Bots Was Wollen Wir Trinken 7 Tage Lang Download

0 views
Skip to first unread message
Message has been deleted

Yvette Burkhammer

unread,
Jul 9, 2024, 8:42:19 AM7/9/24
to propyforin

Achtung! Texte und Gitarrenharmonien auf der Innentasche" - die Aufforderung auf dem Cover war unmissverstndlich. Alle Gutmeinenden sollten zur Klampfe greifen und die Botschaft in die Zeltdrfer und an die Lagerfeuer tragen. A-moll, G-Dur, F-Dur, G-Dur, a-moll - wer diese Akkorde spielte, produzierte vielleicht etwas, das so hnlich klang wie "Sieben Tage lang" von den bots. Der Text dazu geht etwa so: "Was wollen wir trinken, sieben Tage lang, was wollen wir trinken, so ein Durst. Es wird genug fr alle sein, wir trinken zusammen, roll das Fass mal rein, wir trinken zusammen, nicht allein."

bots was wollen wir trinken 7 tage lang download


Download Zip https://vlyyg.com/2yMfcH



Reden wir nicht von Prince, Madonna und HipHop, nicht von The Clash, den Fehlfarben oder was sonst in den achtziger Jahren wichtig gewesen sein mag. Reden wir von jenem Stck Erbauungs-Lyrik, zu dem in der ersten Hlfte des Jahrzehnts alle Friedensbewegten und Atomkraftgegner eine flotte Birkenstock-Sohle aufs Parkett legten. Ungeachtet aller sonstigen musikalischen Entwicklungen wurde dieser Ringelpietz getanzt bei den Jugendabenden evangelischer Pfarrhuser, bei Demonstrationen, Schulfesten und Teach-Ins.

Die bots kamen eigentlich aus Holland und waren auf der Bhne etwa so temperamentvoll wie ein Tpferkurs. Ihre Texte aber wurden von Hanns Dieter Hsch, Wolf Biermann, Hannes Wader oder Gnter Wallraff bersetzt, den Sulenheiligen sich damals irgendwie links dnkender Menschen. Und wer zhlte damals schon nicht dazu - mit Ausnahme vielleicht von Gerhard Lwenthal und Franz-Josef Strau?

"Sieben Tage lang" mit seinem an Bnkelsang gemahnenden Fltenmotiv war schlicht wie ein Grnkernbratling - und lag Menschen mit musikalischem Feinsinn entsprechend schwer im Magen. Der einfache Appell zur Soldaritt, der an lndliche Lebensweisen erinnernde Text, der folkloristische Anstrich im Arrangement plus Hippie-Bonus fr Hollnder - das alles ergab eine todsichere Kombination alternativer Schlsselreize und fhrte dazu, dass die bots in beinahe jeder Matratzengruft auf dem Plattenteller lagen. Sie standen im Ruf, in den vordersten Grben mit zu fighten. Gegen Unkostenbeitrag gab es sogar Playback-Kassetten ihrer Lieder fr den Schulunterricht.

Doch die Lieblingsband aller Deutsch- und Religionslehrer machte einen Fehler: Sie unterschrieb bei EMI Electrola. Der angeschlagene Unterhaltungskonzern war 1979 mit dem Rstungskonzern Thorn fusioniert worden. Thorn Emi machte damals gut die Hlfte seines Gewinns von knapp 900 Millionen Pfund mit so aparten Produkten wie Radarsystemen und Raketensteuerungen.

Ausgerechnet im Klner Werk der EMI wurde der Sound-Track der Friedensbewegung gepresst. Der Rstungskonzern hatte damit kein Problem. Er untersttzte ganz angstfrei auch Brger-Initiativen gegen die Frankfurter Startbahn West. Nur als die bots eine Goldene Schallplatte fr ihr Nachfolge-Album "Entrstung" entgegennahmen, unterlief dem verleihenden EMI-Bereichsleiter Zentraleuropa ein Versprecher. Er nannte das Album "Aufrstung". Was von der Wahrheit weniger weit entfernt war, als die meisten bots-Fans durch ihre zu kleinen Nickelbrillen erkennen konnten. Vielleicht waren sie auch zu sehr mit ihren Stricknadeln beschftigt. Mnner strickten damals nmlich in aller ffentlichkeit.

Das Cover der Platte ist ein Klassiker alternativen Kitsch-Schaffens und bringt die Verlogenheit der ganzen Sache auf den Punkt: Ein Kampfpanzer Gepard, der statt der beiden seitlichen Rohre am Turm zwei E-Gitarren trgt, die Ketten sind aus Klaviertasten. Zu Recht sind die fnf sackartigen Flamen heute aus dem kollektiven Gedchtnis gelscht. Mgen sie irgendwo in Frieden ihre Energiebllchen rollen. Die "Sieben Tage" aber gehen weiter - mittlerweile als reines Sauflied und befreit von allen politischen Implikationen.

Letzten Sommer erlebte ich den ersten Tag der deutschen Schulferien auf Mallorca. Jenes Datum, an dem sich eine idyllische Insel in ein Katastrophengebiet verwandelt. Am Strand lag, frisch aus dem Flieger gefallen, eine Gruppe Teutonen, jung und mnnlich, mit roten Kpfen und stark vermindertem Koordinationsvermgen. Aus ihrem Kassettenrecorder plrrte in Endlos-Schleife "Sieben Tage lang". Womit sie kund taten, wie sie die nchste Woche verbringen wollten. Vielleicht sind solche Erscheinungen der Grund dafr, dass der Internet-CD-Vertrieb "CD Now" die bots heute unter "World Music - Germany" fhrt.

Die Geschftsbereiche von Thorn und EMI wurden 1996 wieder getrennt. Die Aktionre des Unterhaltungskonzerns stimmten mit groer Mehrheit dafr. Trotzdem verfolgt die EMI einen aggressiven Kurs und verleibte sich unter anderem die Konkurrenten Chrysalis, Intercord und Virgin ein. Wer will schon abseits stehen beim groen Konzentrations-Monopoly der Unterhaltungs-Branche?

Auch der bots-Manager und -Texter und Mitmusikant Dieter Dehm war und ist beraus wandlungsfhig. Ursprnglich aus der Frankfurter Sponti-Szene kommend, schrieb er unter anderem "Tausend Mal berhrt" fr Klaus Lage und die Parteihymne der SPD. 1996 wurde bekannt, dass Dehm, der lange Zeit auch fr Wolf Biermann ttig war, in den siebziger Jahren einen Neben-Job als "IM Willy" angenommen hatte.Heute ist Dehm stellvertrender Vorsitzender der PDS. Peace, ey.

7fc3f7cf58
Reply all
Reply to author
Forward
0 new messages