentales Schema bilden, indem sie bekannte Regeln auf andere Wrter bertragen. Und die regelmige Verbflexion eignet sich dafr besonders gut.
Doch was wre die deutsche Sprache ohne Sonderflle? Ein solcher ist winken. Heit es denn nun, ich habe gewinkt oder ich habe gewunken? Sprachhistorisch betrachtet sagte man in der Vergangenheit tatschlich winkte und gewinkt, die Form gewunken ist spter hinzugekommen. Wie Stephan Elspa von der Universitt Salzburg festgestellt hat, verhlt es sich damit bei winken anders als bei den meisten anderen deutschen Verben. Die ursprnglich schwache Form scheint in eine starke berzugehen.
Allerdings hat sich diese nderung offenbar nur fr die Form im Partizip durchgesetzt; im Prteritum hlt sich ziemlich hartnckig das schwache winkte, es gibt nicht etwa wank. Nach heutigem Sprachempfinden sind jedenfalls beide Partizipien korrekt: Der Freund hat mir zugewinkt oder eben zugewunken.
Allerdings existieren Hinweise, welche Verben sich verndern knnten. Genauer gesagt, es gibt eine Reihenfolge: Den Anfang macht die Befehlsform (Imperativ), und am Ende steht das Partizip Perfekt. Brech mir nicht das Herz ist im gesprochenen Deutsch inzwischen hufiger zu hren als das korrekte Brich mir nicht das Herz. Eine Partizipform wie gebrecht ist deshalb aber lngst noch nicht gebruchlich.
Bittner ist der Ansicht, dass die Zeichen fr einen tief greifenden Sprachwandel aktuell eher schlecht stehen: Zwar wchst die Sensibilitt fr Sprache beispielsweise durch die Debatte zur gendergerechten Sprache, erklrt Bittner, aber gleichzeitig diskutieren, ja streiten viele Menschen darber, ob im Deutschen von Arbeiterinnen und Arbeitern, Arbeiter*innen, Arbeitenden oder einfach nur Arbeitern die Rede sein soll. Weil sich die Debatte um den Wandel an sich dreht, befassen sich viele mit der eigenen Sprache und der Frage, was korrektes Deutsch ist und was nicht. Das erzeuge Unsicherheit und Normbeharrung, also keine Wandelakzeptanz, sondern Ablehnung, sagt Bittner.
Die Debatte ber gendergerechte Sprache tobt jedoch weniger ber die Weiterentwicklung der Verben. Stark oder nicht stark, lautet ja die Frage. Dass seltener verwendete Verben, fr die bereits zwei bedeutungsgleiche Beugungsformen existieren, gnzlich regelmig werden, ist nur eine Frage der Zeit. Bis es dann vielleicht heit: Der Bauer melkte die Kuh, die Frau flechtete ihre Haare, und der Mann hebte die Mnze auf.
Als Bedeutungselement (Sem) kann der Sexus einer Bezeichnung unsichtbar sein oder sich offen zeigen in geschlechtstypischen Wrtern oder Wortelementen und -formen. Beispielsweise wird der Vorname Paul nur fr mnnliche Personen gebraucht, aber sein mnnlicher Sexus ist am Wort nicht erkennbar; bei der Form Paula ist der Sexus sichtbar markiert durch die zugefgte Endung -a, die hier als weiblich gelesen wird. An Wortzusammensetzungen wie Geschftsfrau oder Vertrauensmann ist der Sexus sofort ablesbar, ebenso bei der Zebrastute und dem Flusspferdbullen.
In der deutschen Sprache zeigen rund 12.000 weibliche Berufs- und Ttigkeitsbezeichnungen ihr Sexusmerkmal deutlich in der Wortendung -in, alle haben feminines Genus (eine Lehrerin). Umstritten bleibt in der Sprachwissenschaft, inwieweit die 12.000 maskulinen Bezeichnungsformen ein mnnliches Sexusmerkmal enthalten und anzeigen (Paul ist ein Lehrer), oder ob ein bergeordneter, geschlechtsneutraler Wortsinn ohne Sexusbezug gemeint ist (Paul und Paula sind Lehrer). Vom Sprachgebrauch ausgehend, wird deskriptiv unterschieden zwischen Sexus-bezogenem Gebrauch der Maskulinformen (nur fr Mnner) und ihrer Verwendung im verallgemeinernden Sinne ohne Sexusbezug (generisches Maskulinum).
Ein Vergleich von vier Personenbezeichnungen zeigt in Bezug auf Belebtheit unterschiedliche Bedeutungseigenschaften (semantische Merkmale), wobei nur die erste Bezeichnung eine Angabe zum natrlichen Geschlecht enthlt:
Faktoren aus der Formenlehre (Morphologie) haben normalerweise mehr Gewicht als semantische;[g: 5] so bestimmt bei Wortzusammensetzungen das Letztglied das Genus und kann bei Personenbezeichnungen zu einer Wortbedeutung ohne Sexus fhren:
Wenn ein geschlechtsgebundener Personenname oder eine sexusspezifische Personenbezeichnung Subjekt eines Satzes oder Satzteils ist (Nominalphrase), kann sich das entsprechende Genus durch den ganzen Satz ziehen, von der Wiederaufnahme mit Artikel oder Pronomen bis hin zum letzten Wort einer Prdikation. Meist lsst sich an den genusbedingten Formen sofort ablesen, ob Aussagen zu einer weiblichen Person oder zu einer mnnlichen Person gemacht werden (mentale Reprsentation):[18]
Beim sexusindifferenten, generischen Gebrauch maskuliner Formen (Klasse C) wird die inhaltliche Sexusbezogenheit ausgeblendet. Wenn zustzlich der generische Singular als sprachliches Mittel eingesetzt wird, entsteht eine mehrfache Uneindeutigkeit der Aussage; so bleibt zunchst unklar, ob sexusspezifisch ein Mann gemeint ist oder exemplarisch alle Mnner, oder ob eine verallgemeinernde Aussage zu einer gemischtgeschlechtlichen Personengruppe getroffen werden soll (sexusindifferent):
Fr Personenbezeichnungen mit der Bedeutungseigenschaft natrliches Geschlecht gilt allgemein, dass grammatisch feminine Bezeichnungen fr weibliche Personen verwendet werden und maskuline fr mnnliche Personen. Dieses Verhltnis zwischen einer grammatischen Kategorie (Genus) und einem semantischen Merkmal (Sexus) wird in der Grammatik des Deutschen seit Mitte des 20. Jahrhunderts unterschiedlich benannt.
Mit Ausnahme von Pluralwrtern (Eltern, Geschwister) sind Verwandtschaftsnamen strikt geschlechtsgebunden und liegen in zwei sexusspezifischen Varianten aus verschiedenen Wortstmmen vor (Bruder, Schwester).[28] Fr Verwandtschaftsbezeichnungen gilt generell, dass die maskuline Variante nicht sexusindifferent (generisch) verwendet wird.[n: 2]
Unter den insgesamt rund 15.000 Personenbezeichnungen (so Peter Braun 1997)[42] mit maskulinem Genus gibt es nur eine Handvoll, die sich nicht spezifisch auf mnnliche Personen beziehen oder diese im sexusindifferenten Sinne mitmeinen knnen:
Es gibt andere indoeuropische Sprachen, bei denen der generische Gebrauch des maskulinen Genus weitreichender ist; so verwies Hans-Martin Gauger 2014 auf das Spanische, wo auch Verwandtschaftsbezeichnungen fr mnnliche Personen im Plural sexusindifferent verwendet werden:
In den bildenden und darstellenden Knsten und in manchen Textsorten wird bei Personifizierungen von Lebewesen oder unbelebten Dingen oder Abstrakta der fiktive weibliche oder mnnliche Sexus durchgngig am femininen beziehungsweise maskulinen Genus der entsprechenden Substantive ausgerichtet:[4]
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